Menü
Logo Logo
  • DE
  • EN
  • Dossier 24
  • Main Topic 24
  • Frank Richter 4
  • Mathias Plüss 2
  • Alain Appel 1
  • Aufgezeichnet von Regula Freuler 1
  • Björn Plaschnick 1
  • Enrique Heer 1
  • Eveline Rutz 1
  • INTERVIEW ABRAHAM GILLIS 1
  • INterview Nicole Hottinger 1
  • Interview Patricia Faller 1
  • Katharina Fierz und Beatrice Friedli 1
  • Matthias Kleefoot 1
  • Regula Freuler 1
  • Simon Jäggi 1
  • Susanne Wenger 1
  • Ümit Yoker 1
  • 2/2020 24
Aktive Filter: Kategorie: Dossier Kategorie: Main Topic Ausgabe: 2/2020 Alle Filter entfernen
Es wurden 24 Ergebnisse in 2 Millisekunden gefunden. Zeige Ergebnisse 1 bis 10 von 24.
  • 1
  • 2
  • 3
  • »
Ergebnisse pro Seite:

Bessere Luftfilter und Textilien, die sich selbst desinfizieren

Elektronische Textilien, die sich selber desinfizieren können, daran arbeitet die Fachgruppe Analytische Technologien unter Chahan Yeretzian. Der anvisierte Stoff ist dreilagig: eine Membran zwischen zwei leitenden Schichten. Legt man eine elektrische Spannung darin an, so werden Ozon und andere Sauerstoffradikale freigesetzt, die Viren und Bakterien töten. So lässt sich die Oberfläche des Textils auf Knopfdruck sterilisieren, und zwar viel gründlicher als mit gängigen Desinfektionsmitteln. Der erzeugte Strom und auch die Ozonmenge sind dabei so klein, dass sie für Menschen ungefährlich sind. Die Idee stammt von der Firma Osmotex aus Thalwil. Diese Firma hat auch die zugrundeliegende Technologie entwickelt: 2018 brachte sie elektronische Textilien auf den Markt, die Schweiss effizient nach aussen transportieren – was ideal ist für Sportjacken. Schon hierfür gab es eine Zusammenarbeit mit der ZHAW. «Lustigerweise war es damals unsere Aufgabe, die Bildung von flüchtigen Stoffen wie Ozon zu reduzieren», sagt Chahan Yeretzian. «Im Corona-Zeitalter ist es umgekehrt: Nun prüfen wir, wie sich die Bildung von Ozon optimieren und dosieren lässt.» Eine Vorstudie, gefördert von der Innosuisse , läuft bereits, der Antrag für ein grösseres Projekt ist eingereicht. Wird es bewilligt, wollen die Forscher schon Ende Jahr erste Produkte präsentieren: Gesichtsmasken etwa oder eine kleine Tasche für unterwegs, in der man sein Handy oder Münz desinfizieren kann. Trond Heldal, der Forschungsleiter von Osmotex, hat aber noch viel mehr Ideen: «Schutzanzüge für das Gesundheitspersonal zum Beispiel. Sinnvoll wäre der Einsatz von selbstreinigenden Textilien, aber auch für Sitzbezüge im öffentlichen Verkehr – und ganz generell für Oberflächen, die oft berührt werden.» Unterstützt werden die Forscher von den ZHAW-Fachgruppen Mikrobiologie und Molekularbiologie von Martin Sievers sowie Funktionelle Materialien und Nanotechnologie von Christian Adlhart . Adlhart leitet überdies ein weiteres Innosuisse-Projekt: die Entwicklung einer neuen Generation von Atemschutzfiltern. «Im Antrag von 2019 sprachen wir explizit von Pandemieschutz – wir dachten dabei aber an Ebola», sagt Adlhart. Selbstverständlich werde der neue Filter aber auch gegen Coronaviren wirken. Entsprechend hatten die Wissenschaftler auch eine Sondergenehmigung erhalten, sodass sie während des Lockdowns weiterforschen durften. Der neue Filter entsteht in Zusammenarbeit mit der TB-Safety in Frick. Die Firma ist eine führende Anbieterin von Ganzkörper-Schutzanzügen, wie sie etwa Ärzte in Krisensituationen tragen. Im Projekt geht es um Filter, die in die Rückseite des Anzugs integriert werden, zusammen mit einem Gebläse, das permanent frische Luft hineinbringt. «Das Grundproblem von Filtern ist: Je kleiner die Löcher, desto besser zwar die Filtrierleistung – aber desto grösser auch der Widerstand für die Luft, die man durchpresst», sagt Adlhart. So wächst der Energiebedarf des Gebläses, die Batterie müsste riesig sein. Die Lösung: Nanofasern, die hundertmal dünner sind als menschliches Haar. Dank ihrer grossen Oberfläche filtern sie gut, lassen aber dennoch genügend Luft durch. Im aktuellen Projekt ordnen die Wädenswiler Forscher diese Fasern dreidimensional an, sodass eine schaumgummiartige, bis zu zwei Zentimeter dicke Schicht entsteht. Erste Tests zeigen, dass so gebaute Filter hervorragend funktionieren und sehr lange eingesetzt werden können. Derzeit arbeitet man daran, die Herstellung der Nanofaser-Struktur zu vereinfachen. Digitale Unterstützung kommt dabei von der ZHAW-Fachstelle Biomedizinische Simulation um Sven Hirsch . Bis Ende Jahr sollten die Prototypen des neuen Filters validiert und getestet sein. Mathias Plüss

