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Mit Swissnex an die Hochschul- und Innovations-Hotspots

Die Internationalisierung von Hochschulen hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen, so auch für die ZHAW. Volle 18-mal kommt das Wort «international» zum Beispiel in der Hochschulstrategie 2015–2025 vor. Insbesondere geht es in diesem Zusammenhang um die Positionierung der ZHAW als global agierender Player, dessen Personal international und interkulturell kompetent ist. Bereits seit 2013 arbeitet die ZHAW in Sachen internationale Personalmobilität mit der Initiative Swissnex des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation zusammen. Ziel von Swissnex ist es, Schweizer Hochschulen und individuelle Forschende, aber auch Jungunternehmen bei der internationalen Vernetzung zu unterstützen. Dafür bietet es als eine Art Wissenschaftskonsulat an fünf globalen Standorten einen Zugang zu einem breiten Netzwerk. Die Mobilitätsprogramme sind dabei an die Interessen oder Ziele der Institutionen angepasst. Das heisst, die ZHAW gestaltet mit Swissnex gemeinsam Programme für ihre Mitarbeitenden. Wer am ZHAW-Swissnex-Personalmobilitätsprogramm teilnimmt, kann vom Netzwerk und Wissen der Swissnex-Standorte profitieren. Diese unterstützen die Teilnehmenden bei der Vorbereitung und konkreten Planung eines Aufenthalts sowie vor Ort. Sie helfen, relevante Kontaktpersonen zu identifizieren und zu vermitteln, etwa bei der Zusammenstellung des Programms oder durch die Bereitstellung von Arbeitsplätzen. Indem Swissnex ihre regionalen Netzwerke und das Wissen über das jeweilige Hochschulökosystem teilt, erfahren die Teilnehmenden, welche regionalen Besonderheiten es im jeweiligen Fach- oder Interessengebiet gibt. Die Initiative agiert an der Schnittstelle von Bildung, Forschung und Innovation. Dabei konzentriert sie sich insbesondere darauf, ihre Partner, zum Beispiel die ZHAW, und die «Endnutzer», also Mitarbeitende der ZHAW, in der frühen Forschungs- und Entwicklungs- und in der vorkommerziellen Phase zu unterstützen. Im Mittelpunkt des Aufenthalts kann beispielsweise ein Forschungsprojekt, eine Fortbildung oder ein Lehrauftrag stehen. Bei Anita Manser Bonnard , Leiterin Weiterbildung am Institut für Gesundheitswissenschaften (IGW) des ZHAW-Departements Gesundheit, zum Beispiel war es die Gestaltung eines neuen Studiengangs, des MAS Physician Associate Skills , die im Zentrum ihrer Swissnex-Personalmobilität stand. Dass sie sich dabei für die Destination Boston & New York entschied, hat einen bestimmten Grund: «In den angelsächsischen Ländern gibt es die Funktion der Physician Assistant (PA) schon seit den 1960er Jahren. Im Kantonsspital Winterthur wurde die Funktion 2016 auf der Chirurgie-Abteilung eingeführt, und das Institut für Gesundheitswissenschaften wurde angefragt, eine Weiterbildung für erfahrene Gesundheitsfachpersonen dazu aufzubauen. Als Universitätsstadt bietet Boston an verschiedenen Standorten Ausbildungen für PA an. Diese wollte ich kennenlernen und mich dazu austauschen, wie die Funktion gelebt wird und wie die Aus- und Weiterbildungen aufgebaut sind.» Besonders hebt sie den Erfahrungsaustausch mit den Dozierenden hervor. Dadurch habe sie viele Anregungen erhalten, die sie in den Aufbau des neuen Weiterbildungsprogramms habe einfliessen lassen können, sagt Manser Bonnard. Internationale Inputs für die Arbeit an der ZHAW Neben Boston & New York betreibt Swissnex auch vier weitere Standorte in den innovativsten Regionen der Welt. Neben zwei Standorten in den USA, je einem in Brasilien, China und Indien kommt bald auch einer in Japan dazu. In China ist Swissnex in Schanghai präsent. Dorthin wurde Jan- Alexander Posth , Dozent an der Fachstelle für Asset Management der ZHAW School of Management and Law, durch seinen Austausch im Rahmen des ZHAW-Swissnex-Personalmobilitätsprogramms im Sommer 2019 geführt. Er befasst sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit mit nachhaltiger Finanzwirtschaft. «Die grossen Probleme unserer Zeit wie der Klimawandel, die Umweltverschmutzung oder der Verlust an Biodiversität sind global und als solche auch nur in einem globalen Kontext zu verstehen und zu lösen», meint er. «Gerade in den Bereichen ESG, also