Mehr als Sprache und Kultur
Die Language Industry umfasst weitaus mehr als die prototypischen Berufsbilder Übersetzen und Dolmetschen. Als Folge der Globalisierung und angetrieben durch die digitale Transformation hat sich das Berufsfeld für SprachmittlerInnen und mehrsprachige KommunikatorInnen massiv gewandelt. Mit Barrierefreier Kommunikation, Pre- und Post-Editing (Bearbeitung von Texten vor bzw. nach einer maschinellen Übersetzung), Übersetzungsmanagement oder Transkreation (freie und kreative Erstellung von Texten in einer Zielsprache) sind in den letzten Jahren ganz neue Berufsprofile entstanden, zudem sind professionelle SprachmittlerInnen in immer mehr Berufsfeldern wie der Organisationskommunikation oder der technischen Dokumentation gefragt. Im Feld der mehrsprachigen Kommunikation hat zugleich eine Professionalisierung und eine Diversifizierung der Berufs- und Rollenbilder stattgefunden. Sprachliche Meisterschaft, kulturelle und translatorische Kompetenzen vorausgesetzt, benötigen die Sprachprofis von heute zahlreiche weitere Qualifikationen wie Management- und Marketingkompetenzen sowie eine sehr hohe Digital und Machine Translation Literacy. Auf einem sich rasant entwickelnden Arbeitsmarkt sind Anpassungsfähigkeit und Agilität gefragt, wenngleich nicht alle ausgebildeten SprachmittlerInnen es in den Bundesrat schaffen können – hier ist Karin Keller-Suter, prominente Absolventin des IUED-Vorgängers DOZ (Dolmetscherschule Zürich), bisher die Ausnahme. Diesen Wandel prägt das IUED an vorderster Front mit – und blickt dabei zurück auf stolze 75 Jahre Geschichte. Dass die Gründung des «Freien Lyceums Dr. P. Bänziger» in Zürich den Grundstein für akademische Ausbildungen legen würde, war 1946 noch nicht absehbar. Die kontinuierliche Professionalisierung und Internationalisierung von Institut und Ausbildung führte aber dorthin (vgl. Box Meilensteine). Heute verfügt das IUED über eine starke internationale Position und ist als einziges Fachhochschul-Institut Mitglied der Conférence internationale permanente d'instituts universitaires de traducteurs et interprètes (CIUTI), der weltweit führenden internationalen Organisation, welche die Qualitätsstandards für universitäre Ausbildung und Forschung im Bereich Übersetzen und Dolmetschen setzt und bei ihren Mitgliedern deren Einhaltung fordert. Die Bachelor- und die Master-Ausbildung des IUED sind national und international akkreditiert. Und an die Stelle von Sprachunterricht und allgemeinbildenden Kursen sind akademische Aus- und Weiterbildungen getreten: Der Bachelor Angewandte Sprachen, Mastervertiefungen in Fachübersetzen und Konferenzdolmetschen sowie Weiterbildungen im Bereich der Translation, der Barrierefreien Kommunikation und der Technikkommunikation. Alle folgen dem Grundsatz der forschungsgeleiteten Lehre. Kompetenzorientiert vermitteln sie die neuesten Erkenntnisse aus eigener und fremder Forschung und verbinden diese mit der Anwendung und dem Training von Fertigkeiten. Aktuell ist dabei die Herausforderung, wie maschinelle Übersetzung im Kommunikationsalltag professionell genutzt werden kann. So entlässt das IUED seine Absolveninnen und Absolventen mit Kompetenzen, die sie für den globalisierten Arbeitsmarkt befähigen und in der digitalen Transformation auch langfristig konkurrenzfähig machen. Gary Massey, Christa Stocker