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Vom Wunsch, kinderlos zu bleiben, von einer SAC-Hütte und Zwangsarbeit

Jemand kann seine Adresse nicht angeben, ist nicht krankenversichert und wird stets begleitet: Dies können Hinweise auf Menschenhandel und Zwangsarbeit sein. Betroffene sind oft extremen Formen von körperlicher, sexueller sowie physischer Ausbeutung ausgesetzt und werden von der Aussenwelt abgeschottet. Sich zu wehren oder Hilfe zu holen, fällt ihnen schwer. Entscheidend seien Drittpersonen, die ihre Situation erkennen, stellen Angèle Lavignac und Sahar Ana Richter fest. «Gesundheitsfachpersonen könnten eine grössere Rolle beim Erkennen von Menschenhandel spielen», sagen sie. Ärztinnen, Ärzte, Pflegende und Hebammen zählten zu den wenigen Berufsgruppen, die mit Betroffenen direkt in Kontakt kommen. «Damit sie adäquat reagieren können, müssen sie sensibilisiert und geschult werden.» Die Autorinnen lis­ten Merkmale für eine mögliche Ausbeutung auf. Dazu zählen Sprachbarrieren, fehlende Ausweisdokumente, Drogenkonsum und auffällige Begleitpersonen. Betroffene nehmen eher spät medizinische Hilfe in Anspruch. Sie leiden häufig unter nicht unfallbedingten Verletzungen und gynäkologischen Beschwerden. «Es braucht ein geschultes Auge, um Menschenrechtsverletzungen zu erkennen», sagt Angèle Lavignac. Betroffene seien im Sexhandel, aber ebenso auf Baustellen oder in Haushalten zu finden. Bei einem Verdacht sollten Hebammen sensibel nachfragen und über Unterstützungs­angebote informieren, sagt Sahar Ana Richter. «Dafür sollten sie mit der Person allein sein.» Die Konkordiahütte liegt auf einem Felsen hoch über dem Aletschgletscher. Zu erreichen ist sie über das Eis und steile Metalltreppen. SAC-Hütten seien zugleich «Betroffene» wie auch «Mitverantwortliche» der Umweltproblematik, stellt Lara Bieler fest, die am Departement für Life Sciences und Facility Management studiert hat. «Einerseits sind sie stark von den klimatischen Veränderungen betroffen, da Gletscherschmelze und sinkende Wasserreserven ihre Versorgungssicherheit und Infrastruktur erheblich belasten. Andererseits tragen sie durch ihren Betrieb auch selbst zur Umweltbelastung bei.» Ein grosser Teil der CO₂-Emissionen ist auf Transporte per Helikopter zurückzuführen. Bieler zeigt auf, dass sich diese durch eine optimierte Logistik deutlich senken lassen. Schmelzwasser könnte nicht nur für Heissgetränke, sondern auch als Trinkwasserquelle genutzt werden, damit weniger PET-Flaschen angeliefert werden müssen. Die Toilettenabfälle liessen sich durch eine Wurmkompostierung verringern. Handlungsbedarf sieht die Autorin zudem bei den Abwasserströmen. Sie schlägt eine stromlose Klein-Kläranlage vor, um stark verschmutztes Wasser aus der Küche aufzubereiten, bevor es in die Umwelt gelangt. Mit einer Recycling-Station könnte leicht verschmutztes Wasser aus Duschen und Lavabos für die Textilwaschmaschine wiederverwendet werden. Das Energiesystem liesse sich mit einer Wärmepumpe und einer erweiterten Photovoltaikanlage optimieren. «Schon einfache Massnahmen, die ressourcenarm umzusetzen sind, würden viel bewirken.» Zwischen Selbstbestimmung und Vorurteilen: So umschreibt Jacqueline Wechsler, was junge Menschen erleben, die keine Kinder bekommen und sich sterilisieren lassen möchten. In ihrem Podcast zeigt sie anhand von vier Personen auf, wie unterschiedlich der Weg zum operativen Eingriff sein kann. «Er ist in manchen Fällen schwierig, aber durchaus möglich», sagt sie. Kaum negative Erfahrungen machte eine heute 57-jährige Frau, die sich 1996 ihre Eileiter veröden liess. Gesetzliche Bestimmungen spezifisch zur Sterilisation gab es damals noch nicht. Erst 2005 wurde etwa festgelegt, dass Patientinnen oder Patienten volljährig und urteilsfähig sein müssen. «Es hat mich überrascht, wie reibungslos sich diese Gesprächspartnerin sterilisieren lassen konnte», sagt Wechsler, die am Departement Angewandte Linguistik studiert hat. Deren Gynäkologin habe die Operation bereits nach einem Gespräch aufgegleist. «Das ist auch heute noch nicht selbstverständlich.» Eine andere Frau berichtet, dass sie sich von Ärztinnen und Ärzten zu wenig ernst genommen fühlte. Als sie sich mit 21 Jahren für den Eingriff anmelden wollte, hiess es, sie sei viel zu jung dafür. Sie wurde immer wieder zu Besprechungen aufgeboten und unter anderem gefragt, was ihr Partner von ihren Plänen halte. «Sie wollten mich einfach nicht verstehen», kritisiert die Frau. «Das war frustrierend.» Erst nach einem psychologischen Gutachten wurde sie schliesslich operiert. Mit deutlich weniger Aufwand gelangte der einzige männliche Protagonist des Audio­stücks ans Ziel. Er wurde mit 24 Jahren unmittelbar nach dem Vorgespräch unterbunden. Er vergleicht seine Vasektomie mit einem «aufgeschobenen Zahnarztbesuch, den man endlich gemacht hat.» Eveline Rutz

