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Von digitalen Stupsern, illegalen Substanzen und Young Adult Carers

Sie werden häufig nicht gesehen: junge Menschen, die sich um einen erkrankten Elternteil kümmern. Statt eigenen Interessen nachzugehen, übernehmen sie Aufgaben im Haushalt. Sie fahren Betroffene zu Terminen und erledigen Administratives. «Young Adult Carers haben die Tendenz, ihre Belastung herunterzuspielen», sagt Karoline Fink, die am ZHAW-Departement für Gesundheit studiert hat. «Sie fühlen sich ihren Eltern verbunden, helfen gerne und sind immer stärker eingespannt.» Zusammen mit Nadine Kaninke hat sie für ihre Abschlussarbeit mit drei Nachkommen von Personen gesprochen, die einen Schlaganfall erlitten haben. «Diese häufige Erkrankung ändert das ganze Familienleben», sagen sie. Von einem Tag auf den anderen schlüpfen Young Adult Carers in eine neue Rolle. Sie tragen viel Verantwortung und fühlen sich zuweilen überfordert. «Ich kam mir extrem alleingelassen vor», sagt ein junger Mann, den die beiden Ergotherapeutinnen befragt haben. Nach seinem Befinden habe sich kaum jemand erkundigt. Wie die Abschlussarbeit zeigt, haben Young Adult Carers das Bedürfnis, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Ein geleitetes Gruppenangebot könnte dafür Raum schaffen. Es könnte betreuende Angehörige im Umgang mit ihren Eltern stärken und Fachwissen vermitteln. «Der Bedarf für ein solches Angebot ist da», sagen die beiden Autorinnen. Das Thema verdiene insgesamt mehr Beachtung. Young Adult Carers seien nicht auf den ersten Blick zu erkennen. «Sie sind aber da ‒ und froh um Unterstützung.» «Du kannst jetzt noch einzahlen und Steuern sparen», «Aktuell haben 65 Prozent der Kundinnen und Kunden mehr gespart als du» oder «Glückwunsch! Die ersten 10`000 sind erreicht»: Solche digitalen Nachrichten könnten Millennials motivieren, freiwillig fürs Alter zu sparen. Aktuell tut dies lediglich jede zweite Person im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. «Sie brauchen einen Anreiz», sagt Hava Berisha, die an der ZHAW School of Management and Law studiert hat. Sie hat als Kundenberaterin erlebt, dass sich junge Menschen kaum mit der dritten Säule auseinandersetzen. «Das Thema ist komplex und schreckt viele ab.» Wie die Bachelorabsolventin in ihrer Abschlussarbeit darlegt, tendieren Menschen zur Gegenwartspräferenz. Das heisst, sie stellen gegenwärtige Bedürfnisse über künftige. Sie halten zudem gerne an einmal gefassten Entscheidungen fest und verharren im Status quo. Die Folge: «Die Bereitschaft, für die private Vorsorge zu sparen, ist gering.» Gemäss Berisha könnte Digital Nudging helfen, das Interesse junger Frauen und Männer zu wecken und sie «auf freiwilliger Basis in die richtige Richtung zu stupsen». Digitale Hinweise könnten Millennials etwa als Standardeinstellung auf TWINT dazu ermutigen, in die dritte Säule einzuzahlen. Sie könnten ihnen häppchenweise Wissen vermitteln, das Verhalten anderer Kundinnen und Kunden aufzeigen, sie regelmässig ans Sparen erinnern und mit positivem Feedback zum Dranbleiben motivieren. «Erinnerungen werden als besonders hilfreich eingestuft», sagt Hava Berisha aufgrund einer Online-Umfrage. Digital Nudging habe grosses Potenzial, betont sie. «Es kann zu vorteilhafteren Entscheiden führen.» Wenn Kinder zu Erwachsenen werden, haben sie wichtige Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Sie müssen sich vom Elternhaus abnabeln, eine eigene Identität entwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft finden. Sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, hilft ihnen dabei. In der Peergroup können Jugendliche soziale Verhaltensweisen ausprobieren sowie eigene Normen und Werte verinnerlichen. «Die Peergroup ist in der Adoleszenz eine wichtige Sozialisationsinstanz», sagt Alexandra Winet, die an der ZHAW Soziale Arbeit studiert hat. Wie sie in ihrer Abschlussarbeit aufzeigt, gilt dies auch für den Umgang mit illegalen Substanzen. Unter Peers fällt es Jugendlichen leichter, über das Thema zu sprechen, das von Erwachsenen häufig stigmatisiert wird. Sie können ihr Verhalten reflektieren und allenfalls anpassen. «Die Peergroup ist Schutz- und Risikofaktor zugleich», so die Autorin. Die Peergroup kann vor einem problematischen Substanzkonsum schützen oder einen solchen reduzieren. Sie kann aber ebenso zum Konsum