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Von der Suchtberatung bis zur Spaziergeh-App

Während seines stationären Aufenthalts in einer psychosomatischen Rehaklinik für Burnout wird Marcel bereits auf seine Rückkehr in den Alltag vorbereitet. Das Fachpersonal instruiert ihn, wie er Frühwarnsymptome erkennt, mit einer App überwacht und bei einem Rückfall die Therapeutin per Online-Chat erreicht. «So kann eine weitere therapeutische Begleitung frühzeitig beginnen und nahtlos in den Alltag integriert werden», erklärt die Gesundheitswissenschaftlerin Elke Weber. Solche digitalen Gesundheitsinterventionen haben das Ziel, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu verbessern. Dazu zählen nicht nur Apps, sondern auch Websites, Online-Beratungen oder telemedizinische Plattformen, auf denen Ärztinnen und Ärzte Daten wie Röntgenbilder oder Laborwerte weiterleiten und besprechen können. «Digitale Angebote sind eine grosse Chance, um Wartezeiten auf eine Beratung zu überbrücken oder um Patientinnen und Patienten zwischen Therapiesitzungen mittels Gesundheitsedukation zu begleiten», erklärt Weber. «So kann eine weitere therapeutische Begleitung frühzeitig beginnen und nahtlos in den Alltag integriert werden.» Elke Weber, Gesundheitswissenschaftlerin Die wissenschaftliche Mitarbeiterin unterrichtet an der ZHAW das Modul «Grundlagen digitaler Gesundheitskompetenz und -interventionen». Angeboten von der Fachstelle Interprofessionelle Lehre , ist es für zukünftige Hebammen sowie angehende Fachleute für Physiotherapie, Ergotherapie, Gesundheitsförderung und Pflege zugänglich. «Dadurch haben wir die Möglichkeit, die interdisziplinäre Zusammenarbeit – die erheblich zum Erfolg einer Behandlung oder Beratung beiträgt – zu üben und zu verstehen», sagt Weber. In drei Unterrichtsteilen stärkt sie die Kompetenz der Studierenden, selbst digitale Angebote zu nutzen und zu entwickeln. Die Grundlage zu allen digitalen Interventionen bildet dabei die digitale Gesundheitskompetenz: «Wir müssen Menschen befähigen, online seriöse Gesundheitsinformationen aufzufinden, zu verstehen und für das eigene Gesundheitsverhalten zu nutzen», erklärt Weber. Die Gesundheitswissenschaftlerin beobachtet, dass die Zahl der Apps und Websites rasant ansteigt, während gerade vulnerable Gruppen wie Jugendliche oder ältere Menschen Mühe haben, vertrauenswürdige Angebote zu erkennen und davon zu profitieren. Deshalb ist es der Gesundheitsförderin ein besonderes Anliegen, dass die Studierenden verstehen, wie online Vertrauen und Akzeptanz gegenüber neuen digitalen Hilfsmitteln entstehen. Ihre Studierenden führt sie deshalb in die Online-Vertrauens- und -Akzeptanzforschung ein und lässt sie bestehende digitale Gesundheitsangebote kritisch untersuchen: Wirkt das Angebot auf mich professionell? Gibt es ein Impressum? Bringen die dort aufgeführten Leistungserbringenden entsprechende Qualifikationen mit? «Eine solche Recherche sollte der Nutzung von eHealth immer vorausgehen», sagt Weber. Die Studierenden entwickeln schliesslich in interdisziplinären Gruppen eigene Ideen für digitale Gesundheitsinterventionen, die sie auf einem wissenschaftlichen Poster präsentierten. Eine Gruppe kombinierte digitale und Präsenzangebote beispielsweise für eine Website, die Jugendliche und Schwangere mit einer Suchterkrankung informiert, aber auch sozialen Austausch über Chatfunktionen oder Narcotics-Anonymous-Treffen anbietet. «Gemeinsam gegen Einsamkeit» hiess der Vorschlag eines weiteren Teams. Es nutzte Online-Kanäle, um Rentnerinnen und Rentner für gemeinsame Spaziergänge zu begeistern. Die begleiteten Ausflüge fördern das physische und psychische Wohlbefinden, indem sie das Zugehörigkeitsgefühl stärken und neue Kontakte ermöglichen. «Im Bereich Digital Health ist eine fundierte wissenschaftliche Vorarbeit zentral, um möglichst passgenaue Angebote entwickeln zu können.» Elke Weber, Gesundheitswissenschaftlerin Die Arbeit am eigenen Projekt machte es möglich, die erworbenen Grundlagen anzuwenden und über die konkreten Bedürfnisse der Zielgruppe zu reflektieren. «Im Bereich Digital Health ist eine fundierte wissenschaftliche Vorarbeit zentral, um möglichst passgenaue Angebote entwickeln zu können», erklärt Weber. Digitale Gesundheitsinterventionen