Environmental, Social and Corporate Governance in Unternehmen, und Sustainable Finance war es mir daher sehr wichtig, die Perspektive des globalen Players China direkt aus erster Hand zu erfahren. Mein Swissnex-Besuch in Schanghai und Beijing hat mir dabei geholfen, ein weitgehenderes und integraleres Verständnis der Problematik zu erlangen», so Posth. Der Aufenthalt habe ihm konkret dabei geholfen, seinen Forschungsfokus noch klarer zu definieren. «Gleichzeitig kann ich nun meine Forschung im Bereich Sustainable Finance besser in einen globalen Kontext einbinden. Hierdurch haben sich ganz neue und essenzielle Facetten meiner Arbeit herauskristallisiert.» «Wenn ich mit Personen von ausserhalb der Schweiz forsche, wird das Alltägliche in Frage gestellt.» Patrick Studer, Angewandte Linguistik Das Gewinnen neuer Perspektiven auf die eigene Arbeit sieht auch Patrick Studer, der den Forschungsbereich Sprachkompetenz und Wissensvermittlung am ZHAW-Departement für Angewandte Linguistik leitet, als grosses Plus eines internationalen Austausches. «Ich arbeite intensiv mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern in Europa und darüber hinaus zusammen. In der Forschung im eigenen Kulturkreis ist man oft betriebsblind. Es gibt wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse zu Forschungsthemen, die die Forschungsagenda beeinflussen. Wenn ich mit Personen von ausserhalb der Schweiz forsche, wird das Alltägliche in Frage gestellt und neu verhandelt. Das gefällt mir», meint er. Sein Forschungsaufenthalt führte ihn nach Boston & New York, neben San Francisco der zweite Swissnex-Standort in den USA. Dort knüpfte er im Rahmen eines Forschungs- und Austauschprojekts zum Thema Internationalisierung von Hochschulen (Titel des Projekts: «High-impact measures for the comprehensive internationalisation of curricula in Switzerland») einen Forschungskontakt am Center for International Higher Education im Boston College. Dieser Besuch sei eigentlich gar nicht im Projektplan vorgesehen gewesen, habe ihm jedoch ermöglicht, zusätzliche Kontakte zu knüpfen, so Studer. Zum Beispiel zum damaligen Direktor des Zentrums. «Aus diesem Kontakt wiederum ergab sich eine verlängerte Visiting Scholarship im Boston College, die aber leider aufgrund der Situation um Covid-19 nicht intensiv genutzt werden konnte. Ich würde in Zukunft sehr gerne noch einen längeren Forschungsaufenthalt in Boston einplanen.» Auch wenn Patrick Stude r bislang Corona-bedingt noch nicht wieder nach Boston zurückkehren konnte, so macht sein Beispiel doch deutlich, welchen Mehrwert das Personalmobilitätsprogramm nicht nur für ihn persönlich, sondern für die gesamte ZHAW hat. Denn mit seinem Aufenthalt und den neuen Kontakten, die er dort knüpfen konnte, wurde auch der Grundstein für eine nachhaltige Kooperation zwischen der ZHAW und dem Boston College respektive dessen Center for International Higher Education gelegt. Davon können nun beispielsweise auch weitere Forschende der ZHAW profitieren, aber auch die Hochschule insgesamt. Etwa dann, wenn es darum geht, die Curricula weiter zu internationalisieren, und dazu externe Expertinnen und Experten beigezogen werden sollen. Indem die Teilnehmenden des Personalmobilitätsprogramms während ihres Auslandsaufenthalts zum Beispiel neue Kooperationen zu Partnern aus der Praxis entwickeln, Kontakte für Forschungsprojekte knüpfen, sich mit ihren internationalen Scientific Communities austauschen oder Austauschmöglichkeiten für Studierende schaffen, leisten sie einen Beitrag zur internationalen Vernetzung ihrer Departemente oder Organisationseinheiten und schliesslich auch zur Internationalisierung der ZHAW. Nicht zuletzt machen diese Kontakte die ZHAW und den Hochschultypus Fachhochschule im Ausland bekannter und helfen so, sie in einem globalen akademischen Umfeld zu etablieren. «Schweizer Fachhochschulen sind für ihre internationalen Partner oft sehr attraktiv, da sie nahe an der Industrie sind und sich auf eine marktnahe Ausbildung der Absolventinnen und Absolventen konzentrieren», so Roman Kern, Interim Head of Unit bei Swissnex. Die Herausforderung bestehe jedoch darin, den internationalen Partnern ein solides Verständnis für die Stärken und die Qualität der Schweizer Fachhochschulen