Nachhaltige Entwicklung

Open Educational Resources: Wissen für viele zugänglich und individuell

30.11.2021
4/2021
  • Dossier

Die Ausbildung fürs Leben gibt es nicht mehr. Lernen ist zur Lebensaufgabe geworden. Dadurch gewinnt auch geteiltes Wissen an Relevanz. Doch das Bewusstsein für das Potenzial von Open Educational Resources fehlt. Warum es sich lohnt, seine Zeit in OER zu investieren.

Open Educational Resources, kurz OER, sind Bildungsmaterialien, die über die Grenzen des Klassenzimmers oder Seminarraums der Öffentlichkeit zur freien Verwendung und Verbreitung zur Verfügung stehen. Das können zum Beispiel Lehrbücher und Artikel, Grafiken, Software oder Videos aus allen Themenfeldern der Wissenschaft sein. 

Lebenslanges Lernen

Der wachsende Fundus an frei zugänglichen, einfach auffindbaren Bildungsmaterialien ermöglicht auch eine massgeschneiderte Lernerfahrung. Eine lernende Person kann genau dort ansetzen, wo sie ihr Wissen vertiefen möchte oder eine Lernlücke schliessen will – unabhängig von Alter, Stufe und Wissensstand. Die persönliche Bildung kann granular aufgebaut und zu jedem Zeitpunkt im Leben aufgenommen oder fortgesetzt werden.  OER sind damit auch eine wertvolle Basis für einen lebenslangen Lernprozess, den die ZHAW zum Beispiel mit der ZHAW-Lifelong-Learning-Strategie fördert. 

Für ein breites Publikum

Aber nicht nur für Menschen, die sich nach dem Studium weiterbilden möchten, können OER einen grossen Mehrwert bieten, sondern auch für Dozierende und Studierende. Und auch für Bildungsinstitutionen wie die ZHAW bergen sie viel Potenzial. Denn dadurch können Leistungen aus der Lehre für ein breiteres Publikum sichtbar gemacht werden, was sich wiederum positiv auf die Reputation der Hochschule auswirken kann. 

Offenen Lizenzierungsmöglichkeiten

Mit dem Ausbau digitaler Campusse – an der ZHAW und generell in der Hochschulwelt – werden OER und der Umgang damit immer relevanter. Das insbesondere darum, weil die Inhalte auf einem digitalen Campus weltweit verfügbar und sichtbar sind. Studierende und andere Interessierte aus der ganzen Welt erhalten die Möglichkeit, etwa in Form von MOOCs, Massive Open Online Courses, an einer Unterrichtssequenz zu partizipieren. Als erste Fachhochschule weltweit stellt die ZHAW ihre MOOCs auf edX global bereit. Eine weitere Plattform für die Bereitstellung von Lehr- und Lernmaterialien der ZHAW sind SwissMOOCServices. Dort findet sich eine Vielzahl an Kursen von verschiedenen Schweizer Universitäten und Fachhochschulen zu diversen Themen.

Geistiges Eigentum

Bei der Erstellung von Inhalten für solche Plattformen stellen sich vor allem zwei Herausforderungen: Das geistige Eigentum der eigenen Inhalte zu schützen und die Urheberrechte von Fremdmaterialien in der eigenen Lernressource nicht zu verletzen. Im Klassenkontext ist eine Verwendung von urheberrechtlich geschützten Materialien unbedenklich. Sind wir ausserhalb des (virtuellen) Klassenzimmers, also des begrenzten Klassenverbands, müssen wir im Umgang mit dem eigenen und dem fremden geistigen Eigentum vorsichtig sein. Hier sind etwa Creative-Commons-Lizenzen (CC) ein wichtiges Mittel. Vor allem durch die Lizenztypen CC BY und CC BY-SA sind Bildungsmaterialien mit geringen Restriktionen zur weiteren Verwendung frei nutzbar. Eine CC-BY-Lizenz macht bei einer Weiterverwendung des Werks die Nennung der Autorenschaft zwingend, eine CC-BY-SA-Lizenz erfordert neben der Namensnennung des Autors, dass eine Bearbeitung des Originalwerkes unter der gleichen Lizenz veröffentlicht wird. 

OER sind also eine Chance für Forschung und Lehre, eigene Materialien und damit auch Wissen für viele zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig können Dozierende davon profitieren, dass andere ihr Wissen öffentlich nutzbar machen – und Synergieeffekte für den Unterricht nutzen. Mit OER wird so erstmals auch ein stärkerer Austausch in der Lehre denkbar, der sich in der Forschung bereits als sehr fruchtbar erwiesen hat.

Vielfältiges Angebot zu OER an der ZHAW

Als Grundlage für die Erstellung und Verwendung von OER an der ZHAW existiert seit März 2020 eine eigene Policy, ein Bekenntnis der Hochschule zur Verwendung und Erstellung von OER in der Lehre. Als zentrale Massnahme zur Förderung von OER an der ZHAW wurde ausserdem die OER-Community ins Leben gerufen. Die Idee dabei ist, den Dozierenden eine Plattform zur Vernetzung und zum Austausch für ihre Vorhaben zur Erstellung von OER zu bieten.

Sustainability through Sharing

Doch Open Educational Resources sind nicht nur für die Dozierenden interessant. So lancierte das OER-Kompetenzzentrum der ZHAW Hochschulbibliothek kürzlich das Projekt «Students4OER: Sustainability through Sharing» im Rahmen des ZHAW Sustainable Impact Program. Dabei geht es darum, die Studierenden der ZHAW mit der Kultur des Teilens vertraut zu machen. Projekte mit jungen Menschen sind darum wichtig, weil diese die nächste Generation in Forschung und Lehre repräsentieren. Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, die Studierenden möglichst früh mit dem «Openness-Gedanken» in der Wissenschaft sowie im Lehr-Lern-Prozess vertraut zu machen. So werden wichtige Grundlagen geschaffen für ein neues Verständnis von Wissen als gemeinsamem Gut. 

Hochschulbildung der Zukunft – Ringseminar der ZHAW 2022

OER sind ein Teil der Zukunft von Hochschulen, die im Zentrum der sechsteiligen Veranstaltungsreihe «Hochschulbildung der Zukunft» steht. Zwischen Januar und Juni 2022 sind im Rahmen des Ringseminars verschiedene internationale Expertinnen und Experten zu Gast an der ZHAW. In Form von Inputreferaten widmen sie sich unter anderem Konzepten und Ideen der künftigen Hochschulbildung, innovativen Angeboten und Projekten im Bereich Bildung und Weiterbildung oder den künftigen Positionierungsmöglichkeiten einer Hochschule als Organisation und Arbeitgeberin. Zum detaillierten Programm und zur Anmeldung.