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Vom Wunsch, kinderlos zu bleiben, von einer SAC-Hütte und Zwangsarbeit

Jemand kann seine Adresse nicht angeben, ist nicht krankenversichert und wird stets begleitet: Dies können Hinweise auf Menschenhandel und Zwangsarbeit sein. Betroffene sind oft extremen Formen von körperlicher, sexueller sowie physischer Ausbeutung ausgesetzt und werden von der Aussenwelt abgeschottet. Sich zu wehren oder Hilfe zu holen, fällt ihnen schwer. Entscheidend seien Drittpersonen, die ihre Situation erkennen, stellen Angèle Lavignac und Sahar Ana Richter fest. «Gesundheitsfachpersonen könnten eine grössere Rolle beim Erkennen von Menschenhandel spielen», sagen sie. Ärztinnen, Ärzte, Pflegende und Hebammen zählten zu den wenigen Berufsgruppen, die mit Betroffenen direkt in Kontakt kommen. «Damit sie adäquat reagieren können, müssen sie sensibilisiert und geschult werden.» Die Autorinnen lis­ten Merkmale für eine mögliche Ausbeutung auf. Dazu zählen Sprachbarrieren, fehlende Ausweisdokumente, Drogenkonsum und auffällige Begleitpersonen. Betroffene nehmen eher spät medizinische Hilfe in Anspruch. Sie leiden häufig unter nicht unfallbedingten Verletzungen und gynäkologischen Beschwerden. «Es braucht ein geschultes Auge, um Menschenrechtsverletzungen zu erkennen», sagt Angèle Lavignac. Betroffene seien im Sexhandel, aber ebenso auf Baustellen oder in Haushalten zu finden. Bei einem Verdacht sollten Hebammen sensibel nachfragen und über Unterstützungs­angebote informieren, sagt Sahar Ana Richter. «Dafür sollten sie mit der Person allein sein.» Die Konkordiahütte liegt auf einem Felsen hoch über dem Aletschgletscher. Zu erreichen ist sie über das Eis und steile Metalltreppen. SAC-Hütten seien zugleich «Betroffene» wie auch «Mitverantwortliche» der Umweltproblematik, stellt Lara Bieler fest, die am Departement für Life Sciences und Facility Management studiert hat. «Einerseits sind sie stark von den klimatischen Veränderungen betroffen, da Gletscherschmelze und sinkende Wasserreserven ihre Versorgungssicherheit und Infrastruktur erheblich belasten. Andererseits tragen sie durch ihren Betrieb auch selbst zur Umweltbelastung bei.» Ein grosser Teil der CO₂-Emissionen ist auf Transporte per Helikopter zurückzuführen. Bieler zeigt auf, dass sich diese durch eine optimierte Logistik deutlich senken lassen. Schmelzwasser könnte nicht nur für Heissgetränke, sondern auch als Trinkwasserquelle genutzt werden, damit weniger PET-Flaschen angeliefert werden müssen. Die Toilettenabfälle liessen sich durch eine Wurmkompostierung verringern. Handlungsbedarf sieht die Autorin zudem bei den Abwasserströmen. Sie schlägt eine stromlose Klein-Kläranlage vor, um stark verschmutztes Wasser aus der Küche aufzubereiten, bevor es in die Umwelt gelangt. Mit einer Recycling-Station könnte leicht verschmutztes Wasser aus Duschen und Lavabos für die Textilwaschmaschine wiederverwendet werden. Das Energiesystem liesse sich mit einer Wärmepumpe und einer erweiterten Photovoltaikanlage optimieren. «Schon einfache Massnahmen, die ressourcenarm umzusetzen sind, würden viel bewirken.» Zwischen Selbstbestimmung und Vorurteilen: So umschreibt Jacqueline Wechsler, was junge Menschen erleben, die keine Kinder bekommen und sich sterilisieren lassen möchten. In ihrem Podcast zeigt sie anhand von vier Personen auf, wie unterschiedlich der Weg zum operativen Eingriff sein kann. «Er ist in manchen Fällen schwierig, aber durchaus möglich», sagt sie. Kaum negative Erfahrungen machte eine heute 57-jährige Frau, die sich 1996 ihre Eileiter veröden liess. Gesetzliche Bestimmungen spezifisch zur Sterilisation gab es damals noch nicht. Erst 2005 wurde etwa festgelegt, dass Patientinnen oder Patienten volljährig und urteilsfähig sein müssen. «Es hat mich überrascht, wie reibungslos sich diese Gesprächspartnerin sterilisieren lassen konnte», sagt Wechsler, die am Departement Angewandte Linguistik studiert hat. Deren Gynäkologin habe die Operation bereits nach einem Gespräch aufgegleist. «Das ist auch heute noch nicht selbstverständlich.» Eine andere Frau berichtet, dass sie sich von Ärztinnen und Ärzten zu wenig ernst genommen fühlte. Als sie sich mit 21 Jahren für den Eingriff anmelden wollte, hiess es, sie sei viel zu jung dafür. Sie wurde immer wieder zu Besprechungen aufgeboten und unter anderem gefragt, was ihr Partner von ihren Plänen halte. «Sie wollten mich einfach nicht verstehen», kritisiert die Frau. «Das war frustrierend.» Erst nach einem psychologischen Gutachten wurde sie schliesslich operiert. Mit deutlich weniger Aufwand gelangte der einzige männliche Protagonist des Audio­stücks ans Ziel. Er wurde mit 24 Jahren unmittelbar nach dem Vorgespräch unterbunden. Er vergleicht seine Vasektomie mit einem «aufgeschobenen Zahnarztbesuch, den man endlich gemacht hat.» Eveline Rutz

