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In der Forschung im eigenen Kulturkreis ist man oft betriebsblind

Patrick Studer: Im Zentrum des Aufenthalts stand das Projekt «High-impact measures for the comprehensive internationalisation of curricula in Switzerland» , an dem neben der ZHAW auch die BFH, die SUPSI, die HES-SO und Fachleute des Center for International Higher Education des Boston College beteiligt sind. Durch den Besuch, der eigentlich so im Projektplan gar nicht vorgesehen war, konnte ich zusätzliche Kontakte knüpfen, so etwa zum damaligen Direktor des Zentrums Hans de Wit. Aus diesem Kontakt wiederum ergab sich eine verlängerte Visiting Scholarship am Boston College, die aber leider aufgrund der Situation um Covid-19 nicht intensiv genutzt werden konnte. Ich würde in Zukunft sehr gerne noch einen längeren Forschungsaufenthalt in Boston einplanen. Ich wurde sehr herzlich in Boston empfangen und fühlte mich gleich zuhause. Ich habe mehrere Jahre in Irland gelebt und unterrichtet und fand Boston sehr nahe an meiner früheren Auslanderfahrung. Die Kolleginnen und Kollegen in Boston haben mich dann auch überall herumgeführt. Besonders in Erinnerung sind für mich die schönen Ausflüge, die wir gemacht haben. Und daneben haben wir natürlich Ideen für weitere Projekte geschmiedet. Aus diesen Ideen ist dann auch ein Folgeprojekt entstanden. «Wenn ich mit Personen von ausserhalb der Schweiz forsche, wird das Alltägliche in Frage gestellt und neu verhandelt .» Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und fand die Schweiz immer sehr klein. Schon früh hatte ich den Drang, mehr von der Welt kennenzulernen. So bin ich bald nach meinem ersten Abschluss an der Universität Zürich nach Irland übergesiedelt. Dort lernte ich in der Auslandgermanistik, wie es sich anfühlt, wenn man aus einer anderen Kultur auf Dinge schaut, die mir sehr vertraut sind. Ich musste Banales über meine Herkunftskultur erklären, über das ich mir gar nie richtig Gedanken gemacht hatte. Heute sind internationale Kontakte in meiner Forschungstätigkeit nicht mehr wegzudenken: Ich arbeite intensiv mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern in Europa und darüber hinaus zusammen. In der Forschung im eigenen Kulturkreis ist man oft betriebsblind. Es gibt wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse zu Forschungsthemen, die die Forschungsagenda beeinflussen. Wenn ich mit Personen von ausserhalb der Schweiz forsche, wird das Alltägliche in Frage gestellt und neu verhandelt. Das gefällt mir. Die ZHAW ist ursprünglich eine regional orientierte Fachhochschule und dadurch noch kein grosser «Player» auf dem internationalen Hochschulmarkt. Gleichzeitig darf man sich dadurch aber auch nicht einschüchtern lassen. Die Welt ist offen und interessiert daran, mit uns in Kontakt zu treten. Die ZHAW wird von aussen als junge, aufstrebende Hochschule wahrgenommen. Wenn also jemand aus der ZHAW mit einer renommierten Hochschule im Ausland zusammenarbeiten möchte, dann kann ich diese Person nur dazu ermutigen, den Kontakt herzustellen. Wichtig ist aber auch, dass man dranbleibt, wenn einmal keine Antwort kommt. Es braucht also auch ein bisschen Hartnäckigkeit. Ein zentraler Mehrwert für die ZHAW ist die erhöhte Sichtbarkeit nach aussen, aber auch nach innen. Sichtbarkeit bedeutet, dass wahrgenommen wird, was wir hier tun und wer wir sind. Sie ist aber kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck; sie dient dazu, die Qualität des Forschungs- und Lehrbetriebs durch internationalen Austausch und Zusammenarbeit zu verbessern. Ein Austausch bietet wertvolle Impulse für Innovation in Forschung und Lehre: Man erfährt, wie anderswo das