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Von Tee, verliebten Therapeuten und Tabletten auf Knopfdruck

Der Pu-Erh-Tee wird in der chinesischen Medizin seit Jahrhunderten eingesetzt. Er soll unter anderem den Stoffwechsel anregen sowie das Immunsystem stärken. «Die beiden Sorten Scheng und Shou werden unterschiedlich fermentiert», erklärt Lebensmitteltechnologiestudentin Priscilla Laube. «Daraus ergeben sich drastische Aromaunterschiede.» Der Scheng wird unter natürlichen Bedingungen über Jahrzehnte veredelt. Das Resultat ist ein blumiges und fruchtiges Geruchsprofil. Der Shou wird hingegen beschleunigt fermentiert, was zu muffig-erdigen Geruchsqualitäten führt. Wie zahlreich und vielfältig die aromaaktiven Komponenten des koffeinhaltigen Tees sind, dokumentiert Priscilla Laube in ihrer Bachelorarbeit. «Ich musste erst lernen, wie man Aromen beschreibt», erzählt sie. «Was heisst würzig? Wie schmeckt blumig?» Ein Gerät half ihr dabei, ihren Geruchsinn zu schärfen. Mit sensorischen und instrumentell-analytischen Methoden fand sie schliesslich 53 Komponenten, welche für die Geruchsprofile der beiden Teesorten massgeblich verantwortlich sind. «Mir ist klar geworden, wie das typische Aroma zustande kommt.» Mit diesem Wissen möchte sie nun eine Analysemethode entwickeln, welche die Authentifizierung der beiden Teesorten ermöglicht. «Fälschungen kommen häufig vor, da der Tee sehr beliebt und entsprechend gesucht ist», sagt sie. Wer täglich mehrere Tabletten benötigt, verliert leicht den Überblick. Medikamente werden verwechselt, vergessen oder nicht in der verschriebenen Dosis eingenommen. Jonas Frei und Frederik Imhof haben sich der Problematik angenommen und einen Prototypen eines Automaten gebaut, der Anwender bei der korrekten Einnahme unterstützen könnte. Er lagert die benötigten Arzneien in der Originalverpackung, dem sogenannten Blister. Damit gewährleistet er einen optimalen Schutz der Präparate, bis diese eigenommen werden müssen. In einem speziellen Rahmen kann er bis zu sechs Blister mit unterschiedlich grossen und schweren Tabletten lagern. Soll er eine herausgeben, identifiziert er sie über eine Kamera und drückt sie mit Hilfe von Aktoren und Sensoren aus der Verpackung. «Es hat uns gereizt, ein potenziell markttaugliches Produkt von Grund auf zu entwickeln», sagen die beiden Bachelorabsolventen, die an der School of Engineering studiert haben und sich in früheren Projekten bereits mit ähnlichen Fragestellungen befasst hatten. «Wir konnten das erlernte Wissen in Mechanik, Elektrotechnik und Informatik optimal einsetzen.» Viel Zeit investierten sie unter anderem in die Bauweise. «Den Prototypen möglichst kompakt zu gestalten, war eine der grössten konstruktiven Herausforderungen», berichten sie. Sie haben das Gerät mehrheitlich aus 3D-gedruckten Teilen gebaut. Die Steuerung funktioniert über ein Display. Denkbar wäre es jedoch, diese weiterzuentwickeln und beispielsweise mit einer App zu kombinieren. Eine Therapeutin, die nochmals in den Spiegel schaut, bevor sie einem Patienten gegenübertritt. Ein Therapeut, der während einer Sitzung erotische Fantasien hat. Verliebtheit in der Psychotherapie ist ein Tabuthema. Sie kann nicht nur die therapeutische Arbeit beeinträchtigen. Führt sie zu sexuellen Handlungen, kann sie auch strafrechtliche Konsequenzen haben. «Gefühle von Verliebtheit sind brisant», sagt Esther Rhyn, die an der ZHAW einen Master in klinischer Psychologie abgeschlossen hat. «Sie erzeugen für die Betroffenen ein Spannungsfeld zwischen Verführung und Kontrollverlust einerseits sowie Schutz der Klientel und Aufrechterhaltung der therapeutischen Beziehung andererseits.» In welcher Form und wie häufig derartige Empfindungen vorkommen, dokumentiert die Absolventin anhand von 409 Stichproben. Sie zeigt zudem verschiedene Erklärungsmuster auf. Das von Sigmund Freud geprägte Konzept der Gegenübertragung ist eines davon. Fast alle der Befragten (95,3 Prozent) gaben an, mindestens einmal einen Patienten, eine Patientin attraktiv gefunden zu haben. Mehr als die Hälfte erlebten Verliebtheitsgefühle. Ebenso viele – darunter Männer mit einer 5,9 Mal erhöhten Chance im Vergleich zu Frauen – bejahten die Frage nach sexuellen Anziehungsgefühlen. Rund 42 Prozent der Therapierenden berichteten von sexuellen Fantasien; gut ein Viertel von Sehnsuchtsgedanken sowie Flirtverhalten. 4,2 Prozent gaben sich schon einmal erotischen Aktivitäten hin, 2,4 Prozent sogar sexuellen Handlungen. «Dies darf mit Blick auf die Missbrauchsproblematik nicht unbeachtet bleiben», sagt Rhyn. Sie hofft, mit ihrer Arbeit zur Reflexion, Diskussion und Sensibilisierung beizutragen. Eveline Rutz

