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Von frischem Bier und Ergotherapie bei Krebs

Wie ein Bier aussieht, sagt viel über seine Qualität aus. Je nach Inhaltsstoffen sind Farbe, Trübheit und Fluoreszenz anders ausgeprägt. Ein frisches Bier absorbiert Licht beispielsweise anders als ein abgestandenes. Optische Verfahren eignen sich denn auch dazu, die Qualität eines Getränks festzustellen. «Sie ermöglichen es, schnell und kostengünstig zu einem Resultat zu gelangen», sagen Elias Angehrn und Luca Scheuss, welche einen Multisensor für Bierqualität gebaut haben. Die Elektrotechniker haben ein bestehendes Gerät weiterentwickelt, mit dem sich Merkmale von Wasser erheben lassen, und eine Software programmiert. Ihr Prototyp enthält eine Lichtquelle, eine Linse sowie verschiedene Detektoren. Er strahlt die eingefüllte Flüssigkeit in verschiedenen Wellenlängen an und misst, wie viel Licht hindurchkommt. Aus dem Verhältnis bestimmt er schliesslich den Farbwert und die Trübung einer Probe. Das Messgerät funktioniere gut, sagt Luca Scheuss zufrieden. «Wie sich Photonik praktisch nutzen lässt, ist faszinierend.» Die Bachelorabsolventen sehen Potenzial darin, die Rolle der Fluoreszenz weiter zu erforschen. «Sie könnte zur Qualitätssicherung bei Bieren an Bedeutung gewinnen.» Ihre Entwicklung verstehen sie als Alternative zu den teuren Prüfgeräten, die vor allem in grossen Brauereien eingesetzt werden. «Das praktische Gerät kann gerade für Personen hilfreich sein, die hobbymässig Bier brauen.» Das Facility Management erbringt in Spitälern viele Leistungen und ist für einen Drittel der Kosten verantwortlich. Dennoch wird es kaum einbezogen, wenn es um die digitale Transformation geht. Der Fokus liegt meist auf dem medizinischen, therapeutischen sowie pflegerischen Bereich. «Man ist sich noch zu wenig bewusst, wie stark das Personal entlastet würde, wenn Prozesse des Facility Management digitalisiert würden», sagt Jelena Ašanin. Das sei ­– gerade angesichts des Fachkräftemangels – bedauerlich. Digitalisierungsprojekte seien kostenintensiv, räumt die ZHAW-Absolventin ein. Man müsse Fachleute engagieren und in die Weiterbildung der Mitarbeitenden investieren. Das sei eine Hürde: «Spitäler stehen sowieso schon unter einem hohen finanziellen Druck.» Um digital voranzukommen, ist es gemäss Ašanin entscheidend, dass die Spitalleitung die Transformation fördert und unterstützt. Zudem muss eine geeignete IT-Infrastruktur zur Verfügung stehen, und alle Beteiligten sollten sich der Vorteile der Digitalisierung bewusst sein. Die verschiedenen Berufsgruppen sollten in einer Projektgruppe eingebunden werden. «Derart einschneidende Veränderungen lassen sich in einem Spital nicht von heute auf morgen realisieren. Es braucht eine Vision, der man sich Schritt für Schritt annähern kann.» Nicht notwendig seien hingegen spezielle Anreize oder Entschädigungen. Die befragten ICT-Führungskräfte seien grundsätzlich bereit, im nichtmedizinischen Bereich mehr zu digitalisieren. Sie müssten dafür aber das notwendige Personal und Geld erhalten. Um sie vor Keimen oder einer Infektion zu schützen, werden Menschen mit einer hämatologischen Krebserkrankung phasenweise isoliert. So etwa nach einer Stammzellentransplantation. Die Isolation wirkt sich einerseits auf das Befinden der Betroffenen aus. Viele fühlen sich einsam, eingesperrt sowie in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Gleichzeitig sind sie sich ihres geschwächten Zustands bewusst und schätzen es, speziell geschützt zu werden. Andererseits erschweren die strengen Hygienemassnahmen die Arbeit des Pflegepersonals und verringern die Therapiemöglichkeiten. «Die Schwierigkeiten sind vielfältig», stellen Alice Dumas und Zoë Maradan fest. Welche Unterstützung eine Person brauche, sei entsprechend individuell. Die Bachelorabsolventinnen zeigen anhand von acht Enablement Skills (Adapt, Advocate, Coach, Consult, Design/Build, Educate, Engage und Specialize) auf, wie sich Ergotherapeutinnen und -therapeuten einbringen können. «Betroffene haben viele Ressourcen», betont Alice Dumas. Diese gelte es zu stärken. Die meisten Patientinnen und Patienten sind etwa optimistisch eingestellt und schöpfen Kraft aus dem Kontakt mit Angehörigen. Sie profitieren davon, wenn sie sich auch in der Isolation mit Dingen beschäftigen können, die ihnen Freude bereiten. Die Ergotherapie kann ihnen helfen, ihnen wichtige Beschäftigungen der Situation anzupassen. «Es geht weniger um funktionelle Aktivitäten», betont Zoë Maradan. Mehr Gewicht hätten emotionale Aspekte. Mitarbeitende der verschiedenen Disziplinen seien gefordert, sich gut auszutauschen und zu ergänzen. Eveline Rutz

