Wie geht es Jugendlichen nach zwei Jahren Pandemie?

21.06.2022
2/2022

Wachsende Zukunftsängste, mehr Cybermobbing und weniger gestresste Eltern. So lauten Ergebnisse einer Befragung von Teenagern im Kanton Zürich in Zeiten der Pandemie durch Fachleute des Departements Soziale Arbeit der ZHAW.

Als die Schweiz im März 2020 einen Lockdown vollzog und Schulen geschlossen wurden, entschieden sich Dirk Baier und Maria Kamenowski vom Institut für Delinquenz und Kriminalprävention, eine Befragung von Teenagern im Kanton Zürich durchzuführen. Die Fachleute des ZHAW-Departements Soziale Arbeit wiederholten sie noch zweimal, da die Pandemie auch in den folgenden Jahren dominierte. Sie wollten wissen, wie sich Kontaktbeschränkungen, Schulschliessungen sowie Einschränkungen im Vereins- und Freizeitbereich auf die Identitätsbildung auswirken, die in diesem Lebensabschnitt im Zentrum steht: «Die gesellschaftliche Ausnahmesituation der Pandemie trifft auf eine entwicklungspsychologische Ausnahmesituation», betonen die Forschenden. Denn in der Jugendphase lösen sich junge Menschen vom Elternhaus, gehen neue Verbindungen zu Gleichaltrigen ein, bauen intime Beziehungen auf, eignen sich schulische sowie berufliche Qualifikationen an, entwickeln ihr eigenes Wertesystem und übernehmen soziale Verantwortung – dies alles geschieht in einem eher kurzen Zeitraum vom 13. bis zum 25. Lebensjahr. Was also, wenn mitten in diese prägende Phase die Pandemie platzt? Insgesamt beteiligten sich über 3400 Jugendliche im Alter von 12 und 18 Jahren verschiedener Schulformen im Kanton Zürich.

Über 65 Prozent der Jugendlichen äusserten bei der jüngsten Befragung mittlere oder hohe Zukunftsangst, das sind fast 15 Prozentpunkte mehr als zu Beginn der Pandemie.

Die hohe Lebenszufriedenheit sank von 34,4 auf 24,9 Prozent. Auch die Zufriedenheit mit dem Gesundheitszustand ging kontinuierlich zurück. Freundschaften, die während des Lockdowns stark gelitten hatten, entwickelten sich dagegen positiv. Die elterliche Zuwendung hat während der Pandemie anscheinend zugenommen, auch wenn sie bei der dritten Befragung wieder zurückging. Auch verzichteten mehr Mütter und Väter auf verbale oder physische Aggression.

Der Lockdown mit den Schulschliessungen hat das Freizeitverhalten geprägt. Im April und Mai 2020 verbrachten die Jugendlichen vergleichsweise mehr Zeit im Internet und lasen sogar mehr Bücher. Bei der dritten Befragung scheint das Freizeitverhalten wieder eher dem von vor der Pandemie zu entsprechen.

Auffällig ist, wie sich die Haltung der Jugendlichen gegenüber dem Online-Unterricht geändert hat. Anfangs wurde dieser von nur etwas mehr als der Hälfte der Befragten geschätzt, später bereits von über drei Vierteln. Mehr als zwei von drei Jugendlichen vermissten dabei jedoch ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Da der Online-Unterricht später kaum eine Rolle spielte, wurden diese Fragen in der dritten Runde weggelassen.

Quelle: ZHAW Soziale Arbeit, Institut für Delinquenz und Kriminalprävention: Wie geht es Jugendlichen nach zwei Jahren Covid-Pandemie? Ergebnisse der dritten Befragung junger Menschen im Kanton Zürich, März 2022

0 Kommentare

Sei der Erste der kommentiert!

Kommentar ist erforderlich!
Name ist erforderlich!
Gültige E-Mail ist erforderlich!