zu vermitteln. Das wiederum habe, führt Kern aus, auch mit der schweizerischen Bescheidenheit zu tun. Es falle uns hierzulande schwer, mit Stolz und Zuversicht über die hervorragenden Institutionen zu sprechen. «Wenn die internationalen Partner jedoch direkt und eingehender mit den Schweizer Fachhochschulen in Kontakt kommen, etwa durch Forschungskooperationen, sind sie von der Exzellenz dieser Institutionen überzeugt und sehen sie als wertvolle und vertrauenswürdige Partner.» Swissnex leistet also mit ihrer Arbeit nicht nur als Vermittler von Netzwerken einen wichtigen Beitrag als interkulturelle Brückenbauerin, sondern errichtet ein Fundament für die Internationalisierung von Hochschulen und die Ausbildung von internationalen Kompetenzen von deren Mitarbeitenden, indem eine wertvolle Basis für erfolgreiche Austausche und gelungene Kooperationen geschaffen wird. Wenn daraus wiederum neue Forschungsansätze und -Erkenntnisse entstehen, hat dies nicht nur Relevanz für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern ergibt auch einen Mehrwert für die ganze Gesellschaft. Sandra Hürlimann

Ein «Praxislabor» für kreislauffähiges Bauen und Wohnen

Der Gebäudesektor ist für mehr als 40 Prozent des weltweiten Ressourcen- und Energie­verbrauchs verantwortlich. Entsprechend gross ist das Potenzial zur Steigerung der Ener­gie- und Ressourceneffizienz bei Gebäuden. Im schweizweit einzigartigen KREIS-Haus (KREIS steht für Klima und Ressourcen-Effizientes Suffizienz-Haus) in Feldbach am Zürichsee wird umweltschonende Kreislaufwirtschaft erforscht und erlebbar gemacht. Interessierte können das KREIS-Haus nicht nur besichtigen, sondern auch darin übernachten. Dadurch erfahren sie zum einen direkt, wie es sich in einem kreislaufwirtschaftlichen Gebäude lebt, zum andern werden sie gleichzeitig auch Teil eines Forschungsprojekts des ZHAW-Instituts für Umwelt und Natürliche Ressourcen. In diesem wird untersucht, wie sich das KREIS-Haus im Alltag bewährt. In Interaktion mit den Nutzerinnen und Nutzern können die Anwendungen getestet und verbessert werden. Ziel des Forschungsprojekts ist die Schaffung eines Wohnalltags, der das Klima und die Umwelt schont. Initiiert und konzipiert wurde das Projekt von Devi Bühler, ZHAW-Umweltingenieurin sowie Präsidentin des Vereins Synergy Village. Sie leitet das von über 40 weiteren Partnerinnen und Sponsoren unterstützte Kooperationsprojekt zwischen der ZHAW als Forschungspartnerin und dem Verein Synergy Village als Umsetzungspartner. «Wir haben versucht, das Prinzip der Kreislaufwirtschaft bis ins Detail und auf kleinstem Raum umzusetzen», erläutert Devi Bühler. «Damit möchten wir im KREIS-Haus als ‹Praxislabor› sowohl praktische als auch wissenschaftliche Erkenntnisse sammeln, um das nachhaltige und kreislauffähige Bauen breitflächig zu fördern.» Das KREIS-Haus, welches auf dem Grundstück des Vereins Synergy Village errichtet wurde, besteht aus einer voll ausgebauten kleinen Wohneinheit mit Wintergarten. In der Kreislaufwirtschaft werden Abfallstoffe wieder zu Wertstoffen. Durch dieses zweite oder dritte Leben erhält jeder Stoff seinen individuellen Lebensweg. Für den Bau wurden Naturbaustoffe wie Lehm, Kalk und Holz verwendet, aber auch langlebige, rezyklierte und wiederverwendete Materialien. Zum Beispiel besteht ein Fussboden aus rezyklierten Glasscherben oder sind die Fenster wiederverwendet von einem Abbruch. Die Trockentrenntoilette in einem geschlossenen Kreislaufsystem spart Wasser und ermöglicht die Rückgewinnung von Nährstoffen, die nach der Aufbereitung mittels speziellem Verfahren im Dachgarten als Dünger eingesetzt werden. Leicht verschmutztes Abwasser aus Küche und Bad wird direkt im Gebäude gereinigt und für die Bewässerung genutzt. Der benötigte Strom kommt von den im Wintergarten integrierten Solarmodulen, wobei überschüssiger Strom in Second Life-Batterien gespeichert wird. Das ganze Haus steht auf einem betonlosen Schraubfundament. Die vielfältigen Geschichten rund um die eingesetzten Materialien und Techniken unter dem Titel «1001 Kreislauf» werden in regelmässigen Führungen vorgestellt. Zudem finden Workshops zu spezifischen Bauthemen statt. Wer interessiert ist an einer Übernachtung im KREIS-Haus, kann sich hier anmelden.