Mehr Spass beim Üben

Man bewegt sich mitten durch eine Stadt ‒ vorbei an modernen Häuserfronten, über einen der Himmel. Mal muss man sich ducken, mal in die Höhe springen. Mal steht man auf einem Bein, mal gilt es, vorbeiziehende Punkte anzutippen. Die Aufgaben werden anspruchsvoller, der Ehrgeiz erwacht. Spätestens im «Dome», wo man rasch wechselnde Farbflächen «erwischen» muss, gerät man ins Schwitzen. Wer mit «The Dome» in einem ExerCube trainiert, wird herausgefordert. Ein ExerCube ist wie ein grosser Würfel, bei dem Nutzerinnen und Nutzer von drei Video-Wänden umgeben sind und als Hauptfiguren in einem Videospiel agieren und dabei trainieren. «Das Spiel ‘The Dome’ ist kognitiv und körperlich anspruchsvoll», sagt Eveline Graf , Leiterin des Bewegungslabors am ZHAW- Institut für Physiotherapie . «Es motiviert einen spielerisch dazu, einzelne Bewegungen immer wieder zu repetieren.» In der Rehabilitation nach Knieverletzungen, wofür das Game konzipiert ist, kommt man darum nicht herum. «Es motiviert einen spielerisch dazu, einzelne Bewegungen immer wieder zu repetieren.» Eveline Graf, Leiterin des Bewegungslabors an der ZHAW Bevor man in die virtuelle Welt eintaucht, werden an Hand- und Fussgelenken Tracker befestigt. Sie ermöglichen es den Kameras, die Bewegungen einzufangen. Dann positioniert man sich auf einer Markierung zwischen den drei Wänden, streckt die Arme aus und lässt so seine Körpergrösse feststellen. Nun kann das Spiel starten. «Es beinhaltet typische physiotherapeutische Übungen, die nach einem Kreuzbandriss wichtig sind», sagt Michelle Haas , wissenschaftliche Mitarbeiterin. Neben der Stabilität werden Agilität und Tempo trainiert. Wie gut dies gelingt, meldet das Game optisch und akustisch zurück. Abschliessend listet es die erbrachte Leistung detailliert auf. Das Game richtet sich an Menschen, die das Kreuzband verletzt haben und in der Rehabilitation fortgeschritten sind. Das Exergame «The Dome» ist vom ZHAW- Departement Gesundheit zusammen mit dem Departement Design der ZHdK und der Sphery AG entwickelt und von der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH) finanziert worden. Es richtet sich an Menschen, die das Kreuzband verletzt haben und in der Rehabilitation fortgeschritten sind. Sie sind mit den Übungen vertraut und befinden sich in der Phase, bevor sie das ordentliche Training wieder aufnehmen können. «Häufig fehlt ein Trainingsplan für diesen Übergang», sagt Michelle Haas, die ihre Masterarbeit zu dem Projekt geschrieben hat. Entsprechend hoch sei die Gefahr, sich erneut zu verletzen. Dass sich das Spiel Knieverletzungen widmet, hat damit zu tun, dass diese in vielen Sportarten vorkommen und sehr häufig sind. Sie seien einschneidend und erforderten neun bis zwölf Monate Therapie, sagt Projektleiterin Graf. «Viele Sportlerinnen und Sportler erreichen nicht ihr ursprüngliches Niveau.» «The Dome» hilft Betroffenen, an Sicherheit zu gewinnen. Es animiert sie dazu, auch einmal ans Limit zu gehen. Das digitale Tool spricht mehrere Sinne an. Die Trainierenden sind verschiedenen Reizen ausgesetzt und werden abgelenkt, sodass das verletzte Knie vergessen geht. Ihre Bewegungen fallen weniger kontrolliert aus als in einer klassischen Physiotherapiesitzung. Im ExerCube kommen sie realen Situationen etwa auf dem Fussball- oder Tennisplatz nahe. «Das Game schliesst eine Lücke in der Rehabilitation», betont Eveline Graf. Es bereite Menschen auch mental darauf vor, in ihren Sport zurückzukehren. Angesprochen würden nicht nur Profis, sondern auch Breitensportlerinnen und -sportler. «Exergames können eine klassische Physiotherapie ergänzen», fährt