Menü
Logo Logo
  • DE
  • EN
  • Forschung 57
  • Research 20
  • Dossier 4
  • Interview 2
  • Andrea Söldi 4
  • Sandra Hürlimann 4
  • Jeanette Kuster 3
  • Sibylle Veigl 3
  • Eveline Rutz 2
  • Interview Sandra Hürlimann 2
  • Patricia Faller 2
  • Thomas Müller 2
  • Ümit Yoker 2
  • Abraham Gillis 1
  • Astrid Tomczak-Plewka 1
  • Claudia Sedioli 1
  • David Bäuerle 1
  • Dominik Bracher 1
  • Frank Richter 1
  • Inhalt Patricia Faller; Grafik Patrick Oberholzer 1
  • Julia Obst 1
  • Lucie MACHAC 1
  • Manuel Martin 1
  • Mathias Plüss 1
  • Nina Rudnicki 1
  • Rahel Meister 1
  • Sara Blaser 1
  • Simon Jäggi 1
  • Susanne Wagner 1
  • Susanne Wenger 1
  • Tobias Hänni 1
  • 3/2021 7
  • 1/2026 5
  • 3/2022 4
  • 4/2023 4
  • 1/2019 3
  • 1/2020 3
  • 2/2019 3
  • 3/2020 3
  • 3/2023 3
  • 4/2019 3
  • 1/2022 2
  • 1/2023 2
  • 1/2024 2
  • 2/2024 2
  • 4/2020 2
  • 1/2021 1
  • 1/2025 1
  • 2/2020 1
  • 2/2022 1
  • 2/2023 1
  • 2/2025 1
  • 3/2019 1
  • 4/2021 1
  • 4/2022 1
Aktive Filter: Kategorie: Forschung Alle Filter entfernen
Es wurden 57 Ergebnisse in 2 Millisekunden gefunden. Zeige Ergebnisse 21 bis 30 von 57.
  • «
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • »
Ergebnisse pro Seite:

Eine Schweizer Version von ChatGPT – transparenter und sicherer

So einfach nutzbar wie ChatGPT, aber mit Antworten, die nachvollziehbar sind und Vertraulichkeit gewähren. Das versprechen die Gründerinnen und Gründer von AlpineAI mit ihrem Angebot für Firmen in der Schweiz: SwissGPT soll international höchsten Anforderungen entsprechen und neben den ethischen und rechtlichen Standards auch die spezifischen Bedürfnisse mehrsprachiger europäischer Firmen berücksichtigen. Derzeit wird die überwiegende Anzahl der sogenannten Large Language Models (LLM) wie ChatGPT in den USA und China entwickelt. Die Schweizer Allianz aus Forschenden führender KI-Labore der ETH Zürich, aus Universitäten, ZHAW, Hochschule Luzern und der Privatwirtschaft will Europa auf diesem zukunftsträchtigen Markt besser positionieren. SwissGPT soll den Weg ebnen für ein eigenes Schweizer Angebot, das EU-kompatibel ist. Bei LLM handelt es sich um mathematische Modelle, die die Abfolge der Wörter nach Gesetzen der Wahrscheinlichkeit ergänzen. «LLM sind wissenschaftlich nichts Neues, aber sie machen Künstliche Intelligenz nützlich und das für eine breite Anwenderinnen- und Anwenderschicht», so Thilo Stadelmann , Mitgründer von AlpineAI und Leiter des ZHAW Centre for Artificial Intelligence , kürzlich an einer Medien­konferenz. SwissGPT basiere auf neuartigen LLM wie Falcon, dessen Wurzeln bis an die ETH Lausanne reichen. Falcon führt die wichtigsten Ranglisten mit an. Im Vergleich zu den in einer Stanford-Studie evaluierten LLM, bei denen etwa Output, Einhaltung von Urheberrechten und ökologischer Fussabdruck beurteilt wurden, schneide das Modell hervorragend ab, so Stadelmann. «Es ist unsere gemeinsame Vision, das Feld der KI voranzubringen und dabei die Rolle des Menschen hochzuhalten.» Thilo Stadelmann, Verwaltungsrat des ZHAW-Spin-offs AlpineAI und Leiter des ZHAW Centers for Artificial Intelligence In einer ersten Phase stellt AlpineAI Firmen einen sicheren Zugang zu den meistgenutzten LLM wie etwa ChatGPT zur Verfügung, der eine Anonymisierung der Anfragen mit erhöhter Privacy bietet. «Das Modell könnte man beispielsweise die His­torie eines Kunden oder die Quartalszahlen zusammenfassen lassen, ohne dass die Anfrage oder die Antwort im Internet kursiert», sagt Thilo Stadelmann. Das in der Schweiz gehostete Kernprodukt SwissGPT wird darauf ausgelegt, auf sensible, firmeninterne Daten zugreifen zu können. Eine mögliche direkte Anwendung von SwissGPT sei die KI-gestützte Beantwortung von E-Mails. Dabei sollen Userinnen und User auswählen können, was mit einer Nachricht zu tun ist – ignorieren, mit einem Standardsatz oder ausführlich beantworten. Das Modell schlägt dann alternative Inhalte vor. Weitere Produkte sollen vor allem auch in der Wissenschaft eingesetzt werden können. Die Finanzierung von AlpineAI sei gesichert, so CEO Pascal Kaufmann. Und erste Kundenanfragen gebe es bereits. Das KI-Startup sucht nun Fachpersonal etwa für LLM und Machine Learning. Das sei die grosse Herausforderung. Patricia Faller

«Eine Erbschaft kann alte Konflikte aufwärmen»

