Menü
Logo Logo
  • DE
  • EN
  • Abschlussarbeiten 1
  • Dossier 1
  • Main Topic 1
  • Thesis 1
  • Eveline Rutz 2
  • 2/2020 2
Aktive Filter: Autor: Eveline Rutz Ausgabe: 2/2020 Alle Filter entfernen
Es wurden 2 Ergebnisse in 1 Millisekunden gefunden. Zeige Ergebnisse 1 bis 2 von 2.
  • 1
Ergebnisse pro Seite:

COIL – Aus der eigenen Kultur virtuell ausbrechen

Einige Studierende seien sehr schüchtern, sagt Samantha Shi, die an der Tianjin Normal University (TJNU) in China unterrichtet. «Als wir hier während der Pandemie Online-Unterricht hatten, wollten sich einige nicht vor der Kamera zeigen.» Die Englisch-Dozentin war daher gespannt, ob sie sich in einer virtuellen Zusammenarbeit mit Studierenden der ZHAW aktiv einbringen würden. «Die meisten haben sonst keine Gelegenheit, mit Menschen aus einem anderen Land zu sprechen.» Ein COIL ( Collaborative Online International Learning ) macht genau dies möglich. «Es findet zwischen zwei oder mehreren Hochschulen statt», sagt Daniel von Felten , Koordinator für internationale Beziehungen am Institut für Facility Management (IFM). «Es wird von deren Dozierenden bezüglich Thema, Sprache, Didaktik und Leistungsnachweisen kollaborativ geplant.» Die Teilnehmenden gehen in hochschulgemischten Teams Problemstellungen an, sie müssen Konflikte meistern und gemeinsam Ziele erreichen. Sie erhalten dabei einen Einblick in eine andere Kultur. «Wir nehmen die Dinge immer aus unserem gewohnten soziokulturellen Kontext wahr und agieren entsprechend», sagt von Felten. «In einem COIL erlebt man, dass es viele kleinere und grössere Unterschiede gibt.» Mit verschiedenen «Realitäten» umgehen zu können, sei in der heutigen, global vernetzten Arbeitswelt eine gefragte Kompetenz. Im März und April hat er zusammen mit Claudine Gaibrois von der Fachgruppe Kultur, Gesellschaft und Kommunikation eine Kollaboration mit der TJNU realisiert. Sie war in den Pflichtwahlkurs «Leben und Arbeiten in der multikulturellen Gesellschaft» eingebunden, der von Bachelorstudierenden unterschiedlicher Fachrichtungen am ZHAW-Departement Life Sciences und Facility Management besucht wurde. «Wir haben diskussionsbasierte Aufgaben gestellt», sagt Dozentin Claudine Gaibrois. «Die Teilnehmenden sollten sich offen begegnen und miteinander ins Gespräch kommen.» Ein erster Auftrag bestand darin, sich in einem Video vorzustellen. Die 80 Teilnehmenden lernten sich virtuell kennen, sie tauschten sich über ihren Alltag, ländertypische Gepflogenheiten sowie Vorurteile aus. Auch die Corona-Situation war in einigen Gruppen Gesprächsstoff. «Das war gerade zu Beginn interessant, weil ein Lockdown in der Schweiz damals noch weit weg und überhaupt nicht sicher schien», berichtet Frederik Sommerhalder, der in Wädenswil Chemie studiert. Die Tianjin Normal University hatte den Präsenzunterricht bereits vor Kursbeginn ausgesetzt, die ZHAW folgte Mitte März. «Einige Gruppen haben über sehr private Dinge gesprochen», sagt Kursleiterin Gaibrois. Dabei hätten sie festgestellt, dass sich ihr Lebensstil gar nicht so stark unterscheide. In einem COIL könne man sich – anders als in anderen Unterrichtsformen – nicht verstecken, sagt sie weiter. Dies sei eine grosse Chance. Die Teilnehmenden lernten durch eigene Erfahrungen. «Ich war überrascht, wie stark sie profitiert haben.» Samantha Shi zieht ebenfalls eine positive Bilanz: «Die Studierenden haben ihre Schüchternheit überwunden.» Sie hätten vor allem ihr mündliches