Vom Schulschwänzen, Palmöl und von smarter Navigation

Palmöl herzustellen, belastet die Umwelt. Nicht nur, weil für Plantagen Regenwald gerodet wird. Sondern auch, weil beim Pressen der Früchte Reststoffe zurückbleiben. In Ölmühlen fallen unter anderem leere Fruchtstände sowie Prozessabwasser an. «Werden diese Rückstände unkontrolliert gelagert, können sie erhebliche Umweltprobleme verursachen», sagt Marion Seger, die am Departement Life Sciences und Facility Management studiert hat. Aus logistischen und finanziellen Gründen bleibt das überwiegend organische Material meist in der Nähe der Mühlen liegen. Feste Pflanzenreste werden in Haufen aufgeschichtet oder verbrannt, flüssige Nebenprodukte werden in offenen Becken gesammelt. Diese Methoden führen zu anaeroben Verhältnissen und somit dazu, dass viel Methan entweicht. «Kompostieren ist eine der vielversprechendsten Strategien, um dem entgegenzuwirken», betont die Bachelorabsolventin. Sie sei wirkungsvoll und lasse sich relativ einfach umsetzen. Wie Kompostmieten aus leeren Fruchtständen und Prozessabwasser optimalerweise angelegt, bewässert und gewendet werden, hat Seger in der Elfenbeinküste untersucht. Sie ist dabei vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und einem lokalen Team unterstützt worden. Ihre Messungen, Laboranalysen und Pflanzentests dokumentieren, dass die Abfälle von Palmölmühlen nachhaltig verwertet werden und klimaschädlichen Importdünger ersetzen könnten. Die Produzierenden würden von einer günstigeren Alternative, fruchtbareren Böden und besseren Ernten profitieren. Vor Ort würden zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Zudem lasse sich Biogas daraus gewinnen. «Das wäre ein weiterer wichtiger Baustein für eine nachhaltige Produktion.» Bis in einer Schule auffällt, dass ein Kind übermässig schwänzt, kann es dauern. «Schulabsentismus zu erkennen, ist häufig sehr schwierig», sagt Anna Borghetti, die an der ZHAW Soziale Arbeit studiert hat. Lehrpersonen seien mit grossen Klassen konfrontiert und müssten vielfältigen Anforderungen gerecht werden. Schulmeidendes Verhalten entwickle sich zudem meist schleichend. Es beginne etwa mit einer passiven Haltung im Unterricht und gelegentlichem Fernbleiben, bis sich die Absenzen häuften. «Die Problematik wird oft unterschätzt und hauptsächlich als administrative Herausforderung betrachtet.» Dadurch kann wertvolle Zeit verstreichen, in der sich Betroffene von der Schule entfremden und das Risiko negativer Folgen für ihre weitere Entwicklung steigt. «Es ist entscheidend, frühzeitig, geschlossen und interprofessionell aktiv zu werden», sagt die Autorin. Schulabsentismus sei nicht als individuelles Fehlverhalten, sondern als Ausdruck ineinandergreifender Belastungsfaktoren zu verstehen. Das Konzept der «Neuen Autorität» bietet Orientierung für ein gemeinsames Verständnis und ein handlungsleitendes Vorgehen, etwa durch wachsame Präsenz, gewaltfreie Kommunikation und den Aufbau eines unterstützenden Netzwerks. Schulsozialarbeitende verfügen über Ressourcen und Kompetenzen, um dabei eine vermittelnde Rolle zu übernehmen. Sie können dazu beitragen, Ursachen und Dynamiken zu verstehen, und die Rückkehr in den Schulalltag begleiten und dabei das betroffene Kind, dessen Eltern, Lehrpersonen sowie externe Fachkräfte einbinden. «Ziel ist es, Überforderung zu vermeiden, Selbstwirksamkeit zu stärken und Vertrauen aufzubauen», sagt Borghetti, die für die Reintegration einen praxisnahen Handlungsplan vorlegt. Weniger Unfälle, Stau und Umweltbelastungen: Autonomes Fahren soll den Verkehr positiv verändern. «Die Technologie ist vielversprechend und entwickelt sich rasant», sagt Sandro Bachmann, der an der School of Engineering Systemtechnik studiert hat. Bis sich Fahrzeuge selbstständig und sicher in komplexen, sich dynamisch verändernden Umgebungen bewegen, müssen die Navigationssysteme allerdings noch verbessert und intensiv trainiert werden. Neben realen bieten sich dafür virtuelle Testflächen an. «Man kann beliebige Szenarien simulieren und ein Modell rund um die Uhr kostengünstig und sicher vorantreiben», erklärt Bachmann. Zusammen mit Batuhan Ayfer hat er im Open-Source-Framework CARLA ein Simulationsgebiet gestaltet, mit dem sich die autonome Steuerung des Elektromobils «Nina» weiterentwickeln lässt. Das Gefährt stammt aus der Entwicklungsabteilung von KYBURZ Switzerland, wo Ayfer arbeitet. Es wird an der ZHAW für Forschungszwecke eingesetzt und ist erstmals für eine Bachelorarbeit genutzt worden. «Nina» ist mit mehreren Sensoren ausgestattet, die unter anderem mittels Laserimpulsen Entfernungen messen und bisher die Basisdaten für das autonome Fahren lieferten. «Wir nutzen nun zusätzlich die Frontkamera», sagt Batuhan Ayfer. Sie liefert weitere Informationen über eine Verkehrssituation, welche mit KI ausgewertet werden. Neu muss das Elektromobil eine Strecke nicht mehr kennen, damit es sie autonom zurücklegen kann. Ein von den ZHAW-Absolventen entwickelter Algorithmus berechnet zwischen Start- und Zielpunkt kontinuierlich die anzufahrenden Wegpunkte, die sich dynamisch an die Umgebung anpassen. Er leitet aus den Kameradaten also direkt ab, wie «Nina» navigieren soll. Darauf können künftige Forschungsarbeiten und reale Anwendungen aufbauen. Eveline Rutz

Von der Energiewende und Alzheimer-Diagnosen per App

Wer in die Schweiz einwandert, soll sich integrieren. So sieht es die Gesetzgebung vor. Um ausländerrechtliche Bewilligungen zu erlangen, müssen Migrantinnen und Migranten daher gewisse Anforderungen erfüllen. Sie erleben allerdings häufig Diskriminierungen, die ihnen dies erschweren. «Sie befinden sich in einem Spannungsfeld», sagt Anja Herrli. Die ZHAW-Absolventin hat im Rahmen eines Praktikums zugewanderte Jugendliche betreut. «Sie sollen eine Ausbildung machen, werden aber benachteiligt, wenn sie nur schon einen Platz für eine Schnupperlehre suchen.» Wie Herrli in ihrer Abschlussarbeit aufzeigt, ist die Situation für vorläufig aufgenommene Personen besonders schwierig. Dabei handelt es sich um Menschen, die kein Asyl erhalten, jedoch nicht zurückgewiesen werden können. Etwa weil ihnen in ihrer Heimat Krieg, Verfolgung oder eine medizinische Notlage droht. «Ihr Alltag ist häufig von Verboten und Einschränkungen geprägt», so die Autorin. Vorläufig Aufgenommene müssen beispielsweise ein Gesuch stellen, wenn sie den Kanton wechseln möchten. Sie erhalten tendenziell weniger Sozialhilfe und haben geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. «Um sie zu unterstützen, sollten sich Sozialarbeitende mit deren Lebenswelt auseinandersetzen», sagt Herrli und streicht die Bedeutung interkultureller Kompetenzen hervor. Angebote sollten einfach zugänglich sein und Partizipationsmöglichkeiten bieten. Mit sozialer Arbeit sollte Diskriminierungen präventiv entgegengewirkt werden und auf politischer Ebene für Verbesserungen gesorgt werden. Lithium spielt eine zentrale Rolle, wenn fossile Brennstoffe ersetzt werden sollen. Das Leichtmetall wird unter anderem in Akkus eingesetzt, wie sie in E-Bikes, E-Autos und zur Speicherung von Energie aus erneuerbaren Quellen verwendet werden. «Lithium wird für die Energiewende entscheidend sein», sagt Nicolas Müller, der an der School of Management and Law studiert hat. Die Nachfrage nach dem Metall werde in den nächsten Jahren stark zunehmen. 2030 dürften 300’000 Tonnen Lithium fehlen, wenn der Abbau nicht intensiviert werde. «Es braucht zusätzliche Anstrengungen und Investitionen», sagt Müller. Grosses Potenzial sieht der ZHAW-Absolvent dafür in Südamerika. Argentinien, Chile und Bolivien verfügen zusammen über Lithium-Reserven von 50 bis 55 Millionen Tonnen. Aktuell produzieren sie rund 54 000 Tonnen pro Jahr. Allerdings belasten herkömmliche Abbauverfahren die Umwelt erheblich. Sie verbrauchen und verunreinigen grosse Mengen an Wasser und Land. Zudem benötigen sie viel Energie, verursachen CO₂-Emissionen, schaden der Biodiversität und können Konflikte mit der lokalen Bevölkerung auslösen. «Investierende sollten auf nachhaltigere Technologien setzen», sagt Müller und nennt als Beispiel die Methode DLE (Direct Lithium Extraction). Er hat ein Excel-Tool programmiert, welches hilft, Projekte in Bezug auf ihre ökologischen und sozialen Folgen zu bewerten. Dieses soll Investmentfirmen helfen, Entscheidungen zu treffen. «So haben sie die Chance, Nachhaltigkeit stärker zu gewichten.» Erkrankungen beeinflussen, wie jemand aussieht, auftritt und wirkt. Alzheimer und Parkinson verändern unter anderem die Mimik, das Sprachverhalten und den Puls eines Menschen. Intelligente digitale Lösungen helfen dabei, solche Hinweise frühzeitig zu erkennen und Betroffene optimal zu behandeln. «Das Potenzial für medizinische Anwendungen ist gross», sagt Pascal Eberhard. Zusammen mit Nicola Kreis hat er eine iOS-Anwendung entwickelt, die Fachleute bei der Diagnose der beiden neurodegenerativen Krankheiten unterstützen kann. Während kognitiver Tests nutzt die App das integrierte Mikrofon sowie die Kameras des iPhones, um Gesichtsausdrücke und die Stimme einer Person aufzuzeichnen. Über einen externen Sensor – einen Pulsmesser – misst sie zudem deren Herzfrequenz. Die gesammelten Daten stellt sie in Echtzeit auf dem Bildschirm dar und bereitet sie für die weitere Analyse auf. Dank künstlicher Intelligenz soll die Anwendung dereinst objektive Informationen dazu liefern, ob jemand an Alzheimer oder Parkinson erkrankt ist oder nicht. «Das Tool muss jetzt noch breiter trainiert und medizinisch überprüft werden», sagen die ZHAW-Absolventen, die sich an einem internationalen Projekt beteiligt haben. Ihre App soll nun von Forschenden der Seoul National University of Science and Technology klinisch getestet und weiterentwickelt werden. Um ihre Anwendung zu demonstrieren, haben Eberhard und Kreis zudem ein Autorenn-Game programmiert. Nutzende steuern darin einen Rennwagen – nicht mit Tasten oder einem Joystick, sondern mit Gesichtsausdrücken. Eveline Rutz