«Redet ihr in eurer Familie noch miteinander oder habt ihr schon geerbt?» Bei einer Erbschaft, so die Redensart, kommt es häufig zu Streit. Es ist ein Thema, dem der Volksmund nicht von ungefähr grosses Konfliktpotenzial zuschreibt – das zeigt die kürzlich veröffentlichte Studie «Wer (ver)erbt wie? Schweizer Erbschaftsstudie 2023» : So hoffen 91 Prozent der potenziellen Erbenden, die für diese befragt wurden, dass die Erbschaft nicht zu einem Konflikt führt. Und auch die potenziellen Erblassenden machen sich diesbezüglich Gedanken: 80 Prozent möchten einen Konflikt unter den Erbenden vermeiden – sechs Prozent befürchten, dass es trotzdem zu einem solchen kommen wird. «Der Streit ums Erbe ist selten der erste in der Familie», sagt Co-Studienautor Roland Hofmann von der ZHAW School of Management and Law (SML). «Eine Erbschaft kann alte Konflikte aufwärmen – davor haben wohl viele Angst.» Insbesondere wenn der Nachlass nicht sauber geregelt sei, könne die Erbschaft Katalysator für bestehende familiäre Spannungen sein. «Erbstreitigkeiten lassen sich in der Regel vermeiden, wenn man das Thema frühzeitig angeht», ergänzt Judith Albrecht, Leiterin Private Banking Marktgebiet Zürichsee bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Initiantin der Studie. Kern der Studie bildete eine quantitative Befragung von rund 1000 künftigen Erblassenden und potenziellen Erbenden in der Deutschschweiz. «Im Gegensatz zu früheren Studien haben wir nur solche Personen befragt, die vom Thema auch direkt betroffen sind, also vererben oder erben werden», sagt Michaela Tanner, Co-Studienautorin. Laut der wissenschaftlichen Mitarbeiterin der ZHAW-Fachstelle für Personal Finance & Wealth Management seien die Ergebnisse deshalb nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung – dafür aber umso aussagekräftiger. «Erbstreitigkeiten lassen sich in der Regel vermeiden, wenn man das Thema frühzeitig angeht.» Judith Albrecht, Leiterin Private Banking Marktgebiet Zürichsee bei der ZKB Die ZKB hat die Studie anlässlich der Erbrechtsrevision in Auftrag gegeben. «In der Schweiz war die Datenlage bislang eher dünn», sagt Stefan Reinhard, Leiter Erbschaften und Stiftungen bei der ZKB. «Wir wollten für unsere Beratungen ein besseres wissenschaftliches Fundament und das Thema Erbschaft einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.» Es ist ein Thema, das in der Schweiz eine grosse wirtschaftliche Bedeutung hat: 2022 betrug das Erbschaftsvolumen Schätzungen zufolge rund 90 Milliarden Franken – zweimal so viel, wie von der AHV jedes Jahr ausgezahlt wird. Zu dem ökonomisch bedeutsamen Thema liefert die Untersuchung neue, teilweise überraschende Erkenntnisse. Das Projektteam hat vor allem das Ausmass der Prokrastination erstaunt, die viele der Befragten bei der Nachlassplanung an den Tag legen. «Die Aufschieberitis ist weit verbreitet», sagt Roland Hofmann, Experte für Finanzplanung, Vorsorge- und Nachfolge-Themen an der Fachstelle für Personal Finance & Wealth Management. 88 Prozent finden es wichtig, den Nachlass zu regeln; 48 Prozent haben diesen Schritt aber noch nicht getan. «Die Mehrheit hat sich zwar schon Gedanken zum Thema gemacht. Bis zur konkreten Regelung vergehen aber oftmals viele Jahre.» «Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod trägt wohl dazu bei, dass das Thema auf die lange Bank geschoben wird.» Michaela Tanner, Fachstelle für Personal Finance & Wealth Management Selbst Personen, die sich beraten lassen und eine pfannenfertige Lösung haben, warten mit der Umsetzung häufig zu. «Die meisten gehen davon aus, dass sie noch genügend Zeit haben», sagt Michaela Tanner. Bloss: Niemand wisse, wie viel Zeit ihm oder ihr für die Nachlassregelung bleibe. «Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod trägt wohl dazu bei, dass das Thema auf die lange Bank geschoben wird», vermutet sie. Häufig bewege die bevorstehende Pensionierung oder ein Todesfall im nahen Umfeld die Menschen zum Handeln. Jene Befragungsteilnehmenden, die ihren Nachlass bereits geregelt haben, bleiben dabei nahe am Gesetz – auch dann, wenn sie frei über die Verteilung des Erbes entscheiden können. «Viele begnügen sich mehr oder weniger mit der gesetzlichen Standardlösung», sagt Roland Hofmann. Insbesondere bei Verheirateten scheint das Erbrecht, das mittels Pflichtteilen primär Ehepartnerinnen und -partner und Kinder begünstigt, den persönlichen Wünschen zu entsprechen: In der Befragung gaben Verheiratete deutlich seltener an, ein Testament verfasst zu haben, als nicht verheiratete Menschen. «Die Motive der Erblassenden decken sich weitestgehend mit den Vorstellungen der Erbenden.» Roland Hofmann, Fachstelle für Personal Finance & Wealth Management Unabhängig vom Zivilstand soll das Erbe für die Mehrheit der Befragten in der Familie bleiben. Die Ehepartnerin oder der Ehepartner steht bei der Verteilung grundsätzlich an erster Stelle, gefolgt von den Kindern. Allerdings gewichten Frauen und Männer diesbezüglich unterschiedlich: Männer begünstigen ihre Ehe- oder Lebenspartnerin stärker als umgekehrt, Frauen vererben den grössten Anteil ihres Vermögens an ihre Kinder. «Frauen sind bei der Heirat oft jünger und haben eine höhere Lebenserwartung, weshalb sie die Männer in vielen Fällen überleben», nennt Michaela Tanner einen möglichen Grund für diesen Unterschied. Bei Personen ohne Nachkommen oder pflichtteilgeschützte Erben sind es Lebensgefährtinnen und -gefährten, Geschwister sowie Neffen und Nichten, die begünstigt werden. «Bei dieser Personengruppe ist das Motiv, mit dem Nachlass in Erinnerung zu bleiben, stark ausgeprägt», sagt Michaela Tanner. Daneben leiten vor allem altruistische Motive die Nachlassregelung. Grosse Zustimmung erhielten in der Befragung etwa Aussagen, dass die Lebenspartnerinnen und -partner finanziell möglichst gut abgesichert sein sollen, dass das Erbe bei mehreren Kindern gerecht aufgeteilt wird oder dass die Erben das Geld nach eigenen Vorstellungen nutzen können. «Die Motive der Erblassenden decken sich weitestgehend mit den Vorstellungen der Erbenden», so Hofmann. Eine Ausnahme bilde einzig, dass es für die Mehrheit der Nachkommen wichtig sei, das Erbe im Sinne des Erblassenden weiterzuverwenden. «Diesen ist das in den meisten Fällen jedoch völlig egal.» Als häufigsten Verwendungszweck des Nachlasses gaben die zukünftigen Erbenden den Vermögensaufbau respektive die Altersvorsorge an. Allerdings wollen sich diesbezüglich nur fünf Prozent auf das Erbe verlassen – rund 90 Prozent sehen sich selbst dafür verantwortlich, für den Lebensabend ein finanzielles Polster anzulegen. Neben der Altersvorsorge gaben die Erbenden an, den Nachlass für die Erfüllung von Wünschen und Träumen, die Unterstützung von Angehörigen und Bekannten oder für den Kauf eines Hauses zu verwenden. Die Finanzierung eines Eigenheims ist mit Abstand der häufigste Grund für einen Erbvorbezug oder eine Schenkung. Und sie ist etwas, wofür mehr als die Hälfte der Befragungsteilnehmenden bereit ist, einen Teil des Vermögens noch zu Lebzeiten weiterzugeben. Insgesamt haben Vorbezüge und Schenkungen in der Schweiz einen hohen Stellenwert: Sie machen rund ein Viertel des Erbschaftsvolumens aus und entsprachen 2022 etwa 23 Milliarden Franken. Übrigens: Die Angst, dass die Erbschaft zu Streitigkeiten führt, ist grösser als die tatsächliche Konfliktrate. So haben gemäss einer früheren Umfrage in der Schweiz nur 13 Prozent der Erbenden einen Streit wirklich erlebt. Tobias Hänni

Langlebige schädliche Substanzen in Schweizer Böden

Man nennt sie «perfluorierte und polyfluorierte Alkylverbindungen» oder kurz PFAS. Sie finden sich in zahlreichen Alltagsprodukten wie zum Beispiel Reinigungsmitteln, Outdoorbekleidung oder Pfannenbeschichtungen. Die Stoffgruppe der PFAS umfasst über 10‘000 verschiedene Verbindungen. Sie wird weltweit seit Jahrzehnten in zahlreichen industriellen Prozessen und Produkten eingesetzt, insbesondere wegen ihrer wasser- und ölabweisenden Eigenschaften. Doch viele PFAS sind schwer abbaubar und lassen sich inzwischen in der Umwelt, im Regenwasser, in der Nahrungskette und sogar im Blut von Menschen nachweisen. Zu diesen toxischen «ewigen» Chemikalien hat das Departement Life Sciences und Facility Management zusammen mit Agroscope für das Bundesamt für Umwelt erstmals eine Bodenanalyse erstellt. In allen 146 Bodenproben wurden mindestens 2 von 32 analysierten PFAS-Verbindungen gefunden. Bei der Auswahl der Messflächen wurde nicht auf potenziell verschmutzte Standorte fokussiert, sondern man wählte verschiedene Regionen, Nutzungsarten und Klimazonen aus. Ein direkter Zusammenhang der Belastungskonzentration mit der Landnutzung konnte nicht festgestellt werden. Alpine Standorte wiesen zwar die niedrigsten Konzentrationen auf, dennoch fanden sich PFAS auch in abgelegenen Gebieten der Schweiz. Aufsummiert über alle 32 analysierten PFAS-Verbindungen, fanden sich in 80 Prozent der untersuchten Böden zwischen 0,5 und 4,1 Mikrogramm dieser Stoffe pro Kilogramm Boden-Trockensubstanz. Welche Gefährdung von Mensch und Umwelt von den gefundenen PFAS-Konzentrationen ausgeht, kann noch nicht abschliessend beurteilt werden. Die gemessenen Werte sind derzeit noch schwierig einzuordnen, da noch an Grenzwerten gearbeitet wird. Im Tierversuch wirken einige von ihnen leberschädigend und können eine toxische Wirkung auf das Immunsystem oder die männliche und weibliche Fortpflanzungsfähigkeit haben.

