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«Halten sich kleine Kinder an dem Ort auf, braucht es Massnahmen»

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylverbindungen. Das ist eine Stoffgruppe, die bis zu 10 000 Chemikalien umfasst. Sie alle zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine starke chemische Bindung zwischen dem Fluor- und dem Kohlenstoffatom haben. Dadurch sind sie wasser- und fettabstossend. Weil diese Bindung so stark ist, ist sie auch hitzeresistent – das macht PFAS einzigartig. Der Nachteil dieser starken Bindung ist, dass diese Stoffe für sehr lange Zeit in der Umwelt verbleiben. Deshalb nennt man sie auch Ewigkeitschemikalien. Genau wissen wir das leider nicht, weil es keine Deklarationspflicht gibt. Alles in allem muss man aber leider davon ausgehen, dass heute mehr PFAS angewendet werden als noch vor dreissig, vierzig Jahren. Was bekannt ist: Bei den Feuerlöschschäumen gibt es mittlerweile auch PFAS-freie Alternativen, da ist also etwas in Bewegung in die richtige Richtung. Dafür werden PFAS sehr intensiv für Kühlmittel benutzt, etwa in Auto-Klimaanlagen. Das Problem ist, dass dort immer wieder winzige Lecks entstehen, durch die PFAS in die Umwelt gelangen. «Es gibt noch keine eindeutigen Antworten darauf, wann eine Belastung kritisch ist.» Basil Thalmann, Umweltchemiker am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen Im besten Fall landen Einwegverpackungen im Entsorgungsrecyclingprozess. Dort geht es in die Verbrennung, wo PFAS über Rauchgase in die Umwelt gelangen können. Meist werden die Verbindungen allerdings gar nicht aufgebrochen, weil die Hitze dafür nicht ausreicht. Also landen sie in der Schlacke und diese kann auf der Deponie in den Boden sickern. Es gibt also verschiedene Wege, wie sie in die Umwelt gelangen können. Ähnlich bei den Textilien … Textilien erzeugen Abrieb, dieser gelangt in den Staub und den inhalieren wir. Auch beim Waschen werden sie abgerieben, so landen die PFAS im Wasser. Theoretisch wäre das zwar möglich, aber die Haut stellt in der Regel eine gute Barriere dar, so dass das weniger ein Problem ist. Da würde ich mir eher Sorgen machen bei Kosmetika, die PFAS enthalten. Dass PFAS überall in unseren Böden vorkommen, ist ein Grundsatzproblem – und zwar ein menschgemachtes. Sie gehören dort eigentlich nicht hin. Da wir aber nun diese Situation haben, ist die nächste Frage, wann eine Belastung kritisch ist – und wie wir damit umgehen. Es gibt keine eindeutigen Antworten, weil uns noch einiges an Wissen fehlt. Klar ist, dass man an Orten, an denen sich kleine Kinder aufhalten, Massnahmen ergreifen muss, weil die Kleinen beim Spielen manchmal ein bisschen Boden essen. Man kann zum Beispiel den Boden auswechseln, was allerdings gar nicht so einfach ist, weil man ja erst irgendwo sauberen Boden herbekommen muss. Ich vermute, Sie sprechen von Thalwil? Noch gibt es tatsächlich nicht viele Gemeinden, die das so konsequent umsetzen. Als erwachsene Person muss man deswegen keine grosse Angst haben, weil man kaum etwas vom Boden aufgenommen hat. Es sind eher die Kinder, die gefährdet waren. Als Konsequenz können etwa gewisse Impfungen weniger gut wirken, wodurch die Kinder eher erkranken. Bei den Erwachsenen kann eine langjährige Exposition das Risiko für zu hohe Cholesterinwerte fördern. Und gewisse Krebsarten werden auch damit assoziiert. Das ist korrekt, eines der kleinsten PFAS-Moleküle steht diesbezüglich im Verdacht, die Trifluoressigsäure (TFA). In der EU ist man aktuell daran, diese Vermutung zu überprüfen. Würde sich das bewahrheiten, wäre das eine wirklich grosse Herausforderung, denn die TFA ist überall