eigene Fach unterrichtet oder wie und unter welchen Rahmenbedingungen im eigenen Forschungsbereich geforscht wird. Aus diesem Grund wären ja gerade auch die europäischen Forschungs- und Austauschprogramme so attraktiv, an denen wir nur peripher teilnehmen können. Es geht meines Erachtens weniger ums Geld, das man einwerben kann, als um die Tatsache, dass man sich in Estland, Dänemark, Spanien und Italien gemeinsam zu einem Thema Gedanken machen und zusammen Forschung betreiben kann. Dadurch kann ein ganzheitliches Bild eines Forschungsgegenstands entstehen. Auch fördert der internationale Austausch inter- und transdisziplinäres Denken, weil die Grenzen zwischen den Disziplinen und Akteuren im Ausland oftmals anders abgesteckt sind. Das Interview wurde schriftlich geführt Interview Sandra Hürlimann

Forschung im Finanzbereich ist international

Jan-Alexander Posth: Die grossen Probleme unserer Zeit wie der Klimawandel, die Umweltverschmutzung oder der Verlust an Biodiversität sind global und als solche auch nur in einem globalen Kontext zu verstehen und zu lösen. Gerade im Bereich ESG (Anm. der Red.: Anlagen mit besonderen Anforderungen hinsichtlich Umwelt, Sozialem und guter Unternehmensführung) und Sustainable Finance war es mir daher sehr wichtig, die Perspektive des globalen Players China direkt aus erster Hand zu erfahren. Mein Swissnex-Besuch in Schanghai und Beijing hat mir dabei geholfen, ein weitgehenderes und integraleres Verständnis der Problematik zu erlangen. Durch meinen Swissnex-Besuch in China konnte ich meinen Forschungsfokus noch einmal klarer definieren. Gleichzeitig kann ich nun meine Forschung im Bereich Sustainable Finance besser in einen globalen Kontext einbinden. Hierdurch haben sich ganz neue und essenzielle Facetten meiner Arbeit herauskristallisiert. Ganz klar konnte ich am meisten vom beeindruckenden Swissnex-China-Netzwerk profitieren. Swissnex-China hat bereits im Vorfeld meines Besuchs eine tolle Agenda für mich erstellt, die mir den Austausch mit renommierten Kontaktpersonen in Wissenschaft und Wirtschaft ermöglicht hat. «Die spannenden Forschungsthemen gerade im Finanzbereich haben heutzutage allesamt einen internationalen Charakter.» Besonders beeindruckt hat mich, wie offen und freundlich ich bei all meinen Treffen empfangen wurde. Stets haben sich sehr interessante Diskussionen zu spannenden Themen ergeben, die mir eine neue Perspektive auf den Themenkomplex ESG und Sustainable Finance in China eröffnet haben. Die spannenden Forschungsthemen gerade im Finanzbereich haben heutzutage allesamt einen internationalen Charakter. Es ist also einerseits besonders wichtig, die notwendigen Netzwerke zu pflegen, die es der ZHAW erlauben, hier aktiv die Forschung mit voranzutreiben. Andererseits bietet die Hochschule viele Programme für ein internationales Zielpublikum an. Beides unterstreicht den internationalen Charakter der Hochschule in der Forschung und der Lehre, der für das Fachgebiet Banking & Finance so essenziell ist. Um international anerkanntes Cutting-Edge-Research betreiben zu können, ist es wesentlich, dass die ZHAW in ein internationales akademisches Netzwerk eingebunden ist. Internationale Austauschprogramme wie Swissnex bieten den an der ZHAW tätigen Forschenden die Möglichkeit, sich hier zu positionieren und so die Hochschule im globalen akademischen Umfeld zu etablieren. Neben der so gesteigerten Visibilität profitiert die ZHAW dank dem Netzwerk durch den Zugang zu internationalen Forschungsprojekten und einer qualitativ höherwertigen Forschung. Das Interview wurde schriftlich geführt Interview Sandra Hürlimann

Nachgefragt bei Olaf Zawacki-Richter: Wie sieht die Hochschule der Zukunft aus?

