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Warum KI nach Sprachprofis ruft

Sprache hat etwas Musterhaftes: Auf einen Gruss wie «Hallo, wie geht es Ihnen?» folgt als Antwort wahrscheinlich nicht eine Frage wie «Wo ist das Klavier?», sondern ein Gegengruss wie «Hallo, gut, und Ihnen?». Dieses Musterhafte, Vorhersehbare macht menschlichen Sprachgebrauch oberflächlich leicht imitierbar, für Papageien wie für Maschinen. Sprachmodelle wie ChatGPT fertigen deshalb Texte, die beim schnellen Lesen oft klingen wie echt. Sie können sich scheinbar auch in ihr menschliches Gegenüber einfühlen, also Empathie simulieren. Das Ergebnis: Immer mehr Menschen werden von Robotern gepflegt oder leben, in ihrer Vorstellung, mit einem KI-Partner zusammen. Sogar die Kreativität ist keine rein menschliche Domäne mehr: Sprachmodelle generieren in Sekunden Tausende Versionen eines Gedichts oder einer Rede. Auch wenn sie sich voneinander unterscheiden, bauen sie doch alle auf die Muster, die KI in bestehenden Produkten ausgemacht hat. Aber wie geht es dann weiter mit den Tausenden Gedichten? Ganz einfach: Der Mensch wählt die beste Variante aus. Sinnvoller KI-Einsatz bedingt menschliches Anleiten, Auswählen und Verantworten. Nach diesem Prinzip baut das Unternehmen Autodesk in San Francisco seit 1982 alles, vom Molekül für ein Medikament bis zum Wolkenkratzer in Shanghai oder bis zur nächsten Airbus-Generation. Bei all diesen Vorhaben generiert die künstliche Intelligenz Milliarden von Varianten des Endprodukts und testet sie auf Umweltbedingungen – den Wolkenkratzer etwa auf Wind, Erdbeben, Nutzungserwartungen und mögliche Einsprachen. Wie in der Evolution werden robuste Varianten miteinander kombiniert, schwache ausgeschieden. Die Varianten, die am Ende dieses Prozesses den anderen überlegen sind, schlägt das System menschlichen Fachpersonen zur Prüfung vor. Dabei mag ein Vorschlag unter den einen Bedingungen mehr zu überzeugen, ein anderer unter anderen. Es ist am Menschen, nun die beste Variante auszuwählen sowie die Wahl zu begründen und zu verantworten. Die menschliche Intelligenz müsste sich demnach auch in Sprachberufen besonders in der Fähigkeit zeigen, so mit KI zu kooperieren. In der Praxis bedeutet das: Der Mensch ist geistig fit dafür, klare Anforderungen an Texte festzulegen und die Vorschläge der KI kritisch zu hinterfragen. Dies leisten zu können, ist so anspruchsvoll wie unabdingbar. Studierende, die sich auf Sprachberufe vorbereiten, müssen also lernen, mit KI-Werkzeugen so zu arbeiten, dass sie selbst den Textproduktionsprozess kontrollieren: Sie erteilen der Maschine präzise Aufträge und schätzen das Ergebnis ein. Das bedingt präzise Kenntnis des Gegenstands und des zielgruppengerechten Sprachgebrauchs. Dazu gehören gute Kenntnisse von Textsorten und der sprachlichen Kultur im jeweiligen Fachbereich – auch weil ein gezielter Verstoss gegen Routinen und Erwartungen etwa einem Text eine gewisse Würze und Eigenständigkeit geben kann. Mozart wusste gegen die Gestaltungsregeln seiner Zeit und Kunst zu verstossen, genau wie Picasso. So weit einige Parallelen und Vermutungen zum menschlichen Mehrwert in Sprachberufen. Aber treffen sie zu? Das Laufbahn-Monitoring der Sprach- und Kommunikationsstudiengänge der ZHAW zeigt, dass Hochschulabsolventinnen und -absolventen auch heute die Fähigkeit, gut zu schreiben, als Kernkompetenz im Sprachberuf wahrnehmen. Wo mehr und rascher übersetzt und geschrieben wird, müssen die Profis immer auch wieder selbst Hand anlegen können. Dies zum Beispiel, um mit einer markigen Formulierung aus dem Silbengerassel der Sprache der Maschine auszubrechen, die stets den Durchschnitt alles bisher Gesagten imitiert, wenn sie selbst eine einzige Lösung bringen soll. Die Hauptaufgabe für den Menschen in der Zusammenarbeit mit der Maschine besteht aber im Steuern der Sprachproduktion. Mit zielführendem Prompting kommt ein künstlich erzeugter Kommunikationsbeitrag nahe an einen guten menschlichen heran; ohne diese straffe Führung, über Kontrolle und Justierung, entgleist die Imitation. KI ist also erst mal ein Werkzeug, wie ein Rennrad, das es geschickt zu lenken gilt. Wer das Werkzeug beherrscht, kommt leichter ans Ziel. Einige befürchten nun aber: Simuliert KI das Denken und Fühlen immer besser, nähert sie sich womöglich eigenem Bewusstsein – und damit dem Status einer, so KI-Pionier Mustafa Suleyman, «digitalen Spezies». Diese digitale Spezies, so die Befürchtung, wächst der Menschheit über den Kopf, wie der Besen in Goethes Gedicht vom Zauberlehrling. Die Dystopie: Wir treten mit der KI etwas los, was wir nicht mehr kontrollieren können. Eines Tages könnten die Maschinen beschliessen, dass es die Menschheit nicht mehr braucht. Ist da was dran? Wenn der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard recht hat und auch wir Menschen einander im Leben nur «gegenseitig die Stichwörter geben», um dann immer wieder das Gleiche zu sagen … ja, dann macht KI unser rituelles, vorhersehbares Denken und Reden tatsächlich bald überflüssig. Die perfekte Imitation wäre dann nur eine Frage der Zeit. Wenn es aber einen Unterschied gibt zwischen der simulierten Kommunikation als Wahrscheinlichkeitsrechnung durch KI und einer menschlichen, absichtsvollen Kommunikation, dann ruft KI eben nach Profis, die sie zu lenken wissen. Und dann ruft mehr und bessere KI auch nach mehr und stärkerer sozialer Intelligenz beim strategischen Lenken der KI. Dieses Lenken der KI-Entwicklung reicht dabei weit über das Arbeitsfeld der IT-Fachleute hinaus, die KI-Anwendungen programmieren. Wo Hightech-Oligarchie nicht das Ziel ist, gilt, mit der australischen Expertin für Cyber Security Helen Toner gesprochen: Ethisch-rechtlich müssen wir bestimmen, wie KI reguliert wird, auch wenn es schwer vorherzusehen ist. In allen Berufen, in denen Sprache zählt, bedeutet solche Governance ganz konkret: erstens wach wahrnehmen, was Sache ist, zweitens wissen, was man will – und drittens zur Sprache bringen und umsetzen können, was man meint. Sprach- und Kommunikationskompetenz also, mehr denn je. Hören Sie diesen Beitrag als KI-generierten, aber menschlich präzise geprompteten Podcast (Beitrag auf Englisch, erstellt mit NotebookLM) (Headerbild: Adobestock/Adriana) Daniel Perrin

New Work – Die Zukunft ist jetzt

Was wäre, wenn jeder Mensch das machen würde, was er leidenschaftlich will und wozu er sich berufen fühlt? Wo die Schaffensfreude der Motivation des Herzens entspringt anstatt dem Zwang zum nächsten Karriereschritt? Die Antwort bildet den Kern der Idee der «neuen Arbeit». Diese geht zurück auf den österreichisch-US-amerikanischen Philosophen und Begründer der «New Work»-Bewegung Professor Frithjof Bergmann. Bergmann beschäftigte sich eingehend mit der philosophischen Frage nach der Freiheit des Menschen. Dabei stellte er fest, dass nichts den Menschen unfreier zu machen scheint als die Arbeit. Angesichts zunehmender Automatisierungsprozesse und digitaler Transformation stellt sich die drängende Frage, was wir tun wollen, wenn der eigene Job durch neue Technologien ersetzt wird. Oder wenn uns «Madame Corona» unverhofft das regelmässige Einkommen und damit einen Teil unserer Lebensgrundlage entzieht. Was tun wir ganz konkret? Das Coronavirus zwingt uns zu Kurz- oder unbezahlter Mehrarbeit, Job-Sharing, Zwangsferien oder Jobverlust. Dadurch entstehen wirtschaftliche Verluste, aber auch neue Möglichkeiten des digitalen Arbeitens, Zusammenlebens und Lernens. Zentrale Fähigkeiten wie Selbstorganisation und Selbstdisziplin, der flexible Umgang mit Unsicherheit, dem Unerwarteten und mit Komplexität trainieren uns sowohl in Sachen Agilität als auch Resilienz. Aber auch in Digital Literacy und Plattformökonomie: Das ist der souveräne Umgang mit den Anforderungen digital vernetzter Kommunikation auf unterschiedlichen Online-Plattformen. Spontanes extrinsisch motiviertes Aneignen digitaler Kompetenzen, die Fähigkeit der raschen Anpassung an neue Situationen und schnelle Reaktionsgeschwindigkeiten bezüglich der Erfordernisse der aktuellen Zeit sind unentbehrliche digita(gi)le Qualitäten einer lebendigen New-Work-Praxis. Flexicurity heisst das Gebot der Stunde, das für eine dynamische Balance zwischen sozialer Sicherheit und Flexibilität der Arbeit sorgen soll. Zudem sind multiple Potenzialentfaltung und unternehmerisches Mitgestalten höchst gefragt. Mitgestalten impliziert «Los-lassen» von alten überlebten Strukturen, Formen und Routinen. Erst dann können Innovationen entstehen, können vorausdenkende Start-up-Kulturen mit vernetzenden Teams erblühen, zur gesellschaftlichen Wertschöpfung beitragen und nachhal(l)tig wirken. Warum tun wir, was wir tun? Weil es wesentlich für uns ist. Das Coronavirus zeigt uns, dass wir «die Alten» und damit die Silver Society schützen wollen. Der Rückzug ins Private wirft uns auf uns selbst und die Sinnfrage zurück. Woher kommen und wohin gehen wir? Nachhaltigkeit (Neo-Ökologie) und Wir-Kultur werden zu wichtigen Werten, weil wir mehr denn je verstehen, dass wir sterbliche Wesen und letztlich auch nur Natur sind. Neue Formen der Nachbarschaftshilfe, das verstärkte Bekenntnis zu regionalen Erzeugnissen, Ansätze wie Sharing Economy, Social Business und Corporate Health spiegeln uns, dass Profitmaximierung und reines Leistungsstreben defizient geworden sind. Gefragt ist heute die gelungene Symbiose von Arbeit und Leben. Empathische Führungsintelligenz nennen es die einen, Spiritual Leadership die anderen. Im Kern geht es um Wesentliches: die einst aufgesetzten «Ego-Masken» fallen zu lassen, Menschen achtsam zu führen und für das Warum hinter dem Offensichtlichen zu begeistern. Dies erzeugt und erfordert eine Kultur der Offenheit, um neue Freiräume auszuloten, in denen Kreativität, Experimentierfreude und Innovationen gedeihen können. Kommunikations-, Netzwerk- oder Kollaborationskompetenzen, gepaart mit empathischer Motivation, spiritueller Intuition und emotionaler Intelligenz, gehören zu den transformationsstarken Kulturtechniken und Leadership-Skills einer bewusstseinswandelnden New-Work-Kultur. Vorreiterinnen und Vorbilder sind die Frauen, die – im Übrigen nicht erst seit heute – in der Care-Arbeit, also in der Pflege, federführend sind. In Zeiten von Corona halten sie das System an vorderster Front, an den Kassen im Supermarkt, aufrecht. Sie ermöglichen den Zugang zum Wesentlichen, den Nahrungsmitteln, damit wir weiterleben können. Corona wird den Female Shift exponentiell weiter mit dem Womanomics-Virus infizieren und den Diskurs über Gender Diversity und Female Leadership ankurbeln. Denn die faire Integration und Entlöhnung von Frauen in den Führungsriegen von Wirtschaft, Gesundheit, Politik und Gesellschaft ist wesentlich. Wie tun wir, was wir tun? Die Corona-Krise macht es sichtbar: Was, warum und wie wir arbeiten, wird im Sekundentakt neu verhandelt. Bergmanns kühnen Worten zur neuen Arbeit folgen jetzt konkrete Taten. Co-Working und Coopetition verschmelzen zum dynamischen Co-Making von einstigen Konkurrenten, die jetzt ihre Kräfte bündeln (müssen), anstatt den alten Kampf um kluge und kreative Fachkräfte fortzuführen. Unkonventionelle Kollaborationsformen, die vor wenigen Monaten nicht denkbar gewesen wären, sind heute Realität. Talentismus ist das Zauberwort für die neue ökonomische und soziale Währung und gesamtgesellschaftliche Wertschöpfung. Wirtschafts- und Kultursysteme müssen sich den Talentstrukturen anpassen, nicht umgekehrt. Das zeigt sich auch in der Maker-Szene. Getreu dem Motto «Do it yourself» und «Help yourself» lautet deren «How to»-Parole: Nicht lange warten, sofort anfangen und schauen, wie es läuft. Darin werden wir jetzt alle geschult, ob wir wollen oder nicht. Smart Work ist die Devise, um gemeinschaftlich der Corona-Krise zu trotzen. #staythefuckhome und #alonetogether im Smart Home Office oder #smarthomeschooling sind jene Praktiken, die jetzt Leben retten. Flexible Arbeitsmodelle wie Work-Life-Blending (kluge Verbindung von Berufs- und Privatleben) und Home Office allein kreieren zwar noch keine neue Arbeitswelt, legen aber den Samen für den Wandel, denn Smart Work bleibt auch nach der Krise ein Gebot. Doch wer entscheidet letztlich über Qualität und #howtohomeoffice? Die Experten oder vermeintlich minderbemittelte neue Influencer? Von wem wollen wir was lernen und warum? Ob #homeschooling zu #unschooling mutiert, #homestudying und #distancelearning zum neuen Standard werden, wird sich zeigen. Fest steht: Alle werden sich gleichermassen im ökonomischen Kampf um Aufmerksamkeit wie auch im kreativen Spiel und in der Freude am lebenslangen Lernen beweisen und wandeln müssen, und das permanent. Wichtig bleibt die Zufriedenheit im Job – und damit auch die Produktivität und Wertschöpfung – durch eine Arbeit, die Sinn stiftet, mehr Spass und frei macht. So wie es Frithjof Bergmann gemeint hat. Birgitta Borghoff