drin: Man findet sie im Regen und dadurch auch im Grundwasser, in Gemüse, Weizen und so weiter. Und das in einer anderen ganz anderen Grössenordnung als andere PFAS. Ich hoffe deshalb sehr fest, dass sich dieser Verdacht nicht erhärten wird. Das ist in der Tat ein grosses Problem. Wobei es bei tierischen Lebensmitteln noch schlimmer ist, weil die Nutztiere auch Boden essen. Oder die Hühner fressen Regenwürmer, welche wiederum die PFAS aus dem Boden aufgenommen haben. Deshalb gibt es beim Fleisch bereits Grenzwerte. Werden diese überschritten, darf das Produkt nicht in den Handel gebracht werden. «Bei tierischen Lebensmitteln ist das Problem grösser als bei pflanzlichen, weil die Nutztiere auch Boden essen.» Basil Thalmann, Umweltchemiker am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen Eier, Milch, Fleisch, alles ist belastet. Ich selbst esse zum Beispiel kein Wildschwein mehr, weil diese Tiere besonders viel Boden fressen. Übrigens sind Bio-Eier tendenziell leider etwas stärker belastet, weil Bio-Hühner mehr Kontakt zu richtigem Boden haben. Hier verzichte ich aber nicht auf das Bio-Ei, da mir das Tierwohl wichtig ist – eine klassische Güterabwägung. Das Gute ist, dass man die Hühner bei zu hoher Belastung relativ einfach an einen anderen Ort umsiedeln kann und sie das PFAS innert weniger Wochen ausscheiden. Bei Kühen dauert das viel länger. Es ist für die betroffenen Bauern deshalb unheimlich schwierig, wenn sie wegen zu hoher PFAS-Werte ihr Fleisch plötzlich nicht mehr verkaufen dürfen und auch keine neuen Nutztiere auf diese Weide lassen können. Es handelt sich teilweise um riesige Bodenflächen, die eigentlich nur zur Viehzucht genutzt werden können. Da müssen dringend Lösungen gefunden werden. Natürlich wäre es schön, wenn es schneller gehen würde. Aber lieber nimmt man sich die Zeit und stellt dafür einen guten Aktionsplan auf die Beine. Die PFAS sind seit vierzig Jahren in unseren Böden, deshalb bringt es nichts, jetzt Panik zu schieben und alles überstürzen zu wollen. Wichtig ist, dass wir das Thema ernst nehmen und dranbleiben. Ja, wir kommen in der Schweiz sogar eher etwas spät damit im Vergleich zu anderen Nationen. Die USA und die Niederlande etwa beschäftigen sich schon länger mit dem Thema, sie haben allerdings auch Industrien, welche PFAS herstellen. In Deutschland wurden die letzten Jahre ebenfalls viele Bodenproben genommen. Es ist nicht einfach, die Ergebnisse 1:1 zu vergleichen, weil die Proben mit unterschiedlichen Forschungsfragen genommen wurden. Aber in der Tendenz sieht man, dass die Schweizer Böden stärker belastet sind als diejenigen in Deutschland oder zum Beispiel auch in Schweden. Da kann man nur mutmassen. PFAS sind relativ teure Chemikalien, deshalb geht man generell davon aus, dass weiterentwickelte Länder ein grösseres Problem damit haben. Es kann gut sein, dass wir in der Schweiz uns mehr von diesen Chemikalien geleistet haben, um Top-Produkte herzustellen. So richtig hat es 2021 angefangen, als wir die erste schweizweite Studie publiziert haben. Für mich als Chemiker sind PFAS sehr spannende Verbindungen, weil sie sich in der Umwelt so speziell verhalten. Zudem ist das Ganze ein relativ junges Forschungsgebiet, es gibt also noch ganz viele offene Fragestellungen, bei denen man in die Tiefe gehen kann. Dank meiner Arbeit an der ZHAW habe ich nun auch mit dem Bund und den Kantonen zu tun, lerne die politische Seite kennen und helfe mit, am Ende ganz konkrete Lösungen zu finden etwa für die Landwirt:innen, die ihre Felder nicht mehr bewirtschaften dürfen. Das macht meine Arbeit äusserst abwechslungsreich und auch sinnstiftend, weil ich direkt hier vor Ort etwas bewirken kann. (Aufmacherbild: Monika Liechti) Jeanette Kuster