Vom Schulschwänzen, Palmöl und von smarter Navigation

Palmöl herzustellen, belastet die Umwelt. Nicht nur, weil für Plantagen Regenwald gerodet wird. Sondern auch, weil beim Pressen der Früchte Reststoffe zurückbleiben. In Ölmühlen fallen unter anderem leere Fruchtstände sowie Prozessabwasser an. «Werden diese Rückstände unkontrolliert gelagert, können sie erhebliche Umweltprobleme verursachen», sagt Marion Seger, die am Departement Life Sciences und Facility Management studiert hat. Aus logistischen und finanziellen Gründen bleibt das überwiegend organische Material meist in der Nähe der Mühlen liegen. Feste Pflanzenreste werden in Haufen aufgeschichtet oder verbrannt, flüssige Nebenprodukte werden in offenen Becken gesammelt. Diese Methoden führen zu anaeroben Verhältnissen und somit dazu, dass viel Methan entweicht. «Kompostieren ist eine der vielversprechendsten Strategien, um dem entgegenzuwirken», betont die Bachelorabsolventin. Sie sei wirkungsvoll und lasse sich relativ einfach umsetzen. Wie Kompostmieten aus leeren Fruchtständen und Prozessabwasser optimalerweise angelegt, bewässert und gewendet werden, hat Seger in der Elfenbeinküste untersucht. Sie ist dabei vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und einem lokalen Team unterstützt worden. Ihre Messungen, Laboranalysen und Pflanzentests dokumentieren, dass die Abfälle von Palmölmühlen nachhaltig verwertet werden und klimaschädlichen Importdünger ersetzen könnten. Die Produzierenden würden von einer günstigeren Alternative, fruchtbareren Böden und besseren Ernten profitieren. Vor Ort würden zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Zudem lasse sich Biogas daraus gewinnen. «Das wäre ein weiterer wichtiger Baustein für eine nachhaltige Produktion.» Bis in einer Schule auffällt, dass ein Kind übermässig schwänzt, kann es dauern. «Schulabsentismus zu erkennen, ist häufig sehr schwierig», sagt Anna Borghetti, die an der ZHAW Soziale Arbeit studiert hat. Lehrpersonen seien mit grossen Klassen konfrontiert und müssten vielfältigen Anforderungen gerecht werden. Schulmeidendes Verhalten entwickle sich zudem meist schleichend. Es beginne etwa mit einer passiven Haltung im Unterricht und gelegentlichem Fernbleiben, bis sich die Absenzen häuften. «Die Problematik wird oft unterschätzt und hauptsächlich als administrative Herausforderung betrachtet.» Dadurch kann wertvolle Zeit verstreichen, in der sich Betroffene von der Schule entfremden und das Risiko negativer Folgen für ihre weitere Entwicklung steigt. «Es ist entscheidend, frühzeitig, geschlossen und interprofessionell aktiv zu werden», sagt die Autorin. Schulabsentismus sei nicht als individuelles Fehlverhalten, sondern als Ausdruck ineinandergreifender Belastungsfaktoren zu verstehen. Das Konzept der «Neuen Autorität» bietet Orientierung für ein gemeinsames Verständnis und ein handlungsleitendes Vorgehen, etwa durch wachsame Präsenz, gewaltfreie Kommunikation und den Aufbau eines unterstützenden Netzwerks. Schulsozialarbeitende verfügen über Ressourcen und Kompetenzen, um dabei eine vermittelnde Rolle zu übernehmen. Sie können dazu beitragen, Ursachen und Dynamiken zu verstehen, und die Rückkehr in den Schulalltag begleiten und dabei das betroffene Kind, dessen Eltern, Lehrpersonen sowie externe Fachkräfte einbinden. «Ziel ist es, Überforderung zu vermeiden, Selbstwirksamkeit zu stärken und Vertrauen aufzubauen», sagt Borghetti, die für die Reintegration einen praxisnahen Handlungsplan vorlegt. Weniger Unfälle, Stau und Umweltbelastungen: Autonomes Fahren soll den Verkehr positiv verändern. «Die Technologie ist vielversprechend und entwickelt sich rasant», sagt Sandro Bachmann, der an der School of Engineering Systemtechnik studiert hat. Bis sich Fahrzeuge selbstständig und sicher in komplexen, sich dynamisch verändernden Umgebungen bewegen, müssen die Navigationssysteme allerdings noch verbessert und intensiv trainiert werden. Neben realen bieten sich dafür virtuelle Testflächen an. «Man kann beliebige Szenarien simulieren und ein Modell rund um die Uhr kostengünstig und sicher vorantreiben», erklärt Bachmann. Zusammen mit Batuhan Ayfer hat er im Open-Source-Framework CARLA ein Simulationsgebiet gestaltet, mit dem sich die autonome Steuerung des Elektromobils «Nina» weiterentwickeln lässt. Das Gefährt stammt aus der Entwicklungsabteilung von KYBURZ Switzerland, wo Ayfer arbeitet. Es wird an der ZHAW für Forschungszwecke eingesetzt und ist erstmals für eine Bachelorarbeit genutzt worden. «Nina» ist mit mehreren Sensoren ausgestattet, die unter anderem mittels Laserimpulsen Entfernungen messen und bisher die Basisdaten für das autonome Fahren lieferten. «Wir nutzen nun zusätzlich die Frontkamera», sagt Batuhan Ayfer. Sie liefert weitere Informationen über eine Verkehrssituation, welche mit KI ausgewertet werden. Neu muss das Elektromobil eine Strecke nicht mehr kennen, damit es sie autonom zurücklegen kann. Ein von den ZHAW-Absolventen entwickelter Algorithmus berechnet zwischen Start- und Zielpunkt kontinuierlich die anzufahrenden Wegpunkte, die sich dynamisch an die Umgebung anpassen. Er leitet aus den Kameradaten also direkt ab, wie «Nina» navigieren soll. Darauf können künftige Forschungsarbeiten und reale Anwendungen aufbauen. Eveline Rutz

