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Hochschulbibliothek: Einzigartige Sammlung rund ums Thema Alter

Hochschulbibliotheken, das sind Regale voller wissenschaftlicher Literatur und Fachzeitschriften, junge Menschen, die über ihre Laptops gebeugt für die nächste Prüfung büffeln. Lebensgeschichten in Buchform, Spielfilme oder Gesellschaftsspiele – nach ihnen sucht man hier vergebens. Es sei denn, man befindet sich im Bereich «Angewandte Gerontologie» der ZHAW Hochschulbibliothek (HSB) in Winterthur. Hier lagert seit Frühling 2021 der Gesamtbestand der früheren Bibliothek der Organisation Pro Senectute, eine seit den 1950er Jahren kontinuierlich gewachsene Sammlung an Publikationen rund um das Thema Alter. Dazu gehören neben 20'000 Artikeln aus Fachzeitschriften und einer grossen Zahl wissenschaftlicher Literatur auch Spiele, DVDs, Musik und Belletristik. «Einen solch speziellen, multimedialen Fokus zum Thema Alter gibt es in keiner anderen Bibliothek», so Dieter Sulzer, der als Fachreferent für die Sammlung im Bereich Alter zuständig ist. In der Sammlung finde sich praktisch alles, was in den vergangenen Jahrzehnten in der Schweiz zum Thema Alter publiziert worden sei. Dazu gehören Ratgeber, Romane, Krimis oder Biografien. Rund 2000 solcher belletristischer Werke sind hier als Bücher oder E-Books zu finden. Darunter etwa Bestseller wie der Roman des amerikanischen Schriftstellers Philip Roth « Mein Leben als Sohn – eine wahre Geschichte » , die sich um eine sich verändernde Vater-Sohn-Beziehung dreht, Krimis von Henning Mankell oder spezielle Fachbücher für Kinder, wie « Oma Luise und die Schmetterlinge: ein Kinderfachbuch über Demenz » von Christina Kuhn. Neben Lesestoff bietet die Bibliothek in einer Spezialsammlung auch 2600 Aktivierungsmedien an. Das sind Medien, die insbesondere Fachleute bei der Arbeit mit älteren Menschen einsetzen, darunter 650 Spiele, die ausprobiert und ausgeliehen werden können. Ein solches Aktivierungsspiel ist «Haarnadel & Poschettli», welches an der Hochschule Luzern entwickelt wurde. Anhand von Fragekarten werden die Teilnehmenden etwa nach der Höhe des ersten Lohns oder der Anzahl Geschwister gefragt. Dadurch wird nicht nur die Interaktion gefördert, sondern auch das Erinnerungsvermögen trainiert. Gleichzeitig können Pflegekräfte spielerisch wertvolle Informationen zum Leben der Mitspielenden gewinnen, was wiederum zu einer bedürfnisgerechten und ressourcenorientierten Betreuung beitragen kann. Im Medium Film könneman nachvollziehen, wie sich – wortwörtlich – das Bild vom Alter in der Gesellschaft im Laufe der Zeit verändert habe, meint Sulzer: «In Spiel- und Dokumentarfilmen wird immer auch ein in einer bestimmten Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt vorherrschendes Bild des Alters vermittelt.» Besonders wertvoll macht den über 1200 DVDs umfassenden Fundus auch, dass viele der hier ausleihbaren Filme nicht auf den gängigen Streaming-Plattformen zu finden sind. So zum Beispiel auch Sulzers persönliche Filmempfehlung «Von heute auf morgen» . Ein Dokumentarfilm, in dem mit einem humor- und respektvollen Blick das Leben von Menschen in den Fokus gerückt wird, die bei der Spitex arbeiten oder von dieser betreut werden. Dass das Thema Alter nicht mehr nur ein Nischenthema ist, sondern in einer alternden Gesellschaft zunehmend an Wichtigkeit gewinnt, wurde in den vergangenen beiden Jahren besonders deutlich. «Mit der Corona-Pandemie standen ältere Menschen plötzlich im Fokus», meint Dieter Sulzer. Das habe