ZHAW engagiert sich für menschenfreundliche KI made in Switzerland and Europe

3. Dezember 2019
4/2019

Weshalb braucht es KI made in Switzerland oder Europe?

Daniel Baumann: Im Wettlauf um die Führung bei KI sind die USA und China vorn. Ohne Gegensteuer droht Europa abgehängt zu werden.
Daniel Baumann, Geschäftsführender Leiter ZHAW digital
Thilo Stadelmann: Zudem wollen die europäischen Initiativen mit KI für den Menschen ein Gegengewicht setzen. Während in den USA die KI-Forschung meist von den kalifornischen Firmen mit klarem wirtschaftlichem Fokus geprägt ist, stehen in China Sicherheitsinteressen im Vordergrund. KI soll dort zur Überwachung eingesetzt werden. Nach unserem Verständnis braucht es einen dritten Weg, bei dem jede und jeder von KI-Lösungen profitieren können soll.
Thilo Stadelmann, Wissenschaftlicher Leiter ZHAW digital

China soll zweieinhalb Mal so viele KI-Patente anmelden als die USA, und einzelne chinesische Städte sollen über mehr als zehnmal so viel KI-Fördermittel als ganz Frankreich verfügen. Wie wollen die Schweiz und Europa da mithalten?

Stadelmann: Die EU strebt an, dass die öffentlichen und privaten Investitionen in Forschung und Entwicklung von KI in den nächsten zehn Jahren jährlich auf mehr als 
20 Milliarden Euro steigen. Bisher waren die Investitionen viel niedriger und fragmentiert. CLAIRE will, dass mit den in Aussicht gestellten Mitteln ganz gezielt vielversprechende neue Ansätze in menschenzentrierter KI gefördert werden.

Und die Schweiz, kann sie mithalten?

Baumann: Die Schweiz ist prädestiniert dafür, sich gut zu positionieren. Hier sitzen renommierte Institutionen wie die beiden ETHs, Universitäten mit langer KI-Tradition wie Zürich, Lugano oder Basel, die anwendungsorientierten Fachhochschulen, aber auch viele private Firmen, die auf dem Gebiet der menschlichen und der Künstlichen Intelligenz forschen. Die beiden Ini­tiativen wollen sie zusammenbringen – die Neurowissenschaftler mit den Informatikern, die Neurobiologen mit den Ökonomen oder die Mediziner mit den Ingenieuren. Durch die interdisziplinäre Kooperation sollen intelligente Maschinen genereller einsetzbar werden.

Welche Rolle spielt dabei die ZHAW?

Baumann: Die ZHAW leistet einen prägenden Beitrag im Rahmen unserer strategischen Initiative ZHAW digital sei es auf wissenschaftlicher, auf organisatorischer und auf kommunikativer Ebene. Ich bin zum Beispiel daran ein neuartiges agiles Organisationsmodell für das in Zürich geplante interdisziplinäre und transdiziplinäre KI-Lab TRAIL zu entwickeln, das schnell allfälligen Veränderungen angepasst werden kann. Denn wohin die Reise letztlich geht, weiss man jetzt noch nicht so genau.

Die ZHAW ist gleich bei zwei dieser übergreifenden und ambitionierten KI-Initiativen dabei. Weshalb?

Stadelmann: Wir haben in den vergangenen Jahren viel Expertise in Forschung und Studium zu KI entwickelt. Wir sind nah dran an der Industrie und wissen, wie man netzwerkt, denn das ist essenziell für unsere Forschungsfinanzierung. Deshalb sind wir bei solchen Initiativen ein gefragter Partner. Wir wollen mit unserem Engagement der Community und der Gesellschaft etwas zurückgeben, nicht nur profitieren.