Perspektivenwechsel

18. März 2020
1/2020

Winterthur–Singapur: Der 21-jährige Bilal Xaaji hat auf einer Studienreise neue Aspekte der globalen Wirtschaft kennengelernt.

Singapur ist sauber, sehr grün, wohlhabend, und die Menschen ticken ähnlich wie hier in der Schweiz – ein Kulturschock war die Reise nicht. Vor der Reise hatte ich zwar vermutet, dass es sehr eng sein könnte, denn im Stadtstaat leben auf nur 725 Quadratkilometer Fläche gut 5,7 Millionen Menschen. Singapur ist deshalb auch extrem in die Höhe gebaut. Doch eigentlich war es nicht schlimmer als abends um 17 Uhr in der Zürcher Bahnhofstrasse. Deutlich rigider sind aber die Gesetze und Regeln im alltäglichen Leben: Kaugummi sind ja beispielsweise verboten, und in öffentlichen Verkehrsmitteln darf man weder trinken noch essen. Gewöhnungsbedürftig ist auch das Klima: Es ist sehr feucht in der Stadt.

Während einer Woche habe ich im November letzten Jahres an einer Studienreise nach Singapur teilgenommen, welche das Förderprogramm Future Business Leaders der SML mit dem Swiss Economic Forum (SEF) zusammen anbietet. Thema der Reise waren die Aspekte globalen Unternehmertums und nachhaltigen Wirtschaftswachstums, welche bei vielen Firmenbesichtigungen veranschaulicht wurden. Ich studiere General Management im vierten Semester und bin als einer von zehn Teilnehmenden der SML ausgewählt worden.

Früher wollte sich Singapur ja immer zur Schweiz Asiens entwickeln. Doch heute, würde ich sagen, hat der Stadtstaat die Schweiz in vielen Bereichen der Wirtschaft schon überholt. Zum Beispiel im Banking: Bei der Führung durch die britische Standard Chartered Bank hörte ich Begriffe, die hier in der Schweiz noch eher selten verwendet werden, wie etwa Open Banking oder Application Program Interface. Bis dahin hatte mich  der Bereich Banking & Finance eher weniger interessiert, doch dieser Besuch hat dies geändert. Beeindruckt hat mich aber auch eine Kaffeerösterei, die wir besichtigt haben. Sie wurde von einer Frau gegründet, welche sich von ganz unten nach oben gearbeitet hat. Von ihr habe ich erfahren, was Unternehmertum bedeutet.
Ganz anders als in der Schweiz wird der Datenschutz gehandhabt. Persönliche Gesundheitsdaten werden zum Beispiel ganz selbstverständlich mit dem Arbeitgeber und dem Staat geteilt, hier herrscht wenig Skepsis. Dieser gibt dann daraufhin der Person Tipps, wie sie ihre Gesundheit verbessern kann, und beim Einhalten der Gesundheitsziele erhält sie Gutscheine und Rabatte. So etwas wäre bei uns nicht vorstellbar. Ob dieser lockere Umgang mit persönlichen Daten gut oder schlecht ist, habe ich für mich jedoch noch nicht entschieden.
Im Juli werde ich erneut nach Singapur reisen, dann aber für ein ganzes Austauschsemester. Das hatte ich schon vor dieser Reise geplant – die Studienreise gab mir jedoch schon einen ersten Einblick in diese andere Wirtschaftswelt.