Menü
Logo Logo
  • DE
  • EN
  • Dossier 4
  • Main Topic 4
  • Frank Richter 4
  • 2/2020 4
Aktive Filter: Kategorie: Dossier Kategorie: Main Topic Autor: Frank Richter Alle Filter entfernen
Es wurden 4 Ergebnisse in 1 Millisekunden gefunden. Zeige Ergebnisse 1 bis 4 von 4.
  • 1
Ergebnisse pro Seite:

Der digitale Stresstest

Jürg Buchli ist ein Machertyp. Nach der Ankündigung des Shutdowns schnappt er sich seine Handykamera und fängt direkt an, Erklärvideos für seine Studenten zu drehen. So möchte er ihnen verschiedene Pumpenarten näherbringen, die sie normalerweise während ihres Praktikums in Wädenswil kennenlernen würden. «Die Videos sind zwar etwas hemdsärmelig, aber ich habe sie ruckzuck an einem Vormittag abgedreht, solange ich noch in die Schule konnte», sagt Buchli lachend. Er kam 2012 zur ZHAW. Zuvor war er jahrelang in der Industrie als Lebensmitteltechnologe tätig. In Wädenswil unterrichtet er als Dozent für Betriebstechnik. Normalerweise besteht sein Kurs aus zwei Elementen: Praktika und Frontalunterricht. Letzterer findet neu auf der Plattform Microsoft Teams statt. Allerdings in anderer Form. Auf besprochene Power-Point-Folien, die die Studierenden selber anhören müssen, verzichtet Buchli. «Die finde ich grausam. Einfach vor den Studenten zu quatschen, bringt nichts. Die Aufmerksamkeitsspanne ist kurz. Deswegen muss sich alle 10 bis 15 Minuten etwas ändern.» Buchli unterrichtet neu mit seinen selbstgedrehten Filmen. In diesen zeigt er den Studenten, wie Zahnradpumpen, Drehkolben- oder Zentrifugalpumpen zusammengebaut sind. «Die Studenten können das einigermassen nachvollziehen, aber es ist natürlich nicht das Gleiche, wie wenn du die Pumpen vor Ort anfassen kannst.» Bevor er ihnen die Filme zeigt, lädt er die Literatur dazu auf seine Unterrichtsseite der E-Learning-Plattform Moodle, die ZHAW-Dozierende und Studierende nutzen, garniert mit dem lockeren Spruch: «Alle Vorlesungen garantiert ohne Säulenplätze!» Buchli macht das Beste aus der aktuellen Situation. MS Teams findet er beispielsweise ein sehr gutes System zur Vermittlung von Wissen. Der Anfang des Fernunterrichts sei ihm allerdings schwergefallen. «Die meisten Studenten haben ihre Kamera ausgeschaltet. Das war speziell, plötzlich niemanden mehr zu sehen. Im Viertelstundentakt habe ich jeweils gefragt: ‹Seid ihr noch da? ›» Interaktionen würden neu weniger stattfinden, Fragen kämen vielleicht mal noch per Chatnachricht rein. Buchli ist ein Freund des Präsenzunterrichts, sieht ihn sogar als grosse Stärke der ZHAW. «Fernkurse haben eine schlechte Abschlussrate. ‹Seid froh, habt ihr den Präsenzunterricht. Der ist das Geheimnis dieser Schule›, sage ich meinen Studenten immer.» Dennoch glaubt er, dass die aktuelle Unterrichtsform eine Zukunft hat. Man könne die digitalen Tools gut für die Weiterbildung einsetzen. «Wer arbeitet und nebenbei noch eine Schule besucht, ist sicher froh, wenn er nicht vor Ort präsent sein muss.» Der Umgang mit der Stille; Motivieren wie ein Fitness-Coach ; Wenn der Teddy Patient spielen muss ; Dynamisches Zukunftskonzept – Schieberegle r Frank Richter

