Die beiden Studierenden posieren hinter einem Rennboliden.

Von der ZHAW auf die Rennstrecke

30.06.2026
1/2026

Der Verein Zurich UAS Racing baut eigene E-Rennautos. Ein Werkstattbesuch bei den ZHAW-Studierenden, die jede freie Minute in ihr Projekt stecken.

Die Sonne brennt vom Himmel, als wir uns mit Lea Schenk und Leo Pavlovic auf dem Platz vor dem Technikum in Winterthur treffen. In ihrer Werkstatt gleich um die Ecke ist es jedoch auch bei 30 Grad Aussentemperatur angenehm kühl, obwohl bei unserem Besuch sieben Leute gleichzeitig im bis zur Decke mit allerlei Material gefüllten Raum arbeiten. Dieser Tage herrscht ständig Hochbetrieb hier, manchmal sogar nachts, wie Schenk sagt: «So kurz vor der Präsentation unserer neuen Autos müssen wir ein paar Nächte durcharbeiten. Aber am Ende klappt es immer, dass wir rechtzeitig fertig sind. Das ist das Tolle an diesem Team: Die Leute sind jederzeit da, wenn sie gebraucht werden.»

«Die Leute», das sind mehr als 80 Studierende der ZHAW aus verschiedenen Departementen, die sich alle dem Studierendenverein Zurich UAS Racing angeschlossen haben. Einem Verein, der Rennboliden konzipiert, baut und damit an «Formula Student»-Rennen teilnimmt. Gegründet wurde der Verein 2019 von Studierenden der School of Management and Law und der School of Engineering. Gerade einmal 16 Mitglieder hatte Zurich UAS Racing in dieser Anfangsphase – «das ist übrigens der Grund, weshalb wir bis heute mit der Nummer 16 fahren», sagt die 26-jährige Studentin. Nach drei Jahren schloss sich erstmals jemand aus dem Departement Angewandte Linguistik der Renntruppe an, seither ist man daran, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Departementen aktiv auszubauen. 

Grosse Verantwortung in jungem Alter

Lea Schenk war 2023 die zweite Person aus dem Departement Angewandte Linguistik, die dem Verein beigetreten ist, «mittlerweile sind acht Linguist:innen dabei, die sich alle um die Bereiche Kommunikation, Eventmanagement und Media Production kümmern». Zwar hat Schenk ihr Studium an der ZHAW unterdessen abgeschlossen. «Als sich aber Ende Saison 2023/24 herauskristallisierte, dass ich den Team Lead Operations übernehmen kann, wollte ich mir diese Chance auf keinen Fall entgehen lassen.»

Dass nur Studierende im Verein mitwirken dürfen, war ein entscheidender Grund für sie, noch ein Masterstudium anzuhängen. «Der Verein ist ein absolutes Herzensprojekt für mich», erklärt sie, «und wo sonst kann man in einem so jungen Alter schon so viel Verantwortung übernehmen und gleich fünf Subteams führen? Die Aufgabe ist ein tolles Übungsfeld, ich kann hier alles anwenden und vertiefen, was ich im Studium gelernt habe.»

«Ich kann hier alles anwenden und vertiefen, was ich im Studium gelernt habe.»

Lea Schenk, COO Zurich UAS Racing

Das bestätigt auch ihr Kollege Leo Pavlovic, Deputy Teamleader Mechanics: «Man lernt unglaublich viel hier in der Werkstatt, weil wir ‘hands-on’ arbeiten und uns nicht nur ein paar Vorlesungsfolien anschauen.» Pavlovic ist dem Verein gleich zu Beginn seines Studiums an der School of Engineering beigetreten. «Anfangs hatte ich etwas Mühe mit der Schule, habe gewisse Dinge nicht verstanden. Dann konnte ich hier immer fragen und jemand aus dem zweiten oder dritten Jahr hat es mir erklärt.» Zurich UAS Racing sei eben «viel mehr als ein Verein», sagt er, «hier entstehen Freundschaften und man unterstützt sich gegenseitig».

Zwar ticken die Vereinsmitglieder durchaus unterschiedlich, wie Schenk sagt, «aber uns alle verbindet die Leidenschaft für den Motorsport». Während die einen von der Technik fasziniert sind, finden andere das Konstruieren an sich spannend oder aber die Vermarktung eines Rennautos. «Unser Verein ist sehr interdisziplinär aufgebaut: Wir haben das Mechanics-Team, das Electrics-Team, Informatiker, Wirtschaftsstudierende … Es funktioniert nur, wenn alle über die Disziplinen hinweg zusammenarbeiten und kompromissbereit sind», sagt Pavlovic.