Olaf Zawacki-Richter: Wir müssen uns eher fragen, wie Hochschulen in Zukunft sein beziehungsweise welche Rolle sie in unserer Gesellschaft spielen sollten. Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung ist für mich ein globaler Orientierungsrahmen. Wir sollten uns insbesondere für eine Bildung für alle im Sinne einer offenen Hochschule einsetzen, um inklusive, gerechte und hochwertige Bildung zu gewährleisten und lebenslanges Lernen für alle zu fördern. Die Hochschulen müssen ein Hort der freien Forschung und Lehre sein, um unabhängig Wissen zu erzeugen und zu verbreiten. Nur so können Hochschulen ihre Funktion als Keimzelle für Innovationen erfüllen, um zur Lösung der Probleme unserer Zeit beizutragen. Der von uns verursachte Klimawandel ist wahrscheinlich die grösste Herausforderung, mit der die Menschheit bisher je konfrontiert wurde. Die Weichen, die wir nun stellen müssen, werden gravierende Auswirkungen auf das Leben der nächsten Generationen haben. Umso wichtiger sind wissenschaftliche Erkenntnisse, die ein evidenzbasiertes Handeln der Gemeinschaft, aber auch jedes Einzelnen erst ermöglichen. Schon vor der Covid-19-Pandemie war klar, dass die Digitalisierung als Megatrend alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringt. Diese Entwicklungen wurden durch die Pandemie beschleunigt. Sie betreffen natürlich auch Bildungsinstitutionen. Es entstehen gerade neue Bereiche, wie etwa Anwendungen Künstlicher Intelligenz in der Bildung. Es wird einen immer grösseren Bedarf an Fachkräften geben, die komplexe digitale Methoden und Technologien verstehen, gestalten und ihren Einsatz kritisch analysieren und reflektieren können. Den Hochschulen wird eine Schlüsselrolle dabei zukommen, Menschen aus- und fortzubilden, die kreativ und empathisch Entscheidungen treffen und gesellschaftliche und soziale Verantwortung in einer digitalen Welt übernehmen. Interview Sandra Hürlimann

«Wegen wachsender Konkurrenz wird die Akkreditierung wichtiger»

Dora Fitzli: Die Akkreditierung ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir uns auch weiterhin Fachhochschule nennen dürfen und auch ab 2023 Finanzierungsbeiträge des Bundes erhalten. Nur akkreditierte Hochschulen sind zudem befähigt, anerkannte Schweizer Bachelor- und Masterabschlüsse auszustellen. Ausserdem ist die ZHAW nun ein eigenständiges Mitglied von swissuniversities , der Dachorganisation der Schweizer Hochschulen. Benno Grüter: Die Akkreditierung von Hochschulen ist ein Prozess, den man ausserhalb der Schweiz schon lange kennt. Dass die ZHAW sich jetzt «institutionell akkreditiert» nennen darf, ist also insbesondere auch im Zusammenhang mit der internationalen Zusammenarbeit und Mobilität wichtig. Diese formale Bezeichnung kann zum Beispiel bei einem Kooperationsabkommen mit ausländischen Hochschulen ein Vorteil sein, da unsere hohen Qualitätssicherungsstandards nun mit einem offiziellen Label akkreditiert sind. Marlies Whitehouse: Der grösste Gewinn für alle Anspruchsgruppen ist die Gewissheit, dass die ZHAW eine Hochschule ist, die hohe Qualitätsstandards erfüllt. Dora Fitzli: Der Stellenwert der Akkreditierung wird sich in den nächsten 10 bis 20 Jahren durch eine wachsende Konkurrenz auf dem Bildungsmarkt zunehmend erhöhen. Fitzli: Die ZHAW als Hochschule und auch die Departemente haben sich lange vor dem Projektstart «Institutionelle Akkreditierung» mit dem Thema Qualität auseinandergesetzt. 2015 und 2016 wurde in einem breit abgestützten Prozess die Qualitätsstrategie 2015–2025 der ZHAW erarbeitet. Darauf basierend erstellten die Departemente ihre Qualitätskonzepte, verfassten Selbstevaluationsberichte als Grundlage für die von ihnen durchgeführten Peer-Reviews. Auf dieser Vorarbeit und der dadurch etablierten Qualitätskultur konnte im Selbstbeurteilungsbericht der ZHAW und in der Vorbereitung auf die Vor-Ort-Visite der Gutachtergruppe aufgebaut werden. Grüter: Mit der Erarbeitung des Qualitätskonzepts für die School of Engineering begannen wir um 2016, als der Auftrag der Hochschulleitung an die Departemente ging, ein Umsetzungskonzept zur Qualitätsstrategie 2015–2025 zu