Mehr als Sprache und Kultur

22. Juni 2021
2/2021

Eine konsequente Kompetenzorientierung, die frühe Internationalisierung und der beständige Wille zur Professionalisierung: Mit diesem Rezept führt das  IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen der ZHAW seine Absolventinnen und Absolventen zum Erfolg. Das Institut blickt auf eine 75-jährige Geschichte zurück.

Die Language Industry umfasst weitaus mehr als die prototypischen Berufsbilder Übersetzen und Dolmetschen. Als Folge der Globalisierung und angetrieben durch die digitale Transformation hat sich das Berufsfeld für SprachmittlerInnen und mehrsprachige KommunikatorInnen massiv gewandelt. Mit Barrierefreier Kommunikation, Pre- und Post-Editing (Bearbeitung von Texten vor bzw. nach einer maschinellen Übersetzung), Übersetzungsmanagement oder Transkreation (freie und kreative Erstellung von Texten in einer Zielsprache) sind in den letzten Jahren ganz neue Berufsprofile entstanden, zudem sind professionelle SprachmittlerInnen in immer mehr Berufsfeldern wie der Organisationskommunikation oder der technischen Dokumentation gefragt.

Mehrsprachige Kommunikation professionalisiert

 Im modernen Usability-Labor werden unter anderem die Bachelorstudierenden des Studiengangs Angewandte Sprachen mit der Vertiefung «Fachkommunikation und Informationsdesign» ausgebildet.
Im Feld der mehrsprachigen Kommunikation hat zugleich eine Professionalisierung und eine Diversifizierung der Berufs- und Rollenbilder stattgefunden. Sprachliche Meisterschaft, kulturelle und translatorische Kompetenzen vorausgesetzt, benötigen die Sprachprofis von heute zahlreiche weitere Qualifikationen wie Management- und Marketingkompetenzen sowie eine sehr hohe Digital und Machine Translation Literacy. Auf einem sich rasant entwickelnden Arbeitsmarkt sind Anpassungsfähigkeit und Agilität gefragt, wenngleich nicht alle ausgebildeten SprachmittlerInnen es in den Bundesrat schaffen können – hier ist Karin Keller-Suter, prominente Absolventin des IUED-Vorgängers DOZ (Dolmetscherschule Zürich), bisher die Ausnahme. Diesen Wandel prägt das IUED an vorderster Front mit – und blickt dabei zurück auf stolze 75 Jahre Geschichte. Dass die Gründung des «Freien Lyceums Dr. P. Bänziger» in Zürich den Grundstein für akademische Ausbildungen legen würde, war 1946 noch nicht absehbar.
Historisches Inserat aus dem «Tages-Anzeiger» vom 27.1.1948.
Die kontinuierliche Professionalisierung und Internationalisierung von Institut und Ausbildung führte aber dorthin (vgl. Box Meilensteine). Heute verfügt das IUED über eine starke internationale Position und ist als einziges Fachhochschul-Institut Mitglied der Conférence internationale permanente d'instituts universitaires de traducteurs et interprètes (CIUTI), der weltweit führenden internationalen Organisation, welche die Qualitätsstandards für universitäre Ausbildung und Forschung im Bereich Übersetzen und Dolmetschen setzt und bei ihren Mitgliedern deren Einhaltung fordert.

Erkenntnisse aus eigener und fremder Forschung

Die Bachelor- und die Master-Ausbildung des IUED sind national und international akkreditiert. Und an die Stelle von Sprachunterricht und allgemeinbildenden Kursen sind akademische Aus- und Weiterbildungen getreten: Der Bachelor Angewandte Sprachen, Mastervertiefungen in Fachübersetzen und Konferenzdolmetschen sowie Weiterbildungen im Bereich der Translation, der Barrierefreien Kommunikation und der Technikkommunikation. Alle folgen dem Grundsatz der forschungsgeleiteten Lehre. Kompetenzorientiert vermitteln sie die neuesten Erkenntnisse aus eigener und fremder Forschung und verbinden diese mit der Anwendung und dem Training von Fertigkeiten. Aktuell ist dabei die Herausforderung, wie maschinelle Übersetzung im Kommunikationsalltag professionell genutzt werden kann. So entlässt das IUED seine Absolveninnen und Absolventen mit Kompetenzen, die sie für den globalisierten Arbeitsmarkt befähigen und in der digitalen Transformation auch langfristig konkurrenzfähig machen.

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Meilensteine in der Geschichte des IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen der ZHAW

  • 1946 Gründung «Freies Lyceum Dr. P. Bänziger, Schule für sprachliche und allgemeine Bildung»; Dauer der Bildungsgänge: drei Semester
  • ab 1951 «Dolmetscherschule und Freies Lyzeum Dr. P. Bänziger, Zürich» mit obligatorischem Auslandsemester
  • 1953 Anerkennung durch die Erziehungsdirektion des Kantons Zürich nach Verlängerung der Ausbildung und Einführung von Zwischenabschlüssen
  • 1967 Übernahme durch die Genossenschaft Dolmetscherschule Zürich (DOZ) und kontinuierlicher Ausbau der Ausbildung auf schliesslich sechs Semester sowie Abschluss bilateraler Abkommen mit internationalen Partnerinstituten
  • 1982 Bestätigung des akademischen Niveaus der Ausbildung durch ein Gutachten im Auftrag der Erziehungsdirektion
  • 1999 Integration der DOZ in das Departement Angewandte Linguistik und Kulturwissenschaften der Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW), der Vorgängerinstitution der ZHAW
  • 2003 Gründung des IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen
  • 2006 Überführung des FH-Diplomstudiengangs in das zweistufige Bachelor-Master-System
  • 2012 Akkreditierung der Bachelor- und Masterstudiengänge durch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie
  • 2014 Erstmalige Akkreditierung der Mastervertiefung Fachübersetzen durch das European Master’s in Translation-Network der Europäischen Kommission
  • 2015 Aufnahme des IUED in die renommierte Conférence internationale permanente d'instituts universitaires de traducteurs et interprètes (CIUTI)