«Wer sich früh am Morgen bewegt, schüttet am Abend eher Melatonin aus»

Vor Kurzem wurden auf einer Konferenz des American College of Cardiology Studienergebnisse vorgestellt, die einen klaren Zusammenhang zeigen sollen zwischen Frühsport und einem verringerten Risiko für Herzerkrankungen. Was sagen Sie zu diesen Ergebnissen? Anne-Kathrin Rausch: Bisher gibt es erst einen Preprint, die Studie wurde also noch nicht wissenschaftlich diskutiert. Trotzdem ist das Ganze spannend, weil sehr viele Daten gesammelt worden sind: Die Forschenden haben mit rund 23 000 Teilnehmenden gearbeitet, die alle ein Wearable getragen haben. Es sind also keine fragebogenbasierten Daten, wie das sonst üblich ist bei solch grossen Gruppen, sondern objektive Daten. In der Studie wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt körperlicher Aktivität und Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen gibt. Die Analyse zeigte, dass Personen, die am Morgen Ausdauersport machen, weniger Herzkreislauferkranken hatten. Aber die Studie untersucht natürlich keine Kausalität. Man kann also nicht daraus schlussfolgern, dass man keine Herz-Kreislauf-Erkrankung erleidet, wenn man immer zwischen 7 und 8 Uhr morgens Sport treibt. Genau. Natürlich ist die Überlegung spannend, zu welchem Tageszeitpunkt der Sport am sinnvollsten ist, um möglichst effizient mein persönliches Trainingsziel zu erreichen. Aber seien wir ehrlich: Die Leute, die sich darüber Gedanken machen, sind in der Regel schon sehr vorbildlich unterwegs in Sachen Fitness. Für den Grossteil der Bevölkerung ist die Herausforderung eher, überhaupt in Bewegung zu kommen. Zumal es gerade im Sommer den meisten leichter fällt, Frühsport zu treiben, man fühlt sich allgemein aktiver. Und das Tolle ist: Es wird von Tag zu Tag einfacher, denn wer sich am Morgen früh bewegt, schüttet am Abend früher Melatonin aus. Das bedeutet, dass sich der Schlafrhythmus verschiebt: Man geht etwas früher schlafen und steht folglich auch einfacher und früher auf am nächsten Tag. Es gibt Studien, die zeigen, dass man auf diese Weise den natürlichen Tagesrhythmus beeinflussen kann. «Man weiss, dass dasselbe Training draussen in der Natur als weniger belastend empfunden wird als in Innenräumen.» Anne-Kathrin Rausch, Leitung Schwerpunkt Physical Activity im MSc Physiotherapie Im Bezug auf die Fitness macht das natürlich keinen Unterschied. Aber die Bewegung draussen an der frischen Luft bringt definitiv zusätzliche positive Effekte mit sich. So konnte man etwa eine Wirkung aufs Stressempfinden und die Linderung von Depressionen nachweisen. Und man weiss, dass dasselbe Training draussen in der Natur als weniger belastend empfunden wird als in Innenräumen. Es macht also mehr Spass, obwohl man genau gleich viel leistet. Der Kreislauf wurde angekurbelt, dadurch fühlt man sich aufgeweckter. Zudem baut Bewegung Stress ab, weshalb man danach fokussierter arbeiten kann. Liegt es auch daran, dass man sich schon etwas Gutes getan hat? Das Paddeln am Morgen fühlt sich für mich jeweils fast meditativ an: die Ruhe auf dem See, die rhythmische Bewegung… und alleine aufs Wasser zu schauen hat ja nachweislich eine entspannende Wirkung. Bestimmt, das sind dann die psychologischen Faktoren, die mit hineinspielen. Es fühlt sich einfach besser an schon etwas Schönes für sich getan zu haben und somit die Selbstwirksamkeit zu steigern, als wenn man direkt vom Bett zum PC wechselt und zu arbeiten beginnt. Und das gleichmässige Paddeln senkt den Stresspegel zusätzlich, das ist so. Und zur Untermauerung jeder Meinung gibt es eine Studie … Es kommt etwas darauf an, was man mit dem Training erreichen möchte und wie der eigene Körper auf Bewegung im nüchternen Zustand reagiert. Ist das Ziel Gewichtsabnahme, kann es Sinn machen, erst nach dem Sport zu essen. Denn wenn der Kohlehydratspeicher leer ist, baut der Körper mehr Fett ab. Plant man aber eine intensivere Trainingseinheit, empfiehlt es sich, vorher zu essen. Man könnte es also wie folgt zusammenfassen: Ein bisschen Yoga am See kann man gut nüchtern oder mit einem kleinen Snack machen, aber vor einem intensiven Krafttraining sollte man ausreichend frühstücken. «Wer Gewicht verlieren möchte, frühstückt besser nach dem Sport. Bei intensiven Trainingseinheiten empfiehlt es sich jedoch, vorher zu essen.» Anne-Kathrin Rausch, Leitung Schwerpunkt Physical Activity im MSc Physiotherapie Laut WHO-Empfehlung zählt jeder Schritt, sprich jede Aktivität ist besser als keine. Es ist sinnvoll, sich ein realistisches Ziel zu setzen und sich danach fortlaufend zu steigern. Vielleicht fängt man einfach einmal mit einem 5-Minuten-Spaziergang durchs Quartier an. Dabei spürt man, wie gut das tut und nach einer Woche geht man einen Häuserblock weiter. Der Knackpunkt ist, dabeizubleiben und eine Routine zu entwickeln. Man kann sich zum Beispiel einen täglichen Agenda-Eintrag als Reminder setzen. Oder man klebt sich ein Post-it an den Computer, auf dem steht «Stopp, erst ums Haus laufen!». Was auch helfen kann: Schon am Vorabend die Kleider, das SUP und den Snack parat machen, so dass am Morgen weniger mentale Energie nötig ist, um in die Gänge zu kommen. Dem ist so. Deshalb ist es wichtig, zu Beginn dranzubleiben. Im besten Fall kommt man dann an den Punkt, an dem man merkt, dass es einem ohne die Bewegung nicht so gut geht – dann braucht es keine externen Erinnerungen mehr, weil die Eigenmotivation hoch genug ist. Jeanette Kuster

Von der ZHAW auf die Rennstrecke

Die Sonne brennt vom Himmel, als wir uns mit Lea Schenk und Leo Pavlovic auf dem Platz vor dem Technikum in Winterthur treffen. In ihrer Werkstatt gleich um die Ecke ist es jedoch auch bei 30 Grad Aussentemperatur angenehm kühl, obwohl bei unserem Besuch sieben Leute gleichzeitig im bis zur Decke mit allerlei Material gefüllten Raum arbeiten. Dieser Tage herrscht ständig Hochbetrieb hier, manchmal sogar nachts, wie Schenk sagt: «So kurz vor der Präsentation unserer neuen Autos müssen wir ein paar Nächte durcharbeiten. Aber am Ende klappt es immer, dass wir rechtzeitig fertig sind. Das ist das Tolle an diesem Team: Die Leute sind jederzeit da, wenn sie gebraucht werden.» «Die Leute», das sind mehr als 80 Studierende der ZHAW aus verschiedenen Departementen, die sich alle dem Studierendenverein Zurich UAS Racing angeschlossen haben. Einem Verein, der Rennboliden konzipiert, baut und damit an «Formula Student»-Rennen teilnimmt. Gegründet wurde der Verein 2019 von Studierenden der School of Management and Law und der School of Engineering . Gerade einmal 16 Mitglieder hatte Zurich UAS Racing in dieser Anfangsphase – «das ist übrigens der Grund, weshalb wir bis heute mit der Nummer 16 fahren», sagt die 26-jährige Studentin. Nach drei Jahren schloss sich erstmals jemand aus dem Departement Angewandte Linguistik der Renntruppe an, seither ist man daran, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Departementen aktiv auszubauen. Lea Schenk war 2023 die zweite Person aus dem Departement Angewandte Linguistik, die dem Verein beigetreten ist, «mittlerweile sind acht Linguist:innen dabei, die sich alle um die Bereiche Kommunikation, Eventmanagement und Media Production kümmern». Zwar hat Schenk ihr Studium an der ZHAW unterdessen