Von der Energiewende und Alzheimer-Diagnosen per App

Wer in die Schweiz einwandert, soll sich integrieren. So sieht es die Gesetzgebung vor. Um ausländerrechtliche Bewilligungen zu erlangen, müssen Migrantinnen und Migranten daher gewisse Anforderungen erfüllen. Sie erleben allerdings häufig Diskriminierungen, die ihnen dies erschweren. «Sie befinden sich in einem Spannungsfeld», sagt Anja Herrli. Die ZHAW-Absolventin hat im Rahmen eines Praktikums zugewanderte Jugendliche betreut. «Sie sollen eine Ausbildung machen, werden aber benachteiligt, wenn sie nur schon einen Platz für eine Schnupperlehre suchen.» Wie Herrli in ihrer Abschlussarbeit aufzeigt, ist die Situation für vorläufig aufgenommene Personen besonders schwierig. Dabei handelt es sich um Menschen, die kein Asyl erhalten, jedoch nicht zurückgewiesen werden können. Etwa weil ihnen in ihrer Heimat Krieg, Verfolgung oder eine medizinische Notlage droht. «Ihr Alltag ist häufig von Verboten und Einschränkungen geprägt», so die Autorin. Vorläufig Aufgenommene müssen beispielsweise ein Gesuch stellen, wenn sie den Kanton wechseln möchten. Sie erhalten tendenziell weniger Sozialhilfe und haben geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. «Um sie zu unterstützen, sollten sich Sozialarbeitende mit deren Lebenswelt auseinandersetzen», sagt Herrli und streicht die Bedeutung interkultureller Kompetenzen hervor. Angebote sollten einfach zugänglich sein und Partizipationsmöglichkeiten bieten. Mit sozialer Arbeit sollte Diskriminierungen präventiv entgegengewirkt werden und auf politischer Ebene für Verbesserungen gesorgt werden. Lithium spielt eine zentrale Rolle, wenn fossile Brennstoffe ersetzt werden sollen. Das Leichtmetall wird unter anderem in Akkus eingesetzt, wie sie in E-Bikes, E-Autos und zur Speicherung von Energie aus erneuerbaren Quellen verwendet werden. «Lithium wird für die Energiewende entscheidend sein», sagt Nicolas Müller, der an der School of Management and Law studiert hat. Die Nachfrage nach dem Metall werde in den nächsten Jahren stark zunehmen. 2030 dürften 300’000 Tonnen Lithium fehlen, wenn der Abbau nicht intensiviert werde. «Es braucht zusätzliche Anstrengungen und Investitionen», sagt Müller. Grosses Potenzial sieht der ZHAW-Absolvent dafür in Südamerika. Argentinien, Chile und Bolivien verfügen zusammen über Lithium-Reserven von 50 bis 55 Millionen Tonnen. Aktuell produzieren sie rund 54 000 Tonnen pro Jahr. Allerdings belasten herkömmliche Abbauverfahren die Umwelt erheblich. Sie verbrauchen und verunreinigen grosse Mengen an Wasser und Land. Zudem benötigen sie viel Energie, verursachen CO₂-Emissionen, schaden der Biodiversität und können Konflikte mit der lokalen Bevölkerung auslösen. «Investierende sollten auf nachhaltigere Technologien setzen», sagt Müller und nennt als Beispiel die Methode DLE (Direct Lithium Extraction). Er hat ein Excel-Tool programmiert, welches hilft, Projekte in Bezug auf ihre ökologischen und sozialen Folgen zu bewerten. Dieses soll Investmentfirmen helfen, Entscheidungen zu treffen. «So haben sie die Chance, Nachhaltigkeit stärker zu gewichten.» Erkrankungen beeinflussen, wie jemand aussieht, auftritt und wirkt. Alzheimer und Parkinson verändern unter anderem die Mimik, das Sprachverhalten und den Puls eines Menschen. Intelligente digitale Lösungen helfen dabei, solche Hinweise frühzeitig zu erkennen und Betroffene optimal zu behandeln. «Das Potenzial für medizinische Anwendungen ist gross», sagt Pascal Eberhard. Zusammen mit Nicola Kreis hat er eine iOS-Anwendung entwickelt, die Fachleute bei der Diagnose der beiden neurodegenerativen Krankheiten unterstützen kann. Während kognitiver Tests nutzt die App das integrierte Mikrofon sowie die Kameras des iPhones, um Gesichtsausdrücke und die Stimme einer Person aufzuzeichnen. Über einen externen Sensor – einen Pulsmesser – misst sie zudem deren Herzfrequenz. Die gesammelten Daten stellt sie in Echtzeit auf dem Bildschirm dar und bereitet sie für die weitere Analyse auf. Dank künstlicher Intelligenz soll die Anwendung dereinst objektive Informationen dazu liefern, ob jemand an Alzheimer oder Parkinson erkrankt ist oder nicht. «Das Tool muss jetzt noch breiter trainiert und medizinisch überprüft werden», sagen die ZHAW-Absolventen, die sich an einem internationalen Projekt beteiligt haben. Ihre App soll nun von Forschenden der Seoul National University of Science and Technology klinisch getestet und weiterentwickelt werden. Um ihre Anwendung zu demonstrieren, haben Eberhard und Kreis zudem ein Autorenn-Game programmiert. Nutzende steuern darin einen Rennwagen – nicht mit Tasten oder einem Joystick, sondern mit Gesichtsausdrücken. Eveline Rutz

Von digitalen Stupsern, illegalen Substanzen und Young Adult Carers

Sie werden häufig nicht gesehen: junge Menschen, die sich um einen erkrankten Elternteil kümmern. Statt eigenen Interessen nachzugehen, übernehmen sie Aufgaben im Haushalt. Sie fahren Betroffene zu Terminen und erledigen Administratives. «Young Adult Carers haben die Tendenz, ihre Belastung herunterzuspielen», sagt Karoline Fink, die am ZHAW-Departement für Gesundheit studiert hat. «Sie fühlen sich ihren Eltern verbunden, helfen gerne und sind immer stärker eingespannt.» Zusammen mit Nadine Kaninke hat sie für ihre Abschlussarbeit mit drei Nachkommen von Personen gesprochen, die einen Schlaganfall erlitten haben. «Diese häufige Erkrankung ändert das ganze Familienleben», sagen sie. Von einem Tag auf den anderen schlüpfen Young Adult Carers in eine neue Rolle. Sie tragen viel Verantwortung und fühlen sich zuweilen überfordert. «Ich kam mir extrem alleingelassen vor», sagt ein junger Mann, den die beiden Ergotherapeutinnen befragt haben. Nach seinem Befinden habe sich kaum jemand erkundigt. Wie die Abschlussarbeit zeigt, haben Young Adult Carers das Bedürfnis, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Ein geleitetes Gruppenangebot könnte dafür Raum schaffen. Es könnte betreuende Angehörige im Umgang mit ihren Eltern stärken und Fachwissen vermitteln. «Der Bedarf für ein solches Angebot ist da», sagen die beiden Autorinnen. Das Thema verdiene insgesamt mehr Beachtung. Young Adult Carers seien nicht auf den ersten Blick zu erkennen. «Sie sind aber da ‒ und froh um Unterstützung.» «Du kannst jetzt noch einzahlen und Steuern sparen», «Aktuell haben 65 Prozent der Kundinnen und Kunden mehr gespart als du» oder «Glückwunsch! Die ersten 10`000 sind erreicht»: Solche digitalen Nachrichten könnten Millennials motivieren, freiwillig fürs Alter zu sparen. Aktuell tut dies lediglich jede zweite Person im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. «Sie brauchen einen Anreiz», sagt Hava Berisha, die an der ZHAW School of Management and Law studiert hat. Sie hat als Kundenberaterin erlebt, dass sich junge Menschen kaum mit der dritten Säule auseinandersetzen. «Das Thema ist komplex und schreckt viele ab.» Wie die Bachelorabsolventin in ihrer Abschlussarbeit darlegt, tendieren Menschen zur Gegenwartspräferenz. Das heisst, sie stellen gegenwärtige Bedürfnisse über künftige. Sie halten zudem gerne an einmal gefassten Entscheidungen fest und verharren im Status quo. Die Folge: «Die Bereitschaft, für die private Vorsorge zu sparen, ist gering.» Gemäss Berisha könnte Digital Nudging helfen, das Interesse junger Frauen und Männer zu wecken und sie «auf freiwilliger Basis in die richtige Richtung zu stupsen». Digitale Hinweise könnten Millennials etwa als Standardeinstellung auf TWINT dazu ermutigen, in die dritte Säule einzuzahlen. Sie könnten ihnen häppchenweise Wissen vermitteln, das Verhalten anderer Kundinnen und Kunden aufzeigen, sie regelmässig ans Sparen erinnern und mit positivem Feedback zum Dranbleiben motivieren. «Erinnerungen werden als besonders hilfreich eingestuft», sagt Hava Berisha aufgrund einer Online-Umfrage. Digital Nudging habe grosses Potenzial, betont sie. «Es kann zu vorteilhafteren Entscheiden führen.» Wenn Kinder zu Erwachsenen werden, haben sie wichtige Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Sie müssen sich vom Elternhaus abnabeln, eine eigene Identität entwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft finden. Sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, hilft ihnen dabei. In der Peergroup können Jugendliche soziale Verhaltensweisen ausprobieren sowie eigene Normen und Werte verinnerlichen. «Die Peergroup ist in der Adoleszenz eine wichtige Sozialisationsinstanz», sagt Alexandra Winet, die an der ZHAW Soziale Arbeit studiert hat. Wie sie in ihrer Abschlussarbeit aufzeigt, gilt dies auch für den Umgang mit illegalen Substanzen. Unter Peers fällt es Jugendlichen leichter, über das Thema zu sprechen, das von Erwachsenen häufig stigmatisiert wird. Sie können ihr Verhalten reflektieren und allenfalls anpassen. «Die Peergroup ist Schutz- und Risikofaktor zugleich», so die Autorin. Die Peergroup kann vor einem problematischen Substanzkonsum schützen oder einen solchen reduzieren. Sie kann aber ebenso zum Konsum verleiten und diesen verstärken. Dies etwa, wenn illegale Substanzen dazu dienen, sich von anderen abzugrenzen und Zusammengehörigkeit zu leben. Stars, welche in den sozialen Medien Drogen verharmlosen, können dazu animieren. «Da verpassen es leider einige Künstler und Künstlerinnen, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen», sagt Alexandra Winet. Sie findet, dass die positiven Funktionen einer Peergroup in der Prävention stärker genutzt werden sollten. So könnten geschulte Jugendliche ihre Peers etwa über Risiken und schadensmindernde Massnahmen aufklären. Sie könnten mit ihnen problematische Situationen besprechen und alternative Bewältigungsstrategien aufzeigen. «Man sollte Konsumentinnen und Konsumenten nicht stigmatisieren, sondern in ihre Lebenswelt eintauchen», sagt Winet. von Eveline Rutz