verleiten und diesen verstärken. Dies etwa, wenn illegale Substanzen dazu dienen, sich von anderen abzugrenzen und Zusammengehörigkeit zu leben. Stars, welche in den sozialen Medien Drogen verharmlosen, können dazu animieren. «Da verpassen es leider einige Künstler und Künstlerinnen, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen», sagt Alexandra Winet. Sie findet, dass die positiven Funktionen einer Peergroup in der Prävention stärker genutzt werden sollten. So könnten geschulte Jugendliche ihre Peers etwa über Risiken und schadensmindernde Massnahmen aufklären. Sie könnten mit ihnen problematische Situationen besprechen und alternative Bewältigungsstrategien aufzeigen. «Man sollte Konsumentinnen und Konsumenten nicht stigmatisieren, sondern in ihre Lebenswelt eintauchen», sagt Winet. von Eveline Rutz

Von Klimaangst, Chatbots als Ersthelfern und dem Vertrauen in die KESB

Die Klimakrise löst Ängste aus. Gerade Jugendlichen machen unsichere Zukunftsaussichten zu schaffen. «Sie sind aufgrund ihres Entwicklungsstands besonders gefährdet, psychisch zu erkranken, und müssen unterstützt werden», sagt Moira Trüb. Sie hat fünf Fachleute befragt und Handlungsempfehlungen gegen Klimaangst erarbeitet, die sowohl auf sozialer als auch individueller Ebene ansetzen. Die Bachelorabsolventin rät Betroffenen, sich mit Gleichgesinnten zu engagieren. «Aktivismus hilft: Sich als Gruppe mit dem Thema zu beschäftigen, verringert das Gefühl des Alleinseins und gibt Kraft, gemeinsam ins Handeln zu kommen.» Gespräche hätten sowieso eine positive Wirkung. Wer sich im Alltag klimafreundlich verhalte, erlebe Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig ist es gemäss Trüb wichtig, Grenzen zu setzen und sich auch mit anderen Themen zu beschäftigen. In der Schule, in Vereinen und an Hochschulen sollte jungen Menschen vermehrt vermittelt werden, wie man Resilienz entwickelt. Zu einem besseren psychischen Befinden können zudem Akzeptanz, Hoffnung und therapeutische Hilfe beitragen. «Wir steuern auf eine psychologische Krise zu», sagt die Autorin. Klimaangst werde zu wenig erkannt. Es fehle an Daten und die Politik mache zu wenig, um den psychischen Folgen der Klimakrise entgegenzuwirken. «Die Angst der Betroffenen ist real und lässt sich klar von anderen Angsterkrankungen abgrenzen», sagt Moira Trüb. Sie fände es sinnvoll, Klimaangst in nationale Strategien – etwa Gesundheit2030 – aufzunehmen. «Das hätte den Vorteil, dass Daten erhoben werden müssten und spezifische Massnahmen ausgearbeitet würden.» Die Schule könnten beispielsweise zur Resilienzförderung verpflichtet werden. Wer notfallmässig in ein Spital geht und warten muss, ist meist angespannt. Das Warten scheint sich endlos hinzuziehen ‒ man fürchtet, vergessen zu werden. Diese Situation kann mental belasten. «Ein virtueller Assistent könnte Menschen in der Notaufnahme individuell betreuen», sagt Nina Jäggi. «Er könnte ihnen das Gefühl vermitteln, ernst genommen und unterstützt zu werden.» Die Bachelorabsolventin hat einen Chatbot-Prototyp entwickelt, der die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten sowie der Mitarbeitenden berücksichtigt. Er stellt gezielte Fragen zu den gesundheitlichen Beschwerden des Nutzenden, gibt die Angaben dem Personal weiter, durchsucht seine Wissensdatenbank und ermöglicht so eine Erstanamnese. Das Tool geht insbesondere auf das psychische Befinden der Wartenden ein und führt auf Wunsch aus, was gegen die beschriebenen Symptome getan werden könnte. «Man empfindet die Wartezeit als kürzer, wenn eine Beschäftigung vorhanden ist», betont Nina Jäggi, die am Institut für Angewandte Medienwissenschaften (IAM) studiert hat. Ein Chatbot könne zudem den Aufnahmeprozess vereinfachen. Die Patientinnen und Patienten müssten nicht immer wieder die gleichen Angaben machen. Dies würde die Spitäler entlasten, die zunehmende Eintrittszahlen verzeichnen und mit personellen Engpässen zu kämpfen haben. «AI könnte mehr Effizienz ermöglichen.» Ihre Entwicklung befinde sich noch in einem frühen Stadium, sagt die Autorin. Die Benutzeroberfläche, die linguistische Syntax und das hinterlegte Fachwissen sollten weiter optimiert werden. Daneben gelte es ethische und rechtliche Fragen zu klären. Die KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) kann in diesem Jahr ein Jubiläum feiern. Vor zehn Jahren ist das Vormundschaftsrecht reformiert und die Behörde neu aufgestellt worden. 