Contact Tracing: Eine Vertrauensfrage

Es war April und die Schweizer Corona-Kurve flachte langsam ab, als die ZHAW School of Management and Law eine Studie zur geplanten SwissCovid-App lancierte. In den Wochen davor wurde in und ausserhalb der Schweiz viel über die sogenannten Tracing-Apps diskutiert. Die Meinungen gingen weit auseinander. Manche warnten vor dem Ausbau eines neuen Überwachungsstaats, andere betonten die Wichtigkeit einer konsequenten Rückverfolgung von Ansteckungsketten. «Uns hat interessiert, wie sehr die Bevölkerung der App vertraut», sagt Nico Ebert, Dozent am Institut für Wirtschaftsinformatik . Er hat die Studie gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Widmer vom Zentrum für Sozialrecht realisiert. «Die SwissCovid-App ist in Sachen Datenschutz gut durchdacht und bietet kaum Angriffsflächen.» Nico Ebert Nico Ebert befasst sich in seiner Arbeit vertieft mit Datenschutz und hatte sich in den Wochen davor das Design der App genau angeschaut. «Die SwissCovid-App ist in Sachen Datenschutz bis ins Detail durchdacht und bietet kaum Angriffsflächen für Missbrauch. Eine hinsichtlich Datenschutz sicherere Lösung kann ich mir kaum vorstellen», sagt Ebert. Er wollte wissen, ob dieses Design das Vertrauen der Bevölkerung stärkt. Grundlage der Befragung war eine App, die keine Standort- und Bewegungsdaten erfasst und bei der alle Daten dezentral gespeichert werden. Eine App, wie sie die ETH Lausanne und die ETH Zürich in den vergangenen Wochen gemeinsam mit dem Unternehmen Ubique entwickelt haben. An der Umfrage beteiligten sich rund 2000 Personen aus allen Landesteilen.Was Nico Ebert und Michael Widmer herausgefunden haben, scheint auf den ersten Blick widersprüchlich: 68 Prozent gaben an, die App auf jeden Fall oder wahrscheinlich zu installieren. Als Gründe nannten die Befragten vor allem das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Allgemeinheit und den Schutz von Familie und Freunden. Zugleich befürchteten 40 Prozent der Befragten, der Staat könnte die App als Vorwand nutzen, um die Bevölkerung stärker zu überwachen. «Einige formulierten dabei auch ganz grundsätzliches Misstrauen gegenüber dem Staat und den Behörden», so Ebert. 40 Prozent der befragten Personen befürchteten, dass die App nicht richtig funktioniere und beispielsweise Fehlalarme auslöse. Ein knappes Drittel sorgte sich, dass ihr Smartphone leichter gehackt werden könnte. «Trotz der grundsätzlich grossen Akzeptanz gibt es in der Bevölkerung offenbar einige Bedenken. Selbst gegenüber einer App wie dieser, die keine Standort- und Bewegungsdaten erfasst», sagt Nico Ebert. Dieses Resultat habe ihn überrascht. Wenige Wochen zuvor hatte ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Oxford University in mehreren europäischen Staaten eine Studie mit fast identischer Fragestellung durchgeführt und stiess dabei etwa auf dieselben Zustimmungen. Obwohl sich das geplante Design der Apps im Ausland zu jenem Zeitpunkt noch deutlich von der Schweizer Version unterschied. «Das Vertrauen in die App hängt offenbar von verschiedenen Faktoren ab. Das technische Design ist bei der Bewertung nur ein Faktor nebst weiteren.» Er halte es deshalb für zentral, bei der Einführung der App auf die Sorgen in der Bevölkerung einzugehen. «Es braucht Transparenz über die genaue Funktionsweise und über Massnahmen zur Wahrung des Datenschutzes.» Die ETH Lausanne und Zürich haben mit ihrem Protokoll namens DP-3T eine Lösung entwickelt, die mittlerweile von anderen Ländern übernommen wird. Dabei bleiben alle Informationen, welche Personen sich wann und wo getroffen haben, dezentral auf den einzelnen Smartphones gespeichert. Nach zwei Wochen werden alle Kontakte wieder gelöscht. Die App steht in den klassischen App-Stores als Download zur Verfügung. Kurz erklärt, funktioniert die SwissCovid-App so: Befinden sich zwei Smartphones in weniger als zwei Meter Abstand für mehr als 15 Minuten, wird dieser Kontakt auf beiden Geräten anonym gespeichert. Voraussetzung ist, dass beide Geräte die App installiert und Bluetooth aktiviert haben. Die App soll erkennen, wenn beispielsweise eine Wand zwischen den Geräten steht, Plexiglasscheiben hingegen erkennt sie nicht. Nutzer können die App aber jederzeit deaktivieren. Wird nun eine Person positiv auf das Coronavirus getestet, erhält sie vom kantonsärztlichen Dienst einen sogenannten Covid-Code. Diesen kann sie in ihrer App eingeben, worauf ein zentraler Server alle Nutzer benachrichtigt. Die einzelnen Apps gleichen den Code der erkrankten Person nun selbstständig mit den aufgezeichneten Kontakten ab und lösen gegebenenfalls Alarm aus. Nutzerinnen und Nutzer, welche von der SwissCovid App über einen Kontakt mit einer infizierten Person benachrichtigt werden, können selbst entscheiden, wie sie darauf reagieren. Die App zeigt die Telefonnummer einer Infoline an, bei der Betroffene anonym weitere Informationen erhalten. Die Applikation empfiehlt weiterhin, bei Auftreten von Symptomen den Coronavirus-Check im Internet zu machen oder medizinischen Rat einzuholen und sich in freiwillige Quarantäne zu begeben. Wird die Isolation vom Arzt oder durch die kantonalen Behörden angeordnet, ist auch die Lohnfortzahlung gewährleistet. Herausgeber der App ist das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Dieses bemüht sich, die Bevölkerung über die Funktionsweise der App aufzuklären. Anfang Juni lud das BAG zu einem Medien-Hintergrundgespräch ein. Wie der Kommunikationschef Gregor Lüthy sagt, plant der Bund zum Start der App eine breite Informationskampagne, die auch die Sicherheits- und Datenschutzthematiken aufgreift. «Es wird sich zeigen, ob trotz tiefer Fallzahlen ausreichend Personen die App installieren werden.» Marcel Salathé Die App sehen die Verantwortlichen als wichtige Ergänzung zu den kantonsärztlichen Abklärungen und Nachverfolgungen von Infektionsketten, wie sie bereits bisher stattfinden. «Dabei wird sich zeigen, ob trotz tiefer Fallzahlen ausreichend Personen die App installieren werden», sagt Marcel Salathé, Epidemiologe an der ETH Lausanne und Mitglied Science Task Force digitale Epidemiologie, im Rahmen des Hintergrundgesprächs. Ob es dem Bundesamt für Gesundheit gelingt, einen ausreichend grossen Bevölkerungsteil zu überzeugen, zeigt sich in den kommenden Wochen. Es wird zu einer Frage des Vertrauens: in die App und die Behörden. Simon Jäggi

«Die Ungewissheit machte mir zu schaffen»