Komplett neues Auto für 2026

So wurde natürlich auch in der Gruppe besprochen, was am letztjährigen Auto verbessert werden sollte für diese Saison. «Wir haben das Fahrzeug bis ins kleinste Detail analysiert und uns bei jedem Teil gefragt, wieso wir das so gemacht haben und nicht anders. Mit dem Resultat, dass wir jetzt ein komplett neues Auto gebaut haben, bei dem kein Teil identisch ist mit dem letztjährigen Modell», sagt Pavlovic.

Vielleicht hätten sie es etwas zu gut gemeint, gibt der 24-Jährige zu, «denn wir gehen dadurch natürlich ein Risiko ein». Zumal sie es letztes Jahr zum ersten Mal geschafft hatten, das Langstreckenrennen fertigzufahren. «Ein riesiges Achievement», ordnet Pavlovic ein, «von den 85 am Wettbewerb teilnehmenden Teams sind bloss 44 in dieser Disziplin überhaupt an den Start gegangen und nur 27 sind das Rennen fertig gefahren.» Das zu schaffen sei deshalb auch ohne Platz auf dem Podest ein Sieg gewesen für das Team, sagt er voller Stolz.

Wie sie ihre Chancen am kommenden «Formula Student Switzerland» vom 9.–15. Juli einschätzen? «Ich bin sehr, sehr zuversichtlich, gerade weil wir gewisse Sachen von Grund auf neu konzipiert haben», sagt Pavlovic. Auch Schenk ist optimistisch, gibt aber zu bedenken, dass dieses Jahr mehr Teams teilnehmen werden als je zuvor und viele davon der Weltspitze zuzuordnen sind. «Das Team der ETH etwa, aber auch Milano und zwei österreichische Teams werden hoch gehandelt», erzählt die Studentin. Sie alle bauen seit etwa 15-20 Jahren Autos. «Das ist ein enormer Wissensvorsprung, da können wir mit unseren sieben Jahren Erfahrung noch nicht mithalten. Aber ich bin sehr gespannt, wo wir uns werden einordnen können im internationalen Vergleich.»

Auf das Rennen freuen sie sich auch deshalb, weil mit den konkurrierenden Teams über die Jahre Freundschaften entstanden sind. «Logisch bleibt es ein Wettkampf, aber wenn etwas kaputt geht und ein Ersatzteil fehlt, dann helfen einem die anderen Teams aus», sagt Pavlovic, «denn am Ende des Tages wollen alle die verschiedenen Autos fahren sehen.»

Netzwerken ist essenziell

Ersatzteile und alles andere werden übrigens nur teilweise von der ZHAW finanziert. «Vieles läuft über Partner, die uns das Material nach unseren Wünschen anfertigen und zur Verfügung stellen», so Pavlovic, der in seiner Rolle unter anderem eng mit dem Partnership- und Finance-Team zusammenarbeitet. Er ist der Networker des Vereins und liebt genau das an seiner Aufgabe: «Die Zusammenarbeit innerhalb der ZHAW und mit externen Partnern gefällt mir schon sehr. In der Industrie so vernetzt zu sein und zu wissen, bei wem ich mich mit welchem Problem melden kann, ist spannend. Zudem kenne ich durch meine Vereinsrolle nicht nur unsere Rektorin, sondern auch diverse Institutsleitende. Es fühlt sich nicht so an, als ob ich nur an der ZHAW studieren würde, ich bin vielmehr ein Teil davon – das macht mega Spass.»

«Es fühlt sich nicht so an, als ob ich nur an der ZHAW studieren würde, ich bin vielmehr ein Teil davon.»

 Leo Pavlovic, Deputy Teamleader Mechanics Zurich UAS Racing

Das Ganze bedeutet jedoch auch ein grosses Engagement. «Ich kann keine Stundenzahl nennen, aber in Phasen wie der aktuellen gibt es kein Limit gegen oben», gibt der Student zu. Ob sein Studium nicht darunter leidet? «Vielleicht ein bisschen. Aber für mich gehört der Verein nun einmal zum Studium dazu.» Auch bei Schenk summieren sich die Stunden: «Mit meiner Masterarbeit, die ich auch über Zurich UAS Racing schreibe, und der Arbeit für den Verein bleibt nicht mehr viel Zeit für Anderes», sagt sie, «aber es macht Spass und das ist meine letzte Saison, deshalb ist das Ende absehbar. Und ja, danach ist es dann auch schön, wenn das Leben ausserhalb des Vereins wieder weitergeht.»

Formula Student Switzerland

Bevor an der Formula Student Switzerland Rennen gefahren werden, wird das Auto technisch abgenommen und in verschiedenen Disziplinen analysiert und bewertet. Es muss ausserdem ein fiktiver Business Plan vorgelegt werden, der die Kosten auflistet und aufzeigt, wie Komponenten des Autos vermarktet werden könnten. Schliesslich werden drei Disziuplinen dynamisch gefahren und als Abschluss das Langstreckenrennen über 22km.
Am Anlass sind nur elektrische Rennautos zugelassen. Der Event findet vom 9.–15. Juli 2026 in Geschinen statt.

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