2015 stand sie vor einer Bewährungsprobe. Am Neujahrstag tötete eine Mutter ihre beiden Kinder. Diese sollten nach den Feiertagen ins Heim zurückkehren. Der Fall Flaach löste schweizweit Schlagzeilen aus, die KESB-Mitarbeitenden wurden massiv kritisiert. «Der KESB wird vorgeworfen, dass sie entweder zu früh oder zu spät eingreift», sagt Carlo Strohner, der am Departement Soziale Arbeit studiert hat. Das sei der häufigste Kritikpunkt. Einzelne Fälle dominierten die öffentliche Wahrnehmung, die Behörde könne sich nur beschränkt zu diesen äussern. Trotz des negativen Images wird der KESB in der Online-Befragung des ZHAW-Absolventen nicht wesentlich weniger Vertrauen entgegengebracht als anderen Institutionen. Auf einer zehnstufigen Skala erreicht sie einen Durchschnittswert von 6,2. Die Polizei liegt bei 7,3, das Rechtssystem bei 7,2 und das politische System bei 6,7. «Die KESB schneidet in der nichtrepräsentativen Stichprobe nicht deutlich schlechter ab», so Strohner. Wer als Betroffene, Betroffener oder Fachperson bereits mit der Behörde zu tun hatte und wer gut ausgebildet ist, vertraut ihr stärker als andere Menschen. Auch wer sie als kompetent einstuft und davon ausgeht, dass sich Klientinnen und Klienten einbringen können und Widerspruchsmöglichkeiten haben, äussert ein grösseres Vertrauen. Carlo Strohner stellt fest, dass zumindest in Teilen der Bevölkerung ein falsches Bild der KESB vorhanden sein könnte. «Das Vertrauen liesse sich verbessern, indem mehr über ihre Funktionsweise informiert würde.» von Eveline Rutz

Wie Hotels, Immobilien und die Soziale Arbeit nachhaltiger werden

Die Schweiz möchte bis 2050 deutlich weniger CO₂ verursachen. «Der Immobiliensektor wird dabei eine wichtige Rolle spielen», sagt Laura Archer-Svoboda, die an der School of Management and Law eine Masterarbeit zu dem Thema geschrieben hat. Immerhin sind etwa ein Viertel der ausgestossenen Treibhausgase auf Gebäude zurückzuführen. Dafür verantwortlich sind in erster Linie Öl- und Gasheizungen sowie schlechte Isolationen. «Da gibt es noch viel zu tun», so die Autorin. Damit es schneller vorwärtsgehe, brauche es strengere Gesetze, Vorgaben und zusätzliche Subventionen. Die Schweiz müsse dem Beispiel von Ländern wie Frankreich folgen, indem sie Energieausweise und Energie-Audits einführe und verbiete, Wohnflächen mit hohem Energieverbrauch zu vermieten. «Sonst wird sie ihr Reduktionsziel nicht erreichen.» Wie Laura Archer-Svoboda in ihrer Abschlussarbeit ausführt, werden Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und graue Energie zurzeit kaum berücksichtigt. Auch soziale Faktoren werden weitgehend vernachlässigt. Dabei könnten sie «die Attraktivität eines Gebäudes erhöhen, die Leerstandquote senken und letztlich die langfristigen Renditen steigern». Die Branche verfügt zwar über zahlreiche Ratings, Labels und Zertifizierungen. Diese messen und taxieren aber unterschiedliche Aspekte und erschweren es so, die Bemühungen einzelner Unternehmen zu beurteilen und miteinander zu vergleichen. «Der Mangel an Transparenz verwirrt und macht es Investoren schwer, fundierte, auf Nachhaltigkeit basierende Entscheidungen zu treffen.» Wie wird der Spa-Bereich beheizt? Woher stammt das Filet auf dem Teller? Und: Wie reise ich möglichst umweltschonend an? Hotelgäste interessieren sich zunehmend für Nachhaltigkeit und erwarten Transparenz. Auch dem Personal und den Firmen, welche mit Gasthäusern zusammenarbeiten, ist der Klimaschutz wichtiger geworden. Die Schweizer Hotellerie bemüht sich daher verstärkt, umweltschonend zu wirtschaften. Zahlreichen Betrieben fällt es allerdings schwer, über ihr Engagement zu informieren. «Sie haben Mühe, Nachhaltigkeit auf interessante Weise zu vermitteln», sagt Tanja Fegble, die am Departement für Angewandte Linguistik studiert hat. Viele fänden das Thema komplex und herausfordernd. Sie befürchteten, sich erst recht angreifbar zu machen, wenn sie einzelne Massnahmen thematisierten. «Obwohl sie etwas tun, bleiben sie still», sagt die Masterabsolventin. Das Phänomen wird in der Forschung als «Greenhushing» bezeichnet. Der Begriff umschreibt eine «moralische Stummheit», während es beim «Greenwashing» um eine «moralische Heuchelei» geht. Tanja Fegble hat Empfehlungen erarbeitet, wie Hotels ihre Bemühungen besser