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Wo Startups keimen und gedeihen

Eine Drehscheibe, eine Plattform oder ein Ökosystem im Ökosystem. Matthias Filser hat viele Begriffe zur Hand, wenn es darum geht, die Fachstellen Entrepreneurship und Startup Campus zu beschreiben, denen er seit 2019 vorsteht. Ob ein Unternehmen erst am Anfang stehe, ob es Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt bringen wolle oder gar den Weltmarkt erobern: «Wir geben Startups das nötige Rüstzeug mit», sagt der promovierte Ökonom. Zum breiten Spektrum an Angeboten gehören unter anderem ein Startup-Wettbewerb, ein Programm zur Förderung von Unternehmerinnen, Startup- und Scale-up-Trainings, ein Startup Incubator sowie Netzwerkanlässe. «Bei uns laufen die Fäden in Sachen Unternehmertum zusammen», so der Fachstellenleiter. Gründerinnen und Gründer würden hier von der ersten Geschäftsidee bis hin zum wachsenden Geschäftsmodell begleitet. «Bei uns laufen die Fäden in Sachen Unternehmertum zusammen.» Matthias Filser, Leiter ZHAW-Fachstelle Entrepreneurship Dazu setzt die Fachstelle Entrepreneurship, die zum Institut für Innovation and Entrepreneurship gehört, auf verschiedene Partnerschaften: Von grosser Bedeutung ist insbesondere die Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse und mit dem Impact Hub Zürich. So setzen Startup Campus und der Impact Hub Zürich unter anderem für Innosuisse ein Angebot von Trainings, Kursen und Events um, das von einem Konsortium aus Hochschulen sowie Techno- und Innovationsparks getragen und von Filser geleitet wird. Die Kooperationen schlagen sich aber auch in den einzelnen Programmen nieder: So stellt etwa der Technopark Winterthur für den Runway Startup Incubator die Räumlichkeiten bereit. Im Impact Hub Zürich finden monatlich Veranstaltungen der Female Founders Initiative statt, hat dieser die Initiative doch zusammen mit der Fachstelle Entrepreneurship ins Leben gerufen. Startups und Unternehmertum sind längst zu einem allgegenwärtigen Modethema geworden. «Gerade in den letzten Jahren sind Schulungen und andere Angebote wie Pilze aus dem Boden geschossen», stellt Filser fest, der sich schon fast zwanzig Jahre in dieser Szene bewegt. Die ZHAW gehöre jedoch keineswegs zu den Trittbrettfahrern, sondern fördere Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer schon seit über einem Jahrzehnt. «Die ZHAW steht mit dieser Breite und Tiefe im Angebot auch im internationalen Vergleich ausserordentlich gut da.» Petra Moog, Leiterin ZHAW-Institut für Innovation and Entrepreneurship Im Gegensatz zu vielen anderen Hochschulen vermittle die ZHAW nicht nur die theoretischen Grundlagen der Firmengründung oder begleite angehende und etablierte Jungunternehmende mit Coachings und Workshops – sondern schlage auch die Brücke zur Privatwirtschaft und bringe Gründerinnen und Gründer mit Branchenfachleuten, Kapitalgebern und erfolgreichen Unternehmerinnen in Kontakt. «Eine solche Kombination findet man selten.» Das sieht auch Petra Moog so, die seit diesem April das Institut für Innovation and Entrepreneurship leitet: «Die ZHAW steht mit dieser Breite und Tiefe im Angebot auch im internationalen Vergleich ausserordentlich gut da.» Eine solche Ausgangslage sei ideal, um die Zusammenarbeit mit ausländischen Hochschulen und Partnern aus der Privatwirtschaft künftig noch zu verstärken, ergänzt die Institutsleiterin, die sechzehn Jahre lang den Lehrstuhl für Entrepreneurship and Family Business an der Universität Siegen innehatte. Stets in Bewegung ist auch, aus welchen Branchen gerade die meisten Startups hervorgehen. So seien während der Pandemie besonders im Health-Tech-Bereich viele neue Firmen entstanden, sagt Filser. In den letzten Jahren seien Blockchain-Technologien zum grossen Thema geworden; heuer häuften sich Geschäftsideen zu Programmen à la ChatGPT oder DALL-E, die auf Künstlicher Intelligenz basierten. Schon länger steigt zudem die Zahl der Startups, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel auseinandersetzen. Die Fachstelle Entrepreneurship unterstützt etwa mit dem Sustainability Booster ganz gezielt Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer bei der Entwicklung und dem Aufbau einer nachhaltigen Geschäftsidee. «Entscheidend ist aber, das eigene Warum zu kennen: Man muss wissen, was einen antreibt.» Vanessa Mohrig, ZHAW-Fachstelle Entrepreneurship Ein Unternehmen zu gründen, setzt voraus, wie eine Unternehmerin, wie ein Unternehmer zu denken. Diese Haltung habe viele Facetten, sagt Vanessa Mohrig von der ZHAW-Fachstelle Entrepreneurship, die bei Startup Campus für Marketing und Community Building verantwortlich ist. Unternehmerisches Denken bedeute den Mut, die eigene Idee gross zu denken, auch wenn man damit vielleicht erst einmal alleine stehe; die Ausdauer, dieses ganz persönliche Bild nicht aus den Augen zu verlieren, wenn der Weg unerwartete Kurven nehme, denn das werde er bestimmt. Gleichzeitig heisse es eben auch, die eigenen Vorstellungen anpassen oder aufgeben zu können, wo es nötig ist. Ein solcher Mindset müsse einem nicht unbedingt in die Wiege gelegt sein, das allermeiste lasse sich lernen, ist die Marketingexpertin überzeugt. «Entscheidend ist aber, das eigene Warum zu kennen: Man muss wissen, was einen antreibt.» Ümit Yoker