abgeschlossen. «Als sich aber Ende Saison 2023/24 herauskristallisierte, dass ich den Team Lead Operations übernehmen kann, wollte ich mir diese Chance auf keinen Fall entgehen lassen.» Dass nur Studierende im Verein mitwirken dürfen, war ein entscheidender Grund für sie, noch ein Masterstudium anzuhängen. «Der Verein ist ein absolutes Herzensprojekt für mich», erklärt sie, «und wo sonst kann man in einem so jungen Alter schon so viel Verantwortung übernehmen und gleich fünf Subteams führen? Die Aufgabe ist ein tolles Übungsfeld, ich kann hier alles anwenden und vertiefen, was ich im Studium gelernt habe.» «Ich kann hier alles anwenden und vertiefen, was ich im Studium gelernt habe.» Lea Schenk, COO Zurich UAS Racing Das bestätigt auch ihr Kollege Leo Pavlovic, Deputy Teamleader Mechanics: «Man lernt unglaublich viel hier in der Werkstatt, weil wir ‘hands-on’ arbeiten und uns nicht nur ein paar Vorlesungsfolien anschauen.» Pavlovic ist dem Verein gleich zu Beginn seines Studiums an der School of Engineering beigetreten. «Anfangs hatte ich etwas Mühe mit der Schule, habe gewisse Dinge nicht verstanden. Dann konnte ich hier immer fragen und jemand aus dem zweiten oder dritten Jahr hat es mir erklärt.» Zurich UAS Racing sei eben «viel mehr als ein Verein», sagt er, «hier entstehen Freundschaften und man unterstützt sich gegenseitig». Zwar ticken die Vereinsmitglieder durchaus unterschiedlich, wie Schenk sagt, «aber uns alle verbindet die Leidenschaft für den Motorsport». Während die einen von der Technik fasziniert sind, finden andere das Konstruieren an sich spannend oder aber die Vermarktung eines Rennautos. «Unser Verein ist sehr interdisziplinär aufgebaut: Wir haben das Mechanics-Team, das Electrics-Team, Informatiker, Wirtschaftsstudierende … Es funktioniert nur, wenn alle über die Disziplinen hinweg zusammenarbeiten und kompromissbereit sind», sagt Pavlovic. So wurde natürlich auch in der Gruppe besprochen, was am letztjährigen Auto verbessert werden sollte für diese Saison. «Wir haben das Fahrzeug bis ins kleinste Detail analysiert und uns bei jedem Teil gefragt, wieso wir das so gemacht haben und nicht anders. Mit dem Resultat, dass wir jetzt ein komplett neues Auto gebaut haben, bei dem kein Teil identisch ist mit dem letztjährigen Modell», sagt Pavlovic. Vielleicht hätten sie es etwas zu gut gemeint, gibt der 24-Jährige zu, «denn wir gehen dadurch natürlich ein Risiko ein». Zumal sie es letztes Jahr zum ersten Mal geschafft hatten, das Langstreckenrennen fertigzufahren. «Ein riesiges Achievement», ordnet Pavlovic ein, «von den 85 am Wettbewerb teilnehmenden Teams sind bloss 44 in dieser Disziplin überhaupt an den Start gegangen und nur 27 sind das Rennen fertig gefahren.» Das zu schaffen sei deshalb auch ohne Platz auf dem Podest ein Sieg gewesen für das Team, sagt er voller Stolz. Wie sie ihre Chancen am kommenden «Formula Student Switzerland» vom 9.–15. Juli einschätzen? «Ich bin sehr, sehr zuversichtlich, gerade weil wir gewisse Sachen von Grund auf neu konzipiert haben», sagt Pavlovic. Auch Schenk ist optimistisch, gibt aber zu bedenken, dass dieses Jahr mehr Teams teilnehmen werden als je zuvor und viele davon der Weltspitze zuzuordnen sind. «Das Team der ETH etwa, aber auch Milano und zwei österreichische Teams werden hoch gehandelt», erzählt die Studentin. Sie alle bauen seit etwa 15-20 Jahren Autos. «Das ist ein enormer Wissensvorsprung, da können wir mit unseren sieben Jahren Erfahrung noch nicht mithalten. Aber ich bin sehr gespannt, wo wir uns werden einordnen können im internationalen Vergleich.» Auf das Rennen freuen sie sich auch deshalb, weil mit den konkurrierenden Teams über