Menü
Logo Logo
  • DE
  • EN
  • Dossier 3
  • Sibylle Veigl 3
  • Illustration: Till Martin 1
  • 2/2024 3
Aktive Filter: Kategorie: Dossier Autor: Sibylle Veigl Ausgabe: 2/2024 Alle Filter entfernen
Es wurden 3 Ergebnisse in 1 Millisekunden gefunden. Zeige Ergebnisse 1 bis 3 von 3.
  • 1
Ergebnisse pro Seite:

Die Vogelperspektive auf die Gesellschaft

Die «Monsterbank» wurde im Jahr 2023 zum Deutschschweizer Wort des Jahres erkoren. Der Begriff fasste all die Diskussionen, Emotionen und auch Ängste rund um den Zusammenschluss von Credit Suisse und UBS zu einem globalen Megakonzern zusammen. Seit dem Jahr 2017 ermittelt ein Team am Departement für Angewandte Linguistik zusammen mit einer Jury in allen vier Landessprachen ein Wort des Jahres: Begriffe, welche die Gesellschaft bewegt haben. Basis für diese Wahl ist die Sprachdatensammlung Swiss Applied Linguistics , kurz Swiss-AL . Gut eine Milliarde Wörter in über 4,5 Millionen Texten zählt diese mehrsprachige Datenbank. Das mache sie zur grössten der Schweiz laut dem verantwortlichen Forschungsteam. Diskurse und Sprachgebrauch der Öffentlichkeit zeigen, welche Geschichten wichtig sind in der Gesellschaft und welche Argumente wie und von wem aufgenommen werden. Seit 2015 werden diese Sprachdaten gesammelt. Dabei wird auf öffentlich zugängliche Quellen aus der Politik, aus Verbänden, der Wirtschaft, Wissenschaft, den Medien und der Zivilgesellschaft zurückgegriffen. Für Philipp Dreesen , Mitinitiant von Swiss-AL und Professor für Digitale Linguistik und Diskursanalyse, erfüllt diese Sammlung eine demokratische Aufgabe, denn: «Die Gesellschaft muss sich selbst beobachten können», sagt er. «Wissenschaft braucht Vermittlung in die Gesellschaft. Wissenschaft muss aber auch wahrnehmen, welche Gewissheiten es in der Gesellschaft gibt und wie über wissenschaftliche Anwendungen gedacht wird. «Die Gesellschaft muss sich selbst beobachten können.» Philipp Dreesen, Professor für Digitale Linguistik und Diskursanalyse Das machen Diskursanalysen: Sie erfassen zum Beispiel die Spielregeln der öffentlichen Kommunikation, Informationsangebote und individuelle Bedenken. Denn diese Regeln leiten das Denken, den Austausch und führen letztlich zu Entscheidungen und Handlungen.» Swiss AL liefere die Daten, um diese Diskurse aufzuzeigen und zu analysieren. Aktuell leitet Dreesen beispielsweise ein vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstütztes Projekt, bei dem mithilfe von Swiss-AL die öffentlichen Diskurse über Impfungen von 2000 bis 2025 analysiert werden. Um individuelle Impfentscheide und Impfzurückhaltung zu verstehen, sei es äusserst relevant zu untersuchen, wie Medien über Impfungen berichten, wie in der Politik darüber diskutiert wird, wie Stakeholder im Bereich der öffentlichen Gesundheit dazu kommunizieren und wie sich Laien öffentlich dazu positionieren, so Dreesen Die linguistische Forschungsgemeinschaft ist vergleichsweise klein. Doch die Datensammlung Swiss-AL habe bereits eine gewisse Strahlkraft über die Disziplin hinaus, so Julia Krasselt , Professorin für Methoden der Sprachdatenanalyse. Denn die Daten sind nicht nur für Sprachforschende interessant und