Von frischem Bier und Ergotherapie bei Krebs

Wie ein Bier aussieht, sagt viel über seine Qualität aus. Je nach Inhaltsstoffen sind Farbe, Trübheit und Fluoreszenz anders ausgeprägt. Ein frisches Bier absorbiert Licht beispielsweise anders als ein abgestandenes. Optische Verfahren eignen sich denn auch dazu, die Qualität eines Getränks festzustellen. «Sie ermöglichen es, schnell und kostengünstig zu einem Resultat zu gelangen», sagen Elias Angehrn und Luca Scheuss, welche einen Multisensor für Bierqualität gebaut haben. Die Elektrotechniker haben ein bestehendes Gerät weiterentwickelt, mit dem sich Merkmale von Wasser erheben lassen, und eine Software programmiert. Ihr Prototyp enthält eine Lichtquelle, eine Linse sowie verschiedene Detektoren. Er strahlt die eingefüllte Flüssigkeit in verschiedenen Wellenlängen an und misst, wie viel Licht hindurchkommt. Aus dem Verhältnis bestimmt er schliesslich den Farbwert und die Trübung einer Probe. Das Messgerät funktioniere gut, sagt Luca Scheuss zufrieden. «Wie sich Photonik praktisch nutzen lässt, ist faszinierend.» Die Bachelorabsolventen sehen Potenzial darin, die Rolle der Fluoreszenz weiter zu erforschen. «Sie könnte zur Qualitätssicherung bei Bieren an Bedeutung gewinnen.» Ihre Entwicklung verstehen sie als Alternative zu den teuren Prüfgeräten, die vor allem in grossen Brauereien eingesetzt werden. «Das praktische Gerät kann gerade für Personen hilfreich sein, die hobbymässig Bier brauen.» Das Facility Management erbringt in Spitälern viele Leistungen und ist für einen Drittel der Kosten verantwortlich. Dennoch wird es kaum einbezogen, wenn es um die digitale Transformation geht. Der Fokus liegt meist auf dem medizinischen, therapeutischen sowie pflegerischen Bereich. «Man ist sich noch zu wenig bewusst, wie stark das Personal entlastet würde, wenn Prozesse des Facility Management digitalisiert würden», sagt Jelena Ašanin. Das sei ­– gerade angesichts des Fachkräftemangels – bedauerlich. Digitalisierungsprojekte seien kostenintensiv, räumt die ZHAW-Absolventin ein. Man müsse Fachleute engagieren und in die Weiterbildung der Mitarbeitenden investieren. Das sei eine Hürde: «Spitäler stehen sowieso schon unter einem hohen finanziellen Druck.» Um digital voranzukommen, ist es gemäss Ašanin entscheidend, dass die Spitalleitung die Transformation fördert und unterstützt. Zudem muss eine geeignete IT-Infrastruktur zur Verfügung stehen, und alle Beteiligten sollten sich der Vorteile der Digitalisierung bewusst sein. Die verschiedenen Berufsgruppen sollten in einer Projektgruppe eingebunden werden. «Derart einschneidende Veränderungen lassen sich in einem Spital nicht von heute auf morgen realisieren. Es braucht eine Vision, der man sich Schritt für Schritt annähern kann.» Nicht notwendig seien hingegen spezielle Anreize oder Entschädigungen. Die befragten ICT-Führungskräfte seien grundsätzlich bereit, im nichtmedizinischen Bereich mehr zu digitalisieren. Sie müssten dafür aber das notwendige Personal und Geld erhalten. Um sie vor Keimen oder einer Infektion zu schützen, werden Menschen mit einer hämatologischen Krebserkrankung phasenweise isoliert. So etwa nach einer Stammzellentransplantation. Die Isolation wirkt sich einerseits auf das Befinden der Betroffenen aus. Viele fühlen sich einsam, eingesperrt sowie in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Gleichzeitig sind sie sich ihres geschwächten Zustands bewusst und schätzen es, speziell geschützt zu werden. Andererseits erschweren die strengen Hygienemassnahmen die Arbeit des Pflegepersonals und verringern die Therapiemöglichkeiten. «Die Schwierigkeiten sind vielfältig», stellen Alice Dumas und Zoë Maradan fest. Welche Unterstützung eine Person brauche, sei entsprechend individuell. Die Bachelorabsolventinnen zeigen anhand von acht Enablement Skills (Adapt, Advocate, Coach, Consult, Design/Build, Educate, Engage und Specialize) auf, wie sich Ergotherapeutinnen und -therapeuten einbringen können. «Betroffene haben viele Ressourcen», betont Alice Dumas. Diese gelte es zu stärken. Die meisten Patientinnen und Patienten sind etwa optimistisch eingestellt und schöpfen Kraft aus dem Kontakt mit Angehörigen. Sie profitieren davon, wenn sie sich auch in der Isolation mit Dingen beschäftigen können, die ihnen Freude bereiten. Die Ergotherapie kann ihnen helfen, ihnen wichtige Beschäftigungen der Situation anzupassen. «Es geht weniger um funktionelle Aktivitäten», betont Zoë Maradan. Mehr Gewicht hätten emotionale Aspekte. Mitarbeitende der verschiedenen Disziplinen seien gefordert, sich gut auszutauschen und zu ergänzen. Eveline Rutz