Auslandsaufenthalte sind Personalentwicklung im besten Sinn

Julia Dratva: Mein Ziel war es, Kontakte zu knüpfen und Forschungsopportunitäten auszuloten. Im Zentrum stand die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen dem Boston Children’s Hospital und der Forschungsstelle Gesundheitswissenschaften der ZHAW. Weiter fanden Gespräche mit Experten im Themenbereich Health Literacy statt, der auch die Forschungsstelle Gesundheitswissenschaften beschäftigt. Bei meinem Aufenthalt konnte ich Einblicke in neue Fragestellungen erhalten und eine Forschungspartnerschaft mit der Anästhesie-Abteilung am Childern’s Hospital etablieren. Zudem konnte ich mein Netzwerk erweitern und unsere Forschung präsentieren. Es ergab sich ein Folgeprojekt zum Thema chronische Schmerzen bei Kindern mit einem Forschenden des Boston Children’s Hospital, und es entstanden Pläne für weitere Projekte und Publikationen. «Die unterschiedlichen Erfahrungen und Kulturen erweitern den eigenen Horizont.» Ich konnte sehr stark davon profitieren. Insbesondere die intensiven Gespräche über Forschungsthemen und -inhalte sowie der Austausch über Forschungstraditionen und -alltag bringen einen weiter. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Kulturen erweitern den eigenen Horizont. Die Offenheit der Forschenden, uns zu empfangen und ihre Inhalte mit uns zu teilen. Sehr wichtig! Auch wenn sich kein aktuelles Projekt aus einem Besuch ergibt, so entstehen dennoch Kontakte, die im Weiteren wichtig sind oder sein können. Zum Beispiel wenn für ein Paper ein Reviewer gesucht wird oder eine Referentin für einen Kongress. Auch helfen die an solchen Austauschen beteiligten Personen in der Regel gerne aus, wenn sich knifflige Fragen stellen. Einerseits empfehle ich, fokussiert Personen zu besuchen, die im gleichen Gebiet forschen, andererseits aber auch, davon zu profitieren, mal über den Tellerrand hinauszuschauen, so also nach Inspiration vor Ort zu suchen. Die ZHAW stärkt damit ihren internationalen Bekanntheitsgrad und dadurch auch den der Forschenden. Das wissenschaftliche Netzwerk der Forschenden, auch als Reservoir für die Lehre, wird gestärkt. Diese Aufenthalte sind Personalentwicklung im besten Sinn. Das Interview wurde schriftlich geführt Sandra Hürlimann

Wo an der ZHAW über die Hochschule geforscht wird

Hochschulforschung wird im Allgemeinen mit Forschung an Hochschulen in Verbindung gebracht. Sie bezeichnet aber auch Forschung an Hochschulen über Hochschulen. Eine wissenschaftliche Disziplin also, die sich damit befasst, wie eine zukunftsfähige Hochschule aussehen, wie sie geführt und organisiert werden kann oder welche Qualifikationen das Personal hat und wie Karrieren an Hochschulen aussehen. Hochschulforschung ist eine in der Schweiz wenig institutionalisierte Disziplin, erst recht an Fachhochschulen. Dabei kann hier angewandte Hochschulforschung durchaus Sinn machen. Nämlich dann, wenn die Fachhochschule selbst zum Untersuchungsgegenstand wird und die Resultate der Hochschulforschung in deren Entwicklung einfliessen. Eine Organisation, die lebenslanges Lernen als Strategie gewählt hat, muss sich selbst und das Umfeld immer wieder analysieren und sich weiterentwickeln. In diesem Sinn wird an der ZHAW am Rektorat seit einigen Jahren Hochschulforschung betrieben. Die ZHAW ist eine Pionierin in dieser Hinsicht. Denn sie war schweizweit die erste Fachhochschule, die eine übergreifende, eigenständige Organisationseinheit Hochschulentwicklung eingeführt hat, in der auch Hochschulforschung durchgeführt wird. Die Einheit ist dem Rektor unterstellt und besteht aus vier Personen. Diese leiten zum Beispiel strategische Entwicklungsprojekte wie jene, die zur Digitalisierungsstrategie, zur Nachhaltigkeitsstrategie oder zur Lifelong-Learning-Strategie führten. Sie interpretieren und systematisieren im Rahmen der