eröffnen insbesondere in ländlichen Gebieten neue Zugänge zur Gesundheitsversorgung. «Auf dem Land sind die Gesundheitsversorgung sowie die Infrastruktur tendenziell rückläufig und die Einwohnerschaft muss zunehmend längere Wege zu Gesundheitseinrichtungen auf sich nehmen», sagt Weber. Im kommenden Herbstsemester bietet sie daher ein Aufbaumodul an, das sich digitalen Angeboten für die ländliche Schweiz widmet. Dabei werden die Studierenden auch die spezifischen Ressourcen von ländlichen Gebieten analysieren. «Auf dem Land ist beispielsweise das Gemeindeleben aktiver», führt Weber aus. «Das ist eine Chance, um Menschen digitale Hilfsmittel näherzubringen und Vertrauen aufzubauen.» Stéphanie Hegelbach

Medizininformatik: Daten managen für eine bessere Gesundheit

Die Datenflut im Gesundheitsbereich nimmt ständig zu. Die Digitalisierung verspricht ein besseres Verständnis von Krankheiten und somit auch gezieltere Massnahmen zur Prävention, genauere Diagnosen und personalisierte Behandlungen. Um von den riesigen Datenmengen zu profitieren, müssen sie jedoch richtig verstanden und sinnvoll genutzt werden. Dies lernen Studierende in zwei neuen Digital-Health-Studiengängen der School of Engineering sowie des Departements Life Sciences und Facility Management . Diesen Sommer starten rund 60 Personen mit dem neuen Bachelorstudium Medizininformatik an der School of Engineering. Sie eignen sich das Rüstzeug an, um künftig an den Schnittstellen zwischen den Bereichen Medizin und Informatik zu arbeiten – etwa in Spitälern oder bei Krankenkassen. «Unsere Studierenden lernen, beide Welten zu verstehen», erklärt Thomas Järmann , Leiter Lehre am Departement. Sie programmierten in der Regel nicht selber umfangreiche und komplexe Software, passten jedoch diese zum Teil an die spezifischen Verhältnisse an und sorgten dafür, dass die gesammelten Daten von diagnostischen Tests, Medikamenten, Therapien und Operationen übersichtlich und sicher an der richtigen Stelle verfügbar sind. Während der sechs Semester im Vollzeit- beziehungsweise acht Semester im Teilzeitstudium beschäftigen sich die Studierenden unter anderem mit den Grundlagen des Gesundheitssystems und der Medizin, mit Machine Learning in der Diagnostik, Robotik im Rehabilitationsbereich, Bioinformatik und Statistik, aber auch mit Datenschutz und Ethik. Im engen Kontakt mit Branchen des Gesundheitswesens habe sich gezeigt, dass der Bedarf an entsprechenden Fachkräften gross sei, sagt Järmann. «Unsere Studierenden lernen, beide Welten zu verstehen – die der Medizin und jene der Informatik.» Thomas Järmann, Leiter Lehre an der School of Engineering Im interdisziplinären Studiengang der ZHAW unterrichten auch Dozierende der Bereiche Gesundheit, Life Sciences, Gesundheitsökonomie, Wirtschaftsinformatik und Linguistik. Ebenso divers sind die Vorerfahrungen der ersten Studierenden: Während die einen aus der Pflege oder Sozialarbeit kommen, bringen andere einen kaufmännischen Hintergrund mit und einige wenige stammen aus der Informatik. «Die Heterogenität ist eine Herausforderung», sagt Thomas Järmann. «Wir wollen aber alle Interessierten abholen.» Eine gute Vorbereitung seien die mathematischen Vorkurse der School of Engineering. Derweil sind in Wädenswil bereits vor einem Jahr 47 Personen im neuen Bachelorstudiengang Applied Digital Life Sciences gestartet und rund 50 weitere beginnen dieses Jahr. Es handelt sich schweizweit um ein einzigartiges Angebot. Die Studierenden lernen mit Big Data umzugehen, die mitten aus dem Leben stammen – etwa aus den Bereichen Pharmazie, Chemie, Biotechnologie, Landwirtschaft, Umwelt oder Gesundheitswesen. Ab dem vierten Semester tauchen sie in eine von drei Vertiefungsrichtungen ein: Digital Environment (Umweltbereich), Digital Labs and Production (Labore und Produktionsstätten unter anderem der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelbranche) oder Digital Health (Bereich Gesundheit). «Der Studiengang ist so interdisziplinär und abwechslungsreich, wie ihr späterer Berufsalltag sein wird.» Céline Reinbold, Studiengangleiterin In der Vertiefung Digital Health werden neben Konzepten für die Datenverarbeitung auch anatomische und physiologische Kenntnisse vermittelt sowie statistische Anwendungen zum Umgang mit Daten aus der