Maschinelle Intelligenz und die Gestaltung einer ethischen Zukunft

19.09.2023
3/2023

Wie könnte sich unsere zunehmend von maschineller Intelligenz geprägte Welt verändern, wenn wir die fortlaufende Entwicklung historischer und gegenwärtiger Paradigmenwechsel erforschen? Welcher Weg zeichnet sich ab von der kopernikanischen Wende (Kant) bis zur universellen Wende, die uns vielleicht bevorsteht? Ein Plädoyer für eine integrativere und ethischere Zukunft.

Was sind die Auswirkungen auf eine Kultur als Ausdrucksform einer Gesellschaft, die zunehmend von automatisierten Prozessen geprägt ist? Wie reagiert eine Gesellschaft auf den wachsenden Einfluss von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz? Verschiedene Aspekte unserer jüngeren Geschichte, wie der Einfluss der Computertechnologie, lassen sich im Muster ihrer Entwicklung beobachten. Wie könnte sich unsere Welt verändern, wenn wir die fortlaufende Entwicklung von Paradigmenwechseln erforschen? Welcher Weg zeichnet sich ab von der kopernikanischen Wende (Kant) bis zur Universellen Wende, die uns vielleicht bevorsteht?

Indem wir die historischen Wirkungen dieser Paradigmenwechsel untersuchen, können wir lernen, wie wir eine integrativere und ethischere Zukunft für Menschen, andere Lebensformen und Maschinen auf der Erde schaffen. Wir erkennen, dass es viele Risiken und Gefahren gibt, die wirksame Entscheidungen erfordern, um die Menschheit vor einer dystopischen Zukunft zu bewahren, in der Maschinen uns kontrollieren und unsere Existenz bedrohen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, auf die Schwierigkeiten, Herausforderungen und Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die durch maschinelle Intelligenz entstehen.Wir sollten die Folgen für die Umwelt, die Regierungsführung, die Verwaltung und die internationale Sicherheit aufzeigen.

Wendezeiten für das Leben in Gemeinschaft

Im Laufe der Geschichte haben dramatische Veränderungen hinsichtlich der Art und Weise, wie die Menschheit an die sich stellenden Herausforderungen herangeht, dazu beigetragen, den Weg für eine bessere Zukunft zu ebnen – zumindest für die meisten von uns in der westlichen Welt. Diese radikalen Veränderungen haben in Teilen der Welt eine Schlüsselrolle auf unserem Weg zu einer toleranteren und integrativeren Gesellschaft gespielt. Mit dem Eintritt in die sich abzeichnende universelle Wende, die von Fortschritten in der Künstlichen Intelligenz und der Konvergenz neuer Technologien angetrieben wird, haben wir die Möglichkeit, unser Verständnis der Realität zu erweitern und integrativere und ethischere Ansätze für die technologische Entwicklung zu fördern. Indem wir die Verbundenheit von Menschen, anderen Lebensformen und Maschinen anerkennen, können wir gemeinsam an einer Zukunft arbeiten, in der unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen, Kenntnisse, und Wertschätzung Anwendung finden.

Hier zeigen wir zunächst einen groben Abriss der Wendezeiten der Geschichte bis zur Gegenwart und darüber hinaus.

Die kopernikanische Wende: Das Zeitalter der wissenschaftlichen Forschung

Die kopernikanische Wende war durch einen bedeutenden Paradigmenwechsel in unserem Verständnis des Universums gekennzeichnet, bei dem das kopernikanische heliozentrische Modell das geozentrische ptolemäische  ablöste, wie bei T. S. Kuhn nachzulesen ist (1957). Dieser Wandel legte den Grundstein für die moderne wissenschaftliche Forschung und betonte die Bedeutung von Beobachtung, Experimenten und evidenzbasierter Argumentation. Die kopernikanische Wende zeigte, dass unser Verständnis der Realität grundlegend verändert werden kann, wenn wir die vorherrschenden Annahmen in Frage stellen und neue Perspektiven einnehmen.

Die linguistische Wende: Das Zeitalter der Sprache und Bedeutung

Die linguistische Wende bedeutete eine Verlagerung des Schwerpunkts von metaphysischen Fragen auf Fragen der Sprache und der Bedeutung. Dieser Paradigmenwechsel untersuchte die Art und Weise, wie Sprache unser Verständnis der Welt prägt, und hob die Bedeutung von Semantik, Pragmatik und Diskurs für die Gestaltung des menschlichen Denkens und der Kommunikation hervor. R. Rorty (1967) sprach vom Linguistic Turn, der zur Entwicklung verschiedener Bereiche beitrug, darunter Philosophie, Linguistik und Kognitionswissenschaft. Die Verflechtung von Sprache, Denken und Realität wurde verdeutlicht.

