Von frischem Bier und Ergotherapie bei Krebs

19.09.2023
3/2023

Wie lässt sich die Qualität von Bier optisch messen? Wie digital ist das Facility Management in Spitälern? Was brauchen Menschen, die während einer Krebsbehandlung isoliert sind? Drei Bachelorarbeiten liefern neue Erkenntnisse.

Neues Messgerät für Brauereien

Wie ein Bier aussieht, sagt viel über seine Qualität aus. Je nach Inhaltsstoffen sind Farbe, Trübheit und Fluoreszenz anders ausgeprägt. Ein frisches Bier absorbiert Licht beispielsweise anders als ein abgestandenes. Optische Verfahren eignen sich denn auch dazu, die Qualität eines Getränks festzustellen. «Sie ermöglichen es, schnell und kostengünstig zu einem Resultat zu gelangen», sagen Elias Angehrn und Luca Scheuss, welche einen Multisensor für Bierqualität gebaut haben. Die Elektrotechniker haben ein bestehendes Gerät weiterentwickelt, mit dem sich Merkmale von Wasser erheben lassen, und eine Software programmiert. Ihr Prototyp enthält eine Lichtquelle, eine Linse sowie verschiedene Detektoren. Er strahlt die eingefüllte Flüssigkeit in verschiedenen Wellenlängen an und misst, wie viel Licht hindurchkommt. Aus dem Verhältnis bestimmt er schliesslich den Farbwert und die Trübung einer Probe. Das Messgerät funktioniere gut, sagt Luca Scheuss zufrieden. «Wie sich Photonik praktisch nutzen lässt, ist faszinierend.» Die Bachelorabsolventen sehen Potenzial darin, die Rolle der Fluoreszenz weiter zu erforschen. «Sie könnte zur Qualitätssicherung bei Bieren an Bedeutung gewinnen.» Ihre Entwicklung verstehen sie als Alternative zu den teuren Prüfgeräten, die vor allem in grossen Brauereien eingesetzt werden. «Das praktische Gerät kann gerade für Personen hilfreich sein, die hobbymässig Bier brauen.»

Elias Angehrn (25) und Luca Scheuss (25) haben als Bachelorarbeit ein Gerät entwickelt, mit dem sich die Qualität von Bier messen lässt. Sie haben dabei auf optische Kriterien wie Farbe, Trübung und Fluoreszenz fokussiert. «Es war spannend, in dieses uns zuvor fremde Fachgebiet einzutauchen», sagen die beiden Elektrotechniker, die an der School of Engineering studiert haben. Elias Angehrn arbeitet als Hardware-Ingenieur beim Unternehmen Wagner in Altstätten, Luca Scheuss ist als Software-Ingenieur bei der L. Kellenberger & Co. AG in Goldach tätig.

Wo Spitäler mehr digitalisieren sollten 

Das Facility Management erbringt in Spitälern viele Leistungen und ist für einen Drittel der Kosten verantwortlich. Dennoch wird es kaum einbezogen, wenn es um die digitale Transformation geht. Der Fokus liegt meist auf dem medizinischen, therapeutischen sowie pflegerischen Bereich. «Man ist sich noch zu wenig bewusst, wie stark das Personal entlastet würde, wenn Prozesse des Facility Management digitalisiert würden», sagt Jelena Ašanin. Das sei ­– gerade angesichts des Fachkräftemangels – bedauerlich. Digitalisierungsprojekte seien kostenintensiv, räumt die ZHAW-Absolventin ein. Man müsse Fachleute engagieren und in die Weiterbildung der Mitarbeitenden investieren. Das sei eine Hürde: «Spitäler stehen sowieso schon unter einem hohen finanziellen Druck.» Um digital voranzukommen, ist es gemäss Ašanin entscheidend, dass die Spitalleitung die Transformation fördert und unterstützt. Zudem muss eine geeignete IT-Infrastruktur zur Verfügung stehen, und alle Beteiligten sollten sich der Vorteile der Digitalisierung bewusst sein. Die verschiedenen Berufsgruppen sollten in einer Projektgruppe eingebunden werden. «Derart einschneidende Veränderungen lassen sich in einem Spital nicht von heute auf morgen realisieren. Es braucht eine Vision, der man sich Schritt für Schritt annähern kann.» Nicht notwendig seien hingegen spezielle Anreize oder Entschädigungen. Die befragten ICT-Führungskräfte seien grundsätzlich bereit, im nichtmedizinischen Bereich mehr zu digitalisieren. Sie müssten dafür aber das notwendige Personal und Geld erhalten. 