«Am Anfang hatte ich mega Angst», räumt Pflegestudentin Jacqueline Walker ein. Das Spital Männedorf, in dem sie seit Februar ihr zweites Praktikum im Rahmen des Bachelorstudiums Pflege absolviert, begann im März, an Covid-19 erkrankte Menschen aufzunehmen. Auch die medizinische Abteilung, auf der die 21-Jährige im Einsatz stand, wurde nach und nach zur Isolierstation umfunktioniert. Zu schaffen machte der Studentin vorab die Ungewissheit . Sie sah die Medienberichte zu überfüllten Spitälern in Norditalien. Würde das auch in der Schweiz geschehen? Und was, wenn sie sich selber anstecken würde? «Ich betrat Covid-19-Zimmer auch dann in voller Schutzmontur, wenn ich nur ein Medikament hinstellte», blickt sie auf jene ersten Tage zurück. Doch ihre Abteilung war ja nicht die Intensivstation mit den wirklich schwer Erkrankten, und die Kolleginnen konnten sie beruhigen. «Sie sagten mir: Jacky, du musst dich nicht jedes Mal so einpacken.» Eine Gesichtsmaske blieb aber zwingend, und wenn sie den Erkrankten nahe kam, schützte sie sich zusätzlich mit einer Brille. Die Mitarbeitenden seien spitalintern stets sehr gut über Sicherheits- und Hygienemassnahmen informiert worden, lobt sie. Das habe geholfen. Die Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf ihrer Abteilung waren 50-jährig und älter. Sie zeigten mildere bis schwerere Symptome, von Fieber über Husten bis zu Kurzatmigkeit. Viele brauchten Sauerstoff. Alle waren sehr geschwächt, und manche erlitten nach der ersten Besserung einen Rückfall. «Eine meiner Hauptbeschäftigungen waren atemstimulierende Einreibungen», erzählt die ZHAW-Studentin. Das habe den Corona-Kranken gutgetan. Auch bei leichten körperlichen Übungen nach Anweisung der Physiotherapeuten war die Praktikantin anwesend. Bewegung sei wichtig bei Lungenerkrankungen. «Es war mir ein Anliegen, mir Zeit für die Patientinnen und Patienten zu nehmen und für sie dazusein.» «Wir merkten immer besser, was sie brauchten», sagt die engagierte junge Frau, die im vierten Semester studiert. Besonders schätzten die Patienten Gespräche und andere Zuwendungen. Wegen des Besuchsverbots und der Isolation blieben die Patienten allein. «Wir waren die einzigen direkten Kontakte für sie», so Jacqueline Walker, «es war mir ein Anliegen, mir Zeit für sie zu nehmen und für sie dazusein.» Weil es in der Schweiz gelang, die Infektionskurve abzuflachen, blieb die Zahl der Covid-19-Patienten auf ihrer Abteilung zum Glück überschaubar. Im Frühsommer kehrt die Pflegestudentin in den Unterricht zurück – um eine Epidemie-Erfahrung reicher. «Ich habe viel gelernt», stellt sie fest. Mit ihrer Berufsbildnerin im Spital konnte sie sich täglich austauschen. Speziell das Wissen über Hygienemassnahmen werde sie später anwenden können, glaubt die Studentin. Eine neue Erfahrung war auch die Aufmerksamkeit, die die Pflege von aussen erhielt. Jacqueline Walker bekam so viel anerkennenden Zuspruch wie noch nie: «Das hat mich sehr gefreut.» Wie nachhaltig die Wertschätzung der Pflege sei, werde sich aber erst noch zeigen. «Applaus allein reicht nicht»: Lesen Sie dazu den Meinungsbeitrag Susanne Wenger

«Nur dank gegenseitiger Unterstützung war die Umstellung möglich»

Lisa Messenzehl: Mit so einer extremen Situation hat niemand gerechnet. Als sich im Februar eine Verschlechterung der Lage abzuzeichnen begann, haben wir zwar bereits damit begonnen, erste Dokumentationen für virtuellen Unterricht aufzubauen. Damals gingen wir aber davon aus, dass einzelne Dozierende oder Studierende krankheitshalber ausfallen könnten. Die Umstellung in diesem grossen Umfang war schliesslich eine Herausforderung. Es ist aber extrem gut gelungen. Ich ziehe den Hut vor allen beteiligten Dozierenden, Mitarbeitenden wie auch Studierenden. Es war zwar sehr intensiv, aber auch extrem motivierend. Der ganze Bereich Blended Learning stand plötzlich im Rampenlicht, und ich habe gemerkt, dass wir etwas bewegen können. Ein wichtiges Element war die gegenseitige Unterstützung auf allen Ebenen: zwischen Dozierenden, Fachbereichen und auch departementsübergreifend. Nur dank dieser gegenseitigen Unterstützung ist die Umstellung innerhalb dieser extrem kurzen Zeit möglich gewesen. Es sind Communities, die sich austauschten und halfen. Wir haben am Tag, als der Lockdown absehbar war, die Taskforce E-Learning ins Leben gerufen, in der alle Departemente und auch die IT-Abteilung vertreten sind. In den ersten Wochen haben wir uns täglich getroffen. Es gibt einfache Tricks, um den Unterricht onlinetauglich zu machen . Eine Möglichkeit sind asynchrone Szenarien. Das können Texte und Videos sein, mit denen die Studierenden zwischendurch selber arbeiten und sich zu den Inhalten austauschen, etwa in Foren. Oft geht es darum, die Rolle des Dozierenden neu zu finden. Er oder sie ist mehr Coach als Frontalrednerin. Diese Erfahrung machen einige Dozierende das erste Mal. Nachdem wir uns im ersten Schritt sehr viel mit Tools beschäftigt haben, wird es in einem nächsten Schritt sehr viel mehr um Didaktik gehen. Wir versuchen, die aktuell vorhandene Offenheit, Flexibilität und Kreativität für die Zukunft fruchtbar zu machen. «Wir versuchen, die aktuell vorhandene Offenheit, Flexibilität und Kreativität für die Zukunft fruchtbar zu machen.» Zeitgleich mit der Umstellung auf Online haben wir einen Selbstlernkurs zu Digital Literacy anbieten können, der sehr viele der notwendigen Kompetenzen vermittelt. Die Studierenden sind aus meiner Sicht erstaunlich schnell reingewachsen. Sie waren sehr flexibel und haben sehr viel Verständnis für die neue Situation gezeigt. Oberstes Ziel war es bei der Umstellung, möglichst zu vermeiden, dass Unterricht verschoben werden muss. Selbstverständlich gibt es Bereiche, in denen der Online-Unterricht nicht das gleiche bieten kann wie der physische Unterricht. Wenn zum Beispiel die haptische Erfahrung wichtig ist wie im Gesundheitsbereich oder wenn die Arbeit in einem Labor dazugehört. Das ist eine grosse Herausforderung. Es wurden aber viele kreative Lösungen gefunden. In meinen Augen ist die Ausgangslage eine andere. Viele Weiterbildungsteilnehmende haben sich bewusst für ein Präsenzprogramm entschieden, Austausch und Networking rund um eine Weiterbildung sind wichtig. Hier stossen Online-Formate natürlich an ihre Grenzen. «Selbstverständlich freuen sich die meisten Dozierenden und Studierenden auf den physischen Unterricht. Die soziale Interaktion ist natürlich zentral.» Schriftliche Prüfungen werden hauptsächlich über die Lernplattform Moodle gemacht. Entweder als klassische Prüfungen, in denen die Studierenden mit Zeitlimit Fragen beantworten, oder als wissenschaftliche Arbeiten, die sie offline schreiben und dann abgeben. Alle schriftlichen Prüfungen finden Open-Book statt, das heisst, dass Hilfmittel erlaubt sind. Zudem gibt es mündliche Prüfungen. Didaktisch gesehen sind die Online-Prüfungen eine grosse Chance. Es können zum Beispiel auch Audios und Videos eingesetzt werden. Meine Beobachtung ist, dass digitale Prüfungen in den letzten Jahren für die Studierenden immer normaler wurden. Die Studierenden schätzen zum Beispiel sehr, dass sie nicht mit der Hand schreiben müssen. Das entspricht heutzutage eher der Realität. Bisher fanden diese digitalen Prüfungen aber immer an der Hochschule und nicht zuhause statt. Selbstverständlich freuen sich die meisten Dozierenden und Studierenden auf den physischen Unterricht. Die soziale Interaktion ist natürlich zentral. Meine Hoffnung ist es, dass der Hochschulunterricht in Zukunft gesamthaft profitieren kann, weil Dozierende ihr methodisches Repertoire vermehrt auf das Digitale ausdehnen werden. Künftig kann man sich das Beste aus beiden Welten nehmen. INTERVIEW ABRAHAM GILLIS