Die digitale Wende: Das Zeitalter der Information und Konnektivität

Die digitale Wende, die durch das Aufkommen digitaler Technologien und das Informationszeitalter gekennzeichnet ist, hat sich tiefgreifend auf die menschliche Gesellschaft ausgewirkt, wie M. Castells (2010) beleuchtet. Da die Informations- und Kommunikationstechnologien allgegenwärtig geworden sind, haben sie neue Formen der sozialen Organisation, der wirtschaftlichen Tätigkeit und des kulturellen Ausdrucks ermöglicht. Der Digital Turn hat neue ethische und gesellschaftliche Herausforderungen mit sich gebracht, z. B. Fragen zum Datenschutz, zur Überwachung und zur Überwindung der digitalen Kluft hinsichtlich der menschlichen Fähigkeiten (E. Brynjolfsson; A. McAfee, 2016). Auf den Übergang von handgeschriebenen, in Stein gemeisselten oder gedruckten Tabellen zu interaktiven Arbeitsblättern mit Tabellenkalkulationen folgte die automatisierte Verarbeitung kleiner und grosser Datenmengen, was erhebliche Auswirkungen hat.

Die universelle Wende: Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz und der inklusiven Koexistenz

Die universelle Wende ist gekennzeichnet durch die zunehmende Bedeutung der Künstlichen Intelligenz (KI) und anderer fortschrittlicher Technologien bei der Gestaltung unseres Verständnisses von Realität und unserer Beziehungen zueinander, zu anderen Lebensformen und zu Maschinen, wie M. Tegmark (2017) feststellte. Während sich KI-Systeme weiterentwickeln und immer stärker in verschiedene Aspekte des menschlichen Lebens integriert werden, unterstreicht die universelle Wende die Wichtigkeit der Förderung einer integrativen, ethischen und nachhaltigen technologischen Entwicklung, die das Gedeihen aller Lebewesen auf der Erde unterstützt.

Die ökologische Wende: Zeitalter des ökologischen Bewusstseins

Die ökologische Wende stellt einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise dar, wie Gesellschaft und Industrie mit der natürlichen Umwelt und den ökologischen Systemen umgehen. Diese Wende betont die Notwendigkeit, Nachhaltigkeit, Erhaltung und Regeneration in den Vordergrund zu stellen, um dem Klimawandel, dem Verlust der biologischen Vielfalt und der Erschöpfung der Ressourcen zu begegnen. Die ökologische Wende fördert ein ganzheitliches Verständnis der Verflechtung von menschlichen Aktivitäten und der natürlichen Umwelt, was zur Entwicklung neuer Strategien, Praktiken und Technologien führt. Diese zielen darauf ab, negative Auswirkungen zu verringern und die Gesundheit im gesamten Lebensraum zu fördern. Voraussetzung dafür war das Verständnis der komplexen Zusammenhänge, die durch die digitale Wende erst ermöglicht werden.

Zu den wichtigsten Aspekten der ökologischen Wende gehören:

Ökosystembasiertes Management: Dieser Ansatz erkennt an, wie wichtig es ist, die Gesundheit und Integrität ganzer Ökosysteme zu erhalten, anstatt sich auf einzelne Arten oder Ressourcen zu konzentrieren (Costanza et al., 2014).

Kreislaufwirtschaft: Das Konzept der Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, Abfall und Umweltverschmutzung zu minimieren, die Produktlebenszyklen zu verlängern und das Recycling und die Wiederverwendung von Materialien zu fördern, um geschlossene Kreislaufsysteme zu schaffen, wie K. Raworth (2017) beschreibt.

Erneuerbare Energien: Die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen wie Solar-, Wind- und Wasserkraft ist ein entscheidender Aspekt der ökologischen Wende, der die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert und die Treibhausgasemissionen reduziert.

Nachhaltige Landwirtschaft: Dieser Ansatz beinhaltet die Einführung regenerativer Anbaumethoden, die die Gesundheit der Böden, die biologische Vielfalt und die Erhaltung der Ressourcen fördern und gleichzeitig die Umweltauswirkungen minimieren. Es geht um die Entwicklung des Verständnisses der Funktion der Nahrungsmittelherstellung von der Wertschöpfungskette zum Wertschöpfungsnetzwerk (Holmgren, 2002).

