«Den Menschen wird es immer brauchen bei Übersetzungen»

24. September 2019
3/2019
Seine Berufung zum Übersetzer hat er eigentlich eher zufällig entdeckt. Antonio Cifelli machte gerade seine KV-Lehre bei einem Möbelhersteller im aargauischen Safenwil, als die Firma in Italien Maschinen bestellte. Nur kamen mit der Lieferung auch die Bedienungsanleitungen auf Italienisch. «Ich durfte diese dann ins Deutsche übersetzen», sagt Cifelli, der aus der süditalienischen Region Molise stammt und in der Schweiz aufgewachsen ist. Dieses Umwandeln der Sprache gefiel ihm. Er machte das Übersetzerdiplom und begann seine Laufbahn im Sprachdienst der Credit Suisse. Bis er zum Sprachdienst der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) wechselte, wo der 49-Jährige nun schon seit 21 Jahren arbeitet, seit Dezember 2018 als Leiter des fünfköpfigen Teams.
Antonio Cifelli, Teamleiter Sprachdienst bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU), sieht einen zunehmenden Übersetzungsbedarf.
Die Arbeit sei spannend und abwechslungsreich, so Cifelli. Die Vielfalt an Themen, die vom Verkehr über Produktesicherheit und Haushalt bis zum Sport reicht, ist es, die ihn schon so lange bei der BFU  hält. Im Sprachdienst werden alle in der Kommunikation anfallenden schriftlichen Texte sowie Redetexte in Videos in die Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und auch Englisch übersetzt. Die fünf Übersetzerinnen und Übersetzer werden dabei von Freelancern unterstützt. Seit zwei Jahren ist Cifelli, der brevetierter Tauchlehrer ist, zudem als BFU-Experte für den Tauchsport zuständig und ist somit auch inhaltlich für die entsprechenden Publikationen zuständig.

Ansprüche an den Sprachdienst nehmen zu

Die Ansprüche an den Sprachdienst nehmen laufend zu. Immer mehr Themen muss die Unfallverhütung aufgreifen, jüngst etwa die Sicherheit von E-Bikes und E-Trottinetten. Im Bereich Verkehrsverhalten wurde eine ganze Abteilung neu aufgebaut. Damit hat auch das Volumen der zu übersetzenden Inhalte zugenommen, die zudem nicht nur auf Papier, sondern auch in digitalen Kanälen und in Videos verbreitet werden. Das Übersetzungsteam kann aber nicht immer weiter wachsen: «Wir müssen andere Lösungen finden, um vorwärtszukommen.»
Eine Lösung wäre der Einsatz von maschinellen Übersetzungsmethoden. Mit Sprachdatenbanken, den sogenannten Computer Assisted Translators (CAT), arbeitet Cifelli zwar schon seit gut 20 Jahren. Neu sind aber Sprachsoftwares im Bereich der künstlichen Intelligenz wie Google Translator oder DeepL, welche ganze Texte vollautomatisiert in die gewünschte Sprache verwandeln.

Maschinelles Übersetzen weckt Ängste

Um sich einen Überblick über die neusten Entwicklungen in der maschinellen Übersetzung zu verschaffen, hat Cifelli den eintägigen Weiterbildungskurs «Pre- und Postediting von maschinellen Übersetzungen» des Departementes Angewandte Linguistik besucht. Zudem sei es für ihn auch an der Zeit gewesen für eine Weiterbildung – die letzte, den CAS Fachübersetzen, habe er vor sieben Jahren gemacht. Neben den verschiedenen Methoden des maschinellen Übersetzens ging es im Kurs um die Fragen, wie gut diese Systeme wirklich sind, wie sie in bestehende Prozesse integriert werden können und wie Ausgangstext sowie anschliessendes Lektorat gestaltet sein müssen.
Überrascht war er vom grossen Misstrauen und von den Ängsten, welche die Übersetzenden gegenüber den automatisierten Möglichkeiten haben: Befürchtungen, dass damit die Kreativität bei der Arbeit und die Arbeit selbst verloren gingen. «Doch den Menschen wird es immer brauchen bei Übersetzungen», ist Cifelli überzeugt. Der Einsatz eigne sich für standardisierte Texte wie etwa Tabellen oder einfache Kurzbeiträge. Kreativ erzeugte Inhalte, wie zum Beispiel die Slogans der Unfallverhütungskampagnen, liessen sich nur mit viel Fingerspitzengefühl durch den Menschen übersetzen.