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Neuorientierung: Hallo Zukunft

Zuweilen werden wir gezwungen, von heute auf morgen umzudenken, weil ­etwas nicht mehr trägt – ein ­System, eine Lieferkette oder der eigene Körper. Andere Neuorientierungen beginnen im Kleinen, mit einer Vision, aber vielen Hindernissen, weil die Umstellung aufwendig ist oder Verzicht erfordert. Forschung, Lehre und Innovation leben davon, dass wir kritisch genug sind, zu erkennen, wenn wir in einer Sackgasse angelangt sind. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, wusste Hermann Hesse. Und er hatte recht: Auch wenn es Mut und Biss braucht, das Gewohnte hinter sich zu lassen, werden wir meistens doch belohnt, denn an neuen Ideen zu arbeiten, setzt auch auf magische Art positive Energie frei. In Zeiten, die von disruptiven Technologien geprägt sind, ist Neuorientierung weniger ein Zustand als eine Haltung. Die Fähigkeit, das Alte loszulassen und die Prioritäten stets vor Augen zu haben. Wachsam zu bleiben, ist das A und O, denn: Die Zukunft wird kommen, egal, ob wir darauf vorbereitet sind oder nicht. Sara Blaser, External Publications Lead

Natürlich und künstlich

So zeigte sich zum Beispiel erst mit der Zeit, dass uns die Erfindung des Kunststoffs nicht nur viele neue Möglichkeiten eröffnet, sondern auch massive Umweltprobleme eingebrockt hat. Den optimalen Grad an künstlicher Optimierung zu finden, ist in jedem Bereich eine grosse Aufgabe. Zeitgeist, technologische Entwicklungen und gesetzliche Rahmenbedingungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Vor mehreren Jahren las ich in einem Interview mit einem Arzt die folgende Aussage: «Die Zukunft der Medizin sehe ich in der Kombination von Hightech und Naturheilkunde.» Dieser Satz ist mir seither in unterschiedlichen Kontexten immer wieder in Erinnerung gerufen worden. Ich finde, er trägt eine allgemeine Wahrheit in sich: Die besten Lösungen sind meist weder naturgegeben noch völlig vom natürlichen Zustand entkoppelt. Gefragt ist stets die richtige Balance zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen. Das Dossier «Natürlich und künstlich» widmet sich Forschungsprojekten, die diese Balance zwischen Hightech und Natürlichkeit anstreben – ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre. Sara Blaser, Chefredaktorin

Die Wissenschaft gehört allen

Der freie Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen und Forschungsdaten soll Transparenz schaffen, die Reproduzierbarkeit erhöhen und die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit verbessern. Offene Lehr- und Lernmaterialien haben das ­Potenzial, die Bildung zu demokratisieren. Insgesamt soll eine offene Wissenschaft einen Mehrwert für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft bringen. Auch die Schweizer Hochschulen verfolgen eine Open-­Science-Strategie. Die erste Etappe, in der die Förderung von Open Access im Zentrum stand, geht 2024 zu Ende. In der zweiten Etappe stehen die Forschungsdaten im Fokus. Während rund zwei Drittel der ZHAW-Publikationen bereits frei zugänglich zur Veröffentlichung gelangen, gibt es beim Thema Open ­Research Data noch einige Unsicherheiten. Je nach ­Dis­ziplin birgt nämlich der Grundsatz «So offen wie möglich, so geschützt wie nötig», an dem sich Forschende bei der Publi­kation von Forschungsdaten orientieren, unterschiedliche Herausforderungen. Was läuft an der ZHAW zu Open Science? Der generelle Wissenshub ist die Hochschulbibliothek. Wie sich das Forschungsdatenmanagement gleichzeitig zentral und dezentral organisieren lässt, wird im Projekt DSembedded untersucht. Ob sich Forschungsdaten wirklich wiederverwenden lassen, testen Studierende von mehreren Departementen im Projekt ROADS. Wie sich der Einbezug der Zielgruppe sowie der interessierten Bevölkerung positiv auswirkt, zeigen Projekte wie Mobile, Second Generation, SOLAI – Tale of Transition, TinyML oder ChirpNet. Sara Blaser, Chefredaktorin

