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Mental Load: Ständig Stress im Kopf

Filomena Sabatella : Das überrascht mich nicht. Bekannt wurde der Begriff Mental Load durch den Emma-Comic , in dem es um eine Frau geht, die den ganzen familiären Mental Load trägt. Ursprünglich kommt das Thema aber aus der Arbeitswelt. Sabatella: Es gibt keine konkreten Zahlen dazu. Aber wir wissen, dass in Paarbeziehungen jeweils eine Person den Load übernimmt – und in der Regel ist das tatsächlich die Frau. Isabel Willemse : Viele realisieren nicht, dass sie in diesen Stereotypen gefangen sind. Und weil die Rollen gesellschaftlich geprägt sind, braucht es einen zusätzlichen Effort, diese zu durchbrechen. «Wie anstrengend all die Denkaufgaben sind, wird selten thematisiert.» Filomena Sabatella, Fachgruppe Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie Sabatella: Zuerst muss man sich des Problems bewusst werden. Dann geht es ums Visualisieren: Welche Aufgaben stehen Tag für Tag an, und wie wollen wir die neu aufteilen? Der Knackpunkt ist Schritt drei: die Aufgaben auch mental aufzuteilen und das Verhalten zu ändern. Da können einem diverse Hindernisse im Weg stehen. Sabatella: Die eigene Einstellung etwa: Wenn ich glaube, dass sowieso keiner die Aufgabe so gut erledigt wie ich selbst. Oder dass man es aushalten muss, falls das Gegenüber die Angelegenheit erst einige Tage später erledigt. Dann ist es wichtig, nicht gleich zu sagen: «Dann mach ich’s eben schnell selbst.» Mein Tipp: Gib zuerst die Aufgaben ab, die dir weniger wichtig sind. Willemse: Auf jeden Fall. Was im Kopf herumschwirrt, nimmt viel mehr Raum ein, weil es so diffus ist. Sortiert und visualisiert man diese Dinge, hat man einen besseren Überblick und kann anfangen, Prioritäten zu setzen. «Man hat ja meist das Gefühl, alle anderen meistern die täglichen Herausforderungen mega easy, nur ich nicht.» Isabel Willemse, Fachgruppe Medienpsychologie Sabatella: Man erkennt so schneller, in welchen Momenten der Alltag stressig ist und wo man mehr Entspannung hineinbringen sollte. Sabatella: Viele Mütter stehen zum Beispiel eine halbe Stunde vor den Kindern auf, um etwas Ruhe zu haben, bevor der morgendliche Rummel beginnt. Kommt man nicht gut aus dem Bett, kann man auch am Vormittag eine fixe Pause einplanen. Willemse: Oder man wird pragmatischer: Ein gekauftes Sandwich für den Schulausflug kann zum Beispiel genauso gut sein wie ein selbstgemachtes. Sabatella: Wenn man sich am Abend hinlegt und die Gedanken zu kreisen beginnen, man ständig angespannt oder überlastet ist, dann ist die mentale Belastung zu gross. Das kann zu gesundheitlichen Problemen wie Schlafstörungen, Angstzuständen oder einer Erschöpfungsdepression führen. Willemse: Wenn man zwischendurch einmal nicht abschalten kann, ist das nicht sofort besorgniserregend, so geht es uns allen einmal. Aber wenn man sich dauerhaft aus dem sozialen Umfeld zurückzieht, weil einem die Energie fehlt, oder man ständig aggressiv ist, dann sind das Warnsignale. interview Jeanette Kuster

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