Das «Murmeltier» könnte den Tunnelbau revolutionieren

Wer heute Tunnelbau sagt, meint «Sissi». Die Bilder sind unvergessen, als die legendäre Tunnelbohrmaschine Sissi am 15. Oktober 2010 um 14.17 Uhr den Durchschlag in der Oströhre des Gotthardbasistunnels schaffte, des mit 57 Kilometern längsten Eisenbahntunnels der Welt. Der damalige Bundesrat Moritz Leuenberger trug eine Statue der heiligen Barbara in den Händen, der Schutzpatronin der Bergleute. Neben ihm lächelte Amtsvorgänger Adolf Ogi in die Kameras. Heute steht die Tunnelbohrmaschine der Superlative im Verkehrshaus Luzern – zumindest ihr über neun Meter grosser Bohrkopf. Denn für das ganze 450 Meter lange und 225 Tonnen schwere Ungetüm fehlte der Platz. Doch Sissi erhält Konkurrenz. Ein junges Schweizer Team namens Swissloop Tunneling ist daran, die Veteranin vom Sockel zu stossen. Seit rund drei Jahren arbeitet das Team, bestehend aus Studierenden verschiedener Hochschulen, an einer Tunnelbohrmaschine, die viel mehr kann. Es handle sich um «eine komplette Neuentwicklung», erzählt Flavio Eisenring. Er hat als einer von zwei ZHAW-Masterstudenten im Softwareteam die Datenplattform für den Steuerungsmechanismus entwickelt. Die neue Maschine arbeitet als multifunktionaler Tunnelbauroboter. Vorn bohrt er, gleich dahinter kleidet er die Tunnelwände aus. Das geschieht mit einem speziellen Kunststoffgemisch, das auf Polymeren basiert und sofort aushärtet. «Der Vorgang orientiert sich an 3D-Druckern, die ebenfalls mit Polymergranulaten arbeiten», sagt Flavio Eisenring. Das hat den Vorteil, dass das Material vergleichsweise günstig verfügbar ist. Und bei Spritzbeton würde das Aushärten zu lange dauern. Die Maschine ist dank einer hydraulischen Spezialsteuerung wendig. Sie kann engere Kurven bohren, als es mit herkömmlichen Methoden möglich ist, die starre, vorfabrizierte Elemente für die Verkleidung einsetzen. Dass sie das stützende Kunststoffrohr kontinuierlich fertigt, ist auch ein Vorteil in weichen Böden, die Sissi seinerzeit grosse Probleme bereiteten. Ziel ist es, pro Sekunde einen Zentimeter voranzukommen. Das sind pro Stunde 36 Meter – so viel, wie Sissi unter guten Bedingungen in solidem Gestein an einem ganzen Tag schaffte. «2024 wollen wir zeigen, dass unser Tunnelbau-Konzept des multifunktionalen Tunnelbauroboters funktioniert.» Eugenio Valli, Vereinspräsident Swissloop Tunneling Die Maschine hat auch schon einen Namen. Benannt sei sie nach einem der raffiniertesten tunnelbauenden Tiere, dem Murmeltier, wie Eugenio Valli sagt, der Präsident des Trägervereins. Natürlich nicht deutsch, sondern englisch: groundhog. Denn entstanden ist das Team Swissloop Tunneling im Herbst 2020 im Hinblick auf den Wettbewerb Not-A-Boring-Competition», den der US-Unternehmer Elon Musk auslobte. Damit will Musk neue Lösungen für den Tunnelbau fördern. Zuerst in kleinem Massstab, später für grössere Röhren. Hintergrund ist seine Vision der Hyperloops. Dieses Hochgeschwindigkeits-Transportsystem soll Personen und Güter in unterirdischen Röhren mit nahezu Schallgeschwindigkeit rascher und umweltfreundlicher als das Flugzeug und zugleich günstiger als die Bahn befördern. Mehr als 400 Teams bewarben sich darum, an der ersten Austragung des Wettbewerbs im September 2021 in Las Vegas teilzunehmen. Swissloop Tunneling schaffte es mit «Groundhog Alpha», dem Prototyp, in den Final und schliesslich auf den zweiten Platz. Und dieses Jahr fand die zweite Austragung vom 25. März bis am 2. April im texanischen Bastrop statt. In der Zwischenzeit hatte das Schweizer Team, das über die Jahre in wechselnder Zusammensetzung mehrere Dutzend Studierende der ETH Zürich, der Universität St. Gallen, der ZHAW und weiterer Hochschulen umfasst, mit Hochdruck an Verbesserungen der Maschine gearbeitet und die Finanzierung für die nächste Runde sichergestellt. Rund drei Viertel des Budgets bestreiten Firmensponsoren mit Sach- und Geldleistungen. Der Rest stammt von Stiftungen und Privatpersonen. In Bastrop traf das Schweizer Team mit «Groundhog Beta» auf vier weitere Finalisten und arbeitete sich wiederum auf den zweiten Platz vor. Das siegreiche Team der Technischen Universität München bohrte mit bis zu sieben Millimetern pro Sekunde eine Strecke von insgesamt fast zwölf Metern. Die Schweizer schafften einen knappen Meter, die übrigen drei Teams blieben ganz auf der Strecke. «Wir verloren viel Zeit wegen Problemen mit der elektronischen Steuerung und konnten erst spät mit Bohren beginnen», bedauert der Vereinspräsident Eugenio Valli. Doch die Jury zeichnete das Murmeltier mit dem Innovationspreis aus. Denn die Schweizer entwickelten ihre Maschine mit dem flexiblen Bohrkopf von Grund auf neu und überzeugten mit der kontinuierlich vor Ort gefertigten Tunnelauskleidung, während andere Teams mit modifizierten Standardlösungen arbeiteten. Der Innovationspreis macht Mut für die nächste Wettbewerbsrunde. «2024 wollen wir zeigen, dass unser Konzept funktioniert», sagt Eugenio Valli, der im vergangenen Herbst sein Masterstudium als Maschineningenieur an der ETH abschloss und nun in der Privatwirtschaft tätig ist. Valli ist überzeugt, dass der Groundhog-Ansatz die Basis für zukünftige Tunnelbohrlösungen sein wird. Dabei denkt er nicht nur an die Röhren für Hyperloops, die noch Jahrzehnte auf sich warten lassen dürften. Perspektiven eröffnen bereits heute kleine Tunnels, zum Beispiel für Strom- oder Wasserleitungen oder die Kanalisation. Eine Gruppe aus den bisherigen Teammitgliedern von Swissloop Tunneling prüft deshalb, wo sich Möglichkeiten für eine Kommerzialisierung der Technologie abzeichnen. Sissi erhält auch im Museum Konkurrenz. Das Verkehrshaus möchte die sieben Meter lange und 2,5 Tonnen schwere Groundhog Alpha gern ausstellen, zum Beispiel in der Innovations-Lounge. Thomas Müller