Epidemiologie und Genetik. «Informatik und Naturwissenschaften halten sich ungefähr die Waage», sagt Studiengangleiterin Céline Reinbold . Genau dieses Profil sei im Gesundheitswesen vermehrt gefragt, betont die Psychologin und Hirnforscherin. «Es braucht Leute, die zwischen diesen Bereichen vermitteln können und beide Sprachen sprechen.» Typische Einsatzorte sind unter anderem Pharmakonzerne, die individuelle Krebstherapien aufgrund genetischer Profile von Patientinnen und Patienten entwickeln, oder ein Schlaflabor, wo viele medizinische Parameter gemessen und ausgewertet werden. Auch die Tiermedizin kann von Applied-Digital-Life-Sciences-Spezialistinnen und -Spezialisten profitieren: Hier wird zum Beispiel an Sensoren geforscht, welche die Vitalzeichen von Pferden erheben. Lernfähige Algorithmen bestimmen daraus anschliessend die Ovulationsphasen von Stuten. Somit können invasive Untersuchungen vermieden werden. Auch dieser Studiengang baut auf einer Zusammenarbeit mit diversen anderen Instituten der ZHAW sowie mit dem Studiengang Data Science der School of Engineering auf. Dieser Ansatz ermögliche den Studierenden einen Überblick über verschiedene Fachgebiete, erklärt Céline Reinbold. «Der Studiengang ist so interdisziplinär und abwechslungsreich, wie ihr späterer Berufsalltag sein wird.» Andrea Söldi

Neuer Studiengang: Kreislaufwirtschaft in all ihren Facetten

Kreisläufe sind im Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen der ZHAW ein zentrales Thema. Wasser aus dem Meer verdunstet, kondensiert zu Wolken, fällt als Regen auf die Erde, sammelt sich zu Seen und Flüssen und strömt zurück ins Meer: der Wasserkreislauf. Blätter fallen zu Boden, zersetzen sich, geben Nährstoffe frei und werden von den Wurzeln der Bäume und Sträucher wieder aufgenommen: der Nährstoffkreislauf. «Kreislaufwirtschaft hat für uns bisher vor allem bedeutet, Kreisläufe in Prozessen aus naturwissenschaftlicher Sicht zu optimieren», sagt Institutsleiter Rolf Krebs . «Die Wirtschaftlichkeit war da eher nachgelagert.» «Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft braucht Lösungen, die ökologisch sinnvoll sind – aber auch technisch machbar und wirtschaftlich attraktiv.» Rolf Krebs, Leiter Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Departement Life Sciences und Facility Management So wie am Departement Life Sciences und Facility Management in Wädenswil klingt es auch in anderen Abteilungen der ZHAW: Das Thema Kreislaufwirtschaft ist in den letzten Jahren zwar immer wichtiger geworden, wurde aber bisher vor allem durch die eigene Departementsbrille betrachtet. «Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft braucht aber nicht nur Lösungen, die ökologisch sinnvoll sind – sondern auch technisch machbar und wirtschaftlich attraktiv», betont der Dozent für angewandte Bodenökologie. Genau aus diesem Grund wird in diesem Herbstsemester der neue interdisziplinäre Masterstudiengang Circular Economy Management eingeführt. Geleitet wird er von Krebs gemeinsam mit Christian Zipper von der ZHAW School of Engineering und Christian Vögtlin von der ZHAW School of Management and Law. «Ressourcen sparen und Energie effizienter nutzen war schon Ende der achtziger Jahre ein Thema», sagt Christian Zipper, der Stoff- und Energieflussanalysen, Ökobilanzierung und Risikomanagement unterrichtet. Nur habe das, was wir heute Kreislaufwirtschaft nennen, damals eigentlich nur ressourcen- und energieintensive Branchen wie die Stahl- und Zementindustrie interessiert. «Im Vordergrund stand nicht die Umwelt, sondern der Wunsch, Kosten für Produktion und Entsorgung zu senken.» Seit einigen Jahren nimmt vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Debatte um die Folgen des Klimawandels und des Ressourcenverbrauchs laut dem promovierten ETH-Umweltnaturwissenschaftler in Unternehmen ganz grundsätzlich das Bewusstsein zu, dass man Rohstoffe zurückgewinnen und wiederverwerten kann und muss. «Die EU ist weiter als die Schweiz, wenn es darum geht, Produkte langlebiger, reparierbar und rezyklierbar zu machen.» Christian Zipper, Dozent für Stoff- und Energieflussanalysen, Ökobilanzierung und Risikomanagement, School of Engineering Es sind vor allem neue Gesetze und Regulierungen, die diese Entwicklung vorantreiben. «Gerade