sich konkret etwa an der Anzahl wissenschaftlicher Publikationen zum Thema Alter und Corona gezeigt. Und auch an der ZHAW hat die Altersthematik in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Dabei spielte die Übernahme der Pro-Senectute-Bibliothek keine unwesentliche Rolle. Denn schon bald nach deren Integration wurde auch die Schaffung eines neuen, ZHAW-übergreifenden Schwerpunkts «Angewandte Gerontologie» initiiert. Damit soll nicht nur die Forschung zum Thema Alter vorangetrieben, sondern auch das Angebot im Bereich Lehre ausgebaut werden. Noch steckt der Schwerpunkt in den Kinderschuhen. Dass sich die ZHAW der Thematik annimmt, ist wichtig. Denn, so Dieter Sulzer: «Im Kontext der Hochschule besteht das besondere Potenzial, auch Jüngere zur Auseinandersetzung mit dem Alter zu motivieren, um so generell das Verständnis für ältere Generationen zu fördern.» Sandra Hürlimann

ZHAW-Lifelong-Learning-Strategie: Mehr als nur Weiterbildung

Elena Wilhelm: Das ist richtig. Der Club of Rome hat schon 1979 erkannt, dass es angesichts rapider Veränderungen und zunehmender Komplexität nicht sinnvoll ist, die Ausbildung auf die ersten 18 bis 20 Lebensjahre zu beschränken. Neu ist aber bei unserer Life­long-Learning-Strategie, dass sie Implikationen auf alle Bildungs­stufen und alle Bildungsformate der ZHAW hat. Wir verstehen lebenslanges Lernen nicht nur als Weiterbildung. Das ist im schweizerischen Kontext aussergewöhnlich, wenn nicht sogar einzigartig. Daniel Baumann: Wir stehen zunehmend vor der Herausforderung, dass wir Leute ausbilden sollen für Stellenprofile oder sogar für Jobs, die es heute noch gar nicht gibt. Als Hochschule müssen wir uns überlegen, wie wir diese Aufgabe erfüllen können. Auch die Tatsache, dass viele Menschen ihren Job häufig wechseln oder mehrere Jobs gleichzeitig haben, erhöht ihren Bildungsbedarf. Diese Entwicklung wird sich noch verstärken. Im Gegensatz dazu ist das Bildungswesen noch ziemlich konservativ: standardisierte Curricula, klar interpretierbare Qualifikationsnachweise, messbare Kompetenzen. Das eine passt immer weniger zum anderen. Das könnte sich angesichts der momentanen Dynamik, die wir auch losgelöst von der Corona-Krise erleben, ändern: Durch die digitale Transformation wird vieles obsolet, gleichzeitig wird vieles andere durch sie überhaupt erst möglich. Elena Wilhelm: Das war sicher ein wichtiger Motor für die Entwicklung der Lifelong-Learning-Strategie – zu schauen, welche Implikationen der rasche Wandel des Wissens auf Bildung und Lernen haben könnte und wie sich die ZHAW aufstellen muss. Neuartige Institutionen wie die CODE University in Berlin oder die Ecole 42 in Paris, für die keine Curricula existieren und in denen Studierende weitgehend selbstbestimmt und von den Dozierenden begleitet in Projekten lernen, findet man vor allem in der Informatik­ausbildung. Das ist kein Zufall. In diesem Fachgebiet hat Wissen eine besonders kurze Halbwertzeit. Elena Wilhelm: Wir wollen einen Beitrag zu einer gesellschaftlichen Kultur des lebenslangen Lernens leisten. Für die Studierenden wollen wir ein innovatives, vielfältiges und kreatives Lernumfeld bieten. Wichtig ist auch die intensivierte Vermittlung von Wissens- und Lernkompetenzen sowie von Unternehmenskompetenzen – also Entre- und Intrapreneurship – als Voraussetzung für das lebenslange Lernen. Die Studierenden sollen sich persönlich entfalten und die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft aktiv mitgestalten können. Unsere Angebote sollen sie dabei