Rennfieber an der Hochschule

Parallel zum Studium an einem E-Rennauto tüfteln – das ist nicht nur kognitiv eine schwierige Aufgabe. Um Teil der internationalen Vereinigung Formula Students sein zu können, braucht es ein fachübergreifendes Team, zahlreiche Sponsoren und ein gutes Netzwerk. «Es ist natürlich zeitintensiv und herausfordernd», sagt Kim Hürlimann, Präsidentin des Zurich UAS Racing Teams, wie sich das Team der ZHAW nennt: «Doch es ist eben auch unglaublich vielfältig und bereichernd.» Das Zurich UAS Racing Team besteht mittlerweile aus über 70 motivierten Studierenden aus verschiedenen Studiengängen. Alle mit demselben Ziel: Optimierung des Rennboliden und eine stetige Weiterentwicklung des Studierendenvereins. Die angehende Wirtschaftsjuristin Kim Hürlimann sieht im Racing Team eine Art Spielwiese, in der sich die Studierenden austoben und Erfahrungen sammeln können. «Wir arbeiten sehr praxisnah, übernehmen Verantwortung und kommen mit fremden Fachgebieten in Berührung. Diese Erfahrungen werden uns später im Berufsleben zugutekommen.» Vor vier Jahren haben Studierende das Zurich UAS Racing Team an der ZHAW gegründet. Das Ziel: an der Formula Student, dem mit 600 vertretenen Hochschulen grössten Studierendenrennen der Welt, teilzunehmen. Der erste Anlauf hat dann zwar noch nicht einwandfrei geklappt. Wegen der Pandemie und aufgrund eines technischen Defekts ist das Rennauto nicht zum Einsatz gekommen. Da viele andere Faktoren wie eine solide Konstruktion oder eine sorgfältige Finanzplanung in die Beurteilung mit einfliessen, konnte das Racing Team aus Winterthur trotzdem teilnehmen. Ein zweites E-Auto hat das Team im vergangenen Jahr fertiggestellt und ist damit an drei Rennen an den Start gegangen. «Wir lagen in der Rangliste jeweils im Mittelfeld. Da wir ein sehr junges Team sind und erst zwei Wagen gebaut haben, war das für uns ein grosser Erfolg», bilanziert Kim Hürlimann. Auch 2023 stehen jeweils ein Rennen in der Schweiz, in Spanien und in Kroatien auf dem Programm (siehe Box). Die ZHAW steht dem Team als Hauptsponsorin und Vermittlungsplattform zur Seite. Durch Projekt- und Bachelorarbeiten kommen immer wieder neue Teammitglieder hinzu, während andere ihren Abschluss machen und aussteigen. Kim Hürlimann: «Wir legen Wert darauf, Interessierte schon zu Beginn des Studiums zu rekrutieren und mit einfacheren Aufgaben ins Boot zu holen, damit sie mit der Thematik vertraut werden.» Die nötige Konstanz ermöglicht eine Kerngruppe. Damit bietet das Zurich UAS Racing Team ein interdisziplinäres und praxisorientiertes Lernfeld, wie es kein Lehrbuch schafft. Das Resultat an den Rennen ist dabei nur zweitrangig. Rahel Lüönd