Sieben von zehn Firmen rechnen mit negativen Folgen

Jeanine Steinegger war gerade dabei, Osterartikel in die Regale zu räumen, als Anfang März die Mitteilung des Bundesrates kam: Ab der kommenden Woche würde sie ihren Laden für unbestimmte Zeit schliessen müssen. Steinegger ist Geschäftsführerin der «Herzsache», eines Geschäfts für Geschenkartikel und Wohnaccessoires in der Rapperswiler Altstadt. «Das war schon ein Schock», erzählt die 39-Jährige, deren Laden inzwischen wieder geöffnet ist. Die «Herzsache» ist eines von rund 360 KMU, deren wirtschaftliche Situation in der Corona-Krise die ZHAW mit einer Befragungsreihe erhoben hat. Kleine und mittlere Unternehmen in der deutschsprachigen Schweiz blicken dabei mit gemischten Gefühlen in die nähere Zukunft. Zwar sind sie für die nächsten Monate optimistischer eingestellt als auch schon. Doch auf ein ganzes Jahr hinaus bleiben ihre Aussichten eher düster, wie das Institut für Financial Management der ZHAW School of Management and Law in seiner zweiten Erhebung feststellt. So rechnet Mitte April zwar nur noch ein Drittel der rund 360 befragten Betriebe damit, in den folgenden zwölf Monaten in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, während es im März noch mehr als die Hälfte war. Sieben von zehn Unternehmen gehen jedoch nach wie vor davon aus, dass sich die Corona-Krise negativ oder sogar sehr negativ auf ihre Geschäftstätigkeit auswirken werde. Das sind fast gleich viele wie im ersten ZHAW Coronavirus-KMU-Panel . Grosse Sorgen machen sich vor allem Detail- und Grosshandel, Gastronomie-, Hotelleriebetriebe und Reisebüros, aber auch die Maschinen- und Elektroindustrie. Vielen Betrieben aus der Informations- und Kommunikationstechnologie hingegen hat die Krise auch Aufwind verliehen. «Das Nachholbedürfnis der Konsumenten nach den ersten Lockerungen des Bundes hat viele Betriebe erstaunt und dürfte zu dieser kurzfristig positiveren Einschätzung geführt haben», erklärt Andreas Schweizer. Er ist der Initiant der Erhebung und Dozent für Corporate Finance & Corporate Banking an der ZHAW. «Gleichzeitig wird den Unternehmen mehr und mehr bewusst: Die Krise wird nach der Aufhebung des Lockdowns längst nicht so rasch vorbei sein, wie viele zu Beginn noch gedacht und vor allem gehofft haben.» Die nächsten zwei oder drei Jahre dürften für viele KMU hart werden. Das ZHAW-Coronavirus-KMU-Panel wollte auch Licht auf die Frage werfen, wie viele Betriebe eine Unterstützung von Bund oder Kantonen in Anspruch genommen haben. 40 Prozent beziehungsweise 145 der rund 360 befragten Unternehmen aus der deutschsprachigen Schweiz haben bis Ende April einen verbürgten Kredit beantragt. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Betrag in der Höhe von maximal 500’000 Franken, die Antragsteller sind vorwiegend Kleinst- und Kleinunternehmen. Nur wenige Betriebe erhielten eine Absage – und diese bedeutete in den meisten Fällen einfach, dass ein tieferer Kredit gewährt wurde als beantragt. «Die Liquidität gibt den Unternehmen wieder Luft, um notwendige Schritte für die Zukunft anzudenken und einzuleiten.» Andreas Schweizer Die Kredite dienen in erster Linie dazu, Mietkosten und offene Rechnungen anderer Art zu begleichen. Für den Studienleiter geht ihr Nutzen jedoch klar über das Finanzielle hinaus: «Die Liquidität gibt den Unternehmen wieder Luft, um notwendige Schritte für die Zukunft anzudenken und einzuleiten.» Die positive Wirkung der verbürgten Kredite zeichnet sich für den Ökonomen auch in der Panelfrage zu den Konkursen ab: So beurteilen in der aktuellen Erhebung deutlich weniger Befragte – jeder achte statt jeder sechste – das Risiko für einen Konkurs in den kommenden zwölf Monaten als gross. Noch klarer habe jedoch die Zahl derjenigen Betriebe abgenommen, die aus Unsicherheit überhaupt keine Einschätzung vornähmen, sagt Schweizer. «Die Massnahmen des Bundes tragen dazu bei, Ängste der Unternehmer zu zerstreuen und Klarheit zu schaffen.» Nicht alle beurteilen die finanziellen Massnahmen des Bundes derart positiv. Während einige der befragten Unternehmen solche Kredite als dringend notwendig erachten, halten andere diese Form der Hilfe für wenig sinnvoll oder sogar gefährlich: Schliesslich steht der Betrieb damit in der Schuld des Kreditgebers und muss das geliehene Geld innerhalb von fünf Jahren zurückzahlen. Der Bundeskredit ist für Betriebe nur ein Weg von mehreren, einigermassen heil durch die Corona-Krise zu kommen. Mehr als die Hälfte der befragten KMU hat bis Mitte April bereits Kurzarbeit eingeführt, deutlich mehr als noch in der ersten Erhebung. Zudem hält es über ein Drittel der Betriebe für wahrscheinlich, dass auch Entlassungen notwendig sein werden. Tatsächliche Kündigungen gab es zu diesem Zeitpunkt allerdings erst in sieben der rund 360 Betriebe. Jedes dritte Unternehmen hat sein Geschäftsmodell zudem vorübergehend oder teilweise angepasst. Dazu gehören vor allem die Umstellung auf den Onlinehandel und neue Liefermodelle. (Rund 80 der befragten Betriebe mussten aufgrund der Verordnungen des Bundesrates zeitweilig schliessen.) «Der entgangene Umsatz lässt sich mit solchen Anpassungen jedoch kaum kompensieren», gibt Schweizer zu bedenken. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe konnte so gerade einmal maximal 20 Prozent des Umsatzes wettmachen. «Eine Website einzurichten, bekannt zu machen und alle Produkte dort aufzuführen, dauert mehr als nur ein paar Wochen», sagt Schweizer, der Mitte Juni eine dritte Erhebung durchgeführt hat. (Ergebnisse lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor). Jeanine Steinegger hat damals rasch auf die Krise reagiert: Sie beantragte Kurzarbeit für ihre vier Mitarbeiterinnen und begann, Geschenksets zusammenzustellen und in den sozialen Medien zu bewerben. Eine Followerin bot ihr ausserdem an, die Produkte für den Onlineshop zu digitalisieren. Zwar habe sich der verlorene Umsatz so nicht wettmachen lassen, erzählt Steinegger. «Doch es war zumindest genug, um die Mietkosten zu begleichen.» Auf Geschenksets wird die Jonerin auch in Zukunft setzen; diese hätten ihr auch Kundschaft aus anderen Regionen der Schweiz gebracht. Ebenso soll die Onlinepräsenz weiter verstärkt werden. Steinegger hat zu diesem Zweck sogar eine neue Mitarbeiterin eingestellt: Die Followerin, die ihr während der Corona-Krise aus Solidarität mit ihrer Website geholfen hatte. Ümit Yoker

