Ein Garten mit Blumen, Rasen, Wiesenfläche und Giesskanne
Lebensraum Garten

Auftanken und lernen im Garten

29.05.2026
1/2026

Studierende verschiedener Departemente und ältere Menschen zusammenbringen? Das neue Modul «Lebensraum Garten» soll dies möglich machen.

Blumen pflanzen, Erde umgraben oder Schmetterlinge beobachten – ein Garten bietet Erholung von unserem digitalisierten Alltag. Diese Erfahrung soll das neue Lernmodul «Lebensraum Garten» Studierenden der Departemente Gesundheit sowie Life Sciences und Facility Management ermöglichen. Die Studierenden aus Winterthur und Wädenswil werden gemeinsam zwei Tage auf dem Gartenareal des ZHAW-Campus in Wädenswil verbringen. Mit dabei sind auch ältere Personen, die ihre Gartenerfahrungen einbringen. So soll ein Austausch unter den verschiedenen Fachrichtungen und Generationen angeregt werden.

Die Studierenden werden gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren Kleingruppen bilden und sich für eine Projektarbeit auf ein spezifisches Thema wie etwa Brennnesseln oder Pilze einigen, erklärt Andrea Glässel vom Institut für Public Health, die das Angebot zusammen mit Dorit van Meel vom Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen entwickelt hat. Dabei flossen auch Antworten aus Interviews mit Studierenden und älteren Menschen ein, die im Rahmen einer Masterarbeit geführt wurden.

«Ökologie und Natur gehören dauerhaft in die Ausbildung.»

Dorit van Meel

«Die Teams werden sich mit verschiedenen Aspekten rund um die gewählte Pflanze befassen, zum Beispiel mit der Funktion für das Ökosystem, dem Wachsenlassen, Ernten oder der Weiterverarbeitung», erklärt die Professorin. Danach gelte es, die Ergebnisse interaktiv zu präsentieren. Parallel zu den Gruppenarbeiten werden Themen wie Ökologie und Biodiversität im Rahmen von Online-Lerneinheiten weiter vertieft und die Teilnehmenden zum Reflektieren angeregt – unter anderem mithilfe eines Lernjournals.

Future Skills fördern

Das Modul zielt einerseits darauf ab, dass angehende Gesundheitsfachpersonen das erworbene Wissen später in ihrem Beruf anwenden. Zum Beispiel könnten Physiotherapeutinnen ihre Patienten motivieren, mehr nach draussen zu gehen, oder Pflegefachpersonen in einem Alters- oder Rehabilitationszentrum mit den Patientinnen den Garten besuchen, erklärt Glässel. Anderseits sei aber auch die persönliche Erfahrung wichtig. «Bewegung im Grünen reguliert Stress, verbessert die Stimmung und die kognitiven Funktionen.»

Die angehenden Umweltingenieurinnen und -ingenieure seien wohl meist schon vertrauter mit Natur- und Umweltthemen als die Studierenden der Gesundheitsberufe, sagt Dorit van Meel. Dennoch könnten auch sie viel vom neuen Modul profitieren: «Im Austausch mit Menschen aus anderen Disziplinen sollen sie eine gemeinsame Sprache finden und lernen, ihr Know-how verständlich zu vermitteln.» Das sei hilfreich, wenn sie später vielleicht mit Nonprofitorganisationen oder Vereinen arbeiten würden, erklärt van Meel. «Biodiversität hat immer auch mit Menschen zu tun.» Im Zentrum der Lehrveranstaltung stehe weniger der reine Output, sondern die Förderung von sogenannten Future Skills wie etwa systemischem Denken und Kooperation.

«Bewegung im Grünen reguliert Stress, verbessert die Stimmung und die kognitiven Funktionen.»

Andrea Glässel, Professorin am Institut für Public Health

Weitere Studierende sollen profitieren

Bis die Veranstaltung «Lebensraum Garten» zum ersten Mal durchgeführt werden kann, braucht es jedoch weitere finanzielle Mittel. Pro Durchlauf sollen rund 15 Studierende und etwa 5 ältere Menschen teilnehmen können. Bei Letzteren handelt es sich zumeist um Personen im Ruhestand, die sich im Umfeld der öffentlichen Gartenanlage in Wädenswil bewegen und sich zur Verfügung stellen, ihr Erfahrungswissen einfliessen zu lassen.

Später könne man sich vorstellen, das Modul auszubauen und auch für andere Departemente zu öffnen, stellt Dorit van Meel in Aussicht. «Ökologie und die gesundheitsfördernden Effekte der Natur sollten zu einem dauerhaften Teil weiterer Studiengänge werden», findet die Biologin und Dozentin. «Unsere Vision ist ein Campusgarten, in dem sich Generationen begegnen, voneinander lernen und sich miteinander von der Natur inspirieren lassen.»

Interdepartementale Zentren involviert

Das Modul «Lebensraum Garten» erhielt finanzielle Unterstützung vom Kompetenzzentrum Angewandte Gerontologie AGe+, in dem Angehörige verschiedener ZHAW-Departemente vertreten sind. Gemeinsam mit externen Organisationen arbeiten sie an Fragen, die sich in Zusammenhang mit der alternden Gesellschaft stellen. Sie entwickeln Lösungen in Bereichen wie Altersvorsorge, Gesundheitsförderung, sozialer Teilhabe, Entlastung Angehöriger, Digitalisierung oder Wohnen.

Weiter am Modul beteiligt ist das Digital Health Design Living Lab. Der interdisziplinäre Hub bringt Fachpersonen der Zürcher Hochschulen ZHdK, UZH und ZHAW mit Akteur:innen des Gesundheitswesens zusammen, unter anderem um digitale Produkte und Dienstleistungen für die Gesundheitsversorgung voranzutreiben.

(Aufmacherbild: Adobestock/Magic Moments)

0 Kommentare

Sei der Erste der kommentiert!

Kommentar ist erforderlich!
Name ist erforderlich!
Gültige E-Mail ist erforderlich!
This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.