Wie geht es uns in der Pandemie?

23. März 2021
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Auch nach einem Jahr Pandemie beurteilen 80 Prozent der Bevölkerung ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut. Der Anteil ist damit jedoch gegenüber dem Sommer 2020 etwas gesunken. Eine erhöhte psychische Belastung erleben junge Menschen. Das zeigt der aktuelle COVID-19 Social Monitor.

Vier Fünftel der Bevölkerung in der Schweiz stufen ihre aktuelle Lebensqualität als gut oder sehr gut ein. Dieser Anteil ist in den vergangenen drei Monaten leicht gesunken, parallel zur Einführung der verschärften Corona-Schutzmassnahmen Ende Oktober 2020 und zum erneuten Lockdown im Januar 2021. In den Sommermonaten und im Frühherbst 2020 betrug der Wert noch rund 90 Prozent. Dies zeigt die jüngste Erhebung des «COVID-19 Social Monitor» der ZHAW School of Management and Law und der Universität Zürich von Ende Januar. Die Studie untersucht seit März 2020 mit regelmässigen Umfragen die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Bevölkerung. «Auch wenn die Resultate eine etwas tiefere Zufriedenheit zeigen – insgesamt bewerten die meisten Menschen in der Schweiz trotz der gegenwärtig starken Einschränkungen ihre Lebensqualität nach wie vor als hoch», sagt Marc Höglinger, Leiter Versorgungsforschung am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der ZHAW.
Die meisten Menschen schätzen ihre Lebensqualität immer noch hoch ein. Das gilt vor allem für die über 60-Jährigen.

Mehrheit verkraftet die Situation

Zugleich fühlen sich etwas mehr Menschen häufig einsam oder verspüren eine erhöhte psychische Belastung. Die entsprechenden Anteile liegen aktuell bei 10 und 28 Prozent im Vergleich zu 6 respektive 21 Prozent Ende September 2020. «Zu dieser leichten Zunahme dürfte neben dem Lockdown auch der Winter beitragen. Generell sind solche psychischen Belastungen aber nicht mit Erkrankungen wie einer Depression gleichzusetzen. Eine Mehrheit der Menschen kann die Herausforderungen verkraften und bleibt gesund», sagt Marc Höglinger. «Anders kann es bei Personen sein, die bereits vor der Pandemie stark psychisch belastet waren oder beispielsweise durch Arbeitslosigkeit oder einen Todesfall im eigenen Umfeld hart getroffen wurden. Es braucht daher eine differenzierte Betrachtung.»

Junge leiden besonders

Gewisse Bevölkerungsgruppen sind besonders betroffen: So leiden junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren mit 18 beziehungsweise 44 Prozent viel öfter als andere Altersgruppen an Einsamkeit oder psychischer Belastung. «Bei den Jungen lagen diese Werte in fast all unseren Befragungen seit dem letzten Frühling höher. Zudem sind sie in den letzten Monaten stärker angestiegen», erklärt Oliver Hämmig, Bereichsleiter Gesundheitsberichterstattung und -monitoring am Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich. Auch alleinstehende Menschen sind etwa drei- bis viermal so häufig von Einsamkeit betroffen wie solche in Paar- oder Familienhaushalten. «Diese Unterschiede zeigen sich während der ganzen Pandemie, im aktuellen Lockdown, aber auch zu normalen Zeiten, wie man aus früheren Studien weiss», betont Oliver Hämmig.
Junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren leiden viel öfter als andere Altersgruppen unter psychischer Belastung.

Weniger Homeoffice als im Frühling

Zudem hält sich die Bevölkerung ziemlich gut an die von den Behörden empfohlenen oder angeordneten Schutzmassnahmen: So befolgen 92 Prozent immer oder meistens die Abstandsregeln, 97 Prozent tragen eine Maske und 70 Prozent verzichten überwiegend auf private Besuche und bleiben zu Hause. «Diese Werte sind in den vergangenen Monaten wieder angestiegen. Insbesondere beim Verzicht auf private Besuche oder beim Zuhausebleiben liegen sie aber etwas tiefer als während des Lockdowns im letzten Frühling», sagt Marc Höglinger. Mit der entsprechenden Anweisung des Bundesrats arbeiten aktuell auch wieder mehr Menschen ausschliesslich oder meistens im Homeoffice (30 Prozent). Aber es sind etwas weniger als im Frühling 2020, als rund 40 Prozent zumindest meistens von zu Hause tätig waren.
Die meisten Menschen schützen sich mit einer Gesichtsmaske.

Angst um Arbeitsstelle

Kaum verändert hat sich seit Beginn der Pandemie die Arbeitsplatzunsicherheit: Knapp 10 Prozent aller Menschen in der Schweiz haben ziemlich oder viel Angst, ihre Stelle zu verlieren. Zwei- bis dreimal so hoch liegt dieser Anteil jedoch bei Beschäftigten in Branchen wie Gastgewerbe, Kultur oder Sport, die von den Corona-Massnahmen besonders betroffen sind.
Bislang gibt es nur wenige wissenschaftliche Studien zu den Auswirkungen des Lockdowns auf die Gesundheit, die Gesundheitsversorgung oder die Arbeitsproduktivität der Beschäftigten. Der COVID-19 Social Monitor soll die Entwicklung dieser gesellschaftlichen Folgen der Pandemie im Zeitverlauf erfassen. Seit Beginn des Lockdowns wurde dazu regelmässig eine repräsentative Bevölkerungsstichprobe zu diversen Themen befragt.

COVID-19 Social Monitor

Der COVID-19 Social Monitor ist ein Gemeinschaftsprojekt des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie der ZHAW und des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich. Die Forschenden befragen in regelmässigen Abständen zwischen 1492 und 2802 Personen aus allen Landesteilen. Das erlaubt für die Schweiz repräsentative Aussagen zur Entwicklung der erfassten Indikatoren über die Zeit. Die Untersuchung zeigt Veränderungen im Wohlbefinden, im Gesundheitszustand, in der Erwerbssituation und im Verhalten der Schweizer Bevölkerung im Verlauf der Corona-Krise detailliert auf. Bisher wurden 13 Befragungen im Zeitraum vom 30. März 2020 bis zum 4. Februar 2021 durchgeführt.

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