Von Klimaangst, Chatbots als Ersthelfern und dem Vertrauen in die KESB

Die Klimakrise löst Ängste aus. Gerade Jugendlichen machen unsichere Zukunftsaussichten zu schaffen. «Sie sind aufgrund ihres Entwicklungsstands besonders gefährdet, psychisch zu erkranken, und müssen unterstützt werden», sagt Moira Trüb. Sie hat fünf Fachleute befragt und Handlungsempfehlungen gegen Klimaangst erarbeitet, die sowohl auf sozialer als auch individueller Ebene ansetzen. Die Bachelorabsolventin rät Betroffenen, sich mit Gleichgesinnten zu engagieren. «Aktivismus hilft: Sich als Gruppe mit dem Thema zu beschäftigen, verringert das Gefühl des Alleinseins und gibt Kraft, gemeinsam ins Handeln zu kommen.» Gespräche hätten sowieso eine positive Wirkung. Wer sich im Alltag klimafreundlich verhalte, erlebe Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig ist es gemäss Trüb wichtig, Grenzen zu setzen und sich auch mit anderen Themen zu beschäftigen. In der Schule, in Vereinen und an Hochschulen sollte jungen Menschen vermehrt vermittelt werden, wie man Resilienz entwickelt. Zu einem besseren psychischen Befinden können zudem Akzeptanz, Hoffnung und therapeutische Hilfe beitragen. «Wir steuern auf eine psychologische Krise zu», sagt die Autorin. Klimaangst werde zu wenig erkannt. Es fehle an Daten und die Politik mache zu wenig, um den psychischen Folgen der Klimakrise entgegenzuwirken. «Die Angst der Betroffenen ist real und lässt sich klar von anderen Angsterkrankungen abgrenzen», sagt Moira Trüb. Sie fände es sinnvoll, Klimaangst in nationale Strategien – etwa Gesundheit2030 – aufzunehmen. «Das hätte den Vorteil, dass Daten erhoben werden müssten und spezifische Massnahmen ausgearbeitet würden.» Die Schule könnten beispielsweise zur Resilienzförderung verpflichtet werden. Wer notfallmässig in ein Spital geht und warten muss, ist meist angespannt. Das Warten scheint sich endlos hinzuziehen ‒ man fürchtet, vergessen zu werden. Diese Situation kann mental belasten. «Ein virtueller Assistent könnte Menschen in der Notaufnahme individuell betreuen», sagt Nina Jäggi. «Er könnte ihnen das Gefühl vermitteln, ernst genommen und unterstützt zu werden.» Die Bachelorabsolventin hat einen Chatbot-Prototyp entwickelt, der die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten sowie der Mitarbeitenden berücksichtigt. Er stellt gezielte Fragen zu den gesundheitlichen Beschwerden des Nutzenden, gibt die Angaben dem Personal weiter, durchsucht seine Wissensdatenbank und ermöglicht so eine Erstanamnese. Das Tool geht insbesondere auf das psychische Befinden der Wartenden ein und führt auf Wunsch aus, was gegen die beschriebenen Symptome getan werden könnte. «Man empfindet die Wartezeit als kürzer, wenn eine Beschäftigung vorhanden ist», betont Nina Jäggi, die am Institut für Angewandte Medienwissenschaften (IAM) studiert hat. Ein Chatbot könne zudem den Aufnahmeprozess vereinfachen. Die Patientinnen und Patienten müssten nicht immer wieder die gleichen Angaben machen. Dies würde die Spitäler entlasten, die zunehmende Eintrittszahlen verzeichnen und mit personellen Engpässen zu kämpfen haben. «AI könnte mehr Effizienz ermöglichen.» Ihre Entwicklung befinde sich noch in einem frühen Stadium, sagt die Autorin. Die Benutzeroberfläche, die linguistische Syntax und das hinterlegte Fachwissen sollten weiter optimiert werden. Daneben gelte es ethische und rechtliche Fragen zu klären. Die KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) kann in diesem Jahr ein Jubiläum feiern. Vor zehn Jahren ist das Vormundschaftsrecht reformiert und die Behörde neu aufgestellt worden. 2015 stand sie vor einer Bewährungsprobe. Am Neujahrstag tötete eine Mutter ihre beiden Kinder. Diese sollten nach den Feiertagen ins Heim zurückkehren. Der Fall Flaach löste schweizweit Schlagzeilen aus, die KESB-Mitarbeitenden wurden massiv kritisiert. «Der KESB wird vorgeworfen, dass sie entweder zu früh oder zu spät eingreift», sagt Carlo Strohner, der am Departement Soziale Arbeit studiert hat. Das sei der häufigste Kritikpunkt. Einzelne Fälle dominierten die öffentliche Wahrnehmung, die Behörde könne sich nur beschränkt zu diesen äussern. Trotz des negativen Images wird der KESB in der Online-Befragung des ZHAW-Absolventen nicht wesentlich weniger Vertrauen entgegengebracht als anderen Institutionen. Auf einer zehnstufigen Skala erreicht sie einen Durchschnittswert von 6,2. Die Polizei liegt bei 7,3, das Rechtssystem bei 7,2 und das politische System bei 6,7. «Die KESB schneidet in der nichtrepräsentativen Stichprobe nicht deutlich schlechter ab», so Strohner. Wer als Betroffene, Betroffener oder Fachperson bereits mit der Behörde zu tun hatte und wer gut ausgebildet ist, vertraut ihr stärker als andere Menschen. Auch wer sie als kompetent einstuft und davon ausgeht, dass sich Klientinnen und Klienten einbringen können und Widerspruchsmöglichkeiten haben, äussert ein grösseres Vertrauen. Carlo Strohner stellt fest, dass zumindest in Teilen der Bevölkerung ein falsches Bild der KESB vorhanden sein könnte. «Das Vertrauen liesse sich verbessern, indem mehr über ihre Funktionsweise informiert würde.» von Eveline Rutz

