«Normen als gemeinsame Sprache»

23.03.2021
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  • Dossier

Auf Normen kann man sich verlassen, findet Corinne Gantenbein-Demarchi. Sie hat ihre Entwicklung im Lebensmittelbereich während Jahrzehnten verfolgt und den Wert dieser gemeinsamen Sprache weitervermittelt.

Seit 20 Jahren hat Corinne Gantenbein-Demarchi den Vorsitz des Komitees «INB/NK 172 Lebensmittel» bei der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) inne. Sie hat erlebt, wie Normen an Bedeutung gewonnen haben. «Normen sind messbar, vergleichbar und verbindlich», sagt die Professorin. Dieses Bewusstsein für den Wert einer Norm habe sie den Studierenden in der Schweiz wie auch in Afrika immer wieder mit auf den Weg gegeben. Corinne Gantenbein-Demarchi hat das Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation in Wädenswil 35 Jahre lang geprägt, zuletzt als stellvertretende Leiterin. Parallel dazu lehrt sie im Rahmen des Stiftungsprojekts «B360 – education partnerships» ehrenamtlich an der Namibia University of Science and Technology.

Keime verlässlich nachweisen

Im Bereich der Lebensmittelsicherheit und -qualität geht es vor allem um methodische Normen. Standardisierte Prozesse (z. B. bei der Herstellung) helfen, Keime wie Salmonellen oder Listerien zu verhindern oder im Rahmen der Qualitätsüberprüfung nachzuweisen. Wenn sich die Industrie, Labors oder andere Organisationen genau an die Normen halten, hat das grosse Vorteile: «Die produzierende Industrie kann dadurch ihre Qualitätssicherungsprozesse unterstützen, womit teure Rückrufe oder unter Umständen auch Erkrankungen von Personen verhindert werden können», führt Corinne Gantenbein-Demarchi aus.

Internationale Anerkennung

Ein wesentlicher Punkt sei aber auch die internationale Anerkennung. Das hat auch eine ihrer früheren Studentinnen in Namibia erfahren, die Qualitätssicherungsverantwortliche in einem fleischverarbeitenden Betrieb wurde. Zu diesem Zeitpunkt weigerte sich ein wichtiger Abnehmer in Südafrika, die Produkte zu importieren. In Rekordzeit schaffte es die junge Frau dank ihrer an der Universität erworbenen Kenntnisse, die nötigen international anerkannten Prozesse einzuführen, damit der Betrieb wieder exportieren konnte.

Methoden minutiös verglichen

Auch die Schweiz musste sich einst international fit machen. Arbeitete man früher mit den sehr gut erprobten methodischen Normen des Schweizerischen Lebensmittelbuches, musste man vor rund 15 Jahren einen grossen Effort leisten, um die Kompatibilität mit dem Ausland zu erreichen. Das Ziel war die Annäherung an die in Europa gebräuchlichen ISO-Normen. «Wir haben deshalb sämtliche Methoden minutiös verglichen und in einem Konsensverfahren schrittweise übernommen.»

Damit die Lebensmittelsicherheit und -qualität in der Schweiz in Zukunft weiter erhöht werden kann, braucht es für die Lebensmittelmikrobiologin auch einen stärkeren Austausch mit der Politik und den Behörden. «Wir dürfen wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse nicht im Elfenbeinturm behalten. Vielmehr sollten sie in die Gesetzgebung einfliessen können, damit sich in der Wechselwirkung auch die Normen weiterentwickeln können.»

Baunormen als krönender Abschluss

Das voranzutreiben, wird allerdings nicht mehr ihr Werk sein. Bald will Corinne Gantenbein-Demarchi kürzertreten: Für ihre Lehrtätigkeit hat sie bereits einen Nachfolger und auch ihr Engagement im SNV wird sie weitergeben. In ihrem Abschlussprojekt an der ZHAW beschäftigt sie sich aber noch einmal mit Normen, allerdings einer anderen Art. Als Vertreterin des Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation engagiert sie sich im Projekt «Neubau Laborgebäude» in Wädenswil. Wenn das Institut im Sommer 2023 dieses «Future House of Food» beziehen wird, ist für sie die Normenarbeit – zumindest die berufliche – ein für alle mal abgeschlossen.

B360 – education partnerships fördert den Austausch von Fachwissen zwischen europäischen Experten und afrikanischen Studierenden.