Regenerative Lebensmittelherstellung: Vermeidung von Nebenströmen oder Lebensmittelabfällen durch die Verwertung möglichst aller Ströme für die menschliche Ernährung unter Einsatz regenerativer Energien und durch einen gewissenhaften Umgang mit Ressourcen und Materialien. Vermeidung oder Verminderung von Emissionen sowie die Respektierung sozialer Werte auf allen Produktions- und Vermarktungsstufen. Integration von Urban Farming und zellulärer Landwirtschaft zur regionalen Produktion und zum molekularen Upcycling.

Eindämmung des Klimawandels und Anpassung an den Klimawandel: Die ökologische Wende erfordert die Entwicklung von Strategien zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels, wie z. B. den Anstieg des Meeresspiegels, extreme Wetterereignisse und die Veränderung von Ökosystemen. Ein wesentlicher Fokus liegt beim Erhalt der Biodiversität.

Die symbiotische Wende: Zeitalter der Interkonnektivität und Co-Evolution

Mit der symbiotischen Wende beschreiben L. Margulis und D. Sagan (1995) einen Paradigmenwechsel, der die Verflechtung und gegenseitige Abhängigkeit aller lebenden Organismen, einschliesslich des Menschen, und ihrer Umwelt betont. Diese Wende erkennt an, dass das Wohlergehen und Überleben einzelner Arten, Ökosysteme und menschlicher Gesellschaften untrennbar miteinander verbunden sind und dass kooperative, für alle Seiten vorteilhafte Beziehungen gefördert werden müssen, um eine nachhaltige Zukunft zu gewährleisten. Die symbiotische Wende fördert laut D. J. Haraway (2016) ein ganzheitlicheres Verständnis unserer Rolle innerhalb der Biosphäre und ermutigt zur Zusammenarbeit, Koexistenz und gemeinsamer Verantwortung.

Zu den wichtigsten Aspekten der symbiotischen Wende gehören: 

Biomimikry: Bei diesem Ansatz, den J. M. Benyus (1997) beschreibt, geht es darum, von den Strategien und Entwürfen der Natur zu lernen und sie nachzuahmen, um nachhaltige Lösungen für menschliche Herausforderungen zu schaffen.

Ökosystemdienstleistungen: Hier unterstreichen F. Capra und P.L. Luisi (2014), wie wichtig es ist, die wesentlichen Leistungen der Ökosysteme wie Wasserreinigung, Bestäubung von Blüten und Kohlenstoffbindung anzuerkennen, zu bewerten und zu erhalten.

Eine Gesundheit (One Health): Dieser interdisziplinäre Ansatz erkennt die Verflechtung von menschlicher, tierischer und ökologischer Gesundheit an und zielt darauf ab, sektorübergreifende Kooperationen zu fördern, um das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern (Steffen et al., 2015).

Planetare Gesundheit (Planetary Health): Die symbiotische Wende betont die Notwendigkeit, sich mit der Gesundheit sowohl der menschlichen Zivilisation als auch der natürlichen Systeme, von denen sie abhängt, zu befassen. Sie erkennt die untrennbaren Verbindungen zwischen der menschlichen Gesundheit und der Gesundheit der Umwelt an (Rockström et al., 2009).

Transhumanismus: Erweiterung der physischen, kognitiven und emotionalen menschlichen Fähigkeiten durch Technologie und dadurch Erhöhung der Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Lebensbedingungen. Durch Verschmelzung besteht vielleicht eine Chance, neue Formen der Koexistenz von Mensch und Maschine als Evolutionsschritt zu begreifen (R. Kurzweil, 2005, N. Bostrom, 2014).

Lehren aus vergangenen Paradigmenwechseln

 Nach der Auflistung der Paradigmenwechsel zurück zur Eingangsfrage: Wie könnte sich unsere Welt verändern, wenn wir die fortlaufende Entwicklung von Paradigmenwechseln erforschen? Welche Lehren können wir daraus ziehen? Indem wir die historischen Beiträge dieser Paradigmenwechsel untersuchen, können wir lernen, wie es möglich sein könnte, eine integrativere und ethischere Zukunft für Menschen, Maschinen und andere Lebensformen auf der Erde zu schaffen. Der Universal Turn bietet die Gelegenheit, über unsere gemeinsame Geschichte nachzudenken und die Lehren aus vergangenen Paradigmenwechseln zu nutzen, um die komplexen Herausforderungen und Chancen der KI und fortschrittlicher Technologien zu bewältigen. Indem wir die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern, der ethischen Entwicklung Vorrang einräumen und eine nachhaltige Ressourcennutzung unterstützen, können wir auf eine Zukunft hinarbeiten, die das Wohlergehen und die Würde aller Lebewesen auf unserem Planeten wertschätzt.