Von frischem Bier und Ergotherapie bei Krebs

Wie ein Bier aussieht, sagt viel über seine Qualität aus. Je nach Inhaltsstoffen sind Farbe, Trübheit und Fluoreszenz anders ausgeprägt. Ein frisches Bier absorbiert Licht beispielsweise anders als ein abgestandenes. Optische Verfahren eignen sich denn auch dazu, die Qualität eines Getränks festzustellen. «Sie ermöglichen es, schnell und kostengünstig zu einem Resultat zu gelangen», sagen Elias Angehrn und Luca Scheuss, welche einen Multisensor für Bierqualität gebaut haben. Die Elektrotechniker haben ein bestehendes Gerät weiterentwickelt, mit dem sich Merkmale von Wasser erheben lassen, und eine Software programmiert. Ihr Prototyp enthält eine Lichtquelle, eine Linse sowie verschiedene Detektoren. Er strahlt die eingefüllte Flüssigkeit in verschiedenen Wellenlängen an und misst, wie viel Licht hindurchkommt. Aus dem Verhältnis bestimmt er schliesslich den Farbwert und die Trübung einer Probe. Das Messgerät funktioniere gut, sagt Luca Scheuss zufrieden. «Wie sich Photonik praktisch nutzen lässt, ist faszinierend.» Die Bachelorabsolventen sehen Potenzial darin, die Rolle der Fluoreszenz weiter zu erforschen. «Sie könnte zur Qualitätssicherung bei Bieren an Bedeutung gewinnen.» Ihre Entwicklung verstehen sie als Alternative zu den teuren Prüfgeräten, die vor allem in grossen Brauereien eingesetzt werden. «Das praktische Gerät kann gerade für Personen hilfreich sein, die hobbymässig Bier brauen.» Das Facility Management erbringt in Spitälern viele Leistungen und ist für einen Drittel der Kosten verantwortlich. Dennoch wird es kaum einbezogen, wenn es um die digitale Transformation geht. Der Fokus liegt meist auf dem medizinischen, therapeutischen sowie pflegerischen Bereich. «Man ist sich noch zu wenig bewusst, wie stark das Personal entlastet würde, wenn Prozesse des Facility Management digitalisiert würden», sagt Jelena Ašanin. Das sei ­– gerade angesichts des Fachkräftemangels – bedauerlich. Digitalisierungsprojekte seien kostenintensiv, räumt die ZHAW-Absolventin ein. Man müsse Fachleute engagieren und in die Weiterbildung der Mitarbeitenden investieren. Das sei eine Hürde: «Spitäler stehen sowieso schon unter einem hohen finanziellen Druck.» Um digital voranzukommen, ist es gemäss Ašanin entscheidend, dass die Spitalleitung die Transformation fördert und unterstützt. Zudem muss eine geeignete IT-Infrastruktur zur Verfügung stehen, und alle Beteiligten sollten sich der Vorteile der Digitalisierung bewusst sein. Die verschiedenen Berufsgruppen sollten in einer Projektgruppe eingebunden werden. «Derart einschneidende Veränderungen lassen sich in einem Spital nicht von heute auf morgen realisieren. Es braucht eine Vision, der man sich Schritt für Schritt annähern kann.» Nicht notwendig seien hingegen spezielle Anreize oder Entschädigungen. Die befragten ICT-Führungskräfte seien grundsätzlich bereit, im nichtmedizinischen Bereich mehr zu digitalisieren. Sie müssten dafür aber das notwendige Personal und Geld erhalten. Um sie vor Keimen oder einer Infektion zu schützen, werden Menschen mit einer hämatologischen Krebserkrankung phasenweise isoliert. So etwa nach einer Stammzellentransplantation. Die Isolation wirkt sich einerseits auf das Befinden der Betroffenen aus. Viele fühlen sich einsam, eingesperrt sowie in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Gleichzeitig sind sie sich ihres geschwächten Zustands bewusst und schätzen es, speziell geschützt zu werden. Andererseits erschweren die strengen Hygienemassnahmen die Arbeit des Pflegepersonals und verringern die Therapiemöglichkeiten. «Die Schwierigkeiten sind vielfältig», stellen Alice Dumas und Zoë Maradan fest. Welche Unterstützung eine Person brauche, sei entsprechend individuell. Die Bachelorabsolventinnen zeigen anhand von acht Enablement Skills (Adapt, Advocate, Coach, Consult, Design/Build, Educate, Engage und Specialize) auf, wie sich Ergotherapeutinnen und -therapeuten einbringen können. «Betroffene haben viele Ressourcen», betont Alice Dumas. Diese gelte es zu stärken. Die meisten Patientinnen und Patienten sind etwa optimistisch eingestellt und schöpfen Kraft aus dem Kontakt mit Angehörigen. Sie profitieren davon, wenn sie sich auch in der Isolation mit Dingen beschäftigen können, die ihnen Freude bereiten. Die Ergotherapie kann ihnen helfen, ihnen wichtige Beschäftigungen der Situation anzupassen. «Es geht weniger um funktionelle Aktivitäten», betont Zoë Maradan. Mehr Gewicht hätten emotionale Aspekte. Mitarbeitende der verschiedenen Disziplinen seien gefordert, sich gut auszutauschen und zu ergänzen. Eveline Rutz