Forschung zwischen Freiheit und Verantwortung

Den einen geht die Forschungsfreiheit zu weit, andere sehen sie bedroht. Dieses Spannungsfeld spiegelt sich auch in unserem Titelbild wider. Die geflügelte Gestalt setzt zum Höhenflug an, und Illustrator Till Martin überlässt es den Betrachtenden, wie die Leinen im Bild zu interpretieren sind. Sind es ideologische, religiöse oder staatliche Fussfesseln, die Populistinnen und Populisten den Forschenden gerne anlegen würden, aus Angst vor dem Fortschritt? Oder sind es Schutzleinen, die Forschende vor eigenen falschen Ambitionen schützen sollen, damit ihre geistigen Höhenflüge nicht wie einst bei Ikarus mit einem bösen Absturz enden? In diesem Spannungsfeld zwischen Freiheit und Grenzen bewegt sich auch die anwendungsorientierte Forschung, die Auftrag der Fachhochschulen ist. Ergebnisoffenheit, freie Methodenwahl und das Teilen von Wissen gelten auch hier als Qualitätskriterien, müssen aber in Kooperationen mit Forschungspartnern aus Wirtschaft und Institutionen immer wieder neu ausgehandelt werden. «Da Fachhochschulen nicht nur Wissen schaffen, sondern auch den Weg mit ihren Partnern bis zur Umsetzung gehen, verändern sie ganz konkret die Welt», sagt Christoph Heitz, Experte für Algorithmic Fairness an der ZHAW, im Interview. Deshalb erachtet er einen anderen wissenschaftsethischen Aspekt als mindestens ebenso wichtig wie Freiheit: die Verantwortung der Forschenden für ihr Tun und dessen Folgen aus ethischer, nachhaltiger und sozialer Perspektive. Dieses Denken muss trainiert werden, fordert er. Dann braucht man sich vor Forschungsfreiheit nicht zu fürchten. Denn Forschende wissen meist selbst am besten, wo die Risiken ihrer Forschung liegen. PATRICIA FALLER, Chefredaktorin

Ein Hoch auf die Regeneration

Ein Ort, an dem sich Reh und Reiher Gute Nacht sagen. Eine Naturoase, in der sich Flora und Fauna, aber auch der Mensch von den «Zumutungen des Lebens» erholen können. Das ist die Idee des Grafikers Till Martin fürs Titelbild zum Dossier Regeneration. Doch die Idylle ist getrübt durch einen Brückenpfeiler – Symbol für das Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur, einer Natur, die dringend regeneriert werden muss. Der Begriff Regeneration hat Hochkonjunktur. Die Wortverlaufskurve im «Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache» (DWDS) zeigt seit dem Jahr 2000 steil nach oben. Angesichts der Krisen, Kriege und Konflikte unserer Zeit nicht verwunderlich. Menschen sehnen sich nach Regeneration. Der Begriff steht für Erneuerung und Neubelebung – aktuell ein grosses Thema in vielen Lebensbereichen und eine Herausforderung für die Forschung verschiedener Disziplinen: Gefragt sind regenerative Energien, eine regenerative Landwirtschaft, regenerative Lebensmittelsysteme, regenerierte Ressourcen, regenerative Städte oder physische sowie psychische Regeneration angesichts mentaler Belastung und Dauerstress. Passend zum Dossier-Thema verzichten wir künftig auf die Recyclingfolie, wenn wir Ihnen das Magazin an Ihre Kontaktadresse schicken. Und noch eine Änderung steht an. Mit dieser Ausgabe verabschiede ich mich von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Nach 12 spannenden Jahren und 48 Ausgaben schlage ich ein neues berufliches Kapitel auf. Ich bedanke mich für Ihr stetes Interesse. Bleiben Sie neugierig und zuversichtlich in einer Zeit der Umbrüche. Und vielleicht entdecken Sie ja in den Texten der aktuellen Ausgabe oder der Foto­strecke von Conradin Frei Ideen für Ihre eigene Regeneration. PATRICIA FALLER, Chefredaktorin

Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Diversität im Werkzeugkasten