Über intelligente Sonnenschirme und den Tanz der Identitätsfindung

Er fährt an den gewünschten Ort, spannt sich auf und spendet konstant Schatten. «Unser Sonnenschirm richtet sich nach dem Stand der Sonne aus», sagt Léa Eckert, die an der School of Engineering Systemtechnik studiert hat. Zusammen mit Janick Bilang und drei Absolventen aus einem anderen Studiengang hat sie das Konzept für den intelligenten Schattenspender erarbeitet und einen Prototyp gebaut. «Ein vergleichbares Produkt existiert noch nicht», sagt Janick Bilang. Dies habe viel Raum für eigene Ideen gegeben. Die Basis des Sonnenschirms bildet eine fahrbare Plattform, die mit zwei Motoren sowie vier Rädern bestückt ist und an einen Staubsaug-Roboter erinnert. Sie sorgt für den Antrieb und kommt auf ebenen Stein- und Rasenflächen vorwärts. Das rechteckige Sonnensegel ist aus einer leichten Kunststoffplane gefertigt, damit der Schwerpunkt möglichst in Bodennähe bleibt. Es ist so gestaltet, dass es dereinst mit Solarpanels bestückt werden könnte und der Schirm autark funktionieren würde. Léa Eckert und Janick Bilang haben einen Ausfahr- und einen Neigungsmechanismus entwickelt, um den Schatten dorthin zu lenken, wo er benötigt wird. An der Stange haben sie ein Anemometer befestigt, der allfälligen Wind misst. Ab einer Windstärke von 30 Stundenkilometern fährt das Sonnensegel automatisch ein, was verhindert, dass der Schirm kippt. «Der Prototyp kann sich sehen lassen», findet Janick Bilang. Er habe zwar noch einige Schwachstellen, könne aber als Grundlage für weitere Entwicklungen dienen. Der Bachelorabsolvent beschreibt die Zusammenarbeit bei dieser Abschlussarbeit mit Elektrotechnik-Studierenden als spannend. Das interdisziplinäre Vorgehen habe allerdings den Zeitdruck erhöht. «Wir konnten die Mechanik nicht oft testen, es durfte nicht viel schiefgehen», so Bilang. Eine unangemessene Berührung, eine Geste oder ein sexistischer Witz: Viele Pflegende erleben sexuelle Belästigung, wenn sie Patientinnen und Patienten versorgen. «Die meisten sind in ihrem Berufsalltag irgendwann damit konfrontiert», sagt Milena Bruschini. Die körperliche Nähe, welche Pflegeleistungen mit sich bringen, macht das Berufsfeld besonders anfällig dafür. Auch kognitive Beeinträchtigungen der Patientinnen und Patienten können Fehlverhalten begünstigen. Die Zahl der Betroffenen ist hoch. Weltweit erleiden etwa 25 Prozent der Pflegekräfte verbale, nonverbale oder körperliche Übergriffe. Frauen tendenziell häufiger als Männer, jüngere Personen häufiger als ältere. «Betroffene befinden sich in einem Dilemma», sagt Bruschini. «Sie wollen den Patientinnen und Patienten nicht schaden, sich aber selbst schützen.» Die Masterabsolventin hat erstmals Daten für die Schweiz erhoben. Sie hat dafür einen in Deutschland entwickelten standardisierten Fragebogen verwendet. Sie hat den Teilnehmenden zwölf mögliche sexuell belästigende Verhaltensweisen vorgelegt und wollte von ihnen wissen, wie häufig sie solche erlebt haben. «Sie mussten sich nicht selbst überlegen, ob eine Situation unter die Sparte der sexuellen Belästigung fällt», so die Autorin. Gemäss ihrer Auswertung haben 95,6 Prozent der Befragten in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Form sexueller Belästigung erfahren. Nur 4,4 Prozent waren nicht betroffen. Lediglich 17,1 Prozent der Teilnehmenden gaben zudem an, sich in ihrer Ausbildung mit der Problematik befasst zu haben. «Junge Pflegepersonen werden zu wenig auf übergriffiges Verhalten vorbreitet», kritisiert Bruschini. Dies erschwere es gerade Einsteigerinnen udn Einsteigern, sich zu wehren. Nicht nur in der Lehre, sondern auch in den Pflegeeinrichtungen sei eine klare Haltung gefragt: «Pflegefachleute sowie Patientinnen und Patienten müssen wissen, dass sexuelle Belästigung nicht toleriert und sanktioniert wird.» Im Jugendalter gilt es, eine gesunde, stabile Identität zu entwickeln. Queere Menschen sind dabei besonders gefordert. Als Minderheit erleben sie zusätzlichen Stress. Sie sind mit heteronormativen Erwartungen konfrontiert, erleben Diskriminierungen und Stigmatisierungen. Sie müssen sich stärker mit geltenden Normen auseinandersetzen als heterosexuelle cis Jugendliche (diese identifizieren sich mit dem von aussen zugeschriebenen Geschlecht) und sich zu diesen positionieren. Was dies für junge lesbische/bi Frauen bedeutet, hat Tobias Kuhnert in seiner Abschlussarbeit untersucht. Er hat neun Frauen zwischen 15 und 25 Jahren befragt. «Sie gehen beeindruckend reflektiert mit den spezifischen Herausforderungen um, die sich ihnen stellen», sagt er. Die Befragten nutzten dabei vielfältige Strategien und seien sich der historischen und politischen Entwicklungen bewusst. Wie Kuhnert ausführt, wägen sie immer wieder ab, wann und wem sie ihre sexuelle Orientierung offenbaren. Indem sie erst einmal allgemein über queere Themen sprechen, sondieren sie etwa, ob ein Coming-out beim Gegenüber auf Wohlwollen stösst. Sie entwickeln ein lesbisches/bi Selbstbewusstsein und finden Halt in queeren Gemeinschaften. Geschützte Räume – etwa in Jugendtreffs – sind für sie besonders wichtig. Identitätsprozesse von lesbischen/bi Frauen verlaufen nicht linear und sind nie abgeschlossen. Der Masterabsolvent stellt sie in einem Modell dar und beschreibt sie als «Tanz zwischen Heteronormativität und lesbischem/bi Selbstbewusstsein». Die Soziale Arbeit müsse sich stärker mit queeren Lebenswelten auseinandersetzen, sagt er. «Damit lesbische/bi Frauen die gleichen Chancen haben wie andere Gruppen, braucht es einen besonderen Effort.» Gefragt seien spezifische Angebote, die «nicht für sie, sondern mit ihnen» erarbeitet würden. Eveline Rutz

Über klimafreundliche Lebensmittel und Identitätsfindung in verschiedenen Kulturen

