Menü
Logo Logo
  • DE
  • EN
  • Forschung 2
  • Dossier 1
  • Andrea Söldi 2
  • 3/2022 2
Aktive Filter: Kategorie: Forschung Autor: Andrea Söldi Ausgabe: 3/2022 Alle Filter entfernen
Es wurden 2 Ergebnisse in 1 Millisekunden gefunden. Zeige Ergebnisse 1 bis 2 von 2.
  • 1
Ergebnisse pro Seite:

Ein zweites Leben für E-Bike-Akkus

In Winterthur verkehren zwei kleine Elektrofahrzeuge für den Strassenunterhalt, die mit Zellen von ehemaligen E-Bike-Akkus betrieben werden. Die Batterien stammen von der jungen Firma Libattion in Glattbrugg. Mit einem patentierten Verfahren kann das Startup diagnostizieren, welche Zellen eines Lithium-Akkus noch eine gute Leistung erbringen und welche schwächeln. In der Regel funktionieren rund 60 Prozent davon weiterhin einwandfrei. Daraus stellt das Unternehmen neue Batterien her, die in kleinen Elektrofahrzeugen ein zweites Leben erhalten – etwa in Reinigungsmaschinen, Rollstühlen, Scooters oder eben Gemeindefahrzeugen. Sonst würden diese Zellen rezykliert. Obwohl die Lebensdauer dieser Second-Life-Batterien kürzer ist als diejenige von neuen, lässt eine Studie nun auf eine deutlich bessere Ökobilanz schliessen: Über den gesamten Produktezyklus hinweg sollen die Auswirkungen auf die Umwelt 70 bis 80 Prozent geringer ausfallen, wie Forschende der ZHAW herausgefunden haben. Sie haben 18 Parameter unter die Lupe genommen – von der Förderung der Rohstoffe über die Feinstaubemissionen, den Wasser- und Energieverbrauch bis zu den Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Upcycling-Batterien erwiesen sich durchs Band weg als umweltfreundlicher. Der Verbrauch fossiler Energien zum Beispiel soll 80 Prozent kleiner sein, derjenige von Wasser sogar 95 Prozent. «Die Weiterverwendung ist sinnvoll, da die Infrastruktur für das Batterie-Recycling in Europa noch nicht weit gediehen ist. Die neue Technologie gibt uns Zeit für den Aufbau.» Grégoire Meylan, ZHAW Der Hauptgrund für den frappanten Unterschied ist, dass die Herstellung von Lithiumzellen meist in China erfolgt, erklärt Projektleiter Grégoire Meylan vom Center for International Industrial Solutions der School of Management and Law. «Das benötigt unglaublich viel <dreckige> Energie.» Der Umweltwissenschaftler ist aber noch vorsichtig mit seinen Aussagen, weil die Resultate zuerst in einer sogenannten Peer Review überprüft werden müssen. Die Weiterverwendung sei jedoch sicherlich sinnvoll, weil die Infrastruktur für das Batterie-Recycling in Europa noch nicht weit gediehen ist, sagt Meylan. «Die neue Technologie gibt uns Zeit für den Aufbau.» Denn bereits heute erreichen jährlich rund 12’000 E-Velo-Akkus ihr Lebensende. Mit dem aktuellen E-Bike-Boom wird die Menge in Zukunft deutlich ansteigen. Und auch Second-Life-Batterien müssen irgendwann entsorgt werden, wie Meylan erklärt. «Ein drittes Leben ist eher unrealistisch.» Das im Mai abgeschlossene Projekt wurde von der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse unterstützt und in Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule durchgeführt, welche für technische Optimierungen zuständig war. Auch das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL) war