Politische Partizipation: «Momente des Anstosses» motivieren Jugendliche

Junge Menschen seien politikfaul, wird immer mal wieder öffentlich behauptet. Meist wird die unterdurchschnittliche Stimm- und Wahlbeteiligung junger Erwachsener als Beleg herangezogen. Doch das greift zu kurz, wie eine Ende 2022 veröffentlichte Studie im Auftrag der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) ergab. Bei einem weiter gefassten Begriff politischer Partizipation erweist sich eine Mehrheit befragter Jugendlicher und junger Erwachsener sehr wohl als politisch interessiert. Dies erklärt Projektleiterin Susanne Nef vom Institut für Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe am Departement Soziale Arbeit der ZHAW. Sie unterstreicht, wie vielfältig politische Partizipation ist. Zum einen gehören institutionalisierte Vorgänge wie abstimmen, wählen oder die Beteiligung an einem Jugendparlament dazu. Zum anderen zählen auch Formen wie das Engagement gegen Rassismus, eine Diskussion im Freundeskreis, das Liken einer Aussage auf Social Media oder ein bewusster Konsumentscheid dazu. Letzteres steht – im Gegensatz zum Stimm- und Wahlrecht – auch unter 18-Jährigen und Jungen ohne Schweizer Staatsbürgerschaft offen. Für Susanne Nef ist das ein bedeutender Punkt, denn es habe sich gezeigt: «Gerade Jugendliche unter 18 und junge Erwachsene ohne Schweizer Pass bezeichneten sich zunächst als politisch nicht engagiert – weil sie es mangels demokratischer Mitbestimmungsrechte gar nicht sein können.» Dass politische Mitwirkung vorab daran gemessen wird, wie häufig jemand das Abstimmungscouvert einwirft, prägt also auch die Wahrnehmung der Jungen selber. Doch aus den Studienergebnissen geht laut Susanne Nef klar hervor: «Junge Menschen sind nicht so apolitisch, wie Erwachsene meinen.» Da erkennen die Forschenden brachliegendes Potenzial. «Politik betrifft uns alle»: Diesem Satz stimmten weit über 80 Prozent von 800 online befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu. Und rund drei Viertel können sich vorstellen, sich stärker politisch zu beteiligen. Doch was bringt sie dazu, dies zu tun, und was hindert sie daran? Diesen Fragen ging die Studie nach. «Ihr wollt, dass wir uns stärker politisch engagieren – doch wenn wir es tun, werden wir von der Polizei weggetragen.» Studienteilnehmerin Ein zentrales Ergebnis lautet: Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene beteiligen sich politisch, die sich gehört und ernst genommen fühlen. Umgekehrt hemmen mangelnde Selbstwirksamkeitserfahrungen das politische Engagement, ebenso, dass dieses den Jugendlichen nicht zugetraut wird. «Viele, die sich engagieren, berichteten von einem motivierenden Moment des Anstosses», sagt Forscherin Susanne Nef. Es waren Momente, in denen Jugendliche realisierten: Ich könnte etwas verändern, und jemand glaubt, dass ich dazu fähig bin. Das kann beispielsweise eine Lehrperson sein, die Jugendliche auf eine Kompetenz anspricht, etwa auf die Fähigkeit, andere zu überzeugen. Junge Menschen lassen sich zudem von Themen politisieren, besonders von solchen, die sie selber oder ihre Generation betreffen. So sei etwa die Abstimmung über die Ehe für alle oft genannt worden, sagt Nef. Gleichstellungspolitik interessiere die Jüngeren allgemein, junge Frauen mobilisierte der grosse Frauenstreik 2019 in der Schweiz. Auch die Black-Lives-Matter-Bewegung, die Situation der Geflüchteten auf dem Mittelmeer und der Klimawandel sind wichtige Themenfelder. Gerade beim Klimathema machen Junge freilich die Erfahrung, dass ihre Partizipationsformen teilweise abgelehnt werden. Susanne Nef: «Eine Jugendliche sagte: Ihr wollt, dass wir uns stärker politisch engagieren – doch wenn wir es tun, werden wir von der Polizei weggetragen.» Ganz besonders wichtig ist die politische Bildung, wie die Studie weiter zeigt. Den Jugendlichen ist es laut der Studienleiterin ein Anliegen, dass alle den gleichen Zugang dazu haben, von der Berufsschule bis zum Gymnasium. Denn ohne ein Grundverständnis für Strukturen und Prozesse der Politik fühlen sich junge Leute oft überfordert – und nicht nur sie, wie anzufügen wäre. Fest steht: Nicht alle bekommen im Elternhaus oder in der Schule gleich viel mit. Laut Susanne Nef geht es dabei nicht allein um Wissen zu institutioneller Politik. Jugendliche wünschen sich Gelegenheiten, um politische Kompetenzen zu erwerben, von der Meinungsbildung über Quellenkritik bis zum Austausch von Argumenten. Die Auftraggeberin der Studie, die 20-köpfige EKKJ, berät als ausserparlamentarische Kommission den Bundesrat in Kinder- und Jugendfragen. Sie hat aus den Forschungsergebnissen Empfehlungen abgeleitet, um die politische Partizipation junger Menschen zu fördern. So rät sie etwa, deren Lebenswelten stärker zu beachten, Lernräume zu schaffen und politische Bildung in der Schule zu fördern. Entscheidend sei auch, «ernsthafte» Partizipation zu ermöglichen. Wissenschaftlerin Susanne Nef sagt dazu: «Nichts demotiviert junge Leute mehr, als bloss pro forma begrüsst zu werden, um bereits Entschiedenes abzunicken.» Es gelte, sie früh genug zu involvieren. Die Forschenden der Studie, an der auch das Büro «ecoconcept», die Fachhochschule Westschweiz und die Tessiner Fachhochschule SUPSI mitwirkten, gingen selbst partizipativ vor, versteht sich. Mehrfach diskutierten sie Zwischenergebnisse mit insgesamt über 150 Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dies unter anderem an fünf sogenannten Barcamps, das sind Anlässe zum Wissens- und Erfahrungsaustausch, offen für neue Ideen. Nach Abschluss der Studie bereiteten zudem ZHAW-Studierende am Departement Angewandte Linguistik Erkenntnisse für digitale Kanäle wie Facebook und LinkedIn auf. Wer jetzt denkt, das seien nicht unbedingt die von der Jugend favorisierten sozialen Medien, liegt richtig. Doch es gehe ja auch darum, die Erwachsenenwelt zu erreichen und zu sensibilisieren, sagt Forscherin Susanne Nef. Auf den Accounts der EKKJ werden dieses Jahr immer wieder Botschaften der Studie gepostet. Eine der ersten zeigt die Mädchenrechtsaktivistin Malala Yousafzai, die mit 17 Jahren den Friedensnobelpreis erhielt. Zu jung für Politik? Von wegen! Susanne Wenger