Wer psychisch erkrankt, soll möglichst rasch therapeutisch behandelt werden. Organisatorische und finanzielle Hürden sollen verringert werden. Dieses Ziel verfolgt eine Neuregelung der psychologischen Psychotherapie, die seit dem 1. Juli 2022 in Kraft ist. Fachpersonen der Psychotherapie können ihre Leistungen seither einfacher über die Krankenkassen abrechnen. Sie müssen dafür nicht mehr unter der direkten Aufsicht eines Psychiaters oder einer Psychiaterin arbeiten, wie es das Delegationsmodell vorschrieb. «Das neue Modell wird befürwortet», sagt Lukas Vorkauf, der im Hinblick auf den Systemwechsel in seiner Bachelorarbeit eine Befragung durchgeführt hat. Rund 62 Prozent der Teilnehmenden äussern sich grundsätzlich positiv. Sie begrüssen es beispielsweise, dass der Zugang zu psychotherapeutischen Leistungen erleichtert und gerade Kinder sowie Jugendliche besser versorgt werden sollen. Für ihren Berufsstand erhoffen sie sich mehr Anerkennung, Eigenständigkeit, Wertschätzung und höhere Löhne. Wie die Online-Erhebung zeigt, löste das Anordnungs- und Abrechnungsmodell im Vorfeld allerdings auch Bedenken aus. «Die Skepsis bezieht sich vor allem darauf, wie die neuen Bedingungen konkret umgesetzt werden», sagt der Bachelorabsolvent. Lukas Vorkauf fände es interessant, die Erhebung in zwei Jahren zu wiederholen: «Dann werden sich die Therapierenden an die neuen Umstände gewöhnt haben.» Die verarbeitende Lebensmittelindustrie bis 2050 zu dekarbonisieren, wäre möglich. Die Mittel dafür wären heute schon vorhanden. Zu diesem Schluss kommen Pablo Bischofberger und Dian Edathinakam, welche sich mit technischen Fragen der Umsetzung und den Rahmenbedingungen auseinandergesetzt haben. «Die Branche ist zur Dekarbonisierung sehr gut geeignet», stellen sie fest. Der Lebensmittelsektor sei auf vergleichsweise wenige Prozesse angewiesen, die sehr hohe Temperaturen erforderten. Die ZHAW-Absolventin und der ZHAW-Absolvent haben eine Roadmap entwickelt, an der sich Unternehmen orientieren können. Sie listen darin auf, welche Schritte zu einer besseren Klimabilanz führen. Kurzfristig geht es unter anderem darum, einen Betrieb energetisch zu optimieren und ein CO₂-Reduktionsziel festzulegen. Mittelfristig sollen fossile Energieträger ersetzt, der Transport klimafreundlicher organisiert und Ressourcen effizienter eingesetzt werden. Langfristig sollen Produkte angepasst und CO₂-Neutralität erreicht werden. «Vielen kleinen und mittleren Betrieben fehlt es schlicht an Kapazität, ein solches Projekt umzusetzen», sagt Pablo Bischofberger. Daher sind seiner Meinung nach die Branchenverbände gefragt. Sie könnten die Dekarbonisierung vorantreiben: «Sie sollten sich des Themas annehmen und die Koordination unter den Akteuren verbessern.» Der Druck, klimaneutral zu produzieren, werde zunehmen, sagt Dian Edathinakam. Der Käserei, zu der sie eine Fallstudie durchgeführt hat, empfiehlt sie verschiedene Anpassungen. Den vorhandenen Erdgaskessel würde sie beispielsweise durch eine Wärmepumpe ersetzen «Bis 2030 könnte der Betrieb bei Netto-Null sein», sagt sie. Erwachsen zu werden, ist damit verbunden, eine eigene Identität zu entwickeln. Jugendliche, die mit zwei Kulturen aufwachsen, sind dabei spezifisch gefordert. Aus den unterschiedlichen Lebenswelten können sich widersprüchliche Erwartungen, Ansprüche und Anforderungen ergeben. Diese wahrzunehmen und sich dazu zu positionieren, kann schwierig sein. Junge Menschen mit Migrationshintergrund können in Loyalitätskonflikte geraten. Sie können sich entwurzelt, sich hin und her gerissen oder keinem Kulturkreis zugehörig fühlen. Ob es der zweiten Migrationsgeneration gelingt, eine eigene Identität zu bilden und ins Berufsleben einzusteigen, hängt wesentlich von den Hilfestellungen ihres sozialen Umfelds ab. Dies stellt Edona Rashiti in ihrer Abschlussarbeit in Sozialer Arbeit fest. Sie hat drei Frauen befragt, die sich trotz Rückschlägen beruflich etablieren und damit die Hoffnungen ihrer Familien erfüllen konnten. Die Befragten mussten dafür immer wieder selbst aktiv werden, sich Informationen beschaffen und Unterstützung holen. Ihren Eltern war dies aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und eines niedrigen Bildungsstands nur begrenzt möglich. Die Probandinnen hätten sich gewünscht, von ihren Lehrpersonen stärker begleitet zu werden. Sei es bei den Hausaufgaben, Lernschwierigkeiten, der Berufswahl oder auf der Lehrstellensuche. Sie hätten es zudem begrüsst, wenn kulturelle Vielfalt und migrationsspezifische Herausforderungen häufiger thematisiert worden wären. Die Schulsozialarbeit sollte sich dafür einsetzen, dass diese Themen mehr besprochen würden, sagt Edona Rashiti. Sie könne die Lehrerschaft dafür sensibilisieren. «Sie könnte zwischen der Schule und den Familien mit Migrationshintergrund verstärkt vermitteln», so die Bachelorabsolventin. Eveline Rutz