Warum Maschinen manches besser können als Menschen

«Willst du mit mir Tabu spielen?», fragt der Roboter, auf den an diesem Nachmittag rund 300 Augenpaare gerichtet sind. Das Mädchen, das ihm gegenübersteht, bejaht. Es zieht eine Spielkarte und beginnt, den Begriff «Kissen» zu umschreiben. «Es ist weiss», sagt es. «Okay, lass mich kurz überlegen», erwidert der Computer. «Ist es ein Volleyball?», will er wissen und liegt erst mal falsch. «Man findet es auf dem Sofa», erklärt das Mädchen weiter, und nach kurzer Zeit nennt der Roboter die korrekte Antwort. «Wir sind ein super Team», sagt er. Sein Ausdruck bleibt dabei maskenhaft. Nur seine Lippen bewegen sich. Das Publikum ist fasziniert. «Wir haben dem Computer beigebracht, mit uns zu sprechen», sagt Mark Cieliebak, Professor an der School of Engineering. Er entfernt das «Gesicht» des Roboters und erwähnt, dass darauf mit einem Beamer Bilder projiziert werden. Er verweist zudem auf die Kamera, dank der die Maschine erkennt, ob jemand vor ihr steht. Wendet sich ihr Gegenüber ab, fragt sie sofort: «Wohin gehst du?» Die Demonstration des humanoiden Roboters ist der Höhepunkt der Vorlesung über Künstliche Intelligenz, die im Rahmen der Kinderuniversität stattfindet. Im grossen Hörsaal im Laborgebäude erfahren Mädchen und Buben, dass heutige Computer 143 Billiarden Operationen pro Sekunde ausführen können. 1960 waren es noch 500’000. Sie lernen, wie Maschinen Bilder erkennen und weshalb sie besser Schach spielen als Menschen. ZHAW-Dozent Cieliebak weist sie aber auch auf mögliche Gefahren hin. «Man kann euch beim Schule-Schwänzen erwischen», sagt er. «Dann nämlich, wenn ihr eigentlich im Unterricht sein müsstet, aber an einem anderen Ort von einer Kamera aufgenommen werdet.» Er konfrontiert die Viert- bis Sechstklässler zudem mit einem moralischen Dilemma. Sie müssen sich überlegen, wie sie ein selbstfahrendes Auto für den Fall programmieren würden, dass es nicht mehr bremsen kann. Soll es in ein anderes Fahrzeug mit einer Seniorin am Steuer prallen? Oder ausweichen und ein Kind auf dem Fussgängerstreifen anfahren? «Es sollte die ältere Person treffen», sagt jemand. «Und wenn es deine Grossmutter wäre?», erwidert Cieliebak. Engagiert diskutieren die Kinder mit. Sie haben viele Fragen und strecken immer wieder auf. Sie möchten unter anderem wissen, ob KI intelligenter sei als der Mensch, wo KI noch nicht so gut funktioniere und ob uns Roboter dereinst ersetzen würden. «Es braucht Menschen, welche Computer programmieren», sagt KI-Spezialist Cieliebak. Roboter erfüllten genau umrissene Aufgaben. Es gebe keine KI, die alles könne. Als die Vorlesung nach 75 Minuten endet, strömen viele Kinder nach vorne. Sie möchten mit dem humanoiden Roboter noch eine Runde Tabu spielen. «Ich habe viel Neues erfahren. Ich finde es interessant, dass ein Computer so schnell rechnen und laufend neue Sachen lernen kann. Künstliche Intelligenz kann dem Menschen sicher helfen. Wenn Roboter reden, finde ich das aber auch etwas gruselig.» Annik Rohrbach, 10 Jahre, Winterthur «Es ist beeindruckend, dass Computer besser Schach spielen können als Menschen. In 100 Jahren können sie wahrscheinlich das Gleiche wie wir. Ich fände es aber komisch, wenn statt Menschen nur noch Roboter eingesetzt würden.» Nils Forster, 10 Jahre, Winterthur «Es ist toll, dass ein Roboter Tabu spielen kann. Das gefällt mir. Roboter können dem Menschen auch Arbeit abnehmen. Das wird uns helfen. Das Thema (((Künstliche Intelligenz))) ist kompliziert, aber ich bin gut drausgekommen.» Daliah Kuper, 10 Jahre, Winterthur «Mein Bruder beschäftigt sich gerne mit Mathematik und Robotik. Daher weiss ich auch schon einiges darüber. Ich hätte nicht gedacht, dass Computer so schnell rechnen können. Roboter sollten nicht schlauer werden als wir. Das wäre gefährlich.» Nils Müller, 9 Jahre, Winterthur Eveline Rutz

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