Sie produzieren Convenience Food statt Food Waste

Die Idee für Hängry Foods blinkte in den Köpfen von Ximena Franco und Sophia Graupner erstmals Ende 2021 auf. «Wir erzählten unserem Umfeld in den Weihnachtsferien davon und merkten: Die Idee kommt an», sagt Franco, die mit Graupner Lebensmitteltechnologie an der ZHAW studiert – beide stehen kurz vor Abschluss ihres Studiums. 2022 arbeiteten sie die Idee für Hängry Foods weiter aus: «Wir wollten überschüssige Lebensmittel retten und leckeres, gesundes, abwechslungsreiches Convenience-Food anbieten», sagt Graupner. «Wir wollten überschüssige Lebensmittel retten und leckeres, gesundes, abwechslungsreiches Convenience-Food anbieten.» Sophia Graupner, Co-Gründerin Hängry Foods Bald stiess Mitstudent Valentin Holenstein dazu, und zu dritt steckten sie alle Ressourcen, die neben dem Studium blieben, in Hängry Foods. Mit Erfolg: Sie wurden nicht nur ins Sustainable Impact Program der ZHAW aufgenommen, mit dem die Hochschule Nachhaltigkeitsprojekte von Studierenden fördert, sondern gewannen bei der alljährlichen ZHAW Startup Challenge 2022 den ersten Preis und erhielten einen Arbeitsplatz im Runway Startup Incubator, wo sie auch gecoacht wurden. Nach einer Testphase, in der sie ihre Menüs kochten und an Kunden brachten, wollen sie nun mit Industriepartnern zusammenarbeiten: «Auf der einen Seite geben uns Industriepartner ihre nicht mehr benötigten Nebenströme, damit wir diese zu Produkten weiterverarbeiten können. Ausserdem erhalten wir von Industriepartnern leicht fehlerhaftes Gemüse, das bei der Warenannahme aus verschiedensten Gründen aussortiert wurde», erklärt Graupner. Diese Produkte verkaufen sie einerseits als Halbfabrikate, vorrangig an die Gastronomie, beispielsweise in Form geschnittener Tiefkühlkarotten. «Es war ein grosser Vorteil, dass wir unser Startup während des Bachelorstudiums gegründet haben.» Ximena Franco, Co-Gründerin Hängry Foods Oder sie stellen die Komponenten zu einem Menü zusammen und verkaufen sie als Fertiggericht zum Aufwärmen. «Aktuell befinden wir uns in vielen Gesprächen und planen, auf Herbst 2023 marktreif zu sein.» Da Food Waste für viele Unternehmen zwar wichtig, aber auch mit Vorurteilen behaftet ist, bietet Hängry Foods auch diesbezüglich Beratungen an. «Es war ein grosser Vorteil, dass wir unser Startup während des Bachelorstudiums gegründet haben», sagt Franco. So hätten sie nicht nur neues Wissen direkt einarbeiten, sondern auch Unterstützungsangebote der ZHAW nutzen können. «Daneben brauchten wir Motivation, Fokus, Herzblut und durften vor allem den Spass nicht verlieren – sonst wäre es unmöglich gewesen, so viel Arbeit, Zeit und Nerven reinzustecken», so Graupner. Kathrin Reimann

Überzeugende Ideen zum Blühen bringen

Nicht ewig reden, sondern wagen: Das rät Helmut Grabner jungen Menschen, die ein Startup gründen möchten. «Man muss Entscheidungen treffen und kann aus Fehlern lernen.» Der Professor für Data Analysis and Machine Learning hat selbst eine Firma aufgebaut. An der School of Engineering gibt er seine Erkenntnisse weiter. Zusammen mit Philipp Ackermann und Matthias Rosenthal, die ebenfalls langjährige Erfahrungen als Unternehmer mitbringen, leitet er die Entrepreneurship Initiative . Seit einem Jahr unterstützt diese gezielt Studierende sowie Mitarbeitende, die eine innovative Geschäftsidee umsetzen wollen. Sie tut dies nach dem Grundsatz «Lernen von Vorbildern». Die Initiative vermittelt den Teilnehmenden Startup-erfahrene Mentorinnen und Mentoren, schult sie in unternehmerischem Denken und Handeln und leistet Brückenfinanzierungen. Sie vernetzt innovative Personen zudem über die School of Engineering hinaus. Sie schliesst sich dazu auch bestehenden Programmen sowie Veranstaltungen der ZHAW an und engagiert Alumni für das Mentoring-Programm oder als Lehrbeauftragte. «Wir bringen überzeugende Ideen zum Blühen», sagt Grabner. Die drei Dozenten illustrieren ihre Tätigkeit mit dem Bild einer Giesskanne, welche Pflanzen mit Nahrung versorgt. Eine blaue Giesskanne ist nicht nur auf den verschiedenen Unterlagen zu sehen, sondern auch als Giveaway zu haben. Sie ist mit dem Slogan «Machen ist wie wollen, nur krasser» bedruckt. Um ein Unternehmen zu gründen und erfolgreich zu führen, braucht es Leidenschaft und Durchhaltewillen. Man arbeitet viel und hart. «Man muss für seine Idee brennen», sagt Helmut Grabner. Er betont, dass den Studierenden ein realistisches Bild vom Entrepreneur-Dasein vermittelt werde. «Wir spielen mit offenen Karten.» Die Initiative betreut zurzeit sechs Teams. An der jährlichen ZHAW Startup Challenge platzierten sich im Mai Studierende der School of Engineering auf den ersten drei Rängen – zwei davon sind zudem Teil der Entrepreneurship Initiative des Departements. «Das bestärkt uns, das Potenzial, das wir im Bereich Entrepreneurship haben, weiter auszubauen», zeigt sich Helmut Grabner begeistert. «Unternehmerische Fähigkeiten sind nicht nur für ein eigenes Startup wertvoll.» Helmut Grabner, Entrepreneurship-Initiative der School of Engineering Unternehmerisches Denken soll auch in den Studiengängen mehr Gewicht erhalten. «Wir nehmen das Thema in Curricula auf», sagt Grabner. Interessierte können in fächerübergreifenden Modulen zusätzliche Credits erwerben, werden von Mentorinnen und Mentoren betreut und erhalten am Ende des Studiums ein Zertifikat. Ab dem Herbstsemester 2023 ist dies vorerst in den Fachrichtungen Aviatik, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen möglich. Nach der Pilotphase werden weitere Studienrichtungen hinzukommen. «Unternehmerische Fähigkeiten sind nicht nur für ein eigenes Startup wertvoll», sagt Grabner. Mitarbeitende, die aktiv selbst Verantwortung übernähmen, seien in der Berufswelt insgesamt sehr gefragt. Eveline Rutz