Planetary Health Folge 7: Metasynthese in der Lebensmittelproduktion

Seit den Anfängen der Landwirtschaft verlassen wir uns auf die Photosynthese, das Sonnenlicht, den Boden und das Wasser, um das zu erzeugen was uns ernährt. Dieses System der Lebensmittelproduktion ist aber sowohl anfällig als auch ressourcenintensiv. Was wäre, wenn wir uns aus dieser Abhängigkeit befreien könnten? Hier kommt die Metasynthese auf den Plan, ein revolutionäres Verfahren, das die traditionellen biologischen Systeme der Lebensmittelproduktion umgeht und es uns ermöglicht, Lebensmittel auf völlig neue Weise herzustellen. Durch Technologien wie die CO₂-basierte Proteinproduktion, die Fermentation mit erneuerbarer Energie und die Nutzung mikrobieller Prozesse bietet die Metasynthese einen Einblick in eine Zukunft, in der Lebensmittel synthetisiert statt angebaut werden. Unternehmen wie Solar Foods und Calysta demonstrieren bereits die Realisierbarkeit dieser Technologien und versprechen ein nachhaltigeres und widerstandsfähigeres Lebensmittelsystem. Das heutige globale Nahrungsmittelsystem ist stark von traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken abhängig, die mit erheblichen Umweltkosten verbunden sind. Die Landwirtschaft ist für etwa 26 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich und eine der Hauptursachen für Entwaldung, Wasserverknappung und für etwa 70 % des Verlusts an biologischer Vielfalt. Industrielle Anbaumethoden, die durch die Notwendigkeit angetrieben werden, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, haben zu Bodendegradation, Kontamination von Wasserquellen und Verlust von Ökosystemen geführt. Darüber hinaus ist das System zunehmend anfällig für den Klimawandel. Steigende Temperaturen, unvorhersehbare Wetterlagen und Dürren bedrohen die Ernteerträge und die Ernährungssicherheit, insbesondere in Regionen, die von der Subsistenzlandwirtschaft abhängig sind. Da die Weltbevölkerung bis 2050 voraussichtlich fast 10 Milliarden Menschen erreichen wird, verstärkt sich dieser Druck weiter. Metasynthese bietet durch die Umgehung der natürlichen Prozesse der Landwirtschaft die Möglichkeit, nicht nur den ökologischen Fussabdruck der Lebensmittelproduktion zu verringern, sondern auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen. Eines der vielversprechendsten Beispiele für Metasynthese in der Lebensmittelproduktion stammt von Solar Foods, einem finnischen Unternehmen, das ein Verfahren zur Herstellung eines proteinreichen Produkts namens Solein entwickelt hat. Solein wird in einem Verfahren hergestellt, bei dem aus der Luft, Wasser und erneuerbarer Elektrizität gewonnenes CO₂ verwendet wird, um Mikroben in einem Bioreaktor zu züchten. Die Mikroben wandeln das CO₂ durch Fermentation in Protein um, ähnlich wie Hefepilze Zucker in Alkohol umwandeln. Das Revolutionäre an Solein ist, dass es unabhängig von landwirtschaftlichen Flächen, Sonnenlicht oder Wetterbedingungen produziert werden kann. Mit anderen Worten: Es kann überall auf der Welt hergestellt werden, unabhängig vom lokalen Klima oder der Bodenqualität. Laut Solar Foods hat Solein das Potenzial, mit 100-mal weniger Wasser und deutlich weniger Treibhausgasemissionen als die traditionelle Tierhaltung produziert zu werden. Diese Technologie könnte sich besonders in Regionen als vorteilhaft erweisen, in denen die Landwirtschaft schwierig ist, wie z. B. in Wüsten oder städtischen Umgebungen. Calysta, ein weiterer wichtiger Akteur in diesem Bereich, arbeitet an einem ähnlichen Verfahren, bei dem Methan-metabolisierende Bakterien zur Proteinproduktion eingesetzt werden. Ihr Produkt FeedKind ist in erster Linie als alternatives Futtermittel für Aquakulturen und Nutztiere konzipiert, aber die zugrunde liegende Technologie könnte auch zur Produktion von Proteinen für den menschlichen Verzehr angepasst werden. Ein entscheidender Vorteil der Metasynthese ist ihre Fähigkeit, die Lebensmittelproduktion zu entterritorialisieren und die Abhängigkeit von Land und natürlichen Ökosystemen effektiv zu durchbrechen. Die traditionelle Landwirtschaft benötigt riesige Mengen an Ackerland, was oft zur Entwaldung und Zerstörung von Lebensräumen führt, um Platz für Ackerbau und Viehzucht zu schaffen. Dieser Prozess der Landnutzungsänderung hat verheerende Folgen für die Biodiversität und trägt durch die Freisetzung von in Wäldern und Böden gespeichertem Kohlenstoff erheblich zum Klimawandel bei. Durch die Verlagerung der Lebensmittelproduktion in kontrollierte Umgebungen wie Bioreaktoren ermöglicht uns die Metasynthese, die Beziehung zwischen Nahrung und Land neu zu überdenken. Dies öffnet die Tür für eine Renaturierung – die Wiederherstellung von Ökosystemen, die durch die Landwirtschaft geschädigt wurden. Wenn wir keine Wälder mehr für Ackerland roden oder Weiden nicht mehr mit Vieh überweiden müssen, können wir der Natur erlauben, diese Flächen zurückzuerobern, wodurch neue Möglichkeiten für Biodiversität und Kohlenstoffbindung entstehen. Das Potenzial für eine Renaturierung ist besonders in Regionen von Bedeutung, in denen die Ausweitung der Landwirtschaft zu einer erheblichen Entwaldung geführt hat, wie z. B. im Amazonas-Regenwald. Durch den Wegfall der flächenintensiven Viehzucht oder des Sojaanbaus könnte die Metasynthese dazu beitragen, die Entwaldung zu verlangsamen und die Erholung geschädigter Ökosysteme zu ermöglichen. Diese Verlagerung stellt ein tiefgreifendes Umdenken über die Umweltauswirkungen der Lebensmittelproduktion dar und könnte eine der wichtigsten Möglichkeiten sein, wie die Metasynthese zur Nachhaltigkeit beiträgt. Trotz ihres Potenzials sieht sich die Metasynthese in der Lebensmittelproduktion mit mehreren berechtigten Kritikpunkten und Herausforderungen konfrontiert. Diese Technologien bieten zwar spannende Möglichkeiten, stecken aber noch in den Kinderschuhen, und es ist fraglich, ob sie so skaliert werden können, dass sie den Anforderungen einer Weltbevölkerung gerecht werden. Technologische Machbarkeit und Energieintensität: Die Herstellung von Lebensmitteln durch Metasynthese, insbesondere in Bioreaktoren, die mit erneuerbarer Elektrizität betrieben werden, ist derzeit energieintensiv. Kritiker argumentieren, dass dieser Prozess zwar den Land- und Wasserverbrauch reduzieren könnte, aber das Energienetz zusätzlich belasten könnte. Während die Welt auf eine Dekarbonisierung ihres Energiesystems zusteuert, besteht die Sorge, dass die Nutzung erneuerbarer Elektrizität für den Anbau von Lebensmitteln mit anderen kritischen Verwendungszwecken konkurrieren könnte, wie z. B. der Stromversorgung von Haushalten oder Elektrofahrzeugen. Darüber hinaus haben Unternehmen wie Solar Foods und Calysta zwar den Machbarkeitsnachweis erbracht, doch die Skalierung dieser Systeme zur Lebensmittelproduktion auf globaler Ebene erfordert massive Investitionen in die Infrastruktur. Die Entwicklung kostengünstiger und energieeffizienter Bioreaktoren ist unerlässlich, wenn die Metasynthese zu einer gängigen Lösung für die Ernährungssicherheit werden soll. Wirtschaftliche Tragfähigkeit: Die hohen Kosten für die Entwicklung und Instandhaltung von Systemen zur metasynthetischen Lebensmittelproduktion sind ein weiterer Grund zur Sorge. Während die traditionelle Landwirtschaft von jahrhundertelanger Verfeinerung und Investitionen profitiert hat, ist die Metasynthese ein neues und relativ unerprobtes Feld. Es bleibt abzuwarten, ob diese Technologien mit der traditionellen Landwirtschaft konkurrieren können, insbesondere in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu fortschrittlicher Technologie. Öffentliche Wahrnehmung und Akzeptanz: Eine der subtileren Herausforderungen der Metasynthese ist die öffentliche Wahrnehmung. Für viele Menschen mag die Vorstellung von Lebensmitteln, die in einem Labor oder Bioreaktor angebaut werden, unattraktiv sein, insbesondere im Vergleich zu den tief verwurzelten kulturellen und emotionalen Assoziationen mit der traditionellen Landwirtschaft. Um die Verbraucher davon zu überzeugen, Produkte wie Solein oder FeedKind zu akzeptieren, sind öffentliche Aufklärung und ein Umdenken in Bezug auf Lebensmittel erforderlich. Darüber hinaus könnten Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Regulierung von im Labor hergestellten Lebensmitteln die Einführung metasynthetischer Produkte verlangsamen. Die Regierungen müssen solide regulatorische Rahmenbedingungen entwickeln, um sicherzustellen, dass diese neuen Lebensmittel sicher, nahrhaft und für alle zugänglich sind. Mögliche Monopolisierung von Lebensmittelsystemen: Ein weiterer Grund zur Sorge ist die potenzielle monopolistische Übernahme metasynthetischer Lebensmittelsysteme durch Unternehmen. Wenn die Lebensmittelproduktion von dezentralen, lokalen Farmen auf einige wenige grosse Bioreaktoranlagen übergeht, die von Grossunternehmen betrieben werden, besteht die Gefahr, dass die Kontrolle über die Lebensmittelressourcen in den Händen einiger weniger konzentriert wird. Dies könnte die globale Ungleichheit verschärfen und neue Formen der Ernährungsunsicherheit in Regionen schaffen, die keinen Zugang zu diesen Technologien haben. Die Metasynthese wirft wichtige ethische Fragen zur Zukunft der Lebensmittelproduktion auf. Wenn wir uns von der traditionellen Landwirtschaft abwenden und synthetische Lebensmittel essen, was bedeutet das für ländliche Gemeinden, landwirtschaftliche Kulturen und die Beziehung zwischen Mensch und Natur? Die Landwirtschaft hat die menschliche Gesellschaft seit Jahrtausenden geprägt, und ein Wandel hin zur Metasynthese könnte die Art und Weise, wie wir leben und mit der Umwelt interagieren, grundlegend verändern. Darüber hinaus könnte die Enträumlichung der Lebensmittelproduktion sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Einerseits könnte sie den Druck auf die Ökosysteme verringern und eine Renaturierung sowie die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt ermöglichen. Andererseits könnte sie Millionen von Landwirten und Landwirtinnen verdrängen, insbesondere in Entwicklungsländern, deren Lebensunterhalt oft von der Landwirtschaft abhängt. Auf dem Weg zu einer Welt, in der die Metasynthese eine grössere Rolle in der Lebensmittelproduktion spielt, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Vorteile dieser Technologien gerecht verteilt werden. Dies erfordert eine durchdachte Regulierung, öffentliches Engagement und die Verpflichtung, diese Innovationen für alle zugänglich zu machen. Gisela und Tilo Hühn

