Menü
Logo Logo
  • DE
  • EN
  • Dossier 4
  • Main Topic 4
  • Abraham Gillis 4
  • 1/2019 1
  • 2/2019 1
  • 3/2019 1
  • 4/2019 1
Aktive Filter: Kategorie: Dossier Kategorie: Main Topic Autor: Abraham Gillis Alle Filter entfernen
Es wurden 4 Ergebnisse in 1 Millisekunden gefunden. Zeige Ergebnisse 1 bis 4 von 4.
  • 1
Ergebnisse pro Seite:

Mit Pflanzen Räume schaffen

Wie versetzte Riegel stehen die Wohnblöcke in den kurz getrimmten Rasenflächen. Nur einzelne Bäume und Baumgruppen lockern das Bild auf. Die parkartigen Grünflächen wirken anonym zwischen den Zufahrtsstrassen und Parkplätzen. Das Klotener Quartier Hohrainli ist ein typischer Vertreter der «aufgelockerten, durchgrünten» Stadt aus den 1950er und 1960er Jahren. Diesen Grünräumen fehlt es an Intimität und Potenzial für Gemeinschaft. Das möchten ZHAW-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler aus dem Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen des Departements Life Sciences und Facility Management ändern. Ihre These ist, dass Aussenraumstrukturen zentral sind für das soziale Gefüge eines Quartiers, für das Wohlbefinden seiner Bewohnerinnen und Bewohner – und dadurch für deren physische und psychische Gesundheit. «Wir möchten Investoren aufzeigen, dass vielgestaltige, pflanzenreiche Aussenräume auch zu ihrem Vorteil sein können: mehr Mieterzufriedenheit, weniger Mieterfluktuation und gleichzeitig ein Beitrag zur Biodiversität», erklärt die Projektleiterin Petra Hagen Hodgson. Veraltete Bausubstanz, ein hoher Anteil an Kleinwohnungen und anonyme Grünräume führen dazu, dass sich das Quartier Hohrainli mit einer zunehmenden Mieterfluktuationen und einem schlechten Image konfrontiert sieht. Aus diesem Grund hat die Stadt Kloten zusammen mit den Immobilienbesitzern beschlossen, das Quartier gestalterisch wie auch sozial weiterzuentwickeln und ein Soziales Quartierentwicklungskonzept (SQEK) in Auftrag gegeben. Das Kapitel «Soziales» des SQEK wurde von Petra Hagen Hodgson und ihrem Team von der Forschungsgruppe Grün und Gesundheit ausgearbeitet. Darin haben die Forschenden zehn Punkte formuliert, von denen einer beispielsweise die Schaffung von mehr Wohnlichkeit im Aussenraum fordert. Hodgson möchte dies erreichen, indem sie wieder Begriffe in die Diskussion einbringt wie etwa «Sinnlichkeit». «Uns geht es darum herauszufinden, wie Sinnlichkeit in Wohnsiedlungen gestaltet werden kann und was Wohnlichkeit überhaupt ausmacht», erklärt sie. «Uns geht es nicht ums Abhaken, ob es einen Spielplatz oder eine Grillstelle gibt, sondern darum, herauszufinden, wo die Menschen sich wohlfühlen.» Hodgson und ihr Team interessieren sich bei ihrer Forschung vor allem für die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers. Darum setzen sie auf sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden und dabei vor allem auf qualitative Zugänge über Interviews und teilnehmende Beobachtungen. «Uns geht es nicht ums Abhaken, ob es einen Spielplatz oder eine Grillstelle gibt, sondern darum, herauszufinden, wo die Menschen sich wohlfühlen», erklärt Hagen Hodgson. Mit qualitativer Forschung sei es möglich, auf die individuellen Lebenswelten der Menschen im Hohrainli einzugehen, welche ganz unterschiedlich seien. Die einen wollen ein Buch lesen in einer angenehmen Ecke, andere möchten gärtnern und wieder andere möchten sich auf einen Schwatz zusammensetzen. «Dafür reicht es nicht, eine Rasenfläche zur Verfügung zu stellen. Dafür braucht es