«Vorerst steht für uns der soziale Impact im Vordergrund»

Kutane Leishmaniose ist in unseren Breitengraden wohl den wenigsten ein Begriff. Im Äquatorialgebiet sei die Krankheit jedoch stark verbreitet, erzählt Ian Häusler, Mitgründer von DermatoTherma. Derzeit gebe es mindestens 12 Millionen Betroffene. Ausgelöst durch den Stich der Sandmücke, nistet sich der Parasit in den unteren Hautschichten ein und bildet geschwürartige Wunden. «Bisher wird die Krankheit mit einem Medikamentencocktail behandelt, der einer Chemotherapie gleicht», sagt Mitgründer Davide Paparo. «Das einzige bisher zugelassene Gerät ist sehr teuer, schwer und kann zu Verbrennungen zweiten Grades führen.» Davide Paparo, Mitgründer DermatoTherma Mit dem Hyperthermiegerät von DermatoTherma hingegen werden die betroffenen Körperstellen 30 Sekunden lang auf 50 Grad erwärmt, sodass der Parasit abstirbt. Dass eine Hyperthermiebehandlung dieser Krankheit möglich ist, war bereits bekannt. Kutane Leishmaniose ist jedoch eine sogenannte vernachlässigte Krankheit: Wegen geringer Profitaussichten wird ihr von der medizinischen Forschung und der Pharmabranche wenig Beachtung geschenkt. «Das einzige bisher zugelassene Gerät ist sehr teuer, schwer und kann zu Verbrennungen zweiten Grades führen», erklärt Paparo. Im Auftrag der Non-Profit-Organisation DNDi (Drugs for Neglected Diseases initiative) stellten sich die beiden Systemtechnikstudenten der Herausforderung, im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ein sicheres und erschwingliches Gerät zu entwickeln. Dazu optimierten sie die Hardware und fanden eine Methode, um die Temperatur konstant zu halten und Verbrennungen zu verhindern. Das Ergebnis überzeugt: Mit ihrem Businessplan sicherten sie sich bereits Fördergelder von der Gebert Rüf Stiftung (siehe Box) und von BRIDGE , einem Programm des Schweizerischen Nationalfonds und von Innosuisse, sowie Unterstützung vom ZHAW Sustainability Booster , einem Programm für nachhaltige Startup-Gründungen. «Hoch dekorierte Fachleute von renommierten Institutionen um Geld zu bitten, machte uns sehr nervös», gesteht Paparo, «aber der Gewinn dieser Wettbewerbe ist natürlich die beste Bestätigung für unsere Arbeit.» Mit den Geldern will das Team bis im Sommer das finale Gerät fertigstellen und dann die medizinische Zertifizierung durch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA erreichen. Bis Februar 2024 sei das Ziel, weitere 1,8 Mio. Franken zu akquirieren, um die ersten Geräte herzustellen und zusätzliche Mitarbeitende einzustellen. Venturekapital versuchen die beiden jedoch möglichst zu umgehen. «Wir befürchten, dass Venturekapitalisten uns drängen würden, allzu schnell auf profitablere Märkte umzusteigen», erklärt Paparo. Das Hyperthermieverfahren wird auch in anderen Bereichen eingesetzt, etwa als Anti-Falten-Therapie. «Längerfristig planen wir tatsächlich auch, in weitere Märkte zu diversifizieren, aber vorerst steht für uns der soziale Impact im Vordergrund.» «Unser Tipp für andere Gründungswillige: Einfach machen.» Ian Häusler, Mitgründer DermatoTherma Ihren Erfolg verdanken sie gemäss Häusler vor allem ihrer Motivation und ihrem Engagement: «Wir haben ein Ziel vor Augen und arbeiten unermüdlich darauf hin.» Paparo räumt ein, dass sie dank den Fördergeldern auf keine Brötchenjobs angewiesen sind. Während Häusler neben DermatoTherma den Masterstudiengang Medizinaltechnik absolviert, widmet sich Paparo ausschliesslich dem Jungunternehmen. «Die Non-Profit-Organisation DNDi ist ein renommierter Partner und hilft uns, Kontakte zu knüpfen. Und an der ZHAW haben wir Arbeits- und Laborplätze sowie Ansprechpersonen fachlicher wie unternehmerischer Art.» Nichtsdestotrotz sei ein überzeugendes Produkt aber das A und O. Ihr Tipp an andere? «Einfach machen!», rät Häusler. In den vergangenen Monaten haben die beiden mehrere Kurse für Jungunternehmende besucht und enorm davon profitiert. «Wer hätte gedacht, dass wir bereits vor Markteintritt von interessierten Unternehmen kontaktiert würden?», sagt Paparo. So haben die beiden alle Hände voll zu tun. 2024 ist der Markteintritt geplant. 2026 soll DermatoTherma profitabel sein. Weitere Projekte, wie etwa Daten über Hauteigenschaften sammeln, sind bereits angedacht. Zunächst soll aber das Gerät in einem der betroffenen Gebiete an Menschen getestet werden. Organisiert wird diese Studie von DNDi, die beiden Gründer wollen sich diese Eindrücke aber nicht entgehen lassen. «Wir gehen mit als technischer Dienst», schmunzelt Häusler. «… und nehmen ganz viel Mückenspray mit», ergänzt Paparo. Sara Blaser