Planetary Health Folge 6: Exponential Food Technology – Lebensmittelherstellung neu gedacht

Wir stehen an der Schwelle zu einer Ära, in der die Lebensmittelproduktion nicht nur schneller und effizienter wird, sondern auch smarter und umweltfreundlicher. Die Grundlage für diese Revolution bildet ein Zusammenspiel aus fortgeschrittenen Verarbeitungstechnologien, Datenanalytik und Künstlicher Intelligenz. Damit dies Realität wird, braucht es eine Änderung des Bewusstseins, des Denkens und nichts weniger als die Neuerfindung unseres Ernährungssystems. Diese Exponential Food Technology steht nicht nur für die Steigerung der Produktionskapazität, sondern auch für die Verbesserung der Qualität und den Schutz der Umwelt. Sie leitet eine neue Ära ein, in der Lebensmittel nicht nur produziert, sondern smart kreiert werden – massgeschneidert für die Bedürfnisse und Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten und den Erhalt unseres Planeten. Exponential Food Technology ist ein interdisziplinärer, datengesteuerter Ansatz, der bestehende und neue Verarbeitungstechnologien mit den Entwicklungen im Bereich des maschinellen Lernens, der Echtzeit-Analytik und der Sensortechnologien nutzt, um von einem standardisierten zu einem kategorisierten System der Lebensmittelproduktion überzugehen. Ein standardisiertes System führt zum Ausschluss, wenn die geforderten Parameter nicht erfüllt werden. Das Produkt kann dann nur noch als Tierfutter oder für Biogas verwendet werden oder endet als Food Waste. Im Gegensatz dazu können bei einer Kategorisierung Verarbeitungsparameter und die Formulierung des Endproduktes innerhalb bestimmter Grenzen angepasst werden, sodass das Produkt weiterhin als Lebensmittel für Menschen fungieren kann. Dieser innovative und flexiblere Rahmen erleichtert den Übergang von statischen Rezepten zu dynamischen Kompositionen, die auf Echtzeit-Datenanalysen und Präferenzen der Kundinnen und Kunden basieren. Mit dem Ersetzen der traditionellen Chargenverarbeitung (Batch, ein Rezept, welches diskontinuierlich verarbeitet wird) durch kontinuierliche Verarbeitungsmethoden steigert diese Technologie die Effizienz (z. B. Zeit, Ertrag, Platz, Arbeitskräfte) exponentiell, reduziert den Abfall und verbessert den Gehalt wertgebender Inhaltsstoffe (durch Vermeidung von Zeit-, Temperatur-, Oxidationsstress für empfindliche Substanzen). Durch diese synergetischen Verbesserungen steht die Technologie für ein anpassungsfähiges, selbstoptimierendes Netzwerk, das in der Lage ist, die Lebensmittelproduktion auf die sich wandelnden Verbraucherwünsche und Nachhaltigkeitsziele auszurichten und gleichzeitig nichtlineare, überproportionale Fortschritte bei Geschwindigkeit, Qualität, Kapazität, Vereinfachung und Kosten zu ermöglichen. Das System lässt sich an regionale Unterschiede und Trends anpassen, aber auch an die Verfügbarkeit verschiedener Rohwaren, die aufgrund von Klimaveränderungen immer stärker schwankt. In der Kakaoverarbeitung wendet unser Forschungsteam diese Technologie zum ersten Mal überhaupt im Lebensmittelbereich an. Die Extraktionsprozedur bei vergleichsweise niedrigeren Temperaturen begünstigt die Bewahrung des primären Aromas, welches die spezifischen Eigenschaften der Kakaobohnen wie Sorte, Region und Jahrgang des Ausgangsmaterials repräsentiert. Hierbei kommen ausschliesslich physikalische Prozesse zum Einsatz und kein anderes Lösungsmittel als Wasser. Indem Wasser eingesetzt wird, wird die Konzentration der Essigsäure und anderer unerwünschter flüchtiger Säuren erheblich vermindert. Bitter- und Gerbstoffe können abgetrennt oder so verändert werden, dass die Komposition im Endprodukt zielgruppenspezifisch angepasst werden kann. Dadurch wird es möglich, die Genussfähigkeit im Hinblick auf die Harmonieempfindung mit wenig Zuckerzusatz zu realisieren. Bei dem Verfahren gewinnt man vier essenzielle Elemente: Kakaobutter, Aroma, Kakaopulver und Kakao-Trockenextrakt. Diese Komponenten können weiterhin in verschiedenen Konfigurationen verarbeitet werden, um eine Vielfalt von Lebensmitteln und Functional Food herzustellen. Zudem ermöglicht die Extraktion eine zusätzliche Wertschöpfung, indem sie die breitere Akzeptanz und Verwendung aller erzeugten Produkte fördert. Insbesondere wird dies dadurch erreicht, dass die im konventionellen Prozess teilweise thermisch zerstörten monomeren Polyphenole, welche eine wichtige Rolle in der gesundheitlichen Wirkung von Kakao und kakaohaltigen Produkten spielen, gerettet werden. Den Ort der Umsetzung dieser neuartigen Anwendungen nennen wir «Labtory» – eine Verschmelzung der Begriffe «Laboratory» (ein Ort des Experimentierens und der Innovation) und «Factory» (ein Ort der Produktion). Eine «Labtory» ist also sowohl ein Ort der wissenschaftlichen Entdeckung und technologischen Entwicklung als auch ein Ort der effizienten Produktion und Herstellung. Ein Ort, an dem exponentielle Lebensmitteltechnologien nicht nur entwickelt und getestet, sondern gleichzeitig zur Herstellung von Lebensmitteln in grossem Massstab eingesetzt werden. Durch die Kombination dieser beiden Konzepte impliziert das Wort «Labtory» einen integrierten Ansatz für die Lebensmittelproduktion, der die Entwicklung der Exponential Food Technology vorantreibt. Ein weiteres exponentielles Verfahren sind pflanzliche Zellkulturen. Die Erforschung der Energiegewinnung und -umwandlung in zellulären Organismen hat das innovative Paradigma der «delegierten Photosynthese» hervorgebracht. Zunächst betreiben Pflanzen Photosynthese, um ein spezialisiertes komplexes Nährmedium herzustellen. Dieses Medium dient dann als Grundlage in einem Bioreaktor, in dem pflanzliche Zellkulturen (z. B. Kakao oder Avocado) ein weiteres molekulares Upcycling durchführen. Interessanterweise wird dieser Prozess in beiden Stufen verfeinert, wobei die territorial gebundenen Pflanzen vom Feld primäre Photosynthese-Produkte liefern und die nachfolgenden Zellkulturen die Nährstoffzusammensetzung für den menschlichen Verzehr verbessern. Die aktuellen Erkenntnisse unterstreichen das Potenzial der «delegierten Photosynthese» bei der Bewältigung globaler Ernährungsprobleme und stellen ein Modell vor, das die menschliche Ernährung revolutionieren könnte. Die entwickelten Verfahren zur Medienherstellung und zur Vermehrung pflanzlicher Zellkulturen sind mit der kontinuierlichen Verarbeitung umfänglich kompatibel. Exponential Food Technology ist mehr als nur eine neue Methode – es ist ein Paradigmenwechsel, der uns auf eine Reise mitnimmt, bei der jeder Schritt, jede Innovation und jede Verfeinerung Teil eines grösseren Ganzen ist: der Schaffung eines resilienten, nachhaltigen und gesunden Ernährungssystems für den Planeten und seine Bewohnerinnen und Bewohner. Gisela und Tilo Hühn

Planetary Health Folge 10: Nutrition as a Service: Gesundheit beginnt bei der Mahlzeit 