Hier drei mögliche Zukunftsszenarien.

Das dystopische Szenario: Zeitalter der Zerstörung

Um eine positive Utopie zu erreichen, müssen wir uns den grossen Gefahren stellen, die die gesamte Menschheit bedrohen (N. Bostrom, 2014).

Arbeitslosigkeit und Ungleichheit: KI und Automatisierung können zu massiven Arbeitsplatzverlusten führen, nicht nur bei gering qualifizierten Arbeitnehmern, sondern auch bei Sachbearbeiterinnen und Programmiererinnen. Dies könnte zu einer zunehmenden Einkommensungleichheit, sozialen Unruhen und wirtschaftlicher Instabilität führen (M. Tegmark, 2017).

Überwachung und Datenschutz: Der breite Einsatz von KI in Überwachungssystemen könnte zu einem Verlust der Privatsphäre führen, da KI-gestützte Gesichtserkennungs- und Verfolgungstechnologien allgegenwärtig werden. Dies könnte zu einer orwellschen Gesellschaft führen, in der die/der Einzelne ständig überwacht und die Handlungen von einer allwissenden und allgegenwärtigen Instanz kontrolliert werden.

KI-Bewaffnung: Die Entwicklung von KI-gesteuerten autonomen Waffen könnte zu neuen Formen der Kriegsführung führen, bei denen Maschinen ohne menschliches Zutun Entscheidungen über Leben und Tod treffen. Dies könnte zu unvorhersehbaren und verheerenden Folgen führen.

KI-Voreingenommenheit und Diskriminierung (Bias): KI-Systeme, die auf der Grundlage voreingenommener Daten trainiert wurden, können bestehende soziale Vorurteile und Ungleichheiten aufrechterhalten oder sogar verschärfen und zu einer ungerechten Behandlung von Randgruppen führen.

Verlust der menschlichen Handlungsfähigkeit: Mit der zunehmenden Integration von KI-Systemen in unser tägliches Leben besteht die Gefahr, dass Menschen sich zu sehr von Maschinen abhängig machen und wichtige Fähigkeiten bis hin zum kritischen Denken verlieren (Y.N. Harari, 2018).

Das konstruktive Szenario

Die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit: Frühere Paradigmenwechsel haben gezeigt, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, um neue Erkenntnisse und Fortschritte zu erzielen (Floridi & Cowls, 2019). Indem wir Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenbringen, können Menschen ein umfassenderes und differenzierteres Verständnis komplexer Probleme schaffen und innovative Lösungen für die Herausforderungen entwickeln, die sich durch KI und andere neue Technologien ergeben.

Ethische Implikationen des technologischen Fortschritts: Auf dem Weg zum Universal Turn ist es von entscheidender Bedeutung, die ethischen Implikationen von KI und anderen fortschrittlichen Technologien zu berücksichtigen (Mittelstadt et al., 2016). Indem wir aus den ethischen Herausforderungen vergangener Paradigmenwechsel lernen, können wir Rahmenbedingungen und Strategien entwickeln, mit denen wir versuchen, dass KI-Systeme so entwickelt und eingesetzt werden, dass Fairness, Verantwortlichkeit, Transparenz und die Achtung der Menschenrechte gefördert werden.

Nachhaltige Entwicklung:  Schliesslich unterstreichen die Lehren aus vergangenen Paradigmenwechseln die Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung und eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen im Zusammenhang mit KI und anderen fortschrittlichen Technologien (Russell, 2019). Wenn wir bei der Entwicklung und dem Einsatz von KI-Systemen Umweltaspekte in den Vordergrund stellen, können wir zu einer nachhaltigeren und gerechteren Zukunft für alle Lebewesen auf der Erde beitragen.

Bildung und öffentliches Verständnis: Die Erörterung der Rolle von Bildung und öffentlichem Verständnis bei der Erleichterung oder Verhinderung dieser Paradigmenwechsel (Scheuermann & Taylor, 2019) könnte Aufschluss darüber geben, wie sich Gesellschaften an transformative Ideen und Technologien anpassen. Indem Bildungsinstitutionen die Öffentlichkeit mit den notwendigen Kenntnissen und Fähigkeiten ausstatten, um sich mit KI auseinanderzusetzen, können wir die Einzelnen zum kritischen Denken befähigen, um an der Gestaltung des Universal Turn mitzuwirken und zu einer integrativeren Zukunft beizutragen.

