Eine Löyly-Sauna am Abend mit Beleuchtung

Ab in die Sauna – aber ungestört 

02.02.2026
1/2026

Adrian Neininger und seine beiden Geschäftspartner bringen die Schweiz ordentlich ins Schwitzen: Mit ihrem Startup Löyly  betreiben sie mobile Selbstbedienungssaunen an mehreren Standorten, zum Beispiel am Lagerplatz in Winterthur. 

«Als halber Finne gehört der Saunagang für mich einfach dazu», erklärt Adrian Neininger, der an der ZHAW School of Management and Law International Management studiert hat. «In der Schweiz gibt es jedoch wenig öffentliche Saunen direkt neben Gewässern, wie es in Finnland gang und gäbe ist. Und wenn, dann sind sie meistens überfüllt. Unsere Vision war es, ein privates Sauna-Erlebnis in der Natur zu ermöglichen.» Dazu haben Neininger und seine beiden Geschäftspartner Kevin und Michael Rudin 2022 das Startup Löyly gegründet. Der für Deutschsprachige nicht ganz intuitiv auszusprechende Name (man spricht: «Löulu») ist das finnische Wort für den Wasserdampf, der beim Saunaaufguss entsteht, bezeichnet jedoch auch den Geist des Saunierens.

Löyly-Saunen befinden sich mittlerweile an zwölf Standorten zwischen Zentral- und Ostschweiz. Privates Saunieren bedeutet, dass die Saunen nicht jederzeit für alle zugänglich sind, sondern dass man sich einen persönlichen Slot reserviert und alleine oder mit ausgewählter Begleitung in die Sauna geht. Die Kosten dafür betragen je nach Standort und Tageszeit zwischen 32 und 50 Franken pro Stunde. Platz bieten die Saunen für bis zu vier Personen, ausserdem für einen kleinen Umziehbereich und einen Kühlschrank mit Wasserflaschen. Der Saunabesuch bei Löyly ist selbstbedient und vollautomatisiert: Die Buchung und Bezahlung erfolgen online. Eine intelligente Steuerung sorgt dafür, dass die Sauna auf Befehl des Buchungssystems aufgewärmt wird. Zutritt erhält man durch einen QR-Code. Je nach Standort kann man sich direkt im naheliegenden Gewässer abkühlen oder unter zur Verfügung gestellten Outdoor-Duschen, so auch am urbanen Standort Lagerplatz. «Unter der Dusche herrscht jedoch Bekleidungspflicht», stellt Neininger lachend klar. Steht kein Termin mehr an, schaltet sich die Heizung automatisch aus.

Probieren geht über studieren 

Die erste Sauna kaufte Neininger auf dem Facebook-Marketplatz. Diese stellten er und seine späteren Co-Gründer in Zürich Selnau neben der Sihl auf und probierten das Konzept der privaten Sauna aus – ein Angebot, das in der Schweiz damals noch kaum bekannt war, in anderen Ländern jedoch schon. «Diese erste Sauna war unsere Spielwiese», erzählt Neininger. «Wir konnten das Konzept direkt am Markt testen und unmittelbar Feedback bekommen – das ist Gold wert. Hätte es nicht funktioniert, hätten wir bloss die Investition in die erste Sauna verloren. Wir haben aber gemerkt, dass wir damit ein Bedürfnis ansprechen – insbesondere bei Frauen.» Ausprobieren und aus der Praxis lernen ist allgemein Neiningers Tipp an alle Jungunternehmer:innen: «Learn cheap. Versucht nicht, in der Theorie ein perfektes Konzept zu entwickeln, sondern probiert eure Ideen möglichst schnell und mit wenig finanziellem Aufwand aus.» Mit der Gewissheit, dass die Nachfrage vorhanden ist, machte sich das Trio bald daran, sich weitere Standorte zu sichern. So folgten Löyly-Saunen am Letten in Zürich, in Zug, Rapperswil und Rorschacherberg und fanden auch dort grossen Anklang.

Zwischen Geschwindigkeit und hohen Ansprüchen 

Eine Herausforderung des Unternehmertums war für Neininger, einen guten Mittelweg zwischen Perfektion und Pragmatismus zu finden. «Einerseits muss das Produkt top sein, andererseits ist bei unserem Geschäftsmodell aber auch Geschwindigkeit zentral, denn gute Standorte gibt es nicht wie Sand am Meer und es gibt mittlerweile auch Konkurrenzanbieter.» Er sei ein Perfektionist, das Unternehmertum habe ihn aber pragmatisch werden lassen. «Unsere Verhandlungen mit Gemeinden haben gezeigt: Ein durchdachtes Konzept und professionelle Kommunikationsmaterialien sind enorm wichtig, um ernst genommen zu werden. Aber sobald wir mehrere Standorte vorweisen konnten, war das der grösste Wettbewerbsvorteil.» Das Unternehmertum bringe mit sich, dass man sich auch mit Themen befassen muss, die einem nicht unbedingt liegen, etwa mit gesetzlichen Bestimmungen. Um eine Sauna im öffentlichen Raum aufzustellen, ist eine Baubewilligung erforderlich. «Das war ein grosser Initialaufwand mit viel Paragrafenreiterei. Aber hier hat mir nicht zuletzt mein ZHAW-Netzwerk geholfen. Toll, wenn man Freunde hat, die in unterschiedlichen Bereichen tätig sind und einem unkompliziert bei Fragen weiterhelfen.» Mittlerweile ist das Löyly-Trio mit den Baubewilligungsprozessen mehrerer Kantone vertraut und profitiert davon bei der Akquise von neuen Standorten.