Was wäre, wenn wir Menschen nicht erst behandeln, wenn sie krank sind, sondern so ernähren, dass sie gesund bleiben? Nutrition as a Service ist der Versuch, Ernährung in die Infrastrukturen der Zukunft einzuschreiben – nicht als Kostenfaktor oder Lifestyleentscheidung, sondern als systemrelevante Voraussetzung für Gesundheit, Resilienz und planetare Tragfähigkeit. Im Diskurs um die Planetary Health Diet wurde vielfach das Was betont: pflanzenbasiert, weniger Fleisch, lokale Kreisläufe. Doch mindestens ebenso entscheidend ist das Wie. Wie organisieren wir Zugang zu gesunder Ernährung? Wie personalisieren wir Empfehlungen, ohne neue Ungleichheiten zu schaffen? Und wie skalieren wir Qualität in einem System, das bislang auf Quantität optimiert ist? Hier setzt «Nutrition as a Service» (NaaS) an – als Brücke zwischen individuellem Gesundheitswissen und automatisierter Umsetzung. Da der oder die persönliche Leibköchin mit ausgeprägter Präventionskompetenz eine Utopie bleibt, eröffnen sich an der Schnittstelle zwischen Wearables und weiteren Gesundheitsdaten neue Geschäftsfelder der individualisierten Gemeinschaftsgastronomie. Oder, im Privaten durch den Einsatz von Culinary Processing Units als multifunktionale Küchenassistenten mit verknüpfter Ernährungsoptimierung aufgrund bereitgestellter Gesundheitsdaten über eine sichere Cloud. NaaS verbindet persönliche Gesundheitsdaten wie Genetik, Mikrobiom und Metabolismus mit digitaler Intelligenz. Plattformen analysieren diese Informationen, berechnen daraus personalisierte Ernährungsprofile und leiten sie an automatisierte Küchen weiter. Roboter bereiten daraus individuell abgestimmte Gerichte zu – präzise, skalierbar und mit gleichbleibender Qualität. Durch Echtzeitfeedback, etwa über Sensorik in Wearables, wird diese Ernährung fortlaufend angepasst. Was dem Menschen guttut, wird nicht mehr theoretisch vermutet, sondern konkret umgesetzt. Eine Möglichkeit das Mind Behavior Gap zu überwinden. So entsteht ein Ernährungssystem, das sich anpasst, statt normiert, das begleitet, statt vorschreibt – und das Gesundheit als einen dynamischen Prozess versteht, der nicht punktuell, sondern kontinuierlich gepflegt werden muss. NaaS ist damit ein stiller Paradigmenwechsel: weg von standardisierter Ernährung für Durchschnittsmenschen, hin zu einer individuellen Gesundheitsversorgung, die beim Essen beginnt. Gleichzeitig eröffnet NaaS systemische Potenziale: Wenn Ernährung präventiv wirkt, entlastet sie langfristig die Gesundheits- und Sozialsysteme. Wenn automatisierte Prozesse Lebensmittelverschwendung reduzieren, wird gleichzeitig die ökologische Bilanz verbessert. Und wenn personalisierte Empfehlungen zu höherer Selbstwirksamkeit und mehr Genuss führen, dann entsteht eine neue Kultur des Essens: eine, die Verantwortung, Achtsamkeit und Freude verbindet. Die Planetary Health Diet reflektiert einen global anschlussfähigen Zielkorridor für gesunde und zugleich nachhaltige Ernährung. Sie versteht sich als Balance zwischen ökologischer Belastbarkeit und menschlicher Gesundheit. Doch um diese Balance praktisch umzusetzen, braucht es Systeme, die Komplexität reduzieren, Entscheidungen begleiten und Alltagstauglichkeit schaffen. Hier bietet NaaS eine operative Ergänzung: Es übersetzt die normative Idee der Planetary Health Diet in konkrete individuelle Handlungsvorschläge. Es schafft eine dynamische Passung zwischen globalem Orientierungswissen und lokaler, persönlicher Umsetzung. So kann die Planetary Health Diet nicht nur als Leitbild bestehen, sondern als infrastrukturelle Praxis wirksam werden – skalierbar, anschlussfähig und adaptiv. Aber was genau kommuniziert NaaS eigentlich? Wenn wir den Begriff durch die systemische Brille betrachten, dann wird klar: Es handelt sich nicht nur um eine technische Dienstleistung, sondern um eine neue Form der Selbstbeschreibung des Ernährungssystems. Dieses System beobachtet sich selbst und entwickelt dabei neue Erwartungsstrukturen. Es irritiert sich. Denn NaaS steht auf der Schwelle zwischen funktional differenzierten Systemen: Gesundheit, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Umwelt und Technologie. Jedes dieser Systeme arbeitet mit einem eigenen Code – gesund/krank, zahlen/nicht zahlen, wahr/unwahr, legal/illegal, erhaltend/zerstörend, funktional/dysfunktional – und NaaS versucht, diese Codes temporär zu koppeln, ohne sie aufzuheben. Diese Kopplung erzeugt Spannungen. Während das Gesundheitssystem auf langfristige Stabilität zielt, ist das Wirtschaftssystem auf kurzfristige Zahlungsbereitschaft angewiesen. Die technologische Infrastruktur verspricht Effizienz, muss sich jedoch gegenüber politischen und ethischen Massstäben legitimieren. Ernährung wird damit zum Kommunikationsmedium für Risiken, Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten – allerdings nicht in einem neutralen Sinne, sondern immer innerhalb eines bestimmten Systems, das seine Umwelt beobachtet. Dass Ernährung nun datenbasiert, personalisiert und automatisiert wird, ändert nicht die operative Geschlossenheit der beteiligten Systeme – aber es verschiebt ihre wechselseitigen Irritationen. So wird aus Ernährung ein Risikobegriff: Wer sich «falsch» ernährt, verursacht Kosten. Wer sich «richtig» ernährt, handelt verantwortungsvoll. Diese Moralität ist keine objektive Wahrheit, sondern Ergebnis von Kommunikation – mit entsprechenden Folgewirkungen für Teilhabe, Zugang und Selbstdeutung. Nutrition as a Service könnte daher als Versuch gelesen werden, die Kommunikation über Ernährung zu stabilisieren, indem sie technische Infrastrukturen anbietet, die individuelle Entscheidungen als Systemerwartungen operationalisieren. Die zentrale Unterscheidung verschiebt sich: Nicht mehr gesund/ungesund, sondern passend/unpassend zum Profil. Der Körper wird zur Datenquelle, die Ernährung zur adaptiven Antwort auf algorithmisch erzeugte Differenzmuster. Dabei stellt sich die Frage, ob der Mensch in einem solchen System nicht zu sehr zum Objekt technischer Steuerung wird. Wenn Ernährung nicht mehr erlebt, sondern berechnet wird, besteht die Gefahr, dass individuelle Autonomie durch algorithmische Passgenauigkeit ersetzt wird. Was als Ermächtigung durch Personalisierung beginnt, kann in eine subtile Form der Kontrolle umschlagen – vor allem dann, wenn Entscheidungen nicht mehr nachvollziehbar, sondern nur noch systemintern logisch erscheinen. Zudem sind die zugrunde liegenden Daten hochsensibel. Wer sie verarbeitet, erhält tiefen Einblick in Lebensstil, Gesundheit, Bedürfnisse – und potenziell in Schwächen. Die Frage nach Datensouveränität und digitaler Ethik wird damit zur Schlüsselfrage einer solchen Infrastruktur. Vertrauen entsteht nicht allein durch Funktionalität, sondern durch Transparenz, Gestaltungsbeteiligung und rechtlich verankerte Begrenzungen von Zugriff und Auswertung. Diese Form der Ernährung erzeugt neue Selbstbeschreibungen: Der Mensch wird nicht mehr als essender Körper gedacht, sondern als steuerbare Variable im Kontext digitaler Versorgungssysteme. Ob NaaS Menschen unabhängiger macht oder neue Abhängigkeiten schafft, entscheidet sich nicht durch die Technik selbst, sondern dadurch, wie wir darüber sprechen, sie nutzen und regulieren. Ein systemtheoretischer Zugang lädt dazu ein, nicht vorschnell normative Bewertungen zu treffen. Weder ist NaaS die Lösung, noch das Problem. Es ist eine Form der Kommunikation, die zeigt, wie sich das Ernährungssystem seiner selbst vergewissert, unter den Bedingungen funktionaler Differenzierung, technologischer Dynamik und ökologischer Begrenzung. Um wirklich gesund zu sein, reicht es nicht, gefüttert zu werden. Das ist die Ebene von Feed: Kalorienbereitstellung, Energiesicherung, reine Versorgung. Doch Gesundheit entsteht erst auf der Ebene von Food: dort, wo Lebensmittel Vielfalt, Geschmack, Texturen und kulinarische Kultur entfalten. Erst Nourishment schliesst den Kreis: eine Ernährung, die nicht nur satt macht, sondern nährt – physiologisch, emotional, mikrobiell, sozial und sensorisch. Genuss ist dafür kein Luxus, sondern die evolutionsbiologische Übersetzung für «das tut mir gut». Der Genuss verbindet die molekulare Ebene (Nutrition) – einschliesslich zahlreicher bioaktiver Substanzen jenseits von Kalorien – mit der erfahrbaren Ebene des Essens. Während Feed lediglich Kalorien zuführt, stellt Nutrition die Funktionsfähigkeit der physiologischen Systeme her. Food as Medicine beschreibt deren präventive oder heilsame Wirkung, doch Nourishment geht weiter: Es umfasst das komplexe, ganzheitliche Ernährtsein, das Geschmack, Identität, Wohlbefinden und Regeneration miteinander verschränkt. Vielleicht liegt genau darin die Chance: NaaS nicht als technologische Utopie, sondern als infrastrukturelle Evolution zu denken. Nicht als Ersatz für das Kochen, sondern als neue Form der Ermöglichung. Nicht als Verzicht, sondern als Öffnung. Eine Zukunft, in der Kantinen zu Orten der Vitalität werden, in der Schulen nicht nur Ernährungsbildung lehren, sondern erlebbar machen. In der Städte, neben Energie- und Verkehrsnetzen, Ernährung als Infrastruktur begreifen – FoodArchitecture. Denn vielleicht beginnt die Heilung unseres Systems nicht in der Medizin, sondern mit einem Löffel. Und dem richtigen System dahinter. Gisela und Tilo Hühn

Planetary Health Folge 9: Regulierte Metasynthese – Wie das Recht Disruption gestalten kann

