Der ganz normale Wahnsinn

23.03.2021
1/2021
  • Editorial

Wann kehrt bei uns Normalität ein?, fragen sich jetzt viele. Doch war das wirklich normal, unser Leben vor der Pandemie? Und was heisst das überhaupt – normal? Entdecken Sie Facetten von Normalität in dieser Ausgabe.

Die Normalität beginnt in Grossbritannien am 21. Juni mit Festivals und Fussball – so verspricht es der Premier. Normal feiern können sollen die USA am 4. Juli ihren «Independence Day» – so will es der Präsident. Konzerte, shoppen, baden sind schon jetzt bei «Impfweltmeister» Israel normal für Menschen mit dem grünen Impfpass und jene, die die Krankheit überstanden haben. Und wir? Wann kehrt bei uns Normalität ein?, fragen sich jetzt viele. Doch war das wirklich normal, unser Leben vor der Pandemie? Oder eher «völlig durchgeknallt», weil wir Ressourcen verbrauchten, als gäbe es mehr als diese eine Erde, wie Hochschulleitungsmitglied Andreas Gerber-Grote zu bedenken gab, als wir ihn zusammen mit der Umweltökonomin Regina Betz und der Leiterin Diversity Svenja Witzig im Interview zum Thema Normalität befragten. Alle drei bekundeten ihre Ambivalenz gegenüber dem Normalen als etwas Bequemem, aber auch Ausgrenzendem. Was bedeutet eigentlich «normal»? Das fragten wir uns bereits im vergangenen Herbst, als wir die Dossier-Themen für 2021 planten. Auch wir hofften damals, dass bei Erscheinen des Magazins alles wieder normal wäre. Normalität ist fragil, wie sehr, das wissen wir spätestens seit der Pandemie. Plötzlich werden wir aus dem bequemen Schaukelstuhl geschleudert, den Illustrator Till Martin auf dem Titelbild platziert hat. Normalität kann auch genormt und starr sein, wie sein Prototyp der «Plastikskulptur mit Katze» andeuten will. Und bevor Sie  wieder in Ihre jeweilige Normalität eintauchen, empfehle ich Ihnen unsere neue Rubrik «Damals & Heute» – eine Fotodoku mit Normalitäten von damals im Vergleich zu heute.

Viel Spass!