Eine Drohne, Tracking und digitale Übersetzung

Drohnen bieten eine neue Möglichkeit, Luftqualität zu messen. Mit Sensoren ausgestattet, helfen sie etwa bei der Überwachung von Industrieanlagen; sie können austretendes Gas frühzeitig erkennen und Lecks lokalisieren. Sie eignen sich aber auch dafür, geologische Phänomene wie Vulkane zu untersuchen. «Die Luftqualität lässt sich noch lokaler und damit genauer erfassen», sagt Alexander Mistretta, der am Departement für Life Sciences und Facility Management Chemie studiert hat. Er hat eine Drohne, die bis zu 5 Kilogramm tragen kann, mit einer Sensorbox ausgerüstet. Ursprünglich wollte er diese oberhalb der Rotorblätter anbringen. «Die ungewollte Luftvermischung durch die Drohne wäre so am geringsten ausgefallen», erzählt er. Durch die oberhalb des Schwerpunkts befestigte Last wurde das Flugobjekt allerdings unkontrollierbar. Es driftete in eine Richtung ab. Mistretta entschied sich für eine Montage auf der Unterseite. Seine Entwicklung ist in der Lage, auf Anweisung Luft anzusaugen sowie Konzentrationen von Feinstaub, Kohlenstoffdioxid (CO₂), Ozon (O₃), Stickstoffdioxid (NO₂) und Stickstoffmonoxid (NO) festzustellen. Die Resultate übermittelt sie über einen Funksender an einen am Boden platzierten Computer, der sie grafisch aufbereitet. Alexander Mistretta hat die Analyseplattform in einem Versuch überprüft. Er hat sie über ein offenes Feld fliegen lassen, auf dem er zuvor ein Feuer entfacht hatte. Durch die Auswertung der gemessenen Partikelkonzentrationen konnte er den Brandplatz lokalisieren. «Das System als Ganzes funktioniert», stellt er zufrieden fest. Es könnte unter anderem dafür genutzt werden, um die Einhaltung der Luftimmissionswerte zu überwachen. Der ZHAW-Absolvent schlägt dafür aber noch Verbesserungen vor. So würden schneller ansprechende Sensoren die Messungen optimieren. Digitale Übersetzungshilfen, die im Internet gratis zur Verfügung stehen, sind in den letzten Jahren markant besser geworden. «Ich bin immer wieder gefragt worden, ob es uns überhaupt noch braucht», sagt Lea Merki, die am Departement Angewandte Linguistik «Professionelle Übersetzung» studiert hat. «Was müssen wir können, um uns abzuheben?», habe sie sich daher gefragt. In einem Experiment hat sie je fünf Masterstudierende, Fachexperten und Fachfremde gebeten, den Jahresbericht 2018 von Givaudan zu bearbeiten. In einem ersten Schritt legte sie den Teilnehmenden die von DeepL übersetzte Version, in einem zweiten zusätzlich den Ursprungstext vor. Sie stellte unter anderem fest, dass die Studierenden die Aufgabe mit einer kritischeren Haltung angingen und am stärksten eingriffen ‒ dies jedoch nicht zwingend zu besseren Resultaten führte. «Entscheidend sind das Sprachverständnis und was man letztlich mit einem Text macht», sagt die ZHAW-Absolventin. Wer post-editiert, sollte ihren Ausführungen nach über folgende Kompetenzen verfügen: Er muss fähig sein, problematische Stellen und versteckte Fehler zu erkennen. Er braucht vertiefte Kenntnisse der jeweiligen Sprachen, Kulturen sowie lokaler Besonderheiten. «Die Maschine bleibt nahe an dem, was sie erhält», sagt Lea Merki. Sie behalte beispielsweise Satzstellungen bei. Professionelle Übersetzer brächten hingegen «ein Gespür für das Natürliche mit». Sie gäben sich mit einem Text tendenziell weniger rasch zufrieden als Laien. «Erst wenn man sich sprachliche Aspekte im Detail anschaut, sieht man Schwächen.» Merki ist überzeugt, dass ihr Berufsstand weiterhin gefragt sein wird. Dem Post-Editing müsse in der Ausbildung allerdings mehr Beachtung geschenkt werden. Tracking-Technologien werden immer besser und zunehmend genutzt. Gerade bei Anwendungen in der Virtual Reality (VR) ist es notwendig, ein Objekt präzise in einem Raum zu lokalisieren. Nicht nur in Computerspielen, sondern auch im industriellen Umfeld bietet das Verfahren Vorteile. So können neue Entwicklungen getestet werden, bevor sie gebaut werden. Die Tracking-Systeme, die zurzeit kommerziell vertrieben werden, sind allerdings teuer. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit haben Felix Baumann und Jonas Schönenberger daher eines dieser Produkte genauer unter die Lupe genommen: Sie haben die SteamVR-Tracking Technologie von Valve erforscht. Diese ist in erster Linie für den Einsatz mit VR-Brillen entwickelt worden. Sie arbeitet mit Infrarotlasern, die von zwei Lighthouses ausgestrahlt werden; sie misst den Winkel, mit dem die Strahlen auf das Objekt auftreffen. So kann sie dessen Position und Orientierung millimetergenau bestimmen. «Wir haben festgestellt, dass einige Signale nicht sauber übertragen werden», antwortet Felix Baumann auf die Fragen nach der grössten Herausforderung, die es zu meistern galt. Die beiden Elektrotechniker haben viel Zeit aufgewendet, um einen Algorithmus zu entwickeln. Mit diesem ist es ihnen schliesslich gelungen, die Codes zu analysieren und zu decodieren. «Unsere Entwicklung funktioniert», stellen die Absolventen der School of Engineering zufrieden fest. Die Ergebnisse des sogenannten Reverse Engineering, wie man das Erforschen oder Aufschlüsseln einer bestehenden Technologie nennt, können in künftigen Forschungsprojekten genutzt werden. «Es gibt viele Möglichkeiten, dieses Wissen einzusetzen», sagt Felix Baumann. «Überall dort, wo Objekte im Raum lokalisiert werden sollen.» Eveline Rutz