Traditionell ist das Recht ein System, das Ordnung sichert, bestehende Institutionen schützt und soziale Stabilität garantiert. Diese konservative Rolle hat ihren Sinn: Sie ermöglicht Berechenbarkeit, Vertrauen und Schutz vor willkürlichen Eingriffen. Gerade in unsicheren Zeiten erscheint ein stabiler Rechtsrahmen als Anker im Wandel. Doch genau diese Stärke kann zur Schwäche werden, wenn sie den notwendigen Wandel verhindert. Innovationen, die bestehende Praktiken, Geschäftsmodelle oder Werte infrage stellen, stossen nicht nur auf ökonomischen Widerstand, sondern auch auf normative Barrieren. Das Recht schützt das Bestehende – und riskiert damit, das Zukünftige zu blockieren. Doch Recht kann mehr sein als Bewahrung. Es kann auch Transformation ermöglichen. Wenn neue Technologien nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche Innovationen mit sich bringen, dann entstehen nicht nur neue Produkte, sondern auch neue Wertesysteme. In solchen Momenten geschieht eine doppelte Bewegung: Bestehendes wird entwertet – dieser Prozess der Devaluation betrifft nicht nur materielle Ressourcen, sondern auch symbolische Ordnungen, Legitimität und institutionelle Autoritäten. Gleichzeitig vollzieht sich eine Revaluation – neue Praktiken und Normen gewinnen an Bedeutung, werden als zukunftsfähig oder ethisch überlegen eingestuft, erhalten gesellschaftliche Anerkennung oder gesetzliche Förderung. Dieser Übergang ist nie neutral. Er wird ausgehandelt – oder durchgesetzt. Oft sind es wirtschaftlich mächtige Akteure, die versuchen, entweder die Entwertung des Alten zu verhindern oder die Neubewertung des Neuen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Lobbyarbeit, regulatorisches Design, Marktmonopolisierung und strategische Kommunikationskampagnen sind Mittel dieser Einflussnahme. In diesem Spannungsfeld steht das Recht unter Druck: Soll es neutral bleiben, den Wandel lediglich abbilden? Oder darf – ja muss – es selbst aktiv werden und durch Rahmensetzung, Standardisierung und Beteiligungsgestaltung Einfluss nehmen auf das, was in Zukunft als wertvoll gelten soll? Gerade in den Ernährungssystemen zeigt sich dieses Spannungsfeld exemplarisch. Die Debatte um Fleischalternativen, um ökologische und regenerative Landwirtschaft oder um digitale Transparenzsysteme im Wertschöpfungsnetzwerk zeigt: Wer bestimmt, was als gesunde, nachhaltige, ethische Ernährung gilt, verhandelt nicht nur über Geschmack oder Gesundheit, sondern über ökonomische Interessen, kulturelle Identitäten und politische Macht. Wenn das Recht sich hier auf eine rein technokratische Rolle beschränkt, läuft es Gefahr, Spielball partikularer Interessen zu werden. Wenn es dagegen neue Praktiken fördert oder alte beschränkt, ohne öffentliche Aushandlung, droht der Verlust demokratischer Legitimität. Es braucht also eine neue Rolle des Rechts: nicht als statische Autorität, aber auch nicht als blosser Vollzugsgehilfe von Marktlogiken oder technologischen Narrativen. Wir schlagen vor, diesen Wandel als Prozess einer regulierten Metasynthese zu verstehen. Damit meinen wir die bewusste Verbindung von Devaluation und Revaluation unter aktiver rechtlicher Gestaltung, wobei das Recht nicht nur schützt oder erlaubt, sondern aktiv Räume schafft, in denen neue Werte entstehen und legitimiert werden können. Ein solches Rechtssystem wäre nicht reaktiv, sondern lernfähig. Es würde nicht nur regulieren, sondern sich selbst kontinuierlich weiterentwickeln. Es würde auf technologische Entwicklungen ebenso reagieren wie auf gesellschaftliche Diskurse, kulturelle Praktiken und ökologische Notwendigkeiten. Es wäre offen für Unsicherheit, ohne beliebig zu werden – stabil in seinen Prinzipien, aber flexibel in seiner Anwendung. Ein solcher Zugang erfordert einen neuen Umgang mit Risiken. Bisher wird Regulierung oft erst dann aktiv, wenn bereits Schäden eingetreten sind – sei es im Finanzsystem, im Datenschutz oder im Umweltrecht. Dabei zeigt sich, dass verpasste Chancen ebenso folgenreich sein können wie eingetretene Schäden. Wenn neue Ernährungstechnologien zu lange blockiert werden, weil alte Standards nicht angepasst werden, verliert nicht nur die Industrie, sondern gleichzeitig die Gesellschaft. Und wenn rechtliche Unsicherheit verhindert, dass nachhaltigere Praktiken schneller skalieren, zahlt am Ende die Umwelt und damit wir alle den Preis. Deshalb muss Risiko im Kontext von Metasynthese neu verstanden werden: nicht als blosse Bedrohung, sondern als Spannungsfeld zwischen verpasstem Fortschritt und überhasteter Entwertung. In diesem Sinne ist die rechtliche Gestaltung von Devaluation und Revaluation ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess. Wer entscheidet, was als wertvoll gilt, entscheidet über Teilhabe, Ressourcenverteilung und Zukunftsgestaltung. Dieser Prozess darf nicht technokratisch oder exklusiv verlaufen. Er braucht demokratische Beteiligung, Transparenz und institutionelle Unabhängigkeit. Nur wenn Regulierungsbehörden unabhängig agieren können, wenn gesetzgeberische Prozesse offen nachvollziehbar sind und wenn öffentliche Debatten über Wertesysteme zugelassen und gefördert werden, kann Metasynthese gelingen. Unsere Erfahrungen in der Arbeit mit Ernährungssystemen zeigen, dass neue Technologien nur dann Akzeptanz finden, wenn sie nicht nur effizient, sondern auch narrativ eingebettet sind. Menschen orientieren sich an Geschichten, an Sinnstiftungen, an kulturellen Bezügen. Recht, das diese Dimensionen ignoriert, läuft Gefahr, seine eigene Wirkung zu verlieren. Ein lernendes Rechtssystem muss deshalb auch kulturell lernfähig sein – sensibel für Narrative, anschlussfähig an Alltagspraktiken und offen für Veränderung. Was wir brauchen, ist keine Revolution des Rechts, sondern seine evolutionäre Öffnung. Ein Rechtssystem, das nicht in der Vergangenheit verhaftet bleibt, sondern den Mut hat, Zukunft mitzugestalten – vorsichtig, reflektiert, aber entschlossen. In einer Zeit planetarer Krisen und exponentieller Entwicklungen liegt die Zukunft nicht in statischer Normierung, sondern in der Fähigkeit zur kontinuierlichen Aktualisierung. Nur so kann das Recht das leisten, was von ihm erwartet wird: nicht nur zu regulieren, sondern Räume zu schaffen, in denen Zukunft möglich wird. Planetary Health erfordert mehr als neue Produkte – sie verlangt eine kulturelle, rechtliche und ökonomische Metasynthese. Die Transformation beginnt im Kopf – und mündet im Recht. Gisela und Tilo Hühn

Planetary Health Folge 5: Pixel, Pflanzen und Prozesse – wie Ernährungssysteme resilienter werden

Technologie allein wird uns nicht retten – es braucht Bewusstsein, Bildung, Verhaltensanpassung und die Kraft der Zivilgesellschaft, um die Widerstandsfähigkeit des Ernährungssystems zu stärken. Die Kombination aus traditionellem landwirtschaftlichem Wissen und modernen Technologien könnte den Schlüssel zu regenerativen und robusteren Ernährungssystemen darstellen. Wie könnte eine Fusion digitaler Innovation und regenerativer Landwirtschaft die Ernährungssysteme der Zukunft formen? Die Beobachtung beginnt in einem Raum, in dem Virtual Reality und Echtzeitdaten uns einen unmittelbaren Einblick in die Ackerböden auf der ganzen Welt geben. Intelligente Sensoren und Deep-Learning-Strukturen lassen uns in den «Moment» eintauchen, verstärkt durch den Informationsfluss von Sensoren, die alles vom Boden-pH-Wert über die Feuchtigkeit bis hin zum Mikrobiom (Gemeinschaft von Mikroorganismen im Boden, die für Nährstoffkreisläufe und Bodengesundheit essenziell sind) erfassen. Das Rückgrat dieses digitalen Ökosystems ist eine Dateninfrastruktur, die jeden Aspekt des landwirtschaftlichen Zyklus überwacht und die Wettervorhersage mit dem Zustand des obersten Meters fruchtbarer Erde ergänzt. Ziel ist es nicht nur, Feldfrüchte zu ernten, sondern gleichzeitig Daten, die zur Optimierung der Prozesse unter resilienzsteigernden Aspekten eingesetzt werden können. Mit diesen Daten werden regenerative landwirtschaftliche Praktiken gefördert, die darauf abzielen, den Boden wiederherzustellen, die Biodiversität zu erhöhen und das lokale Klima zu stabilisieren. Pflanzen werden nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als entscheidende Akteure im Kohlenstoffkreislauf gesehen. Sie sind ein Teil davon und nehmen mit den Mikroorganismen, Kleinstlebewesen und der gesamten Fauna grossen Einfluss auf das Makrobiom (Gemeinschaft von makroskopischen – sichtbaren – Organismen in einem Ökosystem oder einer Umgebung). Neue Kulturen, die besser an den Klimawandel angepasst sind, werden identifiziert und gefördert. Der Übergang von der Chargen-Verarbeitung (Batch) zur kontinuierlichen Verarbeitung revolutioniert die Lebensmittelproduktion. Echtzeitdaten-Erfassungssysteme ermöglichen es, jeden Schritt im Verarbeitungsprozess zu optimieren. Vom Anpassen der Maschinenparameter aufgrund von Abweichungen der Zusammensetzung der Rohstoffe bis zur Integration von Kundenfeedback durch Analyse der sozialen Medien – vieles wird in Echtzeit gesteuert. Der Diversität der Zusammensetzung von Rohstoffen wird nicht länger mit Auslese und Ausschuss begegnet – Prozessvariationen ermöglichen Inklusion und angepasste Verwertung auf höchstem Qualitätsniveau. Das Endresultat sind Lebensmittel, die nicht nur nahrhafter, sondern auch nachhaltiger sind. Mit dem Fokus auf regenerative Prozesse entstehen Produkte, die sich sowohl für den Planeten als auch für die Menschen positiv auswirken. Durch die Verringerung von Lebensmittelverschwendung, Optimierung des Liefernetzwerks und Überwachung der Lebensmittelsicherheit erschaffen wir ein exponentielles Ernährungssystem. Ein exponentielles Ernährungssystem ist ein datengetriebener Ansatz, der durch kontinuierliche, in Echtzeit optimierte Prozesse die Effizienz und Nachhaltigkeit der Lebensmittelproduktion steigert und dabei von Technologien wie maschinellem Lernen und Echtzeitanalyse Gebrauch macht. Der Zugang zu frischen, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln in städtischen Gebieten stellt eine enorme Herausforderung dar. Urban Farming und Aquaponik könnten hier einen Beitrag leisten. Diese Ansätze ermöglichen nicht nur den Anbau von Nahrungsmitteln in städtischen Umgebungen, sondern fördern auch die lokale Wirtschaft und verringern den ökologischen Fussabdruck durch den reduzierten Bedarf an Transport und Lagerung. Aquaponik, ein System, das den Anbau von Pflanzen und Fischen kombiniert, nutzt die Abfallprodukte der Fische als Nährstoffquelle für die Pflanzen, während die Pflanzen das Wasser filtern. Diese Kreislaufsysteme könnten sich als besonders wertvoll in Gebieten erweisen, in denen Wasser ein knappes Gut ist. Obwohl genetisch modifizierte Organismen (GMOs) kontrovers diskutiert werden, können sie die Resilienz von Pflanzen gegenüber Krankheiten, Schädlingen und extremen Wetterbedingungen erhöhen. Wissenschaftliche Untersuchungen und verantwortungsbewusste Regulierung sind hierbei essenziell, um sowohl Ernährungssicherheit als auch ökologische Integrität zu gewährleisten. Algen, Bakterien und Pilze sind und waren die unscheinbaren Helfer der Lebensmittelherstellung. Algenzuchten können in Meerwasserbecken oder Bioreaktoren hocheffiziente, proteinreiche Nahrungsgrundstoffe produzieren. Spezialisierte Mikroorganismen können aus Abfallprodukten Nahrungsmittel erzeugen. Myzel-Kulturen bieten nicht nur ernährungsphysiologische Vorteile, sondern können auch als Fleischersatz dienen. Unter Einsatz veränderter Mikroorganismen ist es möglich, Nährstoffe als Grundlage für Lebensmittel in Bioreaktoren zu erzeugen. Die Medien dafür kommen aus der Landwirtschaft – dies wird noch sehr lange notwendig bleiben. Zellkulturen können ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zu einer dezentralen Herstellung von Lebensmitteln leisten. Während an verschiedenen Orten weltweit erste Produkte auf die Märkte und in den Konsum gelangen, müssen diese Novel-Food-Nahrungsmittel ihre Verbrauchssicherheit in Europa erst noch unter Beweis stellen. Die Herausforderungen liegen hier insbesondere bei tierischen Zellkulturen und bei den durch die Medien und Kulturbedingungen verursachten Herstellungskosten. Etwas geringer sind diese Hürden bei Fisch- und Pflanzenzellen. Auch bei diesen Kulturtechniken stammen die Nährmedien für die Ernährung der Zellen aus der landwirtschaftlichen Urproduktion. Parallel zu den urbanen Landwirtschaftsinnovationen bringt die «Exponential Food Technology» die Bedeutung von Effizienz, Nachhaltigkeit und Gesundheit in der Lebensmittelproduktion hervor. Die konventionelle Lebensmittelproduktion, charakterisiert durch Batch-Prozesse, wird durch kontinuierliche, selbstoptimierende Prozesse revolutioniert. Zu den Hauptelementen dieser Technologie gehören intelligente Sensoren, Echtzeit-Rückkopplungsschleifen, vorausschauende Wartung, Integration von Kundenfeedback, Prozessumgestaltung, Optimierung des Versorgungsnetzes, Nachhaltigkeitsmetriken und KI-gesteuerte Forschung und Entwicklung. Die Umstellung von starren, chargenbasierten Prozessen auf dynamische, anpassbare Systeme verringert Food Waste und erhöht die Prozesseffizienz. Fleischalternativen gewinnen in der modernen Ernährung immer mehr an Bedeutung. Während der traditionelle Fleischkonsum ökologische Bedenken aufwirft, bieten pflanzliche Proteine wie Linsen, Kichererbsen und Tofu sowie innovative Fleischalternativen aus Pilzen, Algen oder Insekten nachhaltigere und im ausgewogenen Ernährungsplan gesündere Optionen. Ziel ist hier, die aus den Pflanzen extrahierten Proteinpulver durch die Verwendung komplexer, wenig prozessierter Rohstoffe aus möglichst ganzen Pflanzenteilen zu ersetzen und so den teilweise hohen Verarbeitungsgrad zu vermindern. Moderne Lösungen sind oft robuster und können, wenn richtig implementiert, zu einer beständigeren Versorgungskette führen. Die Schlüsselidee ist Redundanz und Diversität in den Systemen bereits bei der Planung (by design) und beim Bau (build in), sodass ein einzelner technologischer Ausfall nicht das gesamte System lahmlegt. Ansonsten würde das Ernährungssystem noch verwundbarer, als es heute schon ist. Die Kombination von Urban Farming und Exponential Food Technology zeichnet ein Bild von einer Zukunft, in der Lebensmittelproduktion dezentralisiert, effizient und regenerativ ist. Wir sprechen von einem resilienten Ernährungssystem, bei dem sich alles um Pflanzen, Prozesse und Produkte dreht – optimiert durch die Pixel, die Daten als Grundlage intelligenter Systeme. So ist die notwendige «ökologische Wende» vielleicht zu schaffen. Die Vision ist klar: eine Welt, in der die Lebensmittelproduktion sich an die sich ständig ändernden Anforderungen anpasst, dem Klimawandel entgegentritt und gleichzeitig sicherstellt, dass möglichst niemand hungrig und die Biodiversität erhalten bleibt. In diesem Zukunftsbild ist Bildung der Schlüssel. Eine informierte Bevölkerung, die ihr Ernährungsverhalten anpasst, die Technologie versteht und ihr Potenzial ausschöpft, gepaart mit globaler Zusammenarbeit, wird sicherstellen, dass diese Vision Wirklichkeit wird. Es ist eine revolutionäre Reise, und sie hat bereits begonnen. Gisela und Tilo Hühn