Über intelligente Sonnenschirme und den Tanz der Identitätsfindung

Er fährt an den gewünschten Ort, spannt sich auf und spendet konstant Schatten. «Unser Sonnenschirm richtet sich nach dem Stand der Sonne aus», sagt Léa Eckert, die an der School of Engineering Systemtechnik studiert hat. Zusammen mit Janick Bilang und drei Absolventen aus einem anderen Studiengang hat sie das Konzept für den intelligenten Schattenspender erarbeitet und einen Prototyp gebaut. «Ein vergleichbares Produkt existiert noch nicht», sagt Janick Bilang. Dies habe viel Raum für eigene Ideen gegeben. Die Basis des Sonnenschirms bildet eine fahrbare Plattform, die mit zwei Motoren sowie vier Rädern bestückt ist und an einen Staubsaug-Roboter erinnert. Sie sorgt für den Antrieb und kommt auf ebenen Stein- und Rasenflächen vorwärts. Das rechteckige Sonnensegel ist aus einer leichten Kunststoffplane gefertigt, damit der Schwerpunkt möglichst in Bodennähe bleibt. Es ist so gestaltet, dass es dereinst mit Solarpanels bestückt werden könnte und der Schirm autark funktionieren würde. Léa Eckert und Janick Bilang haben einen Ausfahr- und einen Neigungsmechanismus entwickelt, um den Schatten dorthin zu lenken, wo er benötigt wird. An der Stange haben sie ein Anemometer befestigt, der allfälligen Wind misst. Ab einer Windstärke von 30 Stundenkilometern fährt das Sonnensegel automatisch ein, was verhindert, dass der Schirm kippt. «Der Prototyp kann sich sehen lassen», findet Janick Bilang. Er habe zwar noch einige Schwachstellen, könne aber als Grundlage für weitere Entwicklungen dienen. Der Bachelorabsolvent beschreibt die Zusammenarbeit bei dieser Abschlussarbeit mit Elektrotechnik-Studierenden als spannend. Das interdisziplinäre Vorgehen habe allerdings den Zeitdruck erhöht. «Wir konnten die Mechanik nicht oft testen, es durfte nicht viel schiefgehen», so Bilang. Eine unangemessene Berührung, eine Geste oder ein sexistischer Witz: Viele Pflegende erleben sexuelle Belästigung, wenn sie Patientinnen und Patienten versorgen. «Die meisten sind in ihrem Berufsalltag irgendwann damit konfrontiert», sagt Milena Bruschini. Die körperliche Nähe, welche Pflegeleistungen mit sich bringen, macht das Berufsfeld besonders anfällig dafür. Auch kognitive Beeinträchtigungen der Patientinnen und Patienten können Fehlverhalten begünstigen. Die Zahl der Betroffenen ist hoch. Weltweit erleiden etwa 25 Prozent der Pflegekräfte verbale, nonverbale oder körperliche Übergriffe. Frauen tendenziell häufiger als Männer, jüngere Personen häufiger als ältere. «Betroffene befinden sich in einem Dilemma», sagt Bruschini. «Sie wollen den Patientinnen und Patienten nicht schaden, sich aber selbst schützen.» Die Masterabsolventin hat erstmals Daten für die Schweiz erhoben. Sie hat dafür einen in Deutschland entwickelten standardisierten Fragebogen verwendet. Sie hat den Teilnehmenden zwölf mögliche sexuell belästigende Verhaltensweisen vorgelegt und wollte von ihnen wissen, wie häufig sie solche erlebt haben. «Sie mussten sich nicht selbst überlegen, ob eine Situation unter die Sparte der sexuellen Belästigung fällt», so die Autorin. Gemäss ihrer Auswertung haben 95,6 Prozent der Befragten in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Form sexueller Belästigung erfahren. Nur 4,4 Prozent waren nicht betroffen. Lediglich 17,1 Prozent der Teilnehmenden gaben zudem an, sich in ihrer Ausbildung mit der Problematik befasst zu haben. «Junge Pflegepersonen werden zu wenig auf übergriffiges Verhalten vorbreitet», kritisiert Bruschini. Dies erschwere es gerade Einsteigerinnen udn Einsteigern, sich zu wehren. Nicht nur in der Lehre, sondern auch in den Pflegeeinrichtungen sei eine klare Haltung gefragt: «Pflegefachleute sowie Patientinnen und Patienten müssen wissen, dass sexuelle Belästigung nicht toleriert und sanktioniert wird.» Im Jugendalter gilt es, eine gesunde, stabile Identität zu entwickeln. Queere Menschen sind dabei besonders gefordert. Als Minderheit erleben sie zusätzlichen Stress. Sie sind mit heteronormativen Erwartungen konfrontiert, erleben Diskriminierungen und Stigmatisierungen. Sie müssen sich stärker mit geltenden Normen auseinandersetzen als heterosexuelle cis Jugendliche (diese identifizieren sich mit dem von aussen zugeschriebenen Geschlecht) und sich zu diesen positionieren. Was dies für junge lesbische/bi Frauen bedeutet, hat Tobias Kuhnert in seiner Abschlussarbeit untersucht. Er hat neun Frauen zwischen 15 und 25 Jahren befragt. «Sie gehen beeindruckend reflektiert mit den spezifischen Herausforderungen um, die sich ihnen stellen», sagt er. Die Befragten nutzten dabei vielfältige Strategien und seien sich der historischen und politischen Entwicklungen bewusst. Wie Kuhnert ausführt, wägen sie immer wieder ab, wann und wem sie ihre sexuelle Orientierung offenbaren. Indem sie erst einmal allgemein über queere Themen sprechen, sondieren sie etwa, ob ein Coming-out beim Gegenüber auf Wohlwollen stösst. Sie entwickeln ein lesbisches/bi Selbstbewusstsein und finden Halt in queeren Gemeinschaften. Geschützte Räume – etwa in Jugendtreffs – sind für sie besonders wichtig. Identitätsprozesse von lesbischen/bi Frauen verlaufen nicht linear und sind nie abgeschlossen. Der Masterabsolvent stellt sie in einem Modell dar und beschreibt sie als «Tanz zwischen Heteronormativität und lesbischem/bi Selbstbewusstsein». Die Soziale Arbeit müsse sich stärker mit queeren Lebenswelten auseinandersetzen, sagt er. «Damit lesbische/bi Frauen die gleichen Chancen haben wie andere Gruppen, braucht es einen besonderen Effort.» Gefragt seien spezifische Angebote, die «nicht für sie, sondern mit ihnen» erarbeitet würden. Eveline Rutz

