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Der ganz normale Wahnsinn

Die Normalität beginnt in Grossbritannien am 21. Juni mit Festivals und Fussball – so verspricht es der Premier. Normal feiern können sollen die USA am 4. Juli ihren «Independence Day» – so will es der Präsident. Konzerte, shoppen, baden sind schon jetzt bei «Impfweltmeister» Israel normal für Menschen mit dem grünen Impfpass und jene, die die Krankheit überstanden haben. Und wir? Wann kehrt bei uns Normalität ein?, fragen sich jetzt viele. Doch war das wirklich normal, unser Leben vor der Pandemie? Oder eher «völlig durchgeknallt», weil wir Ressourcen verbrauchten, als gäbe es mehr als diese eine Erde, wie Hochschulleitungsmitglied Andreas Gerber-Grote zu bedenken gab, als wir ihn zusammen mit der Umweltökonomin Regina Betz und der Leiterin Diversity Svenja Witzig im Interview zum Thema Normalität befragten. Alle drei bekundeten ihre Ambivalenz gegenüber dem Normalen als etwas Bequemem, aber auch Ausgrenzendem. Was bedeutet eigentlich «normal»? Das fragten wir uns bereits im vergangenen Herbst, als wir die Dossier-Themen für 2021 planten. Auch wir hofften damals, dass bei Erscheinen des Magazins alles wieder normal wäre. Normalität ist fragil, wie sehr, das wissen wir spätestens seit der Pandemie. Plötzlich werden wir aus dem bequemen Schaukelstuhl geschleudert, den Illustrator Till Martin auf dem Titelbild platziert hat. Normalität kann auch genormt und starr sein, wie sein Prototyp der «Plastikskulptur mit Katze» andeuten will. Und bevor Sie wieder in Ihre jeweilige Normalität eintauchen, empfehle ich Ihnen unsere neue Rubrik «Damals & Heute» – eine Fotodoku mit Normalitäten von damals im Vergleich zu heute. Viel Spass! Patricia Faller

ZHAW digitalisiert Schweizer Dialekte

Reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Das können Deutschschweizerinnen und -schweizer bisher nicht, wenn sie es mit Chat­bots oder anderen sprachverarbeitenden Diensten und Anwendungen zu tun haben. Für grosse Technologie­firmen wie Google, Apple oder Amazon ist der Schweizer Markt zu klein und deshalb nicht attraktiv, um eine Lösung zu entwickeln, die Schweizerdeutsch versteht. Das soll sich ändern. «Wir wollen Schweizer Dialekte sammeln und digitalisieren», sagt Mark Cieliebak vom ZHAW-­Institut für angewandte Informationstechnologie (InIT). Das Ziel ist, mindestens 2000 Stunden schweizerdeutsche Aufnahmen von allen Dialekten zu erhalten. «Weil wir den Datensatz für Forschungszwecke veröffentlichen, können Computerprogramme entwickelt werden, die dann in Zusammenarbeit mit lokalen Firmen für verschiedene Zwecke eingesetzt werden können.» Manuela Hürlimann, Projektleiterin Organisiert wird das schweizweite Forschungsprojekt von der Swiss Association for Natural Language Processing (SwissNLP), dem Verband für Sprachtechnologie in der Schweiz, dessen Präsident Mark Cieliebak ist. Mit einer Webapplikation können Freiwillige Audioaufnahmen erstellen, bei denen sie hochdeutsche Sätze in natürliche Mundart übersetzen oder die Aufnahmen anderer Teilnehmender überprüfen. «Weil wir den Datensatz für Forschungszwecke veröffentlichen, können Computerprogramme entwickelt werden, die dann in Zusammenarbeit mit lokalen Firmen für verschiedene Zwecke eingesetzt werden können», erklärt Projektleiterin Manuela Hürlimann, wissenschaftliche Mitarbeiterin in Cieliebaks Team. So stärke die Schweizer Dialekt­sammlung den Forschungs- und Innovationsstandort Schweiz und ermögliche Produkte und Dienstleis­tungen, die unser Leben einfacher machten. Eine automatische Transkription von Sitzungen und Interviews könnte Protokollieren ersetzen. Sprachschnittstellen zu Anwendungen werden möglich und mit Sprach­assistenten könnte man auf Schweizerdeutsch sprechen. Firmen könnten automatisch Kundenfeedback auswerten, etwa Anrufe beim Kundendienst. Untertitel für TV-Sendungen könnten automatisch erstellt werden. Medienschaffende und Archivare könnten Audiomaterial einfacher nutzen, indem sie auf eine Verschlagwortung zurückgreifen. Die Technologien für das Training von Speech-to-Text-Systemen wurden in den letzten Jahren laufend weiterentwickelt und basieren heute meistens auf neuronalen Netzwerken. Für Sprachen wie Englisch und Deutsch liefern diese Methoden bereits sehr gute Ergebnisse mit Fehlerraten von unter zwei Prozent. «Wir müssen das Rad also nicht neu erfinden, sondern können bestehende Forschungsergebnisse aus anderen Sprachen nutzen», so Cieliebak. Die ZHAW selbst hat 2020 ein erstes System, basierend auf 70 Stunden Parlamentsdaten , entwickelt. Neben der ZHAW ist auch die FH Nordwestschweiz ins Dialekt-Projekt involviert. Die AXA Versicherung, das Media Technology Center der ETH und die Initiative ZHAW digital unterstützen es. Mehr Info unter Forum Helveticum Patricia Faller

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