sichtbar machen können. Sie rät unter anderem dazu, Verantwortliche für das Thema zu bestimmen und Mitarbeitende zu schulen. Die Kommunikation soll nicht primär als Marketinginstrument eingesetzt werden und auf die Gäste fokussieren. Sie soll sich ebenso an die Bevölkerung, die öffentliche Hand, Investierende und das Personal richten. Sie eröffne neue Chancen: «Sie führt zu mehr Buchungsanfragen und hilft bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden.» «Die fortschreitende Klimakrise ist das drängendste Problem unserer Zeit», sagt Robin Portmann. «Eigentlich müssten sich alle Fachbereiche darauf beziehen.» Gerade für die Soziale Arbeit, die sich an den Menschenrechten orientiere, sei Nachhaltigkeit zentral. Dennoch äussere sie sich nur spärlich zu dem Thema. Ökologische und ökonomische Aspekte stünden im Vordergrund. Portmann erwähnt die 17 Sustainable Development Goals (SDGs), welche die Vereinten Nationen (UNO) bis 2030 erreichen möchten. Darunter sind vier Ziele, welche der Sozialen Arbeit seit jeher ein Anliegen sind: «Bekämpfung von Armut», «Chancengerechtigkeit in Bildung», «Gleichstellung aller Geschlechter» sowie «Verringerung von weiteren Ungleichheiten». Während seines Studiums habe er zu wenig von den 17 SDGs gehört, berichtet der Bachelorabsolvent. Für ihn ist klar: «Sie müssen in unserer Profession, aber auch in der Öffentlichkeit präsenter werden – erst dann werden die Bemühungen für Nachhaltigkeit zunehmen.» Robin Portmann zeigt in seiner Abschlussarbeit auf, welche Bedeutung Bildung im Nachhaltigkeitsdiskurs hat. Für Sozialarbeitende sieht er gerade in diesem Kontext eine Möglichkeit, Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung stärker aufzunehmen. Mit Angeboten im nonformalen und informellen Bereich könnten sie direkt an die Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und deren Familien anknüpfen. «Sie können Nachhaltigkeitsprinzipien besonders nah und erfolgreich vermitteln». Darüber hinaus brauche es einen intensiveren Austausch mit anderen Fachrichtungen: «Nachhaltigkeit ist ein riesiges interdisziplinäres Projekt». von Eveline Rutz

Gerechte Bordelle, wirksame Öko-Media und gute Geburtserlebnisse

Vertraut eine Frau ihrer Hebamme, so erlebt sie die Geburt ihres ersten Kindes tendenziell positiv. «Eine gute Beziehung hilft der werdenden Mutter, die Ausnahmesituation zu meistern», sagt Antonia Göggerle-Locher. «Dieser Zusammenhang lässt sich deutlich nachweisen.» Die Absolventin des Studiengangs Hebammenwissenschaften hat dazu eine Online-Umfrage gemacht. Von den rund 400 ausgewerteten Antworten dokumentieren 86 Prozent ein positives Geburtserleben. 14 Prozent berichten von einer überwiegend negativen Erfahrung. Das Mutter-Hebamme-Verhältnis ist dabei ein entscheidender Faktor. Wie eine Geburt wahrgenommen wird, hat aber auch mit Ängsten, Erwartungen, dem Grad der Mitbestimmung sowie allfälligen medizinischen Interventionen zu tun. Ein ungeplanter Kaiserschnitt und eine PDA (Periduralanästhesie) korrelieren beispielsweise mit einem negativen Erleben. Die Chancen auf ein positives Erlebnis steigen hingegen, wenn die Gebärende mehr mitbestimmen kann, als sie es erwartet hat. Oder wenn die Schmerzen weniger stark sind als befürchtet. Antonia Göggerle-Locher bestärken die Ergebnisse ihrer Studie darin, Schwangeren ein realistisches Bild zu vermitteln. «Sie sollten darauf vorbereitet werden, dass eine Geburt ein herausforderndes Ereignis ist. Und sie sollten das Vertrauen entwickeln, dass sie dafür stark genug sind.» Eine werdende Mutter sollte sich begleitet fühlen und verstehen, was in ihrem Körper vor sich geht. Idealerweise werde sie von der Schwangerschaft bis ins Wochenbett von einer Hebamme betreut. «Diese übernimmt die Funktion einer Lotsin», so die Autorin. Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Unternehmen tun gut daran, die ökologischen Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden zu berücksichtigen. «Nachhaltigkeit ist zu einem bedeutenden Erfolgsfaktor geworden», sagt Annika Behrens, die am Departement Angewandte Linguistik studiert hat. Damit eine Firma von ihrem Engagement profitiert, muss sie allerdings dafür sorgen, dass dieses von den Anspruchsgruppen wahrgenommen wird. Coop und Migros nutzen für ihre Nachhaltigkeitskommunikation unter anderem Instagram. Über die Plattform, die auf visuelle Inhalte fokussiert, gelangen die Detailhändlerinnen zeitnah und direkt an ein junges Publikum. «Sie verfolgen unterschiedliche Strategien der visuellen Kommunikation», sagt Annika Behrens, welche eine Stichprobe vom Sommer/Herbst 2020 untersucht hat. Beide betten etwa Label ein, die Nachhaltigkeit garantieren. Allerdings setzen sie diese unterschiedlich in Szene. Die Migros kommuniziert ausserdem vielfältiger; sie postet neben Bildern auch Videos und Podcasts. Sie personalisiert zudem stärker als Coop und schafft damit einen direkteren Bezug zur Kundschaft. Coop informiert vor allem über nachhaltige Produkteeigenschaften und bebildert dies häufig mit Studioaufnahmen. Die Fotos sind zwar ansprechend inszeniert, es fehlt ihnen jedoch an Authentizität. «Beide Unternehmen könnten ihre Beiträge zugänglicher gestalten», sagt Annika Behrens. Sie könnten beispielsweise mit Fragen oder Handlungsempfehlungen an die Erfahrungen der Rezipientinnen und Rezipienten anknüpfen. Sie könnten Inhalte ihres Publikums einbinden, vermehrt Personen zeigen und eine wärmere Farbgebung wählen. «So könnten sie ihren Botschaften noch mehr Gehör verschaffen.» Sexarbeit findet nicht nur im Milieu statt. Sexuelle Dienste werden beispielsweise auch als Escort-Service angeboten. «Das Spektrum der Sexarbeit ist extrem gross und divers», sagt Laura Miotti, die am Departement Soziale Arbeit studiert hat. Nicht immer seien dabei Abhängigkeit und Zwang im Spiel. Es gebe Menschen, welche diese Form der Erwerbstätigkeit bewusst wählten und selbstbestimmt ausübten. Doch auch sie sind Stigmatisierungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Ihre Tätigkeit wird gesellschaftlich abgewertet und ist gesetzlich kaum abgesichert. Dies erschwert es Sexarbeitenden, selbstbewusst aufzutreten und für ihre Rechte einzustehen. Inspiriert von einem «Republik»-Artikel, skizziert Laura Miotti, wie ihnen ein möglichst hoher Grad an Selbstbestimmung ermöglicht werden könnte. In einem gerechteren Bordell könnten Personen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter und sexueller Orientierung arbeiten. Sie würden sich weitgehend selbst organisieren, ihre Kundschaft frei wählen und faire Mieten zahlen. Ein Alarmsystem würde sie vor Übergriffen schützen; über ihre Einnahmen könnten sie selbst verfügen. Ein solches Etablissement würde nicht irgendwo in der Peripherie eingerichtet, sondern dort, wo die Kunden sind. «In der Mitte der Gesellschaft», so die Autorin. Sozialarbeitende hätten weniger direkt mit den Sexarbeitenden zu tun. Sie könnten sich auf Notlagen konzentrieren. Sie würden bei Bedarf Informationen zur Verfügung stellen oder präventiv arbeiten. Sie könnten zudem zwischen Akteuren vermitteln und Stigmatisierungen entgegentreten. von Eveline Rutz

Von Schiffskapitänen, Schlafwandelnden und Künstlicher Intelligenz

Bei schönem Wetter ist auf Schweizer Seen viel los. Segelschiffe, Motorboote und Pedalos ziehen ihre Runden. Hinzu kommen Standup-Paddler, Surfer, Schwimmer und badende Kinder. Wer ein Kursschiff steuert, ist entsprechend gefordert. Nicht nur die Wasseroberfläche gilt es aufmerksam zu beobachten, auch den Fahrplan, die technischen Instrumente und die Passagiere muss man im Blick behalten. Geschieht etwas Unerwartetes, ist rasches Handeln gefragt. «Schiffsführende müssen bis zu 12 Stunden lang fokussiert bleiben», sagt Leah Kuhn, «und das oft sechs bis sieben Tage hintereinander.» Mit Marc Bohler hat sie untersucht, welche Kompetenzen in dem Berufsfeld entscheidend sind. Ihr Fazit: «Die Anforderungen sind sehr hoch.» Kapitäninnen und Kapitäne müssen besonders belastbar, entscheidungsfreudig, pflichtbewusst und zuverlässig sein. Sie müssen sich selbst realistisch einschätzen und ihre Emotionen kontrollieren können. Sie müssen zudem fähig sein, mehrere Informationen rasch zu verarbeiten und Probleme zu erkennen. Sie müssen gut kommunizieren und sich durchsetzen können. «Schiffsführende tragen viel Verantwortung», betont Leah Kuhn. Dies zeigt sich insbesondere in kritischen Situationen, wenn sie der Besatzung und den Passagieren den Kurs vorgeben. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, zu führen und Befehle zu erteilen. Die Erkenntnisse aus der Abschlussarbeit sollen in Eignungsabklärungen einfliessen, so Kuhn: «Auf dieser Basis können berufsspezifische Testverfahren entwickelt werden, um geeignete Personen zu rekrutieren.» Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Brustkrebs zu diagnostizieren. «Sie kann die Früherkennung nachhaltig verbessern», sagt Carlotta Ruppert, die an der School of Engineering studiert hat. Sie hat eine Applikation zur Analyse von Ultraschallbildern entwickelt und dafür auf reale Fälle zurückgegriffen. Ihr Modell mit mehr als 3000 Ultraschallbildern hat sie darauf trainiert, Veränderungen im Gewebe zu erkennen und gemäss deren Risiko für Bösartigkeit einzustufen. Es ist nun in der Lage, Brustläsionen als tendenziell gutartig zu klassifizieren oder festzustellen, dass weitere Nachuntersuchungen wie beispielsweise eine Biopsie anzuordnen sind. Es kann Radiologen und Radiologinnen bei der Interpretation von Bildmaterial unterstützen und zu genaueren Befunden beitragen. Als «Herausforderung» beschreibt Carlotta Ruppert, dass die Bilder, mit denen sie ihr Netzwerk trainiert hat, zu rund 80 Prozent harmlose Zysten zeigten. Dieses Ungleichgewicht musste sie berücksichtigen und ausgleichen. Mit dem Resultat ihrer Arbeit ist sie zufrieden. «Mein Deep-Learning-Modell kann quantifizierbar mit Radiologinnen und Radiologen mithalten», sagt sie. Anders als die menschliche Konkurrenz könne es jedoch nicht auf die Patientengeschichte zurückgreifen und andere Screening-Modalitäten einbeziehen. Auf ein Produkt mit konkreter Anwendung hinzuarbeiten, war äusserst motivierend», berichtet die Masterabsolventin. Sie wird ihre Entwicklung in den nächsten Jahren weiterverfolgen. «Meine Arbeit hat das Potenzial, direkt im Spital zum Einsatz kommen», freut sie sich. Wenn jemand schlafwandelt, lassen sich im Hirn spezifische Aktivitäten beobachten. Die Gehirnströme sind anders als in normalen Schlafphasen. Sie zeigen erregungsähnliche Muster und gehen in Sekunden in eine gestörte Phase über. «Die Betroffenen sind in einem Zustand zwischen Schlaf und Wachsein gefangen», sagt Julian Amacker, der am Departement Life Sciences und Facility Management studiert hat. Um derartige Muster zu identifizieren und besser zu verstehen, hat er die Gehirnströme eines einzelnen Patienten analysiert; sie sind im Schlaflabor mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet worden. Er hat zudem ein Deep-Learning-Modell trainiert und mit simulierten Daten gearbeitet. «Eine Schwierigkeit war die hohe Dichte der Daten», berichtet Amacker, der auf einen Server der ZHAW zurückgreifen musste. EEG-Messungen halten nämlich nicht nur fest, was im Hirn geschieht. Sie zeichnen unter anderem auch Augen- und Herzsignale sowie allerlei Geräusche auf, die beispielsweise durch Kopfbewegungen entstehen. Dieses permanente Rauschen erschwert es, die Signale des neuronalen Netzes zu entschlüsseln. «Eine vollständige Trennung ist nicht möglich», sagt Julian Amacker. Wie er in seiner Abschlussarbeit dokumentiert, sind beim Schlafwandeln die frontalen und temporalen Hirnregionen – im Bereich der Stirn und oberhalb der Ohren – besonders aktiviert. Seine Ergebnisse decken sich mit den wenigen Studien, die es zum Thema bereits gibt. «In einem nächsten Schritt sollte man mehr Patientendaten erforschen», sagt der ZHAW-Absolvent. Je besser man verstehe, wie das Hirn funktioniere, desto gezielter könne man bei Störungen medikamentös eingreifen. von Eveline Rutz

Schichtarbeit, Brexit und Solarkraftwerke

Der Unterhalt grosser Solaranlagen kostet Zeit und Geld. Um Mängel ausfindig zu machen und zu beheben, müssen Tausende Module überprüft werden. Dank einem an der ZHAW entwickelten LED-Flasher könnte dieser Prozess wirtschaftlicher werden. Eddie Staib und Oliver Stucki haben das portable Gerät optimiert. «Wir haben es unter realen Wettereinflüssen im Feld getestet», erzählen sie. Die Ergebnisse seien laufend in den Entwicklungsprozess eingeflossen. Der LED-Flasher, der 1,1 Meter breit und 2 Meter lang ist, wird auf die montierten Panels gelegt. Mit mehr als 5000 LEDs beleuchtet er die Module und ermittelt deren elektrische Leistung. Dabei spielt die jeweilige Zelltemperatur eine wichtige Rolle. Die Absolventen des Studiengangs Energie- und Umwelttechnik haben daher die Temperaturmessung verbessert. Sie haben die Zahl der Infrarot-Sensoren auf vier erhöht. Sie haben zudem einen Algorithmus entwickelt, der bei der Überprüfung der Bypassdioden, durch die der Strom bei Verschmutzungen «umgeleitet» wird, zum Einsatz