Pflegeberufe: Auf den Applaus müssen Taten folgen

1. Juli 2020
2/2020

Die Pandemie zeigt die Notwendigkeit auf, Hebammen und Pflegefachpersonen Sorge zu tragen.

Initiiert von der Weltgesundheitsorganisation  hätte 2020 das Jahr der Hebammen und Pflegefachkräfte werden sollen. In Erinnerung bleiben wird es als Jahr, in dem die Corona-Pandemie auch die besten Gesundheitssysteme der Welt an den Rand des Kollapses gebracht hat. Und als Jahr, in dem klar geworden ist, dass Gesundheitsfachleute für die Gesellschaft unverzichtbar sind. Dass die Schweizer Bevölkerung den Gesundheitsfachpersonen für ihren Dauereinsatz gegen das Coronavirus applaudierte, war eine schöne, aber auch typische Geste: Gesellschaftliche Unterstützung und Anerkennung der Berufe sind zwar gross, schlagen sich aber nur bedingt in guten Arbeitsbedingungen nieder. Das macht auch diese Pandemie einmal mehr deutlich: Die Berufe, welche die Grundversorgung aufrechterhalten, werden über das Erträgliche belastet, diplomierte und spezialisierte Fachkräfte fehlen, gewisse Berufsgruppen wie die freipraktizierenden Hebammen hat man bei der Verteilung von Schutzmaterial «vergessen».Die Pandemie zeigt die Notwendigkeit auf, Hebammen und Pflegefachpersonen Sorge zu tragen. Und sie verleiht den Forderungen der WHO Nachdruck, sich für die Anerkennung, eine exzellente Ausbildung und bessere Arbeitsbedingungen für diese Berufe einzusetzen. Für die Schweiz heisst das: Die Politik muss in die Attraktivität der Professionen investieren. So liesse sich die Verweildauer in den Berufen erhöhen und der Fachkräftemangel entschärfen. Dazu würden etwa Versorgungsmodelle beitragen, in denen die Berufsleute ihr Potenzial voll ausschöpfen können – und in denen die damit einhergehende Verantwortung auch anerkannt wird. Wir fordern die Politik zu mutigem Handeln auf: Sie soll den Experimentierartikel annehmen, der Pilotprojekte für entsprechende Versorgungsmodelle ermöglicht. Und es braucht einen systematischen Einbezug der beiden Berufe bei der Gestaltung der künftigen Versorgung. Das Einsetzen einer Chief Nurse respektive Chief Midwife auf höchster Verwaltungsebene wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Auf den Applaus müssen nun Taten folgen.
Katharina Fierz, Leiterin ZHAW-Institut für Pflege
Beatrice Friedli, Leiterin Institut für Hebammen