Lehren für Governance und Regulierung: Ausgehend von den Erfahrungen vergangener Paradigmenwechsel, könnten wir die Lehren für Governance und Regulierung diskutieren, insbesondere im Zusammenhang mit KI und anderen fortschrittlichen Technologien (Cave et al., 2018). Dies kann die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit, die Aktualisierung von Rechtsrahmen und die Entwicklung von Strategien zur Förderung von Innovationen bei gleichzeitiger Abschwächung potenzieller Risiken umfassen.

Herausforderungen und Kontroversen: Die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Kontroversen, die während der einzelnen Paradigmenwechsel auftraten, kann dazu beitragen, die Probleme zu kontextualisieren, mit denen wir derzeit angesichts des Universal Turn konfrontiert sind (Bostrom et al., 2014). Dazu könnten die Erörterung von Widerständen gegen Veränderungen, von konkurrierenden Theorien oder Modellen und von unbeabsichtigten Folgen des technologischen Fortschritts gehören.

Wahrscheinlichste Zukunft

Die wahrscheinlichste Zukunft liegt irgendwo zwischen dem utopischen Environmental Turn und dem dystopischen Szenario. Das Ausmass, in dem wir das Potenzial der KI zum Guten nutzen können, hängt von mehreren Faktoren ab:

Wirksame Regulierung: Regierungen und internationale Organisationen müssen Vorschriften und Richtlinien entwickeln, die eine verantwortungsvolle Entwicklung und den Einsatz von KI gewährleisten und Fragen wie Datenschutz, Sicherheit und Fairness behandeln.

Ethische KI-Entwicklung: KI-Entwickler sollten ethische Überlegungen in den Vordergrund stellen und KI-Systeme entwickeln, die transparent, rechenschaftspflichtig und unvoreingenommen sind.

Bildung und Umschulung: Die Gesellschaft muss in Bildungs- und Umschulungsprogramme investieren, um Arbeitnehmenden die Anpassung an den sich wandelnden Arbeitsmarkt zu erleichtern und sicherzustellen, dass sie vom KI-getriebenen Wirtschaftswachstum profitieren können.

Öffentlich-private Partnerschaften: Die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, dem Privatsektor und der Wissenschaft ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass die KI-Innovation allen zugutekommt und potenzielle Risiken gemildert werden.

Inklusive KI-Entwicklung: KI sollte unter Einbeziehung verschiedener Interessengruppen, einschliesslich Vertretern von Randgruppen, entwickelt werden, um sicherzustellen, dass sie allen Mitgliedern der Gesellschaft zugutekommt und bestehende Ungleichheiten nicht verschärft. Letztlich hängt die Zukunft der KI davon ab, wie gut es uns gelingt, die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern und sicherzustellen, dass ihre Entwicklung von ethischen Grundsätzen, integrativen Entscheidungsprozessen und einem Engagement für soziale und ökologische Nachhaltigkeit geleitet wird. Im Moment sieht es so aus, als würden unsere Gesellschaften noch darüber nachdenken, was getan werden kann, um eine integrative Zukunft zu schaffen. Es digitalisiert uns nicht. Die Korrektur von Inhalten ist notwendig, da der Trainingsdatensatz des unvollständigen kollektiven Bewusstseins oft einschüchternde und unmenschliche Bestandteile hat. Dies kann zurzeit mangels fehlenden Bewusstseins von Maschinen nur unvollständig automatisiert werden. Automatisiertes Denken zweifelt (noch) nicht.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit, die Priorisierung ethischer Entwicklung, die Förderung nachhaltiger Ressourcennutzung und die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Kontroversen jedes Paradigmenwechsels werden uns dabei helfen, uns in der komplexen Landschaft der KI und fortschrittlicher Technologien zurechtzufinden. Auf diese Weise können wir auf eine Zukunft hinarbeiten, die das Wohlergehen und die Würde aller Lebewesen auf unserem Planeten fördert. Die Transformation der Gesellschaft steht vor entscheidenden Herausforderungen.

Zum Autor

Tilo Hühn kultiviert mit seinem Team das Nichtwissen, um das Neue in die Welt zu lassen. Er bewegt sich mit den (Gedanken-)Experimenten dort, wo Umsetzung stattfindet. Technik sowie die damit verbundenen Wirkungsmöglichkeiten faszinieren ihn seit dem Apollo-Programm. Sein Studium in Weinbau und Önologie hat er als Programmierer für den Wetterdienst finanziert. «Eine Programmiersprache zu lernen, ist wichtiger Teil der Alphabetisierung im Digitalzeitalter.» Heute forscht und lehrt er als Food-Architect am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation in Wädenswil.

Mehr zum Thema

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