kommt. Er wertet die Resultate zweier Teilmessungen aus. Die Bachelorabsolventen empfehlen, zusätzlich eine Drohne einzusetzen, welche dank einer Infrarotkamera fehlerhafte Bereiche identifiziert. Diese Kombination erweist sich bei grösseren Anlagen als das kostengünstigste Prüfverfahren. Dies, weil die Module nicht demontiert werden müssen und der LED-Flasher gezielt eingesetzt werden kann. Eine Feldmessung ergab, dass das Produkt in seiner aktuellen Version zwar funktioniert. «Für einen rentableren Einsatz müssen die Messabläufe und die Auswertung der Drohnenaufnahmen aber weiter optimiert werden», so die Autoren. Pflegende arbeiten unregelmässig: Mal früh, mal spät, mal nachts und immer wieder am Wochenende oder an Feiertagen. «Schichtarbeit wird in der Pflege als besonders belastend betrachtet», stellen Ariana Kösker und Lea-Maria Sombetzki fest. Viele wechselten daher in eine ambulante Tätigkeit oder gar in ein anderes Berufsfeld. «Die Chancen, welche durch die Schichtarbeit entstehen, müssen in den Fokus rücken», finden die beiden ZHAW-Absolventinnen, welche sich mit den Auswirkungen auf das Sozialleben befasst haben. In der Aus- und Weiterbildung müsse eine positive Sichtweise vermittelt werden. So habe man beispielsweise an Tagen frei, an denen andere arbeiteten, und könne entspannt Freizeitaktivitäten nachgehen. Eltern, die ihre Kinder gleichberechtigt betreuten, profitierten von sich ergänzenden Arbeitszeiten. «Die Einstellung und eine gute Work-Life-Balance sind entscheidend», sagt Lea-Maria Sombetzki. Daneben stünden die Arbeitgeber in der Verantwortung. Sie sollten Mitarbeitende vermehrt in die Planung der Schichten einbeziehen, ihnen kein Gefühl von Präsentismus vermitteln und ausreichend Pausenräume zur Verfügung stellen. Sie sollten zudem dafür sorgen, dass die Vorgaben des Arbeitsrechts eingehalten würden, und zur Kontrolle allenfalls eine neutrale Person einsetzen. Aufgabe der Forschung sei es, Modelle und Strategien im Umgang mit der unregelmässigen Arbeitsweise zu testen. «Das wäre ein grosser Schritt, um die Schichtarbeit attraktiver zu machen.» Welche Rolle soll Grossbritannien ausserhalb der EU spielen? Theresa May, die damalige Premierministerin, stand vor einer schwierigen Aufgabe, als sie im Januar 2017 im Lancaster House in London ans Rednerpult trat. Nach dem knappen Brexit-Entscheid erwachte das Land aus der Schockstarre und suchte nach einer neuen Identität. Um eine positive Vision zu schaffen, wählte May einigende Worte. «An der Oberfläche gelang ihr das ‒ analysiert man ihre Argumentationen genauer, entdeckt man aber Widersprüche», sagt Susanne Ruckstuhl, welche am Departement Angewandte Linguistik ein Bachelorstudium abgeschlossen hat. Zusammen mit Ilona Schafroth und Sarah Zurwerra ist sie der Frage nachgegangen, welche sprachlichen Mittel und diskursiven Strategien in der Rede eingesetzt werden. Besonders häufig verwendet Theresa May das Schlagwort «Global Britain». Sie zeichnet das Bild einer globalen Nation, welche an frühere Erfolge als Kolonialmacht anknüpfen kann. Sie rechtfertigt den Volksentscheid und beschreibt die Trennung als Chance für eine bessere Zukunft. Dabei steht der Austritt aus dem EU-Binnenmarkt eher im Widerspruch zum Ziel einer starken Handelsnation. Wie die Autorinnen darlegen, setzt May einerseits auf distanzierende Strategien. Gleichzeitig betont sie, dass die gute Beziehung zur EU erhalten bleiben soll, und beschwört gemeinsame Werte. «Es soll sich etwas ändern und gleichzeitig alles beim Alten bleiben.» Mays eigene Haltung sei von Ambivalenz geprägt, sagt Susanne Ruckstuhl und erinnert daran, dass die konservative Politikerin ursprünglich gegen einen Brexit war. «Dies wird in ihrer Rede immer wieder deutlich». von Eveline Rutz

Über die Wirksamkeit von Kurzarbeit und Jobcoaching in Jugendtreffs