Gründerinnen speziell unterstützen

Nur einem von fünf Startups steht in der Schweiz heute eine Frau vor. «Die Zahl wächst zwar», sagt Vanessa Mohrig von der ZHAW-Fachstelle Entrepreneurship, die bei Startup Campus für Marketing und Community Building zuständig ist. «Aber längst nicht so schnell, wie wir uns das wünschen würden.» Hürden gibt es viele: So hätten Frauen häufiger mit dem sogenannten Imposter-Syndrom zu kämpfen, würden also trotz beachtlichem Leistungsausweis und beruflichem Erfolg eher an ihren Fähigkeiten zweifeln als Männer. «Die Gespräche mit Unternehmerinnen drehen sich mehr um die Chancen des Scheiterns als um das Potenzial einer Idee.» Vanessa Mohrig, Fachstelle Entrepreneurship Gleichzeitig begegnen Investoren – und auch Investorinnen – Firmengründerinnen oftmals voreingenommener und stellen ihre Projekte mehr infrage; weiblich geführte Startups erhalten deutlich weniger Risikokapital. «Die Gespräche mit Unternehmerinnen drehen sich mehr um die Chancen des Scheiterns als um das Potenzial einer Idee», kritisiert Mohrig. Nicht zuletzt zeige sich im privaten Umfeld vieler Frauen zwar zweifelsfrei, dass diese Kontakte zu knüpfen und zu pflegen wüssten – am Zugang zu beruflichen, nach wie vor männerdominierten Netzwerken hapert es aber weiterhin. Genau darum haben die Fachstelle Entrepreneurship und der Impact Hub Zürich das Projekt Female Founders ins Leben gerufen: Die Initiative will Unternehmerinnen fördern und ihnen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen. Sie bündelt ganz unterschiedliche Wege, wie sich Gründerinnen informieren und vernetzen, austauschen und weiterentwickeln können. Dazu zählen Social-Media-Communities auf LinkedIn oder Instagram, Workshops, Vorträge und Wissenseinheiten bis hin zu sozialen Anlässen und einem Förderprogramm. Zu den Angeboten gehört etwa ein monatlicher Co-Working-Morgen für Gründerinnen im Impact Hub, an dem man nicht nur gemeinsam arbeiten, sondern aus dem man sich auch ein sogenanntes Learning Nugget mitnehmen kann, eine kompakte Wissenseinheit zu einem Startup-Thema also. Im Podcast der Initiative wiederum erzählen erfolgreiche Unternehmerinnen ihre Gründungsgeschichte. Nicht zuletzt sorgt auch die Female Founders Map für mehr Sichtbarkeit: eine interaktive Karte, auf der heute schon über 500 Gründerinnen und Startups nach Branchen geordnet aufgeführt sind, wie Mohrig sagt. «Und jeden Monat kommen gut zwanzig neue Gründerinnen dazu.» Ümit Yoker