wichtig, sondern ein Fundus an Antworten auf unterschiedliche Forschungsfragen aller Disziplinen, die sich für öffentliche Diskurse interessieren. Ein weiterer Vorteil ist die Mehrsprachigkeit: Das Korpus ermögliche einen Vergleich der Diskurse über verschiedene Sprachen und Kulturen hinweg, sagt Krasselt. Das sei einzigartig – und könne auch Vorbild für europaweite linguistische Sprachdatensammlungen sein. Deshalb befasst sich ein Team um Philipp Dreesen und Julia Krasselt seit 2022 damit, diese Sammlung für weitere Forschungskreise zu öffnen. Das Spezielle daran: «Im Gegensatz zu anderen Fachbereichen eruieren wir die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer unserer Forschungsdaten», sagt Krasselt. Um diese verschiedenen Bedürfnisse zu ermitteln, wurden fast in jedem Departement der ZHAW Forschende gefunden, welche Auskunft darüber gaben, wie sie zu Sprachdaten stehen, wie sie bei der Suche vorgehen oder nach welchen Begriffen sie suchen. Denn Forschungsmethoden und -fragen sind je nach Disziplin anders: Eine Person der Gesundheitswissenschaft beispielsweise hat andere Bedürfnisse an eine solche Datensammlung als eine Fachperson der Juristik, Architektur oder Psychologie. Im Fachbereich Gesundheit wird zum Beispiel danach gefragt, wie Massnahmen zur Tabakprävention in den Medien und in der Gesellschaft diskutiert werden: Wird überhaupt darüber diskutiert, in welchem Zusammenhang und wie oft? Welche Emotionen spielen eine Rolle? Über all das kann das Textkorpus Auskunft geben. «Swiss-AL bietet die Vogelperspektive auf die Gesellschaft», sagt Dreesen Öffentlich gemacht werden die Daten über eine «Workbench», eine Art Suchmaschine. Zentral dabei ist, die Daten richtig aufzubereiten und intelligente Werkzeuge für die Nutzung der Daten bereitzustellen. Es geht aber auch um die Einhaltung der «FAIR-Prinzipien», also darum, dafür zu sorgen, dass die Daten auffindbar, zugänglich, kompatibel und wiederverwendbar sind. Das Urheberrecht wird insofern eingehalten, als die Texte selbst nicht im Suchergebnis erscheinen, sagt Dreesen. Gezeigt wird lediglich der Satz, in dem das gesuchte Wort vorkommt, und dies mit Quellenangabe. «Das Korpus ermöglicht einen Vergleich der Diskurse über verschiedene Sprachen und Kulturen hinweg – das ist einzigartig in Europa.» Julia Krasselt, Professorin für Methoden der Sprachdatenanalyse Im kommenden Frühjahr soll eine neu gestaltete Version der Workbench fertig sein. «Wir haben gemerkt, dass die aktuelle Version noch nicht so verständlich ist wie gewünscht», so Krasselt. Unterstützt wird diese Neugestaltung im Rahmen des Schweizer Open-Science-Programms vom Hochschulverband swissuniversities wie auch mit ZHAW-Mitteln. Zur erfolgreichen Umsetzung einer Strategie der offenen Forschungsdaten gehört auch die Ausbildung und Befähigung der Forschenden, solche Ressourcen zu benützen. Im Zentrum eines weiteren Projektes steht deshalb die Entwicklung von Schulungsmaterialien: Erklärvideos, disziplinspezifische Testimonials, praktische Übungen oder Best Practices. «Alles in kleinen Häppchen», so Dreesen lächelnd, «Forschende haben nicht viel Zeit.» (Bild: Vitalii Vodolazskyi/AdobeStock ) Sibylle Veigl