im Rahmen des Green Deal der Europäischen Union ist die Kreislaufwirtschaft ein grosses Thema», sagt Christian Vögtlin, Co-Leiter des Center for Corporate Responsibility an der School of Management and Law. Der Green Deal bündelt politische Initiativen mit dem Ziel, alle Mitgliedstaaten bis 2050 klimaneutral zu machen. Die EU ist aus seiner Sicht weiter als die Schweiz, wenn es darum gehe, das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung abzukoppeln und Produkte langlebiger, reparierbar und rezyklierbar zu machen, ergänzt Zipper. Etwa das sogenannte «Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz»: Grosse Unternehmen in Deutschland sind seit Anfang 2023 verpflichtet, nicht nur in ihren Werken faire, soziale und umweltfreundliche Bedingungen zu garantieren, sondern müssen diese entlang der gesamten Lieferkette sicherstellen. Wer also beispielsweise Bürostühle herstelle, müsse gewährleisten, dass auch der dafür verwendete Stahl oder die Baumwolle für die Stoffbezüge unter menschenwürdigen und nachhaltigen Bedingungen produziert wurden. Das Gesetz hat direkte Auswirkungen auf ein Exportland wie die Schweiz: Wer als Zulieferer für deutsche Grossunternehmen wie zum Beispiel Siemens produziert, werde diese Vorgaben künftig ebenfalls umsetzen müssen, gibt Zipper zu bedenken. «Ob es sich um einen Betrieb mit mehreren Tausend oder ein KMU mit zehn Angestellten handelt, spielt dabei keine Rolle.» «Unternehmen, die für ihre wenig nachhaltigen Praktiken bekannt sind, haben heute deutlich mehr Probleme bei der Personalsuche als früher.» Christian Vögtlin, Co-Leiter Center for Corporate Responsibility, School of Management and Law Den Wandel treiben aber nicht nur Gesetzgeber und grosse Unternehmen an, die exponierter und entsprechend grösserem Druck ausgesetzt sind und Reputationsrisiken fürchten. «Heute verlangen auch Konsumentinnen und Konsumenten immer öfter nach Produkten, die länger halten und sich reparieren lassen», sagt Vögtlin. Stellensuchende wollen nicht einfach irgendeine Arbeit, sondern eine sinnvolle Tätigkeit, die sie mit gutem Gewissen ausüben können. «Unternehmen, die für ihre wenig nachhaltigen Praktiken bekannt sind, das Dirty Business, wenn man so will, haben heute deutlich mehr Probleme bei der Personalsuche als früher.» Nicht zuletzt werde Nachhaltigkeit auch für Investorinnen und Investoren immer mehr zum entscheidenden Kriterium. So sehr die Kreislaufwirtschaft als Idee immer mehr in Unternehmen präsent ist: «An Fachkräften, die den Übergang begleiten können, fehlt es», weiss Vögtlin. Natürlich gebe es heute in vielen Betrieben bereits Nachhaltigkeitsbeauftragte. «Es braucht jedoch noch mehr Menschen, die ein transdisziplinäres und ganzheitliches Wissen über die Kreislaufwirtschaft mitbringen.» Neben technischen, wirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten und Kenntnissen sind mehr denn je auch sogenannte Soft Skills gefragt, wie der habilitierte Betriebswirtschaftler ergänzt. «Die Wende zur Kreislaufwirtschaft setzt voraus, dass Gewohntes kritisch betrachtet und neu gedacht wird.» Genau da will der neue Masterstudiengang der ZHAW in die Bresche springen. «Wir wollen Fachleute ausbilden, die über ein breites Verständnis davon verfügen, was Kreislaufwirtschaft alles bedeutet», sagt Zipper. Das heisst: Studierende setzen sich etwa vertieft mit den natürlichen Kreisläufen sowie der Endlichkeit von Ressourcen auseinander. Phosphor, zum Beispiel, sagt Krebs, werde im grossen Stil abgebaut, sei es doch zentral für die Landwirtschaft als Düngemittel. «Wenn der Rohstoff erst einmal aufgebraucht ist, fehlt die Alternative.» Beim Phosphorrecycling nehme die Schweiz übrigens weltweit eine Vorreiterrolle ein: Ab 2026 muss Phosphor hierzulande aus Abwasser, Klärschlamm oder Klärschlammasche gewonnen und als Dünger stofflich verwertet werden. Zur Ausbildung gehört auch ein Überblick über verschiedene Instrumente zur Ökobilanzierung, sie messen die Nachhaltigkeit eines Produkts auch anhand seiner Auswirkungen auf die Umwelt. So sind zum Beispiel Elektroautos nur dann klimafreundlicher als herkömmliche Fahrzeuge, wenn die Energie im Tank nicht aus Kohle, sondern aus Wasserkraft oder anderen erneuerbaren Quellen kommt. Gleichzeitig erfahren Studierende viel über