unterschiedliche Strukturen im Grünraum und dass die Eigentümer Aneignung zulassen.» Es gehe darum, mit Pflanzen Räume zu gestalten und damit etwas Soziales zu ermöglichen, ist Hagen Hodgson überzeugt. Aneignung entstehe zum Beispiel, wenn ein Familienvater im Aussenraum seinen Grill aufstelle und andere zum Mitmachen anrege. Möglicherweise würden sie sich sogar gemeinsam eine Pergola bauen. Wieder andere würden vielleicht ein Gemüsebeet anlegen. «Das ist Zulassen von Wohnlichkeit im Aussenraum und ein Gewinn für eine Immobilienunternehmung», so Hagen Hodgson. Gerade dieser Punkt sei bei der Zusammenarbeit mit der ZHAW von grosser Bedeutung, erklärt Raumplaner Andreas Stoll, der das Projekt Hohrainli bei der Stadt Kloten betreut. «Die von den ZHAW-Forschenden aufgestellten Eckpunkte im Entwicklungskonzept sollen die Räume im Quartier für die Bewohnerinnen und Bewohner nutzbarer machen.» Es ist bereits das dritte Projekt, welches die ZHAW im Hohrainli durchführt. «Aktuell planen wir, mit kleinen Interventionen im Grünraum zusammen mit Bewohnerinnen und Bewohnern den Aussenraum etwas wohnlicher zu gestalten», erzählt Hodgson. Das Projekt mit dem Titel «Interaktionen im Grünraum» wird im Rahmen des Schwerpunkts «Gesellschaftliche Integration» der ZHAW mitfinanziert. Dort geht es um ganz praktische Aktivitäten wie etwa, gemeinsam mit den Anwohnern Bepflanzungen vorzunehmen, aber auch um erste Überlegungen, wie der geplante Transformationsprozess des Quartiers hin zu einem verdichteten Quartier möglichst sozialverträglich stattfinden kann. Die Entwicklung der Überbauung wird noch bis zu 20 Jahre in Anspruch nehmen. Für Hagen Hodgson stehen deshalb Fragen rund um den längerfristigen sozialen Transformationsprozess in einem Quartier im Zentrum. Um diesen Fragen weiter nachgehen zu können, stehen die ZHAW-Forschenden mit der Stadt Kloten weiterhin im Gespräch. Laut Stoll gibt es auch bereits Perspektiven, wie es weitergehen kann. Die Immobilienfirma Pensimo besitzt einen Sechstel der rund 700 Wohnungen im Klotener Quartier Hohrainli. Im Jahre 2012 überlegte sich der Immobilienbesitzer, wie die Siedlung vor der baulichen wie auch sozialen Abwärtsspirale gerettet werden könnte. Daraus entstand zuerst das ZHAW-Projekt «Partizipative Vorgehensweisen für die Aufwertung und Umgestaltung von Innen- und Aussenräumen der Siedlung Hohrainli in Kloten». In diesem Projekt gingen die ZHAW-Forschenden unter anderem der Frage nach, was Grünräume für ältere Menschen beitragen können. Zwischen 2015 und 2017 erstellten zwei Planungsbüros zusammen mit Landschaftsarchitekten eine Studie zur Weiterentwicklung des Quartiers. Die Stadt Kloten und Pensimo entwickeln diese Studie unter Mitarbeit der ZHAW aktuell weiter mit einem Sozialen Quartierentwicklungskonzept (SQEK). Dieses ist zwar noch nicht verbindlich für öffentliche Planungsträger (behördenverbindlich), aber die Stadt Kloten und der Kanton Zürich möchten dem Thema auch aus raumplanerischer Sicht mehr Gewicht geben. Gerade der Kanton Zürich sei sehr interessiert an den Entwicklungen im Hohrainli und betrachte das Ganze als Pilotprojekt, erklärt der Klotener Raumplaner Andreas Stoll. Im Kanton stünden in nächster Zeit viele Entwicklungen von Quartieren aus den fünfziger bis siebziger Jahren an. Um diese Sanierungen und Verdichtungen nicht nur planerisch, sondern auch sozialverträglich zu ermöglichen, sei der Kanton auf Expertisen wie jene der ZHAW angewiesen. Abraham Gillis