Mut wurde belohnt 

Nachdem das Trio die ersten Saunen nebenberuflich betrieben hatte, hängte Neininger im Sommer 2024 seinen Job bei einer Non-Profit-Organisation im Bereich Wasserinfrastruktur an den Nagel und widmet sich seither Vollzeit seinem Unternehmen. «In den Anfangszeiten putzten wir jeweils morgens um halb 6 vor dem Arbeiten die Sauna, dann pendelte ich nach Luzern zu meinem Arbeitsplatz und am Abend hiess es dann wieder putzen», erinnert sich der 32-Jährige. Seinen Job zu kündigen, der ihm Spass machte und beste Karrierechancen bot, empfand er durchaus als Risiko. Im Nachhinein war es aber einer der wichtigsten Meilensteine: «Ich habe es noch keinen Moment bereut.» Auch Kevin Rudin arbeitet mittlerweile Vollzeit für Löyly, sein Bruder Michael ist noch Teilzeit angestellt. Für den Start der Wintersaison 2026/2027 planen die Gründer, erstmals Personal einzustellen. «Wir haben sehr viel Unterstützung aus der Familie und dem Freundeskreis bekommen, aber jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir uns professionell vergrössern möchten.»

Der Vision treu bleiben 

Hört man Neininger von Löyly sprechen, ist die Begeisterung deutlich spürbar. «Um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, ist es zentral, dass man hundertprozentig dahinter steht und das ist bei uns der Fall,» schwärmt der Zürcher. «Wenn ich Kund:innen sehe, wie sie mit rotem Gesicht, lachend und erholt aus der Sauna kommen, ist das für mich das grösste Geschenk.» Der eigenen Vision vom Unternehmen treu zu bleiben, sei nicht immer einfach, gibt er zu, etwa, wenn man wachsen möchte  und Geld benötigt. Nachdem sie die ersten Saunen mit privaten Darlehen finanziert hatten, machten sich die Gründer auf Investorensuche. Dabei verhandelten sie auch mit einer Privat-Equity-Firma; es ging um einen höheren sechsstelligen Betrag. Bald merkten die Jungunternehmer aber, dass es nicht der richtige Weg für sie war. «Wenn man Geld braucht, muss man sich fragen, wie weit man von seiner Vision abzuweichen bereit ist. Kompromisse gehören zum Businessalltag dazu, aber wir wollten uns nicht unter Wert verkaufen», sagt Neininger. «Unser Ziel war, einen Partner zu finden, der investiert, aber auch Expertise einbringt. Eine Private-Equity-Bude mit viel Geld, aber ohne Leidenschaft für das Produkt passte einfach nicht zu uns.» Mit der Glovital AG, einem Holzbauunternehmen aus Arbon, hat Löyly einen Partner gefunden haben, der ihre Werte teilt. Gemeinsam haben sie die zweite Generation der Löyly-Saunen konzipiert. «Damit sind wir unserem Ideal noch ein Stück näher gekommen: Wir wissen, woher das Holz stammt und konnten beim Design mitsprechen.»

Viele Ideen 

Diese neuen Saunen können am jüngsten Löyly-Standort, dem Saunadorf in Zürich ausprobiert werden: Am Sihlquai befindet sich aktuell während der Wintermonate eine Saunalandschaft mit vier unterschiedlich temperierten Saunen, Kaltbecken, Entspannungslounges und Verpflegungsstationen. An diesem Standort ist der Besuch nicht privat, dafür umso abwechslungsreicher. Aktuell ist das Trio ausserdem dabei, in die Romandie und ins Tessin zu expandieren, längerfristig möchten sie auch ins Ausland. «Wir haben bereits Anfragen aus mehreren europäischen Ländern und sind dabei, ein Franchise-Konzept zu erarbeiten.» Viel Potenzial sehen sie ausserdem in der Zusammenarbeit mit Hotels in Bergregionen. Neininger gerät dabei ins Schwärmen: «Was kann man sich Schöneres vorstellen, als mit Blick auf ein Bergpanorama zu saunieren und sich danach in einem kühlen Bergsee abzukühlen?»

Weitere Infos

(Aufmacherbild: Löyly)

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