Was aber, wenn das Problem so gross ist, dass es jede Kategorie sprengt? Dann reichen einzelne Per­spektiven nicht mehr aus. Wenn kluge Köpfe aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten, ist bereits die ­Analyse der Ausgangslage besser. Während einzelne Disziplinen bei komplexen Herausforderungen nur die Spitze des ­Eisbergs sehen, befördern interdisziplinär aufgestellte Teams dank ­ihren unterschiedlichen Blickwinkeln den gesamten ­Eisberg ans Licht. Ob dieser umschifft, geschmolzen oder geknackt werden soll, gilt es, gemeinsam zu erörtern. Der Zeitaufwand für Diskussionen sei etwas, was bei interdisziplinären Projekten häufig unterschätzt werde, geben viele Forschende zu bedenken. Ein Aufwand, der sich aber bezahlt macht. Denn dort, wo unterschiedliche Perspektiven nicht nur höflich nebeneinanderstehen, sondern tatsächlich aufeinanderprallen dürfen, entstehen Lösungen, die auch unter Druck bestehen. Nicht, weil plötzlich alle dasselbe denken, sondern weil niemand mehr in den blinden Flecken der eigenen Disziplin gefangen bleibt. Und manchmal entsteht daraus etwas beinahe Magisches: eine Idee, auf die niemand allein gekommen wäre. Sara Blaser, External Publications Lead

Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihre KI

Ärztinnen und Ärzte erstellen Bilder mit Hilfe von Magnetresonanztomographie. Labore analysieren Blutwerte. Krankenkassen interessieren sich für die sportlichen Aktivitäten oder Essgewohnheiten ihrer Kundinnen und Kunden. Nicht zuletzt ist die Wissenschaft den Ursachen von Krankheiten auf der Spur, um Therapien möglichst personalisiert zu gestalten. Auch im Gesundheitsbereich fallen immer mehr Daten an. Damit die riesigen Mengen, die gemanagt und ausgewertet werden können, sind intelligente Technologien notwendig. Davon handelt unser Dossier «Digital Health». Künstliche Intelligenz (KI) soll Ärztinnen und Ärzte künftig bei der Diagnose unterstützen, die Analyse bildgebender Untersuchungsmethoden beschleunigen und verbessern, lästige Dokumentationen übernehmen oder den Gesundheitszustand von Patientinnen und Patienten überwachen. Der Einsatz von KI wirft aber auch kritische Fragen auf: Wie zuverlässig ist sie? Wem gehören die Gesundheitsdaten, mit denen sie trainiert wird? Was passiert mit den Daten? Auch an der ZHAW forschen Fachleute zu Digital Health etwa in den interdisziplinären Kompetenzzentren «ZHAW Digital Health Lab» oder «GEKONT». Denn richtig eingesetzt, können neue Technologien helfen, die Versorgung zu verbessern. Das Gesundheitspersonal könnte entlastet werden, damit mehr Zeit bleibt für die menschliche Zuwendung gegenüber Patientinnen und Patienten. Weil Fortschritt aber schon immer auch Ängste hervorgerufen hat, erinnern wir mit der historischen Bildstrecke im Dossier daran, dass früher nicht alles besser war. PATRICIA FALLER, Chefredaktorin

Was ist wirklich nötig?

Wie wäre es mit einem Velohelm aus Pilzgeflecht statt aus Kunststoff? Oder einem gebrauchten Smartphone statt eines neuen? Oder könnten Sie sich vorstellen, in einem nahezu autarken, kleinen, kreislauffähigen Haus mit Tro­cken­toilette zu wohnen statt in einem grossen Einfamilienhaus? Dies sind nur einige der Ideen von ZHAW-Forschenden, die unseren Lebensstil nachhaltiger machen könnten. Hier im Magazin stellen wir Projekte vor und geben Impulse, die dazu beitragen könnten, unseren Planeten zu retten. Denn wir leben über unseren Verhältnissen, verschlingen Ressourcen – so als hätten wir mehrere Erden zur Verfügung. Das symbolisiert auch das Titelbild von Illustrator Till Martin. Ein Leben im Überfluss galt bisher als ein gutes Leben. Künftig besteht die Kunst des guten Lebens darin, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren: Was ist wirklich nötig? Es gibt Studien, die zeigen, dass weniger Besitz glücklich macht. Verzicht bedeutet also nicht zwingend Verlust, sondern kann Mehrwert bieten. Doch wie verabschieden wir uns von der Wegwerfgesellschaft? Ein Zauberwort heisst hier Kreislaufwirtschaft. In diesem regenerativen System werden weniger Ressourcen und Energie verbraucht sowie weniger Abfall und Emissionen produziert. Vom Ökos­ystem Wald können wir lernen, was kreislauffähig heisst. Das ist nachzulesen in der zweiten Folge unserer «Impact»-­Webserie «Planetary Health», die wir diesmal auch abgedruckt haben. Beschrieben werden dort neue Wege in der Lebensmittelproduktion. Die Serie ist nicht fertig konzipiert. Sie können uns Fragen oder Ideen für «Planetary Health» senden. Wir versuchen, diese mit Forschenden fürs Webmagazin auf­zubereiten. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen gleich unten im Kommentarfeld. PATRICIA FALLER, Chefredaktorin