unterstützen, in einem national und international sehr kompetitiven Umfeld arbeitsmarktfähig zu bleiben. Mit der Strategie soll nicht zuletzt die Bildungschancengleichheit erhöht und die gesellschaftliche Inklusion gefördert werden. Daniel Baumann: Die ZHAW soll auch in fünf und in zehn Jahren noch eine zeitgemässe Hochschule sein. Wir befinden uns im Wettbewerb mit allen Schweizer Hochschulen. Wer die Nachfrage besser abdeckt, wird sich im Markt behaupten können. Eine Fachhochschule ohne Lifelong-Learning-Strategie hat das Profil, welches eine Fachhochschule auszeichnet, nämlich die Praxis­nähe und Anwendungsorientierung in Forschung und Bildung, meiner Meinung nach nicht ganz erreicht. Die Anwendungsorientierung und Praxisnähe sind die Stärken von Fachhochschulen im Vergleich zu universitären Hochschulen. Wir wollen Menschen in die Arbeitswelt entlassen, die dort gleich eingesetzt werden können. Also müssen wir eine Vorstellung davon haben, welches Wissen und welche Kompetenzen wir den Studierenden auf welche Weise am bes­ten vermitteln, sodass sie sich im Unternehmen weiterentwickeln und Verantwortung für Arbeitgeber und Gesellschaft übernehmen können. Und wir müssen uns überlegen, welche unserer Leistungen ihnen dann noch einen Mehrwert bieten können, wenn die Absolventinnen und Absolventen einmal im Arbeitsleben stehen. Elena Wilhelm: Die ZHAW muss als Bildungs- und Forschungsinstitution sowohl den sich rasch ändernden Erfordernissen des Arbeitsmarktes als auch den individuellen Bildungsinteressen noch besser gerecht werden – immer unter der Voraussetzung der Aufrechterhaltung einer qualitativ hochwertigen Hochschulbildung. In der Lifelong-Learning-Strategie haben wir festgeschrieben, dass wir zu diesem Zweck die Synergien zwischen Forschung, Studium, Weiterbildung, Dienstleistung und Innovation stärken. Die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen und den Partnern in Wirtschaft und Gesellschaft im Sinne eines praxisbasierten und lebenslangen Lernens wird nochmals intensiviert. Daniel Baumann: ZHAW digital und die Hochschulentwicklung der ZHAW arbeiten an einem spezifischen Kompetenzentwicklungsmodell. Daniel Baumann: Nehmen wir an, es kommt eine Person – nennen wir sie Anna M. – mit einem spezifischen Bildungs­ziel zu uns an die Hochschule. Vielleicht hat sie ein Zertifikat, aus dem wir ablesen können, was Anna M. kann. Oder sie hat einen informellen Bildungshintergrund, das heisst, dass sie ausserhalb von Bildungseinrichtungen Wissen und Kompetenzen erworben hat. Wenn wir festgestellt haben, über welche Fähigkeiten und Fertigkeiten Anna M. verfügt, könnten wir aus allen ZHAW-Angeboten – Präsenzkurse, Onlinekurse, Coaching oder On-the-Job-Training – ein individuelles Studienprogramm zusammenstellen, damit sie ihr Ziel erreicht. Denkbar wäre auch, dass wir ihr einen persönlichen Trainer an die Seite stellen, der sie durch ihr ganzes Studium begleitet. Und nicht nur das. Aus der Perspektive des lebenslangen Lernens würde Anna M. diesen persönlichen Trainer an unserer Hochschule immer wieder konsultieren, wenn sie sich weiterentwickeln möchte, sei es aufgrund veränderter Interessen oder weil sie Führungsaufgaben übernehmen will oder bei einem Stellenwechsel noch andere Kompetenzen braucht. «Wir stellen ein individuelles Studienprogramm zusammen und sorgen dafür, dass die Kompetenzen am Ende nachweisbar sind.» Daniel Baumann Daniel Baumann: Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Studierenden an der School of Management and Law auch weiterhin