Innovation aus dem Netzwerk

Als der Begriff der Open Innovation vor gut zwanzig Jahren ins Leben gerufen wurde, da war die Idee noch geradezu revolutionär. «Heute ist die Einsicht aber schon weit verbreitet, dass man nicht alles selbst quasi im stillen Kämmerlein entwickeln muss», sagt Claudio Cometta , Professor am Institut für Innovation & Entrepreneurship an der School of Management and Law. Open Innovation ist zum stehenden Begriff geworden, es wurden Konzepte und Methoden dafür entwickelt, und die meisten internationalen Grosskonzerne wenden sie an. Die Idee dahinter: Viele Unternehmen und Organisationen beteiligen sich am Forschungsprozess, mit Mitarbeitenden wie mit Infrastrukturen. Gesprochen wird von eigentlichen Ökosystemen. Beteiligt sind etwa auch Startups, der Bund oder Endnutzende. «Heute haben Unternehmen, die nicht Open Innovation betreiben, eher Nachteile am Markt.» Claudio Cometta, Professor am Institut für Innovation & Entrepreneurship an der School of Management and Law An diesem Konzept aus der Wirtschaftspraxis nehmen auch Hochschulen teil, traditionell Partner von Industrie und Wirtschaft. In diesem Zusammenhang sprechen Hochschulen vom «dritten Weg»: Neben Lehre und Forschung sollen Hochschulen direkt an Innovationen und bei Entwicklungen zur Bewältigung von gesellschaftlichen Herausforderungen mitwirken. Sie sollten sich als Ort verstehen, an dem Innovationen stattfinden und Startups und Spinoffs entstehen, und können als Orchestrator fungieren, indem sie die Struktur schaffen, die alle an der Innovation Beteiligten verbindet. Die Hochschule habe aber auch eine gute Ausgangslage, um Antworten zu komplexen Fragen in Wirtschaft, Technik und Gesellschaft beizusteuern, sagt Cometta. Klar sei jedoch auch: «Es ist nicht Aufgabe der Hochschule, eigene Dienstleistungen für die Industrie zu generieren und diese der Industrie anzubieten.» «Open Innovation ist natürlich auch ein wichtiges Thema für die ZHAW», so Cometta. Departementsübergreifend ist nun eine Vorstudie für den Einsatz von Open Innovation an der ZHAW erarbeitet worden. Teil einer Open-Innovation-Strategie seien sicher auch die diversen Labs, die bereits an der ZHAW bestehen. Cometta nennt hier als Beispiel das Proof of Concept Lab an der School of Engineering und der School of Management and Law oder den innovativen Campus Future of Food am Departement Life Sciences und Facility Management. Zwei Punkte seien zentral für das Konzept der Open Innovation: Offenheit und Teilhabe. Hier treffen sich auch die Ideen von Open Science und Open Innovation. Es gelte, offen zu sein für andere Disziplinen, und der Prozess der Wissensentwicklung selbst sollte offen gestaltet sein. Stichwort sei hier auch die Co-Kreation, wo Stakeholder einbezogen werden im Innovationsprozess. Und zum Begriff Teilhabe gehöre, dass Infrastrukturen für alle Beteiligten offen seien: Das gelte auch für IT-Bereiche. Cometta sieht Open Innovation dennoch eher als Parallelkonzept zu Open Science denn als Teil von ihr – schliesslich geht es hier um die Öffnung des Innovationsprozesses gegenüber Hochschulen und weiteren Kompetenzträgern. Doch wo bleibt der Wettbewerbsvorteil – für das Unternehmen, aber auch für eine Hochschule –, wenn Innovationen und geistiges Eigentum mit der Konkurrenz geteilt werden? Dazu Cometta: «Heute haben eher Unternehmen, die nicht Open Innovation betreiben, Nachteile am Markt.» Nur schon der Fachkräftemangel zwinge sie, Kompetenzen extern beizuziehen, um innovativ zu bleiben. Zudem müssen nicht alle Phasen eines Innovationsprozesses geöffnet werden: Beispielsweise könne die Anfangsphase offen gestaltet, die Kommerzialisierungsphase dann wieder intern umgesetzt werden. Zur Open-Innovation-Plattform (Bild: Adobestock) Sibylle Veigl