Wie geht es uns im Ausnahmezustand?

Trotz Krise blieb die Lebensqualität der meisten Menschen in der Schweiz auf einem hohen Niveau. Der Anteil der Personen, die ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut einstuften, war über alle Altersgruppen hinweg betrachtet zu Beginn des Lockdowns mit 86 Prozent zwar leicht tiefer, erhöhte sich dann aber zunehmend auf 90 Prozent in der zehnten respektive elften Woche. Diese Erholung dauerte am längsten für die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen – möglicherweise weil die negativen Auswirkungen des Lockdowns die Jüngeren am stärksten tangiert haben. Bisher einmalig hoch war der Anteil der Erwerbstätigen, die teilweise oder immer im Home-Office arbeiteten. Vor der Corona-Krise waren dies gerade mal 26 Prozent, in den ersten Wochen des Lockdowns dagegen über die Hälfte der Erwerbstätigen. Mit den ersten Lockerungen ging dieser Anteil wieder zurück, lag aber Ende Mai bei immer noch 45 Prozent. 16 Prozent der Bevölkerung litten in den ersten Wochen des Lockdowns häufig oder immer an mangelnder Energie. Bei den psychischen Belastungssymptomen zeigt sich aber bereits ab der 3./4. Woche eine Verbesserung – viele Menschen dürften sich schnell an die aussergewöhnliche Situation angepasst haben. Die befürchtete zunehmende Verschlechterung der psychischen Verfassung breiter Bevölkerungskreise scheint ausgeblieben zu sein. Je länger der Lockdown dauerte, desto häufiger haben die Leute ihr Zuhause verlassen. Zu Beginn des Lockdowns waren es vor allem die Jüngsten und die Ältesten, die das Haus verglichen mit den übrigen Altersgruppen seltener verliessen. Während die Gruppe der 60- bis 79-Jährigen in der 10./11. Woche nach Beginn des Lockdowns wieder ähnlich häufig unterwegs war wie die 30- bis 59-Jährigen, war dies bei der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen noch nicht der Fall. Schutzmassnahmen sind ein entscheidender Faktor gegen die Verbreitung des Coronavirus. Die 2-Meter-Abstand-Regel befolgten in der 2./3. Woche des Lockdowns 59 Prozent, in der 10./11. Woche dagegen nur noch 37 Prozent. Hingegen stieg der Anteil jener, die manchmal, meistens oder immer eine Schutzmaske tragen, von 14 auf 38 Prozent. Insbesondere Personen im Tessin und seit der Lockerung des Lockdowns ältere Personen ab 60 Jahren tragen häufig eine Schutzmaske. Es dürfte spannend werden, inwiefern die Bevölkerung weiterhin diszipliniert die empfohlenen Schutzmassnahmen befolgt. Inhalt Patricia Faller; Grafik Klaas Kaat; Datenanalyse: Marc Höglinger und Sarah Heiniger ; Datenquelle: COVID-19 Social Monitor 2020 , Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie, ZHAW School of Management and Law.

«Wir haben kurzfristig Leute anderer Einheiten in die Produktion geholt»

Donny Hamilton: Wichtig ist das Inventar. Ein Unternehmen wie Hamilton Bonaduz, welches auf den Verbrauchsgütermärkten tätig ist, muss seine Produkte vorrätig haben und sie auch kurzfristig liefern können. Entscheidend ist darüber hinaus eine gute Kommunikation. Alle Mitarbeitenden müssen auf dem Laufenden gehalten werden, wie das Unternehmen bei diesen globalen Fragen vorgeht und was die interne Strategie ist, um mit den drastischen Veränderungen umzugehen. Mit unseren Kunden müssen wir sprechen, um zu erfahren, wie wir sie unterstützen und ihnen bei der Betreuung ihrer Kunden helfen können. Mit diesen beiden Trümpfen und der Flexibilität, bei Bedarf Änderungen vorzunehmen, können wir uns als Unternehmen weiterentwickeln und an jede Situation anpassen. Hier ist, wie gesagt, Flexibilität ganz wichtig. Wir produzieren Beatmungsgeräte und automatisierte Flüssigkeitshandhabungsmaschinen an sechs Tagen in der Woche, in zwei Schichten. Unsere Produktionseinheiten für Verbrauchsmaterial laufen in drei Schichten an sieben Tagen in der Woche. Hamilton Bonaduz konzentriert sich darauf, zu eruieren, wo welches Equipment benötigt wird. . Wir haben zunächst intern Anpassungen bei den Arbeitszeiten und -bedingungen vorgenommen. Die Atmosphäre ist positiv und darauf ausgerichtet, dass unsere Produkte so schnell wie möglich an die richtigen Orte gelangen. Die meisten Mitarbeitenden arbeiten vor Ort. Als gut vernetztes Produktionsunternehmen sind wir in der Lage, Produktionsmitarbeitende relativ unkompliziert von einer Geschäftseinheit in eine andere zu verlegen. Wir haben sogar kurzfristig Mitglieder des Marketingteams in die Produktion versetzt, um die extremen Schwankungen zu bewältigen. Unser HR-Team konzentriert sich jetzt in erster Linie auf die Erfüllung der Produktionsbedürfnisse, um mehr Mitarbeitende für unsere medizinische und robotergestützte Produktion zu finden. Wenn es jemals einen perfekten Zeitpunkt für eine solche Übung gab, dann war es die Krisenmanagement-Woche im vergangenen Februar. Die Themen, mit welchen wir uns in unserem fiktiven Unternehmen während der Simulation beschäftigt haben, kommen in der jetzigen realen Situation zum Tragen. Bei der Simulation lernte ich Werkzeuge kennen, die ich nun anwenden kann. Die grösste Herausforderung ist derzeit nach wie vor die Lieferkette, um die riesige Nachfrage zu befriedigen. Wir haben Lieferanten, die wiederum eigene Lieferanten mit Produktionsengpässen haben. Diese Engpässe zu meistern, ist entscheidend, um voranzukommen. Lesen Sie das gesamte Interview INterview Nicole Hottinger