zum Beispiel Betriebswirtschaftslehre im klassischen Sinn studieren wird. Es kann aber durchaus sein, dass Anna M. allenfalls aus der Chemie kommt und jetzt spezifisches betriebswirtschaftliches Know-how braucht, weil sie eine Führungsposition übernehmen soll. Wir würden dann ein massgeschneidertes Programm für sie zusammenstellen und dafür sorgen, dass sie am Ende ihre Kompetenzen nachweisen kann. «Der Bereich Weiterbildung sollte noch stärker als bisher auf den spezifischen Kompetenzen der Teilnehmenden aufbauen.» Elena Wilhelm Elena Wilhelm: Für eine individuellere Begleitung durch das Studium sind verschiedene Massnahmen vorgesehen. Eine ist beispielsweise das Senior-Mentoring-Programm. Gestandene Berufsleute aus der Praxis, die sich mit der ZHAW identifizieren, erhalten eine Weiterbildung zur Mentorin oder zum Mentor und können Studierende und Weiterbildungsteilnehmende individueller begleiten, indem sie ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben. Elena Wilhelm: Dieses Anliegen war mir bei der Entwicklung der Strategie sehr wichtig. Denn im Bereich der Weiterbildung sollte noch stärker als bisher auf den spezifischen Kompetenzen der Teilnehmenden aufgebaut werden, damit sie einen möglichst grossen Benefit haben. Ich habe zum Beispiel vor zwei Jahren an der Universität Zürich einen EMBA absolviert. Die Teilnehmenden hatten vollkommen unterschiedliche Vorbildungen. Einige besuchten dabei zum vierten Mal in ihrer Bildungslaufbahn ein Modul in Mikroökonomie, ich besuchte es zum ersten Mal. Eine gewisse Wahlfreiheit wäre diesbezüglich sehr sinnvoll. Elena Wilhelm: Nein. Weiterbildungen à la carte sind eben individuell. Wichtig ist letztlich ja nur, dass das erworbene Wissen und die entwickelten Kompetenzen nachgewiesen werden können. Daniel Baumann: Vielleicht ist die Vergleichbarkeit auch künftig nicht mehr so wichtig. Der Arbeitsmarkt sucht mehr und mehr die richtige Person für einen Job und keine Bildungsstandards. Google hat beispielsweise eine ganz spannende Rekrutierungsstrategie: Die holen sich gute Leute ins Unternehmen, ohne bereits an einen speziellen Job zu denken, schauen dann, was sie oder er kann, und wählen eine entsprechende Stelle aus. Elena Wilhelm: Es braucht ein elektronisches Kompetenzportfolio, das die Kompetenzen abbildet, die man erworben hat. In anderen Ländern wird hierfür etwa die Blockchain-Technologie eingesetzt. Statt Krypto­währungen dienen Kompetenzen als Währungen – wie eine Art Bildungskapital. Arbeitgeber machen auch zunehmend ihre eigenen Assessments. Daniel Baumann: Ohne die Möglichkeiten der Digitalisierung wären die Ziele der Lifelong-Learning-Strategie kaum erreichbar. Die Individualisierung wird durch sie erst möglich und kostengünstiger. Wir können nicht alle Fachgebiete in Eigenregie anbieten. Deshalb sind wir dabei, an der ZHAW einen digitalen Campus zusammen mit anderen Hochschulen aufzubauen. Wir sind die erste Fachhochschule überhaupt, die Partner der weltweiten Online-Bildungsplattform edX ist, die von der Harvard University und dem Massachusetts Institute of Technology gegründet wurde. Damit können wir Anna M. einen geeigneten Online-Kurs bei der Harvard University empfehlen, deren Zertifikat sich in ihrer Bildungsbiografie gut machen würde. Elena Wilhelm: Wir wollen noch viel gezielter die Vorteile des jeweiligen Formats nutzen. Reine Wissensvermittlung kann man online durchführen. Dadurch gewinnt man für eine individuellere Betreuung und individuelles Feedback mehr Zeit. «Im Präsenzunterricht müssen