Materialeigenschaften und Produktionsprozesse. Was das bedeutet, erklärt Zipper an einem aktuellen Projekt der ZHAW, einem Velohelm aus Pilzmaterial: Angehende Spezialistinnen und Spezialisten in Sachen Kreislaufwirtschaft lernten entsprechend nicht nur die Charakteristiken herkömmlicher Materialien und deren Herstellungsart kennen, sondern auch jene nachhaltigerer Alternativen: Haben Pilze dieselben Dämpfungseigenschaften wie Styropor, bessere vielleicht sogar? Wie produziert man einen biologisch abbaubaren Velohelm? Welche natürlichen Beschichtungstechnologien gibt es, damit er dem Regen standhält? Nicht zuletzt: Wie bringt man, um beim Beispiel zu bleiben, einen solchen Helm aus Naturstoffen an die Velofahrerin und den Velofahrer? Was kostet seine Herstellung und welche Transformationsprozesse muss ein Betrieb dazu durchlaufen? Was für Normen muss er erfüllen, welche Tests bestehen? Wie verdient man mit einem Pilzvelohelm letztlich auch Geld? «Die Nachhaltigkeit eines Produkts allein reicht nicht aus, damit es auf dem Markt bestehen kann», gibt Vögtlin zu bedenken. «Es muss auch dieselbe Funktionalität und Qualität haben.» Arbeit dürfte es laut den Initiatoren des neuen Studiengangs für die künftigen Absolventinnen und Absolventen mehr als genug geben: Denn wo auch immer physische Produkte hergestellt werden, seien es Hörgeräte oder Smartphones, Velohelme oder Notizblöcke, wird sich in nächster Zeit einiges ändern müssen. Ümit Yoker

Nachhaltigkeit lehren – bei Produktdesign und Green IT ansetzen

Wussten Sie, dass die Informatik mehr CO 2 verbraucht als die Luftfahrt? Wissenschaftler der englischen Universität Lancaster sind zu diesem Ergebnis gekommen. Oder dass nur 5 Prozent der Kosten eines Produkts auf dessen Entwicklung fallen – aber 80 Prozent der CO 2 -Emissionen hier bestimmt werden? Das steht in einer Publikation der Vereinten Nationen. Fakt ist: Es gibt in diesen Bereichen bezüglich Nachhaltigkeit noch viel zu tun. Zwei Lehrprojekte, die vom Sustainable Impact Program (SIP) unterstützt werden, arbeiten an vielversprechenden Lösungsansätzen. Im ersten Projekt geht es darum, einen Leitfaden zu erarbeiten, wie das Thema nachhaltige Kreislaufwirtschaft in allen studentischen Arbeiten des Institute of Product Development and Production Technologies (IPP) berücksichtigt werden kann. Es wird von Salome Berger und Jens Baier vom IPP und von Corinna Baumgartner vom Institut für Nachhaltige Entwicklung (INE) umgesetzt. Das Ziel der ergänzenden Aufgabenstellung ist eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema. Aus dieser können neue Ideen und Lösungsansätze generiert werden, welche wiederum einen kontinuierlichen Wissensaufbau am IPP mit sich bringen. Dass Nachhaltigkeit und im Speziellen das Thema Kreislaufwirtschaft im Bereich Produktentwicklung nicht nur die Reduktion von Rohstoffen und Energie bedeuten, sondern einer Vielzahl weiterer Massnahmen bedürfen, davon ist das Projektteam rund um Jens Baier überzeugt. «Unsere Vision ist es, dass Industriedesignerinnen oder Produktentwickler in ihrem Entwicklungsprozess neben Funktionalität und Kosten auch Aspekte rund um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft automatisch mitdenken.» Salome Berger, wissensschaftliche Mitarbeiterin, Institute of Product Development and Production Technologies Salome Berger sagt dazu: «Unsere Vision ist es, dass Industriedesignerinnen oder Produktentwickler in ihrem Entwicklungsprozess neben Funktionalität und Kosten auch Aspekte rund um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft automatisch mitdenken.» So kann man viel bewirken: beispielsweise die Lebensdauer verlängern, Produkte modular aufbauen und damit besser reparierbar machen oder Rohstoffe wiederverwenden beziehungsweise gar zur Erde zurückführen. Um das komplexe Thema anwendbar zu machen, wurde ein Leitfaden entwickelt, der die Studierenden und Betreuenden bei der Berücksichtigung des Themas unterstützen soll. Als Arbeitstool dient hierbei ein Miro Board. Dort gibt es verschiedene Möglichkeiten, den für sich passenden Aspekt im Bereich nachhaltiger Kreislaufwirtschaft herauszufinden. So führen beispielsweise unterschiedliche Fragestellungen direkt zu den inhaltlichen Modulen. «Diesen Leitfaden möchten wir fortlaufend mit