Auf der Suche nach einem Mittel gegen Covid-19

Fast die ganze ZHAW befindet sich im Home-Office. «Wir erhalten nur einen Minimalbetrieb aufrecht», sagt Christian Hinderling , Leiter des Instituts für Chemie und Biotechnologie in Wädenswil. «Wer momentan in den Labors arbeiten will, muss eine Ausnahmegenehmigung beantragen.» Das Regime ist streng: Eine Bewilligung gibt es nur für wichtige Wartungs- und Unterhaltsarbeiten, für dringende Projekte, für lange Versuchsserien, die man nicht einfach unterbrechen kann – sowie für Forschung, die mit dem neuen Coronavirus zu tun hat. Davon gibt es am Institut ziemlich viel. So sind insgesamt drei Forschungsteams an der Impfstoff- und Medikamentenentwicklung gegen Covid-19 beteiligt. Die Fachstelle Bioverfahrens- und Zellkulturtechnik um Regine und Dieter Eibl engagiert sich im Impfstoff-Projekt des Immunologen Martin Bachmann vom Inselspital Bern. Das Forscherpaar wurde um Unterstützung angefragt, weil es über ein sehr gut ausgerüstetes Labor und über zwanzig Jahre Erfahrung in der Entwicklung biotechnologischer Produktionsprozesse verfügt. «Als die Anfrage aus Bern kam, hielten wir Rücksprache mit Mitgliedern unserer Gruppe – vorwiegend junge Leute», sagt Regine Eibl . «Die waren alle hochbegeistert und wären am liebsten gleich ins Labor gestürzt, um loszulegen.» «Die Teams arbeiten Tag und Nacht – zeitlich versetzt, damit sich die Leute aus dem Weg gehen können.» Regine Eibl Entsprechend herrscht nun Hochbetrieb. «Wir sind Druck gewohnt», sagt Regine Eibl. «Diesmal ist er noch etwas grösser, weil wir unbedingt erfolgreich sein möchten und weil der Zeitraum nochmals kürzer ist als sonst. Aber es ist ein positiver Stress.» Gearbeitet wird Tag und Nacht – zeitlich versetzt, damit sich die Leute aus dem Weg gehen können. Dabei hilft auch, dass dank dem weitgehenden Forschungsstopp nun mehrere Labore zur Verfügung stehen. Der Beitrag der ZHAW-Forschungsgruppe ist zentral für das Projekt: Sie ist für das sogenannte Scale-up verantwortlich. Das heisst, sie muss Bedingungen finden, unter denen sich die virusartigen Partikel für den Impfstoff im Bioreaktor möglichst rasch und in grossen Mengen herstellen lassen. Dabei kommt es auf Parameter wie die Temperatur, die Belüftung oder auch den Rührprozess an. In Mikro-Bioreaktoren kann eine Vielzahl von Kombinationen dieser Parameter gleichzeitig geprüft werden. Die vielversprechendsten Kombinationen testen die Forschenden darauf in kleinen und schliesslich in grossen Bioreaktoren mit 30 Litern Arbeitsvolumen. Wenn es mit diesen Mengen klappt, sind die Voraussetzungen für eine grossmassstäbliche Herstellung erfüllt. Schon im Juli sollen die Arbeiten in Wädenswil abgeschlossen sein. Und bereits im Herbst will der Projektleiter Martin Bachmann mit Impfen beginnen. «Das ist sehr ambitioniert», sagt Regine Eibl. «Ich könnte mir vorstellen, dass wir vielleicht bis Ende Jahr so weit sind. Aber auch dies würde eine verkürzte Zulassung erfordern.» Noch ein zweites ZHAW-Team ist am Berner Impfstoff-Projekt beteiligt: die Fachstelle Mikrobiologie und Molekularbiologie unter der Leitung von Martin Sievers. Seine Aufgabe ist es, den Stamm jener Mikroben zu optimieren, die den Impfstoff produzieren. Und zwar so, dass der Stoff in hochreiner Form und unter konstanten Bedingungen hergestellt werden kann. Überdies ist Martin Sievers mit seinen Leuten noch an einem ganz anderen Projekt beteiligt: an der Entwicklung eines Medikamentes gegen Covid-19. Der Initiator hierfür ist Rainer Riedl , Leiter der Fachstelle für Pharmazeutische Wirkstoffforschung und Arzneimittelentwicklung . Es handelt sich um ein Projekt im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Covid-19» des Schweizerischen Nationalfonds . «Es war sehr speziell, diesen Antrag zu schreiben», sagt Rainer Riedl. «Normalerweise arbeiten wir nicht an Problemen mit einer so aktuellen Dringlichkeit.» Die Forschungsgruppen um Riedl und Sievers bilden ein eingespieltes Team – beide haben viel Erfahrung mit ähnlichen Projekten der pharmazeutischen Wirkstoffforschung. Ihre Motivation, sich mit ihrem ganzen Know-how nun der Covid-19-Krankheit anzunehmen, ist mit Händen greifbar. Es sei «toll, wenn wir einen Beitrag zur Lösung eines so aktuellen Gesundheitsproblems leisten können», sagt Martin Sievers. Die Zusage des Nationalfonds für das Projekt steht allerdings noch aus. Der Ansatz der beiden Forscher ist es, das Andocken des Virus an die menschliche Zelle zu unterbinden. Bei diesem Andockprozess sind beidseits Proteine beteiligt. Auf menschlicher Seite ist innerhalb des entsprechenden Proteins eine Helix von besonderem Interesse: An dieses spiralförmige Gebilde bindet sich das Virus, um in die Zelle einzudringen (siehe Illustration). Rainer Riedls Idee ist es, eine leicht modifizierte Form der Helix herzustellen, die eine noch engere Bindung mit dem Virus einzugehen vermag als das Original. Sie bildet die Basis für ein künftiges Medikament. Denn das Virus wird die veränderte Helix bevorzugen und darum weniger Zellen infizieren. «Der gewählte Ansatz hat gleich zwei Vorteile: Erstens sind die Wirkstoffe sehr spezifisch, so dass es nicht zu Nebenwirkungen kommen sollte ...» Rainer Riedl «Der gewählte Ansatz hat gleich zwei Vorteile», sagt Rainer Riedl. «Erstens sind die Wirkstoffe sehr spezifisch» – darum sollte es, anders als bei manchen anderen Medikamenten-Kandidaten, nicht zu Nebenwirkungen kommen. «Zweitens müssen wir uns nicht vor Mutationen fürchten», ergänzt Martin Sievers. Mutationen des Coronavirus können die Interaktion mit der menschlichen Zelle abschwächen oder verstärken. Das Virus wird dann harmloser oder aggressiver. Unabhängig von diesen Veränderungen blockiert der zu entwickelnde Wirkstoff den Zutritt des Virus zu den menschlichen Zellen. Das geplante Medikament dürfte also auch bei künftigen Pandemien mit womöglich mutierten Coronaviren wirksam bleiben. «... Zweitens müssen wir uns nicht vor Mutationen fürchten.» Martin Sievers Der Zeithorizont ist bei einem Medikament ein ganz anderer als bei einer Impfung. «Bis in zwei Jahren wissen wir, ob unser Ansatz prinzipiell funktioniert», sagt Rainer Riedl. Dann folgen die präklinischen und klinischen Studien, die nicht von einer Hochschule, sondern von der Pharmaindustrie durchgeführt werden. Für die Entwicklung eines neuen Medikaments bis zur Zulassung rechnet man im Normalfall mit rund zehn Jahren. Trotzdem ist so ein neuartiges Covid-19-Mittel ein sinnvolles Ziel, denn allein mit einer Impfung lässt sich eine Krankheit oft nicht ausrotten, wie das Beispiel der Masern zeigt. «Es ist schön, dass wir in so vielen Sparten zur Eindämmung von Covid-19 beitragen können.» Christian Hinderling Ob auf kurze oder lange Frist: «Es ist schön, dass wir in so vielen Sparten zur Eindämmung von Covid-19 beitragen können», sagt Institutsleiter Christian Hinderling. Im Bereich Chemie und Biotechnologie besteht ein Fachkräftemangel, und er hofft, dass solche Beispiele junge Leute auf die Chancen und Möglichkeiten eines entsprechenden Studiums aufmerksam machen. «Es zeigt sich, wie wichtig unsere Fächer bei der Lösung der grossen Probleme unserer Zeit sind – sei es in der Energieversorgung, beim Klima oder eben im Gesundheitsbereich.» Mathias Plüss