Arbeiten im Spital der Zukunft

Gerade die Corona-Krise hat verdeutlicht, wie wichtig die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist. Denn die Schweiz bewegt sich im internationalen Vergleich weiter im Mittelfeld. Beispielsweise mussten Fallzahlen zum Teil per Fax übermittelt werden. Durch die Pandemie hat sich die Digitalisierung aber auch beschleunigt. So wurden etwa Ärztinnen und Ärzte vermehrt via Internet oder Telefon konsultiert. Und verschiedene Institutionen haben verstärkt in die Digitalisierung investiert, zeigte der Digital Health Report der ZHAW. Die Spitäler sind die zentralen und kostenmässig grössten Akteure des Gesundheitswesens. «Entsprechend haben wir hier einen besonders wirksamen Hebel und können gewissermassen eine Blaupause für die digitale Transformation des gesamten Gesundheitswesens entwickeln», sagt ZHAW-Gesundheitsökonom Alfred Angerer . Moderne Organisationsformen, digitale Technologien wie Virtual Reality oder Künstliche Intelligenz sowie die Vernetzung von Abläufen und Daten sollen das Spital zu einem intelligenten System machen und Qualität und Effizienz steigern. Beispielsweise könnte der Personaleinsatz mit datenbasierten Prognosemodellen geplant oder mit Apps die körperliche Aktivität von Patientinnen und Patienten nach einem Eingriff gefördert und überwacht werden. «Mit den Spitälern könnten wir eine Blaupause für die digitale Transformation des gesamten Gesundheitswesens entwickeln.» Alfred Angerer, Gesundheitsökonomie Während dreieinhalb Jahren erforscht deshalb ein Konsortium unter der Leitung der ZHAW, wie sich diese Transformation zum Spital der Zukunft umsetzen lässt – zusammen mit vier weiteren Forschungspartnern, rund 20 Spitälern und 24 Industriepartnern. Das Flagship-Projekt «Smart Hospital – Integrated Framework, Tools & Solutions» (SHIFT) mit fast 50 Partnern verdeutlicht, dass es für systemische Innovationen eine Gesamtperspektive braucht. Eine Perspektive, die Mensch, Technik und Organisation gleichermassen berücksichtigt. Es ist das erste Mal, dass Innosuisse mit der Flagship-Initiative grössere Konsortien unterstützt, die gemeinsam an einem übergeordneten gesellschaftsrelevanten Thema arbeiten. «Die Perspektive ändert sich dabei nicht nur mit einer breiter angelegten Fragestellung, sondern auch mit der zusätzlichen Berücksichtigung der sozialen neben der ökonomischen Wertschöpfung. Dies macht es für uns besonders attraktiv, unsere Stärken im Gesundheitswesen auszuspielen», sagt Sven Hirsch , Co-Leiter von SHIFT und Leiter des Center for Computational Health an der ZHAW. Wenn beispielsweise Patienten besser behandelt würden oder das Personal sich wohler fühlt, sei diese Qualitätssteigerung ökonomisch betrachtet schwer zu beziffern. Mithilfe der Digitalisierung könnte man einzelne Patientinnen und Patienten früher aus der Klinik ins gewohnte Umfeld nach Hause entlassen und sie dennoch weiter behandeln.» Sven Hirsch, Center for Computational Health «Das ‹Smart Hospital› zeichnet sich somit unter anderem durch eine proaktivere Betreuung der Patientinnen und Patienten aus und dadurch, dass der Mensch noch stärker im Mittelpunkt der Abläufe steht», sagt Hirsch. Mit der Digitalisierung werden generell die Möglichkeiten zunehmen, Erkrankungen früher zu erkennen oder gar zu vermeiden. «Mit ihrer Hilfe können wir die Behandlung zudem noch besser auf die Patienten anpassen. So können wir zum Beispiel einzelne von ihnen früher aus der Klinik ins gewohnte Umfeld nach Hause entlassen und sie dennoch weiter behandeln», ergänzt Jens Eckstein, Internist am Universitätsklinikum Basel und Ärztlicher Leiter von SHIFT. Manuel Martin

Dem Schichtplan entkommen

Die Alarmzeichen häufen sich: Spitäler in mehreren Kantonen mussten in den letzten Monaten ihre Bettenkapazitäten reduzieren und Operationstermine verschieben, weil Pflegepersonal fehlt. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im Pflegebereich steigt und steigt. Überall werden händeringend Fachkräfte gesucht. Das Kantonsspital Luzern zum Beispiel zahlt Angestellten bis zu 1500 Franken Prämie, wenn sie bis Ende Jahr eine neue Kollegin oder einen neuen Kollegen vermitteln. Und das Regionalspital Wetzikon im Zürcher Oberland versucht, seine Festangestellten mit besseren Arbeitsbedingungen von einer Kündigung abzuhalten. Es hat die Arbeitszeit des Pflegepersonals ab Juni um zehn Prozent reduziert – bei unverändertem Lohn. «Solche Massnahmen zeigen, wie gross die Not ist», kommentiert Florian Liberatore vom Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der ZHAW. «Inzwischen füllen die Temporärkräfte aber immer kurzfristiger Lücken, die durch Ausfälle entstehen und aufgrund der vielen ausgeschriebenen Stellen, die nicht mehr besetzt werden können.» Florian Liberatore, Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der ZHAW Zugleich beobachtet Liberatore auf dem Arbeitsmarkt für Pflegefachkräfte ein weiteres Phänomen: Die traditionelle Rolle der Temporärfirmen beginnt sich zu wandeln. Bislang nutzten Spitäler und Pflegeheime die Vermittler vor allem dann, wenn eine längere Absenz wie ein Mutterschaftsurlaub absehbar war und intern niemand einspringen konnte. Oder wenn es darum ging, saisonale Schwankungen aufzufangen, zum Beispiel bei Kliniken in Skigebieten während der Winterferien. «Inzwischen füllen die Temporärkräfte aber immer kurzfristiger Lücken, die durch Ausfälle bei Krankheit oder Unfall entstehen und aufgrund der vielen ausgeschriebenen Stellen, die nicht mehr durch fest angestelltes Personal besetzt werden können», sagt der Gesundheitsökonom. Die Digitalisierung erleichtert dieses Just-in-time-Temporärgeschäft. Spezialisierte Personalverleiher haben Onlineplattformen aufgebaut, auf denen man bis 24 Stunden vor dem geplanten Einsatz eine Pflegefachkraft für eine Acht-Stunden-Schicht (oder mehrere Schichten) buchen kann. Ein Mausklick genügt – die Plattform regelt im Hintergrund alles Vertragliche und schickt der Temporärkraft die notwendigen Informationen, wann sie sich wo einzufinden hat. Der Pflegedienstleiter oder die Pflegedienstleiterin muss also nicht mehr mühsam eine Liste abtelefonieren und Leute an ihrem freien Tag zu einer Zusatzschicht überreden, wenn eine Lücke auftaucht. «Jedes Jahr steigen acht Prozent der Pflegekräfte aus dem Gesundheitsberuf aus. 45 Prozent der Pflegekräfte werden nicht in ihrem gelernten Beruf pensioniert.» Florian Liberatore, Gesundheitsökonom Der Bedarf hierfür ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Das zeigt die Temporärplattform careanesth.com , die zu den Marktführern in diesem Segment gehört. Sie vermittelte im ersten Halbjahr 2022 rund 24'000 tageweise Schichteinsätze von Pflegefachpersonal. Das entspricht etwa einer Vervierfachung des Volumens vor der Pandemie, im ganzen Jahr 2019 waren es rund 12'000 vermittelte Schichteinsätze gewesen. Andere Temporärfirmen unterhalten ähnliche Onlineplattformen. «Kaum wird ein Dienst angeboten, so ist er auch schon weggebucht – das geht im Handumdrehen», sagt Florian Liberatore. Ob jemand mit dem entsprechenden Spital vertraut sei, das Team und die Abläufe kenne, scheint im ersten Moment keine Rolle mehr zu spielen. Umso wichtiger wird deshalb die Rolle des Temporäranbieters beim Ausweis der Qualifikationen und Erfahrungen ihrer Arbeitskräfte und bei deren Assessments bei der Anstellung. Liberatore leitet ein interdisziplinäres Forschungsteam an der ZHAW, das in Zusammenarbeit mit den Universitäten Basel und Freiburg die Folgen der digital vermittelten Temporärarbeit untersucht. Auf den Vermittlungsplattformen kann eine Temporärkraft ihre Verfügbarkeiten für einzelne Schichten angeben, also dass sie beispielsweise nur am Montag- und Dienstagnachmittag gebucht werden kann. Diese Verfügbarkeiten können dann von einer Gesundheitsinstitution bis 24 Stunden vor Schichtbeginn gebucht werden. Wie sich solche Plattformangebote auf den Fachkräftemangel auswirken, ist noch ungeklärt. Der Effekt könnte negativ sein, da mehr Pflegefachpersonen in diese Arbeitsform wechseln und fortan in geringen Pensen selbstbestimmt zu attraktiven Stundenvergütungen im Gesundheitswesen arbeiten, um ihren Bedürfnissen nach Dienstplanung und der damit verbundenen Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit Rechnung zu tragen. Bloss: Dieser Effekt kommt auch dann zum Tragen, wenn die Gesundheitsinstitutionen zunehmend selbst ähnliche flexible Arbeitsmodelle anbieten. Womöglich lindert die plattformbasierte Temporärarbeit aber den Fachkräftemangel. «Wer bisher aus privaten Gründen komplett aus dem Beruf ausgestiegen wäre, arbeitet nun vielleicht reduziert weiter», sagt der Gesundheitsökonom. Denn genau das ist das Problem: Jedes Jahr steigen acht Prozent der Pflegekräfte aus dem Gesundheitsberuf aus. 45 Prozent der Pflegekräfte werden nicht in ihrem gelernten Beruf pensioniert. Ebenfalls entlastend könnte sich auswirken, dass auch Spitäler oder Heime die Technologie und Dienstleistung der Temporärfirmen für den Aufbau und den Betrieb eines eigenen Personal-Pools nutzen können. Schichtpläne erstellen ist mühselig. Es gilt, den Bedarf unter einen Hut zu bringen mit den Präferenzen der einzelnen Festangestellten, der Reservekräfte aus dem spitaleigenen Pool, der temporären Aushilfen und mit den gesetzlichen Arbeitszeitvorschriften. Oft erfolge das noch von Hand oder mit einer Excel-Tabelle, hat Liberatore beobachtet: «Das macht bei der Pflegedienstleitung schnell mal einen Tag pro Woche aus.» Eine digitale Lösung hingegen könnte im Nu einen Vorschlag für einen Schichtplan ausarbeiten. Der Mensch nimmt dann vielleicht punktuell noch ein paar Änderungen vor. Das bis 2024 laufende Projekt ist Teil des Nationalen Forschungsprogramms 77 «Digitale Transformation». Ein Impact-Modell wird die Effekte auf den Fachkräftemangel aufzeigen. Das erlaube bessere Prognosen, wenn es um die Umsetzung der Pflegeinitiative gehe, fügt Liberatore an. Das Projekt untersucht zudem die Einflüsse auf die Qualität der Pflege, um negative Auswirkungen zu reduzieren. Und ganz konkret erhalten sowohl Temporärkräfte als auch Institutionen einen Leitfaden, wie sie mit der plattformbasierten Temporärarbeit am besten umgehen. Thomas Müller