Sustainability Booster: Green Metals will Edelmetalle aus Müll zurückgewinnen

«Wer sich für den Kurs anmeldet, muss nicht zwingend eine eigene fertige Idee mitbringen», sagt Mélanie Binggeli von der ZHAW-Fachstelle Entrepreneurship, die für das Programm ZHAW Sustainability Booster verantwortlich ist. Ähnlich wie in den Startup-Trainings von Startup Campus würden auch in diesem Format Geschäftskonzepte identifiziert und auf ihre Machbarkeit hin evaluiert. Workshops und Coachings behandeln rechtliche, finanzielle oder marketingspezifische Fragen der Unternehmensgründung und zeigen auf, wo und wie sich nachhaltige Unternehmen von anderen unterscheiden. So widmet sich das Programm zum Beispiel der Frage, worauf Kapitalgebende besonders achten, wenn sie in nachhaltige Startups investieren, wie Binggeli ausführt. Am Ende erwartet die Teilnehmenden ein Wettbewerb – die Startups mit den vielversprechendsten Geschäftsideen erhalten sechs Monate Support im Runway Startup Incubator, einen Geldpreis und die Teilnahme an einer Nachhaltigkeitskonferenz. Für Bianka Grosshäuser waren gerade die Safaris, wie die Besuche bei nachhaltigen Startups genannt werden, eine sehr bereichernde Erfahrung. «Einen solchen Einblick zu erhalten und vor Ort Fragen stellen zu können, hat mir viel gebracht», sagt die promovierte Biochemikerin, die vergangenes Jahr am Sustainability Booster teilgenommen hat. Mit Green Metals arbeitet Grosshäuser inzwischen an ihrem eigenen Startup und hat dafür auch schon einen potenziellen Partner gefunden. Der Fokus des Unternehmens ist die Rückgewinnung von Edelmetallen im Müll. «Noch immer landen Materialien wie Kupfer, Silber oder Aluminium häufig im gewöhnlichen Haushaltsabfall», erklärt die Jungunternehmerin. Kehrichtverwertungsanlagen könnten diese aber meist nur zu etwa zwei Dritteln wieder aus der Abfallschlacke extrahieren. Gerade sehr kleine Metallkörner liessen sich mit gängigen Aufbereitungsverfahren schwer herausfiltern. Green Metals will künftig mit eigens entwickelten Installationen dazu beitragen, dass diese wertvollen Rohstoffe vollständig zurückgewonnen und wiederverwendet werden können. Derzeit ist Grosshäuser dabei, den Markt zu sondieren und sich einen Überblick über die zahlreichen, sich stetig ändernden Regulierungen in der Branche zu verschaffen, wie sie sagt. Liessen sich Edelmetalle dereinst im grossen Stil extrahieren, könnten auch mit der zurückgebliebenen Schlacke ganz neue Wege beschritten werden, gibt die Gründerin zu bedenken. Diese Abfallrückstände wären dann nicht mehr ein Kostenfaktor – weil sie eben auch nicht mehr auf einer Deponie gelagert werden müssten, sondern zu brauchbarem Material würden, das etwa im Strassenbau eingesetzt werden könnte. Ümit Yoker

Startup-Trainings: Firmengründung von der Pike auf

Warum möchte ich ein Produkt lancieren? Wie verkaufe ich meine Geschäftsidee? Was möchte ich auf dem Markt, ja auf der Welt bewirken? Wie stelle ich ein gutes Team zusammen? In Startup-Trainings lernen Unternehmerinnen, Unternehmer und solche, die es werden wollen, wie man ein eigenes Startup gründet und führt, und knüpfen Kontakte mit potenziellen Co-Foundern, Investorinnen und Branchenfachleuten. Die Startup-Trainings sind ein Angebot von Startup Campus und dem Impact Hub Zürich. Am Ende werden die erarbeiteten Geschäftsmodelle beziehungsweise konkreten Businesspläne vor Fachleuten und Investoren präsentiert, so Matthias Filser, welcher Startup Campus leitet. Die vielversprechendsten erhalten unter anderem für sechs Monate einen Platz im Runway Startup Incubator inklusive Beratung sowie Förderung und werden mit einer Impact-Hub-Membership sowie Preisgeldern prämiert. «Die eigene Geschäftsidee kurz und prägnant auf den Punkt bringen», das nennt Moritz Keller ganz klar eine der wichtigen Lehren, die er aus den Startup-Trainings mitgenommen habe. Gemeinsam mit Charles Gerike-Roberts hat er kürzlich die Firma KohlenKraft gegründet. Die beiden ZHAW-Masterstudenten entwickeln klimapositive Baumaterialien, Stoffe also, die mehr CO 2 aus der Luft binden als für ihre Herstellung aufgewendet werden muss. Im Mai haben sie mit ihrem Konzept die jährlich stattfindende ZHAW Startup Challenge gewonnen und damit einen mehrmonatigen Aufenthalt im Runway Startup Incubator. Als Erstes wollen Keller und Gerike-Roberts nun einen Verputz auf den Markt bringen, der statt Sand Pflanzenkohle verwendet. Keller hat sich schon während seines Studiums an der ZHAW mit diesem Material beschäftigt. «Pflanzenkohle wird in erster Linie produziert, um möglichst viel Kohlendioxid zu speichern», erklärt der 34-Jährige. Wo man diese schliesslich einsetzen könnte, sei bisher zweitrangig gewesen. Gerade als Verputz aber könnten grosse Mengen davon nutzbar gemacht werden, und mit ihren Eigenschaften als wasserfestes, beständiges Material, das Gifte aus der Luft absorbieren kann, sei Pflanzenkohle dafür geradezu ideal. «Auch das haben wir gelernt: Flexibilität ist unabdingbar.» Charles Gerike-Roberts, Co-Gründer KohlenKraft «Ursprünglich wollten wir eigentlich mit Isolationsmaterial beginnen», ergänzt Gerike-Roberts. Doch die Gespräche mit Architekten und anderen Fachleuten im Rahmen der Startup-Trainings hätten rasch gezeigt, dass sich Verputz für den Markteintritt besser eignet: Die Herstellung ist unkomplizierter und es sind weniger Zertifizierungen nötig. Auch das, sagt Gerike-Roberts, hätten sie beide gelernt: «Flexibilität ist unabdingbar.» Gerade haben die beiden Jungunternehmer den Verputz nun an verschiedenen Fassaden angebracht, am Gartenhaus des Vermieters von Keller etwa sowie an einer Berghütte im Tessin, und sie untersuchen nun, wie sich das Material unter den unterschiedlichen Bedingungen verhält. «Wenn alles nach Plan läuft», sagt Gerike-Roberts, «möchten wir irgendwann gerne eine ganze Reihe von Baumaterialien entwickeln und diese auch selbst produzieren.» Ümit Yoker