die Jahre Freundschaften entstanden sind. «Logisch bleibt es ein Wettkampf, aber wenn etwas kaputt geht und ein Ersatzteil fehlt, dann helfen einem die anderen Teams aus», sagt Pavlovic, «denn am Ende des Tages wollen alle die verschiedenen Autos fahren sehen.» Ersatzteile und alles andere werden übrigens nur teilweise von der ZHAW finanziert. «Vieles läuft über Partner, die uns das Material nach unseren Wünschen anfertigen und zur Verfügung stellen», so Pavlovic, der in seiner Rolle unter anderem eng mit dem Partnership- und Finance-Team zusammenarbeitet. Er ist der Networker des Vereins und liebt genau das an seiner Aufgabe: «Die Zusammenarbeit innerhalb der ZHAW und mit externen Partnern gefällt mir schon sehr. In der Industrie so vernetzt zu sein und zu wissen, bei wem ich mich mit welchem Problem melden kann, ist spannend. Zudem kenne ich durch meine Vereinsrolle nicht nur unsere Rektorin, sondern auch diverse Institutsleitende. Es fühlt sich nicht so an, als ob ich nur an der ZHAW studieren würde, ich bin vielmehr ein Teil davon – das macht mega Spass.» «Es fühlt sich nicht so an, als ob ich nur an der ZHAW studieren würde, ich bin vielmehr ein Teil davon.» Leo Pavlovic, Deputy Teamleader Mechanics Zurich UAS Racing Das Ganze bedeutet jedoch auch ein grosses Engagement. «Ich kann keine Stundenzahl nennen, aber in Phasen wie der aktuellen gibt es kein Limit gegen oben», gibt der Student zu. Ob sein Studium nicht darunter leidet? «Vielleicht ein bisschen. Aber für mich gehört der Verein nun einmal zum Studium dazu.» Auch bei Schenk summieren sich die Stunden: «Mit meiner Masterarbeit, die ich auch über Zurich UAS Racing schreibe, und der Arbeit für den Verein bleibt nicht mehr viel Zeit für Anderes», sagt sie, «aber es macht Spass und das ist meine letzte Saison, deshalb ist das Ende absehbar. Und ja, danach ist es dann auch schön, wenn das Leben ausserhalb des Vereins wieder weitergeht.» Jeanette Kuster

«Mein Job ist nicht in Beton gegossen, ich kann ihn mitgestalten»

Das Modell Job Crafting beinhaltet drei Wege, um zum Ziel zu kommen: Task Crafting, Relational Crafting und Cognitive Crafting. Der naheliegendste Weg ist das Task Crafting. Da geht es im Kern darum, sich seine aktuellen Aufgaben anzuschauen und sich zu überlegen, was davon man gerne macht, wo man Wirkung erzielen kann, wo weniger und wie man gewisse Tasks verändern, ergänzen oder gar weglassen könnte. Genau, und da geht es um Beziehungen: Ich überlege mir, welche Beziehungen mir dabei helfen könnten, im Job wirkungsvoll zu sein. Gibt es zum Beispiel Leute mit viel Erfahrung, von denen ich lernen könnte? Oder kann ich mich mit gewissen Schnittstellen und Stakeholdern besser vernetzen, um meine Aufgaben danach effizienter auszuführen? An einer Hochschule etwa kann es helfen, herauszufinden, wer an ähnlichen Themen arbeitet und mit diesen Personen in Kontakt zu treten. Da geht es darum, sich klar zu werden, was man in seinem Beruf bewirkt. Dieser Teil wird meist unterschätzt, dabei ist er genauso wichtig. Und er ist einfacher anzugehen, denn dafür benötige ich keinerlei Unterstützung von aussen, kein Budget, keine Bewilligung – es geht einzig um mich selbst und meine Wahrnehmung. Natürlich ist Job Crafting einfacher anzuwenden, wenn man mehr Handlungsspielraum hat. Dennoch ist es grundsätzlich in jedem Job möglich, wie eine Vielzahl von Studien zeigt. Man trifft tagtäglich unzählige Entscheidungen und hat entsprechend viele Möglichkeiten, etwas zu beeinflussen. Das Job Crafting geht auf eine berühmte Studie mit Reinigungskräften eines Spitals zurück, durchgeführt von Jane E. Dutton und Amy Wrzesniewski. Sie konnten