Nachhaltige Entwicklung

«Man muss jeden Stein umdrehen, um wirklich nachhaltig zu sein»

30.11.2021
4/2021
  • Weiterbildung

Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für den Finanzplatz Schweiz? Darüber spricht Matthias Baer, Leiter Public Affairs bei der Zürcher Kantonalbank und Absolvent des CAS Corporate Responsibility, im Interview. 

Warum haben Sie sich für den Lehrgang CAS Corporate Responsibility der School of Management and Law entschieden?

Matthias Baer: Corporate Responsibility ist für ein öffentlich-rechtliches Unternehmen wie die Zürcher Kantonalbank von besonderer Bedeutung. Die politische Interessenvertretung muss im Einklang mit den Werten des Unternehmens, aber auch von Gesellschaft und Politik stehen. Zudem gewinnen Nachhaltigkeit und Klimaschutz für den Finanzplatz generell an Bedeutung.

Inwiefern werden die Themen der Nachhaltigkeit wichtiger für den Finanzplatz?

Zum einen will und muss der Finanzplatz seinen Beitrag leisten, um die Ziele des Klimaübereinkommens von Paris und der Treibhausgasneutralität 2050 zu erreichen. Zum anderen entspricht es einem wachsenden Bedürfnis von Kundinnen und Kunden, die nachhaltige Produkte nachfragen. Der Klimawandel und seine Folgen sind aber auch ein Thema, das mich selbst sehr beschäftigt. Persönlich und mit meiner Arbeit möchte ich einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese grosse gesellschaftliche Herausforderung zu meistern.

«Risiken im Bereich der Nachhaltigkeit zu missachten, wird sehr viel kostspieliger werden als sie zu vermeiden – für die Gesellschaft und die Wirtschaft.»

Matthias Baer, Leiter Public Affairs bei der Zürcher Kantonalbank

Welchen Nutzen haben Sie aus dem CAS Corporate Responsibility für Ihr Tagesgeschäft gezogen?

Wertvoll war für mich, dass der Lehrgang bewusst eine ökonomische Perspektive wählt – mit der Fragestellung, wie ein Unternehmen mit der Übernahme von Verantwortung für die Gesellschaft seine eigenen Unternehmensziele besser erreicht. Die ethische Perspektive ist selbstverständlich sehr wichtig. Um im eigenen Unternehmen in Belangen der Nachhaltigkeit aber besser überzeugen zu können, benötigt man auch ökonomische Argumente.

Landläufig wird ja angenommen, dass Nachhaltigkeit vor allem kostet. Wie kann eine Bank mit der Übernahme von Verantwortung für die Gesellschaft ihre Unternehmensziele besser erreichen?

Risiken im Bereich der Nachhaltigkeit zu missachten, wird sehr viel kostspieliger werden als sie zu vermeiden – für die Gesellschaft und die Wirtschaft. Zudem schätzen es die Kundinnen und Kunden, wenn ein Unternehmen Verantwortung übernimmt. Es stärkt Reputation sowie gesellschaftliche Akzeptanz des Unternehmens und leistet damit einen Beitrag zum Geschäftserfolg.

Würden Sie sich noch einmal für diesen CAS entscheiden?

Auf jeden Fall. Die Frage, wie Unternehmen gesellschaftliche und politische Verantwortung übernehmen können, wird nicht mehr verschwinden, sondern im Gegenteil an Gewicht gewinnen. Nicht nur aufgrund des Klimawandels, sondern weil die Sensibilität für soziale und ökologische Fragen insgesamt wächst.

Und was hat Sie besonders beeindruckt?

Wenn ich ein Highlight herausgreifen müsste, wären es die Referate aus der Praxis. Hier erzählten Unternehmerinnen und Unternehmer, wie sie ihr Geschäft nachhaltig umgestellt haben, etwa ein Drucker oder eine Herstellerin von Lederaccessoires. Geblieben sind mir dabei vor allem zwei Erkenntnisse: Man muss in seiner Branche jeden Stein umdrehen und jeden kleinsten Prozess genau anschauen, um wirklich nachhaltig zu sein. Und das Zweite: Wenn man will, geht es. Und man hat sogar Erfolg damit.

Matthias Baer hat im Jahr 2020 den CAS Corporate Responsibility absolviert. Der 53-Jährige ist Leiter Public Affairs bei der Zürcher Kantonalbank. In seiner Funktion ist er für die Beziehungen zwischen dem Unternehmen und der Politik zuständig und unterstützt den Bankrat und die Generaldirektion dabei. Zu den Aufgaben gehören das Monitoring von politischen Geschäften, die Pflege der Beziehungen zu Stakeholdern und die Interessenvertretung auf Kantons- und Bundesebene.