Wie Hotels, Immobilien und die Soziale Arbeit nachhaltiger werden

Die Schweiz möchte bis 2050 deutlich weniger CO₂ verursachen. «Der Immobiliensektor wird dabei eine wichtige Rolle spielen», sagt Laura Archer-Svoboda, die an der School of Management and Law eine Masterarbeit zu dem Thema geschrieben hat. Immerhin sind etwa ein Viertel der ausgestossenen Treibhausgase auf Gebäude zurückzuführen. Dafür verantwortlich sind in erster Linie Öl- und Gasheizungen sowie schlechte Isolationen. «Da gibt es noch viel zu tun», so die Autorin. Damit es schneller vorwärtsgehe, brauche es strengere Gesetze, Vorgaben und zusätzliche Subventionen. Die Schweiz müsse dem Beispiel von Ländern wie Frankreich folgen, indem sie Energieausweise und Energie-Audits einführe und verbiete, Wohnflächen mit hohem Energieverbrauch zu vermieten. «Sonst wird sie ihr Reduktionsziel nicht erreichen.» Wie Laura Archer-Svoboda in ihrer Abschlussarbeit ausführt, werden Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und graue Energie zurzeit kaum berücksichtigt. Auch soziale Faktoren werden weitgehend vernachlässigt. Dabei könnten sie «die Attraktivität eines Gebäudes erhöhen, die Leerstandquote senken und letztlich die langfristigen Renditen steigern». Die Branche verfügt zwar über zahlreiche Ratings, Labels und Zertifizierungen. Diese messen und taxieren aber unterschiedliche Aspekte und erschweren es so, die Bemühungen einzelner Unternehmen zu beurteilen und miteinander zu vergleichen. «Der Mangel an Transparenz verwirrt und macht es Investoren schwer, fundierte, auf Nachhaltigkeit basierende Entscheidungen zu treffen.» Wie wird der Spa-Bereich beheizt? Woher stammt das Filet auf dem Teller? Und: Wie reise ich möglichst umweltschonend an? Hotelgäste interessieren sich zunehmend für Nachhaltigkeit und erwarten Transparenz. Auch dem Personal und den Firmen, welche mit Gasthäusern zusammenarbeiten, ist der Klimaschutz wichtiger geworden. Die Schweizer Hotellerie bemüht sich daher verstärkt, umweltschonend zu wirtschaften. Zahlreichen Betrieben fällt es allerdings schwer, über ihr Engagement zu informieren. «Sie haben Mühe, Nachhaltigkeit auf interessante Weise zu vermitteln», sagt Tanja Fegble, die am Departement für Angewandte Linguistik studiert hat. Viele fänden das Thema komplex und herausfordernd. Sie befürchteten, sich erst recht angreifbar zu machen, wenn sie einzelne Massnahmen thematisierten. «Obwohl sie etwas tun, bleiben sie still», sagt die Masterabsolventin. Das Phänomen wird in der Forschung als «Greenhushing» bezeichnet. Der Begriff umschreibt eine «moralische Stummheit», während es beim «Greenwashing» um eine «moralische Heuchelei» geht. Tanja Fegble hat Empfehlungen erarbeitet, wie Hotels ihre Bemühungen besser sichtbar machen können. Sie rät unter anderem dazu, Verantwortliche für das Thema zu bestimmen und Mitarbeitende zu schulen. Die Kommunikation soll nicht primär als Marketinginstrument eingesetzt werden und auf die Gäste fokussieren. Sie soll sich ebenso an die Bevölkerung, die öffentliche Hand, Investierende und das Personal richten. Sie eröffne neue Chancen: «Sie führt zu mehr Buchungsanfragen und hilft bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden.» «Die fortschreitende Klimakrise ist das drängendste Problem unserer Zeit», sagt Robin Portmann. «Eigentlich müssten sich alle Fachbereiche darauf beziehen.» Gerade für die Soziale Arbeit, die sich an den Menschenrechten orientiere, sei Nachhaltigkeit zentral. Dennoch äussere sie sich nur spärlich zu dem Thema. Ökologische und ökonomische Aspekte stünden im Vordergrund. Portmann erwähnt die 17 Sustainable Development Goals (SDGs), welche die Vereinten Nationen (UNO) bis 2030 erreichen möchten. Darunter sind vier Ziele, welche der Sozialen Arbeit seit jeher ein Anliegen sind: «Bekämpfung von Armut», «Chancengerechtigkeit in Bildung», «Gleichstellung aller Geschlechter» sowie «Verringerung von weiteren Ungleichheiten». Während seines Studiums habe er zu wenig von den 17 SDGs gehört, berichtet der Bachelorabsolvent. Für ihn ist klar: «Sie müssen in unserer Profession, aber auch in der Öffentlichkeit präsenter werden – erst dann werden die Bemühungen für Nachhaltigkeit zunehmen.» Robin Portmann zeigt in seiner Abschlussarbeit auf, welche Bedeutung Bildung im Nachhaltigkeitsdiskurs hat. Für Sozialarbeitende sieht er gerade in diesem Kontext eine Möglichkeit, Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung stärker aufzunehmen. Mit Angeboten im nonformalen und informellen Bereich könnten sie direkt an die Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und deren Familien anknüpfen. «Sie können Nachhaltigkeitsprinzipien besonders nah und erfolgreich vermitteln». Darüber hinaus brauche es einen intensiveren Austausch mit anderen Fachrichtungen: «Nachhaltigkeit ist ein riesiges interdisziplinäres Projekt». von Eveline Rutz

Über klimafreundliche Lebensmittel und Identitätsfindung in verschiedenen Kulturen

Wer psychisch erkrankt, soll möglichst rasch therapeutisch behandelt werden. Organisatorische und finanzielle Hürden sollen verringert werden. Dieses Ziel verfolgt eine Neuregelung der psychologischen Psychotherapie, die seit dem 1. Juli 2022 in Kraft ist. Fachpersonen der Psychotherapie können ihre Leistungen seither einfacher über die Krankenkassen abrechnen. Sie müssen dafür nicht mehr unter der direkten Aufsicht eines Psychiaters oder einer Psychiaterin arbeiten, wie es das Delegationsmodell vorschrieb. «Das neue Modell wird befürwortet», sagt Lukas Vorkauf, der im Hinblick auf den Systemwechsel in seiner Bachelorarbeit eine Befragung durchgeführt hat. Rund 62 Prozent der Teilnehmenden äussern sich grundsätzlich positiv. Sie begrüssen es beispielsweise, dass der Zugang zu psychotherapeutischen Leistungen erleichtert und gerade Kinder sowie Jugendliche besser versorgt werden sollen. Für ihren Berufsstand erhoffen sie sich mehr Anerkennung, Eigenständigkeit, Wertschätzung und höhere Löhne. Wie die Online-Erhebung zeigt, löste das Anordnungs- und Abrechnungsmodell im Vorfeld allerdings auch Bedenken aus. «Die Skepsis bezieht sich vor allem darauf, wie die neuen Bedingungen konkret umgesetzt werden», sagt der Bachelorabsolvent. Lukas Vorkauf fände es interessant, die Erhebung in zwei Jahren zu wiederholen: «Dann werden sich die Therapierenden an die neuen Umstände gewöhnt haben.» Die verarbeitende Lebensmittelindustrie bis 2050 zu dekarbonisieren, wäre möglich. Die Mittel dafür wären heute schon vorhanden. Zu diesem Schluss kommen Pablo Bischofberger und Dian Edathinakam, welche sich mit technischen Fragen der Umsetzung und den Rahmenbedingungen auseinandergesetzt haben. «Die Branche ist zur Dekarbonisierung sehr gut geeignet», stellen sie fest. Der Lebensmittelsektor sei auf vergleichsweise wenige Prozesse angewiesen, die sehr hohe Temperaturen erforderten. Die ZHAW-Absolventin und der ZHAW-Absolvent haben eine Roadmap entwickelt, an der sich Unternehmen orientieren können. Sie listen darin auf, welche Schritte zu einer besseren Klimabilanz führen. Kurzfristig geht es unter anderem darum, einen Betrieb energetisch zu optimieren und ein CO₂-Reduktionsziel festzulegen. Mittelfristig sollen fossile Energieträger ersetzt, der Transport klimafreundlicher organisiert und Ressourcen effizienter eingesetzt werden. Langfristig sollen Produkte angepasst und CO₂-Neutralität erreicht werden. «Vielen kleinen und mittleren Betrieben fehlt es schlicht an Kapazität, ein solches Projekt umzusetzen», sagt Pablo Bischofberger. Daher sind seiner Meinung nach die Branchenverbände gefragt. Sie könnten die Dekarbonisierung vorantreiben: «Sie sollten sich des Themas annehmen und die Koordination unter den Akteuren verbessern.» Der Druck, klimaneutral zu produzieren, werde zunehmen, sagt Dian Edathinakam. Der Käserei, zu der sie eine Fallstudie durchgeführt hat, empfiehlt sie verschiedene Anpassungen. Den vorhandenen Erdgaskessel würde sie beispielsweise durch eine Wärmepumpe ersetzen «Bis 2030 könnte der Betrieb bei Netto-Null sein», sagt sie. Erwachsen zu werden, ist damit verbunden, eine eigene Identität zu entwickeln. Jugendliche, die mit zwei Kulturen aufwachsen, sind dabei spezifisch gefordert. Aus den unterschiedlichen Lebenswelten können sich widersprüchliche Erwartungen, Ansprüche und Anforderungen ergeben. Diese wahrzunehmen und sich dazu zu positionieren, kann schwierig sein. Junge Menschen mit Migrationshintergrund können in Loyalitätskonflikte geraten. Sie können sich entwurzelt, sich hin und her gerissen oder keinem Kulturkreis zugehörig fühlen. Ob es der zweiten Migrationsgeneration gelingt, eine eigene Identität zu bilden und ins Berufsleben einzusteigen, hängt wesentlich von den Hilfestellungen ihres sozialen Umfelds ab. Dies stellt Edona Rashiti in ihrer Abschlussarbeit in Sozialer Arbeit fest. Sie hat drei Frauen befragt, die sich trotz Rückschlägen beruflich etablieren und damit die Hoffnungen ihrer Familien erfüllen konnten. Die Befragten mussten dafür immer wieder selbst aktiv werden, sich Informationen beschaffen und Unterstützung holen. Ihren Eltern war dies aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und eines niedrigen Bildungsstands nur begrenzt möglich. Die Probandinnen hätten sich gewünscht, von ihren Lehrpersonen stärker begleitet zu werden. Sei es bei den Hausaufgaben, Lernschwierigkeiten, der Berufswahl oder auf der Lehrstellensuche. Sie hätten es zudem begrüsst, wenn kulturelle Vielfalt und migrationsspezifische Herausforderungen häufiger thematisiert worden wären. Die Schulsozialarbeit sollte sich dafür einsetzen, dass diese Themen mehr besprochen würden, sagt Edona Rashiti. Sie könne die Lehrerschaft dafür sensibilisieren. «Sie könnte zwischen der Schule und den Familien mit Migrationshintergrund verstärkt vermitteln», so die Bachelorabsolventin. Eveline Rutz