Wo Obdachlose trotz Corona-Pandemie Hilfe bekommen

Als ich meine Praxisausbildung am 1. März im Treffpunkt City angefangen habe, kam uns das Coronavirus noch als etwas vor, das weit weg stattfindet. Doch schon gut zwei Wochen später wurde der Lockdown auch in der Schweiz verhängt. Der Bundesrat forderte die Menschen auf, zu Hause zu bleiben – aber wie macht man das, wenn man kein festes Obdach hat? Solche Menschen bekommen bei uns Überlebenshilfe. Das ist eine unserer Dienstleistungen. Ausserdem können normalerweise Erwachsene aus der Stadt Zürich, die soziale oder psychische Schwierigkeiten haben oder suchtmittelabhängig sind, bei uns ihren Lebensunterhalt aufbessern mit sogenannten Jobkarten. Das ist ein Integrationsprogramm, das auch in einigen anderen Betrieben der Stadt wie dem Joblade und dem Sprungbrett/Palettino angeboten wird. Maximal 300 Franken pro Monat können sie auf diese Weise dazuverdienen. Pro Tag bieten wir 12 bis 15 solcher «Jöblis» an. Unsere Klientinnen und Klienten übernehmen zum Beispiel das Kochen oder helfen bei Reinigungsarbeiten. In unserem Garten erledigen sie Aufräumarbeiten oder gehen in der näheren Umgebung «fötzelen». Dafür erhalten sie sechs Franken pro Stunde. Wegen der Corona-Krise sind die Jobkarten jedoch komplett weggefallen. Seither stand der Treffpunkt City ausschliesslich obdachlosen Menschen offen. Wir konnten ihnen nur Leistungen der Überlebenshilfe anbieten, die es auch schon vorher gab. Das heisst, man bekam bei uns weiterhin jeden Tag am Mittag gratis eine Suppe sowie alkoholfreie Getränke. An kälteren Tagen konnte man sich tagsüber drinnen aufwärmen. Es gibt bei uns eine Dusche und eine Waschmaschine, die Leute können Zeitungen lesen, spielen, sich unterhalten, fernsehen und einen Computer mit Internetzugang nutzen. Ausserdem bieten wir durch das Fachteam Beratung für jene Klientinnen und Klienten, die den Treffpunkt im Moment nicht nutzen können, weiterhin niederschwellige Beratungsmöglichkeiten an, zurzeit telefonisch. Das Kochen und das Putzen übernahmen die städtische Arbeitsintegration und das Personal. Insgesamt sind sieben Sozialarbeitende für den Treffpunkt City angestellt. Gleichzeitig vor Ort sind sonst drei bis vier, derzeit sind wir höchstens zu zweit. Wir müssen uns streng an die Massnahmen zum Schutz vor Covid-19 halten. Die Mitarbeitenden tragen Masken. Es hat Desinfektionsmittel, und wir erinnern alle daran, sich die Hände zu waschen und zwei Meter Mindestabstand einzuhalten. Bei allen messen wir zuerst die Körpertemperatur. Wer über 38 Grad hat, darf nicht ins Haus kommen. Wir empfehlen dann, einen Arzt zu kontaktieren. «Der Bundesrat forderte die Menschen auf, zu Hause zu bleiben – aber wie macht man das, wenn man kein festes Obdach hat?» Derzeit können 80 Prozent unserer Klienten nicht mehr in den Treffpunkt City kommen. Vielen bricht dadurch die Tagesstruktur weg. Für uns stellt sich die Herausforderung, wie wir trotzdem mit den Menschen in Kontakt bleiben und die wichtige Beziehungsarbeit fortführen können. Ungefähr einmal pro Woche rufen wir unsere Stammklientel an, die wir sonst täglich sehen. Viele rufen uns auch von sich aus an. Essen und Beratungen bekommen Obdachlose aus der Stadt Zürich auch weiterhin bei anderen Organisationen wie etwa dem Café Yucca , aber einige Angebote, unter anderem wo sie duschen oder waschen können, waren mit dem Lockdown geschlossen worden. Viele unserer Klientinnen und Klienten haben Vorerkrankungen und gehören zur Risikogruppe. Oftmals haben sie keinen guten allgemeinen gesundheitlichen Zustand. Sie haben Respekt vor der Krankheit, und es kursieren auch immer wieder Verschwörungstheorien – so wie in der restlichen Bevölkerung auch. Es sind natürlich besondere Umstände, unter denen ich meine siebenmonatige Praxisausbildung mache. Sie ist ein wichtiger Bestandteil meines Bachelorstudiums. Neben der Arbeit im Treffpunkt gehören ein Vertiefungsmodul, ein Seminar und eine Supervision dazu. Das lässt sich gut organisieren, mit dem vermehrten Online-Unterricht sowieso. Aber den ganzen Tag eine Maske tragen zu müssen, immer Abstand zu halten und Nähe übers Telefon herzustellen, das alles vereinfacht die Arbeit nicht gerade. Allerdings lerne ich dadurch etwas, das ich sonst nicht so schnell gelernt hätte. Aufgezeichnet von Regula Freuler

«Die Solidarität ist gross»