die Wissenschaftlerin vor. «Sie können die Intensität des Trainings erhöhen.» Die Aufgabe der Therapeutinnen und Therapeuten sei es, ein Spiel der individuellen Situation angepasst einzusetzen. «The Dome» verfügt aktuell über drei Levels. Dereinst könnte es sich dem Fortschritt der Nutzerinnen und Nutzer laufend anpassen. Die Projektpartner verfolgen ihr 2021 gestartetes Projekt «ExerUP» weiterhin. Sie wollen unter anderem erforschen, wie wirksam und attraktiv das Spiel ist. Und Eveline Graf stellt zufrieden fest: «Wir erhalten begeisterte Reaktionen – das Training macht Spass.» Spielerisch vorankommen sollen ebenso Kinder, die beim Schreiben Schwierigkeiten haben. Sie sollten an sich intensiv üben, fänden dies aber oft langweilig und mühsam, sagt Frank Wieber, stellvertretender Leiter der Forschung am ZHAW- Institut Public Health . «Was sie tun sollten und tatsächlich tun, geht zuweilen weit auseinander.» Ein Serious Game könne sie motivieren, ihre grafomotorischen Fähigkeiten regelmässig zu trainieren. «Auch wenn wir im Alltag immer mehr digital erledigen, bleibt das Schreiben von Hand zentral.» Frank Wieber, ZHAW-Institut Public Health Es lohne sich, Schreibschwierigkeiten früh anzugehen, betont Annina Zysset , wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie zählten zu den häufigsten Lernstörungen. Sie erschwerten es Schulkindern, dem Unterricht zu folgen und sich zu beteiligen. Sie könnten darüber hinaus zu emotionalem Frust und einem geringen Selbstwert führen. «Je früher man sie behandelt, desto besser.» Ein interdisziplinäres Team der ZHAW, der ZHdK und der PH Zürich hat dafür die «Konditorei Kritzel» entwickelt; es ist dabei von der Digitalisierungsinitiative des Kantons DIZH finanziell unterstützt worden. Das Spiel regt dazu an, Schwungübungen möglichst genau, mit passendem Druck und in einer gewissen Zeit auszuführen. Am Tablet gilt es, eine mehrstöckige Torte zu verzieren. Die Muster wechseln von Etage zu Etage, zuweilen kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Ist das Werk vollendet, muss es noch ausgeliefert werden. Auf einer Karte ist der Weg zur entsprechenden Adresse einzuzeichnen. Damit die Spielenden dranbleiben, erhalten sie laufend Feedbacks. Für gute Leistungen werden sie belohnt. Sie haben Erfolgserlebnisse und machen die Erfahrung, dass sie weiterkommen. «Auch wenn wir im Alltag immer mehr digital erledigen, bleibt das Schreiben von Hand zentral», sagt Frank Wieber. Es helfe, Wissen zu festigen und wiederzugeben. Dass regelmässiges Training zu Verbesserungen führe, sei wissenschaftlich gut dokumentiert. Ein Game könne zudem dazu beitragen, Schreibschwierigkeiten zu entstigmatisieren. Es sei attraktiv und unterhaltsam: «Alle wollen es spielen – auch Kinder ohne Problem.» «Konditorei Kritzel» sei bewusst niederschwellig konzipiert, ergänzt Annina Zysset. Das Spiel passe sich individuell an und könne von Lehrpersonen ohne weiteren Aufwand eingesetzt werden. Es brauche kaum Instruktionen und funktioniere ohne Internetverbindung oder persönliche Accounts. Das digitale Tool soll zunächst in der Schule zum Einsatz kommen. Es ist zeitlich limitiert; nach 20 Minuten wird ein Level abgeschlossen. «Man muss sich gut überlegen, ob man Kinder an einen Bildschirm bringt», sagt Frank Wieber und räumt ein, dass sich ethische Fragen stellen. Beispielsweise haben Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) ein erhöhtes Risiko, ein Suchtverhalten zu entwickeln. Sie haben überdurchschnittlich häufig Mühe mit Schreiben und zählen zur Zielgruppe des Projekts. «Entscheidend ist, wie man die Chancen von Serious Games nutzt», sagt der Psychologe. Das Spiel selbst, aber auch wie es eingesetzt werde, müsse ethisch vertretbar sein. «Konditorei Kritzel» hole die Nutzerinnen und Nutzer auf mehreren Ebenen ab, berichtet Zysset. «Es ist für jeden etwas dabei: für die Kreativen, die Ehrgeizigen und die Spielvögel.» Die Pilotversuche hätten dies bestätigt. Kinder spielten das Game mit Freude – und verbesserten dabei ihre motorischen Fähigkeiten: «Sie üben, ohne sich dessen bewusst zu sein.» Eveline Rutz

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