Mädchen sind Trendsetterinnen bei sozialen Netzwerken

Bei den breit genutzten sozialen Netzwerken setzen Mädchen die Trends: Sie nutzen TikTok und Pinterest deutlich früher und stärker, 2014 war dies auch schon bei Instagram der Fall. Dies zeigt die aktuelle JAMES-Studie der ZHAW und der Swisscom, für die alle zwei Jahre rund 1000 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren befragt werden. «Wenn sich dieser Trend fortsetzt, können wir die weibliche Nutzung von sozialen Netzwerken in Zukunft als Indikator für alle Jugendlichen heranziehen», sagt ZHAW-Forscher und Co-Studienleiter Gregor Waller. Soziale Netzwerke zählen weiterhin zu den wichtigsten medialen Elementen des Alltags von Jugendlichen in der Schweiz. Fast alle kommunizieren mit WhatsApp (97 Prozent mehrmals pro Woche). Zudem werden Instagram und Snapchat weiterhin am häufigsten genutzt und sind über die Jahre stabil geblieben. Eine rasante Zunahme zeigt sich bei TikTok: 67 Prozent der Jugendlichen nutzen die Plattform regelmässig (2018: 8 Prozent), wobei Mädchen die App häufiger nutzen als Jungen. Dafür sind die Jugendlichen praktisch von Facebook verschwunden. Die Tätigkeiten in den sozialen Netzwerken sind konstant geblieben. Am häufigsten werden regelmässig Beiträge anderer angeschaut (56 Prozent) und gelikt (55 Prozent) oder es werden per Chat persönliche Nachrichten geschrieben (57 Prozent). Deutlich seltener posten die Jugendlichen eigene Beiträge, und wenn, dann eher zeitlich limitierte Storys oder Snaps. Videogames sind weiterhin beliebt: 79 Prozent spielen zumindest ab und zu, wobei Jungen deutlich häufiger gamen (93 Prozent) als Mädchen (65 Prozent). Im Vergleich zu den Vorjahren hat die Anzahl der gamenden Mädchen jedoch zugenommen. Zudem vergnügen sich die jüngeren mehr damit als die älteren Jugendlichen. Am häufigsten werden Gratis-Games gespielt (60 Prozent). Kostenpflichtige Videospiele nutzen hingegen nur 35 Prozent. Für ZHAW-Forscherin und Mitautorin Lilian Suter ist dies problematisch: «Free-to-play Games sind oft nicht wirklich kostenlos, denn entweder werden die Gamerinnen und Gamer mit Werbung eingedeckt oder sie bezahlen mit ihren Daten.» Oft seien In-Game-Käufe sogar unerlässlich für den weiteren Spielfortschritt. Die Anzahl Jugendlicher, die regelmässig In-Game-Käufe tätigen, hat sich denn auch in zwei Jahren von 3 Prozent auf aktuell 8 Prozent mehr als verdoppelt. 23 Prozent der jugendlichen Gamerinnen und Gamer geben an, Altersempfehlungen regelmässig zu ignorieren. «Wenn die Heranwachsenden Qualität vor Quantität stellen, sind Freundschaften insgesamt hochwertiger geworden.» Gregor Waller, Co-Studienleiter und Co-Leiter Fachgruppe Medienpsychologie Departement Angewandte Psychologie Ein grosser Teil der Jugendlichen in der Schweiz trifft sich in der Freizeit regelmässig mit Freundinnen und Freunden (70 Prozent). Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt sich jedoch, dass die Anzahl der Freundschaften abgenommen hat. Trafen sich die befragten Jugendlichen 2012 mit sieben befreundeten Personen regelmässig, sind es 2022 noch fünf. Für Gregor Waller setzt sich damit der Trend des «Social Cocooning» weiter fort. «Die Jugendlichen treffen weniger Freundinnen und Freunde als noch vor ein paar Jahren. Wenn die Heranwachsenden im Sinne von Beziehungsminimalismus vorgehen, also Qualität vor Quantität stellen, sind die Freundschaften aber insgesamt hochwertiger.» Generell werden die Freizeitaktivitäten der Jugendlichen von Jahr zu Jahr vielfältiger und individueller. Die Bandbreite der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen ist sehr gross und reicht von TV oder Filme schauen über Sport treiben, Musik hören und gamen bis zu handwerklichen und kreativen Tätigkeiten wie zeichnen oder malen oder im Freien und in der Natur sein. Die Lieblingsmusik der Jugendlichen ist ebenfalls sehr vielfältig. Die ZHAW-Forschenden haben zum ersten Mal die beliebtesten Songs der Top-20-Musikerinnen, -Musiker und -Bands in einer Playlist für die Deutschschweiz, die Romandie und das Tessin zusammengestellt und damit die Bandbreite hörbar gemacht. «Sexuelle Belästigung und Cybermobbing bei Jugendlichen sind Grenzüberschreitungen, die in einer sensiblen Phase der persönlichen und sexuellen Entwicklung passieren.» Daniel Süss, Co-Studienleiter und stellvertretender Direktor Departement Angewandte Psychologie Sexuelle Belästigung im Internet und auch Cybermobbing haben weiter zugenommen: Fast die Hälfte der Jugendlichen wurde bereits mindestens einmal online sexuell belästigt. 2014 waren es noch 19 Prozent. Auch Beleidigungen im Internet haben über die Jahre um fast zehn Prozentpunkte zugenommen. Mädchen sind von sexuellen Belästigungen deutlich häufiger betroffen als Jungen (60 Prozent vs. 33 Prozent). Knapp die Hälfte der Mädchen wurde schon einmal von einer fremden Person aufgefordert, erotische Fotos von sich selbst zu verschicken. Die ZHAW-Forschenden sehen dringenden Handlungsbedarf. «Sexuelle Belästigung und Cybermobbing bei Jugendlichen sind Grenzüberschreitungen, die in einer sensiblen Phase der persönlichen und sexuellen Entwicklung passieren», sagt Co-Studienleiter Daniel Süss . Es brauche deshalb weiterhin ein breites und vertieftes Angebot an medienpädagogischen Massnahmen und Angeboten zur Stärkung der digitalen Selbstverteidigung. Auch Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom, findet klare Worte: «Solches Verhalten darf nicht toleriert werden. Wir geben diesem Thema an unseren Medienkursen an Schulen explizit mehr Raum, aber natürlich müssen sich auch Eltern verstärkt mit dem Problem auseinandersetzen und ihre Fürsorgepflicht wahrnehmen. Genauso, wie sie ihre Kinder im Strassenverkehr begleiten, müssen sie es auch im Internet tun.» «Das Thema Datenschutz und Privatsphäre im Netz hat sich verändert und wird zunehmend komplexer.» Lilian Suter, wissenschaftliche Mitarbeiterin Departement Angewandte Psychologie Beim Schutz der Privatsphäre im Netz werden Jugendliche nachlässiger: Gaben vor zehn Jahren noch 84 Prozent an, entsprechende Einstellungen in sozialen Netzwerken aktiviert zu haben, sind es aktuell nur noch 60 Prozent. Sorgen darüber, dass andere online persönliche Informationen sehen könnten, haben weiter abgenommen (2012: 38 Prozent; 2022: 28 Prozent). Gleichzeitig verhält sich die Mehrheit der Jugendlichen auf sozialen Netzwerken aber eher zurückhaltend und gibt öffentlich wenig von sich preis. «Das Thema Datenschutz und Privatsphäre im Netz hat sich verändert und wird zunehmend komplexer», sagt Lilian Suter. Während zu Anfangszeiten der sozialen Netzwerke darauf fokussiert wurde, welche Informationen oder Fotos man nicht öffentlich teilen sollte, werde das Thema heutzutage von Aspekten wie Cookies, Algorithmen oder Ende-zu-Ende-Verschlüsselung dominiert und stelle Jugendliche vor zusätzliche Herausforderungen.

