
Entspannt verreisen und zurückkommen
Was braucht es, damit man in den Ferien richtig abschalten und die Arbeit für einmal komplett vergessen kann? Sieben Behauptungen, eingeordnet von Imke Knafla, Co-Leiterin Institut für Mental Health.
Wer entspannt Ferien machen will, muss vorher alle dringenden Punkte abarbeiten.
Eine gute Vorbereitung ist wichtig, aber nicht im Sinn von «alles fertig machen», sondern offene Punkte so weit zu klären, dass sie im Kopf nicht ständig weiterarbeiten. Forschung zu Urlaub und Erholung zeigt, dass übermässige Arbeitsbelastung vor und nach dem Urlaub die positiven Effekte schnell abschwächen kann. Wenn man vor den Ferien zu viel komprimiert, steigt die Belastung genau dann, wenn Erholung eigentlich beginnen sollte.
Um gar nicht mit der Arbeit in Kontakt zu kommen, sollte man sich auf dem Smartphone ausloggen aus dem Geschäfts-Mailaccount.
Sich auf dem Smartphone aus dem Geschäfts-Account auszuloggen kann sehr sinnvoll sein, wenn das Ziel echte Distanz ist. Dies ist individuell. Forschung zu arbeitsbezogener Smartphone-Nutzung im Urlaub zeigt, dass digitale Arbeitssignale die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verwischen und Erholung erschweren können. Wer weniger an die Arbeit erinnert wird, kann leichter abschalten. Dies trifft besonders zu, wenn Benachrichtigungen Stress auslösen.
Social-Media-Manager können der Arbeit nicht ausweichen, wenn sie Social Media auch privat nutzen möchten.
Wer beruflich mit Social Media arbeitet, kann dem Job nicht vollständig ausweichen, wenn er oder sie privat dieselben Plattformen nutzt. In diesem Fall hilft nicht «alles vermeiden», sondern die Trennung von Rollen und Nutzungskontexten. Erholungsforschung zeigt, dass Abschalten nicht zwingend vollständige Nicht-Nutzung bedeutet, sondern vor allem das Ausbleiben von arbeitsbezogener Grübelei und Pflichtgefühl. Wenn Social Media privat wirklich nur schwer von Arbeit trennbar ist, hilft oft eher die Frage: Welche Inhalte sind erholsam und welche sind berufliche Stimuli? Genau diese Unterschiede sind für mentale Distanz wichtiger als die blosse App-Nutzung.
Keine Erholung ohne gute Stellvertretung.
Eine gute Stellvertretung kann für die Erholung wichtig sein. Studien und Übersichtsarbeiten zeigen, dass Entspannung und Abschalten besser gelingen, wenn Arbeitsanforderungen während der Abwesenheit aufgefangen werden und nicht mental präsent bleiben.
«Die Rückkehr sollte Teil der Ferienplanung sein, nicht ein nachträglicher Gedanke.»
Zu verreisen hilft, weil man nur so weit weg von Wäschebergen und Ähnlichem ist.
Ja, Distanz hilft oft. Forschung zu Erholung zeigt, dass Abstand vom Alltag, von Routinen und von häuslichen Pflichten das mentale Abschalten erleichtern kann; zugleich berichten Studien, dass Reisen und neue Umgebungen mit höherer Erholung und positivem Erleben verbunden sind. Dies liegt vermutlich daran, dass Reisen oder andere Orte die Aufmerksamkeit stärker auf andere Reize lenken und so Grübeln reduzieren. Entfernung wirkt aber nicht automatisch.
Kaum zurück, überrollt einen der Stress und Alltagstrott wieder.
Die Rückkehr sollte Teil der Ferienplanung sein, nicht ein nachträglicher Gedanke. Untersuchungen zeigen, dass Urlaubseffekte nach Arbeitsbeginn oft relativ schnell wieder abnehmen, vor allem wenn direkt danach viel Arbeitsdruck wartet. Darum ist ein sanfter Wiedereinstieg sinnvoller als ein voller Kalender ab dem ersten Tag. Bewährt haben sich folgende Massnahmen: Ein im Kalender eingetragener Puffer für E-Mails, Ablage und organisatorische Nacharbeit und ein kurzes Priorisieren am ersten Tag: Was ist wirklich dringend, was ist nur laut?
Mehrere kurze Ferien übers Jahr verteilt bewirken mehr als eine lange Auszeit.
Die Aussage ist teilweise korrekt und hängt vom Kontext und der Person ab. Mehrere kürzere Erholungsphasen können über das Jahr verteilt sehr wirksam sein, weil Erholungseffekte nach Urlaub oft wieder verblassen und somit regelmässige Unterbrechungen hilfreich sein können. Gleichzeitig zeigen Studien, dass in längeren Ferien das Abschalten besser gelingt. Es ist also nicht ein Entweder-oder, sondern eine Frage von Qualität, Häufigkeit und individueller Passung.
(Aufmacherbild: Adobestock/svetograph)
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