den Erkenntnissen aus den abgeschlossenen Arbeiten füttern», sagt Corinna Baumgartner. «Die Antworten auf viele Fragen müssen nämlich erst noch gefunden werden.» Das zweite Projekt, das an der School of Engineering gefördert wird, widmet sich der Nachhaltigkeit im Informatikstudium. In seinem Lehrprojekt thematisiert Josef Spillner den CO 2 -Ausstoss von cloudbasierten Onlinediensten. Wir verfügen in Echtzeit über immer mehr Daten – doch das kostet die Rechenzentren entsprechend viel Strom. Josef Spillner hat sich also überlegt, wie ÖV-Verbindungsauskünfte ökologischer werden könnten. Er erklärt: «Die Anbieter versorgen uns bei einer Anfrage mit Infos zu Verspätungen, Anschlussverbindungen, freien Plätzen und so weiter. Eine einzelne Anfrage braucht eine winzige Einheit Energie. In der Rush Hour multipliziert sich das aber um das Hunderttausendfache. So geht es plötzlich um viel.» «Es sind wunderbare, innovative Lösungen herausgekommen. Teils bereits besser als das, was auf dem Markt derzeit verfügbar ist.» Josef Spillner, Dozent, Forschungsschwerpunkt Distributed Systems Die Informatikstudierenden setzen sich deshalb in dem Wahlmodul jeweils mit einem Thema dieser Art auseinander. Im vergangenen Herbstsemester haben neun Teams das Problem der ÖV-Verbindungsauskünfte untersucht. «Dabei sind wunderbare, innovative Lösungen herausgekommen», bilanziert Josef Spillner. Teils bis zuletzt fertiggedacht und damit bereits besser als das, was auf dem Markt derzeit verfügbar ist. Ein Ansatz, der Josef Spillner besonders gefiel, arbeitete mit dem Prinzip der Adaptivität. «Die Studierenden sahen vor, Berechnungen nur dann anzustellen, wenn sie gebraucht werden. Sind die Züge tagsüber oder nachts fast leer, braucht es etwa die Info zur Waggonbelegung nicht. Am Feierabend hingegen schon.» Viele Berechnungen basieren zudem auf einer riesigen historischen Datenmenge und müssen nicht zwingend topaktuell sein. «Solche Auswertungen könnte man in regelmässigen Abständen dann machen, wenn viel Ökostrom vorhanden ist, beispielsweise an Sonnentagen.» Beide Lehrprojekte verbindet, dass sie kein Nischenphänomen bleiben möchten. Nachhaltigkeit soll bald ein integraler Bestandteil sein, wenn innovative Lösungen gesucht werden. Von den Studierenden von heute – oder eben den Berufsleuten von morgen. Rahel Lüönd

Umweltfreundlichere Verpackungen

Wer Fleischersatzprodukte kauft, verfügt meist über ein hohes Umweltbewusstsein. Viel Verpackung, und vor allem Plastik, ist bei dieser Kundschaft verpönt. Dessen ist sich auch die Firma Planted bewusst. Das ETH-Spinoff produziert pflanzliche Nahrungsmittel aus Gelberbse, Hafer oder Sonnenblumen, die kaum zu unterscheiden sind von Pouletgeschnetzeltem oder Pulled Pork, und ist damit sehr erfolgreich. Die Portionen für Privathaushalte sind in Schalen aus rezykliertem PET erhältlich. Bei einer Online-Bestellung werden sie in einer Kartonbox mit Kühlelementen und Füllmaterial aus Altpapier geliefert. Nun will die Firma ihre Verpackungen noch umweltfreundlicher gestalten. «Dass verschiedene Fachrichtungen von Anfang an einbezogen werden, ist ein neues Vorgehen. Wir Fachleute sind oft gefangen in unserem Vorwissen.» Selçuk Yildirim, Leiter Forschungsgruppe Lebensmittelverpackung Im Rahmen des Projekts Sustainable Packaging Architecture (Sparc) haben sich Studierende nun Gedanken zu nachhaltigeren Verpackungen gemacht. Am Zurich Knowledge Center for Sustainable Development (ZKSD) diskutierten im letzten Herbst Angehörige des Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation, des Instituts für Angewandte Psychologie sowie der Zürcher Hochschule der Künste Vorschläge für zwei Projektpartner. «Dass verschiedene Fachrichtungen von Anfang an einbezogen werden, ist ein neues Vorgehen», sagt Selçuk Yildirim, Leiter der Forschungsgruppe Lebensmittelverpackung und Initiator des Projekts. Der Professor erhofft sich davon neue, unkonventionelle Ansätze. «Wir Fachleute sind oft gefangen in unserem Vorwissen.» In den drei Workshops entstand zum Beispiel die Idee, die Planted-Stücke zu vakuumieren. So würde weniger Kunststoff benötigt – sowohl im Herstellungsprozess als auch in der Endverpackung. Zudem haben die Studierenden ansprechende Kartonschachteln für die Aussenhülle gestaltet. Für den