Vom Lab aus nach Indien

«Das Academia-Industry Training India baut Brücken zwischen den Startup-Ökosystemen in der Schweiz und Indien», sagt Doris Hysek, die Leiterin des Leading House South Asia and Iran an der ZHAW. Das Programm ist ein innovationsbasiertes Förderinstrument des Leading House, das junge Forschende aus der Schweiz unterstützt, die ihre Forschungsresultate zu marktfähigen, innovativen Produkten und Lösungen entwickeln und sich neben dem Schweizer auch für den indischen Markt interessieren. Im Zentrum stehen angewandte Forschung und Innovation. Das Leading House ist vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mit der Umsetzung des Academia-Industry Training (AIT) India mandatiert. Für dessen Durchführung arbeitet es mit namhaften Partnern zusammen: Swissnex in India, Venturelab und Swiss-Indian Chamber of Commerce. Das Programm richtet sich an junge Forschende von Schweizer Fach- und Pädagogischen Hochschulen, Universitäten, Forschungsinstitutionen sowie von Technologiekompetenzzentren. «AIT India ermöglicht den Sciencepreneurinnen und Sciencepreneuren, ihr internationales Netzwerk auszubauen, ihr unternehmerisches Potenzial zu schärfen und sich speziell mit dem vielversprechenden, aber anspruchsvollen Markt Indien auseinanderzusetzen», so Hysek. Für das AIT werden in einem kompetitiven Verfahren 10 Sciencepreneurinnen und Sciencepreneure ausgewählt. Herzstück des Programms sind die Camp-Wochen in der Schweiz (Lausanne und Zürich) und Indien (Delhi und Bangalore). Zusammen mit Coaches und Fachleuten entwickeln die Teilnehmenden ihre Projekte und Businesspläne sowie ihr unternehmerisches Profil weiter. «Für uns als Schweizer Startup ist der indische Markt in seiner Dimension sehr interessant.» Anand Verma, Gründer und CEO Perovskia Solar In länderspezifischen Workshops und bei Unternehmensbesuchen erfahren sie mehr über das jeweilige Ökosystem. Sie knüpfen Kontakte in die Industrie, zu anderen Entrepreneurinnen und Entrepreneuren und neuen Partnern. So etwa Anand Verma, Gründer und CEO des Cleantech-Startups Perovskia Solar aus dem Kanton Waadt, dessen digitale Nanodrucktechnologie die Herstellung individualisierter Solarzellen ermöglicht, die sich in jedes Smart-Device-Design integrieren lassen: «Die Woche in Indien war hervorragend organisiert. Durch meine Teilnahme haben wir zudem vier neue Kunden gewinnen können. Für uns als Schweizer Startup ist der indische Markt in seiner Dimension sehr interessant.» In mehreren Pitch-Sessions schärfen die Teilnehmenden darüber hinaus ihre Präsentationstechnik, um später mögliche Investorinnen und Investoren zu überzeugen. Das kommt ihnen auch am Ende des Programms zugute, denn dort konkurrieren sie um zwei Innovation Grants in der Höhe von je 10’000 Franken. Diese werden in einer finalen Pitch-Session von einer Fachjury an die beiden vielversprechendsten Startups vergeben, um die Weiterentwicklung ihrer Forschung zu marktfähigen Produkten und Lösungen sowie die Internationalisierung zu fördern. «Wir werden den Grant nutzen, um unseren ersten Monitoringeinsatz in Indien zusammen mit lokalen Partnern finanziell zu unterstützen.» Panagiotis Martakis, Gründer und Geschäftsführer Irmos Technologies Zuletzt gingen die beiden Grants an Perovskia Solar sowie Irmos Technologies, ein Startup, dessen Softwarelösung und kostengünstige Sensoren ein zuverlässiges Monitoring des baulichen Zustands von Gebäuden und Brücken ermöglichen. «Wir werden den Grant nutzen, um unseren ersten Monitoringeinsatz in Indien zusammen mit lokalen Partnern finanziell zu unterstützen», erklärt Panagiotis Martakis, Gründer und Geschäftsführer des Zürcher Startups. Basierend auf dem erfolgreichen Abschluss des Pilotprojekts, rechnet das Startup mit der Möglichkeit, die Tätigkeit in Indien auszuweiten. Impressionen aus der Camp-Woche in Dehli und Bangalore Nicole Minder

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