Job-Rotation und flexible Arbeitszeitmodelle: Länger arbeiten und gesund bleiben

Mit der Abstimmung über die AHV-Revision Ende September wird in der Schweiz auch über ein höheres Rentenalter für Frauen entschieden. Es soll auf 65 angehoben und damit dem der Männer angeglichen werden. Andere Initiativen fordern Rentenalter 66 Jahre für alle oder gar eine Koppelung an die Lebenserwartung. Doch welchen Effekt hätten diese Modelle vor allem für die Gesundheit der Arbeitnehmenden? Sind Menschen am Ende ihrer Arbeitskarriere heute gesund genug, damit eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit realistisch und sinnvoll wäre? Eine Studie des ZHAW-Instituts für Public Health untersuchte anhand von repräsentativen Schweizer Daten (Schweizerisches Haushalts-Panel 1999 bis 2020) aus den vergangenen 20 Jahren den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Arbeitsmarktpartizipation bei älteren Arbeitnehmenden im Alter zwischen 50 und 65 Jahren. Analysiert wurden der Verlauf des selbst eingeschätzten Gesundheitszustandes sowie die gearbeiteten Stunden. «Die Richtung des Ursache-Wirkungs-Mechanismus zwischen Arbeitstätigkeit und Gesundheit am Ende der beruflichen Laufbahn ist komplex», sagt Studienleiterin Sonja Feer , wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Public Health . Die beiden Faktoren beeinflussten sich gegenseitig direkt, aber auch indirekt etwa über das Bildungsniveau: «Denn Menschen mit einer höheren Bildung pflegen meist einen gesünderen Lebensstil.» Bei der Analyse stellten Feer und ihr Studienteam fest, dass die Arbeitszeit bei älteren, handwerklich tätigen Personen, wie Mechanikerinnen und Mechanikern, heute schon länger ist als etwa bei vergleichbaren Altersgruppen mit Bürojobs. Zudem wurde deutlich, dass handwerklich Tätige, sobald gesundheitliche Probleme auftauchen, schlechter gestellt sind hinsichtlich der Arbeitsmarktbeteiligung, z.B. weil sie häufiger in Frührente gehen müssen, ungeachtet der finanziellen Einbussen bei den Altersersparnissen. Obwohl auch nicht handwerklich arbeitende Menschen zuweilen unter altersbedingten Beschwerden und Einschränkungen leiden, führen diese seltener zu einer reduzierten Arbeitstätigkeit oder gar einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. «Bei Bauarbeitenden mit körperlichen Beschwerden im Alter stellte sich manchmal die Frage, wie sie das verbleibende halbe Jahr bis zur Pensionierung noch bewältigen können.» Sonja Feer, Institut für Public Health Einen möglichen Erklärungsansatz für diese Unterschiede sieht Feer darin, dass es für Menschen, die auf dem Bau, in Coiffeursalons, Bäckereien oder als Reinigungskräfte arbeiten, im Gegensatz zu Büroangestellten kaum Möglichkeiten gebe, bei Krankheit oder im fortgeschrittenen Alter auf weniger belastende Tätigkeiten auszuweichen. Auch von flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Homeoffice können sie selten oder gar nicht profitieren. «New Work ist eher ein Thema für Büroangestellte», stellt Feer fest. Aus ihrer früheren Erfahrung als Physiotherapeutin weiss sie, dass bei Menschen in handwerklichen Berufen muskuloskelettale Erkrankungen für die höchste Rate an Arbeitsausfällen verantwortlich sind: «Bei Bauarbeitenden mit körperlichen Beschwerden im Alter stellte sich manchmal die Frage, wie sie das verbleibende halbe Jahr bis zur Pensionierung noch bewältigen können.» Sollten Arbeitnehmende ihre Arbeitskarrieren aufgrund der Rentenpolitik verlängern müssen, dann sei es zentral, dass jene, die gesundheitlich angeschlagen sind, unterstützt würden und bessere Arbeitsbedingungen erhielten – vor allem jene Menschen, die handwerklich tätig sind, betont die Forscherin. «Wir wollen deutlich machen, wo die Herausforderungen liegen könnten, um einer weiteren Verstärkung der gesundheitlichen Ungleichheiten bei älteren Arbeitnehmenden entgegenzuwirken.» Sonja Feer, Studienleiteriin Die evidenzbasierten Erkenntnisse aus der aktuellen Studie, die im August veröffentlicht wurde, seien als Grundlage für Diskussionen rund um die Erhöhung des Rentenalters zu verstehen, erklärt Sonja Feer. «Wir wollen deutlich machen, wo die Herausforderungen liegen könnten, um einer weiteren Verstärkung der gesundheitlichen Ungleichheiten bei älteren Arbeitnehmenden entgegenzuwirken.» Die unterschiedlichen Auswirkungen auf verschiedene Berufsgruppen sollten bei der Rentenpolitik berücksichtigt werden. Als Lösungsansätze kann sich Feer einerseits finanzielle Abfederungsmassnahmen vorstellen, damit Menschen mit niedrigen Ersparnissen und Pensionskassen-Guthaben frühzeitig in Rente gehen können, falls es ihr Gesundheitszustand erfordert. Andererseits könnten die Arbeitgebenden einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Beschäftigten leisten, indem sie Teilzeitarbeit oder Modelle wie etwa Job-Rotationen ermöglichen, bei denen Mitarbeitende immer wieder verschiedene Aufgaben und Positionen innerhalb des Betriebs wahrnehmen und so vielfältige Fähigkeiten entwickeln können, erklärt Feer: «Gerade in körperlich anstrengenden Berufen könnte dieser Ansatz hilfreich sein.» Andrea Söldi