Für mehr Biodiversität, Kontakte und Selbstvertrauen

Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist in der Baubranche angekommen. Ökologische Materialien und eine gute Energieeffizienz haben an Bedeutung gewonnen. Um die durch den Klimawandel zunehmende Hitze zu reduzieren, werden Fassaden und Dächer begrünt. «Die Biodiversität wird aber noch zu oft vernachlässigt», sagt Edmée Perritaz, die den Studiengang Umweltingenieurwesen absolviert hat. So bestehe die Gefahr, dass einzelne Pflanzen- und Tierarten häufig berücksichtigt würden, andere jedoch vergessen gingen. «Vielen Verantwortlichen fehlt das Wissen, wie man biodivers bauen und beispielsweise Tierfallen vermeiden kann», ergänzt Brenda Durrer. Leider sei es noch nicht üblich, sich diesbezüglich beraten zu lassen. Die Bachelorabsolventinnen zeigen auf, wie eine Gebäudehülle aus Ziegelsteinen strukturiert und artenreich bepflanzt werden kann, ohne dabei das Design ausser Acht zu lassen. Für ein Einfamilienhaus in Gattikon (ZH) empfehlen sie ‒ nach einer eingehenden Standortanalyse ‒ Gewächse der Lebensräume «Mesophiler Krautsaum», «Trockenwarmer Mauerflur» und «Waldmeister-Buchenwald». In der Fassade sehen sie Nistplätze für den Gartenrotschwanz und die Mehlschwalbe sowie Nischen für das Grosse Mausohr vor. Mit weiteren ausgesetzten Passagen möchten sie zudem Raum für die Maskenbienen und die Zauneidechse schaffen. Im naturnahen Garten soll sich der Europäische Igel wohlfühlen. «Die Fassade ist modulartig aufgebaut», erklären sie. Die einzelnen Elemente könnten flexibel kombiniert und auch in andere Bauten integriert werden. Ist ein biodiverses Projekt umgesetzt, sollte regelmässig überprüft werden, ob die angestrebte Vielfalt tatsächlich erreicht wird. Vor Publikum zu sprechen, macht viele Menschen nervös. Sie befürchten, sich zu blamieren und negativ bewertet zu werden. Einige haben im Vorfeld Lampenfieber und spüren dies auch körperlich: Sie schwitzen, haben Herzrasen oder leiden unter Kopfschmerzen. Während des Auftritts lassen sie sich von tuschelnden Zuhörern oder kritischen Fragen verunsichern. Sie sind permanent angespannt. «Besonders hoch ist das Stresslevel bei Interaktionen mit der Umwelt», sagt Roberto Coviello. Der Bachelorabsolvent hat Testpersonen virtuell in eine Vortragssituation eintauchen und verschiedene Aufgaben lösen lassen. Mit einem Brustband hat er dabei ihre Herzfrequenz erhoben. «Virtual-Reality-Anwendungen können dabei helfen, Sprechangst zu reduzieren», sagt er. Sie ermöglichten es, beängstigende Situationen in einem sicheren Rahmen anzugehen, mehrfach zu üben und auf dem Erreichten aufzubauen. Für den Lernerfolg entscheidend ist seinen Ausführungen nach die Bildqualität einer VR-Applikation. Das Publikum und die Räumlichkeiten sollten möglichst realistisch dargestellt sein. Die Personen sollten beispielsweise eine lebensnahe Mimik zeigen, Augenkontakt herstellen können und natürlich gestikulieren. Sie sollten individuell designt und animiert sein, damit der Eindruck einer lebenden Menschenmenge entsteht. Realitätsnähe führt nicht nur zu einer erhöhten Immersion, also dazu, dass sich die Trainierenden stark aufs virtuelle Geschehen einlassen. Sie verbessert zudem die Übertragung der erworbenen Fähigkeiten in die Praxis. «Da besteht noch grosses Potenzial», sagt Coviello. Die Frage nach dem Befinden, ein Kommentar zum Wetter oder ein Lob für den schönen Garten: Nachbarschaftliche Beziehungen müssen nicht besonders tief sein, um im Alter wertvoll zu werden. «Selbst flüchtige Kontakte können mehr Gewicht haben, als man gemeinhin denkt», sagt Anita Schneeberger, welche sich mit dem Thema «Nachbarschaft als Ressource» befasst hat. Nimmt die Mobilität einer Person ab, wird das unmittelbare Umfeld wichtiger. Nachbarn leisten praktische Hilfe, unterstützen emotional, geben Wissenswertes aus dem Quartier weiter und verknüpfen unterschiedliche soziale Gruppen miteinander. Sie tun dies in der Regel informell, freiwillig und kostenlos. Sie tragen damit unter Umständen dazu bei, dass jemand länger in den eigenen vier Wänden wohnen kann. «Die eher peripheren Beziehungen werden von älteren Menschen leider tendenziell ausselektioniert», sagt die Autorin. Dies könne zur Folge haben, dass Betroffene weniger gut informiert und vernetzt seien. Hier kann die Gemeinwesenarbeit anknüpfen: Sie kann Begegnungsräume schaffen, generationenübergreifende Veranstaltungen durchführen und insbesondere auf Seniorinnen und Senioren zugehen, denen familiäre Bezugspersonen fehlen. «Es gibt bereits zahlreiche gute Initiativen in diesem Bereich», sagt Anita Schneeberger und erwähnt als Beispiel nachbarschaftliche Projekte, die mit Zeitgutschriften arbeiten. Oft seien sie einfach noch zu wenig bekannt. Potenzial, den nachbarschaftlichen Austausch zu fördern, sieht sie unter anderem bei Neubauten und der Gestaltung des öffentlichen Raums. «Die Verantwortlichen sollten sich jeweils von Anfang an überlegen, wie Raum für ältere Menschen geschaffen werden kann.» Eveline Rutz

Über diverse Mannsbilder, Laborfleisch und innovative Klimageräte

Die Produktion von Fleisch schadet der Umwelt. Immer mehr Menschen entscheiden sich daher, vegetarisch oder vegan zu leben. Da die Bevölkerung wächst, nimmt der Fleischkonsum dennoch zu. Um die negativen Folgen für das Klima zu verringern, wird intensiv an Alternativen geforscht. «Im Labor gezüchtetes Fleisch ist – neben Insekten und pflanzlichen Produkten – ein vielversprechender Ansatz», sagt Jonas Elsener, der am Departement Life Sciences und Facility Management studiert hat. Die Treibhausgas-Emissionen können damit auf ein Minimum reduziert werden, es werden weniger Ressourcen verbraucht und es müssen keine Tiere geschlachtet werden. «Die Konsumenten können ihren ökologischen Fussabdruck senken, ohne auf Fleisch verzichten zu müssen.» Weltweit befassen sich mehr als 70 Startups mit der Herstellung von künstlichem Fleisch. Sie konnten erste Erfolge verbuchen. So sind kultivierte Zellen in grösseren Mengen zu Burgerpatties zusammengesetzt worden. In Singapur dürfen solche Produkte bereits kommerziell hergestellt und vertrieben werden. Schwieriger ist es, die Textur eines grösseren Fleischstücks nachzuahmen. Jonas Elsener hat dazu eine Konzeptstudie gemacht. Er hat im Labor Einzelzellen aus tierischem Muskelgewebe gezüchtet und gedruckt. Er hat verschiedene 3D-Druckverfahren getestet und dabei eine vorhandene sowie eine selbst entwickelte Biotinte eingesetzt. Die Zellen hätten sich so entwickelt, wie er dies angenommen habe, berichtet der Bachelorabsolvent. «Die Experimente haben meine theoretischen Überlegungen bestätigt.» Egal ob es draussen 30 Grad heiss oder minus 10 Grad kalt ist, Wohnräume sollen stets behaglich sein. Sie werden entsprechend gekühlt, geheizt und klimatisiert. Um ein angenehmes Raumklima zu schaffen, könnten künftig auch thermochemische Verfahren eingesetzt werden. Sie verwenden konzentrierte Salzlösungen und machen sich zunutze, dass diese Luftfeuchtigkeit absorbieren und dabei Kondensationswärme freisetzen. Umgekehrt kann Wasser verdampft und damit die Luft gekühlt werden. Dieses chemische Potenzial lässt sich beliebig lange lagern und gut transportieren. «Im Gegensatz zu Fernwärmenetzwerken ist die Verteilung über grosse Distanzen effizienter und die Speicherung theoretisch verlustfrei», sagt Raphael Baumann, der an der School of Engineering studiert hat. Er hat mehrere hygrologische Salzlösungen evaluiert und berechnet, wie sie in Wohnungen zum Einsatz kommen könnten. Die Methode habe Potenzial, sagt er. «Ein thermochemisches System kann zur Reduktion fossiler Brennstoffe beitragen, indem es industrielle Abwärme nutzt.» Hinzu kommt, dass es gesundheitliche Aspekte berücksichtigt. Die Luftfeuchtigkeit wird simultan zur Temperatur gesteuert. Die Luft wird gewaschen, was Viren und Schadstoffe reduziert. Das Risiko, dass Krankheiten übertragen werden, nimmt ab. Ein Effekt, der in der Pandemie gerade an Bedeutung gewonnen hat. Baumanns Recherchen und Berechnungen werden in die Entwicklung eines solchen Klimageräts einfliessen. Das Institut Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE) hat vor, einen Prototypen zu bauen. Männer sollen stark und unabhängig sein. Sie sollen sich selbst zu helfen wissen. Was als männlich wahrgenommen wird, ist nicht biologisch gegeben. Es wird gesellschaftlich konstruiert, kann sich wandeln und beeinflusst das Individuum. «Männlichkeit ist für die Menschen eine erlebbare und wirkmächtige Realität», schreibt Timo Jost in seiner Abschlussarbeit. Die Gesellschaft zieht zwischen «Mann» und «Frau» eine klare Trennlinie. Mit der Zuordnung zu einem binären Geschlecht werden Stereotype reproduziert. Wer der gesellschaftlichen Norm entspricht, erfährt Zuspruch. Wer davon abweicht, wird sanktioniert. Wie der ZHAW-Absolvent ausführt, ist Männlichkeit hierarchisch geordnet. Die vorherrschende Form wird kulturell herausgehoben. Sie grenzt sich ab, indem sie andere Formen unterdrückt oder marginalisiert. Wie sich enge Zuschreibungen auswirken können, wird im Feld der häuslichen Gewalt deutlich. So zeigt sich, dass ein traditionelles Rollenverständnis gewalttätiges Verhalten begünstigen kann. Da häusliche Gewalt überwiegend von Männern ausgeht und Frauen betrifft, wird bislang in erster Linie geschlechtsspezifisch interveniert. Es gibt Frauenhäuser und Täterberatungsstellen. Dass aber auch Männer Opfer werden, wird weniger thematisiert. Die dominierende Sichtweise davon, was männlich ist, spricht ihnen Opferschaft ab. Sozialarbeitende seien somit gefordert, Männlichkeit nicht zu reproduzieren, sondern zu vervielfältigen und verschiedene Handlungsoptionen anzubieten, sagt Jost. Er wünscht sich, dass sich die Soziale Arbeit aktiver am gesellschaftlichen Diskurs beteiligt, damit ihrem politischen Mandat gerecht wird und dass Gender-Themen in der Lehre stärker gewichtet werden. Eveline Rutz