Die vier Dilemmata der offenen Wissenschaft

Alle wissenschaftlichen Publikationen, die aus öffentlicher Förderung stammen, sollen bis spätestens im Jahr 2024 frei zugänglich sein. Solches Ziel haben sich Schweizer Hochschulen und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in der nationalen Open-Access-Strategie gesetzt. Der freie Zugang zu öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen soll die Informationsversorgung der Öffentlichkeit verbessern, die Sichtbarkeit von Publikationen erhöhen und weltweit die interdisziplinäre Zusammenarbeit unterstützen. Doch wie gestaltet sich die Umsetzung von solchen gut gemeinten Vorsätzen in der Praxis und wo zeigen sich Grenzen? In meiner kürzlich abgeschlossenen Dissertation habe ich genau solche Fragen gestellt und sie am Beispiel der Verhandlungen zwischen den niederländischen Universitäten und dem Wissenschaftsverlag Elsevier untersucht. Ähnlich wie in der Schweiz hatte die Niederlande zuvor beschlossen, alle wissenschaftlichen Publikationen und insbesondere Aufsätze in Fachzeitschriften nur noch in Open Access zu publizieren. In meinen Interviews mit den Mitgliedern von Verhandlungsteams wie auch Forschenden kristallisierten sich schnell vier grosse Spannungsfelder heraus. Während die einen diese Zielvorgabe als eine unerwünschte Einmischung empfinden, beurteilten die anderen die neue Strategie weg vom derzeit vorherrschenden restriktiven Subskriptionsmodell bei Büchern hin zum kostenfreien elektronischen Zugang als längst überfällig. Zweitens löste diese Forderung eine grundsätzliche Debatte über die Nützlichkeit bzw. Nutzlosigkeit von freiem Zugang zu internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften aus. Wenn die breitere Öffentlichkeit für ihre Steuergelder tatsächlich eine Gegenleistung von Forschenden erhalten soll, sind für Forschende teure Freikäufe bei kommerziellen Grossverlagen wirklich eine Antwort darauf? Denn beim Open-Access-Modell lassen sich viele Verlage dafür bezahlen, dass die Forschungsergebnisse bei ihnen für das Publikum kostenlos veröffentlicht werden. Oder bedarf es vielmehr anderer Publikationsformen und Formate in für Laien verständlicher Sprache, inklusive Übersetzungen in lokale Sprachen und Fokussierung auf praktische Anwendungen sowie mögliche Problemlösungen? Drittens haben viele Forschende von einem tief empfundenen Dilemma berichtet, sich entweder für mehr Offenheit im Sinne von Open Access und Open Science oder für die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse in renommierten Zeitschriften entscheiden zu müssen. Solche Zeitschriften verlangen meistens ein kostenpflichtiges Abonnement und sind deshalb in der Regel nur für Angehörige von Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen zugänglich. Gleichzeitig haben einige befragte Forschende mit ihrem eigenen Gegenbeispiel gezeigt, dass sich eine offene(re) Wissenschaft und wissenschaftliche Karriere nicht ausschliessen müssen. So laden sie ihre Publikationen, Forschungsdaten, Software und andere Forschungsergebnisse seit eh und je auf frei zugängliche Repositorien hoch, die in der jeweiligen Fachgemeinschaft gut bekannt und darüber hinaus genutzt werden. Wichtiger noch, auf diese Weise konnten sie ihren ganzen Karriereweg aufbauen und sich erfolgreich als Open Scientists profilieren. Damit zusammenhängend hat sich ein weiteres Spannungsfeld herauskristallisiert: Nämlich einerseits die Idealisierung der angeblich offenen Wissenschaft und andererseits wie weit soll bzw. kann diese Offenheit reichen. Exemplarisch dafür steht die Idee, die Begutachtung neuer wissenschaftlicher Beiträge «offener» zu gestalten und beispielsweise sogar die Namen von Gutachtenden wie die Gutachten selbst öffentlich zu teilen (sog. Open Peer Review). Allerdings bevorzugen die meisten Forschenden das gängige anonymisierte Verfahren, um mögliche Konflikte und allfällige Vergeltungsmassnahmen zu vermeiden. Das Fazit meiner Analysen ist: Open Access und Open Science aktiv zu leben und gleichzeitig eine wissenschaftliche Karriere zu haben muss keine Entweder-oder-Entscheidung sein. Damit eine neue Wissenschaftskultur entsteht, braucht es Initiativen wie die Koalition zur Weiterentwicklung der Forschungsbeurteilung (CoARA), der die ZHAW jüngst beigetreten ist. Die unlängst gegründeten Arbeitsgruppen von CoARA setzen sich dafür ein, solche Spannungsfelder wie die bereits erwähnten zu beseitigen sowie mehr Anerkennung für die Diversität von Forschungsleistungen zu erreichen. Elena Šimukovič