Gerechte Bordelle, wirksame Öko-Media und gute Geburtserlebnisse

Vertraut eine Frau ihrer Hebamme, so erlebt sie die Geburt ihres ersten Kindes tendenziell positiv. «Eine gute Beziehung hilft der werdenden Mutter, die Ausnahmesituation zu meistern», sagt Antonia Göggerle-Locher. «Dieser Zusammenhang lässt sich deutlich nachweisen.» Die Absolventin des Studiengangs Hebammenwissenschaften hat dazu eine Online-Umfrage gemacht. Von den rund 400 ausgewerteten Antworten dokumentieren 86 Prozent ein positives Geburtserleben. 14 Prozent berichten von einer überwiegend negativen Erfahrung. Das Mutter-Hebamme-Verhältnis ist dabei ein entscheidender Faktor. Wie eine Geburt wahrgenommen wird, hat aber auch mit Ängsten, Erwartungen, dem Grad der Mitbestimmung sowie allfälligen medizinischen Interventionen zu tun. Ein ungeplanter Kaiserschnitt und eine PDA (Periduralanästhesie) korrelieren beispielsweise mit einem negativen Erleben. Die Chancen auf ein positives Erlebnis steigen hingegen, wenn die Gebärende mehr mitbestimmen kann, als sie es erwartet hat. Oder wenn die Schmerzen weniger stark sind als befürchtet. Antonia Göggerle-Locher bestärken die Ergebnisse ihrer Studie darin, Schwangeren ein realistisches Bild zu vermitteln. «Sie sollten darauf vorbereitet werden, dass eine Geburt ein herausforderndes Ereignis ist. Und sie sollten das Vertrauen entwickeln, dass sie dafür stark genug sind.» Eine werdende Mutter sollte sich begleitet fühlen und verstehen, was in ihrem Körper vor sich geht. Idealerweise werde sie von der Schwangerschaft bis ins Wochenbett von einer Hebamme betreut. «Diese übernimmt die Funktion einer Lotsin», so die Autorin. Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Unternehmen tun gut daran, die ökologischen Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden zu berücksichtigen. «Nachhaltigkeit ist zu einem bedeutenden Erfolgsfaktor geworden», sagt Annika Behrens, die am Departement Angewandte Linguistik studiert hat. Damit eine Firma von ihrem Engagement profitiert, muss sie allerdings dafür sorgen, dass dieses von den Anspruchsgruppen wahrgenommen wird. Coop und Migros nutzen für ihre Nachhaltigkeitskommunikation unter anderem Instagram. Über die Plattform, die auf visuelle Inhalte fokussiert, gelangen die Detailhändlerinnen zeitnah und direkt an ein junges Publikum. «Sie verfolgen unterschiedliche Strategien der visuellen Kommunikation», sagt Annika Behrens, welche eine Stichprobe vom Sommer/Herbst 2020 untersucht hat. Beide betten etwa Label ein, die Nachhaltigkeit garantieren. Allerdings setzen sie diese unterschiedlich in Szene. Die Migros kommuniziert ausserdem vielfältiger; sie postet neben Bildern auch Videos und Podcasts. Sie personalisiert zudem stärker als Coop und schafft damit einen direkteren Bezug zur Kundschaft. Coop informiert vor allem über nachhaltige Produkteeigenschaften und bebildert dies häufig mit Studioaufnahmen. Die Fotos sind zwar ansprechend inszeniert, es fehlt ihnen jedoch an Authentizität. «Beide Unternehmen könnten ihre Beiträge zugänglicher gestalten», sagt Annika Behrens. Sie könnten beispielsweise mit Fragen oder Handlungsempfehlungen an die Erfahrungen der Rezipientinnen und Rezipienten anknüpfen. Sie könnten Inhalte ihres Publikums einbinden, vermehrt Personen zeigen und eine wärmere Farbgebung wählen. «So könnten sie ihren Botschaften noch mehr Gehör verschaffen.» Sexarbeit findet nicht nur im Milieu statt. Sexuelle Dienste werden beispielsweise auch als Escort-Service angeboten. «Das Spektrum der Sexarbeit ist extrem gross und divers», sagt Laura Miotti, die am Departement Soziale Arbeit studiert hat. Nicht immer seien dabei Abhängigkeit und Zwang im Spiel. Es gebe Menschen, welche diese Form der Erwerbstätigkeit bewusst wählten und selbstbestimmt ausübten. Doch auch sie sind Stigmatisierungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Ihre Tätigkeit wird gesellschaftlich abgewertet und ist gesetzlich kaum abgesichert. Dies erschwert es Sexarbeitenden, selbstbewusst aufzutreten und für ihre Rechte einzustehen. Inspiriert von einem «Republik»-Artikel, skizziert Laura Miotti, wie ihnen ein möglichst hoher Grad an Selbstbestimmung ermöglicht werden könnte. In einem gerechteren Bordell könnten Personen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter und sexueller Orientierung arbeiten. Sie würden sich weitgehend selbst organisieren, ihre Kundschaft frei wählen und faire Mieten zahlen. Ein Alarmsystem würde sie vor Übergriffen schützen; über ihre Einnahmen könnten sie selbst verfügen. Ein solches Etablissement würde nicht irgendwo in der Peripherie eingerichtet, sondern dort, wo die Kunden sind. «In der Mitte der Gesellschaft», so die Autorin. Sozialarbeitende hätten weniger direkt mit den Sexarbeitenden zu tun. Sie könnten sich auf Notlagen konzentrieren. Sie würden bei Bedarf Informationen zur Verfügung stellen oder präventiv arbeiten. Sie könnten zudem zwischen Akteuren vermitteln und Stigmatisierungen entgegentreten. von Eveline Rutz

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