Von Fussballern, Bürogestaltung und Vorurteilen

Wie ein Büro eingerichtet ist, ob man einander sieht und sich zufällig trifft, wirkt sich auf die Arbeitskultur einer Firma aus. «Die Gestaltung beeinflusst das Wohlbefinden der einzelnen Mitarbeitenden», sagt Alyssa Riebli, die am Departement für Life Sciences und Facility Management studiert hat. Sie hat den Einfluss dreier Design Features auf die Clan-Arbeitskultur untersucht und validiert. «Diese Kultur ist am zukunftweisendsten. Viele Firmen streben einen teamorientierten Umgang an, bei dem die Mitarbeiterentwicklung im Vordergrund steht.» Anhand von Interviews weist Riebli nach, dass Mitarbeitende, die einen visuellen Zugang zueinander haben, mehr miteinander kommunizieren. Sie müssen weniger Aufwand betreiben, um Projekte zu koordinieren und zu planen. Sie lenken einander aber auch ab, was zu Konflikten führen kann. «Change Management ist ein wichtiger Faktor», so die Autorin. Werden Mitarbeitende frühzeitig in eine Umstrukturierung oder in einen Umbau einbezogen, sind sie den Veränderungen gegenüber positiver eingestellt. Räumliche Nähe führt zu zufälligen Treffen und mehr Face-to-Face-Kommunikation. Die sozialen Beziehungen intensivieren sich und dehnen sich auf andere Abteilungen aus. Wird Home-Office betrieben, fällt dieser Vorteil allerdings weg. «Wegen Corona arbeiten gerade viele von zu Hause aus», sagt Alyssa Riebli. «Es wäre interessant, zu untersuchen, was sich bei den drei Design Features dadurch verändert.» Auch Arbeitsplatzgleichheit wird positiv wahrgenommen. Sind alle Arbeitsplätze hierarchieunabhängig identisch möbliert, kommen sich Mitarbeitende weniger als Bittsteller vor. Durch die Kooperation steigen der Zusammenhalt und die Transparenz. Jeder Spieler trägt einen Tracker auf sich. Beschleunigungs- und GPS-Sensoren zeichnen seine Leistung auf. «Die Analyse persönlicher Daten gewinnt im Sport zunehmend an Bedeutung», sagt Micha Ruff, der an der ZHAW Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat. Teams, aber auch Einzelsportler erhoffen sich davon kompetitive Vorteile. Sie nutzen die Erkenntnisse, um gezielter zu trainieren und Strategien für die Wettkämpfe zu entwickeln. Micha Ruff hat zehn Spiele einer Zweitliga-Mannschaft daraufhin analysiert, wie rasch und wie stark die Halbprofis ermüden. Die Daten hat er von der Firma Tracktics erhalten. «Sie aufzubereiten und mit dem Spielgeschehen in Verbindung zu bringen, war sehr aufwendig», berichtet er. Ein Fussballer ruft seine Leistung nicht gleichmässig ab; er ist immer wieder intervallmässig gefordert. Dies führt in den Erhebungen zu grossen Schwankungen. Der Bachelorabsolvent hat Funktionen entwickelt, um die Daten in unterschiedlichen Zeitschritten mit verschiedenen Quantilen zu visualisieren. Er kommt zum Schluss, dass es am aussagekräftigsten ist, die Mediane in Intervallen von 10 Minuten zu betrachten. Dabei wird deutlich, dass ein Fussballer gegen Ende eines Spiels nicht mehr so stark beschleunigt. An seiner Geschwindigkeit lässt sich hingegen keine Ermüdung ablesen. «Er braucht einfach länger, bis er diese erreicht – er ist weniger agil.» In einer Fallstudie hat Ruff zudem die zusammengefassten Leistungen der Mannschaft in den einzelnen Spielen analysiert und mit drei weiteren Matches verglichen. Er stellte fest, dass die Werte in den ersten 20 Minuten abnehmen, dann jedoch mehrheitlich konstant bleiben. «Die Spieler scheinen gut trainiert zu sein», sagt er. Prüfende Blicke, verletzende Bemerkungen und Freunde, die den Kontakt abbrechen: Das erleben Menschen, die sich nicht jenem Geschlecht zugehörig fühlen, mit dem sie geboren wurden. «Transmenschen bekommen in ihrem Alltag immer wieder zu spüren, dass sie von der gesellschaftlichen Norm abweichen», sagt Özlem Balci, die für ihre Abschlussarbeit mit vier Betroffenen gesprochen hat. Diese fühlen sich an gewissen Orten ausgeschlossen. Aus Scham meiden sie beispielsweise Schwimmbäder, Saunen oder WC-Anlagen. Sie fühlen sich bei der Stellensuche, aber auch auf politischer Ebene diskriminiert. So ist es in der Schweiz in der Regel nicht möglich, sich auf offiziellen Dokumenten keinem oder einem dritten Geschlecht zuzuordnen. Wer einen bestehenden Geschlechtseintrag ändern möchte, muss nachweisen, dass die körperliche Angleichung begonnen hat. Dass Transgender zurzeit noch als psychische Störung klassifiziert wird, empfinden die Befragten als diskriminierend. Erst ab 2022 wird es für ihr Erleben eine eigene Diagnose geben. Sie wird Gender Incongruence (Geschlechtsinkongruenz) lauten. «Transmenschen möchten – wie wir alle – akzeptiert und wertgeschätzt werden», sagt Özlem Balci, die den Studiengang «Gesundheitsförderung und Prävention» abgeschlossen hat. Das soziale Umfeld spiele dabei eine entscheidende Rolle; es wirke sich auf die psychische Gesundheit aus. Obwohl die Gesellschaft insgesamt offener geworden sei, brauche es weitere Sensibilisierungsmassnahmen, sagt die Autorin. Gerade das Gesundheitspersonal müsse in der Thematik besser geschult werden. Präventionskampagnen müssten Transmenschen stärker einbeziehen. Eveline Rutz

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