Auf dem Weg zum Traumberuf

19. März 2019
1/2019
Vielen Jugendlichen, die an einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) leiden, fällt es schwer, im ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Sie empfinden beispielsweise zu viel Hektik oder die Grösse eines Betriebes als unangenehm. Oft sind sie zudem in ihren Kommunikations­fähigkeiten eingeschränkt. «Die Diagnose Autismus ist extrem breit», sagt Valérie Aeschlimann. Entsprechend gross sei die Palette möglicher Hindernisse. Menschen mit ASS brauchten mehr Zeit, um sich an ein neues Umfeld zu gewöhnen. Aeschlimann ist zusammen mit Rahel Nussbaumer der Frage nachgegangen, wie ergotherapeutische Massnahmen die Integration in den Berufsalltag unterstützen könnten. Solche würden bislang kaum eingesetzt, stellen die beiden Autorinnen fest. Ein Grund dafür sei, dass die Tätigkeit der Ergotherapeutinnen und -therapeuten von der IV in erster Linie als medizinisch und weniger als berufsorientiert wahrgenommen werde. «Dabei könnten die Fachleute, welche die Jugendlichen in vielen Fällen bereits über Jahre begleitet haben, einen wertvollen Beitrag leisten», sagt Valérie Aeschlimann. Sie könnten frühzeitig mit der beruflichen Vorbereitung beginnen. Sie könnten Stärken und Interessen der jungen Erwachsenen erkunden, Bewerbungsgespräche trainieren oder das Sozial- und Kommunikationsverhalten bearbeiten. Die Bachelorabsolventinnen empfehlen, dass Professionsangehörige der Ergotherapie eine längerfris­tige Betreuung übernehmen sollten. Sie könnten des Weiteren eine vermittelnde Rolle spielen, wenn es darum gehe, Integrationsprogramme zu entwickeln.

Valérie ­Aeschlimann (24) und Rahel ­Nussbaumer (28)

­haben untersucht, wie junge Erwachsene mit einer Autismus-Spektrum-­Störung auf ihrem Weg zum Traumberuf unterstützt werden können. Besonders interessiert hat sie dabei die Rolle der Ergotherapie. Ihre Bachelorarbeit, die sie am Departement Gesundheit eingereicht haben, ist mit der Höchstnote bewertet und mit dem Förderpreis des Ergotherapeut­Innen-Verbands Schweiz ausgezeichnet worden. Valérie ­Aeschlimann arbeitet im Spital Emmental Burgdorf in den Bereichen Handtherapie und Neurologie. Rahel Nussbaumer ist in der Rehaklinik Rheinfelden in der Neurologie tätig.