Englisch verbessert, viel über die Schweizer Kultur erfahren und verschiedene technische Hilfsmittel kennengelernt. Wirtschaft und Gesellschaft seien heute weltweit verflochten, betont Daniel von Felten. «Wir können unsere Probleme nur im Dialog mit allen Beteiligten lösen. Das zeigt die aktuelle Corona-Situation gerade deutlich.» Dafür biete das Unterrichtsformat eine ideale Trainingsmöglichkeit. Auch in kleinen Firmen träfen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufeinander, ergänzt Claudine Gaibrois. Entsprechend wertvoll seien solche Praxiserfahrungen. Ein COIL leiste zudem einen wichtigen Beitrag zur Förderung der «Global Citizenship». «Es war interessant, komplett andere Blickwinkel auf bestimmte gesellschaftliche Vorstellungen kennenzulernen», sagt Chemiestudent Frederik Sommerhalder. Chinesen hätten beispielsweise eine kollektive Wahrnehmung von Besitz. «Das verdiente Geld gehört nicht einer Einzelperson, sondern der Familie.» Sie brächten viel Motivation für Schule und Arbeit auf, stellt Kübra Tezcan fest, die Umweltingenieurwesen studiert. Sie setzten sich teils stark unter Druck, um den eigenen und anderen Erwartungen zu entsprechen. «Sie sind ähnlich wie Schweizer und arbeiten viel.» Sie habe gelernt, dass es immer einen Weg gebe, zusammenzuarbeiten, sagt Velia Roth, die den Studiengang Facility Management absolviert und bereits an einem COIL mit Mexiko teilgenommen hatte. «Es ist wichtig, dass man weiss, wie der andere Dinge erledigt. Dann kann man sich darauf einstellen.» Man müsse Stereotype ablegen und sich auf sein Gegenüber einlassen, sagt Ariane Vogelmann, Studentin Umweltingenieurwesen. «Nimmt man sich diese Zeit, entstehen gute, interessante Gespräche.» Es sei gar nicht so schwierig, in internationalen Teams zusammenzuarbeiten, wie man sich das vielleicht vorstelle. «Letztlich kommt es aber auf die Teammitglieder an, deren Nationalität und Kultur spielen meist eine untergeordnete Rolle.» Als Schwierigkeit erlebten die Schweizer Teilnehmenden die unterschiedlich guten Englischkenntnisse. Hinzu kamen unterschiedliche Zeitzonen sowie technische Probleme. Da die Teilnehmenden der TJNU zu vielen hierzulande gängigen Programmen keinen Zugang hatten, mussten andere Lösungen gefunden werden. Immer wieder erschwerten zudem schlechte Internetverbindungen den Austausch. Trotz dieser Hürden würden alle Befragten das COIL weiterempfehlen. «Es war eine sehr gute Erfahrung, die ich für meine berufliche und private Zukunft gebrauchen kann», sagt Jelena Ašanin, Studentin Facility Management. Das IFM führt regelmässig Kollaborationen mit Hochschulen in Holland und Mexiko durch. Ein grösseres COIL ist mit Beteiligten aus den USA und Japan geplant. Daniel von Felten möchte das Gefäss weiter stärken. «In der Schweiz ist man sich des Mehrwerts von COIL noch zu wenig bewusst», sagt er. An einer Konferenz in Tacoma (USA) 2019 mit über 450 Teilnehmenden aus aller Welt war er der einzige Vertreter aus der Schweiz. In asiatischen Ländern und in der EU wird COIL hingegen strategisch gefördert und es werden Forschungsprogramme dazu durchgeführt. Ginge es nach von Felten, könnte das Lehr- und Lernformat auch an der ZHAW noch häufiger zum Zug kommen. Er verfüge über weitere interessante Kontakte zu ausländischen Hochschulen, sagt der COIL-Pionier. Eine Kollaboration lasse sich mit überschaubarem Aufwand realisieren. «Es reicht, wenn zwei Dozierende entscheiden, das machen wir.» Eveline Rutz