Online-Versand entwarfen sie modische wiederverwendbare Taschen und Rucksäcke aus rezyklierten LKW-Planen. Zudem führten sie Haltbarkeitstests durch. Das zweite Partnerunternehmen war die Firma Yasai , die im sogenannten Vertical-Farming-System Kräuter produziert. Die Pflanzen wachsen platzsparend in Hallen auf Regalen mit Nährlösungen. In den Verkauf gelangen die Küchenkräuter in Kartonpäcklein mit einem Kunststoff-Sichtfenster. Würde man dieses herausreissen, könnte der Karton im Prinzip rezyliert werden, sagt Selçuk Yildirim. Doch den meisten sei das wohl zu mühsam – wie bei den Teigwarenpackungen mit Sichtfenster oder den Yoghurtbechern mit Kartonhülle. «Der Grossteil dieser Verpackungen landet im Abfall.» Im Workshop entwickelten die Studierenden verschiedene Vorschläge für Kartonverpackungen ohne Sichtfenster, dafür mit perforierter, wieder verschliessbarer Öffnung und schönem Design – etwa der Zeichnung einer Rosmarin-Staude. Eine andere Idee war ein Sichtfenster, das beim Öffnen automatisch entfernt wird. Zudem entwarfen die Teilnehmenden schlichte, ästhetische Behälter, in denen die ganzen Pflanzen samt Wurzeln verkauft werden können. Würde man sie mit einer Nährlösung füllen, könnten sie zu Hause sogar weiterwachsen. Die Kundschaft könnte so auch im Winter Basilikum und Pfefferminz aus heimischer Produktion pflücken. Die Projektpartner seien bei der Schlusspräsentation sehr erfreut gewesen, sagt Yildirim. Pfannenfertige Lösungen seien aber nicht entstanden, und das sei auch nicht das Ziel gewesen. «Es ging darum, Wege aufzuzeigen und Denkprozesse anzuregen.» Die Entwicklung von Lebensmittelverpackungen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Neben der Nachhaltigkeit sind hygienische Standards ein wichtiges Kriterium. Rezyklierter Karton zum Beispiel darf nicht direkt mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, sondern muss mit einer Folie überzogen werden. Eine Verpackung sollte zudem ansprechend gestaltet sein und gut beschriftet werden können. Auch die Vermeidung von Foodwaste ist ein grosses Thema: Dabei helfen zum Beispiel wiederverschliessbare Packungen oder mehrere Abteile, die einzeln geöffnet werden können – wie etwa bei Raclette-Käse. Mit den Bestrebungen, vom Plastik wegzukommen, gewinne Karton zunehmend an Bedeutung, erklärt Yildirim. Die Forschungsgruppe Lebensmittelverpackungen arbeitet deshalb an einer Folie, die zusammen mit dem Karton rezykliert werden kann. Auch Aludosen sollen dereinst ersetzt werden durch mit Folie überzogenem Karton. Wo es nicht ohne Kunststoffe geht, sollen Materialien aus organischen Stoffen zum Einsatz kommen. Andrea Söldi

Wenn Studierende selbstständig Kranke behandeln

«Es rasselt ein bisschen», sagt Medizinstudentin Sophie Strasser zur Patientin im Spitalbett. «Sie haben immer noch ein wenig Wasser auf der Lunge.» Nicht nur die angehende Ärztin, sondern auch ein Pflegestudent und eine zukünftige Physiotherapeutin hören die ältere Frau mit dem Stethoskop ab. Nach der Visite tauschen sie sich auf dem Gang aus. Sophie Strasser legt schliesslich fest, das Medikament gegen Lungenödeme höher zu dosieren. «Schauen wir mal, ob das eine weitere Verbesserung bringt», meint sie. «Wir sind ein motiviertes Team», sagt sie später, als sie im Stationsbüro einen Bericht verfasst. «Wir geben uns gegenseitig unser Wissen weiter.» «Wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen und profitieren voneinander.» Lionel Fend, Bachelorstudent Pflege Darauf zielt das Ausbildungsmodell Zürcher interprofessionelle klinische Ausbildungsstation ZIPAS (siehe Box) ab. «Die Teilnehmenden sollen ein besseres Verständnis und eine Offenheit für andere medizinische Berufsgruppen entwickeln», sagt Seraina Beerli, stellvertretende Leiterin Berufsbildung am Kantonsspital Winterthur (KSW). «Sie sollen von- und miteinander lernen.» Am KSW sind Anfang November, als dieser Bericht entstand, sieben Studierende der Medizin, der Pflege und der Physiotherapie für zwei Zimmer auf der allgemeinmedizinischen Abteilung zuständig. Sie organisieren sich selbst und versorgen Patientinnen und Patienten eigenständig. Zur Seite stehen ihnen drei Supervisorinnen, sogenannte Facilitatorinnen. «Wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen und profitieren voneinander», sagt