«Ich habe mich sehr sicher gefühlt in der Schweiz»

19. Juni 2019
2/2019

Bangkok‒Wädenswil: Die 27-jährige Wasinee Churklam hat in Wädenswil an bakterienhemmenden Verpackungen für Lebensmittel geforscht.

In anderen Ländern Europas bin ich zwar schon gewesen, doch die Schweiz kannte ich noch nicht – und überhaupt war ich zum ersten Mal so lange weg von meinem Zuhause in Thailand. Doch ich habe mich hier sehr sicher gefühlt. In Bangkok, wo ich wohne, gibt es Gegenden, wo man nach Sonnenuntergang nicht mehr hingehen sollte. Hier in der Schweiz konnte ich mich frei bewegen. Ich bin fast jedes Wochenende durch die Schweiz gereist, die Berge und die vielen Seen haben mich fasziniert: Das Wasser ist so klar, und es gibt keine Luftverschmutzung wie das bei mir zu Hause der Fall ist.
Wasinee Churklam ist fast jedes Wochenende durch die Schweiz gereist und hat viel Interkulturalität erlebt.
Um an meiner Doktorarbeit zu forschen, bin ich im November letzten Jahres für sechs Monate in die Schweiz geflogen; ermöglicht hat mir dies ein Stipendium. Ich studiere an der Universität Thammasat in Bangkok Biomedizin und befasse mich mit der Entwicklung von Verpackungen für Lebensmittel. Dabei werden Folien gewisse Bestandteile eingearbeitet, welche Bakterien abtöten oder deren Wachstum hemmen. In meinem Forschungsprojekt sind diese Stoffe ätherische Öle aus thailändischen Gewürzen.
Auf die ZHAW bin ich gekommen, weil die Entwicklung von aktiven Verpackungsmaterialien einer der Forschungsschwerpunkte des Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation (ILGI) ist. Vor meinem Aufenthalt hier hatte ich ja befürchtet, dass es mit der sprachlichen Verständigung problematisch werden könnte. Ich wusste nur, dass in der Schweiz Deutsch, Französisch und Italienisch gesprochen werden. Aber dass hier fast alle auch sehr gut Englisch können, hatte ich nicht erwartet. Im Wohnheim in Wädenswil habe ich Freundschaften mit Studierenden aus Deutschland, Belgien und sogar Ägypten geschlossen und dabei gelernt, mit Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammenzuleben. An das Wetter musste ich mich aber erst gewöhnen: Ich kam ja im November an, und es war sehr kalt, was ich von Thailand gar nicht ­kenne.
Ende Juni werde ich an der Universität in Bangkok meine Doktorprüfung ablegen. Anschliessend möchte ich weiter in der Forschung tätig sein. Doch aus Thailand will ich nicht mehr weg, denn meine Familie ist mir sehr wichtig.