wir Studierenden ein Erlebnis bieten. Sie sollen sagen können: Super, dass ich da gewesen bin.» Daniel Baumann Daniel Baumann: Das kann ich nur unterstreichen. Wir brauchen Vorstellungen davon, was wir den Studierenden qualitativ Gutes zu bieten haben, wenn sie den Aufwand betreiben, um zur Hochschule anzureisen: Wir müssen ihnen ein Erlebnis bieten, sei es im Labor oder in einer Lerngruppe. Sonst können sie nämlich auch zuhause lernen. Sie sollen am Ende des Tages sagen können: Super, dass ich da gewesen bin. Bei der Weiterbildung ist dies noch viel wichtiger. Elena Wilhelm: Die Corona-Krise hat gezeigt, dass wir viel stärker als bisher angenommen auch online miteinander lernen und kommunizieren können. Die Qualität dieses Lernens muss nun ausgewertet und darauf aufbauend müssen entsprechende Konzepte entwickelt und die notwendigen Infrastrukturen aufgebaut werden. «Die bestehenden Bildungs- und Weiterbildungsformate bleiben zentral. Sie werden ergänzt durch neuartige Formate und Abschlüsse.» Elena Wilhelm Daniel Baumann: Mit den Mitteln der Zürcher Digitalisierungsinitiative wurden für die Zürcher Hochschulen sehr gute Rahmenbedingungen geschaffen, das heisst, wir sind da im Gesamtumfeld gut unterwegs, in einigen Themen sogar führend wie im Bereich der Open Education Ressources – also Bildungsmaterial, das für alle öffentlich zugänglich ist –, bei elektronischen Prüfungen oder eben dem «ZHAW digital campus». Elena Wilhelm: Die Strategie bewirkt eine Evolution und keine Revolution. Deshalb wird sich nicht alles ändern. Die bestehenden Bildungs- und Weiterbildungsformate bleiben die zentralen Angebote. Im Zuge des lebenslangen Lernens werden aber neuartige Formate und Abschlüsse eingeführt und erprobt werden. Daniel Baumann: Wir werden auch dann noch eine Präsenzhochschule sein, ergänzt durch einen starken digitalen Campus – gut vernetzt mit dem Arbeitsmarkt für On-the-Job-Training. Studierende werden zu uns kommen, weil wir auf individuelle Bedürfnisse eingehen können und weil bei uns Studieren ein Erlebnis sein wird – etwas, das einen das Leben lang begleitet. Weil das so sein wird, kommen die Studierenden immer wieder, um sich weiterzubilden – lebenslang. Patricia Faller, Sandra Hürlimann

Open Educational Resources: Wissen für viele zugänglich und individuell

Open Educational Resources, kurz OER, sind Bildungsmaterialien, die über die Grenzen des Klassenzimmers oder Seminarraums der Öffentlichkeit zur freien Verwendung und Verbreitung zur Verfügung stehen. Das können zum Beispiel Lehrbücher und Artikel, Grafiken, Software oder Videos aus allen Themenfeldern der Wissenschaft sein. Der wachsende Fundus an frei zugänglichen, einfach auffindbaren Bildungsmaterialien ermöglicht auch eine massgeschneiderte Lernerfahrung. Eine lernende Person kann genau dort ansetzen, wo sie ihr Wissen vertiefen möchte oder eine Lernlücke schliessen will – unabhängig von Alter, Stufe und Wissensstand. Die persönliche Bildung kann granular aufgebaut und zu jedem Zeitpunkt im Leben aufgenommen oder fortgesetzt werden. OER sind damit auch eine wertvolle Basis für einen lebenslangen Lernprozess, den die ZHAW zum Beispiel mit der ZHAW-Lifelong-Learning-Strategie fördert. Aber nicht nur für Menschen, die sich nach dem Studium weiterbilden möchten, können OER einen grossen Mehrwert bieten, sondern auch für Dozierende und Studierende. Und auch für Bildungsinstitutionen wie die ZHAW bergen sie viel Potenzial. Denn dadurch können Leistungen aus der Lehre für ein breiteres Publikum sichtbar