Die Kultur des Teilens von Forschungswissen

Das wissenschaftlich erarbeitete Wissen soll für alle Personen offen und kostenlos zugänglich sein – sofern nicht schützenswert oder vertraulich. Wissenschaftliche Publikationen – Open Access (OA) Dazu gehören zum Beispiel von Fachleuten begutachtete Zeitschriftenartikel und Bücher, Forschungsberichte oder auch Konferenzpapiere. Sie können auf Online-Veröffentlichungsplattformen oder Online-Repositorien zugänglich gemacht werden. Offene Forschungsdaten – Open Research Data (ORD) Öffentlich gemacht werden digitale und analoge Daten in Form von Text, Bild und Ton, aber auch Analysecodes oder Workflows. Dabei geht es auch um die technische Aufbereitung von Daten, ihre Anonymisierung und Dokumentation. Die Forschungsdaten sollen so abgelegt sein, dass die sogenannten FAIR-Prinzipien für die Offenlegung von Daten erfüllt werden. Das heisst, die Daten sollen auffindbar (findable), zugänglich (accessible), kompatibel (interoperable) und wiederverwendbar (reusable) sein. Offene Bildungsressourcen – Open Educational Resources (OER) Open Educational Resources (OER) sind Lehr- und Lernmaterialien, die bewusst offen gestaltet und mit spezifischen Verwendungsrechten versehen werden. OER sind Ausgangspunkt für neue didaktische Formate, die Partizipation, Co-Kreation und studentische Selbstlernszenarien unterstützen. Die ZHAW ist federführend beim nationalen OER-Repositorium Switch OER . Für die Finanzierung von Forschung und Wissenschaft an Hochschulen ist der Bund zuständig. Dies macht er hauptsächlich durch den SNF und die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung Innosuisse. Mit der Strategie und Umsetzung von Open Science befassen sich internationale und nationale Organisationen – eine Auswahl: Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur UNESCO Im November 2021 wurde die Unesco-Empfehlung zu Open Science ( UNESCO Recommendation on Open Science ) von allen 194 Mitgliedstaaten verabschiedet. European Open Science Cloud (EOSC) Die European Open Science Cloud der Europäischen Kommission sorgt für den Zugang zu wissenschaftlichen Daten und Datenverarbeitungsplattformen. Auch die Schweiz ist dem Verband angeschlossen. Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) Auftraggeberin der Open-Access-Strategie sowie der Strategie für Open Research Data. Staatliche Förderinstrumente - SNF und Innosuisse - Akademien der Wissenschaften Schweiz: Sie fördern die Vernetzung der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Hochschulverband swissuniversities Die Delegation Open Science des Hochschulverbandes setzt unter anderem die Open-Access-Strategie in der Schweiz um. Wissenschaftsverlage Rund drei Viertel der Lizenzausgaben in der Schweiz fallen auf die drei grossen Verlage Springer Nature , Elsevier und Wiley . Konsortium Schweizer Hochschulbibliotheken Das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken handelt mit Wissenschaftsverlagen Lizenzen für den Zugriff auf digitale Publikationen aus. Sibylle Veigl, Illustration: Till Martin

  • 1
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Netiquette
  • Cookies
© ZHAW
  • Home

  • Rubriken

    • Editorial

      Vorwort der Chefredaktion

    • Alumni

      Was ZHAW-Absolventinnen und -Absolventen heute machen

    • Menschen

      Wir schauen Forschenden und Dozierenden über die Schulter

    • Dossier

      Das Schwerpunktthema jeder Ausgabe

    • Forschung

      Neues aus der ZHAW-Forschung

    • Studium

      Einblick in Studienangebote

    • Interview

      Fachleute diskutieren

    • Spotlight

      Umfragen zu den Schwerpunktthemen

    • Meinung

      Standpunkte von ZHAW-Angehörigen

    • Panorama

      Vermischtes aus dem Campusleben

    • Perspektivenwechsel

      Blick nach aussen und von aussen auf die ZHAW

    • Abschlussarbeiten

      Bachelor- und Masterarbeiten im Kurzporträt

  • Suche

  • Archiv

  • Vorherige Ausgabe

  • Über das ZHAW-Impact und die ZHAW

Schliessen