Jelena Ašanin (31) hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit der Digitalisierung des Facility Management in Schweizer Spitälern befasst. Sie hat selbst 15 Jahre lang in der Anästhesiepflege gearbeitet und kennt den häufig belastenden Spitalalltag gut. «Ich möchte zu Verbesserungen beitragen», sagt sie. Sie hat ICT-Führungskräfte befragt, die Methode des Group Concept Mapping angewandt und kommt zum Schluss: «Das Interesse ist da, es fehlt jedoch an Ressourcen.» Die Absolventin des Studiengangs Facility Management ist zurzeit auf Stellensuche.

Wie die Ergotherapie isolierte Personen unterstützen kann

Um sie vor Keimen oder einer Infektion zu schützen, werden Menschen mit einer hämatologischen Krebserkrankung phasenweise isoliert. So etwa nach einer Stammzellentransplantation. Die Isolation wirkt sich einerseits auf das Befinden der Betroffenen aus. Viele fühlen sich einsam, eingesperrt sowie in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Gleichzeitig sind sie sich ihres geschwächten Zustands bewusst und schätzen es, speziell geschützt zu werden. Andererseits erschweren die strengen Hygienemassnahmen die Arbeit des Pflegepersonals und verringern die Therapiemöglichkeiten. «Die Schwierigkeiten sind vielfältig», stellen Alice Dumas und Zoë Maradan fest. Welche Unterstützung eine Person brauche, sei entsprechend individuell. Die Bachelorabsolventinnen zeigen anhand von acht Enablement Skills (Adapt, Advocate, Coach, Consult, Design/Build, Educate, Engage und Specialize) auf, wie sich Ergotherapeutinnen und -therapeuten einbringen können. «Betroffene haben viele Ressourcen», betont Alice Dumas. Diese gelte es zu stärken. Die meisten Patientinnen und Patienten sind etwa optimistisch eingestellt und schöpfen Kraft aus dem Kontakt mit Angehörigen. Sie profitieren davon, wenn sie sich auch in der Isolation mit Dingen beschäftigen können, die ihnen Freude bereiten. Die Ergotherapie kann ihnen helfen, ihnen wichtige Beschäftigungen der Situation anzupassen. «Es geht weniger um funktionelle Aktivitäten», betont Zoë Maradan. Mehr Gewicht hätten emotionale Aspekte. Mitarbeitende der verschiedenen Disziplinen seien gefordert, sich gut auszutauschen und zu ergänzen. 

Alice Dumas (25) und Zoë Maradan (25) haben untersucht, wie Ergotherapie Menschen unterstützen kann, die an hämatologischem Krebs erkrankt sind und in Isolation behandelt werden. Sie haben dafür bestehende Studien analysiert und am Universitätsspital Zürich (USZ) mit Fachleuten sowie Betroffenen gesprochen. Sie haben ein Booklet mit praktischen Empfehlungen entworfen, das am USZ eingesetzt werden soll. Dieses Projekt verfolgen sie weiter. Alice Dumas arbeitet im Spital Emmental auf der Neurologie, Zoë Maradan ist in einer orthopädischen Praxis in Biel tätig.

0 Kommentare

Sei der Erste der kommentiert!

Kommentar ist erforderlich!
Name ist erforderlich!
Gültige E-Mail ist erforderlich!
This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.