gemacht werden, was sich wiederum positiv auf die Reputation der Hochschule auswirken kann. Mit dem Ausbau digitaler Campusse – an der ZHAW und generell in der Hochschulwelt – werden OER und der Umgang damit immer relevanter. Das insbesondere darum, weil die Inhalte auf einem digitalen Campus weltweit verfügbar und sichtbar sind. Studierende und andere Interessierte aus der ganzen Welt erhalten die Möglichkeit, etwa in Form von MOOCs, Massive Open Online Courses, an einer Unterrichtssequenz zu partizipieren. Als erste Fachhochschule weltweit stellt die ZHAW ihre MOOCs auf edX global bereit. Eine weitere Plattform für die Bereitstellung von Lehr- und Lernmaterialien der ZHAW sind SwissMOOCServices . Dort findet sich eine Vielzahl an Kursen von verschiedenen Schweizer Universitäten und Fachhochschulen zu diversen Themen. Bei der Erstellung von Inhalten für solche Plattformen stellen sich vor allem zwei Herausforderungen: Das geistige Eigentum der eigenen Inhalte zu schützen und die Urheberrechte von Fremdmaterialien in der eigenen Lernressource nicht zu verletzen. Im Klassenkontext ist eine Verwendung von urheberrechtlich geschützten Materialien unbedenklich. Sind wir ausserhalb des (virtuellen) Klassenzimmers, also des begrenzten Klassenverbands, müssen wir im Umgang mit dem eigenen und dem fremden geistigen Eigentum vorsichtig sein. Hier sind etwa Creative-Commons-Lizenzen (CC) ein wichtiges Mittel. Vor allem durch die Lizenztypen CC BY und CC BY-SA sind Bildungsmaterialien mit geringen Restriktionen zur weiteren Verwendung frei nutzbar. Eine CC-BY-Lizenz macht bei einer Weiterverwendung des Werks die Nennung der Autorenschaft zwingend, eine CC-BY-SA-Lizenz erfordert neben der Namensnennung des Autors, dass eine Bearbeitung des Originalwerkes unter der gleichen Lizenz veröffentlicht wird. OER sind also eine Chance für Forschung und Lehre, eigene Materialien und damit auch Wissen für viele zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig können Dozierende davon profitieren, dass andere ihr Wissen öffentlich nutzbar machen – und Synergieeffekte für den Unterricht nutzen. Mit OER wird so erstmals auch ein stärkerer Austausch in der Lehre denkbar, der sich in der Forschung bereits als sehr fruchtbar erwiesen hat. Als Grundlage für die Erstellung und Verwendung von OER an der ZHAW existiert seit März 2020 eine eigene Policy , ein Bekenntnis der Hochschule zur Verwendung und Erstellung von OER in der Lehre. Als zentrale Massnahme zur Förderung von OER an der ZHAW wurde ausserdem die OER-Community ins Leben gerufen. Die Idee dabei ist, den Dozierenden eine Plattform zur Vernetzung und zum Austausch für ihre Vorhaben zur Erstellung von OER zu bieten. Doch Open Educational Resources sind nicht nur für die Dozierenden interessant. So lancierte das OER-Kompetenzzentrum der ZHAW Hochschulbibliothek kürzlich das Projekt «Students4OER: Sustainability through Sharing» im Rahmen des ZHAW Sustainable Impact Program. Dabei geht es darum, die Studierenden der ZHAW mit der Kultur des Teilens vertraut zu machen. Projekte mit jungen Menschen sind darum wichtig, weil diese die nächste Generation in Forschung und Lehre repräsentieren. Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, die Studierenden möglichst früh mit dem «Openness-Gedanken» in der Wissenschaft sowie im Lehr-Lern-Prozess vertraut zu machen. So werden wichtige Grundlagen geschaffen für ein neues Verständnis von Wissen als gemeinsamem Gut. Sandra Hürlimann

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