zeigen, dass sich die Angestellten in zwei Gruppen unterteilen liessen: Eine arbeitete strikt nach Vorschrift und empfand ihre Arbeit als eintönig. Die andere Gruppe hingegen beurteilte ihre Rolle als bedeutungsvoll und war entsprechend zufriedener im Job. Sie sahen sich nicht als blosse Reinigungskräfte, sondern als Botschafter des Spitals, die durch ihre Arbeit zur Genesung der Patient:innen beitrugen. Oft übernahmen sie auch zusätzliche Aufgaben, indem sie zum Beispiel Beobachtungen aus den Patient:innenzimmern weiterleiteten. Das ist tendenziell korrekt, mir selbst geht es auch so. Und natürlich besteht irgendwann die Gefahr, dass man plötzlich zu viele Aufgaben hat, wenn man seine berufliche Rolle dadurch erweitert. Aber vielleicht gibt es gleichzeitig Dinge, die man aus Gewohnheit erledigt, obwohl sie eigentlich nichts bewirken. Es lohnt sich deshalb, sich seine Aufgaben zwischendurch genauer anzuschauen und zu überlegen, ob es das überhaupt noch alles braucht. «Job Crafting ist keine Persönlichkeitsfrage, sondern eine Kompetenz, die man erlernen kann.» Urs Blum, Leiter Zentrum Human Resources & Corporate Learning am Institut für Angewandte Psychologie Früher oder später muss man natürlich in den Austausch gehen mit den Vorgesetzten, weil man ja nicht alleine auf der grünen Wiese arbeitet, sondern Veränderungen auch einen Einfluss auf andere haben können. Dann ist es wichtig, nicht einfach zu sagen, dass man diese eine Aufgabe nicht mehr machen will, sondern zu erklären, dass man in seinem Beruf möglichst viel Wirkung erzielen möchte und dieser eine Task nichts dazu beiträgt. Ich empfehle auch gerne, das Job Crafting gleich von Beginn weg mit dem ganzen Team zu machen. So kann man sich als Team fragen: Was erledigen und verantworten wir eigentlich alles? Wer macht was und ist alles richtig verteilt? Oder gibt es Leute, die in gewissen Bereichen eine Stärke haben, die noch nicht genutzt wird? Möglich wäre das. Oder man findet gemeinsam neue Wege, ungeliebte Aufgaben effizienter zu erledigen. Bei uns im Zentrum entscheiden wir manchmal auch, gewisse Dinge probeweise ganz wegzulassen und zu schauen, was passiert. Dadurch konnten wir schon einiges an historisch gewachsener Komplexität abbauen. Klar fällt das Networking gewissen Personen leichter als anderen. Aber ich möchte betonen, dass Job Crafting keine Persönlichkeitsfrage ist, sondern eine Kompetenz, die man erlernen kann. Und man muss auch nicht zwingend alle drei Teilaspekte anwenden, sondern kann sich auch bloss auf einen oder zwei davon fokussieren. Es geht nicht darum, sich selbst zu belügen im Sinne von «fake it till you make it». Die Idee ist vielmehr, die Perspektive zu wechseln. Arbeite ich zum Beispiel in der Administration für einen Weiterbildungskurs, bekomme ich nicht direkt mit, wieviel Positives der Kurs bei den Teilnehmenden bewirkt. Wenn ich es aber schaffe, zu verstehen, dass ich ein wichtiger Teil dieses Kursangebotes bin und mir womöglich auch noch die Feedbacks der Teilnehmenden durchlese, kann das einen grossen Unterschied machen. Wir sollten nicht unterschätzen, was wir bewirken, indem wir einfach unsere Arbeit gut machen. Das ist so. Wenn Entwicklung und Lernen stattfinden, gibt es keine Garantie dafür, was passieren wird. Andererseits kann Job Crafting Organisationen auch helfen, ihre Mitarbeitenden zu halten, weil ein Verständnis dafür entsteht, dass man seine Rolle mitentwickeln kann. Job Crafting ist eigentlich eine Haltung: Mein Job ist nicht in Beton gegossen, ich muss mich nicht hineinzwängen, sondern kann ihn mitgestalten und darin wachsen. Jeanette Kuster

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