Ideen ganz gross denken

Viel wird darüber spekuliert, wie die sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) die Welt verändern wird – erst recht seit Chatbots wie ChatGPT ihr Können offenbaren. KI kann uns bei vielen Tätigkeiten unterstützen und anderes ganz übernehmen. Was bleibt uns Menschen da noch? Unternehmerisches Handeln gehört zu den Kompetenzen, die uns Menschen einzigartig machen: trotz Ungewissheit Entscheidungen treffen und eigene Ideen einfallsreich umsetzen. Dabei muss man kein Startup gründen, um Entrepreneurship zu leben. Kreatives Handeln ist auch in bestehenden Organisationen gefragter denn je, angesichts der Herausforderungen unserer Zeit. Die ZHAW hat sich zum Ziel gesetzt, eine führende Entrepreneurial University in der Schweiz zu werden, wie Rektor Jean-Marc Piveteau im Interview betont: «Jede Absolventin und jeder Absolvent soll einmal sagen können: Ich habe an einer Hochschule studiert, an der unternehmerisches Denken etwas sehr Wichtiges ist.» Nicht erst seit gestern fördert die ZHAW Entrepreneurial Mindset. Doch jetzt will sie einen Gang hochschalten. Die Hochschule soll zu einem Ort werden, der noch stärker Menschen anzieht, die an Herausforderungen wachsen wollen und die über Grenzen von Disziplinen hinweg gemeinsam Ideen ganz gross denken. Dass Entrepreneurinnen und Entrepreneure Menschen sind, die anpacken und Bodenhaftung beweisen, symbolisiert das Titelbild von Till Martin. Sie entwerfen, setzen Ideen um und steigen mit etwas Glück und guten Rahmenbedingungen die Treppe zum Erfolg nach oben. Wir stellen Ihnen in dieser Impact-Ausgabe junge Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen vor, die den Traum vom eigenen Startup realisiert haben. Viel Spass beim Entdecken, zu was menschliche Intelligenz alles fähig ist. PATRICIA FALLER, Chefredaktorin

Für die Energie von morgen

Auch wir stellen im Dossier die «Energiefrage» und wagen zugleich einen Blick nach vorne: Wie soll die Energie der Zukunft aussehen? Mit diesem Fokus geben wir Einblick in die vielfältige Forschung an der ZHAW. Wir zeigen, wie Lösungen für sichere, saubere und bezahlbare Energien aussehen könnten. Ohne das grosse Potenzial der Sonnenenergie zu nutzen, wird die Energiewende in der Schweiz wohl kaum gelingen. Das haben ZHAW-Forschende wie Franz Baumgartner vor zehn Jahren im Hochschulmagazin «Impact» prognostiziert. Der Studiengangleiter Energie- und Umwelttechnik sollte recht behalten. Ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien ist nötig und möglich – ohne Natur und Landschaft zu stark zu beeinträchtigen oder den Denkmalschutz auszuhebeln. Auch Illustrator Till Martin hat etwas für Sie ausgeklügelt: Sein Solar-Wäschetrockner auf dem Titelbild kommt mit der Kraft von Wind und Sonne aus und taugt obendrein zur Notfall-Energiegewinnung. Sollten Sie von Ihrer Öl- oder Gasheizung Abschied nehmen wollen, finden Sie hier im Webmagazin Tipps des ZHAW-Kompetenzzentrums für Wärmepumpen. Weil Energiesparen besser gelingt, wenn man den Energieverbrauch kennt, testen Sie Ihr Wissen beim Energie-Quiz . Und sparen Sie weiterhin mutig Energie, damit uns ungemütlichere Zeiten erspart bleiben. PATRICIA FALLER, Chefredaktorin

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