Hochschulforschung Wissen für die strategische Weiterentwicklung der ZHAW und sind gleichzeitig auch für die konzeptionellen und operativen Aspekte der Qualitätsentwicklung und -sicherung verantwortlich. Ebenfalls gehören die Entwicklung der Hochschulstrategie und der Qualitätsstrategie sowie die institutionelle Akkreditierung zu den Aufgabenfeldern der Abteilung Hochschulentwicklung. Eine Basis für die Arbeit des Hochschulentwicklungs-Teams bildet das Konzept zur ZHAW Hochschulforschung. Das Team arbeitet an verschiedenen permanenten und temporären Projekten zu unterschiedlichen Schwerpunkten. Eines dieser Projekte ist zum Beispiel die Auswertung der zweijährlich stattfindenden Absolventenbefragung des Bundesamts für Statistik. Hierbei werden Absolventinnen und Absolventen der ZHAW zwei oder fünf Jahre nach ihrem Abschluss zu ihrer beruflichen Laufbahn befragt. Katharina Sommer, die dieses Projekt leitet, definiert im Vorfeld gemeinsam mit den Departementen einen Teil des Fragebogens und wertet die Daten im Anschluss der Erhebung aus. Daraus entsteht eine Studie, die etwa bei der Konzipierung neuer oder der Weiterentwicklung bereits bestehender Studiengänge als Grundlage beigezogen werden kann. Katharina Sommer sieht eine Stärke in der langen Laufzeit des Projekts: «Die Wiederholung der Befragung alle zwei Jahre ermöglicht uns, Veränderungen in der Wahrnehmung und Beurteilung des Studiums durch die Absolventinnen und Absolventen über die Jahre hinweg nachzuvollziehen.» «Eine Organisation, die lebenslanges Lernen als Strategie gewählt hat, muss sich selbst und das Umfeld immer wieder analysieren und sich weiterentwickeln.» Elena Wilhelm, Leiterin Hochschulentwicklung Eine Grundlage für die Weiterentwicklung auf Gesamthochschulebene bildet ein anderes Projekt aus der Hochschulentwicklung: das Strategische Observatorium . Dazu der Projektleiter, Christian Wassmer: «Hochschulen sind zunehmend mit gesellschaftlichen Erwartungen und Ansprüchen der Qualitätssicherung als Folge der zunehmenden Autonomie der Hochschulorganisationen konfrontiert. Diese Entwicklungen bedingen eine reflexive und fundierte Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Umfeld.» Hier wird, einfach gesagt, Zukunftsforschung mit Bezug auf die ZHAW betrieben. Im Zentrum stehen Trends aus dem Hochschulumfeld, denen systematisch nachgegangen wird. In einem mehrstufigen Verfahren werden diese globalen Trends – zum Beispiel Lifelong Learning – auf ZHAW-Ebene heruntergebrochen. Das heisst, hier werden (mögliche) globale Entwicklungen herausgearbeitet, die für die ZHAW eine Relevanz besitzen, Chancen oder Risiken für sie darstellen könnten. Das Projekt wird zyklisch und unter Einbezug verschiedener interner und externen Expertinnen und Experten sowie in enger Zusammenarbeit mit der Hochschulleitung durchgeführt. Ziel ist es, eine fundierte Basis für die strategische Planung oder das Treffen von strategischen Entscheiden der Hochschulleitung zu schaffen. Die beiden Beispiele zeigen: Die Hochschulforschung leistet einen wichtigen Beitrag in Bezug auf die Zukunft und Zukunftsfähigkeit der ZHAW, sowohl in den Departementen als auch auf Hochschulleitungsebene. Und das ist nicht nur für die (zukünftigen) ZHAW-Angehörigen wichtig, sondern auch von gesamtgesellschaftlicher Relevanz. «Weil Wissenschaft und Hochschulen für eine Gesellschaft auf der Makro-Ebene von Bedeutung sind, etwa im Zusammenhang mit der Ausbildung von gefragten Fachleuten, der Innovationsförderung, den Weiterbildungsangeboten oder Wirtschaftskollaborationen, ist auch jene Forschung bedeutend, die sich mit diesen Organisationen auseinandersetzt», so Carole Probst, die die Qualitätsentwicklung innerhalb der Hochschulentwicklung leitet. Hochschulen müssen wissen, was von ihnen erwartet wird, und auch in der Lage sein zu antizipieren, was in Zukunft wichtig sein wird. Nur