Maschinelle Intelligenz und die Gestaltung einer ethischen Zukunft

Was sind die Auswirkungen auf eine Kultur als Ausdrucksform einer Gesellschaft, die zunehmend von automatisierten Prozessen geprägt ist? Wie reagiert eine Gesellschaft auf den wachsenden Einfluss von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz? Verschiedene Aspekte unserer jüngeren Geschichte, wie der Einfluss der Computertechnologie, lassen sich im Muster ihrer Entwicklung beobachten. Wie könnte sich unsere Welt verändern, wenn wir die fortlaufende Entwicklung von Paradigmenwechseln erforschen? Welcher Weg zeichnet sich ab von der kopernikanischen Wende (Kant) bis zur Universellen Wende, die uns vielleicht bevorsteht? Indem wir die historischen Wirkungen dieser Paradigmenwechsel untersuchen, können wir lernen, wie wir eine integrativere und ethischere Zukunft für Menschen, andere Lebensformen und Maschinen auf der Erde schaffen. Wir erkennen, dass es viele Risiken und Gefahren gibt, die wirksame Entscheidungen erfordern, um die Menschheit vor einer dystopischen Zukunft zu bewahren, in der Maschinen uns kontrollieren und unsere Existenz bedrohen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, auf die Schwierigkeiten, Herausforderungen und Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die durch maschinelle Intelligenz entstehen.Wir sollten die Folgen für die Umwelt, die Regierungsführung, die Verwaltung und die internationale Sicherheit aufzeigen. Im Laufe der Geschichte haben dramatische Veränderungen hinsichtlich der Art und Weise, wie die Menschheit an die sich stellenden Herausforderungen herangeht, dazu beigetragen, den Weg für eine bessere Zukunft zu ebnen – zumindest für die meisten von uns in der westlichen Welt. Diese radikalen Veränderungen haben in Teilen der Welt eine Schlüsselrolle auf unserem Weg zu einer toleranteren und integrativeren Gesellschaft gespielt. Mit dem Eintritt in die sich abzeichnende universelle Wende, die von Fortschritten in der Künstlichen Intelligenz und der Konvergenz neuer Technologien angetrieben wird, haben wir die Möglichkeit, unser Verständnis der Realität zu erweitern und integrativere und ethischere Ansätze für die technologische Entwicklung zu fördern. Indem wir die Verbundenheit von Menschen, anderen Lebensformen und Maschinen anerkennen, können wir gemeinsam an einer Zukunft arbeiten, in der unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen, Kenntnisse, und Wertschätzung Anwendung finden. Hier zeigen wir zunächst einen groben Abriss der Wendezeiten der Geschichte bis zur Gegenwart und darüber hinaus. Die kopernikanische Wende war durch einen bedeutenden Paradigmenwechsel in unserem Verständnis des Universums gekennzeichnet, bei dem das kopernikanische heliozentrische Modell das geozentrische ptolemäische ablöste, wie bei T. S. Kuhn nachzulesen ist (1957). Dieser Wandel legte den Grundstein für die moderne wissenschaftliche Forschung und betonte die Bedeutung von Beobachtung, Experimenten und evidenzbasierter Argumentation. Die kopernikanische Wende zeigte, dass unser Verständnis der Realität grundlegend verändert werden kann, wenn wir die vorherrschenden Annahmen in Frage stellen und neue Perspektiven einnehmen. Die linguistische Wende bedeutete eine Verlagerung des Schwerpunkts von metaphysischen Fragen auf Fragen der Sprache und der Bedeutung. Dieser Paradigmenwechsel untersuchte die Art und Weise, wie Sprache unser Verständnis der Welt prägt, und hob die Bedeutung von Semantik, Pragmatik und Diskurs für die Gestaltung des menschlichen Denkens und der Kommunikation hervor. R. Rorty (1967) sprach vom Linguistic Turn, der zur Entwicklung verschiedener Bereiche beitrug, darunter Philosophie, Linguistik und Kognitionswissenschaft. Die Verflechtung von Sprache, Denken und Realität wurde verdeutlicht. Die digitale Wende, die durch das Aufkommen digitaler Technologien und das Informationszeitalter gekennzeichnet ist, hat sich tiefgreifend auf die menschliche Gesellschaft ausgewirkt, wie M. Castells (2010) beleuchtet. Da die Informations- und Kommunikationstechnologien allgegenwärtig geworden sind, haben sie neue Formen der sozialen Organisation, der wirtschaftlichen Tätigkeit und des kulturellen Ausdrucks ermöglicht. Der Digital Turn hat neue ethische und gesellschaftliche Herausforderungen mit sich gebracht, z. B. Fragen zum Datenschutz, zur Überwachung und zur Überwindung der digitalen Kluft hinsichtlich der menschlichen Fähigkeiten (E. Brynjolfsson; A. McAfee, 2016). Auf den Übergang von handgeschriebenen, in Stein gemeisselten oder gedruckten Tabellen zu interaktiven Arbeitsblättern mit Tabellenkalkulationen folgte die automatisierte Verarbeitung kleiner und grosser Datenmengen, was erhebliche Auswirkungen hat. Die universelle Wende ist gekennzeichnet durch die zunehmende Bedeutung der Künstlichen Intelligenz (KI) und anderer fortschrittlicher Technologien bei der Gestaltung unseres Verständnisses von Realität und unserer Beziehungen zueinander, zu anderen Lebensformen und zu Maschinen, wie M. Tegmark (2017) feststellte. Während sich KI-Systeme weiterentwickeln und immer stärker in verschiedene Aspekte des menschlichen Lebens integriert werden, unterstreicht die universelle Wende die Wichtigkeit der Förderung einer integrativen, ethischen und nachhaltigen technologischen Entwicklung, die das Gedeihen aller Lebewesen auf der Erde unterstützt. Die ökologische Wende stellt einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise dar, wie Gesellschaft und Industrie mit der natürlichen Umwelt und den ökologischen Systemen umgehen. Diese Wende betont die Notwendigkeit, Nachhaltigkeit, Erhaltung und Regeneration in den Vordergrund zu stellen, um dem Klimawandel, dem Verlust der biologischen Vielfalt und der Erschöpfung der Ressourcen zu begegnen. Die ökologische Wende fördert ein ganzheitliches Verständnis der Verflechtung von menschlichen Aktivitäten und der natürlichen Umwelt, was zur Entwicklung neuer Strategien, Praktiken und Technologien führt. Diese zielen darauf ab, negative Auswirkungen zu verringern und die Gesundheit im gesamten Lebensraum zu fördern. Voraussetzung dafür war das Verständnis der komplexen Zusammenhänge, die durch die digitale Wende erst ermöglicht werden. Zu den wichtigsten Aspekten der ökologischen Wende gehören: Ökosystembasiertes Management: Dieser Ansatz erkennt an, wie wichtig es ist, die Gesundheit und Integrität ganzer Ökosysteme zu erhalten, anstatt sich auf einzelne Arten oder Ressourcen zu konzentrieren (Costanza et al., 2014). Kreislaufwirtschaft: Das Konzept der Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, Abfall und Umweltverschmutzung zu minimieren, die Produktlebenszyklen zu verlängern und das Recycling und die Wiederverwendung von Materialien zu fördern, um geschlossene Kreislaufsysteme zu schaffen, wie K. Raworth (2017) beschreibt. Erneuerbare Energien: Die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen wie Solar-, Wind- und Wasserkraft ist ein entscheidender Aspekt der ökologischen Wende, der die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert und die Treibhausgasemissionen reduziert. Nachhaltige Landwirtschaft: Dieser Ansatz beinhaltet die Einführung regenerativer Anbaumethoden, die die Gesundheit der Böden, die biologische Vielfalt und die Erhaltung der Ressourcen fördern und gleichzeitig die Umweltauswirkungen minimieren. Es geht um die Entwicklung des Verständnisses der Funktion der Nahrungsmittelherstellung von der Wertschöpfungskette zum Wertschöpfungsnetzwerk (Holmgren, 2002). Regenerative Lebensmittelherstellung: Vermeidung von Nebenströmen oder Lebensmittelabfällen durch die Verwertung möglichst aller Ströme für die menschliche Ernährung unter Einsatz regenerativer Energien und durch einen gewissenhaften Umgang mit Ressourcen und Materialien. Vermeidung oder Verminderung von Emissionen sowie die Respektierung sozialer Werte auf allen Produktions- und Vermarktungsstufen. Integration von Urban Farming und zellulärer Landwirtschaft zur regionalen Produktion und zum molekularen Upcycling. Eindämmung des Klimawandels und Anpassung an den Klimawandel: Die ökologische Wende erfordert die Entwicklung von Strategien zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels, wie z. B. den Anstieg des Meeresspiegels, extreme Wetterereignisse und die Veränderung von Ökosystemen. Ein wesentlicher Fokus liegt beim Erhalt der Biodiversität. Mit der symbiotischen Wende beschreiben L. Margulis und D. Sagan (1995) einen Paradigmenwechsel, der die Verflechtung und gegenseitige Abhängigkeit aller lebenden Organismen, einschliesslich des Menschen, und ihrer Umwelt betont. Diese Wende erkennt an, dass das Wohlergehen und Überleben einzelner Arten, Ökosysteme und menschlicher Gesellschaften untrennbar miteinander verbunden sind und dass kooperative, für alle Seiten vorteilhafte Beziehungen gefördert werden müssen, um eine nachhaltige Zukunft zu gewährleisten. Die symbiotische Wende fördert laut D. J. Haraway (2016) ein ganzheitlicheres Verständnis unserer Rolle innerhalb der Biosphäre und ermutigt zur Zusammenarbeit, Koexistenz und gemeinsamer Verantwortung. Zu den wichtigsten Aspekten der symbiotischen Wende gehören: Biomimikry: Bei diesem Ansatz, den J. M. Benyus (1997) beschreibt, geht es darum, von den Strategien und Entwürfen der Natur zu lernen und sie nachzuahmen, um nachhaltige Lösungen für menschliche Herausforderungen zu schaffen. Ökosystemdienstleistungen: Hier unterstreichen F. Capra und P.L. Luisi (2014), wie wichtig es ist, die wesentlichen Leistungen der Ökosysteme wie Wasserreinigung, Bestäubung von Blüten und Kohlenstoffbindung anzuerkennen, zu bewerten und zu erhalten. Eine Gesundheit (One Health): Dieser interdisziplinäre Ansatz erkennt die Verflechtung von menschlicher, tierischer und ökologischer Gesundheit an und zielt darauf ab, sektorübergreifende Kooperationen zu fördern, um das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern (Steffen et al., 2015). Planetare Gesundheit (Planetary Health): Die symbiotische Wende betont die Notwendigkeit, sich mit der Gesundheit sowohl der menschlichen Zivilisation als auch der natürlichen Systeme, von denen sie abhängt, zu befassen. Sie erkennt die untrennbaren Verbindungen zwischen der menschlichen Gesundheit und der Gesundheit der Umwelt an (Rockström et al., 2009). Transhumanismus: Erweiterung der physischen, kognitiven und emotionalen menschlichen Fähigkeiten durch Technologie und dadurch Erhöhung der Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Lebensbedingungen. Durch Verschmelzung besteht vielleicht eine Chance, neue Formen der Koexistenz von Mensch und Maschine als Evolutionsschritt zu begreifen (R. Kurzweil, 2005, N. Bostrom, 2014). Nach der Auflistung der Paradigmenwechsel zurück zur Eingangsfrage: Wie könnte sich unsere Welt verändern, wenn wir die fortlaufende Entwicklung von Paradigmenwechseln erforschen? Welche Lehren können wir daraus ziehen? Indem wir die historischen Beiträge dieser Paradigmenwechsel untersuchen, können wir lernen, wie es möglich sein könnte, eine integrativere und ethischere Zukunft für Menschen, Maschinen und andere Lebensformen auf der Erde zu schaffen. Der Universal Turn bietet die Gelegenheit, über unsere gemeinsame Geschichte nachzudenken und die Lehren aus vergangenen Paradigmenwechseln zu nutzen, um die komplexen Herausforderungen und Chancen der KI und fortschrittlicher Technologien zu bewältigen. Indem wir die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern, der ethischen Entwicklung Vorrang einräumen und eine nachhaltige Ressourcennutzung unterstützen, können wir auf eine Zukunft hinarbeiten, die das Wohlergehen und die Würde aller Lebewesen auf unserem Planeten wertschätzt. Hier drei mögliche Zukunftsszenarien. Um eine positive Utopie zu erreichen, müssen wir uns den grossen Gefahren stellen, die die gesamte Menschheit bedrohen (N. Bostrom, 2014). Arbeitslosigkeit und Ungleichheit: KI und Automatisierung können zu massiven Arbeitsplatzverlusten führen, nicht nur bei gering qualifizierten Arbeitnehmern, sondern auch bei Sachbearbeiterinnen und Programmiererinnen. Dies könnte zu einer zunehmenden Einkommensungleichheit, sozialen Unruhen und wirtschaftlicher Instabilität führen (M. Tegmark, 2017). Überwachung und Datenschutz: Der breite Einsatz von KI in Überwachungssystemen könnte zu einem Verlust der Privatsphäre führen, da KI-gestützte Gesichtserkennungs- und Verfolgungstechnologien allgegenwärtig werden. Dies könnte zu einer orwellschen Gesellschaft führen, in der die/der Einzelne ständig überwacht und die Handlungen von einer allwissenden und allgegenwärtigen Instanz kontrolliert werden. KI-Bewaffnung: Die Entwicklung von KI-gesteuerten autonomen Waffen könnte zu neuen Formen der Kriegsführung führen, bei denen Maschinen ohne menschliches Zutun Entscheidungen über Leben und Tod treffen. Dies könnte zu unvorhersehbaren und verheerenden Folgen führen. KI-Voreingenommenheit und Diskriminierung (Bias): KI-Systeme, die auf der Grundlage voreingenommener Daten trainiert wurden, können bestehende soziale Vorurteile und Ungleichheiten aufrechterhalten oder sogar verschärfen und zu einer ungerechten Behandlung von Randgruppen führen. Verlust der menschlichen Handlungsfähigkeit: Mit der zunehmenden Integration von KI-Systemen in unser tägliches Leben besteht die Gefahr, dass Menschen sich zu sehr von Maschinen abhängig machen und wichtige Fähigkeiten bis hin zum kritischen Denken verlieren (Y.N. Harari, 2018). Die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit: Frühere Paradigmenwechsel haben gezeigt, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, um neue Erkenntnisse und Fortschritte zu erzielen (Floridi & Cowls, 2019). Indem wir Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenbringen, können Menschen ein umfassenderes und differenzierteres Verständnis komplexer Probleme schaffen und innovative Lösungen für die Herausforderungen entwickeln, die sich durch KI und andere neue Technologien ergeben. Ethische Implikationen des technologischen Fortschritts: Auf dem Weg zum Universal Turn ist es von entscheidender Bedeutung, die ethischen Implikationen von KI und anderen fortschrittlichen Technologien zu berücksichtigen (Mittelstadt et al., 2016). Indem wir aus den ethischen Herausforderungen vergangener Paradigmenwechsel lernen, können wir Rahmenbedingungen und Strategien entwickeln, mit denen wir versuchen, dass KI-Systeme so entwickelt und eingesetzt werden, dass Fairness, Verantwortlichkeit, Transparenz und die Achtung der Menschenrechte gefördert werden. Nachhaltige Entwicklung: Schliesslich unterstreichen die Lehren aus vergangenen Paradigmenwechseln die Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung und eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen im Zusammenhang mit KI und anderen fortschrittlichen Technologien (Russell, 2019). Wenn wir bei der Entwicklung und dem Einsatz von KI-Systemen Umweltaspekte in den Vordergrund stellen, können wir zu einer nachhaltigeren und gerechteren Zukunft für alle Lebewesen auf der Erde beitragen. Bildung und öffentliches Verständnis: Die Erörterung der Rolle von Bildung und öffentlichem Verständnis bei der Erleichterung oder Verhinderung dieser Paradigmenwechsel (Scheuermann & Taylor, 2019) könnte Aufschluss darüber geben, wie sich Gesellschaften an transformative Ideen und Technologien anpassen. Indem Bildungsinstitutionen die Öffentlichkeit mit den notwendigen Kenntnissen und Fähigkeiten ausstatten, um sich mit KI auseinanderzusetzen, können wir die Einzelnen zum kritischen Denken befähigen, um an der Gestaltung des Universal Turn mitzuwirken und zu einer integrativeren Zukunft beizutragen. Lehren für Governance und Regulierung: Ausgehend von den Erfahrungen vergangener Paradigmenwechsel, könnten wir die Lehren für Governance und Regulierung diskutieren, insbesondere im Zusammenhang mit KI und anderen fortschrittlichen Technologien (Cave et al., 2018). Dies kann die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit, die Aktualisierung von Rechtsrahmen und die Entwicklung von Strategien zur Förderung von Innovationen bei gleichzeitiger Abschwächung potenzieller Risiken umfassen. Herausforderungen und Kontroversen: Die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Kontroversen, die während der einzelnen Paradigmenwechsel auftraten, kann dazu beitragen, die Probleme zu kontextualisieren, mit denen wir derzeit angesichts des Universal Turn konfrontiert sind (Bostrom et al., 2014). Dazu könnten die Erörterung von Widerständen gegen Veränderungen, von konkurrierenden Theorien oder Modellen und von unbeabsichtigten Folgen des technologischen Fortschritts gehören. Die wahrscheinlichste Zukunft liegt irgendwo zwischen dem utopischen Environmental Turn und dem dystopischen Szenario. Das Ausmass, in dem wir das Potenzial der KI zum Guten nutzen können, hängt von mehreren Faktoren ab: Wirksame Regulierung: Regierungen und internationale Organisationen müssen Vorschriften und Richtlinien entwickeln, die eine verantwortungsvolle Entwicklung und den Einsatz von KI gewährleisten und Fragen wie Datenschutz, Sicherheit und Fairness behandeln. Ethische KI-Entwicklung: KI-Entwickler sollten ethische Überlegungen in den Vordergrund stellen und KI-Systeme entwickeln, die transparent, rechenschaftspflichtig und unvoreingenommen sind. Bildung und Umschulung: Die Gesellschaft muss in Bildungs- und Umschulungsprogramme investieren, um Arbeitnehmenden die Anpassung an den sich wandelnden Arbeitsmarkt zu erleichtern und sicherzustellen, dass sie vom KI-getriebenen Wirtschaftswachstum profitieren können. Öffentlich-private Partnerschaften: Die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, dem Privatsektor und der Wissenschaft ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass die KI-Innovation allen zugutekommt und potenzielle Risiken gemildert werden. Inklusive KI-Entwicklung: KI sollte unter Einbeziehung verschiedener Interessengruppen, einschliesslich Vertretern von Randgruppen, entwickelt werden, um sicherzustellen, dass sie allen Mitgliedern der Gesellschaft zugutekommt und bestehende Ungleichheiten nicht verschärft. Letztlich hängt die Zukunft der KI davon ab, wie gut es uns gelingt, die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern und sicherzustellen, dass ihre Entwicklung von ethischen Grundsätzen, integrativen Entscheidungsprozessen und einem Engagement für soziale und ökologische Nachhaltigkeit geleitet wird. Im Moment sieht es so aus, als würden unsere Gesellschaften noch darüber nachdenken, was getan werden kann, um eine integrative Zukunft zu schaffen. Es digitalisiert uns nicht. Die Korrektur von Inhalten ist notwendig, da der Trainingsdatensatz des unvollständigen kollektiven Bewusstseins oft einschüchternde und unmenschliche Bestandteile hat. Dies kann zurzeit mangels fehlenden Bewusstseins von Maschinen nur unvollständig automatisiert werden. Automatisiertes Denken zweifelt (noch) nicht. Interdisziplinäre Zusammenarbeit, die Priorisierung ethischer Entwicklung, die Förderung nachhaltiger Ressourcennutzung und die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Kontroversen jedes Paradigmenwechsels werden uns dabei helfen, uns in der komplexen Landschaft der KI und fortschrittlicher Technologien zurechtzufinden. Auf diese Weise können wir auf eine Zukunft hinarbeiten, die das Wohlergehen und die Würde aller Lebewesen auf unserem Planeten fördert. Die Transformation der Gesellschaft steht vor entscheidenden Herausforderungen. Tilo Hühn