erstellen. Hier lag der Fokus auf der Operationalisierung der Qualitätsstrategie, insbesondere des darin eingeführten Informed-Peer-Review-Verfahrens. Dabei handelt es sich um einen Austausch zwischen verschiedenen Gruppen des Departements mit externen Peers aus anderen Hochschulen und aus der Industrie. Auch Studierende sind daran beteiligt. Im Zentrum steht die Reflexion verschiedener Qualitätskriterien. In dieser intensiven Auseinandersetzung mit internen und externen Peers lernt man extrem viel und der kritische Blick auf die eigene Organisation wird im positiven Sinne geschärft. Fitzli: Das, was du im Zusammenhang mit den Peer-Reviews an der School of Engineering beschrieben hast, haben wir als Qualitätskommission in Hinsicht auf die institutionelle Akkreditierung auch erlebt. Im Austausch miteinander haben wir viel voneinander erfahren und konnten das dann im Selbstbeurteilungsbericht gemeinsam reflektieren. Dabei wuchs auch das Vertrauen in der Qualitätskommission. Ein wertvoller Nebeneffekt des Akkreditierungsprozesses! Günter: Wir haben in der Kommission oft über ein gemeinsames Verständnis einer Qualitätskultur der ZHAW diskutiert und versucht, einen knappen gemeinsamen Nenner zu finden. Dieser liegt in der Anerkennung unserer Diversität. Es ist unsere Stärke, dass wir uns an einer gemeinsamen Qualitätsstrategie ausrichten, ohne dabei die spezifischen Qualitätskulturen in den Fachbereichen aufzugeben. Whitehouse: Bei den Vorbereitungen, der Selbstevaluation in den Departementen und auch im Zusammenhang mit dem Erstellen des Selbstbeurteilungsberichts zur institutionellen Akkreditierung wurde auf ein iteratives Verfahren gesetzt. Das heisst, die Inhalte wurden immer wieder unter Einbezug verschiedener Anspruchsgruppen, der Kommissionen, der Departemente und des Rektorats diskutiert und verbessert. Der Prozess war aufwendig, doch er hat sich gelohnt. Am Schluss hatten wir einen Bericht, hinter dem alle stehen konnten. Fitzli: An zwei Tagen wurden 13 Gruppen à je acht bis zehn Personen von einer externen fünfköpfigen Gutachtergruppe zu verschiedenen Standards befragt. In diesen Gruppen waren Studierende, Forschende, Dozierende, Mitglieder der Hochschulversammlung und der Hochschulleitung, Institutsleitende, Mitarbeitende und die Qualitätskommission vertreten. Die Gutachtenden gewannen einen sehr guten Gesamteindruck der Gruppen, was mich extrem gefreut hat. Grüter: Die Vor-Ort-Visite ist vergleichbar mit einer Peer-Review – nur handelt es sich eben um ein Prüfverfahren. Bei der Peer-Review an unserem Departement habe ich festgestellt, dass unser Selbstevaluationsbericht den Inhalt der Peer-Review-Gespräche massgeblich geprägt hat. Und das war auch bei der institutionellen Akkreditierung der Fall. Dass der Selbstbeurteilungsbericht auf die Stärken und Schwächen eingegangen ist, hat der Gutachtergruppe die Befragung erleichtert. Ein Schlüssel für die erfolgreiche institutionelle Akkreditierung ist neben einem funktionierenden Qualitätssicherungssystem also auch der Selbstbeurteilungsbericht. Fitzli: Der Bericht der externen Gutachtenden ist generell sehr positiv. Speziell wurde etwa der Austausch innerhalb der ZHAW, vor allem in den Kommissionen, als sehr positiv gewertet. Auch wurde die Arbeit der Qualitätskommission gelobt. Die Gutachterinnen und Gutachter haben die Qualitätsstruktur in ihrer Vielfalt und Differenziertheit und als eine Stärke der ZHAW wahrgenommen, ebenso die geregelten Strukturen und Prozesse. Besonders wurde die Lebendigkeit der Subsidiarität hervorgehoben. Diese Anmerkung hat mich sehr gefreut. Die Gutachtergruppe hat die Stärke unserer Qualitätsstrategie, die sich als Qualitätskultur versteht, die Raum für Spezifisches gibt, erkannt und positiv gewürdigt. Marlies Whitehouse: Speziell wurde auch die Langfristigkeit der Qualitätsstrategie hervorgehoben. Die ZHAW hat nicht kurzfristig eine Qualitätsstrategie aufgesetzt, um die institutionelle Akkreditierung zu erlangen, sondern sie ist langfristig an einer guten Qualität interessiert. Fitzli: Die Sicherstellung der studentischen Mitwirkung auf Departementsebene ist die