so kann beispielsweise die Qualität von Bildungsabschlüssen gewährleistet werden. Die Hochschulforschung schafft hierfür eine Basis. Dass an der ZHAW zu Hochschulen geforscht wird, ist auch wichtig aus dem Blickwinkel der wissenschaftlichen Disziplin Hochschulforschung. «Da die Fachhochschulen in der Schweiz für die Durchlässigkeit des Bildungssystems eine zentrale Rolle spielen, ist es auch zentral, dass hier systematische und aufeinander aufbauende Forschung betrieben wird – sowohl an Fachhochschulen als Forschungsinstitutionen als auch über Fachhochschulen als Forschungsobjekte», betont Elena Wilhelm, Leiterin der Hochschulentwicklung. Grundlegend dafür, dass die Position der Fachhochschulen überhaupt erst in einen grösseren Kontext der Hochschulforschung einfliessen kann, ist eine Intensivierung des Austausches zwischen den Forschenden. 2021 wurde unter starker Mitwirkung der ZHAW ein schweizweites und Hochschultyp-übergreifendes Netzwerk ins Leben gerufen, das Netzwerk Research on higher education and science in Switzerland . Ziel ist es, neben der Intensivierung des Austauschs auch die Sichtbarkeit des Forschungsbereichs national und international zu erhöhen. Ähnliche Ziele verfolgt das Team der Hochschulentwicklung auch im Rahmen der ZHAW. Denn auch hier gilt es, Bekanntheit zu schaffen. «Wir wollen die Vermittlung und Kommunikation unserer Erkenntnisse stärken und damit die Departemente bei ihren Entwicklungen noch besser unterstützen», erklärt Elena Wilhelm und ergänzt: «Wir sind immer offen für Ideen, den Austausch und die Zusammenarbeit.» Sandra Hürlimann

Neuen Ideen für die Weiterbildung

Anita Manser Bonnard: Ich habe am Institut für Gesundheitswissenschaften den CAS für Klinische Fachspezialisten aufgebaut und diesen weiterentwickelt zum MAS Physician Associate Skills . In den angelsächsischen Ländern gibt es die Funktion der Physician Assistant – kurz PA – schon seit den 1960er Jahren. PA ist ein in der Schweiz noch relativ neues Berufsprofil. Diese Fachkräfte übernehmen in enger Zusammenarbeit und Delegation ärztliche Tätigkeiten. Damit werden die klinischen Prozesse vereinfacht und Patientinnen und Patienten werden kontinuierlicher und in besserer Qualität betreut. Im Kantonsspital Winterthur wurde die Funktion 2016 auf der Chirurgie eingeführt, und unser Institut wurde angefragt, eine Weiterbildung für erfahrene Gesundheitsfachpersonen aufzubauen. Als Universitätsstadt bietet Boston an verschiedenen Standorten Ausbildungen für PA an. Diese wollte ich kennenlernen und mich dazu austauschen, wie die Funktion gelebt wird und wie die Aus- und Weiterbildungen aufgebaut sind. Ich habe vier verschiedene Hochschulen besucht und konnte auch in zwei Kliniken hospitieren. Dabei konnte ich mit vielen Personen in dieser Funktion und auch mit Teachern diskutieren. Daraus habe ich viele Anregungen mitnehmen können, die ich in den Aufbau unserer Weiterbildung einfliessen lassen konnte. Ausserdem war der Austausch mit den verschiedenen Vertreterinnen und Vertreter der Hochschulen und Kliniken auch persönlich sehr interessant. «Der Austausch unter den Dozierenden ist anregend und eine Win-win-Situation.» Die Offenheit, Spontaneität, Hilfsbereitschaft und Motivation aller Kontaktpersonen und auch von Swissnex-Vertreterinnen und -vertretern. Ebenfalls beeindruckt hat mich die Professionalität der PAs in den USA und deren breites Einsatzfeld von der Grundversorgung über die Chirurgie bis zur Intensivstation für Transplantierte und zu eigenständigen Herzkatheter-Untersuchungen. Da diese Funktion in den USA schon mehr als 60 Jahre existiert, ist der Austausch für uns sehr sinnvoll. Im Herbst 2019 gab es bei uns im Departement Gesundheit einen internationalen Kongress der PA-Ausbildenden, was den internationalen Austausch sehr gefördert hat. Personen, die ich in Boston getroffen habe, waren auch vor Ort. Seit der Pandemie tauschen wir uns nun auch häufiger online aus. Da ich vorwiegend in der Lehre arbeite, ist ein Austausch der Lehrprogramme sehr hilfreich. Der Erfahrungsaustausch über die Gestaltung des praktischen Unterrichts und auch der Austausch unter den Dozierenden sind anregend und eine Win-win-Situation für beide Seiten. Das Interview wurde schriftlich geführt Sandra Hürlimann

