Einhändig selbstständig – Alltagstipps im Video

23.03.2021
1/2021
  • Dossier

Schuhe binden, kochen, anziehen – Handlungen, die mit einer Halbseitenlähmung oder mit Parkinson nicht mehr selbstverständlich sind. Ergotherapiestudentinnen drehten gemeinsam mit Betroffenen Videos, die den Alltag erleichtern sollen.

Halbseitig gelähmt und trotzdem selbstständig

Ein Schlaganfall bringt neue Lebensrealitäten und verändert Möglichkeiten und Gewohnheiten, sodass alltägliche Handlungen zu grossen Herausforderungen werden. Häufig müssen Betroffene anschliessend mit einer halbseitigen Lähmung leben, die trotz Rehabilitation bestehen bleibt. Den Alltag müssen sie dann nur noch mit einer Hand meistern. Eine schwierige Aufgabe, die gelernt werden muss. Hier setzt die Ergotherapie an: Mit dem Erlernen von Strategien und dem Einsetzen von Hilfsmitteln werden Alltagshandlungen in spezifischem Training geübt, damit eine möglichst hohe Selbstständigkeit wiedererlangt werden kann.

Im Rahmen des Praxisprojekts  «Projektwerkstatt: Betätigung ermöglichen» besuchten die Ergotherapiestudentinnen Julie Grossglauser, Romina Moser und Franziska Strässle rund um den Zürichsee Menschen mit einer Halbseitenlähmung nach einem Schlaganfall. Die Betroffenen zeigten ihnen Einhänderstrategien, welche sie sich im Laufe der Zeit angeeignet hatten. Diese Strategien wurden von den drei Studentinnen gefilmt und anschliessend zu leicht verständlichen Tutorials mit verschiedenen Themen verarbeitet. 

Ziel der Vidoes ist es, dass sich Betroffene mit Hilfe der Tutorials selbstständig neue Strategien aneignen. Damit möglichst viele von den gezeigten Strategien profitieren, sind die Videotutorials auf dem YouTube-Kanal «einhändig selbständig» öffentlich zugänglich und finden dort hoffentlich zahlreiche Nachahmerinnen und Nachahmer.

Von Menschen mit Parkinson für Menschen mit Parkinson

Kochen, Kleider anziehen, Treppensteigen: Menschen mit Parkinson leiden unter Symptomen, die ihren Alltag stark einschränken und selbst einfachste Tätigkeiten zur Herausforderung machen. Im Laufe der Krankheit entwickeln die Betroffenen jedoch Strategien, wie sie mit den Schwierigkeiten umgehen und die alltäglichen Einschränkungen überwinden können. Sie werden zu Expertinnen und Experten ihrer Krankheit. Das Expertenwissen von Menschen mit Parkinson anderen Betroffenen zugänglich zu machen – dieses Ziel haben sich Shari Angst, Liliane Bucher und Leoni Imhof,  drei Studentinnen des Bachelorstudiengangs Ergotherapie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), mit dem Projekt «Clips4ParkinsonTricks» gesetzt.

Die drei Studentinnen organisierten dazu im Oktober und November mehrere Treffen mit Betroffenen mittleren Alters und erstellten mit diesen kurze Filmclips zu den Schwierigkeiten, denen Menschen mit Parkinson im Alltag begegnen. Die Betroffenen nahmen die Rolle einer Darstellerin/eines Darstellers ein und zeigten im Video die Strategie, mit der sie die Situation in ihrem Alltag meistern. Entstanden sind mehrere kurzweilige, kreative und humorvolle Kurzvideos zu Alltagssituationen, beispielsweise zur

«Durch das Verbreiten von Erfahrungen und Strategien wird die Selbstwirksamkeit der Menschen mit Parkinson gesteigert», erklärt Shari Angst, eine der drei Studentinnen. Gleichzeitig ermögliche das Projekt, neue Strategien im Umgang mit den Schwierigkeiten zu erarbeiten und auszutauschen. «Dadurch werden bedeutungsvolle Betätigungen beibehalten oder neu entdeckt, was stets ein zentrales Ziel der Ergotherapie ist», so Shari Angst.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein «Move for Young Parkinson Disease» realisiert, der die Videos auf seiner Website, seinem YouTube-Kanal sowie auf seinem Instagram- und Facebook-Profil veröffentlicht. Gleichzeitig ermutigt move4ypd Menschen mit Parkinson, weitere Kurzvideos mit Tipps einzusenden, die der Verein dann ebenfalls auf seinen Online-Kanälen aufschaltet.