Der ewige Kampf zwischen Mensch und Maschine

«Ich will deine Kleider, deine Stiefel und dein Motorrad!» So be­grüsst der Terminator im zweiten Teil der Filmreihe einen Hillbilly in einer Bar. Sein Opfer hat er gezielt nach errechneten Körpermassen ausgesucht. Kühle, gefühllose Computer in der Gestalt von menschlichen Wesen, so wird Künstliche Intelligenz oder KI in Filmen oft dargestellt. Obwohl sich später im Film herausstellt, dass der von Arnold Schwarzenegger gespiel­te Terminator eigentlich der guten Sache dient, bleibt er eine gefühllose Maschine in einem mensch­lichen Körper. Aber warum nur? Warum dieser negative Fokus? Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Der erste hat mit der Darstellungsform von Filmen zu tun. Wie die Literatur und vor allem das Theater braucht auch der Film einen zentralen Konflikt. «Eine rein positive Zukunft lässt sich nicht spannend erzählen», erklärt der Filmwissenschaftler Simon Spiegel von der Universität Zürich. Darum werden zukünftige Welten im Science-Fiction-Film meist als kahle Landschaften mit zerstörten Städten dargestellt – sogenannte Dystopien –, in denen Maschinen die Macht ergriffen haben. Der zweite Grund für das negative Image von KI in Science-Fic­tion-Filmen ist ein kulturgeschichtlicher. Es geht dabei um ein altes Tabu. Das Tabu des Menschen als Schöpfer. «Die Erschaffung künstlicher Wesen ist kulturgeschichtlich eine sehr alte Idee», erklärt Spiegel. Vom Mittelalter mit dem aus Lehm geformten Golem über den künstlichen Menschen Homunculus, der auch in Goethes «Faust II» auftaucht, bis zu Frankensteins Mons­ter. Dieses Motiv sei praktisch immer negativ besetzt, da sich der Mensch damit etwas anmasse, das nur Gott zustehe, erklärt der Filmwissenschaftler. Dieser Tabubruch schwinge bis heute in vielen Science-Fiction-Filmen mit, auch wenn der religiöse Kontext nicht mehr direkt gegeben sei. Wenn KI in Science-Fiction-­Fil­men einmal positiv dargestellt wird, dann spielt sie meist eine Nebenrolle. Ein frühes Beispiel ist Robby the Robot im Film «Forbidden Planet» aus dem Jahre 1956. Dieser niedliche Roboter – der Nahrung herstellen kann und jede erdenkliche Sprache beherrscht – ist ein lustiges Spielzeug, das wenig Einfluss auf die Haupthandlung hat. Auch in «Star Trek The Next Generation» gibt es einen Androiden namens Data, der selten Probleme macht. Ein weiteres Beispiel sind der rollende R2-D2 und sein goldener, menschenähnlicher Roboterkollege, die das «Star Wars»-Universum von George Lucas bevölkern und zuweilen fast so etwas wie ein Komikerduo bilden. Filmgeschichtlich kann KI – oder je nach Definition auch der Roboter – in Science-Fiction-Filmen grob in drei Phasen eingeteilt werden. «Diese lösen sich nicht ab, sondern kommen als neue Spielarten dazu», erklärt Spiegel. Es gibt eine erste Phase in den Fünfzigern, in denen die Roboter noch klar als Roboter erkennbar sind. «Das sind eigentliche Werkzeuge ohne eigenes Bewusstsein», so Spiegel. Dazu gehört sicher Robby the Robot, der eher wie eine wandelnde Jukebox als ein menschliches