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Aktive Filter: Kategorie: Perspektivenwechsel Autor: Aufgezeichnet von Sara Blaser Ausgabe: 4/2023 Alle Filter entfernen
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«Unsicher waren nur die Strassen»

Ich war schon auf Forschungsaufenthalten in Indien, Iran und Tadschikistan. Es fasziniert mich, wie verschiedene Länder die Themen angehen, mit denen jede Bergregion konfrontiert ist – Abwanderung, Infrastruktur, Naturgefahren und Klimawandel. Pakistan war Neuland für mich. Wer die Reisehinweise des Aussendepartements liest, überlegt sich eine Reise zweimal. Es wird vor Terror, politischen und sozialen Spannungen gewarnt. Ich habe mich jedoch nie bedroht gefühlt. Unsicher schon, aber nur, wenn ich jeweils im Shared Car, einer Art Taxi-Fahrgemeinschaft, auf den Verbindungsstrassen in der gebirgigen Region unterwegs war. Steinschlag oder Rutschungen kommen häufig vor. Ich besuchte drei Partneruniversitäten an vier Standorten: in Islamabad, Hunza, Gilgit und Chitral. Mit zwei dieser Schulen hatte ich 2021 gemeinsam mit weiteren Hochschulen im Bachelor Umweltingenieurwesen eine Online-Veranstaltungsreihe durchgeführt. Mein Aufenthalt bot mir die Gelegenheit, die zukünftige Zusammenarbeit in Lehre, Forschung und Entwicklung aufzugleisen. Ausserdem traf ich mit der Schweizer Botschaft Abklärungen für eine bevorstehende Forschungsreise einer Schweizer Hochschuldelegation. Meine Tage waren voll. Nach dem offiziellen Teil an den Schulen, wo ich viele gute Gespräche führte und zum Thema Regionalentwicklung dozierte, luden mich meine Kontaktpersonen abends zu sich nach Hause ein, nahmen mich mit auf ein Polo-Turnier oder leisteten mir im Hotel bei Take-away-Pizza und Tee Gesellschaft. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass man über Kulturen und Religionen hinweg viel mehr Gemeinsames als Trennendes findet, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet. Trotz des Dauerprogramms wirkte die Reise sehr entschleunigend auf mich. Der Alltag an den Hochschulen ist etwas entspannter als bei uns. Schmunzelnd stand ich jeweils daneben, wenn einer meiner Dozentenkollegen seine Vorlesungen antrat. Die Studierenden warteten nicht im Vorlesungssaal, sondern der Kollege ging über den Campus und sammelte sozusagen seine Schäfchen ein. In der Vorlesung waren diese zwar sehr engagiert, aber nach einer Stunde liess die Konzentration immer nach. Als ich selber eine Vorlesung hielt und nach einer Stunde fragte, ob ich noch mehr erzählen solle, war die einstimmige Antwort: «Nein, das reicht für heute. Gerne nächstes Mal mehr!» Aufgezeichnet von Sara Blaser

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