Eine Drohne, Tracking und digitale Übersetzung

Drohnen bieten eine neue Möglichkeit, Luftqualität zu messen. Mit Sensoren ausgestattet, helfen sie etwa bei der Überwachung von Industrieanlagen; sie können austretendes Gas frühzeitig erkennen und Lecks lokalisieren. Sie eignen sich aber auch dafür, geologische Phänomene wie Vulkane zu untersuchen. «Die Luftqualität lässt sich noch lokaler und damit genauer erfassen», sagt Alexander Mistretta, der am Departement für Life Sciences und Facility Management Chemie studiert hat. Er hat eine Drohne, die bis zu 5 Kilogramm tragen kann, mit einer Sensorbox ausgerüstet. Ursprünglich wollte er diese oberhalb der Rotorblätter anbringen. «Die ungewollte Luftvermischung durch die Drohne wäre so am geringsten ausgefallen», erzählt er. Durch die oberhalb des Schwerpunkts befestigte Last wurde das Flugobjekt allerdings unkontrollierbar. Es driftete in eine Richtung ab. Mistretta entschied sich für eine Montage auf der Unterseite. Seine Entwicklung ist in der Lage, auf Anweisung Luft anzusaugen sowie Konzentrationen von Feinstaub, Kohlenstoffdioxid (CO₂), Ozon (O₃), Stickstoffdioxid (NO₂) und Stickstoffmonoxid (NO) festzustellen. Die Resultate übermittelt sie über einen Funksender an einen am Boden platzierten Computer, der sie grafisch aufbereitet. Alexander Mistretta hat die Analyseplattform in einem Versuch überprüft. Er hat sie über ein offenes Feld fliegen lassen, auf dem er zuvor ein Feuer entfacht hatte. Durch die Auswertung der gemessenen Partikelkonzentrationen konnte er den Brandplatz lokalisieren. «Das System als Ganzes funktioniert», stellt er zufrieden fest. Es könnte unter anderem dafür genutzt werden, um die Einhaltung der Luftimmissionswerte zu überwachen. Der ZHAW-Absolvent schlägt dafür aber noch Verbesserungen vor. So würden schneller ansprechende Sensoren die Messungen optimieren. Digitale Übersetzungshilfen, die im Internet gratis zur Verfügung stehen, sind in den letzten Jahren markant besser geworden. «Ich bin immer wieder gefragt worden, ob es uns überhaupt noch braucht», sagt Lea Merki, die am Departement Angewandte Linguistik «Professionelle Übersetzung» studiert hat. «Was müssen wir können, um uns abzuheben?», habe sie sich daher gefragt. In einem Experiment hat sie je fünf Masterstudierende, Fachexperten und Fachfremde gebeten, den Jahresbericht 2018 von Givaudan zu bearbeiten. In einem ersten Schritt legte sie den Teilnehmenden die von DeepL übersetzte Version, in einem zweiten zusätzlich den Ursprungstext vor. Sie stellte unter anderem fest, dass die Studierenden die Aufgabe mit einer kritischeren Haltung angingen und am stärksten eingriffen ‒ dies jedoch nicht zwingend zu besseren Resultaten führte. «Entscheidend sind das Sprachverständnis und was man letztlich mit einem Text macht», sagt die ZHAW-Absolventin. Wer post-editiert, sollte ihren Ausführungen nach über folgende Kompetenzen verfügen: Er muss fähig sein, problematische Stellen und versteckte Fehler zu erkennen. Er braucht vertiefte Kenntnisse der jeweiligen Sprachen, Kulturen sowie lokaler Besonderheiten. «Die Maschine bleibt nahe an dem, was sie erhält», sagt Lea Merki. Sie behalte beispielsweise Satzstellungen bei. Professionelle Übersetzer brächten hingegen «ein Gespür für das Natürliche mit». Sie gäben sich mit einem Text tendenziell weniger rasch zufrieden als Laien. «Erst wenn man sich sprachliche Aspekte im Detail anschaut, sieht man Schwächen.» Merki ist überzeugt, dass ihr Berufsstand weiterhin gefragt sein wird. Dem Post-Editing müsse in der Ausbildung allerdings mehr Beachtung geschenkt werden. Tracking-Technologien werden immer besser und zunehmend genutzt. Gerade bei Anwendungen in der Virtual Reality (VR) ist es notwendig, ein Objekt präzise in einem Raum zu lokalisieren. Nicht nur in Computerspielen, sondern auch im industriellen Umfeld bietet das Verfahren Vorteile. So können neue Entwicklungen getestet werden, bevor sie gebaut werden. Die Tracking-Systeme, die zurzeit kommerziell vertrieben werden, sind allerdings teuer. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit haben Felix Baumann und Jonas Schönenberger daher eines dieser Produkte genauer unter die Lupe genommen: Sie haben die SteamVR-Tracking Technologie von Valve erforscht. Diese ist in erster Linie für den Einsatz mit VR-Brillen entwickelt worden. Sie arbeitet mit Infrarotlasern, die von zwei Lighthouses ausgestrahlt werden; sie misst den Winkel, mit dem die Strahlen auf das Objekt auftreffen. So kann sie dessen Position und Orientierung millimetergenau bestimmen. «Wir haben festgestellt, dass einige Signale nicht sauber übertragen werden», antwortet Felix Baumann auf die Fragen nach der grössten Herausforderung, die es zu meistern galt. Die beiden Elektrotechniker haben viel Zeit aufgewendet, um einen Algorithmus zu entwickeln. Mit diesem ist es ihnen schliesslich gelungen, die Codes zu analysieren und zu decodieren. «Unsere Entwicklung funktioniert», stellen die Absolventen der School of Engineering zufrieden fest. Die Ergebnisse des sogenannten Reverse Engineering, wie man das Erforschen oder Aufschlüsseln einer bestehenden Technologie nennt, können in künftigen Forschungsprojekten genutzt werden. «Es gibt viele Möglichkeiten, dieses Wissen einzusetzen», sagt Felix Baumann. «Überall dort, wo Objekte im Raum lokalisiert werden sollen.» Eveline Rutz

  • 1
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Netiquette
  • Cookies
© ZHAW
  • Home

  • Rubriken

    • Editorial

      Vorwort der Chefredaktion

    • Alumni

      Was ZHAW-Absolventinnen und -Absolventen heute machen

    • Menschen

      Wir schauen Forschenden und Dozierenden über die Schulter

    • Dossier

      Das Schwerpunktthema jeder Ausgabe

    • Forschung

      Neues aus der ZHAW-Forschung

    • Studium

      Einblick in Studienangebote

    • Interview

      Fachleute diskutieren

    • Spotlight

      Umfragen zu den Schwerpunktthemen

    • Meinung

      Standpunkte von ZHAW-Angehörigen

    • Panorama

      Vermischtes aus dem Campusleben

    • Perspektivenwechsel

      Blick nach aussen und von aussen auf die ZHAW

    • Abschlussarbeiten

      Bachelor- und Masterarbeiten im Kurzporträt

  • Suche

  • Archiv

  • Vorherige Ausgabe

  • Über das ZHAW-Impact und die ZHAW

Schliessen