Wesen aussieht. Laut Spiegel tauchen in einer zweiten Phase ab Mitte der sechziger Jahre Roboter auf, die in ihrem Verhalten menschenähnlicher werden. Dazu gehören Filme wie «2001: A Space Odyssey», in dem der Bordcomputer HAL 9000 aus eigenem Antrieb die Besatzung seines Raumschiffs auslöschen will. Roboter werden auch äusserlich menschenähnlicher. Im Spielfilm «Westworld», der als Vorlage für die aktuell erfolgreiche Netflix-Serie diente, macht ein fehlerhafter Revolverheld, gespielt von Yul Brynner, in einem Vergnügungspark Jagd auf Menschen. In diesen Filmen beginnen Roboter, etwas aus eigenem Antrieb zu tun, auch wenn die Motive nicht immer klar sind. «So etwas wie ein eigenes Bewusstsein ist dabei aber meist noch nicht zu erkennen», erklärt Spiegel. In diese Tradition gehört auch der Terminator. Denn dieser ist – obwohl in einer menschlichen Gestalt – im Grunde genommen ein Werkzeug ohne eigenen Willen. Den Beginn der dritten und aktuellsten Entwicklung markiert der Film «Blade Runner» mit Harrison Ford aus dem Jahr 1982, der auf dem Science-Fiction-Klassiker «Träumen Androiden von elektrischen Schafen?» von Philip K. Dick basiert. Der Film handelt von künstlichen Menschen – sogenannten Replikanten – und ihrem Freiheitskampf. Die Frage der neueren Filme ist immer: Was macht Menschsein aus? Sind nicht Maschinen eigentlich die menschlicheren Wesen? «Ex Machina» aus dem Jahre 2014 zum Beispiel ist so etwas wie eine Versuchsanordnung, wie wir Künstliche von menschlicher Intelligenz unterscheiden können. Ein junger Programmierer soll in einer Art Turing-Test herausfinden, ob die Maschine Ava ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Besonders in dieser neueren Generation von Filmen wie «Ex Machina» geht es sehr viel mehr darum, was es heisst, ein Mensch zu sein, als darum, was KI eigentlich ist. Letztlich hat Künstliche Intelligenz, wie sie im Film dargestellt wird, oft wenig mit dem zu tun, was Forschende oder Informatiker darunter verstehen. «Computerwissenschaftler sind weit davon entfernt, so etwas wie Bewusstsein zu ermöglichen», sagt Spiegel. Im Film «Ex Machina» präsentiert der Protagonist ein biotechnologisch nachgebautes Hirn, das etwas grösser ist als eine Orange. Aktuelle Supercomputer, die weit davon entfernt sind ein Bewusstsein auch nur simulieren zu können, füllen heute noch Häuser. Auch in der Literatur wird das Thema KI auf ganz unterschiedliche Weise inszeniert. Ian McEwans aktueller Roman «Maschinen wie ich» spielt in einer Welt, in der es weit entwickelte Roboter gibt. Diese haben den Menschen fast alles voraus: Sie sind klüger, schneller, stärker. Nur die Unfähigkeit, mit moralischen Widersprüchen umzugehen, bringt die Roboter im Roman dazu, sich reihenweise selber abzuschalten. Es ist zu viel für das künstliche Bewusstsein, dem Menschen zusehen zu müssen, wie er seine eigene Lebensgrundlage durch Ressourcenverbrauch zerstört. Es geht also auch in dieser Fiktion nicht eigentlich um Künstliche Intelligenz, sondern um die Frage, was Menschsein denn ausmacht. Abraham Gillis

