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Nachgefragt bei Jeanette Herzog: Inclusive Leadership bietet Sicherheit und Raum zur Entfaltung

Jeanette Herzog: Es gibt zwei Ebenen, wie wir inclusive Leadership betrachten können. Da ist zunächst der Blick auf die Führungsperson, also die hierarchisch vorgesetzte Person. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie grossen Wert legt auf stabile, tragende Beziehungen zu all ihren Mitarbeitenden. Sie fördert auch ebensolche Beziehungen zwischen den Mitarbeitenden. Die Intention dahinter ist, dass möglichst alle Mitarbeitenden sich sicher fühlen und ihre Potenziale entfalten können. Die Führungsperson definiert ein übergeordnetes, möglichst sinnvolles Ziel und einen Wertekanon, auf den sich alle einigen können. Im Idealfall erfolgt die Erarbeitung partizipativ. Gemeinsame Ziele und Werte sorgen für Sicherheit im Arbeitsalltag. Eine zentrale Aufgabe von Führungspersonen ist es dann, diese Werte integer vorzuleben sowie den Weg zum Ziel transparent und fair zu gestalten. Wer Sicherheit und Raum zur Entfaltung erhält, ist eher bereit, eigene Ideen zu äussern, Hilfe­ zu leisten, Feedback anzunehmen oder Risiken einzugehen. In diesem Sinne kann Inclusive Leadership eine produktive Welle auslösen, die für Wohlbefinden bei den Mitarbeitenden und für Erfolg in der Organisation sorgt sowie im Idealfall wertebasierte, nachhaltige Produkte und Dienstleistungen hervorbringt. Wir haben 2020 und 2021 mit diversen Unternehmen gesprochen. Dabei haben wir festgestellt, dass die meisten Führungskräfte sehr bemüht sind, eine gute Beziehung zu ihren Mitarbeitenden herzustellen, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Wenige Unternehmen gehen aber so weit, dass sie Selbstentfaltung und Mitbestimmung im grösseren Ausmass ermöglichen. Hier beobachten wir eher eine Kultur der Machtkonzentrierung auf der Managementebene. Wir haben auch mit Unternehmen gesprochen, die Mitbestimmung und Mitgestaltung zu ihrem Kernkonzept erklärt haben. Da zeigt sich dann hin und wieder, dass die Mitarbeitenden einen Mangel an Sicherheit verspüren, um die Gestaltungsmöglichkeiten auch ausschöpfen zu können. Die Herausforderung für Unternehmen ist es, eine Balance zu finden.

«Digital Health stellt das Individuum in den Mittelpunkt»

Was verstehen Sie unter Digital Health? Digital Health verbindet die Gesundheitsversorgung einschliesslich ihrer gesellschaftlichen und ökonomischen Aspekte mit digitalen Technologien, indem die verschiedenen Disziplinen an einem Tisch zusammenkommen. Der Begriff steht für mich exemplarisch für die Frage, wie wir neue Technologien und Methodologien in die Gesellschaft integrieren und zum Wohle des Einzelnen einsetzen. Digital Health stellt das Individuum in den Mittelpunkt und möchte die Gesundheitsversorgung präziser, personalisierter und präventiver gestalten. Wer arbeitet im Netzwerk ZHAW Digital Health Lab mit? Die ZHAW verfügt über Experten und Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Bereich Digital Health. Wir haben Gesundheitswissenschaftlerinnen, die zu medizinischen Indikationen forschen, Ingenieure und Physiker, die sich mit Sensorik und Algorithmik befassen, Software- und App-Entwickler sowie Betriebsökonominnen, die wissen, wie technische Lösungen in Geschäftsmodelle umgesetzt und in Gesundheitssysteme implementiert werden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht unseren Projekt-Partnern Zugang zu einer breiten fachlichen Expertise. An welchen Projekten arbeitet das Lab? Ein Beispiel ist das gemeinsame, kundenorientierte Projekt des Departements Gesundheit mit der AXA Gesundheitsvorsorge, bei dem es um evidenzbasierte Tipps zu Gesundheitsthemen, um mobile Apps zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens und dessen Bewertung mit Hilfe eines Qualitätskriterienrasters geht. Oder das EU-Projekt FairCare, bei dem die Verbesserung der Koordination von formaler und informeller Pflege im Zentrum steht. Und soeben ist die erste gemeinsame Studie zu «Digital Health – Revolution oder Evolution? Strategische Optionen im Gesundheitswesen» erschienen. INTERVIEW CLAUDIA GÄHWILER

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