Motivieren wie ein Fitness-Coach

«Die Umstellung war von null auf hundert», erinnert sich Jack Rohrer, Leiter der Fachgruppe Zellphysiologie und Zell-Engineering. Der 55-Jährige kennt im Normalfall zwei Unterrichtsarten: Vorlesungen und Praktika. In Letzteren lernen seine Biotechnologie-Studenten steriles Arbeiten im Labor. «Das ist etwas vom Wichtigsten, das wir den Studenten vermitteln. Sie lernen das Kultivieren von Zellen in einer Sterilbank oder kleine Details, wie man den Druckpunkt einer Pipette erspürt. Alles Erfahrungen, die man digital leider nicht vermitteln kann.» Umso wichtiger ist es Rohrer darum, dass zumindest seine Online-Vorlesungen den regulären Unterrichtstunden so nahe wie möglich kommen. Er versucht, seine Lektionen dementsprechend interaktiv zu gestalten, und beisst sich anfänglich die Zähne aus. Co-Moderator im Gruppenchat Normalerweise bewegt sich Rohrer während seiner Vorlesungen durch den Raum, spricht seine Studenten direkt an. In Zoom-Meetings funktioniert Letzteres weniger gut. «Ich habe gemerkt, dass die Studenten Zeit brauchen, sich auf das neue Medium einzulassen», so Rohrer. Anfänglich reagieren sie nur zögerlich auf seine Fragen. Er schmunzelt, wenn er sich an die ersten Lektionen erinnert. «Ich musste sie anpeitschen, wie das normalerweise ein Fitnesstrainer machen würde: ‹Kommt schon, Leute, ihr wisst das.›» Doch Rohrer involviert die Studenten auf seine Art. Einer wird beispielsweise zu seinem Co-Moderator und betreut die Chatfunktion von Zoom oder MS-Teams. Wenn jemand eine Frage eintippt, liest sie der Co-Moderator im Namen des Kommilitonen vor. Ausserdem setzt Rohrer vermehrt auf Gruppenarbeiten. Er erstellt mittels Zoom virtuelle Räume, in denen jeweils fünf Studenten einen Vortrag aus der Fachliteratur erarbeiten. «Ich will die Studenten wieder zusammenbringen. Der soziale Aspekt fehlt aktuell total. Du lernst so viel mehr, wenn du dich mit der Kollegin oder dem Kollegen austauschst.» Der Austausch mit den Mitarbeitern und Kollegen ist auch das, was Rohrer im Moment fehlt. Die Diskussion von Forschungsresultaten, ein Schwatz auf dem Weg zum Kopierer, das Plaudern an der Kaffeemaschine mit anderen Dozenten. Dennoch sieht Rohrer die Krise auch als Chance. Dank ihr setzt er sich vertieft mit technischen Hilfsmitteln auseinander und weiss sie jetzt besser zu nutzen. Der 55-Jährige zeichnet neu seine Vorlesungen auf und stellt sie für die Studenten online. Für seine Videos hat er sogar ein 30-sekündiges Intro gebastelt. «Das hat 90 Minuten verschlungen. Aber ich wollte halt, dass es hübsch aussieht.» Frank Richter

Wenn der Teddy Patient spielen muss

Wie setzt man die Übungen etwa in den Skills-Laboren im Fernunterricht um? Oder die strukturierte praktische Prüfung (SPP), bei der die Studierenden in Ergotherapie Ende des sechsten Semesters an verschiedenen Posten ihr Wissen anwenden müssen? Wo immer möglich, organisierten die Dozierenden des Studiengangs auch für diese Unterrichtseinheiten Alternativen. So erhielten die Studierenden etwa den Auftrag, Videosequenzen mit Klienten-Beispielen zu beurteilen, sie müssen anstelle ihrer Mitstudierenden sich selbst analysieren oder Übungen mit Angehörigen im gleichen Haushalt respektive ihrem direkten Umfeld machen. Wie das aussehen kann, zeigt das folgende Video. Frank Richter

