Mit Künstlicher Intelligenz Verträge prüfen

01.12.2020
4/2020
  • Dossier

Das Startup Legartis bietet eine Software-Lösung an, die Verträge in Sekundenschnelle juristisch analysiert. Das hilft Unternehmen dabei, ihre eigenen Richtlinien in der Vertragsgestaltung korrekt abzubilden. Entwickelt wurde diese innovative und effiziente Methode an der ZHAW School of Engineering.

Kaum ein Geschäft erfolgt heute ohne schriftliche Vereinbarung. Rechtsabteilungen müssen je nach Unternehmensgrösse Dutzende Verträge gleichzeitig prüfen, verhandeln und zur Unterschrift freigeben. Trotz technologischem Fortschritt und angestrebten Standardisierungen werden Verträge heute immer noch manuell darauf geprüft, ob alle relevanten Klauseln enthalten sind und keine problematischen Inhalte einer Unterschrift im Weg stehen. Für Anwältinnen und Anwälte ist das mehrheitlich eine repetitive und aufwendige Arbeit. Abhilfe schafft das Startup Legartis.

Prüfung in nur wenigen Sekunden

Gemeinsam mit der ZHAW hat das Zürcher Unternehmen eine Software entwickelt, die Verträge automatisiert auf Abweichungen von den vordefinierten Unternehmensrichtlinien des jeweiligen Kunden prüft. Das bedeutet, die Inhalte werden automatisch identifiziert und klassifiziert. Die Lösung von Legartis weist dabei auf Risiken hin, erkennt insbesondere fehlende und problematische Klauseln und markiert diese. Technisch möglich ist das dank Künstlicher Intelligenz, konkret: Verfahren aus den Bereichen Natural Language Processing und Deep Learning, wie ZHAW-Forscher Don Tuggener erklärt: «Die Software ‘liest’ die Verträge sozusagen und strukturiert sie thematisch in über 150 sogenannte Labels. Sie erkennt in wenigen Sekunden, ob ein Vertrag nicht den vorgegebenen Guidelines eines Unternehmens entspricht oder unvollständig ist.» Ist das der Fall, weist die Software auf die fehlerhafte Stelle hin.

Erste Anwendung auf Deutsch

Ein typischer Anwendungsfall für die Software sei das Überprüfen von NDAs, so Legartis-CEO David Alain Bloch. Gemeint sind «Non-Disclosure Agreements», also Geheimhaltungsvereinbarungen. Bei seinen Kunden seien das von ein paar Dutzend bis zu mehreren Tausend NDAs pro Jahr, die es zu überprüfen gilt. Bisher gibt es Software dieser Art vorwiegend für englischsprachige Verträge. Die an der ZHAW entwickelte Legartis-Software versteht hingegen nicht nur Englisch, sondern auch Deutsch – ein Alleinstellungsmerkmal.

Maschinelles Lernen

Von der Konkurrenz abheben will sich Legartis auch dadurch, dass das maschinelle Lernen, also das Antrainieren der Software mit Daten, nicht erst auf Kundenseite, sondern bereits vorab passiert. «Wir trainieren die Lösung heute für jede Vertragsart individuell. Dabei soll die KI Gelerntes auch von einer Vertragsart auf die Nächste übertragen können», sagt Bloch. Das fertige Out-of-the-Box-Produkt können die Kundinnen und Kunden sofort und selbstständig einsetzen. «Unternehmen nutzen diese Lösung, um ihren Fachleuten die Möglichkeit zu geben, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren», so Bloch. Nach dem erfolgreichen Markteintritt Ende 2019 wurde das junge Unternehmen inzwischen als Early Stage Startup of the Year bei den Swiss FinTech Awards ausgezeichnet.