Die erste Corona-Welle im Frühjahr 2020 traf die Schweizer Wirtschaft hart. Von einem Tag auf den anderen durften einzelne Branchen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr tätig sein. Besonders betroffen waren etwa die Gastronomie, die Luftfahrt sowie die Exportwirtschaft. «Es war ein Schockmoment», erinnert sich André Bruggmann, der an der School of Management and Law studiert hat. Die Einschränkungen in der ausserordentlichen Lage führten dazu, dass die Arbeitslosigkeit rasch und deutlich anstieg. Staatliche Unterstützung – unter anderem in Form von Kurzarbeit – ermöglichte dann eine relativ stabile Situation im Sommer und verhinderte eine grössere Entlassungswelle im Herbst. «Die Massnahmen haben effektiv dazu beigetragen, dass Stellen erhalten blieben», sagt Bruggmann. Allerdings habe sich die Krise regional unterschiedlich manifestiert. So hätten Tessiner Firmen während der ersten Welle beispielsweise stark auf Kurzarbeit gesetzt. Dafür hätten sich die Arbeitslosenzahlen danach deutlich positiver entwickelt als im Rest der Schweiz. Im Kanton Zürich hingegen seien insbesondere in der Gastronomie und in der Beherbergung überproportional viele Mitarbeitende entlassen worden. «Solche regionale und zeitliche Aspekte haben in den Medien und in der Forschung bisher kaum Beachtung gefunden», betont der Studienautor. Dabei zeigten sich überraschend deutliche Unterschiede. André Bruggmann hat die Resultate seiner Arbeit visualisiert und auf einer Plattform veröffentlicht. «Politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger sollen in künftigen Krisensituationen davon profitieren», sagt er. Homosexuelle, die sich in rechten Parteien engagieren, teilen deren Ansichten weitgehend und erleben dadurch Zusammenhalt. Sie möchten nicht auf ihre sexuelle Orientierung reduziert werden und bezeichnen diese als Privatsache. «Für viele ist die damit verbundene fehlende Gleichberechtigung ein weniger wichtiges Thema als zum Beispiel die Ausländerinnen- und Ausländerfrage», sagt Madlaina Caflisch, die mit schwulen Politikern aus der Schweiz und Deutschland gesprochen hat. Diese verteidigten ihre jeweilige Partei als Beschützerin queerer Menschen. Einige nutzten die LGBTIQ+-Community gar als Begründung, die Diskriminierung anderer Minderheiten zu rechtfertigen. «Konkret wurde mehrfach der Islam als homophob angeprangert ‒ deshalb sei das eigene Land vor der Islamisierung zu schützen.» Die heutige Dolmetscherin zeigt Widersprüche in den Argumentationslinien der Befragten auf. Die SVP schere sich beispielsweise wenig um ihre parteiinterne homosexuelle Vereinigung, wenn es darum gehe, politische Positionen festzulegen. Sie übergehe die GaySVP, was diese scheinbar widerstandslos hinnehme. «Es schimmert ein bisschen Resignation durch», sagt die Masterabsolventin und verweist auf die «Ist halt so»-Erklärungen der Betroffenen. Dass diese ihre Stellung auf der politischen Bühne nicht nutzen, um die Gleichstellung der LGBTIQ+-Community voranzutreiben, findet Madlaina Caflisch schade. Immerhin sei die SVP die stärkste Kraft im nationalen Parlament und habe gerade im ländlichen Raum einen grossen Einfluss. «Doch durch ihre Passivität oder gar durch Gegensteuer schaden diese homosexuellen Politiker der Sache mehr.» Auf dem Weg ins Erwerbsleben sind Jugendliche auf Hilfe angewiesen. Im Idealfall können sie auf Eltern, Lehrpersonen und Schulsozialarbeitende zählen. Diese zeigen ihnen berufliche Möglichkeiten auf, helfen bei Bewerbungen und motivieren zum Durchhalten. «Bis ans Ende der Oberstufe sind formelle Unterstützungsangebote vorhanden», sagt Nina Nussbaumer. Sie seien allerdings stark vom Engagement einzelner Personen abhängig und könnten sich von Gemeinde zu Gemeinde unterscheiden. «Die Bemühungen der primären Akteure reichen in einigen Fällen leider nicht aus», berichtet die Jugendarbeiterin. An ihrem Arbeitsort steht jeweils rund ein Drittel aller Jugendlichen, welche eine Sekundarstufe mit Grundanforderungen abschliessen, ohne Lehrstelle da. Einige sind von den hohen Anforderungen und der Menge an Entwicklungsaufgaben überfordert. Andere haben aus sozioökonomischen oder strukturbedingten Gründen nicht den gewünschten Erfolg. Gerade schulisch schwächere Teenager absolvieren oft Zwischenlösungen oder Brückenangebote. Sie sind besonders gefährdet, durch die Maschen zu fallen, wenn das formale Beziehungsnetz nach der offiziellen Schulzeit fehlt. Hier sieht Nina Nussbaumer grosses Potenzial für die offene Kinder- und Jugendarbeit. «Diese kann mit individuellem Coaching fehlende Unterstützung ersetzen.» Sie kann sich beispielsweise als Anlaufstelle für Fragen zur Berufsintegration engagieren, Arbeitstraining und Jobvermittlung anbieten oder die Infrastruktur zur Verfügung stellen, die es braucht, um Bewerbungen zu verfassen. von Eveline Rutz, Eveline Rutz

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