Der Umgang mit der Stille

«Technisch funktionieren Zoom und MS-Teams hervorragend. Gruppenarbeiten in virtuellen Räumen sind für die Studenten sogar angenehmer als in echt», sagt Patrik Eschle, der an der School of Engineering Physik unterrichtet. Sein Unterricht besteht normalerweise aus Vorlesungen und Experimenten direkt im Hörsaal. In diesen führt er den Studenten beispielsweise den Photoeffekt vor oder sie messen zusammen die Lichtgeschwindigkeit. Experimente können aktuell höchstens virtuell durchgeführt werden. Doch was die Vorlesungen angeht, hat sich für Eschle wenig geändert. Sie finden zur gleichen Zeit statt, mit dem gleichen Unterrichtsstoff. Und dennoch sind sie für den 60-Jährigen eine komplette Neuerfahrung. «Ich habe lernen müssen, mit Stille umzugehen», sagt Eschle schmunzelnd. Denn im Hörsaal herrsche immer ein gewisser Geräuschpegel. Wenn er jedoch in der digitalen Vorlesung nicht spricht, ist es totenstill. Die Mikrofone seiner Studenten sind auf stumm geschaltet. Auch die Kameras sind aus. Sowohl die der Studenten als auch Eschles. «Ich finde, dass das Bild des Dozenten während Vorträgen ablenkt. Ich bin zwar attraktiv, aber nicht so sehr, dass es der Aufmerksamkeit förderlich wäre», scherzt er. Der Physiker gestaltet den Unterricht für seine Studierenden jedoch möglichst abwechslungsreich. Zur Aufmerksamkeitssteigerung unterbricht er seine Vorlesungen alle 30 Minuten und lässt die Studenten ein virtuelles Experiment durchführen oder zeigt ihnen einen Clip auf Youtube. «Mir ist bewusst, dass es zuhause mehr Ablenkung und Versuchungen als im Hörsaal gibt. In den eigenen vier Wänden ist es schliesslich nur ein kurzer Weg zum Kühlschrank.» Etwas Kopfzerbrechen bereitet Eschle aktuell das Durchführen der Semesterprüfungen. «Physik kann man online nicht gut prüfen. Wichtig ist der Weg zur Lösung und weniger die Lösung selbst.» Er fordert seine Studenten darum auf, während der Prüfung Notizen zu machen und diese danach als Foto einzusenden. Auch wenn Eschle wegen der Pandemie massiv mehr Zeit in die Vorbereitung seines Unterrichts stecken musste, kann er der Krise etwas Positives abgewinnen. «Ich arbeite irgendwie entspannter. Kein Pendeln, weniger Meetings. Und wenn die Studenten auf Youtube einen Clip schauen, kann auch ich mal schnell zur Kaffeemaschine.» Frank Richter

  • 1
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Netiquette
  • Cookies
© ZHAW
  • Home

  • Rubriken

    • Editorial

      Vorwort der Chefredaktion

    • Alumni

      Was ZHAW-Absolventinnen und -Absolventen heute machen

    • Menschen

      Wir schauen Forschenden und Dozierenden über die Schulter

    • Dossier

      Das Schwerpunktthema jeder Ausgabe

    • Forschung

      Neues aus der ZHAW-Forschung

    • Studium

      Einblick in Studienangebote

    • Interview

      Fachleute diskutieren

    • Spotlight

      Umfragen zu den Schwerpunktthemen

    • Meinung

      Standpunkte von ZHAW-Angehörigen

    • Panorama

      Vermischtes aus dem Campusleben

    • Perspektivenwechsel

      Blick nach aussen und von aussen auf die ZHAW

    • Abschlussarbeiten

      Bachelor- und Masterarbeiten im Kurzporträt

  • Suche

  • Archiv

  • Vorherige Ausgabe

  • Über das ZHAW-Impact und die ZHAW

Schliessen