Lionel Fend, der an der ZHAW Pflege studiert und sein letztes Praktikum absolviert. Er hat unter anderem an den Röntgenrapporten, die sonst der Ärzteschaft vorbehalten sind, spannende Einblicke erhalten. Im Gegenzug hat er mit den künftigen Ärztinnen geübt, einen Venenkatheter zu legen und Blut abzunehmen. «Die Pflegenden haben darin mehr Routine als wir», sagt Paula von der Lage, die an der Universität Zürich Medizin studiert. An diesem Morgen nun unterstützt sie ihre Kollegin von der Physiotherapie bei einem Gehtraining. Gemeinsam gehen sie mit einer Patientin den langen Korridor entlang und eine Treppe hoch. Auf dem Rückweg übernimmt es Paula von der Lage, die betagte Frau zu sichern. «Wir geben einander bewusst Aufgaben ab», sagt sie. Die gegenseitige Wertschätzung nehme dadurch zu. Die Stichworte «Wertschätzung», «Konfliktfähigkeit» und «Kreativität» sind auch an einer Pinwand im Büro zu lesen. Sie benennen drei interprofessionelle Kompetenzen, die das ZIPAS-Team in dieser Woche besonders stark gewichtet. Am Ende des Durchgangs soll es sich in zwölf interprofessionellen Fähigkeiten verbessert haben. «Die Teilnehmenden ergänzen einander und entwickeln sich zusammen weiter», sagt Seraina Beerli. Sie hat am KSW zwei Testläufe der ZIPAS begleitet und freut sich nun über den Regelbetrieb. Jede Gruppe funktioniere anders, jede gehe ihren eigenen Weg. «Ich präsentiere keine Ideen, sondern stelle Fragen.» Vanessa Vega, Berufsbildnerin Pflege am Kantonsspital Winterthur «Die Lernenden sollen befähigt werden, selbst zu einer Lösung zu gelangen», sagt Facilitatorin Vanessa Vega, die als Berufsbildnerin Pflege am KSW tätig ist. Sie hält sich bewusst im Hintergrund. «Ich präsentiere keine Ideen, sondern stelle Fragen.» Nur wenn es um die Patientensicherheit geht, wird sie von sich aus aktiv. Sie weist etwa darauf hin, dass ein Antibiotikum intravenös abgegeben werden kann, ohne dass dafür zuerst der Katheter gespült werden muss. «Beim Spülen besteht immer ein gewisses Infektionsrisiko», erklärt sie. Die Facilitatoren müssten über ein breites Fachwissen verfügen und den Überblick behalten, sagt Marion Huber vom Departement Gesundheit der ZHAW. Sie müssten kreative Lösungen zulassen. «Die Teilnehmenden lernen, indem sie selbstgesteuert handeln und ihr Handeln reflektieren.» Marion Huber hat im ZIPAS-Projektverbund die Expertengruppe geleitet, welche die Lernziele definiert hat. Sie begleitet ZIPAS zudem wissenschaftlich und berichtet von positiven Effekten. So ist die fachübergreifende Kooperation mit besseren Handlungsabläufen und kürzeren Kommunikationswegen verbunden. Die Bürokratie nimmt ab. Das Personal schätzt den Austausch und ist motiviert. Die Patientinnen werden qualitativ hochstehend versorgt und fühlen sich sicher. Sie bleiben im Durchschnitt weniger lang im Spital, als dies auf vergleichbaren Stationen der Fall ist. Die Kosten nehmen dadurch tendenziell ab. «Die Teilnehmenden lernen, indem sie selbstgesteuert handeln und ihr Handeln reflektieren.» Marion Huber, Departement Gesundheit der ZHAW Seraina Beerli bestätigt diese Befunde aus dem Spitalalltag. «Die Patienten sind froh, wenn sie nicht immer wieder die gleichen Fragen beantworten müssen.» Doppelspurigkeiten kämen seltener vor. Positiv äussern sich auch die Teilnehmenden. «Wir werden diese Sensibilität für andere Berufsgruppen mitnehmen», sagt Lionel Fend. Er fände es gut, wenn alle Pflegestudierenden eine solche Praxiserfahrung machen könnten. «Das gegenseitige Verständnis ist enorm wertvoll», pflichtet ihm Sophie Strasser bei. Sie schätzt es, im Rahmen von ZIPAS selbstständig arbeiten und Verantwortung übernehmen zu können. Sie ist überzeugt, dass die Patienten und das Gesundheitswesen als Ganzes von mehr Vernetzung profitieren würden. Viele Fachleute betonen, dass Interprofessionalität angesichts der steigenden Kosten, der demografischen Entwicklung sowie des Fachkräftemangels gestärkt werden müsse. «Sie kann ein wichtiger Baustein sein, um diese Herausforderungen zu meistern», sagt ZIPAS-Projektleiter Gert Ulrich von Careum. Das KSW will ihr künftig noch mehr Gewicht geben. Das Spital kann sich vorstellen, auf weiteren Abteilungen ZIPAS-Stationen einzurichten. Eveline Rutz

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