Arbeiten mit 50 Plus: Abstellgleis oder neue Wege?

Vor ihrer akademischen Laufbahn war Claudia Sidler-Brand lange Jahre für einen grossen Finanzdienstleister und in der Beratung tätig. Was die heutige Dozentin und Projektleiterin dort erlebte, hat sie nachhaltig geprägt. Ein jüngerer Arbeitnehmer ersetzte einen älteren. Anstatt dass dieser seine umfangreichen Kompetenzen weiterhin für die Firma nutzen konnte, landete er auf dem Abstellgleis. Er sass fortan in seinem Kämmerchen und las Zeitung – bis zu seiner Pensionierung. Dieses Erlebnis hat die weitere Arbeit der Soziologin und Politikwissenschaftlerin massgeblich geprägt. Heute forscht sie zu Berufskarrieren, die sich im Zuge der Digitalisierung und der Alterung der Bevölkerung stark verändern. Aktuell untersucht sie Hürden neuer Karrieremodelle für älterer Arbeitnehmende im Rahmen des ZHAW-Forschungsschwerpunktes «Gesellschaftliche Integration». Ein Begriff, der im Zusammenhang mit neuen Karrieremodellen für ältere Arbeitnehmende oft fällt, ist «Bogenkarriere». Unter diesen Sammelbegriff fallen verschiedene flexible Karrieremodelle, wie zum Beispiel die Abgabe von Verantwortung und Führungsaufgaben oder der Wechsel zu Projektarbeit. Laut der Studie von Sidler-Brand und ihren Kollegen bieten 60 Prozent der befragten Unternehmen solche Modelle an. «Mich hat das immense Angebot überrascht», sagt Sidler-Brand. Genutzt wird es aber in einem bedeutend geringeren Ausmass (nur von 30 Prozent der Befragten). «Der Grund dafür ist, dass die Arbeitnehmenden die Haltung des Unternehmens hinter diesen Angeboten nicht spüren», erklärt Sidler-Brand. Geht es dem Unternehmen um Kosteneinsparung, Umstrukturierung oder Entlastung der Mitarbeitenden – oder gar darum, sie bis über das Pensionsalter hinaus zu beschäftigen? In den Umfragen kam heraus, dass ältere Arbeitnehmende Bogenkarrieren mehrheitlich mit einem Abstellgleis konnotieren. Sie sehen einen verstecken Kostenabbau dahinter. Es fehle oft ein durchdachtes und transparentes Konzept für ältere Arbeitnehmende, so Sidler-Brand. «Ältere Menschen haben ein unglaubliches Erfahrungswissen, das sich nicht in Zertifikaten wie CAS oder Master widerspiegelt. » Claudia Sidler-Brand Bei der Untersuchung handelt es sich um ein interdisziplinäres Projekt. Beteiligt sind das Zentrum für Sozialrecht, unter der Leitung von Philipp Egli, und das Zentrum für Human Capital Management, wo Claudia Sidler-Brand tätig ist. Die Forschenden haben in einem ersten Schritt branchenübergreifend rund 300 Personalexperten zu Beschäftigungsmodellen für ältere Arbeitnehmende befragt. In einem zweiten Schritt führten sie explorative Interviews durch mit Führungskräften, älteren Mitarbeitenden und Personalexperten. Claudia Sidler-Brand ist überzeugt, dass ein Umdenken stattfinden muss. «Ältere Menschen haben ein unglaubliches Erfahrungswissen, das sich nicht in Zertifikaten wie CAS oder Master widerspiegelt. Gerade in einer so schnelllebigen digitalisierten Welt sollten wir dieses Potenzial nutzen.» Das Tempo und der Arbeitsrhythmus seien nicht gleich wie bei einem 20-Jährigen, sagt Sidler-Brand. Dafür sei aber die Erfahrung umso grösser. Ein weiteres Problem sei, dass der Unterschied zwischen Jung und Alt momentan noch zu stark durch die eigentlich gut gemeinten sozialen Sicherungssysteme zementiert werde. Darum wollen sich die Wissenschaftler rund um Claudia Sidler-Brand im nächsten Teil der Forschung auf den Einfluss der beruflichen Vorsorge auf die Situation der älteren Arbeitnehmenden konzentrieren. Abraham Gillis