Fertiggerichte sind besser als ihr Ruf

Die Plastikschale in die Mikrowelle schieben, die Folie wegreissen, und nach fünf Minuten steht eine vollständige Mahlzeit auf dem Tisch. Fertiggerichte sind beliebt und der Markt wächst stetig. Bereits 2019 lag der Jahresumsatz in der Schweiz bei 731 Millionen Franken und stieg im Corona-Jahr 2020 auf 823 Millionen Franken an – obwohl industriell gefertigte Menüs gemeinhin als ungesund und umweltschädlich gelten. Dieser Ruf ist aber nicht grundsätzlich gerechtfertigt, wie eine Studie der ZHAW zeigt. In den letzten vier Jahren haben Forschende des Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation (ILGI) und des Instituts für Umwelt und natürliche Ressourcen (IUNR) untersucht, wie sich Convenience-Menüs von solchen aus der Gemeinschaftsgastronomie und daheim gekochten unterscheiden. Dabei wurden die drei Zubereitungsarten bezüglich Gesundheit, Ökologie und Geschmack beurteilt. Die Studie wurde von der SV Stiftung unterstützt, der Hauptaktionärin der SV Group, welche zahlreiche Betriebe der Gemeinschaftsgastronomie führt, unter anderem die Mensen an der ZHAW. Für den Vergleich wurden ein Teigwarengericht mit Feta und Cherry-Tomaten, ein Thai-Curry mit Poulet sowie Bratwurst mit Kartoffelstock und Karotten gewählt. Es handelt sich um die Bestseller eines führenden Anbieters von Fertiggerichten in Europa, der dem Forschungsteam Rezepturen und Zutaten zur Verfügung stellte und Zugang zum Betrieb gewährte. Die Menüs wurden in der ZHAW-Küche in Wädenswil nachgekocht, einmal mit identischen Zutaten und Rezepturen und einmal mit im Supermarkt eingekauften Lebensmitteln und Rezepten aus Betty-Bossy- oder Tiptopf-Büchern – also unter typischen Bedingungen eines Privathaushaltes. Die beiden Vorgehensweisen wurden mit den Gerichten aus der Gemeinschaftsgastronomie wiederholt. Alle drei Gerichte seien grundsätzlich aus Gesundheitsperspektive nicht optimal, aber immer noch im grünen Bereich, betont Studienleiterin und Ernährungswissenschaftlerin Claudia Müller . «Sie enthalten tendenziell zu viel Fett und Salz, aber zu wenig Proteine, Kohlehydrate und Nahrungsfasern.» Die industriell hergestellten Fertiggerichte erwiesen sich, auf 100 Gramm umgerechnet, als am kalorienreichsten. Aufgrund der kleinen Portionen liegt ihr Energiewert jedoch unter den Empfehlungen von gut 700 Kalorien für eine Mittagsmahlzeit. Dies könne dazu führen, dass sie nicht ausreichend sättigen und Zwischenmahlzeiten nötig sind, sagt Müller. Wer zu Hause kocht, habe die Möglichkeit, nachzuschöpfen. Dabei bestehe jedoch die Gefahr, dass man zu viel isst. Beim Geschmack konnte die Privatküche jedoch punkten. Bei einem Testessen mit Proben, deren Herkunft nicht erkennbar waren, fiel den sieben speziell geschulten Personen auf, dass das Bratwurstgericht und das Curry aus der Haushaltsküche etwas intensiver schmeckten als die mehrere Tage bis Wochen im Kühlschrank gelagerten Mahlzeiten. Zudem fanden sie, die Peperoni und Bohnen des Haushalt-Thai-Currys sowie die Teigwaren aus der Kantine hätten mehr Biss. «Wichtig ist die Abwechslung. Fertiggerichte können durchaus gelegentlich Platz haben im Speiseplan.» Claudia Müller, Ernährungswissenschaftlerin Wer selber kocht, braucht zwar viel Zeit, spart aber Geld. Dieselbe Menge gekochte Nahrung kostet nämlich in Form von Fertiggerichten rund doppelt so viel wie das Essen aus der eigenen Küche und in der Kantine sogar rund dreimal so viel. Bei den Umwelteinflüssen hingegen schnitt die Gemeinschaftsgastronomie bei der Betrachtung gleicher Portionengrössen am besten ab. Die Vorteile bei der Kantinen-Verpflegung liegen hauptsächlich beim wegfallenden Transport und dem kleinen Foodwaste-Anteil, wie Matthias Stucki von der Forschungsgruppe Ökobilanzierung erklärt. In den Haushalten dagegen landet durchschnittlich ein Viertel der Lebensmittel im Abfall und die meisten erledigen ihre Einkäufe mit dem Auto. Diese Faktoren wurden bei den Haushaltgerichten anteilmässig eingerechnet. Bei den Industrieprodukten dagegen spielt – neben dem Transport in die Läden und danach zum Endkunden – die Verpackung eine gewisse Rolle. Kaum relevant seien jedoch die Energiekosten bei der Zubereitung, führt Stucki aus. Auch wenn Haushalte wohl pro Portion deutlich mehr Strom benötigen als Grossküchen, fällt dies lediglich mit ein bis zwei Prozent ins Gewicht. Der grösste Teil der Umweltbelastung geht sowieso aufs Konto der Zutaten, die in der Studie bei allen Varianten sehr ähnlich waren. Sie machen gut die Hälfte bis drei Viertel aus. «Am umweltfreundlichsten sind Gerichte mit wenig oder keinen tierischen Erzeugnissen», erklärt der Umweltwissenschaftler. Von den untersuchten Menüs verursacht denn auch das Bratwurst-Gericht die meisten Treibhausgase, am wenigsten das vegetarische. «Am umweltfreundlichsten sind Gerichte mit wenig oder keinen tierischen Erzeugnissen.» Matthias Stucki, Umweltwissenschaftler «Ab und zu eine Fertigmahlzeit, wenn es pressiert, ist durchaus zu verantworten», kommt Matthias Stucki zum Schluss. Wer die Umwelt schonen will, sollte vor allem pflanzliche Lebensmittel bevorzugen, ohne Auto einkaufen und dafür sorgen, dass keine Lebensmittel verschwendet werden. Auch aus gesundheitlichen Aspekten seien die Zutaten viel ausschlaggebender als die Art der Zubereitung, ergänzt Studienleiterin Claudia Müller und weist auf die vegetarischen und veganen Angebote mit höherem Gemüseanteil hin, die heute vermehrt verfügbar sind. «Industriell gefertigte Produkte sind nicht per se ungesünder als selber gekochte.» Da es bei der Verarbeitung und Lagerung von Convenience-Produkten zu Vitamin-Verlusten kommen kann, empfiehlt sie als Ergänzung frische Früchte und Gemüse. «Wichtig ist die Abwechslung. Fertiggerichte können durchaus gelegentlich Platz haben im Speiseplan.» Andrea Söldi