begleitend sowie mit einem finanziellen Beitrag dabei. Die Forschenden der ZHAW hatten zudem die Aufgabe, das Potenzial verschiedener Geschäftsmodelle abzuschätzen. Denn statt die Batterien ausschliesslich zu verkaufen, will die Firma Libattion auch eine Miete oder eine sogenannte Pay-per-Use-Lösung anbieten. Bei letzterer Variante zahlen die Kunden die Batterie nur, wenn sie in Gebrauch ist, und profitieren gleichzeitig von Serviceleistungen. Hierfür wird die Batterie mit einem Chip versehen, der über WLAN Daten zum Funktionszustand liefert. Auf einer Online-Plattform kann die Startup-Firma Libattion zum Beispiel einsehen, wie viel Strom für eine Ladung benötigt wird, wie weit das Elektromobil damit fahren kann, wie schnell sich der Akku auch im Ruhezustand entlädt oder wie stark er sich erwärmt. «Bei der Pay-per-Use-Lösung zahlen die Kunden die Batterie nur, wenn sie in Gebrauch ist.» Stefan Bahamonde, Geschäftsführer Libattion «So können wir den unserer Produkte auf dem Markt überwachen», sagt Geschäftsführer Stefan Bahamonde. Zudem plane man, bessere Garantie-Leistungen anzubieten. «Damit wollen wir bei unseren Kunden das Vertrauen in unsere Produkte steigern.» Die Untersuchung der ZHAW umfasste Gemeinden mit einer besonderen Affinität zum Thema Energiesparen, aber auch Hersteller sowie Importeure und Wartungsfirmen von Elektrofahrzeugen. Es zeigte sich, dass alle Teilnehmenden vom Potenzial von Second-Life-Batterien überzeugt sind, aber vor allem die letztere Gruppe an den neuartigen Serviceleistungen interessiert ist. Beim Upcycling von E-Bike-Batterien ist die Firma Libattion mit rund 20 Mitarbeitenden in der Schweiz bisher ohne Konkurrenz. Sie erhält die ausgedienten Akkus von der Firma Batrec Industrie im bernischen Wimmis, die sich auf die Weiterverarbeitung von Batterien, Aktivkohle und Quecksilber spezialisiert hat. Das Recycling nicht wiederverwendbarer Zellen wird über die vorgezogene Recyclinggebühr finanziert. «Die Erfahrungen sind durchwegs positiv. Für das Produkt sprechen zudem die grosse CO₂-Einsparung sowie der günstige Preis.» Peter Hirsiger, Leiter des Strasseninspektorats der Stadt Winterthur Ein weiteres Projekt der Firma Libattion ist das Upcycling von Lithiumbatterien aus Autos. Sie kommen zum Beispiel in grösseren Batterien zum Einsatz, welche für die Speicherung von überschüssigem Solarstrom verwendet werden. Damit können Besitzende einer Photovoltaikanlage auch nach Sonnenuntergang eigene Elektrizität nutzen. Bei diesem Projekt arbeitet Libattion mit der Firma Librec im solothurnischen Biberist zusammen, die sich auf die Rückgewinnung von Rohstoffen in Autobatterien spezialisiert hat. Die beiden Elektrofahrzeuge in Winterthur, die Geräte für den Strassenunterhalt transportieren, sind auch nach Projektabschluss noch in Betrieb und legen täglich rund 80 Kilometer zurück. Sollten dereinst neue Batterien angeschafft werden müssen, würden Second-Life-Modelle sicher in die engere Wahl fallen, sagt Peter Hirsiger, Leiter des Strasseninspektorats: «Die Erfahrungen sind durchwegs positiv. Für das Produkt sprechen zudem die grosse CO₂-Einsparung sowie der günstige Preis.» Andrea Söldi