In der Forschung im eigenen Kulturkreis ist man oft betriebsblind

Patrick Studer: Im Zentrum des Aufenthalts stand das Projekt «High-impact measures for the comprehensive internationalisation of curricula in Switzerland» , an dem neben der ZHAW auch die BFH, die SUPSI, die HES-SO und Fachleute des Center for International Higher Education des Boston College beteiligt sind. Durch den Besuch, der eigentlich so im Projektplan gar nicht vorgesehen war, konnte ich zusätzliche Kontakte knüpfen, so etwa zum damaligen Direktor des Zentrums Hans de Wit. Aus diesem Kontakt wiederum ergab sich eine verlängerte Visiting Scholarship am Boston College, die aber leider aufgrund der Situation um Covid-19 nicht intensiv genutzt werden konnte. Ich würde in Zukunft sehr gerne noch einen längeren Forschungsaufenthalt in Boston einplanen. Ich wurde sehr herzlich in Boston empfangen und fühlte mich gleich zuhause. Ich habe mehrere Jahre in Irland gelebt und unterrichtet und fand Boston sehr nahe an meiner früheren Auslanderfahrung. Die Kolleginnen und Kollegen in Boston haben mich dann auch überall herumgeführt. Besonders in Erinnerung sind für mich die schönen Ausflüge, die wir gemacht haben. Und daneben haben wir natürlich Ideen für weitere Projekte geschmiedet. Aus diesen Ideen ist dann auch ein Folgeprojekt entstanden. «Wenn ich mit Personen von ausserhalb der Schweiz forsche, wird das Alltägliche in Frage gestellt und neu verhandelt .» Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und fand die Schweiz immer sehr klein. Schon früh hatte ich den Drang, mehr von der Welt kennenzulernen. So bin ich bald nach meinem ersten Abschluss an der Universität Zürich nach Irland übergesiedelt. Dort lernte ich in der Auslandgermanistik, wie es sich anfühlt, wenn man aus einer anderen Kultur auf Dinge schaut, die mir sehr vertraut sind. Ich musste Banales über meine Herkunftskultur erklären, über das ich mir gar nie richtig Gedanken gemacht hatte. Heute sind internationale Kontakte in meiner Forschungstätigkeit nicht mehr wegzudenken: Ich arbeite intensiv mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern in Europa und darüber hinaus zusammen. In der Forschung im eigenen Kulturkreis ist man oft betriebsblind. Es gibt wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse zu Forschungsthemen, die die Forschungsagenda beeinflussen. Wenn ich mit Personen von ausserhalb der Schweiz forsche, wird das Alltägliche in Frage gestellt und neu verhandelt. Das gefällt mir. Die ZHAW ist ursprünglich eine regional orientierte Fachhochschule und dadurch noch kein grosser «Player» auf dem internationalen Hochschulmarkt. Gleichzeitig darf man sich dadurch aber auch nicht einschüchtern lassen. Die Welt ist offen und interessiert daran, mit uns in Kontakt zu treten. Die ZHAW wird von aussen als junge, aufstrebende Hochschule wahrgenommen. Wenn also jemand aus der ZHAW mit einer renommierten Hochschule im Ausland zusammenarbeiten möchte, dann kann ich diese Person nur dazu ermutigen, den Kontakt herzustellen. Wichtig ist aber auch, dass man dranbleibt, wenn einmal keine Antwort kommt. Es braucht also auch ein bisschen Hartnäckigkeit. Ein zentraler Mehrwert für die ZHAW ist die erhöhte Sichtbarkeit nach aussen, aber auch nach innen. Sichtbarkeit bedeutet, dass wahrgenommen wird, was wir hier tun und wer wir sind. Sie ist aber kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck; sie dient dazu, die Qualität des Forschungs- und