Handy, Games und Angst vor Harry Potter

Drinnen oder draussen spielen und Sportarten wie Fussball, Fahrradfahren und Schwimmen sind die beliebtesten nichtmedialen Freizeitbeschäftigungen von Primarschulkindern in der Schweiz. Das war zumindest vor der Corona-Pandemie so. Verglichen mit früheren Erhebungen hat sich dies kaum verändert. Auffällig ist aber die Abnahme beim Musikmachen (–27 Prozent) und beim Besuch von Kinder- und Jugend-Gruppen (–19 Prozent). «Im neuen Lehrplan 21 sind in den meisten Kantonen mehr Wochenlektionen enthalten, was zu weniger Freizeit führt», sagt ZHAW-Forscher und Co-Projektleiter Gregor Waller, der die MIKE-Studie mit dem Co-Leiter der Fachgruppe Medienpsychologie und Professor für Medienpsychologie Daniel Süss und seinem Team durchgeführt hat. Für aufwendige Hobbys, wie Musizieren oder die Teilnahme an einer Freizeitgruppe, wie Pfadi oder Jungwacht, fehle deshalb oft die Zeit. MIKE steht für Medien, Interaktion, Kinder, Eltern. Die Studie beleuchtet das Mediennutzungsverhalten von Kindern in der Schweiz und ist somit quasi «der kleine Bruder» der ebenfalls von der ZHAW durchgeführten JAMES-Studie, die auf den Medienumgang von Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren fokussiert. Für die aktuelle MIKE-Studie hat die Fachgruppe Medienpsychologie zum dritten Mal über 1000 Primarschulkinder im Alter von 6 bis 13 Jahren zu ihren Medien- und Freizeitaktivitäten befragt. In der medial geprägten Freizeit schauen die meisten Kinder ein- oder mehrmals pro Woche fern (81 Prozent), hören Musik (76 Prozent) oder Gamen (68 Prozent). Während sich das Benutzen von digitalen Geräten zu Beginn der Primarschulzeit noch in Grenzen hält, steigt es bis zum Ende kontinuierlich an. Das Handy steht dabei weit oben auf der Rangliste. Fast die Hälfte der Kinder gibt an, es mindestens einmal pro Woche zu nutzen oder ein eigenes zu besitzen. Allerdings ist der Begriff «eigenes» mit Vorsicht zu betrachten. Gemäss den Angaben der Eltern besitzt nur etwa jedes dritte Kind ein Handy. Eine Vermutung der Forschenden ist, dass es sich zum Teil um ein «Familienhandy» handelt, das mit Geschwistern geteilt wird und nur punktuell zum Einsatz kommt. Bei den benutzten Apps gibt es einen klaren Favoriten: Rund zwei Drittel der Kinder (59 Prozent der Mädchen, 73 Prozent der Jungen) in der Schweiz nutzen mindestens einmal pro Woche die Video-Plattform YouTube. Ebenfalls beliebt sind WhatsApp, Snapchat, Instagram und TikTok. Rund drei Fünftel der Mädchen und vier Fünftel der Jungen spielen mindestens einmal pro Woche Games. Fortnite steht dabei neu ganz hoch in der Gunst der Kinder. Kritisch zu betrachten ist hier laut Gregor Waller, dass der sogenannte Survival-Shooter erst ab 12 Jahren freigegeben ist und offenbar trotzdem von deutlich jüngeren Kindern gespielt wird. «Die Kinder verstehen die Gewaltszenen nicht als schädlich, sie orientieren sich an ihren Kolleginnen und Kollegen und wissen vielleicht gar nicht, dass dieses Spiel nicht für ihre Altersklasse freigegeben ist.» Zum ersten Mal wurden die Kinder in der aktuellen Studie gefragt, welche Inhalte sie verängstigen. Rund 60 Prozent der Kinder gaben beispielsweise an, dass ihnen im Fernsehen schon einmal etwas Angst gemacht hat. Genannt wurden dabei insbesondere Mord oder Tod, Gewaltszenen, Monster oder angsteinflössende Tiere. Neben der allgemeinen Nennung von Horrorszenen war der meist genannte angsteinflössende Filmtitel «Harry Potter». Dies ist gemäss Daniel Süss umso erstaunlicher, als es sich auch um den beliebtesten Film handelt. «Man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass viele Kinder ängstigende Inhalte nicht absichtlich anschauen», so der Medienpsychologe. «Sie schnappen sie auf, wenn sie mit den Eltern oder grösseren Geschwistern fernsehen oder wenn sie in der Nacht aufstehen und etwas mitbekommen, was nicht für sie gedacht ist.» Erleben Kinder beim Fernsehen Angst, wählen sie gemäss eigenen Angaben folgende Bewältigungsstrategien: Über die Hälfte der Kinder lenkt sich ab, rund zwei Fünftel sprechen mit den Eltern darüber, knapp ein Drittel macht gar nichts und ein Viertel der Kinder spricht mit Freunden darüber. Aufgrund dieser Ergebnisse schliessen die Forschenden, dass die Eltern als Ansprechpersonen noch Potenzial haben. Sie sollten noch mehr um das Vertrauen ihrer Kinder bemüht sein, und sich als eine Ansprechperson erweisen, bei der man mit seinen Ängsten und Sorgen gut aufgehoben ist. Eltern und Erziehungsberechtigte sind gemäss den Forschenden verpflichtet, für das Wohl ihrer Kinder zu sorgen. Dazu zählen sie auch, dass Kinder vor angsteinflössenden Inhalten möglichst geschützt werden. Für Kinder, die trotzdem in Kontakt mit verstörenden Szenen geraten und mit Angst darauf reagieren, müssen Eltern jederzeit ein offenes Ohr haben. Die Forschenden raten zu Gesprächen. Diese bieten eine Möglichkeit, Einblicke in die kindliche Mediennutzung zu gewinnen und dem Kind dabei zu helfen, Ängste abzubauen und verstörende Medieninhalte einzuordnen und zu verarbeiten. Die Mehrheit der Eltern ist sich der Verantwortung hinsichtlich des Medienkonsums ihrer Kinder bewusst. Um die Mediennutzung zu kontrollieren, ist das Aufstellen von Regeln die beliebteste Strategie. Geregelt wird etwa, wie lange Medien genutzt werden dürfen und welche Inhalte erlaubt oder verboten sind. Viele Eltern betonen unter anderem die Wichtigkeit von Gesprächen mit ihrem Kind über dessen Mediennutzung sowie das Aufzeigen von Alternativen zum digitalen Medienkonsum. Die Elternbefragung ist jedoch – im Gegensatz zur Kinderbefragung – nicht repräsentativ, da nur etwa die Hälfte, sowie vor allem Frauen und Personen mit höherem Bildungsstand, den Fragebogen ausgefüllt haben. «Die Corona-Krise hat vermutlich auch Auswirkungen auf den Medienkonsum und stellt viele Eltern vor Herausforderungen», erklärt Süss. Familien verbringen viel Zeit zuhause und digitale Medien sind ständig verfügbar. «Eltern sollten auch in dieser Situation auf zeitlich begrenzte Fernseh- oder Handy-Zeiten achten. Es empfiehlt sich aber, gerade im Primarschulalter, «Krisen-Regeln» zu vereinbaren, die auch lockerer sein dürfen als normal.» Wenn wieder Normalität eintritt, wird entweder neu verhandelt oder man kehrt zu den alten Regeln zurück. Wichtig ist auch, den Kindern Offline-Aktivitäten anzubieten.

  • «
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • »
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Netiquette
  • Cookies
© ZHAW
  • Home

  • Rubriken

    • Editorial

      Vorwort der Chefredaktion

    • Alumni

      Was ZHAW-Absolventinnen und -Absolventen heute machen

    • Menschen

      Wir schauen Forschenden und Dozierenden über die Schulter

    • Dossier

      Das Schwerpunktthema jeder Ausgabe

    • Forschung

      Neues aus der ZHAW-Forschung

    • Studium

      Einblick in Studienangebote

    • Interview

      Fachleute diskutieren

    • Spotlight

      Umfragen zu den Schwerpunktthemen

    • Meinung

      Standpunkte von ZHAW-Angehörigen

    • Panorama

      Vermischtes aus dem Campusleben

    • Perspektivenwechsel

      Blick nach aussen und von aussen auf die ZHAW

    • Abschlussarbeiten

      Bachelor- und Masterarbeiten im Kurzporträt

  • Suche

  • Archiv

  • Vorherige Ausgabe

  • Über das ZHAW-Impact und die ZHAW

Schliessen