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Aktive Filter: Kategorie: Meinung Autor: Gisela und Tilo Hühn Ausgabe: 4/2022 Alle Filter entfernen
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Planetary Health: Weshalb aus Nahrungsmittelketten Netzwerke werden müssen

Der Weg in die Krise ist vorgezeichnet: Die Zahl der Menschen auf diesem Planeten wächst und mit ihnen der Verbrauch der Ressourcen. Der Weltüberlastungstag rückt immer näher zum Jahresanfang hin und der Kipppunkt beim Weltklima droht mit Wahrscheinlichkeit bereits Mitte des Jahrzehnts. Vor allem unser heutiges Ernährungssystem hat sehr negative Einflüsse auf unsere Umwelt. Selbst wenn wir ab sofort bescheidener würden: Mit Verzicht allein könnten wir die Abwärtsspirale nicht stoppen. Wir müssen schon anpacken und den Planeten aktiv reparieren mit einem neuartigen System, das den gegenwärtigen Agro-Food-Systemen aus ihrem Dilemma hilft. Dieses Dilemma liegt ganz wesentlich in der sequenziellen und linearen Wertschöpfungskette, angefangen bei der Herstellung von Saatgut, Düngemitteln oder Pflanzenschutz über die Landwirtschaft, die Lebensmittelverarbeitung und den Transport bis hin zum Handel und zur Gastronomie. Jedes Glied dieser Kette ist spezialisiert auf seinen ganz eigenen Bereich und schaut kaum über den Tellerrand hinaus. Und wenn, dann höchstens bis zu den direkt angrenzenden Gliedern. Deshalb versucht auch jeder Bereich das Optimum für sich herauszuholen, ungeachtet der Schäden, die dadurch angerichtet werden könnten. Kommt hinzu, dass die Nahrungsmittelketten seit Jahren auf Effizienz und niedrige Kosten getrimmt wurden. Die Folge ist einerseits die Konzentration auf mächtige Player. Und zum anderen führte dies zu einem mörderischen bis selbstmörderischen Preis- und Kostendruck. Ressourcen, Lebensmittel, Arbeitskraft und Umwelt wurden entwertet. Die westliche Welt orientierte sich beim Wert der Nahrungsmittel vor allem am Preisschild. Dabei galt: je billiger, umso besser. Das Know-how über das Wirtschaften im Einklang mit der Natur verschwand und wurde durch Standardisierung und intensivere Ressourcennutzung ersetzt. Dies hatte zum einen negative Folgen für die Umwelt, etwa durch den zunehmenden Foodwaste oder ausgelaugte Ackerböden. Es hat aber auch Folgen für den Geschmack: Hunderte von Joghurtsorten stehen in den Kühlregalen, die doch alle ähnlich schmecken, um dem Mainstream zu gefallen. Die Konsumentinnen und Konsumenten erfuhren wenig von diesen Entwicklungen und dem Dilemma bei den Agro-Food-Systemen. Im Gegenteil: Da Manpower und finanzielle Ressourcen weg von der Produktion hin zur Vermarktung verschoben wurden, wuchs die Asymmetrie hinsichtlich der Informationen stark. Mit immer grösseren Anstrengungen im Marketing wurde eine Welt der grenzenlosen Vielfalt gezeichnet. Verpackungen wurden immer grösser und bunter, verbunden mit negativem Impact in den Ökobilanzen. Erfreulicherweise zeichnet sich allmählich ein Umdenken ab, nicht zuletzt dank der modernen Medien. Bei den Konsumentinnen und Konsumenten wächst die Erkenntnis – was sie dadurch kundig macht –, dass ihre Kaufentscheidung sehr bedeutend für den Verlust von Biodiversität und Klimawandel ist. Sie erkennen, dass durch die Abkehr von einer Landwirtschaft, die um die Wichtigkeit der Selbsterhaltung weiss und entsprechend handelt, eine Todesspirale in Gang gesetzt wurde. Themen wie Gesundheit, Nachhaltigkeit, Klimaveränderung, Tierwohl, Verfügbarkeit und regenerative Landwirtschaft rücken stärker ins Blickfeld und bewirken Bewusstseins- und Verhaltensänderungen. Es wird deutlich, dass es eines grundlegenden Prozessmusterwechsels bedarf: Aus den Wertschöpfungsketten müssen Wertschöpfungsnetzwerke werden. Dabei würden auch die Konsumentinnen über Kundinnen zu Prosumentinnen – eine Mischung aus Produzierenden und Konsumierenden –, und auch diese würden eingebunden. Sind alle mit allen im Netz verbunden, übernehmen viele Verantwortung. Niemand kann sich davonstehlen und die Schuld für Umweltschäden auf andere abwälzen, schon gar nicht auf die grosse anonyme Allgemeinheit. Dann wäre der Weg frei in Richtung Netzwerk für eine neue, verantwortungsvolle, regenerative Ökonomie, die so dringend notwendig ist gegen die Krise und die Kipppunkte. Gisela und Tilo Hühn

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