Zwischen Sozial- und Naturwissenschaften

Auf dem Stundenplan des Moduls «Biodiversität im Siedlungsraum» stehen für angehende Umweltingenieurinnen und -ingenieure neben klassisch naturwissenschaftlichen Themen auch eher exotisch anmutende Begriffe wie Wahrnehmung, Kommunikation, Marketing oder Betriebswirtschaft. Darauf reagieren viele Umweltstudierende zunächst skeptisch. Doch diese Reaktion und anfängliche Desorientierung gehören zum Konzept des von der Dozentin Nathalie Baumann entwickelten Moduls. Studierende sollen sich bewusst mit anderen wissenschaftlichen Vorgehensweisen und Denkmustern auseinandersetzen. Denn gerade im Bereich Förderung der Biodiversität müssen laut Baumann verschiedene Perspektiven zusammenspielen. Unterstützung hat sich die Dozentin des Departements Life Sciences und Facility Management deshalb von extern geholt, und zwar von Sandra Wilhelm. Wilhelm ist Expertin für Transformatives Lernen und Nachhaltige Entwicklung von «anders kompetent», das didaktische Konzepte auch im Hochschulbereich anbietet. Für ihre Pionierarbeit im Bereich transformatives Lernen hat Stadtökologin Baumann nun den diesjährigen ZHAW-Lehrpreis und den «Credit Suisse Award for Best Teaching» erhalten. Herzstück des preisgekrönten Moduls ist ein konkretes Biodiversitäts-Projekt , welches auch als Abschlussarbeit gilt. Eine dieser Arbeiten verbindet beispielsweise Urban Gardening und Dachbegrünung für die alte Brauerei Warteck in Basel. Während dieser Projekte werden die an naturwissenschaftliche Vorgehensweisen gewöhnten Studierenden ganz konkret mit sozialwissenschaftlichen Fragen konfrontiert. Sie haben es plötzlich mit dem Widerstand der Hausbesitzerin, des Hauswarts oder der Anwohnenden zu tun und müssen ihr Projekt erklären und sie dafür gewinnen. «Aus diesem Grund lassen wir die Studierenden neben einer Analyse der Biodiversität auch eine Akteursanalyse machen», erklärt Sandra Wilhelm. Studierende müssen sich an neue Fragestellungen gewöhnen: Wie hole ich verschiedenen Akteure an Bord? Was versteht mein Gegenüber unter Natur? Wie kann ich sie oder ihn zu Veränderungen motivieren? «Solche Fragen müssen berücksichtig werden, denn die wunderbarsten Konzepte funktionieren nicht, wenn sie nicht akzeptiert werden», erklärt Baumann. Der diesjährige ZHAW-Lehrpreis wurde für «Transformationen in der Lehre» vergeben. In ihrem Modul streben die beiden Dozierenden eine Transformation einerseits bei den Studierenden in ihrem Denken, aber auch eine Transformation in der Gesellschaft an. «Wir haben in unserem Modul versucht, die Studierenden als Change Agents zu befähigen, also sozusagen als Begleiter des Wandels in Nachhaltigkeitsprojekten», erzählt Wilhelm. Doch wie kamen die beiden Dozierenden auf die Idee, neben Naturwissenschaften auch Sozialwissenschaften in ihren Unterricht einzubauen? Das sei eine lang gehegte Vision, erzählt Nathalie Baumann. «Mit Biologie, Biogeografie, Stadtökologie und Ethnologie habe ich schon im Studium den Spagat zwischen den Disziplinen gemacht.» Auch die Studienfächer von Sandra Wilhelm tönen nicht gerade alltäglich: Pädagogik, Umweltwissenschaften und Umweltpsychologie. «Wir fühlen uns beide an den Rändern wohl», erklärt Baumann. Ihr sei bewusst, dass in ihrem Modul viele Studierende das erste Mal mit neuen Wissensformen konfrontiert werden. Und sie meint schmunzelnd. «Wir versuchen aber die Konfrontation mit anderen Denkweisen und den Umgang mit Veränderungsprozessen möglichst offen zu gestalten.» Laut Bundesamt für Umwelt ist Biodiversität die Vielfalt des Lebens auf den Ebenen der Lebensräume (Ökosysteme), der Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorganismen) und der genetischen Vielfalt. Die reiche Biodiversität der Schweiz ist das Ergebnis naturräumlicher Vielfalt (Höhenunterschiede, klimatische Gegensätze, Verschiedenartigkeit der Böden) einerseits und menschlicher Einflüsse andererseits. Im Siedlungsraum übertrifft die Artenvielfalt sogar oft diejenige des Umlandes. Die Artenvielfalt ist in Gefahr. Hauptursache für das Verschwinden von Arten auf der ganzen Welt ist der Verlust von Lebensräumen. Der Bundesrat hat 2017 im Rahmen der nationalen «Strategie Biodiversität Schweiz», den «Aktionsplan Biodiversität» beschlossen. Das Hauptziel dieses Aktionsplans ist es, die Biodiversität und ihre Ökosystemleistungen langfristig zu erhalten. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, muss aber noch viel geschehen. Auch international wird das Problem erkannt. 193 Staaten haben die UN-Konvention zur biologischen Vielfalt unterzeichnet. Darin rufen die Vereinten Nationen die Weltöffentlichkeit auf, sich für die biologische Vielfalt einzusetzen. Abraham Gillis

  • 1
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Netiquette
  • Cookies
© ZHAW
  • Home

  • Rubriken

    • Editorial

      Vorwort der Chefredaktion

    • Alumni

      Was ZHAW-Absolventinnen und -Absolventen heute machen

    • Menschen

      Wir schauen Forschenden und Dozierenden über die Schulter

    • Dossier

      Das Schwerpunktthema jeder Ausgabe

    • Forschung

      Neues aus der ZHAW-Forschung

    • Studium

      Einblick in Studienangebote

    • Interview

      Fachleute diskutieren

    • Spotlight

      Umfragen zu den Schwerpunktthemen

    • Meinung

      Standpunkte von ZHAW-Angehörigen

    • Panorama

      Vermischtes aus dem Campusleben

    • Perspektivenwechsel

      Blick nach aussen und von aussen auf die ZHAW

    • Abschlussarbeiten

      Bachelor- und Masterarbeiten im Kurzporträt

  • Suche

  • Archiv

  • Vorherige Ausgabe

  • Über das ZHAW-Impact und die ZHAW

Schliessen