ZHAW Runway: Macht Jungunternehmer bereit zum Abheben

22. September 2020
3/2020

Seit fünf Jahren begleitet der ZHAW Runway Startup Incubator Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer der ZHAW aber auch andere Startups aus der Region Winterthur und Zürich bei der Entwicklung von Geschäftsideen mit einem massgeschneiderten Förderprogramm.

Startups – egal welcher Branche – beginnen alle am selben Punkt: Am Anfang steht eine innovative Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Doch um erfolgreich zu sein, braucht es mehr: Nötig sind auch Kapital, ein Ort zum Arbeiten und Know-how, wie man ein Unternehmen gründet und führt. Um junge Firmengründerinnen und -gründer zu fördern, lancierte das Institut für Innovation und Entrepreneurship unter der Leitung von Adrian W. Müller der ZHAW School of Management and Law vor fünf Jahren den Runway Startup Incubator. Im Unterstützungspaket enthalten sind Coachings und Beratungen, Workshops und Impulsvorträge, die Möglichkeit zur Vernetzung sowie ein Arbeitsplatz im Coworking-Space im Technopark Winterthur. Seither hat Runway rund 50 Startups unterstützt. Die grössten unterstützenden Partner von Runway sind die Zürcher Kantonalbank und der Technopark Winterthur.

Runway spricht Frühphasen-Startups an

Mit einer Mischung aus massgeschneidertem Coaching und Community-Life: Beata Gruschka (r.), Program Manager, und Ramona Lieser, Community Manager des Runway Incubators hier im Coworking-Space im Technopark Winterthur.
Die Branchen reichen von IT über Medizintechnik bis zu Gesundheit und Gebäudeautomation. Ein Team erarbeitet eine Online-Plattform zum Thema Yoga und Mindfulness, ein anderes ist im Bereich Zivildienst-Administration tätig, und wieder andere entwickeln einen neuartigen Kletterschuh oder befassen sich mit dem Thema Foodwaste in der Gastronomie. Bei der Auswahl der Förderkandidatinnen und -kandidaten legt das Incubator-Team vor allem Wert auf eine innovative Geschäftsidee, Marktpotenzial und ein engagiertes Gründerteam – wie etwa das Power-Duo Sophia Borowka und Jana Maes, das Ende 2018 sein Unternehmen Caressoma gründete. Die Physikerin und die Osteopathin entwickelten ein Ultraschallgerät für Sportmediziner, welches Verletzungen und Krankheiten von Muskeln und Sehnen misst, erkennt und überwacht. Es soll Spitzensportlern helfen, das Verletzungsrisiko zu reduzieren und die Rehabilitation zu verbessern.
Die Gründerinnen profitierten vor allem vom Intensivcoaching, das sie von Beginn an erhielten. «Das ganze Potenzial unserer Technologie kam beim Pitch nicht richtig rüber. So haben wir die riesige Chance erhalten, durch ein Intensivcoaching zu gehen», betont Sophia Borowka. Mit Erfolg: Im August 2019 gewannen sie bei der Global Entrepreneur Challenge der Virginia Tech in den USA den «Information Technology Award for the most outstanding service», dotiert mit 15’ 000 Dollar.

Massgeschneidertes Coaching

Das massgeschneiderte Coaching bezeichnet Beata Gruschka, Program Manager des Runway Incubator, als «Herzstück» des Inkubators. Eine Inkubationsperiode dauert sechs Monate. Zu Beginn einer jeden Inkubationsperiode werden gemeinsam mit den Startups Ziele gesetzt und das Förderprogramm entsprechend zusammengestellt. Bei monatlichen Community-Lunches besteht die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen. Regelmässig gibt es dort Impulsvorträge von Fachpersonen, unter anderem zu Bereichen wie Marketing & Sales, IT oder Recht. «So ist es jungen Gründern möglich, aktuelle Themen zu diskutieren und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen», sagt Ramona Lieser, Community Manager des Runway Incubator. Im Programm befinden sich durchschnittlich jeweils zehn Teams gleichzeitig.
Der Leiter des Center for Entrepreneurship, Matthias Filser, arbeitet mit seinem Team fortwährend daran, die Angebote auszuweiten, Programmerweiterungen zu entwickeln und Netzwerkmöglichkeiten zu schaffen wie etwa die Teilnahme an Veranstaltungen des Startup Campus, welcher ebenfalls ein Angebot des Center for Entrepreneurship darstellt. Maximal drei Jahre kann eine Förderung in Anspruch genommen werden, bis die Jungunternehmen irgendwann flügge werden.

ZHAW Startup Challenge: Software für effizientere Zivildienstadministration gewinnt

Der administrative Aufwand bei der Einstellung von Zivildienstleistenden ist gross und zeitintensiv. Das soll «MyZivi» ändern. Mit der Software können Prozesse wie die Payroll, die regulatorische Meldepflicht oder die Einsatzplanung automatisiert werden. «Wir ermöglichen es Betrieben wie Altersheimen, Schulen oder Spitälern, die ganzen bürokratischen Arbeiten zu automatisieren und sich auf ihre Kernkompetenz zu fokussieren», so die Startup-Gründer Philipp Fehr, Lukas Bischof und Joshua Devades. Die Idee zur Software beruht auf eigenen Erfahrungen, die die drei Studierenden der ZHAW School of Engineering und ZHAW School of Management and Law bei ihren Zivildiensteinsätzen erlebt haben. Das dreiköpfige Team hinter der Idee überzeugte die Jury an der 6. ZHAW Startup Challenge.  So vermochte sich das Team im – bedingt durch Covid-19 – ausschliesslich online durchgeführten achtwöchigen Qualifikationsverfahren gegen 19 andere Konkurrenten durchzusetzen.
Mit dem Gewinn einer Jahresmitgliedschaft für den Runway Startup Incubator erhalten die Jungunternehmer eine optimale Grundlage zur Weiterentwicklung ihres Projekts. Auf den zweiten Teil des Gewinns, die Teilnahme am internationalen Startup-Wettbewerb Virginia Tech Global Challenge, müssen die diesjährigen Sieger verzichten. Dieser Wettbewerb wird aufgrund der aktuellen Lage 2020 nicht durchgeführt.