Job-Rotation und flexible Arbeitszeitmodelle: Länger arbeiten und gesund bleiben

Mit der Abstimmung über die AHV-Revision Ende September wird in der Schweiz auch über ein höheres Rentenalter für Frauen entschieden. Es soll auf 65 angehoben und damit dem der Männer angeglichen werden. Andere Initiativen fordern Rentenalter 66 Jahre für alle oder gar eine Koppelung an die Lebenserwartung. Doch welchen Effekt hätten diese Modelle vor allem für die Gesundheit der Arbeitnehmenden? Sind Menschen am Ende ihrer Arbeitskarriere heute gesund genug, damit eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit realistisch und sinnvoll wäre? Eine Studie des ZHAW-Instituts für Public Health untersuchte anhand von repräsentativen Schweizer Daten (Schweizerisches Haushalts-Panel 1999 bis 2020) aus den vergangenen 20 Jahren den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Arbeitsmarktpartizipation bei älteren Arbeitnehmenden im Alter zwischen 50 und 65 Jahren. Analysiert wurden der Verlauf des selbst eingeschätzten Gesundheitszustandes sowie die gearbeiteten Stunden. «Die Richtung des Ursache-Wirkungs-Mechanismus zwischen Arbeitstätigkeit und Gesundheit am Ende der beruflichen Laufbahn ist komplex», sagt Studienleiterin Sonja Feer , wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Public Health . Die beiden Faktoren beeinflussten sich gegenseitig direkt, aber auch indirekt etwa über das Bildungsniveau: «Denn Menschen mit einer höheren Bildung pflegen meist einen gesünderen Lebensstil.» Bei der Analyse stellten Feer und ihr Studienteam fest, dass die Arbeitszeit bei älteren, handwerklich tätigen Personen, wie Mechanikerinnen und Mechanikern, heute schon länger ist als etwa bei vergleichbaren Altersgruppen mit Bürojobs. Zudem wurde deutlich, dass handwerklich Tätige, sobald gesundheitliche Probleme auftauchen, schlechter gestellt sind hinsichtlich der Arbeitsmarktbeteiligung, z.B. weil sie häufiger in Frührente gehen müssen, ungeachtet der finanziellen Einbussen bei den Altersersparnissen. Obwohl auch nicht handwerklich arbeitende Menschen zuweilen unter altersbedingten Beschwerden und Einschränkungen leiden, führen diese seltener zu einer reduzierten Arbeitstätigkeit oder gar einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. «Bei Bauarbeitenden mit körperlichen Beschwerden im Alter stellte sich manchmal die Frage, wie sie das verbleibende halbe Jahr bis zur Pensionierung noch bewältigen können.» Sonja Feer, Institut für Public Health Einen möglichen Erklärungsansatz für diese Unterschiede sieht Feer darin, dass es für Menschen, die auf dem Bau, in Coiffeursalons, Bäckereien oder als Reinigungskräfte arbeiten, im Gegensatz zu Büroangestellten kaum Möglichkeiten gebe, bei Krankheit oder im fortgeschrittenen Alter auf weniger belastende Tätigkeiten auszuweichen. Auch von flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Homeoffice können sie selten oder gar nicht profitieren. «New Work ist eher ein Thema für Büroangestellte», stellt Feer fest. Aus ihrer früheren Erfahrung als Physiotherapeutin weiss sie, dass bei Menschen in handwerklichen Berufen muskuloskelettale Erkrankungen für die höchste Rate an Arbeitsausfällen verantwortlich sind: «Bei Bauarbeitenden mit körperlichen Beschwerden im Alter stellte sich manchmal die Frage, wie sie das verbleibende halbe Jahr bis zur Pensionierung noch bewältigen können.» Sollten Arbeitnehmende ihre Arbeitskarrieren aufgrund der Rentenpolitik verlängern müssen, dann sei es zentral, dass jene, die gesundheitlich angeschlagen sind, unterstützt würden und bessere Arbeitsbedingungen erhielten – vor allem jene Menschen, die handwerklich tätig sind, betont die Forscherin. «Wir wollen deutlich machen, wo die Herausforderungen liegen könnten, um einer weiteren Verstärkung der gesundheitlichen Ungleichheiten bei älteren Arbeitnehmenden entgegenzuwirken.» Sonja Feer, Studienleiteriin Die evidenzbasierten Erkenntnisse aus der aktuellen Studie, die im August veröffentlicht wurde, seien als Grundlage für Diskussionen rund um die Erhöhung des Rentenalters zu verstehen, erklärt Sonja Feer. «Wir wollen deutlich machen, wo die Herausforderungen liegen könnten, um einer weiteren Verstärkung der gesundheitlichen Ungleichheiten bei älteren Arbeitnehmenden entgegenzuwirken.» Die unterschiedlichen Auswirkungen auf verschiedene Berufsgruppen sollten bei der Rentenpolitik berücksichtigt werden. Als Lösungsansätze kann sich Feer einerseits finanzielle Abfederungsmassnahmen vorstellen, damit Menschen mit niedrigen Ersparnissen und Pensionskassen-Guthaben frühzeitig in Rente gehen können, falls es ihr Gesundheitszustand erfordert. Andererseits könnten die Arbeitgebenden einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Beschäftigten leisten, indem sie Teilzeitarbeit oder Modelle wie etwa Job-Rotationen ermöglichen, bei denen Mitarbeitende immer wieder verschiedene Aufgaben und Positionen innerhalb des Betriebs wahrnehmen und so vielfältige Fähigkeiten entwickeln können, erklärt Feer: «Gerade in körperlich anstrengenden Berufen könnte dieser Ansatz hilfreich sein.» Andrea Söldi

  • 1
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Netiquette
  • Cookies
© ZHAW
  • Home

  • Rubriken

    • Editorial

      Vorwort der Chefredaktion

    • Alumni

      Was ZHAW-Absolventinnen und -Absolventen heute machen

    • Menschen

      Wir schauen Forschenden und Dozierenden über die Schulter

    • Dossier

      Das Schwerpunktthema jeder Ausgabe

    • Forschung

      Neues aus der ZHAW-Forschung

    • Studium

      Einblick in Studienangebote

    • Interview

      Fachleute diskutieren

    • Spotlight

      Umfragen zu den Schwerpunktthemen

    • Meinung

      Standpunkte von ZHAW-Angehörigen

    • Panorama

      Vermischtes aus dem Campusleben

    • Perspektivenwechsel

      Blick nach aussen und von aussen auf die ZHAW

    • Abschlussarbeiten

      Bachelor- und Masterarbeiten im Kurzporträt

  • Suche

  • Archiv

  • Vorherige Ausgabe

  • Über das ZHAW-Impact und die ZHAW

Schliessen