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Silver Society

«Nicht mehr im Schnellzugstempo durchs Leben rennen»

22.03.2022
1/2022

Wie bereitet man sich auf den neuen Lebensabschnitt vor. Lässt man alles auf sich zukommen? Oder doch besser planen? Gedanken, die sich Iris Arni vor ihrer Pensionierung macht. Über 10 Jahre war sie Leiterin des Hochschulsekretariats und berichtet hier, was ihr zum Thema «Alter» einfällt.

«Der oft gehörte Spruch – alt werden wollen alle, alt sein will niemand – hat sicher einiges für sich. Aber ab wann fängt das Alter an? Das scheint mir eine sehr individuelle Wahrnehmung zu sein und im Gegensatz zum Ende eine ziemlich schwierige Definition.

Dem Altern stehe ich eher zwiespältig gegenüber und setze mich nicht so gerne damit auseinander, und doch sollte ich mir in meinem «Alter» wohl langsam ein paar Gedanken dazu machen.

Zwischen Freude und Furcht

Einerseits freue ich mich aufs Pensioniertwerden und auf all die Freiheiten, die damit verbunden sein werden, und will mich noch lange nicht alt fühlen müssen. Die guten Beispiele, wie man lange gesund, lebensfreudig und selbstständig unterwegs sein kann, durfte ich bei den Schwiegereltern erleben und nun auch noch bei meiner Mutter, die mit 91 immer noch ihren eigenen Haushalt führt, putzt, jeden Tag frisch kocht und am gesellschaftlichen Leben teilnimmt, trotz zunehmender körperlicher Gebrechlichkeit. 

Auf der anderen Seite einige Bekannte, die sich bereits in meinem Alter kaum mehr etwas zutrauen, Angst vor allem Neuen haben oder krank und bettlägerig sind. Davor fürchte ich mich ziemlich. 

Alter bedeutet für mich auch einen Perspektivenwechsel, vom Arbeitsleben in den hoffentlich lange währenden (Un-)Ruhestand. Nicht mehr im Schnellzugstempo durchs Leben zu rennen, Musse zu haben, sich mit Menschen und Dingen zu beschäftigen, die vor allem Freude bereiten. 

Welche Wohnformen sprechen mich an?

Ich mache mir auch Gedanken, welche Wohnformen mich ansprechen würden. Gibt es einen richtigen Zeitpunkt, um einen Wechsel ins Auge zu fassen? Ist es besser, alles auf sich zukommen zu lassen und erst zu entscheiden, wenn es unvermeidlich ist? Themen wie Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung und Testament drängen sich in den Vordergrund, und ich merke, dass ich das alles geregelt haben will. Heisst das nun, dass ich alt bin, wenn ich beginne, mich mit den genannten Themen vermehrt auseinanderzusetzen? 

Bin ich alt, wenn ich merke, dass ich körperlich nicht mehr so leistungsfähig bin wie noch vor wenigen Jahren, dass ich im Krafttraining weniger Gewicht auflegen kann, wenn ich beim Joggen im Wald schneller ausser Puste gerate oder weniger lange Strecken laufen kann? Ich bin noch nicht alt, aber älter als auch schon – definitiv.

Wann ist man alt?

Bin ich alt, weil ich im Alltag merke, dass ich mich mit all den neuen Technologien und dauernden Neuerungen etwas schwerer tue? Wenn ich mich umhöre, scheint die Akzeptanz und das Hinterfragen der dauernden Änderungen, ohne in jedem Fall erkennbaren Nutzen wie Zeitgewinn oder Vereinfachung, nicht eine Frage des Alters zu sein. 

Bin ich alt, wenn mich mein Umfeld als alt empfindet? 

Ich werde mich ohne Frage sehr alt fühlen, wenn ich auf Hilfe von aussen angewiesen bin und meinen Alltag ohne diese nicht mehr bewältigen kann. 

Es gibt noch einzelne, sehr betagte Menschen in meinem Umfeld, die ich sehr bewundere. Sie sind geistig wach, trotz körperlicher Schwäche an vielem um sich herum interessiert und nehmen aktiv am Leben teil, so weit es ihnen möglich ist. Sie scheinen nicht an der Vergangenheit zu kleben, sondern freuen sich auf das, was das Leben ihnen noch zu bieten hat. Das scheint eines ihrer Geheimnisse zu sein, welches uns ihr wirkliches Alter vergessen lässt.»

Zur Person

Iris Arni ist seit Dezember 2009 an der ZHAW als Leiterin des Hochschulsekretariats tätig. Davor hat sie in einer international tätigen Firma in der Lebensmittelindustrie als Assistentin des Verkaufsleiters gearbeitet und zusätzlich die Kleinkunden in der Schweiz betreut. Zudem leitete sie dort die Verkaufs-Administration mit 10 Mitarbeitenden. Sie hat einen Sohn und eine Tochter sowie einen Enkel. Am 31. August 2023 geht sie in den wohl verdienten «Unruhestand».

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