Planetary Health Folge 4: Leben in Gesellschaft – von der Freiwilligen Feuerwehr lernen

Wir müssen handeln – jetzt. Wir müssen heraus aus der eigenen Blase – denn Hilflosigkeitsergebenheit, nichts ändern zu können, den anderen die Schuld zuzuweisen und sich so selbst zu entschuldigen, wird weitgehend wirkungslos bleiben. Wie kann die Veränderung von «Ich will so bleiben und leben, wie ich bin» zu «Mal sehen, was aus mir noch werden und was ich beitragen kann» erfolgen? Raus aus der Komfortzone – rein in die neue Gegenwart. In der Schweiz hat sich eine Mehrheit der Wahlberechtigten entschieden, den Weg zur Klimaneutralität zu gehen. Volksabstimmungen setzen für das verantwortliche Stimmvolk ein Mindestmass an Information und Auseinandersetzung mit den Themen, die anstehen, voraus. Es findet eine gewisse Bewusstseinsbildung statt. Solche getroffenen Mehrheitsentscheidungen bilden auch die Basis für spätere teilweise einschneidende Massnahmen der Volksvertreterinnen und -vertreter, die im Sinne der Gemeinschaft getroffen werden müssen. Selbstbestimmte Zumutbarkeiten bringen in Krisensituationen Menschen dazu, den Mut zur Veränderung aufzubringen. Die jeweilige Grenzerfahrung für das Zumutbare wird vom Grad der Empörung der Mitmenschen beeinflusst. Kollektive Wutentladungen in den sozialen Medien oder bei Demonstrationen begünstigen eine Blasenbildung, in der teilweise ideologische Verschanzungen durch eine polarisierende Rhetorik Nährboden für Spaltung bieten, wo eigentlich Diskurs und gemeinsame Lösungen angebracht wären. Während die einen Zeitgenossinnen und -genossen denken und aussprechen: «Auf was warten wir eigentlich noch?», betonen andere ihre eigene Wirkungslosigkeit und setzen auf das «Weitermachen wie bisher». Dieser Fatalismus bei der Diskussion um den Klimawandel wird durch komplexe biologische Systeme begünstigt. Es werden bedeutende Einflussfaktoren übersehen, da es sich auf den ersten Blick um Minorfaktoren handelt, die je nach Konzentration und in Gesellschaft anderer Faktoren grosse Wirkung entfalten können, wenn beispielsweise Kipppunkte erreicht werden. Was, wenn die niedrig hängende Frucht der Sequestrierung von CO2 in Böden schwerer zu erreichen ist als gedacht, weil die Erhitzung der Böden bereits weiter fortgeschritten ist als angenommen? Was, wenn der Golfstrom schon einen anderen Weg genommen hat und Nordeuropa in eine Zwischeneiszeit fällt? Das erste Szenario wäre zunächst nur durch wissenschaftliche Untersuchungen zu bestätigen. Der Einfluss auf die ausbleibende Milderung der Klimasituation wäre einschneidend. Das zweite Szenario wäre für Nordeuropäer schnell erlebbar. Menschen haben offensichtlich Bewältigungsstrategien entwickelt, Herausforderungen auf verschiedene Weise entgegenzutreten. Verdrängung und Verschiebung auf einen Zeitraum nach dem eigenen Ableben sind zwar nicht populär und werden deshalb seltener geäussert, stehen aber durchaus zur Verfügung. Keine Lösung ist das für jene, die entweder mit weiteren Auswirkungen während ihrer Lebenszeit rechnen oder den nachfolgenden Generationen ein auf irgendeine Weise intaktes System Erde zur Verfügung stellen wollen. Verzweiflung über die Geschwindigkeit und die zu erwartenden Einflüsse auf das eigene Leben führt nicht selten zu dystopischen Zukunftsbildern, die sich in Depression und/oder Aggression manifestieren können und deshalb nicht weiterführen. Was es braucht, um die Zeitenwende zu einer regenerativen Gesellschaft zu machen, ist eine Utopie des Gedeihens in Koexistenz mit den Lebensformen und den Ressourcen, die die Erde bietet. Mond oder Mars sind zwar für die Entdeckung des Universums sehr bedeutend, das ist klar. Leider sind diese Orte deutlich lebensfeindlicher als die Erde. Wahrscheinlich macht es mehr Sinn, mit unseren Ressourcen schonend umzugehen, damit das Leben auf der Erde weiterhin gedeihen kann. So wie sich die Situation derzeit darstellt, stehen wir eben kurz vor den Kipppunkten, wo Handeln dringend notwendig und Zuwarten nicht mehr möglich ist. Wie schaffen wir es, eine Vision zur Regeneration des Planeten mit möglichst vielen Menschen nicht nur zu entwickeln, sondern sie auch in die Realität umzusetzen? Das Bewusstsein für die Dringlichkeit entwickelt sich glücklicherweise. Aber leider auch Abwehrhaltungen, um notwendige Änderungen ganz persönlich auszulassen. Vielleicht braucht es Integrationsfiguren, die nun nach der gegenseitigen Empörung über die jeweils andere Haltung und Handlung die Zivilgesellschaft dazu anleiten, das Wirkungsvolle zu tun, um enkelinnentauglich zu werden. Könnten Hilfsorganisationen wie die Freiwilligen Feuerwehren Vorbild sein, um nicht nur Leben in der Gemeinde, sondern auf dem ganzen Planeten zu retten? Könnte das Ehrenamt helfen, Interessen zu bündeln, Wissen zur Bewältigung der planetaren Herausforderungen zu teilen, in die Keimzellen der Gesellschaft hineinzutragen und dabei generationenübergreifend Wunden zu heilen, die durch gegenseitige Vorwürfe allzu oft aufbrechen? Die Wehren wurden gegründet, um Gefahren an Leib, Leben und Besitz abzuwenden. Teilweise existiert diese Bewegung in Europa bereits über Jahrhunderte. Die Allmende, das Gemeineigentum, hört dort auf, wo die nächste Gemeinde anfängt. Dennoch hilft man sich gegenseitig und überörtlich, wenn Gefahren drohen. Können wir unseren Horizont auf den gesamten Planeten erweitern und zusammen die notwendigen Schritte tun, damit uns die zu erwartenden Konsequenzen vor unserer Haustüre nicht begegnen? Der Club of Rome hat hierfür eine einfache Formel geliefert: «Global denken, lokal handeln.» Nun sind wir alle gefragt, um das zu realisieren. Gisela und Tilo Hühn

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