Lehrbetriebs durch internationalen Austausch und Zusammenarbeit zu verbessern. Ein Austausch bietet wertvolle Impulse für Innovation in Forschung und Lehre: Man erfährt, wie anderswo das eigene Fach unterrichtet oder wie und unter welchen Rahmenbedingungen im eigenen Forschungsbereich geforscht wird. Aus diesem Grund wären ja gerade auch die europäischen Forschungs- und Austauschprogramme so attraktiv, an denen wir nur peripher teilnehmen können. Es geht meines Erachtens weniger ums Geld, das man einwerben kann, als um die Tatsache, dass man sich in Estland, Dänemark, Spanien und Italien gemeinsam zu einem Thema Gedanken machen und zusammen Forschung betreiben kann. Dadurch kann ein ganzheitliches Bild eines Forschungsgegenstands entstehen. Auch fördert der internationale Austausch inter- und transdisziplinäres Denken, weil die Grenzen zwischen den Disziplinen und Akteuren im Ausland oftmals anders abgesteckt sind. Das Interview wurde schriftlich geführt Interview Sandra Hürlimann

Forschung im Finanzbereich ist international

Jan-Alexander Posth: Die grossen Probleme unserer Zeit wie der Klimawandel, die Umweltverschmutzung oder der Verlust an Biodiversität sind global und als solche auch nur in einem globalen Kontext zu verstehen und zu lösen. Gerade im Bereich ESG (Anm. der Red.: Anlagen mit besonderen Anforderungen hinsichtlich Umwelt, Sozialem und guter Unternehmensführung) und Sustainable Finance war es mir daher sehr wichtig, die Perspektive des globalen Players China direkt aus erster Hand zu erfahren. Mein Swissnex-Besuch in Schanghai und Beijing hat mir dabei geholfen, ein weitgehenderes und integraleres Verständnis der Problematik zu erlangen. Durch meinen Swissnex-Besuch in China konnte ich meinen Forschungsfokus noch einmal klarer definieren. Gleichzeitig kann ich nun meine Forschung im Bereich Sustainable Finance besser in einen globalen Kontext einbinden. Hierdurch haben sich ganz neue und essenzielle Facetten meiner Arbeit herauskristallisiert. Ganz klar konnte ich am meisten vom beeindruckenden Swissnex-China-Netzwerk profitieren. Swissnex-China hat bereits im Vorfeld meines Besuchs eine tolle Agenda für mich erstellt, die mir den Austausch mit renommierten Kontaktpersonen in Wissenschaft und Wirtschaft ermöglicht hat. «Die spannenden Forschungsthemen gerade im Finanzbereich haben heutzutage allesamt einen internationalen Charakter.» Besonders beeindruckt hat mich, wie offen und freundlich ich bei all meinen Treffen empfangen wurde. Stets haben sich sehr interessante Diskussionen zu spannenden Themen ergeben, die mir eine neue Perspektive auf den Themenkomplex ESG und Sustainable Finance in China eröffnet haben. Die spannenden Forschungsthemen gerade im Finanzbereich haben heutzutage allesamt einen internationalen Charakter. Es ist also einerseits besonders wichtig, die notwendigen Netzwerke zu pflegen, die es der ZHAW erlauben, hier aktiv die Forschung mit voranzutreiben. Andererseits bietet die Hochschule viele Programme für ein internationales Zielpublikum an. Beides unterstreicht den internationalen Charakter der Hochschule in der Forschung und der Lehre, der für das Fachgebiet Banking & Finance so essenziell ist. Um international anerkanntes Cutting-Edge-Research betreiben zu können, ist es wesentlich, dass die ZHAW in ein internationales akademisches Netzwerk eingebunden ist. Internationale Austauschprogramme wie Swissnex bieten den an der ZHAW tätigen Forschenden die Möglichkeit, sich hier zu positionieren und so die Hochschule im globalen akademischen Umfeld zu etablieren. Neben der so gesteigerten Visibilität profitiert die ZHAW dank dem Netzwerk durch den Zugang zu internationalen Forschungsprojekten und einer qualitativ höherwertigen Forschung. Das Interview wurde schriftlich geführt Interview Sandra Hürlimann

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