einzige Auflage, die die ZHAW erhalten hat. Dieses Defizit ist uns bereits im Selbstbeurteilungsprozess aufgefallen. So konnten wir schon in der Phase zwischen der Abgabe des Berichts und der Vor-Ort-Visite eine entsprechende Policy erarbeiten. Die Studierendenorganisation ALIAS soll neu organisiert werden in einem Verein mit Sektionen. Jedes Departement soll eine Studierendenvertretung haben, die auf der Departementsebene ein Mitbestimmungsrecht hat. ALIAS arbeitet zurzeit intensiv daran und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diese Auflage in der gewährten Frist von zwei Jahren umsetzen können. Neben dieser Auflage hat die Gutachtergruppe verschiedene Empfehlungen ausgesprochen. Dazu gehören etwa die Weiterentwicklung der Qualitätsstrategie und die Sichtbarkeit der Tätigkeiten im Bereich Nachhaltigkeit. Auch die Frauenförderung in den oberen Führungspositionen war ein Thema. Der externe Gutachterbericht hat vieles aus dem Selbstbeurteilungsbericht aufgenommen und explizit gemacht. Wir sind nun in allen Punkten dabei, diese zu verbessern. Der Bericht ist also auch ein Katalysator. Whitehouse: Die Departemente erhielten mit der ZHAW-Qualitätsstrategie 2015–2025 den Auftrag, eine departementsspezifische Umsetzungsstrategie vorzulegen. Darin wird festgesetzt, in welchen Abständen die Peer-Reviews stattfinden oder welche Indikatoren zu welchem Zeitpunkt überprüft werden. Grüter: Nach der Durchführung einer Peer-Review erstellen die Peers einen Bericht mit Empfehlungen für Verbesserungsmassnahmen. Das Departement erstellt im Anschluss einen Massnahmenplan, der mit dem Rektor abgestimmt wird. An der School of Engineering etwa haben Studierende im Rahmen der Peer-Review zurückgemeldet, dass die «Studierbarkeit» nicht gewährleistet war, weil teilweise über 10 Lektionen pro Tag stattgefunden haben. Daraufhin wurde die Stundenplanung angepasst, und nach einer erneuten gemeinsamen Reflexion mit Studierenden aller Studiengänge haben wir nun das positive Ergebnis, dass die Studierbarkeit gewährleistet ist. Dieses Vorgehen ist ein Beispiel für das funktionierende Peer-Review-Verfahren als Instrument zur Qualitätssicherung. Und genau die wird bei der institutionellen Akkreditierung überprüft. Whitehouse: Die ZHAW muss also vor allem eine lernfähige Organisation sein. Das heisst, sie muss über Instrumente verfügen, um Verbesserungspotenzial zu erkennen und adäquate Massnahmen zu entwickeln. Dass die ZHAW dazu in der Lage ist, hat die institutionelle Akkreditierung bestätigt. Whitehouse: Die ZHAW-weite Auseinandersetzung mit dem Thema Qualität und das Hinarbeiten auf ein gemeinsames Ziel empfand ich als sehr positiv. Ebenso, dass es gelang, die Vielfalt der ZHAW im Selbstbeurteilungsbericht abzubilden und als Chance zu erkennen. Grüter: Der Weg zum Akkreditierungsprozess stellt für mich den grössten Gewinn dar, konkret die Auseinandersetzung mit Qualität im Rahmen von Peer-Review-Verfahren. Ich habe darin einen grossen Mehrwert für die Mitarbeitenden erkannt. Dadurch, dass es sich nicht einfach um eine Befragung handelt, sondern ein offener Dialog stattfindet, entstehen wichtige Diskussionen unter den beteiligten Mitarbeitenden und im Austausch mit externen Peers. Diese Dialoge auf Augenhöhe und die daraus entstehende Reflexion über diverse Themen sind ungemein wertvoll für die Qualität. Fitzli: Für mich war es die interne Auseinandersetzung mit Qualität auf einer Metaebene, also der Austausch über die Prozesse und Strukturen. Ausserdem empfinde ich es bei der institutionellen Akkreditierung und dem Peer-Review-Verfahren als grossen Vorteil, dass der Fokus nicht «nur» auf den Leistungsbereichen Forschung, Lehre, Weiterbildung und Dienstleistungen liegt, sondern auch Governance und Ressourcen, etwa die Mitarbeitendenentwicklung oder Finanzierung, mit einbezogen werden. Für mich war der Akkreditierungsprozess insgesamt aber auch eine sehr wertvolle Erfahrung, weil ich mit so vielen Leuten zusammenarbeiten und diese kennenlernen durfte. Das empfinde ich als grossen Gewinn! Interview Sandra Hürlimann

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