Stefanie Pfrunder zieht einen Flyer aus ihrer Mappe. Er zeigt jüngere und ältere Menschen als gezeichnete Figuren, alle mit Superman-Cape. «Das ist unsere zweite Generation von Flugblättern», sagt die Bachelorstudentin und fügt lachend an: «Im Vergleich zur ersten merkt man, dass wir inzwischen jemanden mit Grafik-Kenntnissen im Team haben.» Am Anfang musste eben alles schnell gehen. Innert kürzester Zeit hat Pfrunder mitgeholfen, ein Nachbarschaftsnetzwerk in Zürich-Altstetten aufzubauen. Initiantin der «Solidarischen Nachbarschaftshilfe K9» war eine andere junge Frau: Fabienne Vukotic. Als der Bundesrat am 13. März die Massnahmen gegen das Coronavirus verschärfte, entschloss sie sich zu handeln und suchte auf der Plattform hilf-jetzt.ch nach Gleichgesinnten. Tags darauf meldeten sich Stefanie Pfrunder sowie noch zwei weitere bei Vukotic, nach einer Woche waren es über 100. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Innerhalb von zwei Tagen hatte die Gruppe das Helfernetzwerk und die Koordinationsstruktur festgelegt. Man einigte sich darauf, was vermittelt wird: Einkäufe, die Besorgung von Medikamenten oder auch einfach Gespräche gegen die Einsamkeit. Inzwischen sind rund 400 Helferinnen und Helfer ins Netzwerk eingebunden. Kommuniziert wird über Telegram, Softphone und ein digitales Organisationstool, eine physische Zentrale gibt es nicht. «Was mich bis heute fasziniert: Ich kannte vorher keinen dieser Menschen», sagt Stefanie Pfrunder. «Dass sich auf anonymer Basis eine so grosse und zuverlässige Gruppe bilden lässt, zeigt: Die ist Solidarität gross.» Stefanie Pfrunder hat bereits einen Master in Pflanzenphysiologie der Universität Zürich. «Ich habe mich stets in Vereinen und Gruppen engagiert, aber lange nicht daran gedacht, dass das ein Beruf sein könnte.» Nach einer anderthalbjährigen Velotour und einem Brotjob als Verpackerin bei einem Lebensmittel-Onlinehändler reifte in ihr die Gewissheit, dass ihr beim ursprünglichen beruflichen Weg die menschliche Substanz fehlte, wie sie es nennt. So entschloss sie sich für das Studium Soziale Arbeit an der ZHAW und bewarb sich bei der Stadt Zürich. Pfrunder bekommt für ihren Freiwilligeneinsatz Credit Points. Indem die ZHAW Soziale Arbeit den Einsatz anrechnet, will das Departement in der Corona-Krise Organisationen des Sozialwesens entlasten. Rund 40 Studierende haben sich dafür gemeldet. «Ich freue mich natürlich über die Punkte, aber ich wäre auch sonst aktiv geworden», ist Stefanie Pfrunder überzeugt. «Ich wünsche mir soziale Plattformen, auf denen man nicht nur Gegenstände, sondern auch Wissen, Talent, Fähigkeiten teilt.» Anfangs wurde das Netzwerk im Kreis 9 nicht gerade überflutet mit Anfragen, erzählt sie. «Aber es geht im Grunde nicht um die Menge, sondern um die Qualität. Die Gespräche waren intensiv, und die Menschen freuten sich allein schon darüber, mit jemandem reden zu können.» Negative Erfahrungen habe sie fast keine gemacht. Nur einmal regte sich jemand auf, einen Flyer im Briefkasten zu finden. Auch zu Betrugsfällen kam es nicht – trotz der Anonymität in der Gruppe. «Wir haben eine Datenschutzerklärung eingebaut, die einen zu den einzelnen Personen zurückführen würde», sagt Pfrunder, «und bei neuen Kontakten, die ich vermittelt hatte, rief ich anfangs im Anschluss noch einmal an, um sicherzugehen, dass alles gut abgelaufen ist.» Mittlerweile sind die Anfragen deutlich zurückgegangen, und die meisten aus dem Helfernetz sind wieder stärker in ihren eigenen Alltag eingebunden und nicht mehr so flexibel verfügbar. Das Projekt wird aber nicht beendet, sondern befindet sich in einer Transformationsphase. Eine Kerngruppe von 32 Teilnehmenden hat sich gebildet. Zum einen wollen sie den Namen ändern, weil es bereits einen Verein mit dem fast identischen Namen «Nachbarschaftshilfe» gibt und dieser auch im Kreis 9 präsent ist. Zum anderen will man nun per Umfrage und Diskussion herausfinden, wie es inhaltlich weitergehen soll. Die bisherige Resonanz zeigt, dass viele Gedanken in Richtung Sharing-Plattform und Stärkung des Gemeinschaftslebens gehen: Reparatur-Werkstätten, Cafés, Koch- und Tanzabende. Wichtig ist Pfrunder, dass keine Doppelspurigkeiten entstehen. «Wir sind darum im engen Austausch mit den etablierten Einrichtungen im Quartier, mit den Gemeinschaftszentren und anderen», betont sie. Was wünscht sie sich, mit dieser Initiative auszulösen? Sie muss nicht lange überlegen: «Mehr persönliche Begegnungen im Quartier und die unentgeltliche Nutzung vorhandener Ressourcen. «Auf der Plattform oder den Plattformen, die ich mir erhoffe, teilt man nicht nur Gegenstände, sondern auch Wissen, Talent, Fähigkeiten.» Als Nächstes hofft Stefanie Pfrunder, dass sich die Lage beruhigt, damit sie mit allen Beteiligten im Sommer ein Fest feiern kann, sowohl mit Helfenden wie auch mit Nutzniessenden – eine weitere Gelegenheit, die Gemeinschaft zu stärken. Impressionen der Studierenden im Freiwilligeneinsatz Regula Freuler

  • 1
  • 2
  • 3
  • »
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Netiquette
  • Cookies
© ZHAW
  • Home

  • Rubriken

    • Editorial

      Vorwort der Chefredaktion

    • Alumni

      Was ZHAW-Absolventinnen und -Absolventen heute machen

    • Menschen

      Wir schauen Forschenden und Dozierenden über die Schulter

    • Dossier

      Das Schwerpunktthema jeder Ausgabe

    • Forschung

      Neues aus der ZHAW-Forschung

    • Studium

      Einblick in Studienangebote

    • Interview

      Fachleute diskutieren

    • Spotlight

      Umfragen zu den Schwerpunktthemen

    • Meinung

      Standpunkte von ZHAW-Angehörigen

    • Panorama

      Vermischtes aus dem Campusleben

    • Perspektivenwechsel

      Blick nach aussen und von aussen auf die ZHAW

    • Abschlussarbeiten

      Bachelor- und Masterarbeiten im Kurzporträt

  • Suche

  • Archiv

  • Vorherige Ausgabe

  • Über das ZHAW-Impact und die ZHAW

Schliessen