Nachgefragt bei Olaf Zawacki-Richter: Wie sieht die Hochschule der Zukunft aus?

30.11.2021
4/2021

Eine gerechte und hochwertige Bildung für alle sowie eine freie Forschung und Lehre – diese Aspekte gehören zu den Voraussetzungen, dass Hochschulen ihre Funktion als Keimzellen für Innovationen erfüllen können. Davon ist Olaf Zawacki-Richter, Professor für Wissenstransfer und Lernen mit neuen Technologien Universität Oldenburg, überzeugt. Ende Januar ist er Gastredner beim neuen Ringseminars der ZHAW zum Thema «Hochschulbildung der Zukunft». 

Was ist aus Ihrer Sicht das Kernelement einer Hochschule mit Zukunft? 

Olaf Zawacki-Richter: Wir müssen uns eher fragen, wie Hochschulen in Zukunft sein beziehungsweise welche Rolle sie in unserer Gesellschaft spielen sollten. Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung ist für mich ein globaler Orientierungsrahmen. Wir sollten uns insbesondere für eine Bildung für alle im Sinne einer offenen Hochschule einsetzen, um inklusive, gerechte und hochwertige Bildung zu gewährleisten und lebenslanges Lernen für alle zu fördern. 

Welche Haltung und Denkweise brauchen Lehrende und Lernende?

Die Hochschulen müssen ein Hort der freien Forschung und Lehre sein, um unabhängig Wissen zu erzeugen und zu verbreiten. Nur so können Hochschulen ihre Funktion als Keimzelle für Innovationen erfüllen, um zur Lösung der Probleme unserer Zeit beizutragen. Der von uns verursachte Klimawandel ist wahrscheinlich die grösste Herausforderung, mit der die Menschheit bisher je konfrontiert wurde. Die Weichen, die wir nun stellen müssen, werden gravierende Auswirkungen auf das Leben der nächsten Generationen haben. Umso wichtiger sind wissenschaftliche Erkenntnisse, die ein evidenzbasiertes Handeln der Gemeinschaft, aber auch jedes Einzelnen erst ermöglichen. 

Was sind die wichtigsten Entwicklungen in der Digitalisierung von Studium und Lehre?

Schon vor der Covid-19-Pandemie war klar, dass die Digitalisierung als Megatrend alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringt. Diese Entwicklungen wurden durch die Pandemie beschleunigt. Sie betreffen natürlich auch Bildungsinstitutionen. Es entstehen gerade neue Bereiche, wie etwa Anwendungen Künstlicher Intelligenz in der Bildung. Es wird einen immer grösseren Bedarf an Fachkräften geben, die komplexe digitale Methoden und Technologien verstehen, gestalten und ihren Einsatz kritisch analysieren und reflektieren können. Den Hochschulen wird eine Schlüsselrolle dabei zukommen, Menschen aus- und fortzubilden, die kreativ und empathisch Entscheidungen treffen und gesellschaftliche und soziale Verantwortung in einer digitalen Welt übernehmen.

Hochschulbildung der Zukunft

Olaf Zawacki-Richter ist Professor für Wissenstransfer und Lernen mit neuen Technologien an der Universität Oldenburg. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Fernstudien- und Weiterbildungsforschung sowie in der Personalentwicklung. Am 24. Januar 2022 ist er Gastredner an der Eröffnungsveranstaltung des neuen Ringseminars der ZHAW zum Thema «Hochschul­bildung der Zukunft». Zwischen Januar und Juni 2022 sind im Rahmen des Ringseminars verschiedene internationale Expertinnen und Experten zu Gast an der ZHAW. In Form von Inputreferaten widmen sie sich unter anderem Konzepten und Ideen der künftigen Hochschulbildung, innovativen Angeboten und Projekten im Bereich Bildung und Weiterbildung oder den künftigen Positionierungsmöglichkeiten einer Hochschule als Organisation und Arbeitgeberin.

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